Sonntag, 9. Juni 2019

Offenbach - Hoffmanns Erzählungen, 08.06.2019

Eine Woge begeisterter Bravo-Rufe gab es gestern für Tenor Rodrigo Porras Garulo in der Titelrolle von Les contes d'Hoffmann und auch sonst herrschte nach der Premiere durchgängig gute Laune: musikalisch und sängerisch gab es begeisternde Momente und die Inszenierung gelang grundsolide.

Freitag, 31. Mai 2019

Vorschau 2019/2020 (5): Künstlerkarussell

Die Ballett-Compagnie scheint verkleinert worden zu sein, 30 Tänzer werden es in der kommenden Saison sein, diese Spielzeit waren es noch 34.

Neu im Opernensemble: Mezzosopranistin Luise von Garnier, Koloratursopran Sophia Theodorides und der thailändische Tenor Nutthaporn Thammathi.
James Edgar Knight und Tiny Peters sind nicht mehr im Ensemble

Jetzt schon als Operngäste geplant: Annette Dasch (Donna Anna), Nino Machaidze, Stefano La Colla (als Calaf), Ramon Vargas (als Offenbachs Hoffmann) und Michael Volle (Don Giovanni), Annemarie Kremer könnte als Isolde zu hören sein, Stefan Vinke als Tristan.

Vorschau 2019/2020 (4): Symphoniekonzerte

Justin Brown dirigiert Beethovens 9. Symphonie zu seinem Abschied im Sommer 2020. Die Sonderkonzerte kommen ohne Gastorchester aus, das SWR Symphonieorchester mit Teodor Currentzis kommt auch in der kommenden Saison nicht nach Karlsruhe. Die Kammerkonzerte sind noch nicht veröffentlicht, das Symphoniekonzert- & Sonderkonzertprogramm liegt nun vor:

Mittwoch, 29. Mai 2019

Auf der Suche nach Kompetenz

Von Zierfischchen und Alphatierchen
Uiuiuiuiuiuiui! Das Personalkarussell am Badischen Staatstheater dreht sich wieder, Verschleiß fordert Tribut und aufmerksame Beobachter wissen kaum, worüber sie als erstes lachen sollen. Kann man diese wiederkehrenden Beschwerden als akute Spuhleritis bezeichnen?

Montag, 27. Mai 2019

Euripides / Goethe - Iphigenie, 23./26.05.2019

Vertrocknet und versandet
In dunklen Vorzeiten sollten es (Menschen-)Opfer richten, bei jeder neuen Krise mußte wieder getötet werden. Die kanalisierte Gewalt sollte die gesellschaftliche Selbstzerfleischung verhindern, grausame Rituale dienten dem Zusammenhalt. Das Ausmaß ist heute kaum noch bekannt, man strangulierte, ertränkte oder schlachtete Opfer, Fremde, Außenseiter, Schwache, man versenkte die Sündenböcke in Mooren (wo man sie heute noch gelegentlich findet), man zerriß oder verbrannte sie, man machte Schrumpfköpfe aus ihnen oder ließ sich andere Grausamkeiten einfallen. Gewalt befreit und ist einerseits die Zuflucht der Verzweifelten, Gedemütigten, Beleidigten und Unglücklichen, aber andererseits auch das Mittel der Mächtigen, um Unzufriedenheit nach außen zu lenken. Mediale Scheiterhaufen werden heute immer noch überall im politischen Spektrum kollektiv befeuert. Es sind immer vorgeblich die Vielen, die sich von den Wenigen bedroht fühlen und in deren Namen gegen die vermeintlichen Feinde gehetzt wird, die "Guten" gegen die "Bösen", noch immer brauchen Gesellschaften böse Außenseiter auf die man die Zeigefinger richten kann und über die man richten will. Alle Geschichte ist die Geschichte von Ausgrenzungen, souverän ist, wer die Feindbilder festlegt.
Iphigenie ist beides: Opfer und Täter, sie wurde geopfert und sie opfert. Sie ist Spielball höherer Mächte, verraten und gerettet von einer Göttin. Artemis fordert Iphigenies Tod und entführt sie nach Tauris, wo sie für die Göttin selber Menschenopfer darbringt - eine große und spannende Geschichte,  doch am Karlsruher Schauspiel findet man weder Zugang zum Mythos noch zur Tragödie, auf dem Weg vertrocknet und versandet die Inszenierung in einer Wüste der Einfallslosigkeit.

Dienstag, 21. Mai 2019

Vorschau 2019/2020 (3): Die heruntergespuhlerte Oper

Die Schrumpfung der Oper
In Karlsruhe zeigt man in der kommenden Opernsaison fünf Opernpremieren und eine Operette - also sechs Neuproduktionen, dazu zehn Wiederaufnahmen. Die Mannheimer Oper bietet 9 Premieren und 15 Wiederaufnahmen. Wieso ist Karlsruhe innerhalb eines heruntergespuhlerten Jahrzehntes weniger leistungsfähig als Mannheim geworden? Was machen Intendant und Operndirektor dort besser? Besonders komisch und peinlich: Das Opernpremieren-Abo umfaßt in Karlsruhe traditionell sechs Premieren. Doch da die teurer verkaufte Oper der Händel-Festspiele nicht im Abo ist, hat man nicht genug Produktionen, um das Abo zu befüllen. Das Badische Staatstheater fand eine kreative Mogelpackung: wer ein Opernpremieren-Abo hat, darf im Rahmen seines Abos in eine Ballettpremiere. Man darf gespannt sein, wer die Hauptrollen singen wird.

Montag, 20. Mai 2019

Mumpitztheater (12): Der falsche Intendant

Vom Blog zum Kummerkasten
Seit fast acht Jahren schreibe ich diesen eigentlich ganz intim auf eine kleinstmögliche familiäre  Zielgruppe setzenden Blog. Dennoch haben viele mir unbekannte Leute geschrieben - darunter regionale und überregionale Zuschauer mit Meinungen und Kommentaren zu Inszenierungen und Vorstellungen. Aber auch Theater-Mitarbeiter, Angehörige von Mitarbeitern sowie frühere Mitarbeiter meldeten sich; Einige schickten mir Informationen und Neuigkeiten, doch viele wollten  ihr Leid klagen und die Ursache ihrer Unzufriedenheit hatte stets einen Namen: Generalintendant Peter Spuhler und seine Amtsführung. Ich konnte und kann kaum nachvollziehen, ob all die Vorwürfe gerechtfertigt sind, viele Kommentare habe ich deswegen nie veröffentlicht. Aber doch gab es in manchen Schilderungen Übereinstimmungen, die Tendenzen waren eindeutig und nicht zugunsten der Intendanz. Auffällig war auch, daß in den vergangenen Jahren niemand etwas Gutes über die Intendanz zu sagen hatte, die Verschlechterungen und Qualitätseinbußen der letzten Jahre sind zu offenkundig - den Schönrednern fehlen offensichtlich die Argumente. Dieser Blog wurde zum Kummerkasten für zu viele Leser - denn das Badische Staatstheater hat den falschen Intendanten.

Samstag, 18. Mai 2019

Mumpitztheater (11): Kulturpolitik als Realsatire

Von Stagnation und Farce
Gibt es Intendant Peter Spuhler eigentlich wirklich? Oder sind er und sein scheidender Assistent Jan Linders vielleicht nur Kunstfiguren, erfunden und positioniert von Hape Kerkeling, der irgendwann am Badischen Staatstheater auftaucht und Hurz! ruft (wie hier im Video aus den 1980ern, das so wunderbar entlarvend ist)? Eine Scheinfrage ohne Realitätsbezug. Was wirklich ist, muß nicht wahr sein. Was wahr ist, wird nicht automatisch wirklich. Wer mit einem Sinn für Wahrheit und Wirklichkeit die Welt beobachtet und beide kombiniert, hat einen kritischen Zugang zur Welt und kann erkennen, daß es etwas gibt, was man an dieser Intendanz zu schätzen wissen sollte - zwischen Wahrheit und Wirklichkeit entwickelt sich unfreiwillig Humor, den man u.a. durch Karikatur und Satire darstellen kann. Um es mit einem adaptierten Bonmot von Oscar Wilde zu sagen: Der einzige Reiz der Vergangenheit liegt darin, daß sie vergangen ist. Wie brüllend komisch erscheint doch ein Theatermacher, der nicht weiß, wann der Vorhang zu fallen hat, der einen sechsten Akt verlangt und weitermachen möchte, wenn das Interesse vorüber ist. Wenn man ihn gewähren läßt, bekommt jede Komödie einen tragischen Schluß und jede Tragödie endet als Farce.
Intendant Peter Spuhler wollte schon längst wieder weg sein, doch kein anderes Theater wollte ihn haben - eine gescheiterte Karriere? Für den Karriereknick gibt es gute Gründe (mehr dazu demnächst). Man könnte sagen, daß er aus Erfolglosigkeit als Generalintendant des Badischen Staatstheaters verlängert wird, die kurzsichtige Kulturpolitik lehnt sich bequem und erleichtert zurück und hat es mal wieder vermieden, zukunftsorientiert zu handeln. Über diese Geschehnisse sollte man auch dann lachen, wenn man sich nicht freut.

Freitag, 17. Mai 2019

Mumpitztheater (10): Gnadenbrot für Generalintendant Spuhler

Nicht jeder macht von Karlsruhe aus Karriere
Die Geschichte ist inzwischen hinlänglich bekannt: Peter Spuhler kam als Intendant nach Karlsruhe, um vier Jahre später wieder weg zu sein: er hoffte auf den Intendantenjob in Basel. Sein Vorgänger Achim Thorwald soll sich im Vorfeld bereit erklärt haben, als Interimsintendant einzuspringen, Stadt und Land wollten Spuhler ziehen lassen. Doch es kam anders, Basel sagte ab, die Karriere des Intendanten kam ins Stocken. Mutigerweise lehnte man sich am Badischen Staatstheater aus dem Fenster: "Karlsruhe ist keine Endstation", "Von Karlsruhe aus macht man Karriere". Doch vergeblich: kein anderes Theater wollte den Intendanten haben. In Karlsruhe gewährt man GI Spuhler nun Gnadenbrot und hat ihn quasi aus Erfolglosigkeit um 5 weitere Jahre bis 2026 verlängert.

Georg Fritzsch wird neuer GMD in Karlsruhe

Nachfolger von Justin Brown als Generalmusikdirektor der Badischen Staatskapelle wird ab der Spielzeit 2020/21 Georg Fritzsch, vorerst für 4 Jahre bis 2024. Der 1963 im sächsischen Meißen geborene Fritsch war erst Cellist bevor er in Leipzig und Dresden sich zum Dirigenten ausbilden ließ. Einen sehr guten Ruf erarbeitete er sich als Generalmusikdirektor des Theaters Kiel, wo er seit 2003 im Amt ist, nach 16 Jahren beendet er dort seine Tätigkeit im Sommer. Fritzsch gilt als Experte für deutsche Klassik und Romantik, Opern von Richard Strauss und Richard Wagner dirigierte er auch in Stuttgart, wo er wiederholt als Gast auftrat. Die verjüngte Badische Staatskapelle entschied sich also nicht für einen Dirigenten auf dem Sprung nach oben, sondern für einen erfahrenen Orchesterleiter in der reifen Phase seiner Karriere. Zweifellos eine sehr gute Wahl, man darf gespannt sein, welche Akzente er ab 2020 setzen wird.

Dienstag, 14. Mai 2019

Vorschau 2019/2020 (2): Frischer Wind im Ballett

Fangen wir mit dem Positiven an: die neue Ballettdirektorin Bridget Breiner startet mit vier Produktionen und zwei Wiederaufnahmen von Null auf Hundert.

7. Symphoniekonzert, 13.05.2019

Zwischen Berg und Schuberts Gipfel mußte das Publikum gestern erst durch ein Tal mit fahlem Engel gehen, um sprichwörtlich gewordene "himmlische Längen" zu erleben.

Montag, 6. Mai 2019

Nicht vergessen: Abos bis zum 31.05. kündigen!

Ein Abonnement wird für eine Spielzeit abgeschlossen und verlängert sich um eine weitere Spielzeit, wenn es nicht bis einschließlich 31. Mai der laufenden Spielzeit schriftlich gekündigt wird, so lauten die Abo-Bedingungen des Badischen Staatstheaters. In 25 Tagen endet diese Frist. Wer weiß, was in der kommenden Spielzeit kommt und was die Abos beinhalten? Als Abonnent tappt man mal wieder im Dunkeln.

Sonntag, 5. Mai 2019

Donizetti - Roberto Devereux, 04.05.2019

Noch mehr Gala-Glück
Nach der fabelhaften Elena Moşuc als Anna Bolena im Januar folgte gestern die nächste Top-Besetzung für Donizetti: die kanadische Sopranistin Joyce El-Khoury bot eine herausragende Leistung als Elisabeth I., Franco Vassallo war ein imposanter Nottingham und die ganze Vorstellung ein großer Genuß.

Mittwoch, 1. Mai 2019

Vor dem GAU

Von Wegduckern, Wegguckern, Mitläufern und Herdentrieb
Im Mai könnte sich der größte anzunehmende Unfall in der Karlsruher Kulturpolitik ereignen: die Gerüchte verdichten sich, daß Generalintendant Peter Spuhler eine dritte Amtszeit bekommt. Wie konnte das passieren? Tatsächlich stellen sich aktuell viele Fragen, die den Verwaltungsratsmitgliedern Probleme machen dürften, wenn Sie sich überhaupt um Bürgerbelange kümmern und diese Fragen beantworten würden:

Freitag, 5. April 2019

Heldenbergh - The Broken Circle, 04.04.2019

Melodramatisches Rührstück
Früher traf man im Karlsruher Theater nie auf Claqueure, doch seit der Amtsübernahme von Intendant Spuhler wird die inoffizielle Zurückhaltungsregel bei Premieren anscheinend laxer gehandhabt - das engagierte Umfeld darf künstlich Stimmung machen, regelmäßig konnte man in den letzten Jahren als aufmerksamer Zuschauer beobachten, daß es augenfällig Angehörige und Freunde sind, die lautstark johlen, vor allem wenn eine Produktion auf der Kippe steht, fallen solche Manipulationsversuche auf. Die gestrige Premiere benötigte diese künstlichen Akklamationsspender, denn The Broken Circle hat in Karlsruhe zu viele Schwachpunkte. Die wenigen guten Momente übertünchen kaum die konzeptionelle Pseudostimmung eines sentimentalen Melodramas, das Betroffenheit behauptet, ohne große Gefühle entwickeln zu können.

Dienstag, 2. April 2019

Staatsballett München: Chatschaturjan - Spartakus, 01.04.2019

Helden-Ballett in Sowjet-Ästhetik
Der Sklavenaufstand des Gladiators Spartakus, der 71 v. Chr. mit dessen Tod und der Niederlage der Aufständischen endete, fand nicht nur die Aufmerksamkeit von Karl Marx, der diese Figur bewunderte. Bei Spartakus denken Film-Fans an den Monumentalfilm (1960) von Stanley Kubrick mit Kirk Douglas als Spartakus, Laurence Olivier als siegender römischer Feldherr Marcus Crassus sowie Jean Simmons, Charles Laughton, Peter Ustinov und Tony Curtis. Vier Jahre zuvor wurde 1956 in Leningrad das Ballett des sowjetischen Komponisten Aram Chatschaturjan (*1903 †1978) aufgeführt. Die 1968 für das Bolschoi-Theater in Moskau entstandene Choreographie von Yuri Grigorovich setzte sich als maßgebliche Produktion durch und scheint von der Verfilmung nicht ganz unbeeinflußt. Das Bayerische Staatsballett führte Grigorovichs Spartakus seit 2016 als erste westeuropäische Kompagnie auf. Es handelt sich um ein testosterongeladenes Männerballett und eine interessante ballettgeschichtliche Entdeckung.

Samstag, 30. März 2019

Opernvorschau: Rossinis Guillaume Tell

Das sind doch mal spannende Neuigkeiten:  Die Oper in Lyon bringt im Herbst 2019 Rossinis letzte Oper über die Geburt einer Nation: Guillaume Tell, und zwar in der Regie von Tobias Kratzer und in Koproduktion mit dem Badischen Staatstheater.

Freitag, 29. März 2019

Donizetti - Anna Bolena, 28.03.2019

Von Planung und Unplanung in der Karlsruher Oper
"Anna Bolena - zum vorletzten Mal". Wird auch diese Inszenierung wieder schnell und endgültig verschwinden? Zehn Monate nach der Premiere erfolgt nächste Woche schon wieder unwiderruflich die Derniere? Die heruntergespuhlerte Karlsruher Oper betreibt nun seit Jahren eine freud- und lieblose Repertoirepolitik, bei der man den Eindruck gewinnen kann, daß es nur noch darum geht, den Betrieb mit möglichst minimalem Programm und Aufwand aufrecht zu erhalten. Vor der Premiere scheint der Lebenszyklus einer Inszenierung schont fertig geplant, Luft zum Atmen und Sichentfalten bleibt den Werken kaum. Die Intendanz hinterläßt in den vergangenen Jahren bei manchen aufmerksamen Beobachtern den etwas peinlichen Eindruck der Semiprofessionalität und manch einer würde sich wohl wünschen, daß eine fähige Kulturpolitik endlich mal genauer hinsieht, wie zig Millionen Steuergelder eingesetzt werden.

Sonntag, 24. März 2019

Donzetti - Roberto Devereux, 23.03.2019

Bravo! Bereits in der letzten Saison war Donizettis Anna Bolena ein schöner Erfolg für die Karlsruher Oper, die gestrige Premiere von Roberto Devereux übertraf sogar noch die Vorjahresproduktion und wurde ein in jeder Hinsicht überzeugender Leistungsbeweis von allen  Beteiligten, der mit viel Applaus und Bravos belohnt wurde.

Sonntag, 17. März 2019

Strauss - Elektra, 16.03.2019

Wird es in der kommenden Spielzeit noch ein Operngala-Abo geben? Nach einer beunruhigend leeren Tosca hatte die neue Operndirektorin Braunger bereits im letzten Herbst angedeutet, daß aufgrund der stetigen Zuschauerflucht eine Entscheidung notwendig wird. Die prekär heruntergespuhlerte Karlsruher Oper hat jahrelang das Publikum auf Diät gesetzt, letzte Saison erfolgte dann ein Zuschauereinbruch (mehr hier). In dieser Saison kann man dem Publikum endlich mal wieder Besonderes bieten, Elena Moşuc war eine grandiose Anna Bolena, Joyce El-Khoury als englische Königin in Roberto Devereux (04.05.2019) ist eine hervorragende Wahl, und gestern war Elektra so gut besucht, daß man sich in kompetentere Zeiten zurückversetzt fühlen konnte. Hätte man sich am Badischen Staatstheater etwas mehr Mühe gegeben, wäre es wahrscheinlich noch voller geworden, aber bis zuletzt war auf der Internetpräsenz keine offizielle Bestätigung zu finden, daß die angekündigten Stars singen würden. Doch die Mundpropaganda funktionierte und bewies, daß das Publikum noch da ist, es kam nur einfach nicht mehr. Die Probleme an der Karlsruher Oper sind hausgemacht und in Verantwortung des Intendanten

Freitag, 8. März 2019

Waltraut Meier zu Gast am 16.03.2019

Irgendwie scheint man am Badischen Staatstheater keine Marketing-Affinität zu haben. Die für die Galavorstellung von Elektra am 16.03.19 angekündigte Agnes Baltsa als Klytämnestra mußte ersetzt werden, man hat hochkarätigen und spannenden Ersatz mit Waltraut Meier gewinnen können - aber auf der Homepage wartet man noch immer auf eine Mitteilung oder Hinweis dazu. Bisher sang- und klanglos wurden die Namen ausgetauscht, man scheint sich unsicher zu sein, ob das eine Meldung ist oder ob es überhaupt noch jemanden interessiert. Manch einer wird unken, daß der Intendant den Karlsruher Operndampfer längst im Flachwasser auf Grund gesetzt hat und verzweifelt versucht, wieder Fahrt aufzunehmen. Man kann manchmal auch vermuten, daß man längst ideenlos aufgegeben hat. Mit Catherine Foster als Elektra und Waltraut Meier hat man klangvolle Namen für die wenig spannende Inszenierung - man kann Wetten abschließen, wie leer die Vorstellung sein wird. So vieles läuft am Badischen Staatstheater schief, wenn man nicht das Ruder herumwirft und konsequent auf Qualität statt auf eitle Selbstdarstellung und Dünkel setzt, wird man weiter im Flachwasser plantschen. 

Mittwoch, 6. März 2019

Unterbezahlte Opernsänger

Auf der Internetseite der Wochenzeitung DIE ZEIT findet sich hier
https://www.zeit.de/campus/2019-02/opernsaenger-solist-musiker-gehalt-einkommen-beruf
ein interessanter Bericht über dir prekäre Lage von Opernsänger, hier speziell eines jungen Baßbaritons.

Freitag, 1. März 2019

Festkonzert der Deutschen Händel-Solisten, 28.02.2019

Gerade am Badischen Staatstheater sollte der Blick viel öfters in Richtung Frankreich gehen und französische Autoren und Komponisten in den Spielplan integriert werden. Peter Sloterdijk beschrieb das Verhältnis zum Nachbarland als "gegenseitige wohlwollende Nichtbeachtung", es wird wieder Zeit für mehr Beachtung. Die Händel-Festspiel sind in Karlsruhe ein überregionales Ereignis, das stets auch französische Zuschauer anlockt, mit dem renommierten Dirigenten Hervé Niquet hat man nun französischen Barock mit Händel kombiniert.

Mittwoch, 27. Februar 2019

Ellis - How to date a feminist, 26.02.2019

Dünnes Komödchen
Manche Liebe begründet sich nicht im weil, sondern im obwohl. How to date a feminst ist eine romantische Komödie, bei der ein Paar auf harmlose Hindernisse stößt, zweifelt und sich selbst im Weg steht - und das alles vor der Folie eines konstruierten Schubladendenkens, das Stereotype benötigt, um funktionieren zu können. Im Zeitraffer vergehen 18 Monate in 90 Minuten, für Entwicklungen ist keine Zeit: Kennenlernen, Zusammenkommen, Heiratsantrag, Hochzeit, Trennung und Versöhnung. Es geht Schlag auf Schlag, doch ohne Tiefgang, die Figuren bleiben auf der Strecke. Sowohl Text als auch Inszenierung kommen über Ansätze und Klischees nicht hinaus. Es fehlen Zauber, Reiz und Gefühl. Man kocht ein dünnes Komödchen aus üblichen Zutaten, richtet es hübsch an, doch über den faden Geschmack kann man nicht hinwegtäuschen. Die zweite von drei Komödien (Premiere war kurz vor Weihnachten) in Anna Bergmanns Versuch eines humorigen Winter-Specials (na ja, da ist noch deutliches Steigerungspotential)-: löst ebenfalls keine Lachsalven aus und bleibt betulich und flach.

Montag, 25. Februar 2019

Händel - Serse, 24.02.2019

Alle zwei Jahre finden parallel zu den Händel-Festspielen die Tarifverhandlungen der Länder statt und die Gewerkschaft ver.di ruft regelmäßig die Angestellten im Öffentlichen Dienst zum Warnstreik auf. Auch am Badischen Staatstheater wurde bereits gestreikt. Die aufwändige Inszenierung von Serse ist ein Paradebeispiel für die Leistungsfähigkeit der Werkstätten, Licht- und Bühnentechnik, Maske, Kostüme und Requisite. Ohne diese Mitarbeiter steht die Bühne still,  eine deutliche Gehaltserhöhung ist dringend notwendig, um qualifiziertes Personal für diese anspruchsvollen Jobs sowohl halten als auch neu gewinnen zu können. Daß man bei den Streiks bisher Rücksicht auf die überregional Besucher anziehenden Festspiele nimmt, verdient Applaus und Hochachtung. Theater leben nun mal nicht nur von Musikern, Bühnenkünstlern, Stars (und deren Starallüren), sondern auch von qualifizierter Vor- und Mitarbeit. Das erste BRAVO gebührt heute mal wieder den Stars hinter der Bühne.

Montag, 18. Februar 2019

Händel - Serse, 17.02.2019

Am Schluß gab's kein Halten mehr, das Barockopernglück floss über, das herzliche Publikum gab Sängern und Musikern stehende Ovationen. Die Inszenierung kommt an - virtuos, vergnüglich und unterhaltsam. Die zweite Vorstellung von Serse gelang noch runder als die Premiere.  

Samstag, 16. Februar 2019

Händel - Serse, 15.02.2019

Viva Las Vegas
Die Vorfreude war groß, die Erwartungshaltung hoch, alle fünf Vorstellungen waren frühzeitig ausverkauft - zu den 42. Karlsruher Händel-Festspielen hatte man für die Neuproduktion von Händels populärem Serse Franco Fagioli für die Titelrolle gewinnen können, Max E. Cencic führte Regie und übernahm selber die Rolle des Arsamene. Als nach vier Stunden der letzte Vorhang fiel, gab es begeisterten Jubel für eine außergewöhnlich turbulente, phantasievolle, witzige und kurzweilige Premiere.

Dienstag, 12. Februar 2019

4. Symphoniekonzert, 11.02.2019

Das 4. Symphoniekonzert hätte programmatisch in die Fastenzeit nach Fasching gepaßt, denn beide Stücke handeln vom Tod; dennoch ging es nicht depressiv oder seelisch am Boden zerstört zur Sache und das lag an motivierten und engagierten Musikern und Sängern.

Freitag, 8. Februar 2019

Vorschau (2): Händel-Festspiele 2020

Na, es geht doch. 2020 wird eine der wenigen Händel-Opern im Programm stehen, die bisher im Karlsruher Zyklus fehlen: Tolomeo. Für die Titelrolle hat man den vielversprechendsten Jungstar der Countertenor-Szene engagiert: Jakub Józef Orliński. Regie führt Benjamin Lazar, der Riccardo Primo bei Kerzenlicht auf die Bühne brachte. Unterstützt wird er von Adeline Caron (Bühne) und Alain Blanchot (Kostüme). Es dirigiert Federico Maria Sardelli, weiterhin singen Louise Kemény, Eléonore Pancrazi, Meili Li und Morgan Pearse.
Termine: Freitag, 14.02.20 / Sonntag, 16.02.20 / Mittwoch, 19.02.20 / Samstag, 22.02.20 / Dienstag, 25.02.20

Serse
wird wieder aufgenommen, allerdings ohne Franco Fagioli, den David Hansen ersetzt.
Termine: Freitag, 21.02.20 / Sonntag, 23.02.20 / Mittwoch, 26.02.20

Der Vorverkauf
für Abonnenten startet heute, alle anderen können ab 15.02.19 Karten beziehen
                                                                        

Freitag, 1. Februar 2019

Shakespeare - Viel Lärm um nichts, 31.01.2019

Ressentiments statt Liebe, Klamauk statt Komik
Hochmotivierte und sehr gute Schauspieler, eine von Shakespeares schönsten Liebeskomödien, eine Inszenierung die sowohl Vorder- als auch Hintergrund belebt und auch die Nebendarsteller nicht vergißt - und doch stimmt gestern einiges nicht. Die Regie hat Konstellationen geändert, viel Text und zwei neue Figuren hinzuerfunden, das Happy-End verhindert und dabei etwas Wichtiges vergessen. Das Publikum fällte sein Urteil über die neue Karlsruher Inszenierung von Viel Lärm um nichts unbewußt und ganz diskret, denn es dauerte fast eine Stunde bevor zum ersten Mal mehrere Zuschauer gleichzeitig lachten. Turbulent und komisch wurde es auch in der Folge nicht mehr. Und nicht nur auf die Komik mußte man warten, der Regisseurin entglitt auch die Liebe und ihr Zauber. Stattdessen war sie zu sehr damit beschäftigt, die männlichen Hauptrollen zu diffamieren - auf der Bühne stehen lauter Knallchargen. Doch wie soll Liebe oder Komödie funktionieren, wenn die Inszenierung auf Ressentiments setzt und unsympathische männliche Figuren schafft? Es ist inzwischen zu befürchten, daß man nur dann einen Job am Karlsruher Schauspiel bekommt, wenn man zum Lachen in den Keller geht und männerfeindlich ist.

Montag, 28. Januar 2019

Opern-Vorschau

Seitdem man in Karlsruhe bei Inszenierungen verstärkt auf Kooperationen setzt, erfährt man frühzeitig die Programmpläne des Badischen Staatstheaters. Es kommt bspw. Puccinis Turandot (schon wieder, zuletzt 2006), die Inszenierung läuft bereits am Teatro Massimo in Palermo und wird neben Karlsruhe auch in Bologna gezeigt, mehr dazu hier: http://www.teatromassimo.it/eng/on-stage/opera/turandot.html. Auch sonst scheint Intendant Spuhler seinem Motto treu zu bleiben: keine Experimente! Wie man aus der Baumeisterstraße hört, soll der Intendant auch für die kommende Saison auf weitere Opern setzen, die bereits im letzten Jahrzehnt bzw. nach 2000 in Karlsruhe zu sehen waren.

Sonntag, 27. Januar 2019

Strauss - Elektra, 26.01.2019

Aus zweiter Hand 
Endlich mal wieder Richard Strauss! Doch es gibt viele Fragezeichen bei der neuen Elektra. Wieso bringt man eine Oper, obwohl man keine der drei weiblichen Hauptrollen aus dem eigenen Ensemble besetzen kann und deren letzte Karlsruher Inszenierung im letzten Jahrzehnt noch nicht so lange her ist? Und wieso gerade diese kaum bemerkenswerte Alibi-Inszenierung, die aus zweiter Hand kommt (eine Koproduktion, die bereits an zwei anderen Häusern gezeigt wurde) und die Geschichte aus zweiter Hand erzählt, nämlich als Phantasie einer überspannten Museumsbesucherin, die sich in die Handlung träumt? Elektra ist eine Oper unter Hochspannung, pausenlose 100 Minuten voller Aggression, Rachephantasien, Haß, Wut und Sühnemord - eine Geschichte, deren heißer archaischer Kern eine dunkle Glut ausstrahlen muß. Wieso sollte man hier eine weitere distanzierende Ebene einbauen? Tatsächlich verliert die Karlsruher Elektra an Wucht und Wirkung. Sängerisch gab es bei der gestrigen Premiere Licht und Schatten, nur Justin Brown und die Badische Staatskapelle verliehen Strauss' großartiger Oper die erforderliche orchestrale Stimmung.

Freitag, 18. Januar 2019

Vorschau (1): Händel Festspiele 2020

Laut gut informierter Freunde barocker Opern soll 2020 nun doch eine der wenigen Händel-Opern im Programm stehen, die bisher im Karlsruher Zyklus fehlen: Tolomeo. Für die Titelrolle scheint man den vielversprechendsten Jungstar der Countertenor-Szene engagiert zu haben: Jakub Józef Orliński.

@A: Большое спасибо за информацию

Montag, 14. Januar 2019

Festakt 300 Jahre Badisches Staatstheater

Das heruntergespuhlerte Jubiläum
Es kam, wie es kommen mußte. Keine Erwartung wurde positiv übertroffen, zwischen Kuchenbuffet, Kindergeburtstag und Sonntagsreden fand sich weder Inspiration noch Kreativität oder Ambition - es gibt Vereinsfeiern, die engagierter vorbereitet sind. Was sich hingegen gestern als "Festakt" ereignete, gelang nur dort, wo das gutmütige und geduldige Karlsruher Publikum dem Jubiläum Wärme verlieh und auf der Bühne, wo Musiker und Sänger retteten, was zu retten war.

Sonntag, 13. Januar 2019

Donizetti - Anna Bolena, 12.01.2019

Glanzvolles Gala-Glück
Am Vorabend des jubellosen Jubiläums zum 300. Geburtstag des Karlsruher Theaters durfte doch gejubelt werden: Anna Bolena war erneut berückend schön gesungen und musiziert.

Dienstag, 1. Januar 2019

Mumpitztheater (9): Desinteresse statt Jubiläum

Die überforderte Intendanz
Am Sonntag, den 13. Januar 2019 feiert das Badische Staatstheater seinen 300. Geburtstag. Was hätte wohl eine andere Theaterleitung aus diesem Anlaß gemacht!?! Eine andere Intendanz hätte gezeigt, wie kreativ, einfallsreich und wertvoll das Theater ist, man hätte ein entsprechendes Programm auf die Beine gestellt, eine besondere Spielzeit, ein Festival oder ein Festmonat mit besonderen Aufführungen, früheren Ensemblemitgliedern, Gästen, Gastspielen und aktuellen Stars, ein Anlaß zum Feiern mit klarem künstlerischen Mittelpunkt - Bühne und Aufführungen und die geballte Kreativkraft des Badischen Staatstheaters. Doch die aufmerksamen Besucher des Badischen Staatstheaters wissen, daß genau hier die (Kreativ-)Schwäche der Karlsruher Theaterleitung liegt und es kaum überraschend ist, wie uninspiriert, spießig, freudlos, desinteressiert bzw. überfordert es wirkt, was Intendant Peter Spuhler zum Jubiläum zu bieten hat. Und auch zur weiteren Herabwirtschaftung der Oper gibt es gleich zu Jahresbeginn unschöne Gerüchte.