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Donnerstag, 26. Januar 2017

Richter - Small Town Boy, 25.01.2017

"Katholiken sind Haßprediger"
Die prominente, in Istanbul geborene Soziologin und Frauenrechtlerin Necla Kelek sprach im Herbst 2016 von "der Agitprop-Prosa des Bad-Acting-Staatstheaters" bzw. "dem Politkitsch des Agitationstheaters" und bezog sich damit auf das Berliner Maxim-Gorki-Theater "als Ort der Realitätsverweigerung". Small Town Boy des Autors Falk Richter - uraufgeführt in Berlin im Maxim-Gorki-Theater - gehört zu diesem weltanschaulichen Kitschtheater, das man in Karlsruhe teilweise entschärft und damit eine fundamentale Schwäche des Stücks aufdeckt: 90 Minuten lang ist es eine Mischung aus Kitsch, Klischee und Sentimentalität über männliche Homosexualität, die letztendlich so belanglos ist, daß man sich schnell kaum noch an den Text erinnert. Die restlichen Minuten gehören dann dem Politkitsch, der eine weitere zentrale Schwäche von Richters Stück offenbart: eine pegidaesque Pauschalisierung und Polarisierung, das exemplarische Zitat "Katholiken sind Haßprediger" zollt den Methoden des Populismus auf unschöne Weise Respekt und spielt sich Doppelpässe mit denen zu, die eigentlich als Vorlagengeber entfallen sollten. Es gehört zum schlechten Ton des Zeitgeists, daß man Andersdenkenden böse Absichten und dunkle Gesinnung unterstellt - die Feindeslogik nimmt von Politik, Gesellschaft und leider auch den Theatern Besitz. Die, die es besser wissen sollten, mischen mangels guter Ideen gerne mit. Was nicht ins selbstherrliche Bild paßt, wird ausgeblendet, wer nicht ins selbstverliebte Bild paßt, wird denunziert und ausgegrenzt. Bei Small Town Boy lohnt es, durch Perspektivwechsel der Einseitigkeit des Stückes mehr Würze zu verleihen: