Am Ende von Spielzeit, Operndirektion und Intendanz exhumiert die Karlsruher Oper mit der letzten Premiere für insgesamt sechs Aufführungen (eine Wiederaufnahme steht 2024/25 nicht an) Zemlinskys Kreidekreis - eine Oper, der man nachsagt, daß sie als Garant für einen lauwarmen Achtungserfolg gilt. So kam es zwar auch gestern, doch darüber hinaus sah man eine stimmig inszenierte Parabel, die spannend musiziert und engagiert gesungen und gespielt wurde!
Seit 1988 bin ich steter Besucher des Badischen Staatstheaters. Bei vielen Opern-, Theater-, Konzert- und Ballettvorstellungen im Jahr und Besuchen in anderen Städten verliert man schon mal den Überblick. Dieser Tagebuch-Blog dient mir seit der Spielzeit 2011/12 als elektronische Erinnerung. Bitte beachten Sie meine Intention: ich bin kein Journalist oder Kritiker, sondern schreibe hier lediglich persönliche Eindrücke, private Ansichten und Vermutungen für mich und Angehörige nieder.
Sonntag, 16. Juni 2024
Zemlinsky - Der Kreidekreis, 15.06.2024
Sonntag, 21. Januar 2024
Mozart - Così fan tutte, 20.01.2024
Beschaulich, behaglich, betulich
Es ist nicht einfach, das richtige Inszenierungsmaß für Così fan tutte zu finden. Meistens wird die hanebüchene Handlung dieser Buffa-Oper nicht als komisch, sondern als lächerlich empfunden, früher hat man deshalb oft in die Handlung eingegriffen oder der Oper neue Texte unterlegt. Lange betonte man die bittersüße Komponente des Geschehens, die man ironisch oder sarkastisch interpretieren kann, je nachdem, ob man die Abgründe übertünchen will oder versucht, sie glaubhaft zu machen. Und in der Schlußszene kann man dann entweder ein Ausrufezeichen oder ein Fragezeichen setzen.
Die neue Karlsruher Inszenierung findet einen überwiegend kurzweiligen Weg durch die Education sentimentale der Handlung, die Regie drängt sich nie in den Vordergrund, modernisiert behutsam das Geschehen und charakterisiert treffend die wankelmütigen Figuren. Musik und Sänger blieben bei der gestrigen Premiere nicht nur stets im Mittelpunkt, sondern trumpfen auf: Dirigent und Musiker trugen die spielfreudigen Sänger quasi auf Händen und zelebrierten die Partitur als Schönklang.
Dienstag, 31. Oktober 2023
2. Symphoniekonzert, 30.10.2023
Drei Werke von drei Komponisten, drei Choräle, drei Solisten und eine dreisätzige Symphonie als drittes Werk, die der Autor dieses Besucher-Tagebuchs im dritten Jahrzehnt als Konzertabonnent zum dritten mal im Großen Haus erlebte, und -aller guten Dinge sind drei- beim dritten Hören engagierter und überzeugender musiziert wahrnahm als zuvor. Wenn es nun noch das dritte Symphoniekonzert der Saison gewesen wäre, hätte die auffallende Dreifaltigkeit als zahlenmystisches Zeichen Anlaß zu transcendenten Spekulation über die anscheinende Absichtlichkeit im Schicksale des Einzelnen gegeben. So blieb es dann doch nur Zufall.
Dienstag, 23. Mai 2023
7. Symphoniekonzert, 22.05.2023
Teilweise nur selten zu hörende russische, exilrussische und sowjetische Musik aus dem ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts stand auf dem Programm des stark applaudierten 7. Symphoniekonzerts.
Sonntag, 14. Mai 2023
Dvořák - Rusalka, 13.05.2023
Es ist gar nicht so lange her, daß es am Badischen Staatstheater eine Rusalka zu hören gab. In der Spielzeit 2007/08 war es eine Übernahme einer Produktion aus dem Nationaltheater Ostrava, die die Oper sehr schlicht illustrierte und die in Karlsruhe musikalisch und sängerisch nicht optimal besetzt werden konnte. Die neue Rusalka überragt die damalige Inszenierung in jeder Hinsicht und nach dem spannenden Wozzeck gelingt der Karlsruher Oper eine weitere hörens- und sehenswerte Umsetzung, der man viel Publikum wünscht!
Donnerstag, 14. Juli 2022
Verdi - Aida, 13.07.2022
Aida ist zu einem schönen Erfolg für das Badische Staatstheater geworden, musikalisch mitreißend, sängerisch dramatisch zugespitzt, dazu ein hoher Spektakelwert durch Orchester und Chor - alle Vorstellungen waren quasi ausverkauft. Und die gestrige Vorstellung gewann sogar noch an Rasanz hinzu.
Montag, 27. Juni 2022
Verdi - Aida, 26.06.2022
Befreiungsschlag: Musikalisches Spektakel mit dramatischer Energie
Über 20 Jahre sind seit der letzten Karlsruher Aida verstrichen. Höchste Zeit also, dem Publikum diese großartige Oper wieder vorzustellen und das Badische Staatstheater scheute das Spektakel nicht: Chor und Extra-Chor, Blechbläser auf der Bühne und im Zuschauerraum, eine grandios aufspielende Badische Staatskapelle und auftrumpfende Sänger. Dazu eine geradlinige Regie, die Aida im
pharaonischen Ägypten beläßt und sich damit begnügt, die Handlung dekorativ zu begleiten, - das mag szenisch nicht aufregend sein, es ist aber vor allem nicht aufdringlich. Die Inszenierung hält sich zurück und läßt die
Musik sprechen und der Abend wurde zum Befreiungsschlag: endlich wieder ein großer Erfolg!
Sonntag, 23. Januar 2022
Donizetti - Don Pasquale, 22.01.2022
Steril und humorfrei
Wie kann man eine so schöne Oper wie Don Pasquale nur so uninspiriert, so ganz ohne Komik, ohne Tempo, ohne Pointen und ohne Charme inszenieren? Die gestrige Premiere zeigte, daß für die heruntergewirtschaftete Karlsruher Oper das letzte Jahrzehnt bedauerlicherweise immer noch nicht beendet ist, noch immer spuken die Gespenster des Intendanten umher, dessen Namen hier nicht mehr genannt werden soll. Dabei hat das vergangene Jahrzehnt am Badischen Staatstheater einige schöne Produktionen von Donizetti-Opern hervorgebracht, die dramatischen Werke Roberto Devereux (der ja auch am Ende der Spielzeit berechtigterweise wieder aufgenommen werden soll) und Anna Bolena, zuvor auch die fröhlichen Opern Der Liebestrank und die Die Regimentstochter. Dieser Erfolg Donizettis auf der Karlsruher Bühne ist auch mit
Künstlern eng verbunden, insbesondere Ina Schlingensiepen und Eleazar
Rodriguez sowie Armin Kolarczyk sind die Stars dieser geglückten Reihe. Nun also endlich mal wieder Donizettis heiteres Meisterwerk Don Pasquale in einer Übernahme aus Montpellier. Doch obwohl es ein auftrumpfendes Sängerquartett und dazu agile Musizierfreude aus dem Orchestergraben zu hören gab, wollte der Funke szenisch nicht überspringen.
Sonntag, 6. Juni 2021
Symphoniekonzert als Livestream, 06.06.2021
Erneut streamt die Badische Staatskapelle ein bemerkenswert schönes Konzert. Werke des Rokoko und des Neobarock standen im Mittelpunkt und Dirigent Johannes Willig führte in den Pausen kenntnisreich durch die Entstehungsgeschichte.
Sonntag, 26. Januar 2020
Puccini - Turandot, 25.01.2020
Wie kann man eine imposante Oper wie Turandot so lustlos und uninspiriert szenisch verhunzen? Ein Erfolgsgeheimnis der Kunstform Oper besteht darin, alle anderen Künste integrieren zu können. Dies gelang beispielhaft gut vor sechs Jahren im 1. Akt von Dr. Atomic; es mißlingt nun bei Turandot. Anläßlich des an diesem Wochenende zusammen mit dem ZKM ausgerichteten Symposiums zu Opern- und Medienkunst, suchte die Karlsruher Oper nach einer Inszenierung, die exemplarisch Medienkunst integriert. Doch ach!, es fand sich nichts Gutes, in Italien kaufte man dann letztendlich eine defizitäre Produktion ein, die zuvor in Palermo und Bologna zu sehen war (auf youtube kann man sich hier einen komplettem Mitschnitt der nun in Karlsruhe zu sehenden Inszenierung ansehen), und deren Unzulänglichkeiten unfreiwillig komisch wirken: man sieht im Hintergrund einen kitschig-bunten Film voller Belanglosigkeiten vor dem Sänger und Chor mittels reduzierter und amateurhaft simpel wirkender Personenführung quasi semikonzertant-statisch Alibi-Bewegungen durchführen. Die Regie heuchelt Bedeutsamkeit, um Bedeutung vorzutäuschen, zeigt aber nur aufgeblähte Belanglosigkeiten - die Form bleibt leer! Nichts gelingt überzeugend, weder Liebesgeschichte noch Groteske, weder Märchen noch Drama, statt Exotik sieht man medialen Kitsch. Gerettet wurde die gestrige Premiere durch die auftrumpfenden Chorsänger und Orchestermusiker sowie durch gute Sängerleistungen.
Sonntag, 15. Dezember 2019
Mozart - Don Giovanni, 14.12.2019
Sehr gute Sänger, insbesondere ein grandioser Konstantin Gorny und ein starker Nicolas Brownlee, sehr schön musiziert, ein überzeugendes Bühnenbild und eine Inszenierung, die in ihren besten Momenten konventionell und überraschungslos ist und an zentralen Stellen ambitionslos und dramaturgisch altmodisch wirkt. Es gab viel Applaus für die gestrige Premiere des neuen Don Giovanni, doch wer sich noch an Robert Tannenbaums Karlsruher Inszenierung aus der Saison 2006/2007 erinnert, der wird gestern vielleicht auch den Eindruck gehabt haben, über weite Strecken einen variierenden Abklatsch der letzten Produktion zu sehen, der weniger humorvoll und augenzwinkernd gelang, kaum Dramatik entwickelt und bei der die zugekokste, alkoholisierte und fast dauerschwankende, in einer tödlichen Psychose endende Titelfigur kaum Plausibilität gewann.
Dienstag, 17. September 2019
Dienstag, 27. November 2018
3. Symphoniekonzert, 26.11.2018
Montag, 9. Juli 2018
Mozart - Lucio Silla, 08.07.2018
Tobias Kratzer (mehr zu seiner Arbeit hier) ist die Regie-Entdeckung der letzten Jahre, seine Inszenierungen kombinieren scharfsinnig moderne Entsprechungen mit einfallsreichen Umsetzungen und sind hochgradig diskutabel, man kann sich über sie aufregen und/oder begeistern - Langeweile stellt sich sehr selten ein. 2019 wird der Regisseur in Bayreuth Tannhäuser in Szene setzen. Bei Mozarts Lucio Silla unterbietet Kratzer seine bisherigen Leistungen, die Assoziationsfäden knüpfen sich zu keinem konsistenten Erzählstrang, sein Konzept ist nur über die Oper gestülpt und schmiegt sich wenig an. Unterhaltsam ist es dennoch als unheimlicher Blick auf psychopathologische Abgründe, denn im Umfeld höchster Macht entwickeln sich hier "hochgradige Persönlichkeitsstörungen". Dem Publikum gefiel es, denn vor allem sängerisch und musikalisch waren die Leistungen nicht nur wegen Franco Fagioli bravourös.
Donnerstag, 14. Juni 2018
Verdi - Simon Boccanegra, 13.06.2018
Sonntag, 2. April 2017
Cilea - Adriana Lecouvreur, 01.04.2017
Freitag, 10. März 2017
Mozart - Hochzeit des Figaro, 09.03.2017
Da ist sie endlich wieder, Pavel Fiebers zeitlose und publikumsfreundliche Inszenierung aus dem Jahr 2001, die man klugerweise noch nicht entsorgt hat (und hoffentlich noch einige Zeit behält!). Sie erlebte über die Jahre Höhen und Tiefen, die von den wechselnden Besetzungen der Sänger und des Dirigenten abhängig waren. Die gestrige Wiederaufnahme war durch zahlreiche Rollendebüts auf der Bühne geprägt und sprühte vor Spielfreude und Begeisterung.
Montag, 19. Oktober 2015
Meyerbeer - Der Prophet, 18.10.2015
84 Jahre lang hat man am Badischen Staatstheater keine Oper von Jakob Meyer Beer alias Giacomo Meyerbeer mehr gespielt, das opulente, fünfaktige Musikdrama Le Prophète gab es in Karlsruhe seit 94 Jahren nicht mehr zu hören. Die gestrige Rückkehr endete vom Publikum umjubelt mit viel Applaus für alle, musikalisch hochwertig mit einer mit Bravo-Rufen überschütteten Altistin Ewa Wolak in der schweren Rolle der Fidès. Die spannende Regie rehabilitierte Meyerbeer indem sie das betonte, was man Meyerbeer oft vorwarf: sie betont die szenische Kraft, das äußerlich Dankbare, das Sensationelle, Effekt auf Effekt wie ein Varietéprogramm - eine Oper als Plakat, eine Inszenierung, die fast kein Klischee bei der Durchführung ihrer Idee ausläßt. Es scheint als könnte man vieles von dem, was die Kritik im 19. Jahrhundert dazu beitrug, um Meyerbeer von den Bühnen verschwinden zu lassen, nun anführen, um den szenischen Premierenerfolg zu erklären.
Freitag, 17. April 2015
Puccini - Tosca, 16.04.2015
Wieder eine Sternstunde durch Barbara Dobrzanska
Mittwoch, 31. Dezember 2014
Puccini - Tosca, 30.12.2014
Ausgezeichnet gesungen und gespielt vor fast vollem Haus, zufriedenem Publikum und schöner Stimmung - wer dabei war, erlebte eine sehr gute Aufführung.