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Sonntag, 6. November 2022

Brecht - Das Leben des Galilei, 05.11.2022

Gelungene Fassadenkunst
Das Leben des Galilei wird Abiturthema und deshalb fand die Wissenschaftlerparabel ihren Weg ins Karlsruher Schauspielprogramm. Brechts Schullektürenklassiker handelt von der Verantwortung des Wissenschaftlers, von privater Opposition und öffentlicher Zurückhaltung in Zeiten der Unterdrückung, konkret erzählt am Beispiel des Galileo Galilei (*1564 1642), der 1633 als alter Mann mehrere Wochen in Haft kam, mehrfach verhört wurde und unter Androhung von Folter durch die Inquisition seine Forschungsergebnisse zur kopernikanischen Lehre widerrief. Die lebenslange Haft wandelte der Papst in Hausarrest um, dem Galilei bis an sein Lebensende unterlag. 
Die neue Inszenierung des Karlsruher Schauspiels hat die Zielgruppe fest im Blick, man versucht, den Anreiz, aufs Smartphone zu schauen, möglichst gering zu halten. Der Regisseur kümmert sich nicht um Brechts gediegene Rhetorik, seine geschliffenen Dialoge oder eine tiefere Bedeutung des Stücks. Er kürzt vielmehr den Text auf zwei pausenlose Stunden, reduziert Konflikte und lockert ihn stattdessen mit Klamauk und viel musikalischer Untermalung zu einen kurzweiligen Schaustück auf, das an eine Commedia dell' arte mit holzschnittartigen Charakteren erinnert. Was sonst oft schief geht, funktioniert hier gut: der Text wird zwar entkernt, gehaltvolle Konflikte ins Zweidimensionale reduziert oder ganz gestrichen und jegliche über sich hinausweisenden Zeitbezüge vermieden, die übrig gebliebene Fassade wird dabei allerdings unterhaltsam aufbereitet, die Premiere wurde durch die Spielfreude aller beteiligten Schauspieler zum Erfolg geführt.