Freitag, 7. Dezember 2018

Tschaikowsky - Der Nußknacker, 06.12.2018

Abschiednehmen am Nikolausabend
Schön und schade. Viele hatten sich schon fast rituell an diesen Nußknacker zu Weihnachten gewöhnt, der seit 2010 (mehr auch hier) erfolgreich lief und so wunderbar gute Stimmung verbreitet. Mit dem Ende der Ära Birgit Keil kommt ein Kompagnie- und Stilwechsel. Aber Bangemachen gilt nicht, die neue Ballett-Direktorin Bridget Breiner wird die Herausforderung zweifellos annehmen. Sieben Jahre war Breiner als Ballettdirektorin in Gelsenkirchen, für ihre Choreographien wurde sie in dieser Zeit gleich zwei Mal mit dem Theaterpreis „Faust“ ausgezeichnet, und zwar für das Aschenputtel-Ballett Ruß (2013) sowie Charlotte Salomon: Der Tod und die Malerin (2015) - und es ist wahrscheinlich, daß sie zumindest eine dieser Choreographien in Karlsruhe auf die Bühne bringen wird. Eine Ära endet, aber die Chancen stehen bestens, daß das Ballett in Karlsruhe seinen Stellenwert behält.

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Am 07.12.2018 tagt der Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters

Im Stimmungstief
Das Badische Staatstheater ist nach über sieben Jahren unter der Führung von Generalintendant Peter Spuhler in keinem guten Zustand. Die schlechten Zuschauerzahlen (mehr hier), die vielen Personalwechsel und Diskontinuitäten stehen stellvertretend für Unsicherheit, Ungenügen und Überforderung. Über ästhetische und inhaltliche Probleme kann und soll man streiten, doch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen die Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters. Wie schlecht ist die Stimmung in der Baumeisterstraße?

Sonntag, 2. Dezember 2018

Haidle - Der stärkste Mann der Welt, 01.12.2018

Familienzirkus auf Zirkusbühne
Mit Komödien hat man sich seit der Intendanzübernahme durch Peter Spuhler am Karlsruher Schauspiel sehr schwer getan. Es gab viel zu wenig Humor in den letzten sieben Jahren, nie wurde es brüllend komisch, keine einzige rasante Inszenierung mit hoher Pointendichte und makellosem Timing. Lachsalven und Zwerchfellmuskelkater scheinen den bisherigen Verantwortlichen fremd, viel zu bieder, zu behäbig und auch zu spießig sind bisher in dieser Hinsicht die schwächelnden Kreativkräfte der Intendanz. Schauspieldirektorin Bergmann scheint deutlich ambitionierter, drei Komödien in Folge werden nun inszeniert, im Januar Shakespeares Viel Lärm um nichts, Mitte Dezember How to date a feminist und gestern gab es sogar eine Uraufführung. Der stärkste Mann der Welt erwies sich dabei allerdings als Tragiklamauk über eine Zirkusfamilie - sehr schräg, sehr übertrieben, am Schluß sehr blutig und sehr kurzweilig. Den Publikumserfolg verdankte die gestrige Premiere erneut den hoch engagierten und sehr gut aufgelegten Schauspielern und vor allem Klaus Cofalka-Adami machte die Titelfigur zu seiner Paraderolle. Bravo!

Dienstag, 27. November 2018

3. Symphoniekonzert, 26.11.2018

Beliebte russische Symphonik mit seltener französischer Virtuosität - im diesjährigen Konzertprogramm finden sich viele "Lieblingswerke" und auch gestern gab es einen guten Grund für das volle Große Haus und am Schluß langen, herzlichen Applaus für ein überzeugendes Konzert.

Sonntag, 25. November 2018

Festspielhaus Baden-Baden: Mendelssohn-Konzert, 24.11.2018

Lauter Lieblingsstücke der Romantik und dazu ein Lieblingsdirigent
Marc Minkowski kam mit zwei Stöcken zum Konzert. Der Großmeister historischer Aufführungspraxis hatte den Dirigentenstab in der Linken, rechts stützte er sich auf einen eleganten schwarzen Gehstock mit silbernem Knauf, den er auf einer auf dem Dirigentenpult stehenden Bank ablegte. In Deutsch mit gelegentlichen englischen Ergänzungen erklärte er dem Publikum, daß er vor zwei Monaten einen Fahrradunfall hatte und sein Bein "kaputt" sei. Deswegen drehte er die Programmreihenfolge um, er startete mit dem längsten Werk, nach der Pause folgte die kürzere Symphonie und am Schluß sollte dann die kurze Ouvertüre stehen. Tatsächlich hielt Minkowski nicht durch, nach zwei Symphonien war Schluß, die Ouvertüre dirigierte sein Assistent - viel wichtiger war etwas anderes: Felix Mendelssohn Bartholdys Werke klangen aufregend!

Donnerstag, 22. November 2018

Jelinek - Am Königsweg, 21.11.2018

Zähfadtrübe Kaugummisuppe
Langweilend verendet ein Text. Die Karlsruher Inszenierung von Am Königsweg stellt hohe Ansprüche an die Ausdauer des Publikums. Selten wird man so gelangweilt. Wer unter Einschlafstörungen leidet oder intelligente Unterhaltung für überbewertet hält, der kann sich im Karlsruher Schauspiel erfolgreich anöden lassen - ein besinnlicher Abend für Langweiler, für alle anderen Theater aus der Kategorie verschwendete Zeit. Aber Achtung: das Stück ist pausenlos ohne offizielle Fluchtmöglichkeit. Wer vor dem Einschlafen rausgehen möchte, sollte sich an den Rand setzen.

Sonntag, 18. November 2018

Staatsballett München: Talbot/Wheeldon - Alice im Wunderland, 17.11.2018

Opulentes Spektakel
In Karlsruhe wurde gestern die sich ganz auf die männlichen Figuren konzentrierende Version von Tschaikowskys Schwanensee (UA 2004 in New York) des Choreographen Christoper Wheeldon aus der Spielzeit 2009/2010 wieder aufgenommen, in München ist auch über 18 Monate nach der deutschen Erstaufführung (mehr hier) Wheeldons Alice (UA 2011 am Royal Ballet in London, mehr dazu bei youtube hier, hier, hier und hier) ein grandioses Vergnügen und überwältigendes Ballettspektakel! Aufwändiger scheint Ballett kaum möglich, Wheeldons Choreographie, die Partitur von JobyTalbot sowie Bühne inklusive vieler visueller Effekte und Kostüme sind Meisterwerke und ein Gesamtkunstwerk.
Die Karlsruher Ballettdirektorin Birgit Keil hatte im letzten Jahrzehnt mit dem Engagement des Choreographen eine glückliche Hand, inzwischen ist Wheeldon weltweit ein gefragter Choreographie-Star. Wer holt nun Wheeldons Shakespeare Ballett «A Winter's Tale» oder sein Gershwin-Ballett «Ein Amerikaner in Paris» zur Erstaufführung nach Deutschland? Karlsruhe hat durch Wheeldons Schwanensee einen Vorteil, den man am Badischen Staatstheater (bzw. die designierte Ballettdirektorin Bridget Breiner) nutzen könnte.

Mittwoch, 7. November 2018

Neue GMD Kandidaten stellen sich vor

Ab 2020/21 wird ein Nachfolger für GMD Justin Brown gesucht. Nachdem der Wunschkandidat für Browns Nachfolge letztes Jahr abgesagt hat (mehr hier), beginnt man diese Saison wieder von vorne. Vier Kandidaten sind bisher bekannt, drei von ihnen stellen sich 2019 im 4., 5. und 6. Symphoniekonzert vor. Alle vier werden probeweise eine Oper dirigieren, die drei ersten Termine sind nun bekannt:

Freitag, 2. November 2018

Puccini - Tosca, 01.11.2018

Tolle Opern-Gala vor zu wenig Zuschauern
Es gibt Gründe, wieso man in der vergangenen Saison in der Oper fast 10% oder 14.000 Eintrittskarten weniger verkaufte als in der Saison zuvor. Doch bevor die allgemeine Situation angesprochen wird, erst einige Worte zur gestrigen sehr schön gelungenen Tosca. Zwei spannende Gäste hatte man engagiert, und mit Martina Serafin gab es eine stimmlich und darstellerisch attraktive und ideale Tosca, die keine Wünsche offen ließ. Was für ein aufregender 2. Akt, was für eine intelligente Darstellung, die sich in die Inszenierung einfügte und doch eigene starke Betonungen hatte. Serafins Auftritt war bereits den Besuch wert, doch auch sonst gab es Spannendes zu hören und erfreulich viele Bravos aus dem schlecht gefüllten Zuschauerraum.

Dienstag, 30. Oktober 2018

2. Sonderkonzert, 29.10.2018

Das neue SWR Symphonieorchester macht sich in Karlsruhe rar, und wer dessen neuen Chefdirigenten Teodor Currentzis erleben will, muß nach Mannheim, wo der Grieche Tschaikowskys 5. und Schostakowitschs 7. Symphonie dirigiert, oder nach Freiburg, wo auch noch Mahlers 4. erklingt. Als Gast hatte man gestern am Badischen Staatstheater das Festival Strings Lucerne eingeladen, das Mozart und Tschaikowsky spielte. Das ohne Dirigenten auftretende kleine Kammerorchester aus der Schweiz kam mit einem melodischen Gutelauneprogramm.

Freitag, 26. Oktober 2018

Bergman - Szenen einer Ehe, 25.10.2018

Volltreffer: Bergmann inszeniert Bergman hautnah und spannend
Männer können interessanter werden, Frauen hingegen werden einfach nur älter. In Ingmar Bergmans Szenen einer Ehe verläßt Johan plötzlich seine Frau Marianne und ihre beiden Kinder, um mit einer 20 Jahre jüngeren Frau eine Affäre auszuleben und sich ein neues Leben aufzubauen. Marianne ist stark und verbittert nicht, Johan wird in der neuen Beziehung nicht glücklicher, beide können nicht voneinander lassen.
Szenen einer Ehe - der Titel wurde fast sprichwörtlich. Ein Blick unter die Oberfläche und hinter die offizielle Kulisse - diese Perspektive gelingt mit den beiden Schauspielern Sina Kießling und Timo Tank in der Inszenierung Anna Bergmanns herausragend gut und es fällt leicht zu prognostizieren, daß es schwer sein wird, als Zuschauer an Karten zu kommen - pro Vorstellung dürfen nur etwa 40 Besucher hautnah dabei sein, bereits jetzt sind die ersten Vorstellungen ausverkauft.

Dienstag, 23. Oktober 2018

2. Symphoniekonzert, 22.10.2018

Das gestrige Symphoniekonzert war ohne symphonisches Zugpferd und ähnelte einer Anthologie von Kurzgeschichten aus etwas über 100 Jahren und drei Jahrhunderten. Fünf Komponisten, fünf Werke, vier davon kann man als Tondichtung beschreiben, das zentrale Solistenkonzert betonte hingegen seine Uneindeutigkeit. Alle Stücke sind illustre und suggestive Klangkunst - ein Faden, wenn auch kein hörbar roter, war vorhanden, die Zusammenstellung blieb beim Hören dennoch episodisch und heterogen.

Freitag, 19. Oktober 2018

Puccini - Tosca, 18.10.2018

Da ist sie wieder, die unverwüstliche Tosca von Regisseur John Dew aus der Saison 1999/2000. Sänger und Dirigenten kamen und gingen, Barbara Dobrzanska (mehr zu ihr hier) hingegen ist nun schon ca. 15 Jahre die bravouröse Konstante in der Titelrolle und bekam gestern den gewohnt herzlichen Applaus für ihre charaktervolle Interpretation. Die beiden männlichen Hauptrollen erlebten gestern spannende Rollendebuts und in der Halbzeit sorgte der Intendant für Heiterkeit.

Sonntag, 14. Oktober 2018

von Weber - Der Freischütz, 13.10.2018

Ein Bühnendesaster - gehirnverstaubt, inspirationslos und dilettantisch mißlungen  
Hallooooo? Ist da jemand in der Führungsetage des Badischen Staatstheater? ... Nein, es scheint, als ob das Oberstüble lange nicht mehr genutzt wurde, denn es wirkt mal wieder äußerst hilflos und überfordert, was man seinem Publikum mit dem Freischütz zumutet. Wenn man gestern den Zuschauern Tüten mit überreifen Tomaten zur Verfügung gestellt hätte, wäre die Nachwuchsregisseurin nicht nur mit rekordverdächtig lauten Buh-Rufen für die vergeudete Lebenszeit und ihr Desinteresse gegenüber Musikern und Sängern (die sich monatelang vorbereiten und dann diesen Schrott darstellen müssen) bestraft worden. Schade, daß dieses Brauchtum in Vergessenheit geraten ist. Es ist eine Folge der prekär-defizitären Intendanz, daß es in den vergangenen Jahren vermehrt Inszenierungen gab und gibt, die aus dem letzten Loch pfeifen. Immer wenn man glauben wollte, daß das Training-on-the-job der Karlsruher Intendanz langsam erfolgreicher verlaufen könnte, kommen wieder solche peinlichen Abstürze in Unverständnisgrater. Der Freischütz ist ein Rückschlag, vergleichbar mit Verdis Macbeth, Strauß' Fledermaus und anderen dilettantisch verhunzten Inszenierungen. Der Karlsruher Oper läuft das Publikum weg (mehr dazu hier), dieser Freischütz wird die Situation wohl verschlimmern, denn man kann nur jedem raten, diese Produktion zu meiden und die Zeit sinnvoller zu verbringen.

Montag, 8. Oktober 2018

Svolikova - Europa flieht nach Europa, 07.10.2018

Rang- und belanglos
Die gestrige Premiere von Europa flieht nach Europa ist ein Beispiel für alchemistisches Theater. Den fünf Schauspielern und dem Inszenierungsteam gelingt das seltene Kunststück, etwas aus sehr, sehr wenig zu machen. Ein textliches Nichts ohne Handlung und sprachlichen Reiz wird künstlich zu 70 Minuten Spieldauer aufgebauscht, die Zuschauer erwartet nur Formulierungshülsen, quasi Gelaber im Theater. Doch daß die Schauspieler diese Belanglosigkeiten so motiviert und engagiert vortragen, rettet die Vorstellung und ist großes Theater ohne großen Autorentext und ohne Triftigkeit.

Donizetti - Anna Bolena, 07.10.2018

Immer noch Spätsommer, einer der schönsten Sommer der letzten Jahrzehnte hält weiterhin durch. Die sonntägliche Nachmittagsvorstellung von Donizettis in Karlsruhe so bravourös und beeindruckend gelingender Anna Bolena war trotz Sonnenschein und Wärme sehr gut besucht, und das mit voller Berechtigung, Belcanto wird hier in Arien und Ensembles grandios hör- und erlebbar, sängerisch und musikalisch ist diese Produktion ein Aushängeschild für die Karlsruher Oper und verdient viele Zuhörer.

Sonntag, 7. Oktober 2018

Ibsen - Nora, Hedda und ihre Schwestern, 06.10.2018

Tragödien des Alltags als Melodramen verkrampfter Frauen
Die Frauendramen Henrik Ibsens (*1828 †1906) behandelten bereits am Ende des vorletzten Jahrhunderts das Dilemma der emanzipierten Frau: Was entbehre ich und mit wem? Ibsen zeigt Ehepaare, in deren Beziehungen es Unausgesprochenes, Ungeklärtes und Unwahres gibt und in der Folge radikale Entscheidungen getroffen werden, und zwar -und das ist damals auf der Theaterbühne außergewöhnlich- von den Frauen selber und teilweise gegen die gesellschaftliche Norm. Ibsens Frauen standen im späten 19. Jahrhundert an der Schwelle zur emanzipierten Freiheit und entscheiden in Krisen selber über ihre Zukunft. Die neue Karlsruher Schauspieldirektorin und Regisseurin Anna Bergmann kombinierte drei Stücke Ibsens und knüpfte drei Frauenschicksale zu einem großen Theaterabend mit 20 Figuren, gespielt von 13 Schauspielern und insgesamt fast 200 Minuten Spieldauer inklusive einer Pause. Bergmann hätte eine Reihe mit Ibsen-Dramen starten können, stattdessen experimentiert sie an einem großes Ibsen-Panorama im Breitwandformat und komprimiert die drei Stücke teilweise bis zur Verfremdung. Das Ergebnis ist einfallsreich, aber durchwachsen, zu wenige gute und zu viele schwache Momente, teilweise spannend, doch mit Durchhängern und Durststrecken. Die Schauspielleistungen lohnen den Besuch, die Schwäche liegt hier alleine im Konzept, das überbedeutungsschwanger, überklamaukig, überhysterisch, überzeigefingerhebend, übersymbolisch und übertrieben gerne Klischees bemüht. Bergmann schwächt die emanzipatorische Kraft und betont das Unglück der Protagonistinnen, die in der Karlsruher Produktion zu Opfern von Männern und "Machtstrukturen" werden und verkrampft um Authentizität ringen.

Dienstag, 25. September 2018

Sänger auf Wohnungssuche

Zwei Karlsruher Opernensemblemitglieder Mezzosopranistin Jennifer Feinstein und ihr Ehemann Baßbariton Nicholas Brownlee haben sich für House Hunters International bei der Wohnungssuche in Karlsruhe filmen lassen. Den sympathischen Spaß kann man sich auf Youtube hier anschauen:
https://youtube.com/watch?v=m4qtWL6kFPg

1. Symphoniekonzert, 24.09.2018

Wagner vor der Pause, Bruckners "Wagner-Symphonie" danach - die Rückkehr aus dem Urlaub und der Start in die neue Spielzeit gelang motiviert und souverän, obwohl die Musik des Sachsen neben der des Oberösterreichers ziemlich blaß blieb.

Mittwoch, 12. September 2018

Programm des Karlsruher Theaterfests am 15.09.2018

Eröffnung des Theaterfests  und Begrüßung durch Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, Generalintendant Spuhler und Lahnor Adjei (Direktor des Badischen Konservatoriums)
11.00 Uhr auf dem Theatervorplatz

Montag, 10. September 2018

Stuttgarter Machenschaften - nicht nur am Staatstheater

Peter Spuhler hat als Generalintendant des Badischen Staatstheaters keine guten Jahre hinter sich. Wieso seine Amtszeit über 2021 eventuell sogar noch mal verlängert werden soll, bleibt einigen Beobachtern ein Rätsel. Aber mit der zuständigen Stuttgarter Wissenschaftsministerin Teresia Bauer hatte der Intendant bisher stets eine mächtige Fürsprecherin, die nun massiv unter Beschuß gerät. In einem Urteil des Verwaltungsgerichts soll festgestellt worden sein, daß die Ministerin mit rechtswidrigem Handeln die ehemalige Rektorin der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg Dr. Claudia Stöckle aus dem Amt gedrängt hat. Die SPD-Landtagsfraktion fordert Bauers Rücktritt (mehr hier), die Grünen-Politikerin habe in der Affäre um die Verwaltungshochschule Ludwigsburg wiederholt gelogen. Der stellvertretende Vorsitzendende der SPD-Fraktion Sascha Binder erklärte: "Eine Ministerin, die die Fürsorgepflicht gegenüber Beamten so mit Füßen tritt und mehrmals die Unwahrheit gegenüber dem Parlament sagt, darf in einer Landesregierung kein Amt bekleiden."
In Karlsruhe werden nun ungute Erinnerung an 2015 und die Affäre Spuhler wach, als die Ministerin und der Intendant damit scheiterten, den Verwaltungsdirektor des Badischen Staatstheater Michael Obermeier aus seinem Amt zu entfernen.

Samstag, 1. September 2018

Vorschau auf die Spielzeit 2018/2019

Trauriges Jubiläum
Wir befinden uns im 300. Jahr der Karlsruher Theatergeschichte, aber es gibt kein (oder bestenfalls ein spärliches) Jubiläumsprogramm. Was hätten wohl andere Theater aus so einem Anlaß gemacht! In Karlsruhe erleidet man hingegen die uninspirierte, phantasie- und kreativschwache und in zu vielen Belangen prekär-defizitäre Intendanz von Peter Spuhler. Doch auch wenn es schwer fällt, sollte man sich die fröhliche Vorfreude auf die kommende Spielzeit vom Intendanten nicht nehmen lassen, es gibt spannende Produktionen interessanter Werke, neue Spartendirektorinnen in Schauspiel und Oper, man kann die Suche nach einem neuen GMD beobachten und es gilt Abschied zu nehmen von Birgit Keil.

Donnerstag, 23. August 2018

Mumpitztheater (8)

Wer will in Karlsruhe 2020 Generalmusikdirektor werden?
Die BNN schrieb am 13.07.18 anläßlich der Vorstellung der neuen Konzertsaison:
  • "Justin Brown wollte ruhigere Fahrwasser ansteuern ab der kommenden Spielzeit. Nach zehn verdienstvollen Jahren am Badischen Staatstheater sollte ihm ein neuer Generalmusikdirektor (GMD) folgen. Doch wie zu hören ist, fand sich keiner, der unter den Bedingungen am  Karlsruher Haus zu arbeiten bereit gewesen wäre."
Der letzte Satz hat es in sich. Eine klatschende Ohrfeige - nur für wen und ist sie berechtigt? Es gab letztes Jahr keine offizielle Stellungnahme zur Absage von Frank Beermann als neuem GMD der Badischen Staatskapelle. Man hatte vielmehr den Eindruck, als ob man in Karlsruhe den Vorgang unter den Teppich kehren wollte. Wer hatte hier etwas zu verheimlichen? Zumindest war die Außenkommunikation mal wieder kein Ruhmesblatt für Intendant Spuhler. Daß der Intendant selber bei dieser Pleite erneut in den Fokus der Kritik gerät, hat also hausgemachte Gründe.

Montag, 20. August 2018

Mumpitztheater (7)

Die Häßlichkeit der R*innen
oder
Intendant*in Spuhler*in ist nun irgendwie Gender   

Die Verbraucher*innenschützer*innen für gesäuberte und überwachte Sprache sind nun auch im Badischen Staatstheater eingetroffen. Die Intendanz scheint in der schriftlichen Selbstdarstellung des Staatstheaters sprachpolitische Rücksicht auf die Befindlichkeiten der sich benachteiligt fühlenden Opfer der Sprache angeordnet zu haben und sexualisiert das grammatische Geschlecht, um Diskriminierung leichter unterstellen zu können. Man darf sich dadurch nicht täuschen lassen, es geht bei dieser Verhunzung von Sprache nicht um grammatische Gleichberechtigung, es ist auch kein progressives Emanzipations-, sondern ein konservatives Milieuprojekt einer linksidentitären Klientelgruppierung. Sahra Wagenknechts neue links-soziale Sammlungsbewegung "Aufstehen" (mehr hier und auch hier) scheint bspw. von Anfang an auf Gegenkurs zu hypersensiblen Sprachregelungen der links-identitären "Political Correctness" und dem wirren Sammelsurium von Identitätsfragen zu gehen. Und dafür gibt es gute Gründe.

Montag, 30. Juli 2018

Rückblick auf die Spielzeit 2017/2018 des Badischen Staatstheaters

Denkzettel für jahrelange Vernachlässigung
Operndirektor Michael Fichtenholz verläßt nach vier Jahren Karlsruhe und hinterläßt nach seiner letzten Saison nicht nur die schlechteste Zuschauerbilanz der letzten Jahrzehnte, sondern einen regelrechten Absturz: 14.000 Karten wurden weniger verkauft als in der Saison zuvor, es sind sogar knapp 27.000 Karten weniger als 2012/13. Das sind keine normalen Fluktuationen, sondern Fluchterscheinungen. Der Intendant verweigerte in der Saisonbilanz eine Aufarbeitung und Erklärung - aus guten Grund, die Verantwortung für diese katastrophale Bilanz trägt nicht der Operndirektor, der doch vor allem ein Casting-Direktor war, sondern der Generalintendant, der jahrelang die größte, wichtigste und teuerste Sparte als Stiefkind lieblos behandelte. Mit der Verharmlosung der vorgelegten Zahlen verliert der Intendant der falschen Wertigkeiten nun weiter an Seriosität und man kann nur hoffen, daß der Verwaltungsrat doch noch ein Einsehen hat und den längst überfälligen Neustart angeht. Das Badische Staatstheater braucht 2021 einen neuen Intendanten, der wieder die Oper zur Chefsache macht und ein Signal des Aufbruchs vermittelt!

Mittwoch, 18. Juli 2018

Massive Zuschauerverluste in der Karlsruher Oper

Die Zuschauerzahlen der Spielzeit 2017/2018 liegen vor
Die Bilanz der Oper für die abgelaufene Spielzeit ist katastrophal und überrascht nur die, die in den vergangenen Jahren nicht genau hingeschaut oder sogar weggeschaut haben. Intendant Peter Spuhler hat jahrelange an dieser Herabwirtschaftung gearbeitet, der Absturz in dieser Spielzeit ist hausgemacht und in seiner Verantwortung. Knapp 83.000 Opernbesucher - das sind 14.000 Besucher weniger als im Vorjahr bei gleichzeitigem Einbruch der Auslastung um 9,5% auf gerade noch 70,2%. In der Spielzeit 2012/13 hatte man noch knapp 110.000 Opernbesucher. Der Intendant übernimmt natürlich keine Verantwortung, schuld sind selbstverständlich die viel zu hohen Qualitätsansprüche des verwöhnten Karlsruher Publikums (wie eine Zuschauerumfrage ergab (mehr hier), verliert man Stammzuschauer) und unglückliche Umstände, die hohen Eintrittspreise, der Verkehr, wie wär es mit dem Wetter, entweder es ist zu kalt oder zu heiß oder es regnet oder es schneit, blablablabla. Beim Relativieren und Wegreden und sich selber toll finden wirkt die publikumsmarternde ergraute Defiziteminenz auf spießigem Kriegspfad gegen die Freude im Theater wie ein unfreiwilliges komödiantisches Talent.

Dienstag, 17. Juli 2018

8. Symphoniekonzert, 16.07.2018

Ein grandios tiefenentspannter Mozart und ein überwältigend spannungsgeladener Bruckner - wäre es wie geplant Justin Browns Abschiedskonzert gewesen, hätte man dem Karlsruher GMD nachweinen müssen, nun darf man sich auf weitere zwei Jahre mit ihm vorfreuen. 

Freitag, 13. Juli 2018

Mozart - Lucio Silla, 12.07.2018

Man könnte ja meinen, man hat es bei der Erstellung des Karlsruher Opernspielplans einfach nicht gewußt, daß Lucio Silla und Anna Bolena ca. drei Stunden Spieldauer oder mit Pause(n) fast vier Stunden benötigen. Dabei gibt es doch entsprechende Einspielungen auf CD, die die Länge verraten. Manche werden dagegenhalten und das als weiteren Beweis der Ahnungs- und Lieblosigkeit im Führungsteam von Intendant Spuhler werten. Andernfalls hätte man -wie sonst bei besonders langen Opern üblich- die Vorstellung um 19 Uhr oder 19.30 Uhr beginnen lassen können statt um 20 Uhr. Nun muß das Publikum fast bis 24 Uhr durchhalten, kommt erst deutlich nach Mitternacht ins Bett und wer dann um sechs Uhr aufstehen muß, der überlegt sich genau, ob er zum letzten Akt noch bleibt. (Aber auch das Desinteresse und die Ignoranz der Intendanz haben tatsächlich ihre Grenzen, in der kommenden Saison beginnt Anna Bolena um 19.30 Uhr). Das späte Durchhalten lohnt sich, Lucio Silla (und Anna Bolena) sind gelungen und spannend.

Donnerstag, 12. Juli 2018

Vorschau: Symphoniekonzerte 2018/2019

Die Konzertsaison 2018/19 hat Verspätung, erst gestern wurden die Symphoniekonzerte bekannt gegeben, die Kammerkonzerte fehlen noch. Nachdem man letztes Jahr keinen neuen Generalmusikdirektor verpflichten konnte und Justin Brown im Herbst sich in der Folge bereit erklärte, doch noch zwei Jahre weiterzumachen, scheinen die Terminplanungen heftig in Verzug gekommen zu sein.
Für die kommende Konzertsaison hat Justin Brown die Musiker der Badischen Staatskapelle nach ihren Vorlieben befragt und deren Wünsche teilweise ins Programm integriert. Das Resultat läßt sich sehen, viele Lieblingsstücke und Klangerlebnisse sind darunter, bspw. Mozarts Prager Symphonie, Schuberts große C-Dur Symphonie (die mit den "himmlischen Längen"), Bruckners 3. Symphonie (die dankenswerterweise in der Urfassung gespielt wird), Prokofjews Symphonie Classique, Rimski-Korsakows Scheherazade, Richard Strauss' Sinfonia Domestica, Dvoráks beliebtes Cellokonzert, Brahms' deutsches Requiem, Debussys La mer, Dukas' Zauberlehrling, Strawinskys Petruschka, dazu interessante Solisten und vermutlich einige Gastdirigenten, die sich als potentielle neue GMDs vorstellen wollen.

Montag, 9. Juli 2018

Mozart - Lucio Silla, 08.07.2018

Opera Seria als bizarrer Psychothriller und Gothic Opera
Tobias Kratzer (mehr zu seiner Arbeit hier) ist die Regie-Entdeckung der letzten Jahre, seine Inszenierungen kombinieren scharfsinnig moderne Entsprechungen mit einfallsreichen Umsetzungen und sind hochgradig diskutabel, man kann sich über sie aufregen und/oder begeistern - Langeweile stellt sich sehr selten ein. 2019 wird der Regisseur in Bayreuth Tannhäuser in Szene setzen. Bei Mozarts Lucio Silla unterbietet Kratzer seine bisherigen Leistungen, die Assoziationsfäden knüpfen sich zu keinem konsistenten Erzählstrang, sein Konzept ist nur über die Oper gestülpt und schmiegt sich wenig an. Unterhaltsam ist es dennoch als unheimlicher Blick auf psychopathologische Abgründe, denn im Umfeld höchster Macht entwickeln sich hier "hochgradige Persönlichkeitsstörungen". Dem Publikum gefiel es, denn vor allem sängerisch und musikalisch waren die Leistungen nicht nur wegen Franco Fagioli bravourös.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Oper München: Strauss - Arabella, 04.07.2018

Ein begeistertes Publikum an einem ausverkauften Mittwochabend an der Münchener Oper - eine hochklassig homogene Leistung, bei der u.a. drei Künstler im Mittelpunkt standen, die auch schon in Karlsruhe auftraten: Anja Harteros, Thomas J. Mayer und Constantin Trinks.

Montag, 2. Juli 2018

Sonntag, 24. Juni 2018

Vorschau: Opern-Galas 2018/2019

Kein anderes Abo scheint unter der Herabwirtschaftung stärker gelitten zu haben, als die vier Opern-Galas. Die sehr gut besetzte gestrige Aufführung von Roméo et Juliette könnte von der Anzahl der zahlenden Zuschauer einen neuen Tiefstand erreicht haben, so überschaubar wenige Zuhörer sollen dabei gewesen sein.

Freitag, 22. Juni 2018

Mumpitztheater (5)

Countdown zur (Ent-)Täuschung
Die Uhr tickt. Ende Juni tagt der Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters und behandelt ein Thema, das eigentlich noch gar nicht auf der Tagesordnung stehen sollte: Intendant Spuhler hat vorzeitig um Verlängerung seiner bisher so diskutablen Intendanz gebeten. Ein Vorgang, der, als er durchsickerte, an manchen Stellen innerhalb und außerhalb des Theaters Widerspruch und Ablehnung auslöste und sich in Windes Eile verbreitete. Zehn Jahre sind das gesunde Maß für eine Intendanz und eine vernünftige Frist, die auch denen eine Perspektive bietet, die in Opposition zu dieser Intendanz stehen. "Karlsruhe ist keine Endstation", "Von Karlsruhe aus macht man Karriere" - Für Peter Spuhler könnte nun vielmehr gelten: Karlsruhe ist seine Karriere-Endstation. Doch wieso sollten Publikum und Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters die Zeche für seinen Mißerfolg zahlen und seine Verlängerung ertragen?

Donnerstag, 14. Juni 2018

Verdi - Simon Boccanegra, 13.06.2018

Simon Boccanegra mag vielleicht nicht Verdis publikumswirksamste Oper sein, aber tatsächlich schafft die Inszenierung von David Hermann das Kunststück, dieses sprödere Verdi-Werk trotz mancher diskutabler Entscheidungen spannend zu erzählen, das erste Finale mit seiner Verwandlung ist großartig gelungen. Musiziert und gesungen wird auf sehr hohem Niveau, Johannes Willig und die Badische Staatskapelle scheinen sich sehr wohl zu fühlen, auch die x.-te Vorstellung klang mitreißend. Mit Armin Kolarczyk und Seung-Gi Jung hat man zwei besondere Sänger für die Titelrolle. Konstantin Gorny gibt einen monumental gesungenen Jacopo Fiesco, Nicholas Brownlee ist die Verpflichtung der Saison, ob als Paolo Albiani oder als Heinrich VIII. in Anna Bolena - er verleiht seiner Figur imposante Statur. Barbara Dobrzanska überzeugt als Amelia Grimaldi. Nur James Edgar Knight kann als Gabriele Adorno Rodrigo Porras Garulo (noch) nicht ersetzen. Der Verfasser dieser Zeilen wird nicht der einzige sein, der sich jetzt schon auf die Wiederaufnahme und einen weiteren Besuch dieser Oper in der kommenden Saison freut. Und was will man mehr von einer Inszenierung fordern, als daß man ein Wiedersehen nicht scheut und sich auf ein Wiederhören freut? BRAVO! für diese gelungene Produktion.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Mumpitztheater (4)

Die Etiketten-Intendanz und das Gesinnungstheater
Inzwischen dürften es viele erkannt haben: Es geht der prekären Intendanz von Peter Spuhler nicht primär um gutes Theater, es geht nicht vorrangig um Kunst und Künstler, nicht um Phantasie und Originalität, nicht um Qualität und Publikum - es geht um Selbstdarstellung, Profilierung und Karriere, und dafür wird das Theater instrumentalisiert. Wo man künstlerische Ambitionen erwartete, wird stattdessen das Fähnchen der Gesinnung hochgehoben, man heftet sich gerne theaterfremde Etiketten an, man will "politisch" sein, man ist nun "frauendominiert", man bemüht sich um Konformität, wo immer möglich soll persönliche Gesinnung gezeigt werden. Die Ware Theater hat einen Gebrauchswert bekommen. Man täuscht eine gesellschaftliche Relevanz vor, da man der Kunstform an sich nicht vertraut, das Theater ist nur noch Mittel zum Zweck - Zweckkunst statt Kunstzweck. Theater ist plötzlich wieder von oben herab: der Bürger soll belehrt werden, die Nähe des Intendanten zu Bündnis 90/Die Grünen ist bekannt, deren Themen übernimmt er aktiv ins Theater. Wer politisch am Drücker ist, darf also das Theater nun inhaltlich wieder kontrollieren - eine erschreckende Perspektive, die zukünftig hoffentlich nicht beispielgebend sein wird.

Montag, 4. Juni 2018

Donizetti - Anna Bolena, 03.06.2018

Ein fast ungetrübtes Opern- und Belcanto-Glück
Königin zu sein war in früheren Jahrhunderten kein rosaner Prinzessinnen-Job. Geheiratet wurde nicht aus Liebe, sondern zu einem bestimmtem Zweck: männliche Nachkommen zu zeugen, die später als militärisch-politische Oberbefehlshaber das Erbe schützen sollten. Idealerweise kamen die zukünftigen Königinnen aus anderen bedeutenden dynastischen Familien, deren Unterstützung man sich dadurch sicherte. Anna Boleyn sollte einfach nur den Thronfolger des Hauses Tudor gebären. Das gelang und gelang nicht: kein Sohn, mehrere Fehlgeburten, nur eine Tochter: Elisabeth I., die dann zwar 45 Jahre Königin sein sollte, aber kinderlos starb. Der Dynastie ihres Vaters, der ihre Mutter enthaupten ließ, verweigerte sie sich. Die Tudors starben aus. Anna Bolena ist große romantisch-tragische Belcanto- und Primadonnen-Oper. Der englische König Heinrich VIII. bezichtigt seine Ehefrau Anna Boleyn der Untreue und läßt sie letztendlich hinrichten, um seine neue Favoritin Jane Seymour heiraten zu können - das bedeutet die größtmögliche Fallhöhe für eine Königin. Um dieses Beziehungsdreieck zwischen Anna, Heinrich und Jane geht es in Donizettis Oper, die das historische Drama als Grundlage für eine tragische Figurenkonstellation nimmt. Bei der stark bejubelten gestrigen Premiere gelang vieles.

Freitag, 1. Juni 2018

Mumpitztheater (3)

Das Theater des "alten weißen Mannes"
oder

Revanche statt Gleichberechtigung?
Das Badische Staatstheater macht eine so laute Kehrtwende, daß man genauer hinschauen sollte. "Die Zukunft ist weiß" konkretisierte man hinsichtlich der neuen Personalpolitik, mit der man verstärkt auf weiße Mitteleuropäerinnen setzt und .. . halt, nein, anders, "Die Zukunft ist weiblich", so heißt das diskriminierende Etikett korrekt. Nachdem es die letzten Jahre anscheinend galt, daß die Zukunft männlich und homosexuell war, sind nun Frauen dran. Bei den vielen Floskeln und Flatulenzen, die in den letzten Jahren so gerne wohlfeil als Etikette bemüht werden, kann man schon mal durcheinander kommen. Statt sich zu freuen, daß man so gute weibliche Bewerber mit überzeugenden Ideen hatte, vermittelte man den Eindruck, als ob es dabei gerade nicht um Inhalte, sondern nur um das Ausrufezeichen ging. Intendant Spuhler kann es als Ablenkungserfolg vermelden, daß es bei seinen Engagements inzwischen nicht um solche Dinge wie Programm, Kompetenz, Berufserfahrung, Vorhaben und Vorteile für das Publikum geht, nicht um Sänger oder Schauspieler und Künstler nur noch nebensächliche Erfüllungsgehilfen sind, sondern sekundäre Eigenschaften aufgebläht und als Nachricht gelten. Man hat nun also gewollt Frauen engagiert. Ist das ein Grund ins Theater zu gehen? Wird Theater dadurch besser? Ist es überhaupt von irgendeiner Bedeutung für das Theaterpublikum? Wer sich das Programm der Spielzeit 2018/19 anschaut, bekommt nicht den Eindruck, daß sich bspw. im Schauspiel etwas verbessert, viele Stücke scheinen Befindlichkeitsbelehrungen zu sein (aber warten wir's erst mal ab). Na ja, alles ist recht für die Intendanz, solange man nicht über Programm, Kunst und Künstler oder Führungsstil reden muß. Der Intendant wirkt als Sonnenkönig, da das ziemlich schief gegangen ist, dürfen es jetzt die neuen Kronprinzessinnen für ihn richten. Sie sind die neuen Planierraupen seiner weiteren "Karriere", er scheint aus Erfolglosigkeit gezwungen, in Karlsruhe verlängern zu müssen.

Montag, 28. Mai 2018

Mumpitztheater (2)

Das Schauspiel bleibt in der Krise
Es ist immer wieder überraschend, wie überfordert Generalintendant Spuhler mit Spielplänen erscheint und mit welcher Arroganz er seine Abonnenten zum Narren hält. Mal wieder schafft man es in der kommenden Spielzeit im Schauspiel nicht, sechs Premieren im Kleinen Haus auf die Beine zu stellen. Ein eigentlich unglaublicher (und unglaublich dilettantisch wirkender) Vorgang, der mal wieder ein Beleg darstellt, wie ideenlos und hilflos die Intendanz von Peter Spuhler versucht, Theater zu machen. Man kriegt zig Millionen Steuergelder und scheitert an sechs Premieren.

Donnerstag, 24. Mai 2018

Mumpitztheater (1)

Freudlos, lieblos, phantasielos, ideenlos - Notizen zu einer mißlungenen Intendanz
Im 2. Weltkrieg bauten die Amerikaner auf abgelegenen Standorten im Pazifik Frachtflughäfen als Umschlageplätze zur Versorgung ihrer Truppen. Jahre nach Ende des Krieges und Abzug der Truppen beobachtete man bei primitiven Eingeborenen Melanesiens die Ausübung des sogenannten Cargo-Kults: sie rodeten Landebahnen, entzündeten Signalfeuer, imitierten die Bewegungen der Landelotsen, sie schnitzten sich sogar Zubehör, bspw. in Form von Kopfhörern, und hofften, daß sie auch Fracht erhalten würden. Sie imitierten mit hoher Genauigkeit, was sie beobachtet hatten und trotzdem erbarmte sich niemand ihrer Beschwörungszeremonie. Manchen mag es nach nun fast sieben Jahren scheinen, als ob man ein ähnliches Phänomen in abgewandelter Form am Badischen Staatstheater beobachten kann: man hat dort eine immer wieder orientierungslos wirkende Intendanz, die mit so geringem Erfolg versucht, Qualitätsfracht auf die Bühne zu bringen, daß man vermuten möchte, daß sie ihre Tätigkeit eher imitiert als wissentlich ausübt.

Samstag, 19. Mai 2018

Vorschau (2) auf die Spielzeit 2018/2019 des Badischen Staatstheaters

Das neue Spielzeitheft ist da
300 Jahre Theater in Karlsruhe! Dem sich aus dem Karlsruher Hoftheater entwickelten Badischen Staatstheater steht ein Jubiläum bevor. Als Zuschauer durfte man vorab gespannt sein, mit welchen Ideen man in der Spielzeit 2018/19 aufwartet. Setzt man Werke aufs Programm, die besonders mit Karlsruhe verknüpft sind, bspw. hier ihre Uraufführung erlebt haben oder startet man eine Reihe solcher Opern und Stücke? Bringt man etwas aus der Hitparade der größten Erfolge aus 300 Jahren? Welche Opern haben die höchsten Aufführungszahlen und könnten als Karlsruher Lieblingsopern gelten? Was war die erste Oper, die für den Karlsruher Hof komponiert wurde (und noch erhalten ist)? Welche Strömung hat man in Karlsruhe verpaßt? Spielt man etwas, was sträflich vernachlässigt wurde und nie oder kaum zu sehen war? So viel Geschichte, so viele Möglichkeiten zur Programmgestaltung und damit, sich beim Publikum zu positionieren und Aufmerksamkeit zu bekommen! – nur hat man mit Peter Spuhler leider einen Intendanten mit so wenig Interesse und Ideen. Gleichgültiger und liebloser kann man das Jubiläum kaum angehen, von Kreativität und Phantasie ist keine Spur. Irgendwann muß es jemand aufgefallen sein, daß man die Planung des Jubiläums schlicht vergessen hat. Irgendwie wirkt es, als ob man der nächsten Spielzeit das Motto „Von Zukunft“ vorangestellt hat, um vom eigenen Desinteresse an der eigenen Historie mittels einer Flucht ins Unbestimmte abzulenken. Nur Justin Brown scheint verstanden zu haben, worum es geht, und nach seiner unerwarteten Verlängerung als GMD ist das bisher nur unvollständig bekannte Programm der Symphoniekonzerte eine Hitparade beliebter Werke und großer Namen.

Freitag, 18. Mai 2018

Festspielhaus Baden-Baden: Wagner - Der fliegende Holländer, 18.05.2018

Vom Schatten ins Licht und Glück im Pech - Der fliegende Holländer begann schwach und gewann stetig an Kontur und Kraft und mit Elena Stikhina als Senta hatte man eine grandiose Überraschung - ein Namen, den man sich unbedingt merken muß.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Premierengefühle im Ballett

Wie ist es, als Tänzer eine Premiere zu erleben? Harriet Mills, 1. Solistin am Badischen Staatsballett, schreibt in ihrem Blog stets intelligente Analysen zu ihrem Beruf und dessen Ansprüche und Folgen. Anläßlich der Wiederaufnahme von Youri Vámos' Ballett zum Sommernachtstraum, die für viele Tänzer eine Premiere war, hat sie ein Video gedreht, das sich hier findet: https://aballetoflife.com/2018/05/09/that-premiere-feeling/ und in Englisch schöne Eindrücke und Einblicke vermittelt.

Dorman - Wahnfried, 08.05.2018

Der Wagner-Clan in Sippenhaft
Komponist Avner Dorman ist wirklich zu bedauern - er verschwendet so viele gute musikalische Einfälle an eine so tumbe Oper. Wahnfried (hier mehr zur Premiere) ist eine Oper über Familienklatsch aus dem unschönen Geist des erhobenen und ausgestreckten Zeigefingers und der Überheblichkeit. Der frühere Mensch verschwindet hinter der Maske des Lächerlichen, des Dummkopfs, des Bösewichts - das sagt mehr über unsere Zeit und den Willen zu Aburteilung und Moralpredigt als über die frühere Epoche. Ein neues Spießertum unterzieht wieder alle Lebensbereiche einer Gedankenkontrolle, der frühere Irrtum wird zum Stigma. Doch man kann an eine längst verstorbene Person nicht die Maßstäbe von heute anlegen. Heute wie damals sagen die Leute meistens das, was viele andere auch sagen. Karl Marx bezeichnete den frühen Sozialdemokrat Ferdinand Lassalle als "jüdischen Nigger", Polen sprach er als Land die Existenzberechtigung ab, Schweizer sind "dumm", Dänen "verlogen", Friedrich Engels ekelte sich vor Homosexuellen, Richard Wagner war Antisemit (und ließ doch einen Juden seine letzte Oper bei der Uraufführung dirigieren) - alle drei u.v.a.m. waren Kinder ihrer Zeit. Simone de Beauvoir notierte in ihren Memoiren den wichtigen Gedanken, daß sie in der Zukunft nach Kriterien beurteilt werden würde, die sie selbst nicht kennen könne und beklagte 'die ungeheure Arroganz der Nachwelt' - Wahnfried ist ein Beispiel dafür.

Montag, 7. Mai 2018

Gabunia - Tiger und Löwe, 03./06.05.2018

Die Vergangenheitsbewältigung der anderen
Tiger und Löwe handelt vom sozialistischen Terror unter Stalin, der in den Ländern der früheren Sowjetunion noch immer nicht aufgearbeitet wurde. In den Archiven verstecken sich die traurigen Schicksale und werden vergessen. Tiger und Löwe erzählt erfundene Geschichten von Opfern mit wahrem Hintergrund, die sich 1937 in Georgien abspielten. Autor Davit Gabunia ist Dramaturg am Royal District Theatre im georgischen Tiflis, das er zusammen mit Regisseur Data Tavadze seit 2008 leitet. "Tiger und Löwe ist das erste Theaterstück, das an die Säuberungen der Stalinzeit erinnert, vor allem an die vielen Künstler, die im „Großen Terror“ gefoltert, verschleppt und ermordet wurden", erläutert das Programmheft. Leider reichen gut gemeinte Absichten nicht aus, um daraus ein bemerkenswertes Theaterstück zu machen. Tiger und Löwe ist szenisch über weite Strecken zu statisch, bedeutungsschwanger und düster erstarrt, dramaturgisch schwerfällig und sprachlich gestelzt - ein pausenloses Stück, das man besser im Studio hätte zeigen können, das aber als Abo-Produktion im Kleinen Haus qualitativ fehlplatziert erscheint (und das mal wieder die große Frage aufdrängt, wieso man sich am Karlsruher Schauspiel so schwer tut und uninspiriert bei der Stückeauswahl zeigt).

Samstag, 28. April 2018

Vorschau auf die Spielzeit 2018/2019 des Badischen Staatstheaters

Me too! Eine Spielzeit der Diskriminierung
Die Me too! Debatte über das Castingverhalten und sexuellen Mißbrauch auf der Besetzungscouch kam aus der Filmbranche und hat zwar noch nicht zu einem Flächenbrand bei den Theatern geführt, in Karlsruhe hörte man in den letzten Jahren unter der Hand zumindest gerüchteweise den Verdacht, daß es die Chancen auf einen Job verbessert haben könnte, männlich und homosexuell zu sein. Ob das der Wahrheit entspricht, kann nur mit internem Engagement des Theaters untersucht werden und aufgrund der bisherigen Erfahrungen vermutlich erst nach einem Intendanzwechsel (hier mehr dazu in der ZEIT). Manchen scheint es, als ob man nun die Flucht nach vorne antritt und wie so oft tendiert radikales Gegenlenken bei Schieflage, in die entgegengesetzte Einseitigkeit zu kippen. Die Zukunft ist nicht Gleichberechtigung, nein, das Badische Staatstheater verkündet als diskriminierende Doktrin: "Die Zukunft ist weiblich". Als wolle man die bisherigen Gerüchte mit aller Gewalt und der entsprechenden Drohung widerlegen. Der Generalintendant versteckt sich, angeblich hat man nun ein "frauen-dominiertes Führungsteam" von Quotenfrauen, die ihr Engagement einem Mann verdanken, der damit von seiner prekären Intendanz ablenken kann. "Dominanz" wird in diesem Zusammenhang manche amüsieren, der Generalintendant und seine Dominas - statt um Theater geht es beim Programm der kommenden Spielzeit stark um Diskriminierung am Theater, im Schauspiel werden sogar ausschließlich Frauen inszenieren. Der Wettbewerb zwischen den Geschlechtern um Dominanz wird im Vorwort des Schauspiels offiziell für eröffnet erklärt: "Frauen sehen sich selbst als emanzipiert und selbstbewußt – und das über alle Generationen hinweg. In vielen Regionen der Erde sind sie bereits besser gebildet und erfolgreicher". Das klingt, als brauche man nun endlich einen Männerbeauftragten.
Harte Zeiten für all jene, die einfach nur wegen guten Theaters gerne ins Theater gehen würden. Denn eigentlich geht es beim Theatermachen ums Publikum und um Qualität, nicht um Selbstdarstellung und Selbstbefriedigung des Führungsteams am Badischen Mumpitztheater.

Freitag, 20. April 2018

Die Opern-Saison 2018/19 am Rhein

Die Opéra du Rhin in Straßburg hat ihr Programm für die kommende Spielzeit ins Netz gestellt (und zwar hier). Es gibt amüsante zufällige Parallelen zwischen Karlsruhe und Straßburg in der kommenden Opernsaison 2018/19.

Mittwoch, 18. April 2018

Stuttgart bekommt einen neuen Intendanten

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, wußte schon Hermann Hesse. Am Badischen Staatstheater wird es Zeit für einen Neuanfang, in der kommenden Spielzeit wird es diesen Zauber für die Theater-Fans in Stuttgart bereits geben. Dort hat man einen Wechsel in der Führungsspitze, der kommende Intendant Viktor Schoner (*1974) sagte in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeine einen Satz, dem einige auch in Karlsruhe Beachtung schenken werden: „Das Handwerk ist unglaublich wichtig. Sonst scheiterst du. Es reicht zwar nicht, als die Hofnarren, die wir sind, professionell zu sein, aber Dilettantismus ist keine Antwort.“
Der ganze Bericht findet sich hier: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/neuer-intendant-der-staatsoper-stuttgart-stellt-seine-plaene-vor-15546742.html

Bericht über Bridget Breiner

Die Stuttgarter Zeitung bringt anläßlich eines Gastspiels von Bridget Breiners Choreographie zu Romeo und Julia mit ihrer aktuellen Kompagnie des Musiktheaters im Revier am 21. und 22. April im Ludwigsburger Forum einen informativen Bericht über die zukünftige Karlsruher Ballettdirektorin. Der Artikel findet sich hier:
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bridget-breiner-kehrt-als-ballettdirektorin-zurueck-gastspiel-mit-romeo-und-julia-in-ludwigsburg.f96fbe44-38de-44a8-b72b-0f79edf45cd2.html

Dienstag, 17. April 2018

6. Symphoniekonzert / Carmina Burana (Ballett), 16.04.2018

Ein Symphoniekonzert mit spirituellen und weltlichen Gesängen auf Basis mittelalterlicher, meist lateinischer Gesangstexte und universalem Anspruch: Star Child -George Crumbs Hymne an das göttliche Licht und die Gnade- und Carl Orffs Carmina Burana -die Hymne an das Schicksal und die Ungleichheit in einer Ballettversion von Germinal Casado- ergaben kombiniert ein spektakuläres Konzert mit unerwarteten Schwächen.

Sonntag, 8. April 2018

Oper München: Cavalli - La Calisto, 06.04.2018

Karina Gauvin, Anna Bonitatibus, Christiane Karg u.v.a.m.- die Münchener Besetzung von Cavallis expressiver Erotikoper La Calisto hielt, was sie versprach.

Samstag, 7. April 2018

Residenztheater München: Kehlmann - Heilig Abend, 04.04.2018

Daniel  Kehlmann ist vorrangig bekannt als maßgeblicher Romanautor, „Die Vermessung der Welt“, „Ich und Kaminski“ oder aktuell der Eulenspiegel-Roman „Tyll“ haben großen Erfolg. Als Autor von Theaterstücken ist er nicht unmittelbar präsent, obwohl er beste Voraussetzungen mitbringt: seine Mutter ist Schauspielerin, sein Vater Regisseur. Heilig Abend ist Kehlmanns drittes Bühnenwerk (UA 2017) und ein Stück in Echtzeit, eine Idee, die inspiriert zu sein scheint vom Hollywood-Klassiker High Noon und der TV-Serie 24. Ein Polizist verhört unter Zeitdruck eine Verdächtige, in 90 Minuten könnte ein linksextremistischer Terroranschlag geschehen, eine Uhr zeigt dem Publikum die genaue Zeit an.

Sonntag, 25. März 2018

Karlsruhe als Endstation?

Gnadenbrot für Intendant Spuhler?
Das Badische Staatstheater hat seit der Amtsübernahme durch Intendant Peter Spuhler an Attraktivität verloren, man hat Unruhe im Haus, einiges klemmt und hakt, reibungslos ist anders, Kapriolen, Qualitätsprobleme, mangelnde Offenheit und Transparenz sowie eine selbstverliebte Beweihräucherung einer Intendanz, die doch vor allem defizitär war: es mangelte ihr an liebevoller Begeisterung, an Sinn für Ästhetik, Humor und Freude. Stattdessen gefiel man sich in der heuchlerischen Pose des Oberlehrers, der mit erhobenem Zeigefinger Antworten diktiert. Stammzuschauer verloren die emotionale Bindung an ihr Haus, ein Dahinsiechen der Karlsruher Oper angesichts liebloser Planungen und verringerter Vielfalt. Kaum je zuvor dürfte man in so kurzer Zeit so viele Personalwechsel an entscheidenden Stellen des Badischen Staatstheater erlebt haben. "Karlsruhe ist keine Endstation", "Von Karlsruhe aus macht man Karrierre", so verlautbarte es erklärend aus dem Staatstheater und scheint damit u.a. Mannheim zu meinen, das sich als attraktivere Alternative gerne in Karlsruhe bedient und zwei Spartenleiter abgeworben hat. Nur für einen droht Karlsruhe Endstation zu werden: Intendant Spuhler, der das Theater als Sprungbrett nutzen und schon längst wieder weg sein wollte, wurde bisher wohl für zu leicht befunden. Er findet allem Anschein nach keine neue Anstellung.

Dienstag, 20. März 2018

Generalintendant Spuhler hat zukünftig vier neue Frauen unter seiner Führung

Das Badische Staatstheater hat zu viele weibliche Zuschauer, laut der Zuschauerumfrage (mehr hier) sind über 60% Frauen, weniger als 40% Männer. Für Intendant Spuhler scheint es eine drängende Frage, was man gegen ein diskriminierendes Programm machen kann. Seine Antwort für mehr Geschlechtergerechtigkeit scheint zu lauten: Theater muß für Männer wieder sexy, attraktiv und prickelnd werden. Mehr junge Frauen in Führungspositionen könnten wirken. Da der Intendant trotz vieler Probleme nicht frühzeitig gehen will, um dem ersten weiblichen Generalintendanten Platz zu machen (schade, es wäre höchste Zeit!), werden nun vorerst alle Direktorenposten entsprechend neu besetzt. Anna Bergmann wird bekanntermaßen neuer Schauspieldirektor. Neuer Casting-Direktor der Oper wird Nicole Braunger. Birgit Keil zieht sich 2019 von ihrem Posten zurück, ihre Nachfolge wird ab der Spielzeit 2019/20 die renommierte Bridget Breiner antreten. Was weiß man über die neuen Namen?

Sonntag, 18. März 2018

Hair (Musical), 17.03.2018

Der Siegeszug des westlichen Lebensstils
Die 1968er suchten einen Ausweg auf ihrer Sinn- und Lebenskrise und entdeckten ihn u.a. in einer neuen avantgardistischen, aber kurzlebigen Lebensform (den Hippies), die langfristige Folgen in verschiedensten Lebensbereichen zeigte. Rückblickend ist die Ironie unübersehbar: die Hippies kamen an, aber nicht dort, wohin sie wollten. Anspruch und Realität sind wenig kongruent. Das Musical Hair steht am Beginn sowohl des Siegeszugs des westlichen, libertären Lebensstils als auch liberaler Wirtschaftsformen. Die Abnabelung von fremden Erwartungshaltungen und Moralvorstellungen, die Befreiung vom Militärdienst und die alleinige Verantwortung für sich selbst, prägten damals das sich selbst in den Mittelpunkt stellende westliche Individuum, das nicht Untertan eines politischen Staatswohls sein wollte. Seine eigene Individualität auszuleben und gesellschaftlichen Zwängen gegenüber ablehnend zu sein, war der Schlüssel zu neuen kommerziellem Möglichkeiten. Der Erfolg des Protests war dort anhaltend, wo das Politische mit dem Hedonistischen verknüpft war, das Hedonistische siegte durch den Kommerz. Die Bedeutung der Hippies erkannten die marktwirtschaftlichen westlichen Demokratien, nicht die östlichen sozialistischen Diktaturen.
50 Jahre 1968 - das Badische Staatstheater feiert nun mit, doch ohne realistischen, kritischen oder sogar politisch hinterfragenden Rückblick auf das, was 1968 war, sondern in Form einer unterhaltsamen Nostalgie, bei der das zugrundeliegende Drama entschärft und die Albernheit der Hippies betont wird und man sie als quasi Außerirdische aus einem schrägen Universum in einem UFO auf der Bühne landen läßt. Daß das Publikum begeistert war, hatte einen einfachen Grund: musikalisch war die Premiere mitreißend, die Spielfreude aller Beteiligten ansteckend.

Samstag, 17. März 2018

Oper Frankfurt: Meyerbeer - L'Africaine (Vasco da Gama), 16.03.2018

Grand opéra - wortwörtlich
Fast fünf Stunden Aufführungsdauer (inkl. zweier Pausen) - eine geglückte Grand Opéra in fünf Akten ist immer auch Überwältigung durch schiere Masse und effektgeladene Theatralik: Epische Längen und dramatische Zuspitzungen, Spektakuläres neben Intimen, große Tableaus neben Seelenbildern. Meyerbeers Musik galt einst bei seinen Gegnern als "Schaubudenlärm", seine Opern als "Jahrmarktsfarce", "wie ein Varietéprogramm zusammengesetzt aus Effekt auf Effekt" und "lüstern nach Sensation". Diesen "modernen Gerippe" warf man einst vor, daß es ihnen an Substanz und Innenleben fehlen würde. Regisseur Tobias Kratzer und Kostüm- und Bühnenbildner Rainer Sellmaier bringen nach Les Huguenots in Nürnberg und Le Prophète in Karlsruhe ihre dritte Meyerbeer-Oper auf die Bühne. Sie greifen in Frankfurt die Thesen zu Meyerbeers Opern auf und führen sie einer neuen Synthese zu. Kann das, was man einst den Opern von Meyerbeer vorwarf, heute ein Grund für ihren erneuten Erfolg sein? Ist das, was einst den Erfolg Meyerbeers beim Publikum ausmachte, für heutige Opernbesucher wiederbelebbar? Damals wünschte sich das Publikum offensichtlich historische Ereignisse und große Schicksale, aufwändig ausgestattet mit reicher Dekoration; heutzutage sind alternative Welten in Mode, ob nun in archaisierender Epoche (wie in "Game of Thrones"), dem Superhelden-Kosmos oder -wie in diesem Fall- als Science Fiction. Kratzer wollte die Oper als "intelligenten Blockbuster". In Frankfurt spielt Vasco da Gama im Weltraum, unendliche Weiten. Der Abenteurer und Entdecker Vasco da Gama ist unterwegs, um fremde Sonnensysteme zu erobern. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt er in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Die Afrikanerin, die tatsächlich eine Inderin ist, ist eine Außerirdische, in diesem Fall blaugefärbt wie eine Figur aus James Cameron's Hollywoodfilm "Avatar - Aufbruch nach Pandora".

Sonntag, 11. März 2018

Verdi - Simon Boccanegra, 10.03.2018

Mit Simon Boccanegra (mehr hier zur Premiere) hat man am Badischen Staatstheater eine schöne Produktion vorzuweisen, die auch gestern grandios gesungen und hingebungsvoll musiziert das Publikum beglückte.

Freitag, 9. März 2018

Das Badische Staatstheater verliert Stammbesucher

Die ernüchternden Ergebnisse der Besucherumfrage liegen vor
Die Intendanz von Peter Spuhler neigt sich dem Ende zu. Länger als 10 Jahre sollte kein Intendant im Amt bleiben, dann (also ab 2021) ist wieder frischer Wind erforderlich, allem Anfang liegt ein Zauber inne, neue Impulse machen Theater spannend, alles andere ist Stagnation und Gnadenbrot. Auch die Unzufriedenheit innerhalb des Badischen Staatstheater mit dem Intendanten scheint weiterhin hoch, man hört von einem Führungsstil von oben herab und intransparenten Entscheidungsfindungen. Der Bericht zur Mediation, die nach der Krise zwischen Intendant und dem protestierenden Personal eingeleitet wurde, soll weiterhin unter Verschluß sein. Die Intendanz von Peter Spuhler scheint nach dessen Abgang in verschiedener Hinsicht dringend eine Aufarbeitung zu benötigen.
Zeit für eine weitere Bilanz. Das Badische Staatstheater hat über fünf Jahre (2011, 2012, 2014 und 2016, jeweils im Juni/Juli und 2011 auch im Herbst) die Entwicklung seines Publikums untersucht. In den fünf Erhebungen haben ca. 5.400 Besucher Fragebögen ausgefüllt zurückgegeben (2011/12 hat man ca. 2500 Besucher befragt, 2014 und 2015 je ca. 1.450). Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kultur- und Medienmanagement der FU Berlin hat versucht, das Ergebnis zu interpretieren. Die Studie wertet allerdings lediglich die Umfragebögen aus, ein Abgleich mit den Erkenntnissen aus dem tatsächlichen Kartenverkauf findet nicht statt. Die gezogenen Schlußfolgerungen scheinen nicht durchgängig valide und die Interpretation nur mit großer Vorsicht zu genießen. Die vorgestellte Studie ist ernüchternd für den Intendanten, als Handlungsbedarf kann man die Forderung eines Richtungswechsels erkennen. Ein Blick auf die Ergebnisse und ihre Aussagekraft:

Dienstag, 6. März 2018

5. Symphoniekonzert, 05.03.2018

Walton, Britten und Elgar - ein englisches Konzert und hörbar eine Herzensangelegenheit für GMD Justin Brown.

Samstag, 3. März 2018

Konzert mit Franco Fagioli, 02.03.2018

Virtuose Sternstunde
Das Schöne an barocken Opernarien ist u.a., daß bei ihnen die Zeit still steht; die Handlung, die passiert davor und danach in den Rezitativen, doch in den Arien spricht das Herz. Wie das klingt und wie das gelingt, das demonstrierte gestern Franco Fagioli in einem zum Niederknien schönen Konzert, bei dem man nur erhoben applaudieren konnte und so gab es wiederholt stehende Ovationen für den Argentinier. Seit 2006 (als Idelberto in Lotario) ist Franco Fagioli den Karlsruher Händel-Festspielen verbunden, er sang am Badischen Staatstheater neben diversen Konzerten die Titelpartien in Julius Cäsar (2008), Ariodante (2010 und 2011) und Riccardo Primo (2014 und 2015), 2019 wird Serse folgen, Max E. Cencic führt dann Regie und singt ebenfalls. Desweiteren wird Fagioli im Juli 2018 als Cecilio in Mozarts Lucio Silla in der Badischen Residenzstadt auftreten (eine Übernahme einer Koproduktion aus dem Brüsseler Théâtre Royal de la Monnaie, bei der Tobias Kratzer Regie führte). Publikum und Countertenor kennen sich - und das war auch gestern zu spüren. Eine herzlich-begeisterte Stimmung herrschte vor, eine greif- und hörbare Freude im vollen Opernhaus und ein typisches Fagioli-Konzert, das meisterhaft Stimmartistik und Ausdruck, Spektakel und Hingabe verband.

Donnerstag, 1. März 2018

Sonntag, 25. Februar 2018

Händel - Alcina, 24.02.2018

Acht Tage nach der Premiere (mehr hier) hat sich Alcina deutlich gesteigert. Und das lag primär am Dirigenten Andreas Spering, der -wie ein Blick auf die Uhr nahe legte- den ersten und zweiten Akt schneller anging, flexibler und federnder spielen ließ und zu alter Stärke zurückfand - Resultat war ein wunderbar differenzierter Klang. (War das zuvor Probenrückstand und/oder Rücksichtnahme auf die Sänger?)
Schwachpunkt bleibt die Personenregie, die nur denen zusagt, die gerne schwach gebrühten, koffeinfreien Instantkaffee aus ausgesucht schönen Tassen lauwarm trinken. Wer hingegen glaubt, daß Eifersucht die Leidenschaft ist, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft, der wird sich mit der statischen, güldenen Schwermut der Inszenierung kaum abfinden. Gerade Alcina ist eine der Händel-Opern, die keine abstrusen Intrigen oder krude Dramaturgie aufweisen, sondern ein nachvollziehbares menschliches Drama, dessen Rezept eher eine starke, rot-heiße Fallhöhe zu fordern scheint. Und überhaupt und bei aller Liebe zu Händels Opern und den Karlsruher Händel Festspielen, muß hier noch mal Deutliches geschrieben werden. Kann man das, was Regisseur James Darrah hier dem Publikum zeigt, überhaupt als Regie bezeichnen? Ist es nicht vielmehr ein Alibi-Arrangement eines szenischen Nichts?

Freitag, 23. Februar 2018

Festkonzert der Deutschen Händel-Solisten, 22.02.2018

Raritäten und eine Mini-Oper in Form einer Kantate standen im Mittelpunkt des Festkonzerts anläßlich der Händel Festspiele.

Sonntag, 18. Februar 2018

Konzert mit Valer Sabadus, 17.02.2018

Schwerelos entrückt
Nachdem sich Alcina am Vorabend über 240 Minuten als szenisch ungewöhnlich zähfließend erwiesen hatte, verflogen die 150 Minuten des Konzerts mit Countertenor Valer Sabadus wie im Flug. Bei Alcina ging es bereits um die Liebe in ihren vielfältigen Schattierungen und auch Sabadus widmete sich gestern in seinem Konzert Tiranno amor dem beliebten Tyrannen in einem beglückend schönen Konzert.

Samstag, 17. Februar 2018

Händel - Alcina, 16.02.2018

Gepflegte Langeweile
Händels Alcina ist vieles: eine Oper über Liebe und Begehren, eine Zauberoper, eine Ausstattungsoper, eine Exotikoper sowie eine Ballett- und Choroper (eine der wenigen  Opern Händels, in den ein zusätzlicher Chor und Tänzer zum Einsatz kamen) - Leidenschaften, Phantasie, Spektakel und eine der beliebtesten Opern der Barockepoche. In Karlsruhe schafft man das enttäuschende Kunststück, diese schöne Oper ideen- und handlunglos wie zähen Kaugummi auf die Bühne zu stellen - eine Alcina sowohl ohne Magie, ohne Spektakel und ohne Faszination als auch ohne psychologische Erzählung oder symbolische Deutung oder Vertiefung. Zumindest die Sänger retten, was zu retten ist an diesem szenischen Langeweiler, der alles im Ungefähren verortet und nichts auf den Punkt bringt.

Montag, 12. Februar 2018

Gounod - Roméo et Juliette, 11.02.2018

Gounods Oper konzertant ohne Bühne und Regie
Viele blieben der gestrigen Aufführung fern, circa die Hälfte der Sitze blieb bei der Premiere gähnend leer. Dafür gibt es gute Gründe. Nichts spricht gegen konzertante Opernaufführungen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Nach der gestrigen konzertanten Aufführung von Gounods Roméo et Juliette sollte man sich aber nicht billig von der Intendanz des  Badischen Staatstheaters abspeisen lassen. Um Opern auf die Bühne bringen zu können, ist ein immenser Aufwand von Nöten: man braucht Sänger als Solisten, man braucht einen Chor und ein Orchester. Da kommt einiges zusammen, gestern z.B. waren ca. 120 Künstler auf der Bühne. Aber dem nicht genug, das Badische Staatstheater hat für das Große Haus ca. 50 Bühnenhandwerker, 10 Mitarbeiter in der Requisitenabteilung, die Kostümabteilung umfaßt Schneider, Schuhmacher, Hutmacher, Waffenmeister, man hat Maskenbildner, eine Transportabteilung, Bühnen-, Licht- & Tontechniker - es ist alles vorhanden und wird bezahlt, seit Jahrzehnten hat man ein hohes Leistungsvermögen und stemmt problemlos szenische Neuproduktionen. Wieso wird nun auf einmal eine Neuproduktion konzertant aufgeführt? Wieso kann das Badische Staatstheater seine Mitarbeiter hinter der Bühne nicht mehr beschäftigen? Was ist schief gelaufen bei Intendant Spuhler? Und wieso werden denn die Eintrittspreise nicht gesenkt, wenn man dem Publikum weniger bietet? Als Zuschauer darf man sich auf den Arm genommen fühlen.
Wieso gibt es keine Transparenz? Wer nach einer Entschuldigung oder Rechtfertigung des Intendanten für die konzertante Oper sucht, wird nicht fündig, eine schlüssige Erklärung steht aus. Die Stadt Karlsruhe will sparen und hat das Budget des Staatstheaters minimal gekürzt. Ca. 80% der Betriebskosten eines Theaters sind Personalkosten, die Produktionen verschlingen nicht so viel Geld. Doch selbst wenn manche meinen, daß aufgrund der Einsparungen das Geld für etwas Material, eine Idee und einen Regisseur fehlt - vor der Intendanz von Peter Spuhler wäre das eine Herausforderung gewesen, der sich jemand aus dem Haus gerne gestellt hätte. Man hatte früher Mitarbeiter, die die Chance genutzt hätten, um sich als Regisseur zu profilieren. Die Geschichte von Romeo und Julia stellt inszenatorisch keine unüberwindbare Hürde dar, an die sich nur wenige trauen. Nun hat man eine eunuchisch wirkende Theaterleitung, die zwar vielleicht weiß, wie es geht, sie können es aber nicht selber.
Knappes Geld kann tatsächlich nicht der Grund sein, denn man leistet sich genug am Badischen Staatstheater. Man gönnt sich bspw. ein Volkstheater als Sparte mit verschwindend geringen Zuschauerzahlen und man hat seit eineinhalb Spielzeiten einen "Chefdramaturgen" der meines Wissens bisher für keine einzige Abo-Produktion in Erscheinung getreten ist und gerade in Zeiten knappen Geldes sollte halt auch ein "Chef" Leistungen (und vorbildhafterweise mehr nachweisliche Leistungen als seine Angestellten) für das Publikum vorweisen. Geld ist also vorhanden, Not herrscht offensichtlich keine.
Wieso bringt man also in Karlsruhe eine konzertante Oper? Was steckt dahinter? Mißwirtschaft, Fehlplanungen oder das Desinteresse am Opernbetrieb? Die Vielfalt des Opernangebots wurde in den vergangenen Jahren durch Intendant Spuhler stark verringert, ohne Angebot gibt es keine Nachfrage - einige Opernbesucher schauen sich in den letzten Jahren nach Alternativen in der Region um, die Karlsruher Oper hat an Attraktivität verloren. Und man kann sich die Frage stellen, ob man -gerade in Zeiten knapperen Geldes- mit einer konzertanten Oper nicht viel mehr gut zahlendes Publikum und Umsatz verliert, als man während einer ganzen Spielzeit bspw. mit dem Volkstheater verdient.
Konzertante Oper? In diesem Fall eine weitere krasse Fehlentscheidung des Intendanten. Manche mögen meinen, die Ursache ist psychologisch, eine beleidigte Leberwurstintendanz quengelt und ist trotzig, weil die Stadt ihr etwas Budget weggenommen hat. Die Folgen sollen die Zuschauer zu spüren bekommen. Wenn der Intendant gewollt hätte, würde der Opernbetrieb normal weiterlaufen. Und ist nicht genau das die Essenz der unzureichenden Intendanz von Peter Spuhler? Die Inszenierung des Ego, die Instrumentalisierung des Theaters zum Zweck der Selbstdarstellung. Es geht nicht um das Wesentliche (Qualität, Künstler, Zuschauer), sondern um das Opportune des eigenen Vorteils (Karriere, Aufmerksamkeit, ideologische Belehrung). Gestern entschied sich der Intendant erneut gegen die Oper. Das fernbleibende Publikum hat die Botschaft verstanden.

Mittwoch, 7. Februar 2018

Stamm - Agnes, 06.02.2018

Eine nette Geste des Karlsruher Schauspiels: bei der 175. und letzten Vorstellung von Agnes gab es alle Karten zum ermäßigten Preis. Die Premiere (mehr dazu hier) im November 2012 war schon ein voller Erfolg, danach wurden jahrelang Schulklassen durchgeschleust, die den Roman im Deutschunterricht lasen und auch gestern waren letzte Schüler kurz vor dem Abi dabei. In der Summe sollen es über 20.000 Besucher gewesen sein, wie viele davon Zwangsbesucher, ist kaum zu schätzen. Auch auf diesem Blog gab es ein ständiges Grundrauschen zu Agnes, der damalige Blogbeitrag gehört zu den am häufigsten aufgerufenen Einträgen auf diesen Seiten, den Schüler zum Anlaß nahmen, Fragen zum Buch und zur Interpretation zu schicken; Überraschenderweise gab es von ihnen zum Buch meistens kritische Urteile - gern gelesen wurde Agnes in dieser unrepräsentativen Erhebung bei Schülern nicht. Die Bühnenfassung war beliebter, Agnes ist allerdings ganz das Gegenteil von dem, für das die Intendanz steht: es hat nichts vom humorlosen, verklemmt spießigen Kanzelprediger- und Oberlehrertheater, mit dem man sein Publikum zu belehren meint. Agnes ist vielmehr einfallsreich, phantasievoll und überraschend mit Sinn für Tempo und Zwischentöne. Es wundert nicht, daß man Regisseur Christian Papke in der Folge keine weiteren Aufgaben im Karlsruher Schauspiel anvertraute. 
Cornelia Gröschel war der Star dieser Produktion, sie machte Agnes zu ihrer Rolle,  André Wagner war hingegen der Held, der alle 175 Vorstellungen absolvierte. Bravooo! Beide spielten die gestrige Dernière und hatten spürbar noch mal Freude an der letzten Aufführung. Das Unmittelbare, die Spannung des Stücks wirkten auch zum Abschluß. Gröschel verabschiedete sich gestern vom Karlsruher Schauspiel. Sie hat inzwischen einige bemerkenswerte Fernsehauftritte gehabt, insbesondere in der großartigen ZDF-Serie Lerchenberg und im Dreiteiler Honigfrauen. Sie wird zukünftig als ARD-Kommissar im Ermittlerteam des Dresdner Tatort spielen.

Freitag, 2. Februar 2018

Vorschau: Händel Festspiele 2019

Bald beginnen endlich wieder die Händel Festspiele, die Planungen für das kommende Jahr sind nun auch bekannt: 2019 wird Händels Oper Serse zu hören sein, singen werden Franco Fagioli und Max E. Cencic, der auch die Regie führen wird (Dirigent: George Petrou, Ausstattung: Rifail Ajdarpasic). Weitere Sänger sind u.a. Lauren Snouffer, Katherine Manley, Pavel Kudinov. Premiere ist am 15.02.2019, weitere Termine am 17./22./24. und 26.02.2019
Alcina wird wie erwartet wieder aufgenommen, und zwar am 23./27.02.2019 sowie am 01.03.2019; Lauren Fagan singt dann die Titelrolle, David Hansen erneut den Ruggiero.
Für Konzerte hat man Vivica Genaux, Ann Hallenberg und Hervé Niquet engagiert.
Der offizielle Vorverkauf für das kommende Jahr startet am 16.02.2018.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Klavierrezital Lucas Debargue, 31.01.2018

Inhalt ist Form
Nachdem Lucas Debargue im 4. Symphoniekonzert der Saison erneut einen großen Erfolg in Karlsruhe feierte, gab er zusätzlich einen Solo-Abend mit eher unbekannten bzw. selten gespielten Sonaten von Schubert und Szymanowski. Und was man bereits bei Saint-Saëns bemerken konnte, war auch hier hörbar: Debargue weiß, wie man eine stimmige Interpretation findet, er gibt den Tönen eine Bedeutung, sein Klavierspiel ist reif und beredt mit Gespür für Zusammenhang. Er transformiert Inhalt in lebendige Form.

Dienstag, 30. Januar 2018

4. Symphoniekonzert, 29.01.2018

Das 4. Symphoniekonzert der Saison war ein touristisch-pastorales Wohlfühlkonzert in herzlicher Stimmung.

Sonntag, 28. Januar 2018

Portrait von Barbara Dobrzanska auf SWR2

Am 27.Januar sendete SWR2 einen kleinen, aber informativen und sympathischen Beitrag des Journalisten Georg Waßmuth über Kammersängerin Barbara Dobrzanska unter dem Titel Primadonna und Publikumsliebling.
Der Beitrag ist aktuell hier zum Nachhören auf SWR2 oder -mit vielen weiteren interessanten Reportagen (hier)- auf der Seite von Herrn Waßmuth: https://soundcloud.com/geowas/die-sopranistin-barbara-dobrzanska-portrat-fur-swr2

PS: Vielen lieben Dank für die Hinweise und Links zu der Sendung!

Sonntag, 21. Januar 2018

Verdi - Simon Boccanegra, 20.01.2018

Simon Boccanegra scheint bei Regisseuren beliebter zu sein als beim Publikum. In Karlsruhe gehört diese Oper Verdis neben manchen von Wagner zu den Spitzenreitern der letzten Jahrzehnte. Nach 1986/87 (Regie: Giancarlo del Monaco), 2005/06 (Robert Tannenbaum) ist nun die dritte Inszenierung in knapp 30 Jahren zu sehen. Es gibt weit publikumswirksamere und mitreißendere Opern, Simon Boccanegra scheint hingegen praxistauglich, trotz verworrener Handlung um Intrigen, Macht und Ohnmacht ist sie machbar und dankbar in der Umsetzung; del Monaco schrieb damals, daß er diese Oper gerne jedes Jahr wieder neu inszenieren würde. Gestern gab es nun erneut (und schon wieder) Verdis 1857 erfolglose und dann 1880/81 umfänglich renovierte Oper über den ersten Dogen von Genua - und es war sängerisch und musikalisch eine großartige Aufführung. Als Zuschauer konnte man gestern nach der Premiere von Verdis Simon Boccanegra nicht anders, als Solisten, Chor und Orchester zuzujubeln, das zentrale Sängerquintett mit Bariton Seung-Gi Jung in der Titelrolle begeisterte. Die konventionelle Inszenierung stört nicht, sie konzentriert sich auf Arrangement und Bebilderung und in ihren besten Momenten verdichtet sie die Dramatik zu packenden Momenten.

Freitag, 19. Januar 2018

Mozarts Lucio Silla im TV

Am 08.07.2018 hat Mozarts Jugendoper Lucio Silla in der Inszenierung von Tobias Kratzer Premiere am Badischen Staatstheater. Es handelt sich um eine Koproduktion mit der Brüsseler Oper, an der die Aufführungen mit anderer Besetzung bereits erfolgt sind. Wer sich vorab ansehen will, was ab Juli in Karlsruhe gezeigt wird, kann das auf Arte, wo ein Mitschnitt von Lucio Silla aus Brüssel am Sonntag, 21.01.18 von 23:45 - 02:40 Uhr gezeigt wird. Außerdem steht die Oper in der Mediathek für eine geraume Zeit zur Verfügung: https://www.arte.tv/de/videos/075388-001-A/lucio-silla-im-theater-de-munt/

Sonntag, 14. Januar 2018

Hübner/Nemitz - Willkommen, 11./13.01.2018

Der Flüchtling als Eindringling
Willkommen scheinen Flüchtlinge schon lange nicht mehr zu sein, schon gar nicht in den meisten Ländern Europas und auch in der Bundesrepublik ist die Stimmung gekippt; zu viel Negatives ist passiert, die Konflikte und Probleme scheinen zu groß, die Ursachen sind vielfältig: ein Staatsversagen aus Hilflosigkeit und Überforderung, getriebene Politiker, die nicht zugeben konnten, daß sie sich verrannt haben, dazu ein erschreckendes Medienversagen durch Journalisten, die nicht mehr unabhängig und integer berichteten, sondern sich als Interessenvertretung erwiesen, vermeintliche Staatsräson verbreiteten, Tatbestände ignorierten und zu Herstellern von Fiktionen und Feindbildern wurden. Die unkontrollierte Aufnahme von überwiegend männlichen Flüchtlingen mit geringer Qualifikation anstelle der angekündigten Familien, Ärzte und Ingenieure hat einen Graben geschlagen und den gesellschaftlichen Frieden aufs Spiel gesetzt, die Parteienlandschaft verändert sowie unverhältnismäßig viele Ressourcen verbraucht. "Machen wir uns nichts vor, es geht um Völkerwanderung", sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, "Wenn wir nicht bald reagieren, wird es uns am Ende allen auf die Füße fallen, egal, welches Parteibuch wir haben", erkannte der Linken-Politiker. Laut ZDF im Dezember 2017 will eine absolute Mehrheit der Bürger eine Begrenzung der Aufnahme. So offenherzig die Hilfsbereitschaft des Staatsbürgers in der Flüchtlingskrise 2015 war, so desillusionierend und katastrophal waren die Folgen, die mit der Silvesternacht 2015/16 in Köln begannen und das friedliche Miteinander massiv beeinträchtigten. Die migrantische Gewaltkriminalität stieg auf nicht mehr akzeptable Weise, das Terrorjahr 2016 forderte mehr Tote und Verletzte als bspw. während den zwölf Jahren des NSU-Untergrundterrors.
Verheerend waren auch die Denunzierungen, die gegen legitime Kritiker und Skeptiker losgetreten wurden, und die Versuche, die Meinungsfreiheit zu beeinträchtigen und durch moderne Täuschungskünste Konformismus zu erzeugen oder zu erzwingen, die zu widerwärtigen Begleiterscheinungen und Hetze von beiden politischen Rändern und den Medien selber führten. Wenn man das Allgemeine richtig studieren will, braucht man sich nur nach einer wirklichen Ausnahme umzusehen, der Staatsrechtler Carl Schmitt formulierte: "Das Normale beweist nichts, die Ausnahme beweist alles; sie bestätigt nicht nur die Regel, die Regel lebt überhaupt nur von der Ausnahme. In der Ausnahme durchbricht die Kraft des wirklichen Lebens die Kruste einer in Wiederholung erstarrten Mechanik." Die Flüchtlingskrise der Jahre 2015/16 war diese Ausnahme, die vieles durchbrach und in Frage stellte, was bisher in der Bundesrepublik galt oder hingenommen wurde. Wer die Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas untersucht, sollte nicht die Symptome angreifen, sondern die Ursachen analysieren.

Auch in Willkommen, der Komödie des Autorenduos Lutz Hübner und Sarah Nemitz, scheitern fünf Flüchtlingsbefürworter am Praxistest der Gesinnung. Die von einer Wohngemeinschaft diskutierte Aufnahme von Flüchtlingen in die eigenen vier Wände findet am Ende nicht statt, der Flüchtling als abstraktes Wohltätigkeitsobjekt wird hier als konkrete Person zum Eindringling, der geduldet wird, solange er nur anderen zur Last fällt und man selber sein Leben unbehelligt fortführen kann. Willkommen ist gutes und kurzweiliges Boulevard-Theater, das mit überraschenden Entwicklungen und Wendungen und sehr guten Schauspielern überzeugt und bei dem Lachen nie zum Auslachen wird. Bei kritischeren Besuchern wird dennoch ein schales Gefühl bemerkbar sein, denn das Stück spielt Anfang 2016 und ist von der Zeit bereits überholt und läßt sich nicht auf Konflikte ein, es instrumentalisiert die Flüchtlingskrise als Folie für eine konventionell-kommerzielle Beziehungskomödie über Probleme in einer Wohngemeinschaft, die zwar auch locker Fehlentwicklungen und Streitthemen aufgreift, doch ansonsten unkritisch und unpolitisch ist und sich unbehelligt von den Zumutungen und Krisen der zukünftigen Realität zeigt. Wegsehen scheint aktuell leichter als Hinsehen.