Sonntag, 24. Juni 2018

Vorschau: Opern-Galas 2018/2019

Kein anderes Abo scheint unter der Herabwirtschaftung stärker gelitten zu haben, als die vier Opern-Galas. Die sehr gut besetzte gestrige Aufführung von Roméo et Juliette könnte von der Anzahl der zahlenden Zuschauer einen neuen Tiefstand erreicht haben, so überschaubar wenige Zuhörer sollen dabei gewesen sein.

Freitag, 22. Juni 2018

Mumpitztheater (5)

Countdown zur (Ent-)Täuschung
Die Uhr tickt. Ende Juni tagt der Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters und behandelt ein Thema, das eigentlich noch gar nicht auf der Tagesordnung stehen sollte: Intendant Spuhler hat vorzeitig um Verlängerung seiner bisher so diskutablen Intendanz gebeten. Ein Vorgang, der, als er durchsickerte, an manchen Stellen innerhalb und außerhalb des Theaters Widerspruch und Ablehnung auslöste und sich in Windes Eile verbreitete. Zehn Jahre sind das gesunde Maß für eine Intendanz und eine vernünftige Frist, die auch denen eine Perspektive bietet, die in Opposition zu dieser Intendanz stehen. "Karlsruhe ist keine Endstation", "Von Karlsruhe aus macht man Karriere" - Für Peter Spuhler könnte nun vielmehr gelten: Karlsruhe ist seine Karriere-Endstation. Doch wieso sollten Publikum und Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters die Zeche für seinen Mißerfolg zahlen und seine Verlängerung ertragen?

Donnerstag, 14. Juni 2018

Verdi - Simon Boccanegra, 13.06.2018

Simon Boccanegra mag vielleicht nicht Verdis publikumswirksamste Oper sein, aber tatsächlich schafft die Inszenierung von David Hermann das Kunststück, dieses sprödere Verdi-Werk trotz mancher diskutabler Entscheidungen spannend zu erzählen, das erste Finale mit seiner Verwandlung ist großartig gelungen. Musiziert und gesungen wird auf sehr hohem Niveau, Johannes Willig und die Badische Staatskapelle scheinen sich sehr wohl zu fühlen, auch die x.-te Vorstellung klang mitreißend. Mit Armin Kolarczyk und Seung-Gi Jung hat man zwei besondere Sänger für die Titelrolle. Konstantin Gorny gibt einen monumental gesungenen Jacopo Fiesco, Nicholas Brownlee ist die Verpflichtung der Saison, ob als Paolo Albiani oder als Heinrich VIII. in Anna Bolena - er verleiht seiner Figur imposante Statur. Barbara Dobrzanska überzeugt als Amelia Grimaldi. Nur James Edgar Knight kann als Gabriele Adorno Rodrigo Porras Garulo (noch) nicht ersetzen. Der Verfasser dieser Zeilen wird nicht der einzige sein, der sich jetzt schon auf die Wiederaufnahme und einen weiteren Besuch dieser Oper in der kommenden Saison freut. Und was will man mehr von einer Inszenierung fordern, als daß man ein Wiedersehen nicht scheut und sich auf ein Wiederhören freut? BRAVO! für diese gelungene Produktion.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Mumpitztheater (4)

Die Etiketten-Intendanz und das Gesinnungstheater
Inzwischen dürften es viele erkannt haben: Es geht der prekären Intendanz von Peter Spuhler nicht primär um gutes Theater, es geht nicht vorrangig um Kunst und Künstler, nicht um Phantasie und Originalität, nicht um Qualität und Publikum - es geht um Selbstdarstellung, Profilierung und Karriere, und dafür wird das Theater instrumentalisiert. Wo man künstlerische Ambitionen erwartete, wird stattdessen das Fähnchen der Gesinnung hochgehoben, man heftet sich gerne theaterfremde Etiketten an, man will "politisch" sein, man ist nun "frauendominiert", man bemüht sich um Konformität, wo immer möglich soll persönliche Gesinnung gezeigt werden. Die Ware Theater hat einen Gebrauchswert bekommen. Man täuscht eine gesellschaftliche Relevanz vor, da man der Kunstform an sich nicht vertraut, das Theater ist nur noch Mittel zum Zweck - Zweckkunst statt Kunstzweck. Theater ist plötzlich wieder von oben herab: der Bürger soll belehrt werden, die Nähe des Intendanten zu Bündnis 90/Die Grünen ist bekannt, deren Themen übernimmt er aktiv ins Theater. Wer politisch am Drücker ist, darf also das Theater nun inhaltlich wieder kontrollieren - eine erschreckende Perspektive, die zukünftig hoffentlich nicht beispielgebend sein wird.

Montag, 4. Juni 2018

Donizetti - Anna Bolena, 03.06.2018

Ein fast ungetrübtes Opern- und Belcanto-Glück
Königin zu sein war in früheren Jahrhunderten kein rosaner Prinzessinnen-Job. Geheiratet wurde nicht aus Liebe, sondern zu einem bestimmtem Zweck: männliche Nachkommen zu zeugen, die später als militärisch-politische Oberbefehlshaber das Erbe schützen sollten. Idealerweise kamen die zukünftigen Königinnen aus anderen bedeutenden dynastischen Familien, deren Unterstützung man sich dadurch sicherte. Anna Boleyn sollte einfach nur den Thronfolger des Hauses Tudor gebären. Das gelang und gelang nicht: kein Sohn, mehrere Fehlgeburten, nur eine Tochter: Elisabeth I., die dann zwar 45 Jahre Königin sein sollte, aber kinderlos starb. Der Dynastie ihres Vaters, der ihre Mutter enthaupten ließ, verweigerte sie sich. Die Tudors starben aus. Anna Bolena ist große romantisch-tragische Belcanto- und Primadonnen-Oper. Der englische König Heinrich VIII. bezichtigt seine Ehefrau Anna Boleyn der Untreue und läßt sie letztendlich hinrichten, um seine neue Favoritin Jane Seymour heiraten zu können - das bedeutet die größtmögliche Fallhöhe für eine Königin. Um dieses Beziehungsdreieck zwischen Anna, Heinrich und Jane geht es in Donizettis Oper, die das historische Drama als Grundlage für eine tragische Figurenkonstellation nimmt. Bei der stark bejubelten gestrigen Premiere gelang vieles.

Freitag, 1. Juni 2018

Mumpitztheater (3)

Das Theater des "alten weißen Mannes"
oder

Revanche statt Gleichberechtigung?
Das Badische Staatstheater macht eine so laute Kehrtwende, daß man genauer hinschauen sollte. "Die Zukunft ist weiß" konkretisierte man hinsichtlich der neuen Personalpolitik, mit der man verstärkt auf weiße Mitteleuropäerinnen setzt und .. . halt, nein, anders, "Die Zukunft ist weiblich", so heißt das diskriminierende Etikett korrekt. Nachdem es die letzten Jahre anscheinend galt, daß die Zukunft männlich und homosexuell war, sind nun Frauen dran. Bei den vielen Floskeln und Flatulenzen, die in den letzten Jahren so gerne wohlfeil als Etikette bemüht werden, kann man schon mal durcheinander kommen. Statt sich zu freuen, daß man so gute weibliche Bewerber mit überzeugenden Ideen hatte, vermittelte man den Eindruck, als ob es dabei gerade nicht um Inhalte, sondern nur um das Ausrufezeichen ging. Intendant Spuhler kann es als Ablenkungserfolg vermelden, daß es bei seinen Engagements inzwischen nicht um solche Dinge wie Programm, Kompetenz, Berufserfahrung, Vorhaben und Vorteile für das Publikum geht, nicht um Sänger oder Schauspieler und Künstler nur noch nebensächliche Erfüllungsgehilfen sind, sondern sekundäre Eigenschaften aufgebläht und als Nachricht gelten. Man hat nun also gewollt Frauen engagiert. Ist das ein Grund ins Theater zu gehen? Wird Theater dadurch besser? Ist es überhaupt von irgendeiner Bedeutung für das Theaterpublikum? Wer sich das Programm der Spielzeit 2018/19 anschaut, bekommt nicht den Eindruck, daß sich bspw. im Schauspiel etwas verbessert, viele Stücke scheinen Befindlichkeitsbelehrungen zu sein (aber warten wir's erst mal ab). Na ja, alles ist recht für die Intendanz, solange man nicht über Programm, Kunst und Künstler oder Führungsstil reden muß. Der Intendant wirkt als Sonnenkönig, da das ziemlich schief gegangen ist, dürfen es jetzt die neuen Kronprinzessinnen für ihn richten. Sie sind die neuen Planierraupen seiner weiteren "Karriere", er scheint aus Erfolglosigkeit gezwungen, in Karlsruhe verlängern zu müssen.