Freitag, 30. September 2016

von Schirach - Terror, 29.09.2016

Die Schauspiel-Saison startete gestern mit guten Leistungen und einer ordentlichen Inszenierung in die neue Spielzeit. Terror, das Theaterstück von Ferdinand von Schirach, ist spannend! Terror ist aber auch überbewertet, es steht heftig in der Kritik, ein Bundesrichter bezeichnete es als "unzutreffend" und "unterkomplex". Terror ist für die einen lediglich eine gut gemachte, kommerziell auf Aufmerksamkeit zielende Show, andere sehen darin Kritik am Grundgesetz bzw. dessen Auslegung durch das Bundesverfassungsgericht, die beide für Handlungsunfähigkeit durch hehre Grundsätze und Prinzipienreiterei zu plädieren scheinen statt Menschenleben zu retten und den Bürgern zu dienen.

Dienstag, 20. September 2016

1. Symphoniekonzert, 19.09.2016

Das Programm des 1. Symphoniekonzerts bewegte sich in der Zeit zurück: Schostakowitsch, Prokofjew und Beethoven.

Sonntag, 18. September 2016

Theaterfest, 17.09.2016

Zu Beginn der Theaterferien verstarb mit Günter von Kannen ein Sänger, der wie kaum ein anderer beim Karlsruher Publikum über Jahrzehnte renommiert und beliebt war. Daß während der Ferien niemand in der Baumeisterstraße war, der einen Nachruf schreiben konnte, ist nachvollziehbar, daß sechs Wochen später das neue Theatermagazin noch keinen noch so kurzen Hinweis enthielt, kann man einer geringen Flexibilität zuschreiben. Daß nun beim Theaterfest kein Foto aufgestellt wurde, um an den Sänger zu erinnern (oder geschah das im leicht übersehbaren Verborgenen?), grenzt an eine bedauernswert armselige Ignoranz.

Der abendliche Spielzeitcocktail war gelungener als in den Jahren zuvor, nur das "Volkstheater" unterbot die schlimmsten Befürchtungen.

Dienstag, 13. September 2016

Programm des Karlsruher Theaterfests und Spielzeit-Cocktails am 17.09.2016

Eröffnung des Theaterfests  und Begrüßung durch Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup und Generalintendant Peter Spuhler
11.00 Uhr auf dem Theatervorplatz

Weitere Programmpunkte sind u.a.:

Donnerstag, 1. September 2016

Vorschau: Die Spielzeit 2016/2017 des Badischen Staatstheaters

Mogelpackung und Armutszeugnis zu Beginn
Halbzeit der Intendanz von Peter Spuhler: "Bergfest" würde man umgangssprachlich sagen, doch am Badischen Staatstheater wanderte man oft im finsteren Tal und weiß nie, ob weitere Tiefpunkte und Abstürze folgen. Das Armutszeugnis bekommt die Intendanz für die Oper, die in der bevorstehenden Spielzeit gerade noch 15 unterschiedliche Opern zeigen wird, vor 10 Jahren waren es noch 23. Das hat nichts mit Sparen zu tun, sondern mit Desinteresse. Die Mogelpackung präsentiert der neue Schauspielchef, der es nicht schafft, den Mindestwert von sechs Premieren im Kleinen Haus auf die Beine gestellt zu bekommen. Das liegt nicht an ihm, sondern sind anscheinend Spätfolgen unrühmlich schlechter Vorgängerzeiten (sein Vorgänger ist bereits daran gescheitert, er mußte Premieren während der Spielzeit absagen und konnte Abos nur mit Studio-Produktionen retten, die ins Kleine Haus umzogen). Es bleibt abzuwarten, ob für die Kommunikation mit den Abonnenten Aufrichtigkeit und Transparenz gewählt werden. Nun versteckt man etwas vom Volkstheater (immerhin eine eigene Sparte) in manchen Schauspiel-Abos (definitiv eine andere Sparte), senkt aber nicht den Preis. Man schummelt und setzt allem Anschein nach darauf, daß genug Besucher ahnungslos oder unaufmerksam genug sind, um sie hinters Licht führen zu können: für Schauspieler zahlen und Laien bekommen. Erneut weiß man nicht genau, was man von diesem Verhalten des Staatstheaters halten soll: will man sein Publikum für dumm verkaufen? Das wäre kein guter und nachhaltiger Stil, zumindest eine Erklärung für die Ursachen als Zeichen eines Mindestrespekts vor seinem Publikum sind angebracht, wer für Schauspiel im Abo bezahlt, sollte nicht mit Volkstheater abgespeist werden; ein Erlassen der Umtauschgebühr für Abonnenten als Zeichen der Redlichkeit sollte folgen.

Donnerstag, 4. August 2016

R.I.P. Günter von Kannen (*1940 †2016)

Günter von Kannen war einer der raren Fälle eines Charaktersängers - er besaß nicht nur eine große Stimme, sondern hinterließ auch Eindruck, bei ihm hatte man das Gefühl, etwas Mustergültiges dargestellt zu bekommen, wer ihn erlebt hat, erinnert sich an ihn. Seit 1977 sang er regelmäßig in Karlsruhe (seit 1979 auch in Zürich) in vielen Hauptrollen, 1985 wurde er hier zum Kammersänger ernannt, er gastierte an den großen Opernhäusern, von 1988 bis 1992 und 2000/2001 übernahm er in Bayreuth den Alberich im Ring, drei mal sang er dort auch den Klingsor. In Karlsruhe erlebte er verschiedene Triumphe: vor allem als großartiger Hans Sachs in den Meistersingern, Sir Morosus (Die schweigsame Frau), La Roche (Capriccio) und als Cardillac in Hindemiths gleichnamiger Oper setzte er für mich einen Maßstab, der nur schwer zu überbieten sein dürfte. Günter von Kannen verabschiedete sich im letzten Jahrzehnt am Badischen Staatstheater als Falstaff in Verdis Oper, letzte Woche ist er in Karlsruhe gestorben - es bleibt das Gefühl des Verlusts und vor allem das Gefühl des Glücks, ihn als großen und beeindruckenden Opernsänger auf der Bühne erlebt zu haben.

Montag, 25. Juli 2016

Rückblick: Die Spielzeit 2015/16 des Badischen Staatstheaters

Wann gibt es endlich mal wieder eine richtig gute Spielzeit in Karlsruhe? Licht und Schatten in der Saison 2015/16, doch mit Tendenz zur Besserung, nur das Schauspiel blieb erneut zu blaß. Die Intendanz bemüht sich nun auch wieder stärker um Qualität auf der Bühne, es gab deutlich mehr besondere Szenen und Auftritte als zuvor, herausragend in der abgelaufenen Spielzeit waren vor allem folgende Leistungen und Künstler:

Sonntag, 24. Juli 2016

Festspielhaus Baden-Baden: Opern-Gala, 24.07.2016

Alles ist gut, die Saison ist vorüber und Geld schießt doch Tore. Und was für welche! Die Karlsruher Oper sollte alles Geld zusammenkratzen, nicht locker lassen und Bryn Terfel für ein Gastspiel engagieren, was für einen Bühenviech, sogar seine Augenbrauenbewegung ist faszinierend, ein Sänger als Rampensau, der alle Blicke auf sich zieht. Das Zusammenspiel mit der Badischen Staatskapelle funktionierte ja bereits ganz vorzüglich. Viele Karlsruher Opern-Fans waren heute ihrem Orchester nach Baden-Baden gefolgt, um den tristen Opernplänen des Karlsruher Intendanten Peter Spuhler zu entfliehen und einige werden multiple Gänsehauteffekte verspürt haben angesichts brillianter Momente.

Rokokotheater Schwetzingen: Mozart - Mitridate, 23.07.2016

Auch ohne Sparmaßnahmen hat die Karlsruher Intendanz in den vergangenen Jahren die Programmvielfalt der Oper drastisch reduziert (mehr dazu hier) und einen oft langweiligen und kaum Abwechslung bietenden Spielplan präsentiert. Es überrascht nicht, daß man das Karlsruher Opernpublikum deshalb regelmäßig im Umland antrifft und es seinen Besuchsradius vergrößert und auf andere Opernhäuser ausgeweitet hat - bekannte Gesichter überall. Der Abschluß dieser Spielzeit gehört deswegen dem opernfreundlicheren Umfeld: Im Rahmen des alle zwei Jahre und zum sechsten Mal stattfindenden Mannheimer Mozartsommers hat das Nationaltheater bereits vor zwei Jahren eine viel gelobte Aufführung von Mozarts Jugendoper Mitridate präsentiert, die der Komponist im Alter von 14 Jahren komponierte und die im Schwetzinger Rokokotheater packend und spannend gezeigt wird.

Freitag, 22. Juli 2016

Zwischenbilanz: Schwache erste Halbzeit - 5 Jahre Intendanz Spuhler

Stets bemüht ist nicht gut genug
226 mal habe ich in den vergangenen fünf Spielzeiten Vorstellungen des Badischen Staatstheaters besucht und den unguten Eindruck bekommen, daß etwas verloren gegangen ist, Kürzung und Defizit sind Kernbegriffe dieser Wahrnehmung, ein "weniger", leider oft ein "schlechter", ein quantitativer und qualitativer Abbau. Wenn man die wenigen positiven Aspekte der Intendanz Spuhler betrachten will, kann man die Jahre von 2011 bis 2016 allerdings auch als die Geschichte einer Intendanz erzählen, die sich bemüht, Anschluß zu bekommen und bei der tatsächlich Lerneffekte bemerkbar sind, vor allem durch erhöhte Sorgfalt für die Bühnenarbeit sowie durch Austausch einiger Mitarbeiter. Nun kann man zwar zu Recht einwenden, daß die hohe Fluktuation an zentralen Stellen (bspw. Austausch der Spartendirektoren in Oper und Schauspiel, viele Wechsel in der Dramaturgie, fast kompletter Austausch des Schauspiel-Ensembles) nicht einer Qualitätsinitiative "von oben" geschuldet ist, sondern auch ein Weggehen derer beinhaltet, die erkannt haben, daß andernorts eine bessere Perspektive besteht. Die Fluktuationen sprechen nicht für den Intendanten, so oder so erscheinen die ersten Jahre von Mißverständnissen geprägt, die keine personelle Konstanz und Entwicklung zuließen. Allerdings scheint mir ein Bemühen um Format und Substanz erkennbar, man hat sich verstärkt, die Qualität der Vorstellungen ist wieder besser geworden, es scheint wieder mehr Rücksicht auf künstlerische Aspekte gelegt zu werden. Dennoch wird Intendant Spuhler es kaum noch schaffen, daß man seine Tätigkeit in Karlsruhe rückwirkend positiv betrachten kann, in Erinnerung bleiben Defizite, Probleme, falsche Wertigkeiten sowie Fehlentscheidungen.

Donnerstag, 21. Juli 2016

Besetzung der Operngalas 2016/17

Überraschend früh hat man die Gäste für die Operngalas veröffentlicht und auch für die kommende Spielzeit hat Operndirektor Fichtenholz einige namhafte Kandidaten ausgesucht, bei denen man gespannt sein darf, ob sie sich in Bestform präsentieren werden.

Dienstag, 19. Juli 2016

8. Symphoniekonzert, 18.07.2016

Die gigantische Missa Solemnis - Beethovens Spätwerk für vier Solostimmen, Chor und Orchester D-Dur op.123 stand auf dem Programm des letzten Symphoniekonzerts der Saison, eine Messe, die von der Aura des Außergewöhnlichen umgeben ist.

Montag, 11. Juli 2016

Festspielhaus Baden-Baden: Wagner - Die Walküre, 10.07.2016

Gestern hatte Jonas Kaufmann 47. Geburtstag, den er eigentlich im Festspielhaus Baden-Baden feiern wollte. Sehr viele hatten wegen ihm zugesagt und sich Eintrittskarten besorgt, krankheitsbedingt konnte er leider nicht teilnehmen. Doch wie es in der Opernwelt gelegentlich vorkommt: ein Star sagt ab und ein neuer Star erscheint: der kurzfristig aus dem Urlaub angereiste österreichische Tenor Andreas Schager erwies sich als Heldentenor par excellence: kraftvoll-metallische Stimme, ein sympathischer und souveräner Auftritt  - das Publikum jubelte ihm verdientermaßen einhellig zu. Dennoch war das gestern keine überzeugende konzertante Walküre - und das lag vor allem am Dirigenten.

Sonntag, 10. Juli 2016

Wagner - Das Rheingold, 09.07.2016

Nicht alles, was glänzt, ist Gold
Ein neuer Nibelungen-Ring beginnt in Karlsruhe und beginnt auch wieder nicht, denn innere Zusammenhänge und Folgerichtigkeit kann man bei vier Regisseuren nicht erwarten und schon gar nicht voraussetzen und sogar bei den vier Szenen des gestrigen Rheingolds kann man sie bereits vermissen. Jede Oper wird für sich produziert, man ahmt das Stuttgarter Konzept des damaligen Intendanten Klaus Zehelein von 1999 nach. Die vier Regisseure in Karlsruhe nehmen keinen inhaltlichen Einfluß aufeinander, es soll aber einige wenige szenische Bezüge geben, die vier Inszenierungen scheinen sich nicht ganz hermetisch gegeneinander abzugrenzen.
Das neue Karlsruher Rheingold muß mit zweierlei Maß gemessen werden: die musikalisch ansprechende Premiere hatte doch eine zentrale Schwäche. Die Inszenierung ist kurzweilig und unterhaltsam, teilweise visuell augenfällig attraktiv mit vielen guten kleinen Einfällen und ist doch nur gutes Handwerk, dem etwas Entscheidendes fehlt - es ist ein Rheingold ohne Sinn und Tiefe und ohne Personenentwicklung. Zum Ansehen und Anhören, aber nicht zum Mitdenken. Der gestrige Auftakt geriet szenisch seltsam bedeutungslos, eine Illustration ohne Folgen, Ideen ohne Aussage, ein unwesentliches Rheingold, nett anzuschauen, doch ohne Triftigkeit und in gewisser Weise eine verpaßte Chance für den Regisseur und die Karlsruher Oper.

Sonntag, 3. Juli 2016

Bellini - I Capuleti et i Montecchi, 02.07.2016

Zwei renommierte Gäste aus Alaska und Texas hatte man gestern für Bellini engagiert: mit Vivica Genaux und Laura Claycomb konnte man am Samstag im Badischen Staatstheater großen und prägenden Stimmen lauschen.

Donnerstag, 30. Juni 2016

Nachtrag zum gescheiterten Versuch, den Verwaltungsdirektor abzusetzen

Da immer wieder Nachfragen aufkamen bzgl. des Versuchs des Generalintendanten, zusammen mit der Ministerin in Stuttgart, den Verwaltungsdirektor Michael Obermeier absetzen zu lassen - dieser Versuch ist gescheitert, Obermeier ist im Amt bestätigt worden.
Für Generalintendant Spuhler eine mehrfache Niederlage, denn zusätzlich gab es Massenproteste von Angestellten des Staatstheaters gegen die Absetzung, die Öffentlichkeit wurde auf die zwischenmenschlichen Defizite der Intendanz aufmerksam und der Oberbürgermeister berief einen Mediator, um die prekäre Intendanz zu restabilisieren. Darüber scheint es aber verdächtig leise geworden zu sein, die Anzahl der Vorstellungen soll aber wohl wieder verringert werden, ob dadurch beim Intendanten ein Lerneffekt ausgelöst wurde, der zukünftig wieder Quantität hinter Qualität hintenanstellt, bleibt offen. Man scheint am Badischen Staatstheater die Unzufriedenheit mit dem unbeliebten Intendanten aussitzen zu wollen. Noch 5 Jahre  der Koexistenz? Spuhler wollte schon längst wieder weg sein und bekam aber bisher nur Absagen. Man sollte im Verwaltungsrat frühzeitig die Suche nach einem Nachfolger beginnen, der das Haus wieder zurück zu früherer Stärke führen kann. Peter Spuhler war als Intendant eine unzufriedenstellende Wahl, jetzt sollte es wieder um Kompetenz statt um Karriere gehen. Handlungsfähigkeit statt Aussitzen - auch in der Kulturpolitik benötigt man durchsetzungsfähige Persönlichkeiten, um Stagnation und Frust zu verhindern und das Badische Staatstheater wieder in die Spur zu bekommen. Die Suche sollte schnell beginnen ........

Dienstag, 21. Juni 2016

7. Symphoniekonzert, 20.06.2016

Ein weiteres sehr gelungenes Symphoniekonzert mit hohem Spektakelwert durch das Konzert für Solo-Schlagzeuger Frozen in Time, das auf seinem Siegeszug durch die Konzertsäle nun auch in Karlsruhe Begeisterung auslöste.