Mittwoch, 13. Dezember 2017

Oper Leipzig: Puccini - Madama Butterfly, 11.12.2017

Wie der Zufall so spielt; in Leipzig spielte man gestern Madama Butterfly, aber immerhin mit zwei bekannten Namen: es dirigierte Chrisoph Gedschold (die Premiere studierte Anthony Bramall ein), die Inszenierung stammt von Aron Stiehl.

Freitag, 8. Dezember 2017

Akhtar - Afzals Tochter, 07.12.2017

Weichgespült und schöngefärbt
Afzals Tochter
(Originaltitel: The Who & the What) des US-Amerikaners und Pulitzer-Preisträgers Ayad Akhtar (*1970) ist ein Stück über einen Vater, der für seine Tochter einen aus Sicht der Familienehre passenden Ehemann sucht. Ein altmodisch scheinender Konflikt, der durch die Ungleichzeitigkeit der Kulturen -oder konkret der Rückständigkeit des Islams- bedauerlicherweise wieder aktuell erzählbar geworden ist. Es geht um Familienhierarchie und religiösen Glauben - das ist alles andere als ein aktuelles bundesrepublikanisches Thema und in seiner Rückständigkeit so aus der Zeit gefallen, daß man sich teilweise im absurden Theater wähnt. Afzals Tochter beginnt als harmlose Boulevardkomödie, wird zum todernstem Drama (ein Aspekt, den die Inszenierung etwas unterschlägt) und wirkt in seiner Thematik grotesk. Das Lachen über diese anachronistische Parallelwelt sollte einem allerdings im Hals stecken bleiben. Hätte sich der Regisseur für schärfere Kontraste und härtere Konflikte entschieden, wäre die Inszenierung dichter geworden, nun erlebt man zu harmloses und scheintriftiges Geplänkel, das Ergebnis ist weichgespült und schöngefärbt und nur dank der Schauspieler erträglich.

Dienstag, 28. November 2017

Und neuer Operndirektor wird.....

....anscheinend wie im Schauspiel eine Frau!

3. Symphoniekonzert, 27.11.2017

Sowjetische Filmmusik, Konzertmusik eines amerikanischen Filmkomponisten und sowjetische Propagandamusik - die Musik im 3. Symphoniekonzert stammte exemplarisch aus dem 20. Jahrhundert. Die Badische Staatskapelle präsentierte sich in großartiger Form, nur der Dirigent war viel zu jung, um bereits so lahm zu sein.

Freitag, 24. November 2017

ETA Hoffmann - Der goldene Topf, 21./23.11.2017

Bekloppte Handlung in bravouröser Inszenierung
Der Mensch ist täglich von Wundern umgeben, die deutsche Romantik wollte den Sinn für das Wunderbare wiederbeleben und so das Leben romantisieren. ETA Hoffmanns Prosamärchen Der Goldene Topf aus dem Jahr 1814 ist eine Novelle der Romantik und kein Theaterstück. Daß es nun auf der Bühne des Karlsruher Schauspiels gelandet ist, hat einen einfachen Grund: wie auch Goethes Faust wird es zum Abiturthema, die Adaption soll es Schülern näher bringen. In diesem Fall bedeutet das glücklicherweise nicht, das phantasievoll-skurille und in gewisser Weise surreal-komische Märchen irgendwie exzentrisch auf diskutable Weise psychologisch umzudeuten, sondern vielmehr eine anschauliche Romantik-Erfahrung zu vermitteln, "die Vielschichtigkeit des Kunstmärchens beizubehalten und eine Vielfalt an Deutungsmöglichkeiten zuzulassen". Und das gelingt beeindruckend gut! Man bleibt nah am Stoff und setzt ihn sehr einfallsreich, inspiriert, liebe- und humorvoll gestaltet in Szene. Daß Der Goldene Topf nun mal kein Theaterstück, sondern ein etwas abstrus hinkonstruiertes und zusammenfabuliertes Märchen mit manchen Willkürlichkeiten ist, bleibt die einzige Einschränkung dieser schönen Produktion.

Donnerstag, 23. November 2017

Thorpe - Bestätigung, 22.11.2017

Bereits in der vergangenen Spielzeit gab es am Karlsruher Schauspiel ein Werk des britischen Autors Chris Thorpe zu sehen: Möglicherweise gab es einen Zwischenfall  erwies sich als belanglos, unergiebig und ziemlich langweilig und verschwand schnell vom Spielplan. Nun folgt Bestätigung und dieses Werk ist definitiv nicht belanglos, doch schlicht und schlecht konstruiert, unverständlich vordergründig und sprachlich nicht auf den Punkt formuliert. Mit knapp einer kurzen Stunde Spieldauer geht es zumindest schnell vorbei. Und wieder mal gilt: wer's nicht sieht, hat nichts verpaßt.

Sonntag, 12. November 2017

Regie oder Unregie?

Sich über Opernregisseure aufregen zu können, ist ein Luxusproblem glücklicher Menschen, die mehr oder weniger hohe Ansprüche an die Qualität ihrer Lieblingsunterhaltung stellen. Der SWR hat dem Thema Opernregie eine Sendung gewidmet, vier intelligente Experten diskutieren:
Christian Gerhaher, Bariton, Lied- und Opernsänger
Prof. Dr. Laurenz Lütteken, Musikwissenschaftler, Universität Zürich
Prof. Dr. Stephan Mösch, Musik- und Theaterwissenschaftler, Hochschule für Musik Karlsruhe
Gesprächsleitung: Ursula Nusser

Die Sendung zum Nachhören findet sich aktuell hier: https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/swr2-forum/swr2-forum-willkuerlich-und-respektlos/-/id=660214/did=20382634/nid=660214/1s2vsny/index.html

PS: @Kalliope - Herzlichen Dank für den Hinweis!

Festspielhaus Baden-Baden: Händelkonzert mit Philippe Jaroussky, 11.11.2017

Im Baden-Badener Festspielhaus gab es gestern stehende Ovationen für den französischen Countertenor Philippe Jaroussky, der mit zwölf Arien von Händel in einem bemerkenswert schönen Konzert das Publikum verzauberte.

Donnerstag, 2. November 2017

Anna Bergmann wird neuer Schauspieldirektor ab 2018/19

Nach Jan Linders (2011-2016) und Axel Preuß (2016-2018) hat Intendant Spuhler ab der Saison 2018/19 Anna Bergmann als dritten Schauspieldirektor ans Badische Staatstheater berufen. Bergmann ist in Karlsruhe als Regisseurin keine Unbekannte: in der Oper inszenierte sie eine umstrittene La Bohème (mehr hier), im Schauspiel stammen Tschechows Drei Schwestern (mehr hier) und Sophokles' Antigone (mehr hier) von ihr, im Juni 2018 kommt Molnars Liliom hinzu. Bergmann hat zuvor nicht als Spartenleiterin eines Theaters gearbeitet, als zukünftige Leiterin mit starkem Praxisbezug kann sie durchaus eine sehr gute Wahl sein. Zwei Inszenierungen will Bergmann pro Spielzeit selber beisteuern. Es wird spannend, wie sie einerseits den Spagat zwischen Administration und Inspiration bewältigen und andererseits sich vom Intendanten emanzipieren und eine eigene Linie und Handschrift durchsetzen und auf die Bühne bringen wird. Eine spannende und starke Wahl und untypisch für Intendant Spuhler, der bisher eher Gefolgsleute ohne künstlerische Individualität engagierte. Not scheint erfinderisch zu machen ....

Samstag, 28. Oktober 2017

Justin Brown bleibt bis 2020 GMD in Karlsruhe

Der Fisch stinkt vom Kopf
Fünf Bewerber waren für die Nachfolge von Justin Brown ab der Saison 2018/19 zuletzt in der engeren Auswahl, zwei Kandidaten schienen nach den Probedirigaten besonders geeignet zu sein, doch weder Frank Beermann noch Joana Mallwitz werden zukünftig in Karlsruhe als Generalmusikdirektoren das Orchester leiten. Und man muß sich nun in Karlsruhe fragen, ob nicht auch die defizitären Opernpläne von Intendant Spuhler eine Ursache für den Attraktivitätsverlust und die Absagen der beiden Dirigenten sind.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Unterbeschäftigt – Karlsruher Oper ohne Perspektive

Wenn man die negativen Auswirkungen der aktuellen Karlsruher Opernstrategie analysieren will, kommt man nicht drum herum, die Sänger, ob Solo oder im Chor, zu bedauern. Die Reduktion des Programms trifft nämlich vor allem die Sänger, die teilweise kaum noch etwas zu singen haben und dann plötzlich mit verringerter Bühnenpraxis und aus der Übung geraten, große Rollen bekommen und bei sehr wenigen Auftritten im Jahr gefordert werden. Es gibt kaum noch Abwechslung, kaum noch Programm, zu wenige Auftritte. Während der Intendanz von Achim Thorwald waren die Wochenpläne oft (zu) vollgestopft, nun sind sie zu leer - das Repertoire ist heruntergewirtschaftet, die Karlsruher Oper ist als Sparte ins Abseits geraten. Das Publikum spürt diese programmatische Insolvenzverschleppung und verliert anscheinend langsam, aber stetig das Interesse.

Samstag, 21. Oktober 2017

Oper München: Rossini - Il turco in Italia, 18.10.2017

München leuchtet, schwärmte schon Thomas Mann vor über 100 Jahren und man fühlte sich in dieser Oktoberwoche wie in einer Novelle des Autors: "Über den festlichen Plätzen und weißen Säulentempeln, den antikisierenden Monumenten und Barockkirchen, den springenden Brunnen, Palästen und Gartenanlagen der Residenz spannte sich ein Himmel von blauer Seide". München ist Deutschlands entspannteste und gelassenste Großstadt, kunstsinnig und lebensfroh. Und wer nach einem Besuch im Biergarten spontan in die Oper will, kann auch an einem sonnig-warmen Oktobermittwoch vor dem Problem stehen, überhaupt noch an gute Karten zu kommen. Die Oper boomt in München, man muß sich frühzeitig um Plätze bemühen. Selbst wenn eine Oper schon seit Jahren im Repertoire ist - Rossinis Türke in Italien in der Regie von Christof Loy hatte vor einem Jahrzehnt Premiere - kommen die Besucher, und zwar aus gutem Grund: mit Olga Peretyatko, Ildebrando D'Arcangelo und Alessandro Corbelli konnte man eine Idealbesetzung aufbieten.

Montag, 16. Oktober 2017

Wagner - Götterdämmerung, 15.10.2017

Unterhaltsamer Unfug
Vier Regisseure hat man in Karlsruhe für die vier Opern des Ring des Nibelungen engagiert und man kann es als die größte Enttäuschung dieses Konzepts bewerten, daß bisher keiner der drei Regisseure seiner ganz isoliert betrachteten Einzeloper einen  bemerkenswerten Ansatz abgewann und eine neue Betrachtungsebene schuf. Die Selbstbeschränkung auf einzelne Atoll-Opern, die einerseits nicht über sich hinaus deuten und keinen Bezug zueinander haben, andererseits auch in der jeweiligen Einzeldramaturgie keine Bedeutung  bekamen, ergab so keinen Mehrwert, man verharrte lediglich in visueller Pose, investierte in visuelle Effekte und erreichte bestenfalls nette Unterhaltung. Die Regie der Götterdämmerung versucht nun hingegen beides - einen individuellen Perspektivwechsel unter Einbeziehung von Elementen der vorangegangenen Interpretationen. Erstes geschah durch eine Drehung des Blickwinkels, der bis zur Verzerrung an die Grenzen des Unfugs reicht, zweites durch eine komplett neue Meta-Ebene. Das Resultat ist einerseits gegen den Strich gebürstet, ambivalent und kontrovers diskutabel, andererseits unterhaltsam und trotz sechs Stunden Gesamtdauer mit Pausen eine überraschende und spannende Angelegenheit, spannend auch vor allem dank der Gewinner dieses Karlsruher Ringzyklus: der Badischen Staatskapelle und Justin Brown, der sich in seinem 10. und letzten Jahr als GMD in Karlsruhe als bekannt souveräner Wagner-Dirigent verabschiedet und bewies, auf welch hohem Niveau und in welch ausgezeichneten Zustand er das verjüngte Karlsruher Orchester an seinen Nachfolger übergeben wird. Selbst inszenatorisch schwache Stellen bekamen aus dem Orchestergraben eine unwiderstehliche Dramatik, die hoch engagierten Sänger trugen einen gewichtigen Anteil bei. Lautstarke Buhs neben viel Applaus belegten die kontroverse Aufnahme beim Publikum.

Freitag, 13. Oktober 2017

Franco Fagioli singt in Karlsruhe Mozarts Lucio Silla

Ein sehr schöner Hinweis kommt aus zuverlässiger Quelle vom Autor des Blogs Opernschnipsel (hier der Link zu stets lesenswerten Opernberichten): Franco Fagioli wird in dieser Saison bekannterweise während den Händel Festspielen 2018 sein neues Album Florilegium Haendeliano vorstellen (und zwar am 02.03.2018). Und Franco Fagioli wird im Juli 2018 die Titelrolle in der neuen Produktion von Mozarts Frühwerk Lucio Silla übernehmen (8./12./19. Juli 2018). Operndirektor Fichtenholz verabschiedet sich mit Klasse und hat für diese Entscheidung ein Bravo! verdient.

Freitag, 6. Oktober 2017

McNally - Meisterklasse, 05.10.2017

Die Callas - Primadonna Assoluta
Terrence McNallys Theaterstück Meisterklasse über Maria Callas ist seit der Uraufführung 1995 eine viel gespielte, erfolgreiche Tragikomödie, für die man eine starke Hauptdarstellerin benötigt. Annette Büschelberger spielt die Hauptfigur in diesem Stück bereits zum dritten Mal - es ist "ihre" Rolle, und das spürt man. Sie erkundet einen Mythos, Gipfel und Abgründe, Wege und Abwege, Kunst und Scheitern - eine Diva damals und heute und ein Drama der Lieblosigkeit und Einsamkeit in einem Meer der Zuwendung und Bewunderung.

Freitag, 29. September 2017

Goethe - Faust I, 26./28.09.2017

Kaum Faust zwischen Klamauk und Kalauer
Eines vorweg: das Engagement und die Spielfreude der Schauspieler bei der gestrigen Premiere waren ansteckend und ein wichtiger Erfolgsgarant. Bravo!
Doch sonst ist es gekommen, wie es zu befürchten war: Angsthasentheater! Man plätschert am seichten Rand und flachen Wasser und traut sich nicht in die Tiefen und Untiefen des Stücks vor. Goethes Faust wird Abiturthema und in den kommenden Monaten will man am Karlsruher Schauspiel möglichst viele Schüler durch die Vorstellungen schleusen. Das scheint auch der einzige Grund, wieso man Faust nun neu und ausgesprochen dürftig inszenierte, der Regisseur hat die Zielgruppe im Blick: bloß nicht ernst, bloß nicht staubtrocken, bloß nicht bedeutungsschwanger. Das Rezept für einen leichten Faust heißt: Groteske statt Tragödie, eine Entstellung, um eine Pleite zu verhindern. Beim Zuschauer bleibt der schale Eindruck, daß man mit Goethes Text spürbar wenig anfangen kann und ihm subtile Gewalt zufügt, nur die Gretchentragödie gelingt akzeptabel, davor ist vieles Verulkung. Man hat nur Ideen für den Urfaust, an Faust I scheitert man desinteressiert.
Doch Goethes Faust ist ein undurchdringlich kluges Mysterienspiel, in dem so viel mehr steckt, als man inszenieren und wahrnehmen kann, es ist buchstäblich reich und vielfältig - wieso muß die neue Karlsruher Inszenierung so reduziert und so armselig ausfallen? Wieso diese Selbstbeschränkung, die sich der Vielfalt nicht stellen will? Ein Theater, das Goethes Faust nicht mit spürbarer Hingabe und einer triftigen Idee inszenieren kann, hat ein grundlegendes Problem. Was sagte die gestrige Premiere also über das Karlsruher Schauspiel aus? Erneut vermittelt man den unguten Eindruck, daß es hier hauptsächlich nur um den Betrieb, weniger um die Sache und schon gar nicht wirklich um Qualität und das Stück geht. Man will über die Runden kommen und bewegt sich im Notenschema für diese Groteske zwischen ausreichend und ungenügend.