Montag, 30. Juli 2018

Rückblick auf die Spielzeit 2017/2018 des Badischen Staatstheaters

Denkzettel für jahrelange Vernachlässigung
Operndirektor Michael Fichtenholz verläßt nach vier Jahren Karlsruhe und hinterläßt nach seiner letzten Saison nicht nur die schlechteste Zuschauerbilanz der letzten Jahrzehnte, sondern einen regelrechten Absturz: 14.000 Karten wurden weniger verkauft als in der Saison zuvor, es sind sogar knapp 27.000 Karten weniger als 2012/13. Das sind keine normalen Fluktuationen, sondern Fluchterscheinungen. Der Intendant verweigerte in der Saisonbilanz eine Aufarbeitung und Erklärung - aus guten Grund, die Verantwortung für diese katastrophale Bilanz trägt nicht der Operndirektor, der doch vor allem ein Casting-Direktor war, sondern der Generalintendant, der jahrelang die größte, wichtigste und teuerste Sparte als Stiefkind lieblos behandelte. Mit der Verharmlosung der vorgelegten Zahlen verliert der Intendant der falschen Wertigkeiten nun weiter an Seriosität und man kann nur hoffen, daß der Verwaltungsrat doch noch ein Einsehen hat und den längst überfälligen Neustart angeht. Das Badische Staatstheater braucht 2021 einen neuen Intendanten, der wieder die Oper zur Chefsache macht und ein Signal des Aufbruchs vermittelt!

Mittwoch, 18. Juli 2018

Massive Zuschauerverluste in der Karlsruher Oper

Die Zuschauerzahlen der Spielzeit 2017/2018 liegen vor
Die Bilanz der Oper für die abgelaufene Spielzeit ist katastrophal und überrascht nur die, die in den vergangenen Jahren nicht genau hingeschaut oder sogar weggeschaut haben. Intendant Peter Spuhler hat jahrelange an dieser Herabwirtschaftung gearbeitet, der Absturz in dieser Spielzeit ist hausgemacht und in seiner Verantwortung. Knapp 83.000 Opernbesucher - das sind 14.000 Besucher weniger als im Vorjahr bei gleichzeitigem Einbruch der Auslastung um 9,5% auf gerade noch 70,2%. In der Spielzeit 2012/13 hatte man noch knapp 110.000 Opernbesucher. Der Intendant übernimmt natürlich keine Verantwortung, schuld sind selbstverständlich die viel zu hohen Qualitätsansprüche des verwöhnten Karlsruher Publikums (wie eine Zuschauerumfrage ergab (mehr hier), verliert man Stammzuschauer) und unglückliche Umstände, die hohen Eintrittspreise, der Verkehr, wie wär es mit dem Wetter, entweder es ist zu kalt oder zu heiß oder es regnet oder es schneit, blablablabla. Beim Relativieren und Wegreden und sich selber toll finden wirkt die publikumsmarternde ergraute Defiziteminenz auf spießigem Kriegspfad gegen die Freude im Theater wie ein unfreiwilliges komödiantisches Talent.

Dienstag, 17. Juli 2018

8. Symphoniekonzert, 16.07.2018

Ein grandios tiefenentspannter Mozart und ein überwältigend spannungsgeladener Bruckner - wäre es wie geplant Justin Browns Abschiedskonzert gewesen, hätte man dem Karlsruher GMD nachweinen müssen, nun darf man sich auf weitere zwei Jahre mit ihm vorfreuen. 

Freitag, 13. Juli 2018

Mozart - Lucio Silla, 12.07.2018

Man könnte ja meinen, man hat es bei der Erstellung des Karlsruher Opernspielplans einfach nicht gewußt, daß Lucio Silla und Anna Bolena ca. drei Stunden Spieldauer oder mit Pause(n) fast vier Stunden benötigen. Dabei gibt es doch entsprechende Einspielungen auf CD, die die Länge verraten. Manche werden dagegenhalten und das als weiteren Beweis der Ahnungs- und Lieblosigkeit im Führungsteam von Intendant Spuhler werten. Andernfalls hätte man -wie sonst bei besonders langen Opern üblich- die Vorstellung um 19 Uhr oder 19.30 Uhr beginnen lassen können statt um 20 Uhr. Nun muß das Publikum fast bis 24 Uhr durchhalten, kommt erst deutlich nach Mitternacht ins Bett und wer dann um sechs Uhr aufstehen muß, der überlegt sich genau, ob er zum letzten Akt noch bleibt. (Aber auch das Desinteresse und die Ignoranz der Intendanz haben tatsächlich ihre Grenzen, in der kommenden Saison beginnt Anna Bolena um 19.30 Uhr). Das späte Durchhalten lohnt sich, Lucio Silla (und Anna Bolena) sind gelungen und spannend.

Donnerstag, 12. Juli 2018

Vorschau: Symphoniekonzerte 2018/2019

Die Konzertsaison 2018/19 hat Verspätung, erst gestern wurden die Symphoniekonzerte bekannt gegeben, die Kammerkonzerte fehlen noch. Nachdem man letztes Jahr keinen neuen Generalmusikdirektor verpflichten konnte und Justin Brown im Herbst sich in der Folge bereit erklärte, doch noch zwei Jahre weiterzumachen, scheinen die Terminplanungen heftig in Verzug gekommen zu sein.
Für die kommende Konzertsaison hat Justin Brown die Musiker der Badischen Staatskapelle nach ihren Vorlieben befragt und deren Wünsche teilweise ins Programm integriert. Das Resultat läßt sich sehen, viele Lieblingsstücke und Klangerlebnisse sind darunter, bspw. Mozarts Prager Symphonie, Schuberts große C-Dur Symphonie (die mit den "himmlischen Längen"), Bruckners 3. Symphonie (die dankenswerterweise in der Urfassung gespielt wird), Prokofjews Symphonie Classique, Rimski-Korsakows Scheherazade, Richard Strauss' Sinfonia Domestica, Dvoráks beliebtes Cellokonzert, Brahms' deutsches Requiem, Debussys La mer, Dukas' Zauberlehrling, Strawinskys Petruschka, dazu interessante Solisten und vermutlich einige Gastdirigenten, die sich als potentielle neue GMDs vorstellen wollen.

Montag, 9. Juli 2018

Mozart - Lucio Silla, 08.07.2018

Opera Seria als bizarrer Psychothriller und Gothic Opera
Tobias Kratzer (mehr zu seiner Arbeit hier) ist die Regie-Entdeckung der letzten Jahre, seine Inszenierungen kombinieren scharfsinnig moderne Entsprechungen mit einfallsreichen Umsetzungen und sind hochgradig diskutabel, man kann sich über sie aufregen und/oder begeistern - Langeweile stellt sich sehr selten ein. 2019 wird der Regisseur in Bayreuth Tannhäuser in Szene setzen. Bei Mozarts Lucio Silla unterbietet Kratzer seine bisherigen Leistungen, die Assoziationsfäden knüpfen sich zu keinem konsistenten Erzählstrang, sein Konzept ist nur über die Oper gestülpt und schmiegt sich wenig an. Unterhaltsam ist es dennoch als unheimlicher Blick auf psychopathologische Abgründe, denn im Umfeld höchster Macht entwickeln sich hier "hochgradige Persönlichkeitsstörungen". Dem Publikum gefiel es, denn vor allem sängerisch und musikalisch waren die Leistungen nicht nur wegen Franco Fagioli bravourös.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Oper München: Strauss - Arabella, 04.07.2018

Ein begeistertes Publikum an einem ausverkauften Mittwochabend an der Münchener Oper - eine hochklassig homogene Leistung, bei der u.a. drei Künstler im Mittelpunkt standen, die auch schon in Karlsruhe auftraten: Anja Harteros, Thomas J. Mayer und Constantin Trinks.

Montag, 2. Juli 2018

Sonntag, 24. Juni 2018

Vorschau: Opern-Galas 2018/2019

Kein anderes Abo scheint unter der Herabwirtschaftung stärker gelitten zu haben, als die vier Opern-Galas. Die sehr gut besetzte gestrige Aufführung von Roméo et Juliette könnte von der Anzahl der zahlenden Zuschauer einen neuen Tiefstand erreicht haben, so überschaubar wenige Zuhörer sollen dabei gewesen sein.

Freitag, 22. Juni 2018

Mumpitztheater (5)

Countdown zur (Ent-)Täuschung
Die Uhr tickt. Ende Juni tagt der Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters und behandelt ein Thema, das eigentlich noch gar nicht auf der Tagesordnung stehen sollte: Intendant Spuhler hat vorzeitig um Verlängerung seiner bisher so diskutablen Intendanz gebeten. Ein Vorgang, der, als er durchsickerte, an manchen Stellen innerhalb und außerhalb des Theaters Widerspruch und Ablehnung auslöste und sich in Windes Eile verbreitete. Zehn Jahre sind das gesunde Maß für eine Intendanz und eine vernünftige Frist, die auch denen eine Perspektive bietet, die in Opposition zu dieser Intendanz stehen. "Karlsruhe ist keine Endstation", "Von Karlsruhe aus macht man Karriere" - Für Peter Spuhler könnte nun vielmehr gelten: Karlsruhe ist seine Karriere-Endstation. Doch wieso sollten Publikum und Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters die Zeche für seinen Mißerfolg zahlen und seine Verlängerung ertragen?

Donnerstag, 14. Juni 2018

Verdi - Simon Boccanegra, 13.06.2018

Simon Boccanegra mag vielleicht nicht Verdis publikumswirksamste Oper sein, aber tatsächlich schafft die Inszenierung von David Hermann das Kunststück, dieses sprödere Verdi-Werk trotz mancher diskutabler Entscheidungen spannend zu erzählen, das erste Finale mit seiner Verwandlung ist großartig gelungen. Musiziert und gesungen wird auf sehr hohem Niveau, Johannes Willig und die Badische Staatskapelle scheinen sich sehr wohl zu fühlen, auch die x.-te Vorstellung klang mitreißend. Mit Armin Kolarczyk und Seung-Gi Jung hat man zwei besondere Sänger für die Titelrolle. Konstantin Gorny gibt einen monumental gesungenen Jacopo Fiesco, Nicholas Brownlee ist die Verpflichtung der Saison, ob als Paolo Albiani oder als Heinrich VIII. in Anna Bolena - er verleiht seiner Figur imposante Statur. Barbara Dobrzanska überzeugt als Amelia Grimaldi. Nur James Edgar Knight kann als Gabriele Adorno Rodrigo Porras Garulo (noch) nicht ersetzen. Der Verfasser dieser Zeilen wird nicht der einzige sein, der sich jetzt schon auf die Wiederaufnahme und einen weiteren Besuch dieser Oper in der kommenden Saison freut. Und was will man mehr von einer Inszenierung fordern, als daß man ein Wiedersehen nicht scheut und sich auf ein Wiederhören freut? BRAVO! für diese gelungene Produktion.

Mittwoch, 13. Juni 2018

Mumpitztheater (4)

Die Etiketten-Intendanz und das Gesinnungstheater
Inzwischen dürften es viele erkannt haben: Es geht der prekären Intendanz von Peter Spuhler nicht primär um gutes Theater, es geht nicht vorrangig um Kunst und Künstler, nicht um Phantasie und Originalität, nicht um Qualität und Publikum - es geht um Selbstdarstellung, Profilierung und Karriere, und dafür wird das Theater instrumentalisiert. Wo man künstlerische Ambitionen erwartete, wird stattdessen das Fähnchen der Gesinnung hochgehoben, man heftet sich gerne theaterfremde Etiketten an, man will "politisch" sein, man ist nun "frauendominiert", man bemüht sich um Konformität, wo immer möglich soll persönliche Gesinnung gezeigt werden. Die Ware Theater hat einen Gebrauchswert bekommen. Man täuscht eine gesellschaftliche Relevanz vor, da man der Kunstform an sich nicht vertraut, das Theater ist nur noch Mittel zum Zweck - Zweckkunst statt Kunstzweck. Theater ist plötzlich wieder von oben herab: der Bürger soll belehrt werden, die Nähe des Intendanten zu Bündnis 90/Die Grünen ist bekannt, deren Themen übernimmt er aktiv ins Theater. Wer politisch am Drücker ist, darf also das Theater nun inhaltlich wieder kontrollieren - eine erschreckende Perspektive, die zukünftig hoffentlich nicht beispielgebend sein wird.

Montag, 4. Juni 2018

Donizetti - Anna Bolena, 03.06.2018

Ein fast ungetrübtes Opern- und Belcanto-Glück
Königin zu sein war in früheren Jahrhunderten kein rosaner Prinzessinnen-Job. Geheiratet wurde nicht aus Liebe, sondern zu einem bestimmtem Zweck: männliche Nachkommen zu zeugen, die später als militärisch-politische Oberbefehlshaber das Erbe schützen sollten. Idealerweise kamen die zukünftigen Königinnen aus anderen bedeutenden dynastischen Familien, deren Unterstützung man sich dadurch sicherte. Anna Boleyn sollte einfach nur den Thronfolger des Hauses Tudor gebären. Das gelang und gelang nicht: kein Sohn, mehrere Fehlgeburten, nur eine Tochter: Elisabeth I., die dann zwar 45 Jahre Königin sein sollte, aber kinderlos starb. Der Dynastie ihres Vaters, der ihre Mutter enthaupten ließ, verweigerte sie sich. Die Tudors starben aus. Anna Bolena ist große romantisch-tragische Belcanto- und Primadonnen-Oper. Der englische König Heinrich VIII. bezichtigt seine Ehefrau Anna Boleyn der Untreue und läßt sie letztendlich hinrichten, um seine neue Favoritin Jane Seymour heiraten zu können - das bedeutet die größtmögliche Fallhöhe für eine Königin. Um dieses Beziehungsdreieck zwischen Anna, Heinrich und Jane geht es in Donizettis Oper, die das historische Drama als Grundlage für eine tragische Figurenkonstellation nimmt. Bei der stark bejubelten gestrigen Premiere gelang vieles.

Freitag, 1. Juni 2018

Mumpitztheater (3)

Das Theater des "alten weißen Mannes"
oder

Revanche statt Gleichberechtigung?
Das Badische Staatstheater macht eine so laute Kehrtwende, daß man genauer hinschauen sollte. "Die Zukunft ist weiß" konkretisierte man hinsichtlich der neuen Personalpolitik, mit der man verstärkt auf weiße Mitteleuropäerinnen setzt und .. . halt, nein, anders, "Die Zukunft ist weiblich", so heißt das diskriminierende Etikett korrekt. Nachdem es die letzten Jahre anscheinend galt, daß die Zukunft männlich und homosexuell war, sind nun Frauen dran. Bei den vielen Floskeln und Flatulenzen, die in den letzten Jahren so gerne wohlfeil als Etikette bemüht werden, kann man schon mal durcheinander kommen. Statt sich zu freuen, daß man so gute weibliche Bewerber mit überzeugenden Ideen hatte, vermittelte man den Eindruck, als ob es dabei gerade nicht um Inhalte, sondern nur um das Ausrufezeichen ging. Intendant Spuhler kann es als Ablenkungserfolg vermelden, daß es bei seinen Engagements inzwischen nicht um solche Dinge wie Programm, Kompetenz, Berufserfahrung, Vorhaben und Vorteile für das Publikum geht, nicht um Sänger oder Schauspieler und Künstler nur noch nebensächliche Erfüllungsgehilfen sind, sondern sekundäre Eigenschaften aufgebläht und als Nachricht gelten. Man hat nun also gewollt Frauen engagiert. Ist das ein Grund ins Theater zu gehen? Wird Theater dadurch besser? Ist es überhaupt von irgendeiner Bedeutung für das Theaterpublikum? Wer sich das Programm der Spielzeit 2018/19 anschaut, bekommt nicht den Eindruck, daß sich bspw. im Schauspiel etwas verbessert, viele Stücke scheinen Befindlichkeitsbelehrungen zu sein (aber warten wir's erst mal ab). Na ja, alles ist recht für die Intendanz, solange man nicht über Programm, Kunst und Künstler oder Führungsstil reden muß. Der Intendant wirkt als Sonnenkönig, da das ziemlich schief gegangen ist, dürfen es jetzt die neuen Kronprinzessinnen für ihn richten. Sie sind die neuen Planierraupen seiner weiteren "Karriere", er scheint aus Erfolglosigkeit gezwungen, in Karlsruhe verlängern zu müssen.

Montag, 28. Mai 2018

Mumpitztheater (2)

Das Schauspiel bleibt in der Krise
Es ist immer wieder überraschend, wie überfordert Generalintendant Spuhler mit Spielplänen erscheint und mit welcher Arroganz er seine Abonnenten zum Narren hält. Mal wieder schafft man es in der kommenden Spielzeit im Schauspiel nicht, sechs Premieren im Kleinen Haus auf die Beine zu stellen. Ein eigentlich unglaublicher (und unglaublich dilettantisch wirkender) Vorgang, der mal wieder ein Beleg darstellt, wie ideenlos und hilflos die Intendanz von Peter Spuhler versucht, Theater zu machen. Man kriegt zig Millionen Steuergelder und scheitert an sechs Premieren.

Donnerstag, 24. Mai 2018

Mumpitztheater (1)

Freudlos, lieblos, phantasielos, ideenlos - Notizen zu einer mißlungenen Intendanz
Im 2. Weltkrieg bauten die Amerikaner auf abgelegenen Standorten im Pazifik Frachtflughäfen als Umschlageplätze zur Versorgung ihrer Truppen. Jahre nach Ende des Krieges und Abzug der Truppen beobachtete man bei primitiven Eingeborenen Melanesiens die Ausübung des sogenannten Cargo-Kults: sie rodeten Landebahnen, entzündeten Signalfeuer, imitierten die Bewegungen der Landelotsen, sie schnitzten sich sogar Zubehör, bspw. in Form von Kopfhörern, und hofften, daß sie auch Fracht erhalten würden. Sie imitierten mit hoher Genauigkeit, was sie beobachtet hatten und trotzdem erbarmte sich niemand ihrer Beschwörungszeremonie. Manchen mag es nach nun fast sieben Jahren scheinen, als ob man ein ähnliches Phänomen in abgewandelter Form am Badischen Staatstheater beobachten kann: man hat dort eine immer wieder orientierungslos wirkende Intendanz, die mit so geringem Erfolg versucht, Qualitätsfracht auf die Bühne zu bringen, daß man vermuten möchte, daß sie ihre Tätigkeit eher imitiert als wissentlich ausübt.

Samstag, 19. Mai 2018

Vorschau (2) auf die Spielzeit 2018/2019 des Badischen Staatstheaters

Das neue Spielzeitheft ist da
300 Jahre Theater in Karlsruhe! Dem sich aus dem Karlsruher Hoftheater entwickelten Badischen Staatstheater steht ein Jubiläum bevor. Als Zuschauer durfte man vorab gespannt sein, mit welchen Ideen man in der Spielzeit 2018/19 aufwartet. Setzt man Werke aufs Programm, die besonders mit Karlsruhe verknüpft sind, bspw. hier ihre Uraufführung erlebt haben oder startet man eine Reihe solcher Opern und Stücke? Bringt man etwas aus der Hitparade der größten Erfolge aus 300 Jahren? Welche Opern haben die höchsten Aufführungszahlen und könnten als Karlsruher Lieblingsopern gelten? Was war die erste Oper, die für den Karlsruher Hof komponiert wurde (und noch erhalten ist)? Welche Strömung hat man in Karlsruhe verpaßt? Spielt man etwas, was sträflich vernachlässigt wurde und nie oder kaum zu sehen war? So viel Geschichte, so viele Möglichkeiten zur Programmgestaltung und damit, sich beim Publikum zu positionieren und Aufmerksamkeit zu bekommen! – nur hat man mit Peter Spuhler leider einen Intendanten mit so wenig Interesse und Ideen. Gleichgültiger und liebloser kann man das Jubiläum kaum angehen, von Kreativität und Phantasie ist keine Spur. Irgendwann muß es jemand aufgefallen sein, daß man die Planung des Jubiläums schlicht vergessen hat. Irgendwie wirkt es, als ob man der nächsten Spielzeit das Motto „Von Zukunft“ vorangestellt hat, um vom eigenen Desinteresse an der eigenen Historie mittels einer Flucht ins Unbestimmte abzulenken. Nur Justin Brown scheint verstanden zu haben, worum es geht, und nach seiner unerwarteten Verlängerung als GMD ist das bisher nur unvollständig bekannte Programm der Symphoniekonzerte eine Hitparade beliebter Werke und großer Namen.

Freitag, 18. Mai 2018

Festspielhaus Baden-Baden: Wagner - Der fliegende Holländer, 18.05.2018

Vom Schatten ins Licht und Glück im Pech - Der fliegende Holländer begann schwach und gewann stetig an Kontur und Kraft und mit Elena Stikhina als Senta hatte man eine grandiose Überraschung - ein Namen, den man sich unbedingt merken muß.

Mittwoch, 9. Mai 2018

Premierengefühle im Ballett

Wie ist es, als Tänzer eine Premiere zu erleben? Harriet Mills, 1. Solistin am Badischen Staatsballett, schreibt in ihrem Blog stets intelligente Analysen zu ihrem Beruf und dessen Ansprüche und Folgen. Anläßlich der Wiederaufnahme von Youri Vámos' Ballett zum Sommernachtstraum, die für viele Tänzer eine Premiere war, hat sie ein Video gedreht, das sich hier findet: https://aballetoflife.com/2018/05/09/that-premiere-feeling/ und in Englisch schöne Eindrücke und Einblicke vermittelt.

Dorman - Wahnfried, 08.05.2018

Der Wagner-Clan in Sippenhaft
Komponist Avner Dorman ist wirklich zu bedauern - er verschwendet so viele gute musikalische Einfälle an eine so tumbe Oper. Wahnfried (hier mehr zur Premiere) ist eine Oper über Familienklatsch aus dem unschönen Geist des erhobenen und ausgestreckten Zeigefingers und der Überheblichkeit. Der frühere Mensch verschwindet hinter der Maske des Lächerlichen, des Dummkopfs, des Bösewichts - das sagt mehr über unsere Zeit und den Willen zu Aburteilung und Moralpredigt als über die frühere Epoche. Ein neues Spießertum unterzieht wieder alle Lebensbereiche einer Gedankenkontrolle, der frühere Irrtum wird zum Stigma. Doch man kann an eine längst verstorbene Person nicht die Maßstäbe von heute anlegen. Heute wie damals sagen die Leute meistens das, was viele andere auch sagen. Karl Marx bezeichnete den frühen Sozialdemokrat Ferdinand Lassalle als "jüdischen Nigger", Polen sprach er als Land die Existenzberechtigung ab, Schweizer sind "dumm", Dänen "verlogen", Friedrich Engels ekelte sich vor Homosexuellen, Richard Wagner war Antisemit (und ließ doch einen Juden seine letzte Oper bei der Uraufführung dirigieren) - alle drei u.v.a.m. waren Kinder ihrer Zeit. Simone de Beauvoir notierte in ihren Memoiren den wichtigen Gedanken, daß sie in der Zukunft nach Kriterien beurteilt werden würde, die sie selbst nicht kennen könne und beklagte 'die ungeheure Arroganz der Nachwelt' - Wahnfried ist ein Beispiel dafür.