Sonntag, 19. Februar 2017

Händel - Theodora, 18.02.2017

24 Stunden nach der Premiere von Semele erwies sich die konzertante Aufführung von Theodora als das musikalisch ergiebigere und melodienreichere Oratorium Händels für das man in Karlsruhe auch das stärkere und homogenere Sängerensemble zusammengestellt hatte.

Samstag, 18. Februar 2017

Händel - Semele, 17.02.2017

Der Versuch, Oratorien zu inszenieren, hat in der Regel spröde und wenig überzeugende Folgen. Zum Auftakt der 40. Karlsruher Händel Festspiele gelang gestern, was sonst oft mißlingt - Händels Oratorium Semele ist kurzweilig und unterhaltsam. Der Jubel war groß beim Premierenpublikum.

Sonntag, 12. Februar 2017

Wagner - Die Walküre, 11.02.0217

Viel Jubel und Bravos gab es gestern für eine Walküre, die sich überraschenderweise sogar in zweifacher Hinsicht verbessert hat - sängerisch durch sehr gute Gäste und szenisch durch eine verbesserte Personenregie im 3. Akt! Doch es bleibt eine Schwäche - visuell ist diese Inszenierung durchaus attraktiv, es ist das Herz dieser Walküre, das verkümmert ist, die Leidenschaften finden in der Musik statt, aber nicht auf der Bühne. Man achtet zu sehr auf das Äußere und zu wenig auf das Innere.

Freitag, 10. Februar 2017

McDonagh - Der Krüppel von Inishmaan, 09.02.2017

In der Klischeefalle
Endlich mal wieder eine Komödie .... doch nein, nur ein bißchen Komödie, das Zwerchfell wird nur leicht gefordert, aber dafür sieht man einige gute Schauspieler. Die Inszenierung wollte Klischee gewordene Irlandbilder bei diesem irischen Stück vermeiden und produzierte doch wieder nur Gegenklischees. Die Insel Inishmann wird zur Müllkippe, die Figuren erstarren in Konventionalität und Klamauk. Mehr Konsequenz hätte gut getan, so ist der Abend unentschlossen und bestenfalls nett. Es wäre deutlich mehr drin gewesen.

Dienstag, 7. Februar 2017

Sonntag, 5. Februar 2017

Thorpe - Möglicherweise gab es einen Zwischenfall, 04.02.2017

Umständehalber gab es einige Gähnattacken
Ein Ministück, nur ca. 70 Minuten. Die einzige halbwegs spannende Frage, die sich gestern nach der Premiere stellte, war die, ob die Inszenierung so zäh war, weil der Text so schwach ist, oder ob die Regie mit dem Stück nichts anzufangen wußte. Es könnte sich auch beides bedingen.

Donnerstag, 2. Februar 2017

Vorschau: Händel Festspiele 2018

Kurzfristige Rosinenpickerei statt langfristiger Planung
Seit 1978 gibt es Händel Festspiele in Karlsruhe, man begann damals mit der Oper Alcina, die zu der Handvoll besonders beliebter der insgesamt 42 Opern Händels gehört. Nächstes Jahr feiert man in Karlsruhe 40. Geburtstag. Und man hat es fast geschafft, alle Opern zu spielen. Es fehlen nur noch sechs Werke: Floridante, Siroe, Tolomeo, Sosarme (Fernando), Atalanta und Faramondo. Und dann gibt es noch Muzio Scevola, in der nur ein Akt von Händel  stammt. Die Aufgabe für Operndirektor Fichtenholz ist klar: ergänzen, was fehlt. Spätestens zu den 50. Festspielen 2027 oder zum 50. Geburtstag 2028 könnte der zweite Zyklus beginnen, und mit was sollte man ihn besser beginnen lassen als erneut mit Alcina?

Sonntag, 29. Januar 2017

Dorman - Wahnfried, 28.01.2017

Ein durchwachsenes Libretto mit Konstruktionsproblemen, eine ideenreiche und starke Inszenierung und abwechslungsvolle Musik - Wahnfried bietet von allem etwas. Die gestrige Uraufführung wurde vom Publikum bejubelt, es war ein hochgelungener Leistungsbeweis des Badischen Staatstheater und ein Triumph für Matthias Wohlbrecht in der Hauptrolle. Wer allerdings wenig über die Geschichte des Wagner-Clans weiß, der muß sich vorab einlesen oder sonst öfters über das Bühnengeschehen rätseln.

Hermann Levi - Der erste Dirigent des Parsifal

Der Vorplatz des Badischen Staatstheaters wurde eine Stunde vor der Uraufführung von Wahnfried auf Anregung des früheren Verwaltungsdirektors Sieber umbenannt: man residiert ab Februar nicht mehr in der Baumeisterstraße 11, sondern am Hermann-Levi-Platz 1.

Donnerstag, 26. Januar 2017

Richter - Small Town Boy, 25.01.2017

"Katholiken sind Haßprediger"
Die prominente, in Istanbul geborene Soziologin und Frauenrechtlerin Necla Kelek sprach im Herbst 2016 von "der Agitprop-Prosa des Bad-Acting-Staatstheaters" bzw. "dem Politkitsch des Agitationstheaters" und bezog sich damit auf das Berliner Maxim-Gorki-Theater "als Ort der Realitätsverweigerung". Small Town Boy des Autors Falk Richter - uraufgeführt in Berlin im Maxim-Gorki-Theater - gehört zu diesem weltanschaulichen Kitschtheater, das man in Karlsruhe teilweise entschärft und damit eine fundamentale Schwäche des Stücks aufdeckt: 90 Minuten lang ist es eine Mischung aus Kitsch, Klischee und Sentimentalität über männliche Homosexualität, die letztendlich so belanglos ist, daß man sich schnell kaum noch an den Text erinnert. Die restlichen Minuten gehören dann dem Politkitsch, der eine weitere zentrale Schwäche von Richters Stück offenbart: eine pegidaesque Pauschalisierung und Polarisierung, das exemplarische Zitat "Katholiken sind Haßprediger" zollt den Methoden des Populismus auf unschöne Weise Respekt und spielt sich Doppelpässe mit denen zu, die eigentlich als Vorlagengeber entfallen sollten. Es gehört zum schlechten Ton des Zeitgeists, daß man Andersdenkenden böse Absichten und dunkle Gesinnung unterstellt - die Feindeslogik nimmt von Politik, Gesellschaft und leider auch den Theatern Besitz. Die, die es besser wissen sollten, mischen mangels guter Ideen gerne mit. Was nicht ins selbstherrliche Bild paßt, wird ausgeblendet, wer nicht ins selbstverliebte Bild paßt, wird denunziert und ausgegrenzt. Bei Small Town Boy lohnt es, durch Perspektivwechsel der Einseitigkeit des Stückes mehr Würze zu verleihen:

Samstag, 21. Januar 2017

Rokokotheater Schwetzingen: Zingarelli - Giulietta e Romeo, 21.01.2017

Schönes Kleinod im Rokokotheater
Der Winter in Schwetzingen des Heidelberger Theaters präsentierte in dieser Saison ein weiteres, aber spätes Werk der von Alessandro Scarlatti begründeten neapolitanischen Opernschule: Niccolò Antonio Zingarelli (1752-1837) komponierte Giulietta e Romeo in angeblich nur acht Tagen, am 30. Januar 1796 war die Premiere an der Mailänder Scala. Die Oper zwischen Rokoko und Belcanto erfuhr nach konzertanten Vorstellungen bei den Salzburger Pfingstfestspielen 2016 im Schwetzinger Rokokotheater die erste szenische Neuproduktion seit 187 Jahren und erwies sich dabei vor allem sängerisch und musikalisch als schöne Entdeckung.

Mittwoch, 11. Januar 2017

500.000 Seitenaufrufe, 65 Monate, 455 Blog-Einträge

Herzlichen Dank!
Ohne trendiges Thema, ohne Kochrezepte, ohne Fotos, regional begrenzt, nur Text (viel Text, inzwischen über 600 DIN-A4 Seiten), persönliche Stimmungsbilder über Besuche von Opern, Konzerten, Schauspielen und Ballettvorstellungen sowie Geschehnisse rund um das Badische Staatstheater. Und dennoch wurde dieser Blog in knapp über fünf Jahren deutlich häufiger besucht, als es die kleine familiäre Zielgruppe vorab erahnen ließ: 455 Beiträge sind aktuell veröffentlicht, 500.000 Seitenaufrufe sind nun im 65. Monat erreicht, bei über die Jahre steigender Tendenz, manche verirrt hier gelandet, manche Gelegenheits- und sehr viele gezielte Leser, darunter in dieser Spielzeit bisher ca. 2850 Stammleser (die die von google gesetzten Cookies nicht nach jeder Sitzung löschen).

Mittwoch, 4. Januar 2017

Donizetti - Der Liebestrank, 03.01.2017

Womit kann man aktuell in Karlsruhe besser ins neue Opernjahr starten als mit Donizettis wunderbarem Elesire d'Amore? Zumindest kann man in der Oper im Januar gut ins neue Jahr starten - man gibt sich Mühe, den Spielplan wieder variabler zu gestalten: neben Donizetti gibt es Bellini, Wagner, Humperdinck, Verdi, Puccini, My fair Lady und Dormans Wahnfried als Uraufführung - sieben unterschiedliche Programmpunkte im Musiktheater innerhalb eines Monats! Respekt und Glückwunsch - so soll es sein, für ein abwechslungsreiches Programm wird man vom Steuerzahler finanziert - man hat im Januar einen normalen Monatsspielplan. Nur Schade, daß man damit schon fast die Hälfte des Jahresrepertoires (sieben von 15 Opern, 7 Premieren + 8 Wiederaufnahmen gibt es 2015/2016 ) gezeigt hat. Die Vielfalt hat massiv gelitten, das Programm ist defizitär (mehr dazu hier). Nun gibt es besorgniserregende Gerüchte, die hier noch nicht bestätigt werden können, denen zufolge es in der kommenden Saison nur noch sechs der üblichen 7-8 Opernpremieren geben könnte (s.u.) Die Anzahl der Wiederaufnahmen müßte also steigen, wenn die Intendanz das Programm nicht noch weiter herabwirtschaften will. Man darf sorgenvoll gespannt sein, wie es mit der Karlsruher Oper weitergeht.

Sonntag, 18. Dezember 2016

Festspielhaus Baden-Baden: Mendelssohn-Konzert, 17.12.2016

Felix Mendelssohn hat herrliche Musik komponiert, wie schade, daß man sie so wenig im Konzertsaal zu hören bekommt und wie schön, daß man ihm gestern im Festspielhaus ein ganzes Konzert widmete, das auch noch besonders gut gelang.

Samstag, 17. Dezember 2016

Tschaikowsky - Der Nußknacker, 16.12.2016

Jetzt kann Weihnachten kommen! Restlos ausverkauft war die gestrige Wiederaufnahme des Nußknackers, als sich der Vorhang hob, gab es wieder Aaaahhh's und Oooohhhh's und Freude über das unproblematische Bühnenbild. Überraschenderweise gab es Debütanten: Lisa Pavlov und Timoteo Mock übernahmen die Hauptrollen, beide aufgeregt, die Hebefiguren waren noch mit Zittrigkeiten, der Ausdruck noch nicht ganz ausgefeilt, doch der Einsatz stimmte und überzeugte. Bruna Andrade als Weihnachtsfee und Admill Kuyler als Scrooge agierten auf gewohnt hohem Niveau, die Schülerinnen der Ballettschule Lagunilla & Reijerink stahlen im zweiten Akt mit ihrem herzerwärmenden Auftritt erneut fast allen die Schau. Höhepunkt war der orientalische Tanz mit perfekten Tänzern: Blythe Newman und Zhi Le Xu , dem auch als Todesgeist seine bisher überzeugendste Charakterisierung gelang und der im ersten Akt wieder wunderbar hohe und lange Sprünge zeigte. Harriet Mills, gestern Solistin im Kristallwalzer, hat auf ihrem englischsprachigen Ballett-Blog über ihre Erfahrungen mit dem Nußknacker geschrieben: https://aballetoflife.com/2016/12/10/tis-the-season-to-be-dancing/

Freitag, 16. Dezember 2016

Wer inszeniert 2018 Lohengrin in Bayreuth?

Es gehen Gerüchte um, daß Regisseur Yuval Sharon diese Aufgabe übernehmen könnte, der in Karlsruhe gerade die Walküre (mehr hier) und zuvor Dr. Atomic (mehr hier) inszeniert hat. Das würde passen, in Bayreuth soll 2018 die Bühne zum Lohengrin vom Maler Neo Rauch gestaltet werden und visuell auffällige Inszenierungen entsprechen Sharon. Katharina Wagner hatte Regisseur Tobias Kratzer nach seinen Karlsruher Meistersingern (mehr hier)  bereits nach Bayreuth verpflichtet, 2019 wird er im Festspielhaus Tannhäuser zeigen. Justin Browns Wagner-Zyklus hätte damit prominente Auswirkungen, jetzt fehlt nur noch, daß man auch Brown als Dirigent nach Bayreuth engagiert.

Rund um die Baumeisterstraße hört man Gerüchte, daß Tobias Kratzer in der Saison 2017/18 nicht nur die Götterdämmerung inszeniert, sondern auch noch eine andere Oper übernehmen könnte (anscheinend eine Überraschung mit Seltenheitswert). Nach den Meistersingern und dem großartigen Propheten Meyerbeers (mehr hier) wären das sehr gute Neuigkeiten und spannende Perspektiven für die nächste Karlsruher Opernsaison!
(@anonym: Herzlichen Dank für den Hinweis!)

Montag, 12. Dezember 2016

Wagner - Die Walküre, 11.12.2016

Seit der wackligen Übernahme der Intendanz durch Peter Spuhler manövriert sich das Badische Staatstheater immer wieder orientierungslos wirkend in den Krisen- und Zweifelmodus. Die Intendanz benötigt Erfolge, um zumindest den Anschein qualitativer Normalisierung zu beweisen. Einem prestigereichen Premierenabend wie bei der Walküre kommt dann entscheidende Bedeutung für die Außendarstellung zu - doch auch gestern galt: Mehr Schein als Sein!
Richard Wagners Walküre gehört im Hochgebirge der Opernwelt zu den höchsten Gipfeln des Himalaya. Nichts sollte für einen Regisseur einfacher sein, als diese Oper zu inszenieren, deren Dramatik so offenkundig ist, deren Fallhöhe ihrer Figuren nur alles oder nichts, Sieg oder Niederlage, Macht oder Ohnmacht, Tod oder Leben kennt. Alles ist existentiell, nichts beliebig - Hochspannung zwischen tragischen Wechselfällen. Die Walküre ist groß, größer, überlebensgroß. Regisseur Yuval Sharon erklärte folglich "Man hat selten die Möglichkeit, so ein tolles Stück auf die Bühne zu bringen!“ und lieferte doch nur eine bestenfalls durchschnittliche Arbeit ab, deren Personenregie die Spannung oft nicht trägt oder sie nicht steigern kann. Sängerisch bleibt man dazu klar hinter der letzten Walküre aus dem Jahr 2005 zurück. Die Gewinner der gestrigen Premiere waren Justin Brown und die Badische Staatskapelle sowie Ewa Wolak und auch Katherine Broderick, die neu im Ensemble ist.