Sonntag, 18. Februar 2018

Konzert mit Valer Sabadus, 17.02.2018

Schwerelos entrückt
Nachdem sich Alcina am Vorabend über 240 Minuten als szenisch ungewöhnlich zähfließend erwiesen hatte, verflogen die 150 Minuten des Konzerts mit Countertenor Valer Sabadus wie im Flug. Bei Alcina ging es bereits um die Liebe in ihren vielfältigen Schattierungen und auch Sabadus widmete sich gestern in seinem Konzert Tiranno amor dem beliebten Tyrannen in einem beglückend schönen Konzert.

Samstag, 17. Februar 2018

Händel - Alcina, 16.02.2018

Gepflegte Langeweile
Händels Alcina ist vieles: eine Oper über Liebe und Begehren, eine Zauberoper, eine Ausstattungsoper, eine Exotikoper sowie eine Ballett- und Choroper (eine der wenigen  Opern Händels, in den ein zusätzlicher Chor und Tänzer zum Einsatz kamen) - Leidenschaften, Phantasie, Spektakel und eine der beliebtesten Opern der Barockepoche. In Karlsruhe schafft man das enttäuschende Kunststück, diese schöne Oper ideen- und handlunglos wie zähen Kaugummi auf die Bühne zu stellen - eine Alcina sowohl ohne Magie, ohne Spektakel und ohne Faszination als auch ohne psychologische Erzählung oder symbolische Deutung oder Vertiefung. Zumindest die Sänger retten, was zu retten ist an diesem szenischen Langeweiler, der alles im Ungefähren verortet und nichts auf den Punkt bringt.

Montag, 12. Februar 2018

Gounod - Roméo et Juliette, 11.02.2018

Gounods Oper konzertant ohne Bühne und Regie
Viele blieben der gestrigen Aufführung fern, circa die Hälfte der Sitze blieb bei der Premiere gähnend leer. Dafür gibt es gute Gründe. Nichts spricht gegen konzertante Opernaufführungen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Nach der gestrigen konzertanten Aufführung von Gounods Roméo et Juliette sollte man sich aber nicht billig von der Intendanz des  Badischen Staatstheaters abspeisen lassen. Um Opern auf die Bühne bringen zu können, ist ein immenser Aufwand von Nöten: man braucht Sänger als Solisten, man braucht einen Chor und ein Orchester. Da kommt einiges zusammen, gestern z.B. waren ca. 120 Künstler auf der Bühne. Aber dem nicht genug, das Badische Staatstheater hat für das Große Haus ca. 50 Bühnenhandwerker, 10 Mitarbeiter in der Requisitenabteilung, die Kostümabteilung umfaßt Schneider, Schuhmacher, Hutmacher, Waffenmeister, man hat Maskenbildner, eine Transportabteilung, Bühnen-, Licht- & Tontechniker - es ist alles vorhanden und wird bezahlt, seit Jahrzehnten hat man ein hohes Leistungsvermögen und stemmt problemlos szenische Neuproduktionen. Wieso wird nun auf einmal eine Neuproduktion konzertant aufgeführt? Wieso kann das Badische Staatstheater seine Mitarbeiter hinter der Bühne nicht mehr beschäftigen? Was ist schief gelaufen bei Intendant Spuhler? Und wieso werden denn die Eintrittspreise nicht gesenkt, wenn man dem Publikum weniger bietet? Als Zuschauer darf man sich auf den Arm genommen fühlen.
Wieso gibt es keine Transparenz? Wer nach einer Entschuldigung oder Rechtfertigung des Intendanten für die konzertante Oper sucht, wird nicht fündig, eine schlüssige Erklärung steht aus. Die Stadt Karlsruhe will sparen und hat das Budget des Staatstheaters minimal gekürzt. Ca. 80% der Betriebskosten eines Theaters sind Personalkosten, die Produktionen verschlingen nicht so viel Geld. Doch selbst wenn manche meinen, daß aufgrund der Einsparungen das Geld für etwas Material, eine Idee und einen Regisseur fehlt - vor der Intendanz von Peter Spuhler wäre das eine Herausforderung gewesen, der sich jemand aus dem Haus gerne gestellt hätte. Man hatte früher Mitarbeiter, die die Chance genutzt hätten, um sich als Regisseur zu profilieren. Die Geschichte von Romeo und Julia stellt inszenatorisch keine unüberwindbare Hürde dar, an die sich nur wenige trauen. Nun hat man eine eunuchisch wirkende Theaterleitung, die zwar vielleicht weiß, wie es geht, sie können es aber nicht selber.
Knappes Geld kann tatsächlich nicht der Grund sein, denn man leistet sich genug am Badischen Staatstheater. Man gönnt sich bspw. ein Volkstheater als Sparte mit verschwindend geringen Zuschauerzahlen und man hat seit eineinhalb Spielzeiten einen "Chefdramaturgen" der meines Wissens bisher für keine einzige Abo-Produktion in Erscheinung getreten ist und gerade in Zeiten knappen Geldes sollte halt auch ein "Chef" Leistungen (und vorbildhafterweise mehr nachweisliche Leistungen als seine Angestellten) für das Publikum vorweisen. Geld ist also vorhanden, Not herrscht offensichtlich keine.
Wieso bringt man also in Karlsruhe eine konzertante Oper? Was steckt dahinter? Mißwirtschaft, Fehlplanungen oder das Desinteresse am Opernbetrieb? Die Vielfalt des Opernangebots wurde in den vergangenen Jahren durch Intendant Spuhler stark verringert, ohne Angebot gibt es keine Nachfrage - einige Opernbesucher schauen sich in den letzten Jahren nach Alternativen in der Region um, die Karlsruher Oper hat an Attraktivität verloren. Und man kann sich die Frage stellen, ob man -gerade in Zeiten knapperen Geldes- mit einer konzertanten Oper nicht viel mehr gut zahlendes Publikum und Umsatz verliert, als man während einer ganzen Spielzeit bspw. mit dem Volkstheater verdient.
Konzertante Oper? In diesem Fall eine weitere krasse Fehlentscheidung des Intendanten. Manche mögen meinen, die Ursache ist psychologisch, eine beleidigte Leberwurstintendanz quengelt und ist trotzig, weil die Stadt ihr etwas Budget weggenommen hat. Die Folgen sollen die Zuschauer zu spüren bekommen. Wenn der Intendant gewollt hätte, würde der Opernbetrieb normal weiterlaufen. Und ist nicht genau das die Essenz der unzureichenden Intendanz von Peter Spuhler? Die Inszenierung des Ego, die Instrumentalisierung des Theaters zum Zweck der Selbstdarstellung. Es geht nicht um das Wesentliche (Qualität, Künstler, Zuschauer), sondern um das Opportune des eigenen Vorteils (Karriere, Aufmerksamkeit, ideologische Belehrung). Gestern entschied sich der Intendant erneut gegen die Oper. Das fernbleibende Publikum hat die Botschaft verstanden.

Mittwoch, 7. Februar 2018

Stamm - Agnes, 06.02.2018

Eine nette Geste des Karlsruher Schauspiels: bei der 175. und letzten Vorstellung von Agnes gab es alle Karten zum ermäßigten Preis. Die Premiere (mehr dazu hier) im November 2012 war schon ein voller Erfolg, danach wurden jahrelang Schulklassen durchgeschleust, die den Roman im Deutschunterricht lasen und auch gestern waren letzte Schüler kurz vor dem Abi dabei. In der Summe sollen es über 20.000 Besucher gewesen sein, wie viele davon Zwangsbesucher, ist kaum zu schätzen. Auch auf diesem Blog gab es ein ständiges Grundrauschen zu Agnes, der damalige Blogbeitrag gehört zu den am häufigsten aufgerufenen Einträgen auf diesen Seiten, den Schüler zum Anlaß nahmen, Fragen zum Buch und zur Interpretation zu schicken; Überraschenderweise gab es von ihnen zum Buch meistens kritische Urteile - gern gelesen wurde Agnes in dieser unrepräsentativen Erhebung bei Schülern nicht. Die Bühnenfassung war beliebter, Agnes ist allerdings ganz das Gegenteil von dem, für das die Intendanz steht: es hat nichts vom humorlosen, verklemmt spießigen Kanzelprediger- und Oberlehrertheater, mit dem man sein Publikum zu belehren meint. Agnes ist vielmehr einfallsreich, phantasievoll und überraschend mit Sinn für Tempo und Zwischentöne. Es wundert nicht, daß man Regisseur Christian Papke in der Folge keine weiteren Aufgaben im Karlsruher Schauspiel anvertraute. 
Cornelia Gröschel war der Star dieser Produktion, sie machte Agnes zu ihrer Rolle,  André Wagner war hingegen der Held, der alle 175 Vorstellungen absolvierte. Bravooo! Beide spielten die gestrige Dernière und hatten spürbar noch mal Freude an der letzten Aufführung. Das Unmittelbare, die Spannung des Stücks wirkten auch zum Abschluß. Gröschel verabschiedete sich gestern vom Karlsruher Schauspiel. Sie hat inzwischen einige bemerkenswerte Fernsehauftritte gehabt, insbesondere in der großartigen ZDF-Serie Lerchenberg und im Dreiteiler Honigfrauen. Sie wird zukünftig als ARD-Kommissar im Ermittlerteam des Dresdner Tatort spielen.

Freitag, 2. Februar 2018

Vorschau: Händel Festspiele 2019

Bald beginnen endlich wieder die Händel Festspiele, die Planungen für das kommende Jahr sind nun auch bekannt: 2019 wird Händels Oper Serse zu hören sein, singen werden Franco Fagioli und Max E. Cencic, der auch die Regie führen wird (Dirigent: George Petrou, Ausstattung: Rifail Ajdarpasic). Weitere Sänger sind u.a. Lauren Snouffer, Katherine Manley, Pavel Kudinov. Premiere ist am 15.02.2019, weitere Termine am 17./22./24. und 26.02.2019
Alcina wird wie erwartet wieder aufgenommen, und zwar am 23./27.02.2019 sowie am 01.03.2019; Lauren Fagan singt dann die Titelrolle, David Hansen erneut den Ruggiero.
Für Konzerte hat man Vivica Genaux, Ann Hallenberg und Hervé Niquet engagiert.
Der offizielle Vorverkauf für das kommende Jahr startet am 16.02.2018.

Mittwoch, 31. Januar 2018

Klavierrezital Lucas Debargue, 31.01.2018

Inhalt ist Form
Nachdem Lucas Debargue im 4. Symphoniekonzert der Saison erneut einen großen Erfolg in Karlsruhe feierte, gab er zusätzlich einen Solo-Abend mit eher unbekannten bzw. selten gespielten Sonaten von Schubert und Szymanowski. Und was man bereits bei Saint-Saëns bemerken konnte, war auch hier hörbar: Debargue weiß, wie man eine stimmige Interpretation findet, er gibt den Tönen eine Bedeutung, sein Klavierspiel ist reif und beredt mit Gespür für Zusammenhang. Er transformiert Inhalt in lebendige Form.

Dienstag, 30. Januar 2018

4. Symphoniekonzert, 29.01.2018

Das 4. Symphoniekonzert der Saison war ein touristisch-pastorales Wohlfühlkonzert in herzlicher Stimmung.

Sonntag, 28. Januar 2018

Portrait von Barbara Dobrzanska auf SWR2

Am 27.Januar sendete SWR2 einen kleinen, aber informativen und sympathischen Beitrag des Journalisten Georg Waßmuth über Kammersängerin Barbara Dobrzanska unter dem Titel Primadonna und Publikumsliebling.
Der Beitrag ist aktuell hier zum Nachhören auf SWR2 oder -mit vielen weiteren interessanten Reportagen (hier)- auf der Seite von Herrn Waßmuth: https://soundcloud.com/geowas/die-sopranistin-barbara-dobrzanska-portrat-fur-swr2

PS: Vielen lieben Dank für die Hinweise und Links zu der Sendung!

Sonntag, 21. Januar 2018

Verdi - Simon Boccanegra, 20.01.2018

Simon Boccanegra scheint bei Regisseuren beliebter zu sein als beim Publikum. In Karlsruhe gehört diese Oper Verdis neben manchen von Wagner zu den Spitzenreitern der letzten Jahrzehnte. Nach 1986/87 (Regie: Giancarlo del Monaco), 2005/06 (Robert Tannenbaum) ist nun die dritte Inszenierung in knapp 30 Jahren zu sehen. Es gibt weit publikumswirksamere und mitreißendere Opern, Simon Boccanegra scheint hingegen praxistauglich, trotz verworrener Handlung um Intrigen, Macht und Ohnmacht ist sie machbar und dankbar in der Umsetzung; del Monaco schrieb damals, daß er diese Oper gerne jedes Jahr wieder neu inszenieren würde. Gestern gab es nun erneut (und schon wieder) Verdis 1857 erfolglose und dann 1880/81 umfänglich renovierte Oper über den ersten Dogen von Genua - und es war sängerisch und musikalisch eine großartige Aufführung. Als Zuschauer konnte man gestern nach der Premiere von Verdis Simon Boccanegra nicht anders, als Solisten, Chor und Orchester zuzujubeln, das zentrale Sängerquintett mit Bariton Seung-Gi Jung in der Titelrolle begeisterte. Die konventionelle Inszenierung stört nicht, sie konzentriert sich auf Arrangement und Bebilderung und in ihren besten Momenten verdichtet sie die Dramatik zu packenden Momenten.

Freitag, 19. Januar 2018

Mozarts Lucio Silla im TV

Am 08.07.2018 hat Mozarts Jugendoper Lucio Silla in der Inszenierung von Tobias Kratzer Premiere am Badischen Staatstheater. Es handelt sich um eine Koproduktion mit der Brüsseler Oper, an der die Aufführungen mit anderer Besetzung bereits erfolgt sind. Wer sich vorab ansehen will, was ab Juli in Karlsruhe gezeigt wird, kann das auf Arte, wo ein Mitschnitt von Lucio Silla aus Brüssel am Sonntag, 21.01.18 von 23:45 - 02:40 Uhr gezeigt wird. Außerdem steht die Oper in der Mediathek für eine geraume Zeit zur Verfügung: https://www.arte.tv/de/videos/075388-001-A/lucio-silla-im-theater-de-munt/

Sonntag, 14. Januar 2018

Hübner/Nemitz - Willkommen, 11./13.01.2018

Der Flüchtling als Eindringling
Willkommen scheinen Flüchtlinge schon lange nicht mehr zu sein, schon gar nicht in den meisten Ländern Europas und auch in der Bundesrepublik ist die Stimmung gekippt; zu viel Negatives ist passiert, die Konflikte und Probleme scheinen zu groß, die Ursachen sind vielfältig: ein Staatsversagen aus Hilflosigkeit und Überforderung, getriebene Politiker, die nicht zugeben konnten, daß sie sich verrannt haben, dazu ein erschreckendes Medienversagen durch Journalisten, die nicht mehr unabhängig und integer berichteten, sondern sich als Interessenvertretung erwiesen, vermeintliche Staatsräson verbreiteten, Tatbestände ignorierten und zu Herstellern von Fiktionen und Feindbildern wurden. Die unkontrollierte Aufnahme von überwiegend männlichen Flüchtlingen mit geringer Qualifikation anstelle der angekündigten Familien, Ärzte und Ingenieure hat einen Graben geschlagen und den gesellschaftlichen Frieden aufs Spiel gesetzt, die Parteienlandschaft verändert sowie unverhältnismäßig viele Ressourcen verbraucht. "Machen wir uns nichts vor, es geht um Völkerwanderung", sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, "Wenn wir nicht bald reagieren, wird es uns am Ende allen auf die Füße fallen, egal, welches Parteibuch wir haben", erkannte der Linken-Politiker. Laut ZDF im Dezember 2017 will eine absolute Mehrheit der Bürger eine Begrenzung der Aufnahme. So offenherzig die Hilfsbereitschaft des Staatsbürgers in der Flüchtlingskrise 2015 war, so desillusionierend und katastrophal waren die Folgen, die mit der Silvesternacht 2015/16 in Köln begannen und das friedliche Miteinander massiv beeinträchtigten. Die migrantische Gewaltkriminalität stieg auf nicht mehr akzeptable Weise, das Terrorjahr 2016 forderte mehr Tote und Verletzte als bspw. während den zwölf Jahren des NSU-Untergrundterrors.
Verheerend waren auch die Denunzierungen, die gegen legitime Kritiker und Skeptiker losgetreten wurden, und die Versuche, die Meinungsfreiheit zu beeinträchtigen und durch moderne Täuschungskünste Konformismus zu erzeugen oder zu erzwingen, die zu widerwärtigen Begleiterscheinungen und Hetze von beiden politischen Rändern und den Medien selber führten. Wenn man das Allgemeine richtig studieren will, braucht man sich nur nach einer wirklichen Ausnahme umzusehen, der Staatsrechtler Carl Schmitt formulierte: "Das Normale beweist nichts, die Ausnahme beweist alles; sie bestätigt nicht nur die Regel, die Regel lebt überhaupt nur von der Ausnahme. In der Ausnahme durchbricht die Kraft des wirklichen Lebens die Kruste einer in Wiederholung erstarrten Mechanik." Die Flüchtlingskrise der Jahre 2015/16 war diese Ausnahme, die vieles durchbrach und in Frage stellte, was bisher in der Bundesrepublik galt oder hingenommen wurde. Wer die Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas untersucht, sollte nicht die Symptome angreifen, sondern die Ursachen analysieren.

Auch in Willkommen, der Komödie des Autorenduos Lutz Hübner und Sarah Nemitz, scheitern fünf Flüchtlingsbefürworter am Praxistest der Gesinnung. Die von einer Wohngemeinschaft diskutierte Aufnahme von Flüchtlingen in die eigenen vier Wände findet am Ende nicht statt, der Flüchtling als abstraktes Wohltätigkeitsobjekt wird hier als konkrete Person zum Eindringling, der geduldet wird, solange er nur anderen zur Last fällt und man selber sein Leben unbehelligt fortführen kann. Willkommen ist gutes und kurzweiliges Boulevard-Theater, das mit überraschenden Entwicklungen und Wendungen und sehr guten Schauspielern überzeugt und bei dem Lachen nie zum Auslachen wird. Bei kritischeren Besuchern wird dennoch ein schales Gefühl bemerkbar sein, denn das Stück spielt Anfang 2016 und ist von der Zeit bereits überholt und läßt sich nicht auf Konflikte ein, es instrumentalisiert die Flüchtlingskrise als Folie für eine konventionell-kommerzielle Beziehungskomödie über Probleme in einer Wohngemeinschaft, die zwar auch locker Fehlentwicklungen und Streitthemen aufgreift, doch ansonsten unkritisch und unpolitisch ist und sich unbehelligt von den Zumutungen und Krisen der zukünftigen Realität zeigt. Wegsehen scheint aktuell leichter als Hinsehen.

Freitag, 29. Dezember 2017

Rokokotheater Schwetzingen: Porpora - Mitridate, 28.12.2017

Heribert Germeshausen wechselt im kommenden Sommer als Opernintendant von Heidelberg nach Dortmund. Seitdem er 2011 das Barockfestival Winter in Schwetzingen übernahm, gab es dort in sieben Jahren einen bemerkenswerten und spannenden historischen Opernquerschnitt von Komponisten der neapolitanischen Schule, einige davon als deutsche Erstaufführung: Marco Attilio Regolo von Alessandro Scarlatti, Polifemo von Antonio Porpora, Ifigenia in Tauride von Tommaso Traetta, Fetonte von Niccolo Jommelli, Didone abbandonata von Leonardo Vinci in einer Bearbeitung von Händel, Giulietta e Romeo von Niccolò Antonio Zingarelli und nun im siebten und letzten Jahr dieser Reihe erneut Nicola Antonio Porpora (1686–1768) anläßlich seines 250. Todesjahrs. Mitridate entpuppte sich als Oper mit Spektakelwert.

Sonntag, 17. Dezember 2017

Konzert des SWR Symphonieorchester, 16.12.2017

Auf die mäßig besuchte Operettenpremiere der Lustigen Nibelungen folgte gestern ein ausverkauftes Konzert, das dem Karlsruher Publikum mit Schlagzeuger Martin Grubinger einen prominenten Rückkehrer bescherte. Nach der protestreichen Zerschlagung des renommierten SWR Symphonieorchesters Baden-Baden und Freiburg und der staatlichen Zwangsfusion mit den Stuttgarter Kollegen, nennt sich das Neugebilde SWR Symphonieorchester und gab gestern sein erstes Konzert am Badischen Staatstheater. Das Programm war nicht nur auf dem Pappier publikumswirksam: es gab mal wieder ein nordisches Konzert mit finnisch-estnischer Musik.

Samstag, 16. Dezember 2017

Straus - Die lustigen Nibelungen, 15.12.2017

"Politische" Operette als moralinsaure Belehrung mit Holzhammerhumor
Die Karlsruher Neuinszenierung der Lustigen Nibelungen hat ein typisch deutsches Problem: Regisseur Johannes Pölzgutter hat es nicht so mit dem Humor. Die Musik ist zwar von eleganter Komik, das Libretto ist beim Lesen witzig, Musiker und Sänger sind hochmotiviert - der Neuproduktion fehlt es hingegen zu oft an Esprit und Leichtigkeit, sie kommt über tumbe Vordergrundklischees nicht hinaus. Nach einem langatmigen Beginn gibt es einen durchaus kurzweiligen und amüsanten ersten Akt, doch nach der Pause verödet und verdurstet die Operette, weil der Regisseur sich und seine Befindlichkeiten zu ernst nimmt und sich selber im Weg steht. Er versucht oberflächliche geschichtliche Parallelen zu konstruieren und künstliche aktuelle Zeitbezüge herzustellen und als Zuschauer stellt man sich die Frage, wieso man am Badischen Staatstheater dem Regisseur nicht beim Verständnis zeitgeschichtlicher Zusammenhänge geholfen hat, um die Produktion wieder ins Gleis zu bekommen. Schon im Vorfeld raunte es unzufrieden aus dem Umfeld des Theaters, daß die neue Operettenproduktion nicht zünden wird. Als hätte es sich schnell herumgesprochen, war die Premiere überraschend schlecht besucht und auch für die nächsten Vorstellungen sind viele Karten noch erhältlich. Das ist leider verdient und doch schade, musikalisch und sängerisch gibt es einige gute Momente, doch die platte Regie nimmt dem Werk die Leichtigkeit und Eleganz, die aus dem Orchestergraben ertönt.

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Oper Leipzig: Puccini - Madama Butterfly, 11.12.2017

Wie der Zufall so spielt; in Leipzig spielte man gestern Madama Butterfly, aber immerhin mit zwei bekannten Namen: es dirigierte Christoph Gedschold (die Premiere studierte Anthony Bramall ein), die Inszenierung stammt von Aron Stiehl.

Freitag, 8. Dezember 2017

Akhtar - Afzals Tochter, 07.12.2017

Weichgespült und schöngefärbt
Afzals Tochter
(Originaltitel: The Who & the What) des US-Amerikaners und Pulitzer-Preisträgers Ayad Akhtar (*1970) ist ein Stück über einen Vater, der für seine Tochter einen aus Sicht der Familienehre passenden Ehemann sucht. Ein altmodisch scheinender Konflikt, der durch die Ungleichzeitigkeit der Kulturen -oder konkret der Rückständigkeit des Islams- bedauerlicherweise wieder aktuell erzählbar geworden ist. Es geht um Familienhierarchie und religiösen Glauben - das ist alles andere als ein aktuelles bundesrepublikanisches Thema und in seiner Rückständigkeit so aus der Zeit gefallen, daß man sich teilweise im absurden Theater wähnt. Afzals Tochter beginnt als harmlose Boulevardkomödie, wird zum todernstem Drama (ein Aspekt, den die Inszenierung etwas unterschlägt) und wirkt in seiner Thematik grotesk. Das Lachen über diese anachronistische Parallelwelt sollte einem allerdings im Hals stecken bleiben. Hätte sich der Regisseur für schärfere Kontraste und härtere Konflikte entschieden, wäre die Inszenierung dichter geworden, nun erlebt man zu harmloses und scheintriftiges Geplänkel, das Ergebnis ist weichgespült und schöngefärbt und nur dank der Schauspieler erträglich.