Freitag, 20. April 2018

Die Opern-Saison 2018/19 am Rhein

Die Opéra du Rhin in Straßburg hat ihr Programm für die kommende Spielzeit ins Netz gestellt (und zwar hier). Es gibt amüsante zufällige Parallelen zwischen Karlsruhe und Straßburg in der kommenden Opernsaison 2018/19.

Mittwoch, 18. April 2018

Stuttgart bekommt einen neuen Intendanten

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, wußte schon Hermann Hesse. Am Badischen Staatstheater wird es Zeit für einen Neuanfang, in der kommenden Spielzeit wird es diesen Zauber für die Theater-Fans in Stuttgart bereits geben. Dort hat man einen Wechsel in der Führungsspitze, der kommende Intendant Viktor Schoner (*1974) sagte in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeine einen Satz, dem einige auch in Karlsruhe Beachtung schenken werden: „Das Handwerk ist unglaublich wichtig. Sonst scheiterst du. Es reicht zwar nicht, als die Hofnarren, die wir sind, professionell zu sein, aber Dilettantismus ist keine Antwort.“
Der ganze Bericht findet sich hier: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/neuer-intendant-der-staatsoper-stuttgart-stellt-seine-plaene-vor-15546742.html

Bericht über Bridget Breiner

Die Stuttgarter Zeitung bringt anläßlich eines Gastspiels von Bridget Breiners Choreographie zu Romeo und Julia mit ihrer aktuellen Kompagnie des Musiktheaters im Revier am 21. und 22. April im Ludwigsburger Forum einen informativen Bericht über die zukünftige Karlsruher Ballettdirektorin. Der Artikel findet sich hier:
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bridget-breiner-kehrt-als-ballettdirektorin-zurueck-gastspiel-mit-romeo-und-julia-in-ludwigsburg.f96fbe44-38de-44a8-b72b-0f79edf45cd2.html

Dienstag, 17. April 2018

6. Symphoniekonzert / Carmina Burana (Ballett), 16.04.2018

Ein Symphoniekonzert mit spirituellen und weltlichen Gesängen auf Basis mittelalterlicher, meist lateinischer Gesangstexte und universalem Anspruch: Star Child -George Crumbs Hymne an das göttliche Licht und die Gnade- und Carl Orffs Carmina Burana -die Hymne an das Schicksal und die Ungleichheit in einer Ballettversion von Germinal Casado- ergaben kombiniert ein spektakuläres Konzert mit unerwarteten Schwächen.

Sonntag, 8. April 2018

Oper München: Cavalli - La Calisto, 06.04.2018

Karina Gauvin, Anna Bonitatibus, Christiane Karg u.v.a.m.- die Münchener Besetzung von Cavallis expressiver Erotikoper La Calisto hielt, was sie versprach.

Samstag, 7. April 2018

Residenztheater München: Kehlmann - Heilig Abend, 04.04.2018

Daniel  Kehlmann ist vorrangig bekannt als maßgeblicher Romanautor, „Die Vermessung der Welt“, „Ich und Kaminski“ oder aktuell der Eulenspiegel-Roman „Tyll“ haben großen Erfolg. Als Autor von Theaterstücken ist er nicht unmittelbar präsent, obwohl er beste Voraussetzungen mitbringt: seine Mutter ist Schauspielerin, sein Vater Regisseur. Heilig Abend ist Kehlmanns drittes Bühnenwerk (UA 2017) und ein Stück in Echtzeit, eine Idee, die inspiriert zu sein scheint vom Hollywood-Klassiker High Noon und der TV-Serie 24. Ein Polizist verhört unter Zeitdruck eine Verdächtige, in 90 Minuten könnte ein linksextremistischer Terroranschlag geschehen, eine Uhr zeigt dem Publikum die genaue Zeit an.

Sonntag, 25. März 2018

Karlsruhe als Endstation?

Gnadenbrot für Intendant Spuhler?
Das Badische Staatstheater hat seit der Amtsübernahme durch Intendant Peter Spuhler an Attraktivität verloren, man hat Unruhe im Haus, einiges klemmt und hakt, reibungslos ist anders, Kapriolen, Qualitätsprobleme, mangelnde Offenheit und Transparenz sowie eine selbstverliebte Beweihräucherung einer Intendanz, die doch vor allem defizitär war: es mangelte ihr an liebevoller Begeisterung, an Sinn für Ästhetik, Humor und Freude. Stattdessen gefiel man sich in der heuchlerischen Pose des Oberlehrers, der mit erhobenem Zeigefinger Antworten diktiert. Stammzuschauer verloren die emotionale Bindung an ihr Haus, ein Dahinsiechen der Karlsruher Oper angesichts liebloser Planungen und verringerter Vielfalt. Kaum je zuvor dürfte man in so kurzer Zeit so viele Personalwechsel an entscheidenden Stellen des Badischen Staatstheater erlebt haben. "Karlsruhe ist keine Endstation", "Von Karlsruhe aus macht man Karrierre", so verlautbarte es erklärend aus dem Staatstheater und scheint damit u.a. Mannheim zu meinen, das sich als attraktivere Alternative gerne in Karlsruhe bedient und zwei Spartenleiter abgeworben hat. Nur für einen droht Karlsruhe Endstation zu werden: Intendant Spuhler, der das Theater als Sprungbrett nutzen und schon längst wieder weg sein wollte, wurde bisher wohl für zu leicht befunden. Er findet allem Anschein nach keine neue Anstellung.

Dienstag, 20. März 2018

Generalintendant Spuhler hat zukünftig vier neue Frauen unter seiner Führung

Das Badische Staatstheater hat zu viele weibliche Zuschauer, laut der Zuschauerumfrage (mehr hier) sind über 60% Frauen, weniger als 40% Männer. Für Intendant Spuhler scheint es eine drängende Frage, was man gegen ein diskriminierendes Programm machen kann. Seine Antwort für mehr Geschlechtergerechtigkeit scheint zu lauten: Theater muß für Männer wieder sexy, attraktiv und prickelnd werden. Mehr junge Frauen in Führungspositionen könnten wirken. Da der Intendant trotz vieler Probleme nicht frühzeitig gehen will, um dem ersten weiblichen Generalintendanten Platz zu machen (schade, es wäre höchste Zeit!), werden nun vorerst alle Direktorenposten entsprechend neu besetzt. Anna Bergmann wird bekanntermaßen neuer Schauspieldirektor. Neuer Casting-Direktor der Oper wird Nicole Braunger. Birgit Keil zieht sich 2019 von ihrem Posten zurück, ihre Nachfolge wird ab der Spielzeit 2019/20 die renommierte Bridget Breiner antreten. Was weiß man über die neuen Namen?

Sonntag, 18. März 2018

Hair (Musical), 17.03.2018

Der Siegeszug des westlichen Lebensstils
Die 1968er suchten einen Ausweg auf ihrer Sinn- und Lebenskrise und entdeckten ihn u.a. in einer neuen avantgardistischen, aber kurzlebigen Lebensform (den Hippies), die langfristige Folgen in verschiedensten Lebensbereichen zeigte. Rückblickend ist die Ironie unübersehbar: die Hippies kamen an, aber nicht dort, wohin sie wollten. Anspruch und Realität sind wenig kongruent. Das Musical Hair steht am Beginn sowohl des Siegeszugs des westlichen, libertären Lebensstils als auch liberaler Wirtschaftsformen. Die Abnabelung von fremden Erwartungshaltungen und Moralvorstellungen, die Befreiung vom Militärdienst und die alleinige Verantwortung für sich selbst, prägten damals das sich selbst in den Mittelpunkt stellende westliche Individuum, das nicht Untertan eines politischen Staatswohls sein wollte. Seine eigene Individualität auszuleben und gesellschaftlichen Zwängen gegenüber ablehnend zu sein, war der Schlüssel zu neuen kommerziellem Möglichkeiten. Der Erfolg des Protests war dort anhaltend, wo das Politische mit dem Hedonistischen verknüpft war, das Hedonistische siegte durch den Kommerz. Die Bedeutung der Hippies erkannten die marktwirtschaftlichen westlichen Demokratien, nicht die östlichen sozialistischen Diktaturen.
50 Jahre 1968 - das Badische Staatstheater feiert nun mit, doch ohne realistischen, kritischen oder sogar politisch hinterfragenden Rückblick auf das, was 1968 war, sondern in Form einer unterhaltsamen Nostalgie, bei der das zugrundeliegende Drama entschärft und die Albernheit der Hippies betont wird und man sie als quasi Außerirdische aus einem schrägen Universum in einem UFO auf der Bühne landen läßt. Daß das Publikum begeistert war, hatte einen einfachen Grund: musikalisch war die Premiere mitreißend, die Spielfreude aller Beteiligten ansteckend.

Samstag, 17. März 2018

Oper Frankfurt: Meyerbeer - L'Africaine (Vasco da Gama), 16.03.2018

Grand opéra - wortwörtlich
Fast fünf Stunden Aufführungsdauer (inkl. zweier Pausen) - eine geglückte Grand Opéra in fünf Akten ist immer auch Überwältigung durch schiere Masse und effektgeladene Theatralik: Epische Längen und dramatische Zuspitzungen, Spektakuläres neben Intimen, große Tableaus neben Seelenbildern. Meyerbeers Musik galt einst bei seinen Gegnern als "Schaubudenlärm", seine Opern als "Jahrmarktsfarce", "wie ein Varietéprogramm zusammengesetzt aus Effekt auf Effekt" und "lüstern nach Sensation". Diesen "modernen Gerippe" warf man einst vor, daß es ihnen an Substanz und Innenleben fehlen würde. Regisseur Tobias Kratzer und Kostüm- und Bühnenbildner Rainer Sellmaier bringen nach Les Huguenots in Nürnberg und Le Prophète in Karlsruhe ihre dritte Meyerbeer-Oper auf die Bühne. Sie greifen in Frankfurt die Thesen zu Meyerbeers Opern auf und führen sie einer neuen Synthese zu. Kann das, was man einst den Opern von Meyerbeer vorwarf, heute ein Grund für ihren erneuten Erfolg sein? Ist das, was einst den Erfolg Meyerbeers beim Publikum ausmachte, für heutige Opernbesucher wiederbelebbar? Damals wünschte sich das Publikum offensichtlich historische Ereignisse und große Schicksale, aufwändig ausgestattet mit reicher Dekoration; heutzutage sind alternative Welten in Mode, ob nun in archaisierender Epoche (wie in "Game of Thrones"), dem Superhelden-Kosmos oder -wie in diesem Fall- als Science Fiction. Kratzer wollte die Oper als "intelligenten Blockbuster". In Frankfurt spielt Vasco da Gama im Weltraum, unendliche Weiten. Der Abenteurer und Entdecker Vasco da Gama ist unterwegs, um fremde Sonnensysteme zu erobern. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt er in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Die Afrikanerin, die tatsächlich eine Inderin ist, ist eine Außerirdische, in diesem Fall blaugefärbt wie eine Figur aus James Cameron's Hollywoodfilm "Avatar - Aufbruch nach Pandora".

Sonntag, 11. März 2018

Verdi - Simon Boccanegra, 10.03.2018

Mit Simon Boccanegra (mehr hier zur Premiere) hat man am Badischen Staatstheater eine schöne Produktion vorzuweisen, die auch gestern grandios gesungen und hingebungsvoll musiziert das Publikum beglückte.

Freitag, 9. März 2018

Das Badische Staatstheater verliert Stammbesucher

Die ernüchternden Ergebnisse der Besucherumfrage liegen vor
Die Intendanz von Peter Spuhler neigt sich dem Ende zu. Länger als 10 Jahre sollte kein Intendant im Amt bleiben, dann (also ab 2021) ist wieder frischer Wind erforderlich, allem Anfang liegt ein Zauber inne, neue Impulse machen Theater spannend, alles andere ist Stagnation und Gnadenbrot. Auch die Unzufriedenheit innerhalb des Badischen Staatstheater mit dem Intendanten scheint weiterhin hoch, man hört von einem Führungsstil von oben herab und intransparenten Entscheidungsfindungen. Der Bericht zur Mediation, die nach der Krise zwischen Intendant und dem protestierenden Personal eingeleitet wurde, soll weiterhin unter Verschluß sein. Die Intendanz von Peter Spuhler scheint nach dessen Abgang in verschiedener Hinsicht dringend eine Aufarbeitung zu benötigen.
Zeit für eine weitere Bilanz. Das Badische Staatstheater hat über fünf Jahre (2011, 2012, 2014 und 2016, jeweils im Juni/Juli und 2011 auch im Herbst) die Entwicklung seines Publikums untersucht. In den fünf Erhebungen haben ca. 5.400 Besucher Fragebögen ausgefüllt zurückgegeben (2011/12 hat man ca. 2500 Besucher befragt, 2014 und 2015 je ca. 1.450). Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kultur- und Medienmanagement der FU Berlin hat versucht, das Ergebnis zu interpretieren. Die Studie wertet allerdings lediglich die Umfragebögen aus, ein Abgleich mit den Erkenntnissen aus dem tatsächlichen Kartenverkauf findet nicht statt. Die gezogenen Schlußfolgerungen scheinen nicht durchgängig valide und die Interpretation nur mit großer Vorsicht zu genießen. Die vorgestellte Studie ist ernüchternd für den Intendanten, als Handlungsbedarf kann man die Forderung eines Richtungswechsels erkennen. Ein Blick auf die Ergebnisse und ihre Aussagekraft:

Dienstag, 6. März 2018

5. Symphoniekonzert, 05.03.2018

Walton, Britten und Elgar - ein englisches Konzert und hörbar eine Herzensangelegenheit für GMD Justin Brown.

Samstag, 3. März 2018

Konzert mit Franco Fagioli, 02.03.2018

Virtuose Sternstunde
Das Schöne an barocken Opernarien ist u.a., daß bei ihnen die Zeit still steht; die Handlung, die passiert davor und danach in den Rezitativen, doch in den Arien spricht das Herz. Wie das klingt und wie das gelingt, das demonstrierte gestern Franco Fagioli in einem zum Niederknien schönen Konzert, bei dem man nur erhoben applaudieren konnte und so gab es wiederholt stehende Ovationen für den Argentinier. Seit 2006 (als Idelberto in Lotario) ist Franco Fagioli den Karlsruher Händel-Festspielen verbunden, er sang am Badischen Staatstheater neben diversen Konzerten die Titelpartien in Julius Cäsar (2008), Ariodante (2010 und 2011) und Riccardo Primo (2014 und 2015), 2019 wird Serse folgen, Max E. Cencic führt dann Regie und singt ebenfalls. Desweiteren wird Fagioli im Juli 2018 als Cecilio in Mozarts Lucio Silla in der Badischen Residenzstadt auftreten (eine Übernahme einer Koproduktion aus dem Brüsseler Théâtre Royal de la Monnaie, bei der Tobias Kratzer Regie führte). Publikum und Countertenor kennen sich - und das war auch gestern zu spüren. Eine herzlich-begeisterte Stimmung herrschte vor, eine greif- und hörbare Freude im vollen Opernhaus und ein typisches Fagioli-Konzert, das meisterhaft Stimmartistik und Ausdruck, Spektakel und Hingabe verband.

Donnerstag, 1. März 2018

Sonntag, 25. Februar 2018

Händel - Alcina, 24.02.2018

Acht Tage nach der Premiere (mehr hier) hat sich Alcina deutlich gesteigert. Und das lag primär am Dirigenten Andreas Spering, der -wie ein Blick auf die Uhr nahe legte- den ersten und zweiten Akt schneller anging, flexibler und federnder spielen ließ und zu alter Stärke zurückfand - Resultat war ein wunderbar differenzierter Klang. (War das zuvor Probenrückstand und/oder Rücksichtnahme auf die Sänger?)
Schwachpunkt bleibt die Personenregie, die nur denen zusagt, die gerne schwach gebrühten, koffeinfreien Instantkaffee aus ausgesucht schönen Tassen lauwarm trinken. Wer hingegen glaubt, daß Eifersucht die Leidenschaft ist, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft, der wird sich mit der statischen, güldenen Schwermut der Inszenierung kaum abfinden. Gerade Alcina ist eine der Händel-Opern, die keine abstrusen Intrigen oder krude Dramaturgie aufweisen, sondern ein nachvollziehbares menschliches Drama, dessen Rezept eher eine starke, rot-heiße Fallhöhe zu fordern scheint. Und überhaupt und bei aller Liebe zu Händels Opern und den Karlsruher Händel Festspielen, muß hier noch mal Deutliches geschrieben werden. Kann man das, was Regisseur James Darrah hier dem Publikum zeigt, überhaupt als Regie bezeichnen? Ist es nicht vielmehr ein Alibi-Arrangement eines szenischen Nichts?

Freitag, 23. Februar 2018

Festkonzert der Deutschen Händel-Solisten, 22.02.2018

Raritäten und eine Mini-Oper in Form einer Kantate standen im Mittelpunkt des Festkonzerts anläßlich der Händel Festspiele.

Sonntag, 18. Februar 2018

Konzert mit Valer Sabadus, 17.02.2018

Schwerelos entrückt
Nachdem sich Alcina am Vorabend über 240 Minuten als szenisch ungewöhnlich zähfließend erwiesen hatte, verflogen die 150 Minuten des Konzerts mit Countertenor Valer Sabadus wie im Flug. Bei Alcina ging es bereits um die Liebe in ihren vielfältigen Schattierungen und auch Sabadus widmete sich gestern in seinem Konzert Tiranno amor dem beliebten Tyrannen in einem beglückend schönen Konzert.

Samstag, 17. Februar 2018

Händel - Alcina, 16.02.2018

Gepflegte Langeweile
Händels Alcina ist vieles: eine Oper über Liebe und Begehren, eine Zauberoper, eine Ausstattungsoper, eine Exotikoper sowie eine Ballett- und Choroper (eine der wenigen  Opern Händels, in den ein zusätzlicher Chor und Tänzer zum Einsatz kamen) - Leidenschaften, Phantasie, Spektakel und eine der beliebtesten Opern der Barockepoche. In Karlsruhe schafft man das enttäuschende Kunststück, diese schöne Oper ideen- und handlunglos wie zähen Kaugummi auf die Bühne zu stellen - eine Alcina sowohl ohne Magie, ohne Spektakel und ohne Faszination als auch ohne psychologische Erzählung oder symbolische Deutung oder Vertiefung. Zumindest die Sänger retten, was zu retten ist an diesem szenischen Langeweiler, der alles im Ungefähren verortet und nichts auf den Punkt bringt.

Montag, 12. Februar 2018

Gounod - Roméo et Juliette, 11.02.2018

Gounods Oper konzertant ohne Bühne und Regie
Viele blieben der gestrigen Aufführung fern, circa die Hälfte der Sitze blieb bei der Premiere gähnend leer. Dafür gibt es gute Gründe. Nichts spricht gegen konzertante Opernaufführungen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Nach der gestrigen konzertanten Aufführung von Gounods Roméo et Juliette sollte man sich aber nicht billig von der Intendanz des  Badischen Staatstheaters abspeisen lassen. Um Opern auf die Bühne bringen zu können, ist ein immenser Aufwand von Nöten: man braucht Sänger als Solisten, man braucht einen Chor und ein Orchester. Da kommt einiges zusammen, gestern z.B. waren ca. 120 Künstler auf der Bühne. Aber dem nicht genug, das Badische Staatstheater hat für das Große Haus ca. 50 Bühnenhandwerker, 10 Mitarbeiter in der Requisitenabteilung, die Kostümabteilung umfaßt Schneider, Schuhmacher, Hutmacher, Waffenmeister, man hat Maskenbildner, eine Transportabteilung, Bühnen-, Licht- & Tontechniker - es ist alles vorhanden und wird bezahlt, seit Jahrzehnten hat man ein hohes Leistungsvermögen und stemmt problemlos szenische Neuproduktionen. Wieso wird nun auf einmal eine Neuproduktion konzertant aufgeführt? Wieso kann das Badische Staatstheater seine Mitarbeiter hinter der Bühne nicht mehr beschäftigen? Was ist schief gelaufen bei Intendant Spuhler? Und wieso werden denn die Eintrittspreise nicht gesenkt, wenn man dem Publikum weniger bietet? Als Zuschauer darf man sich auf den Arm genommen fühlen.
Wieso gibt es keine Transparenz? Wer nach einer Entschuldigung oder Rechtfertigung des Intendanten für die konzertante Oper sucht, wird nicht fündig, eine schlüssige Erklärung steht aus. Die Stadt Karlsruhe will sparen und hat das Budget des Staatstheaters minimal gekürzt. Ca. 80% der Betriebskosten eines Theaters sind Personalkosten, die Produktionen verschlingen nicht so viel Geld. Doch selbst wenn manche meinen, daß aufgrund der Einsparungen das Geld für etwas Material, eine Idee und einen Regisseur fehlt - vor der Intendanz von Peter Spuhler wäre das eine Herausforderung gewesen, der sich jemand aus dem Haus gerne gestellt hätte. Man hatte früher Mitarbeiter, die die Chance genutzt hätten, um sich als Regisseur zu profilieren. Die Geschichte von Romeo und Julia stellt inszenatorisch keine unüberwindbare Hürde dar, an die sich nur wenige trauen. Nun hat man eine eunuchisch wirkende Theaterleitung, die zwar vielleicht weiß, wie es geht, sie können es aber nicht selber.
Knappes Geld kann tatsächlich nicht der Grund sein, denn man leistet sich genug am Badischen Staatstheater. Man gönnt sich bspw. ein Volkstheater als Sparte mit verschwindend geringen Zuschauerzahlen und man hat seit eineinhalb Spielzeiten einen "Chefdramaturgen" der meines Wissens bisher für keine einzige Abo-Produktion in Erscheinung getreten ist und gerade in Zeiten knappen Geldes sollte halt auch ein "Chef" Leistungen (und vorbildhafterweise mehr nachweisliche Leistungen als seine Angestellten) für das Publikum vorweisen. Geld ist also vorhanden, Not herrscht offensichtlich keine.
Wieso bringt man also in Karlsruhe eine konzertante Oper? Was steckt dahinter? Mißwirtschaft, Fehlplanungen oder das Desinteresse am Opernbetrieb? Die Vielfalt des Opernangebots wurde in den vergangenen Jahren durch Intendant Spuhler stark verringert, ohne Angebot gibt es keine Nachfrage - einige Opernbesucher schauen sich in den letzten Jahren nach Alternativen in der Region um, die Karlsruher Oper hat an Attraktivität verloren. Und man kann sich die Frage stellen, ob man -gerade in Zeiten knapperen Geldes- mit einer konzertanten Oper nicht viel mehr gut zahlendes Publikum und Umsatz verliert, als man während einer ganzen Spielzeit bspw. mit dem Volkstheater verdient.
Konzertante Oper? In diesem Fall eine weitere krasse Fehlentscheidung des Intendanten. Manche mögen meinen, die Ursache ist psychologisch, eine beleidigte Leberwurstintendanz quengelt und ist trotzig, weil die Stadt ihr etwas Budget weggenommen hat. Die Folgen sollen die Zuschauer zu spüren bekommen. Wenn der Intendant gewollt hätte, würde der Opernbetrieb normal weiterlaufen. Und ist nicht genau das die Essenz der unzureichenden Intendanz von Peter Spuhler? Die Inszenierung des Ego, die Instrumentalisierung des Theaters zum Zweck der Selbstdarstellung. Es geht nicht um das Wesentliche (Qualität, Künstler, Zuschauer), sondern um das Opportune des eigenen Vorteils (Karriere, Aufmerksamkeit, ideologische Belehrung). Gestern entschied sich der Intendant erneut gegen die Oper. Das fernbleibende Publikum hat die Botschaft verstanden.