Von Zierfischchen und Alphatierchen
Uiuiuiuiuiuiui! Das Personalkarussell am Badischen Staatstheater dreht sich wieder, Verschleiß fordert Tribut und aufmerksame Beobachter wissen kaum, worüber sie als erstes lachen sollen. Kann man diese wiederkehrenden Beschwerden als akute Spuhleritis bezeichnen?
Seit 1988 bin ich steter Besucher des Badischen Staatstheaters. Bei vielen Opern-, Theater-, Konzert- und Ballettvorstellungen im Jahr und Besuchen in anderen Städten verliert man schon mal den Überblick. Dieser Tagebuch-Blog dient mir seit der Spielzeit 2011/12 als elektronische Erinnerung. Bitte beachten Sie meine Intention: ich bin kein Journalist oder Kritiker, sondern schreibe hier lediglich persönliche Eindrücke, private Ansichten und Vermutungen für mich und Angehörige nieder.
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Mittwoch, 29. Mai 2019
Donnerstag, 22. Juni 2017
Rückblick (1): Das Karlsruher Schauspiel in der Spielzeit 2016/2017
Prickelnd ist anders
Die Schauspielsaison ist vorüber, ist etwas Bemerkenswertes passiert? Der neue Schauspielchef Axel Preuß übernahm die Trümmer seines Vorgängers (mehr dazu hier) und hat zumindest darin Punkte gesammelt, daß man nach dem ersten Jahr über seine Person nur Gutes hört. Seine erste Saison war dennoch nur durchschnittlich, prickelnd ist definitiv anders, das erste Jahr war kein Plädoyer für ihn, allerdings auch keines gegen ihn. Sein zweites Jahr könnte die Trendwende in der Spätphase der Intendanz hin zu mehr Qualität sein. Und man kann optimistisch voraus blicken, denn man hat noch mehr interessante Schauspieler in der kommenden Saison zu bieten, jetzt muß der Schauspieldirektor nur noch die Rahmenbedingungen bereitstellen, damit die Bühnendarsteller wieder im Mittelpunkt sind und Inszenierungen nicht vorrangig der Selbstvermarktung und Karriereförderung des Intendanzteams dienen.
Die Schauspielsaison ist vorüber, ist etwas Bemerkenswertes passiert? Der neue Schauspielchef Axel Preuß übernahm die Trümmer seines Vorgängers (mehr dazu hier) und hat zumindest darin Punkte gesammelt, daß man nach dem ersten Jahr über seine Person nur Gutes hört. Seine erste Saison war dennoch nur durchschnittlich, prickelnd ist definitiv anders, das erste Jahr war kein Plädoyer für ihn, allerdings auch keines gegen ihn. Sein zweites Jahr könnte die Trendwende in der Spätphase der Intendanz hin zu mehr Qualität sein. Und man kann optimistisch voraus blicken, denn man hat noch mehr interessante Schauspieler in der kommenden Saison zu bieten, jetzt muß der Schauspieldirektor nur noch die Rahmenbedingungen bereitstellen, damit die Bühnendarsteller wieder im Mittelpunkt sind und Inszenierungen nicht vorrangig der Selbstvermarktung und Karriereförderung des Intendanzteams dienen.
Donnerstag, 4. Mai 2017
Vorschau (1) auf die Spielzeit 2017/2018 des Badischen Staatstheater
Schlimmer geht's immer
Wie weit will die defizitäre Intendanz von Peter Spuhler das Programm des Badischen Staatstheater noch herabwirtschaften? Heute ist die Premierenvorschau für die kommende Saison bekannt gegeben worden. Die Programmvielfalt der Oper wird weiter geschwächt, doch Geld scheint noch genug vorhanden zu sein - man leistet sich Überflüssiges auf Kosten der Substanz und des Publikums. Die Oper muß büßen, um das "Volkstheater" (oder wie ein Theaterkritiker es nannte: "eine zeitgenössische Selbstdarstellungsform des Schwätzertums") zu finanzieren.
Wie weit will die defizitäre Intendanz von Peter Spuhler das Programm des Badischen Staatstheater noch herabwirtschaften? Heute ist die Premierenvorschau für die kommende Saison bekannt gegeben worden. Die Programmvielfalt der Oper wird weiter geschwächt, doch Geld scheint noch genug vorhanden zu sein - man leistet sich Überflüssiges auf Kosten der Substanz und des Publikums. Die Oper muß büßen, um das "Volkstheater" (oder wie ein Theaterkritiker es nannte: "eine zeitgenössische Selbstdarstellungsform des Schwätzertums") zu finanzieren.
Freitag, 18. November 2016
Eine Ohrfeige für die Intendanz
Das Badische Staatstheater hat einen ausgezeichneten Personalrat!
Es ist eine Ohrfeige, die die Intendanz des Badischen Staatstheaters in dieser Woche aus Berlin bekommen hat. Unter Peter Spuhler und Jan Linders wurden die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten ad absurdum geführt, wie man aus gut informierten Kreisen, von Angehörigen und Theater-Fans hörte, wurden Mitarbeiter unter Druck gesetzt, freie Tage nicht wie vorgeschrieben gewährt, Stundenlimits mißachtet, es mußten massiv Überstunden geleistet werden und die Stimmung am Badischen Staatstheater (vor allem im Schauspiel) erreichte einen Tiefpunkt.
Es ist den unermüdlichen Bemühungen des Personalrats zu verdanken, dem es durch viele Gespräche und wie man hört mit Hilfe eines Rechtsbeistands gelang, die Arbeitszeiten wieder auf gesetzeskonformes Maß zu drücken und schriftliche Arbeitszeitnachweise zu etablieren, um die schlimmsten Auswüchse des Spuhlerschen Regimes auf ein erträgliches Maß zu drücken.
Das wurde nun honoriert und ausgezeichnet beim Deutsche Personalräte-Preis 2016 (einem Preis, der eine Initiative der Fachzeitschrift "Der Personalrat" ist):
Wenn man die Ursachen der Konfrontation zwischen dem Badischen Staatstheater und der Intendanz analysieren will, muß man meines Erachtens die Hintergründe berücksichtigen:
Es ist eine Ohrfeige, die die Intendanz des Badischen Staatstheaters in dieser Woche aus Berlin bekommen hat. Unter Peter Spuhler und Jan Linders wurden die gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitszeiten ad absurdum geführt, wie man aus gut informierten Kreisen, von Angehörigen und Theater-Fans hörte, wurden Mitarbeiter unter Druck gesetzt, freie Tage nicht wie vorgeschrieben gewährt, Stundenlimits mißachtet, es mußten massiv Überstunden geleistet werden und die Stimmung am Badischen Staatstheater (vor allem im Schauspiel) erreichte einen Tiefpunkt.
Es ist den unermüdlichen Bemühungen des Personalrats zu verdanken, dem es durch viele Gespräche und wie man hört mit Hilfe eines Rechtsbeistands gelang, die Arbeitszeiten wieder auf gesetzeskonformes Maß zu drücken und schriftliche Arbeitszeitnachweise zu etablieren, um die schlimmsten Auswüchse des Spuhlerschen Regimes auf ein erträgliches Maß zu drücken.
Das wurde nun honoriert und ausgezeichnet beim Deutsche Personalräte-Preis 2016 (einem Preis, der eine Initiative der Fachzeitschrift "Der Personalrat" ist):
- "Mit Bronze zeichnete die Jury den Personalrat des Badischen Staatstheaters Karlsruhe aus. Durch seine Initiative wird seit Ende 2014 erstmals die tatsächliche Arbeitszeit auch für künstlerische Mitarbeiter erfaßt und so die Einhaltung gesetzlicher Regelungen verbessert."
Wenn man die Ursachen der Konfrontation zwischen dem Badischen Staatstheater und der Intendanz analysieren will, muß man meines Erachtens die Hintergründe berücksichtigen:
Montag, 6. Juni 2016
Zur Aufgabe von Jan Linders als Schauspieldirektor
Schauspieldirektor Jan Linders abgesagte letzte Premiere
Die letzte Premiere ist vorbei, besser gesagt, sie findet gar nicht statt: Wilhelm Tell wurde abgesagt. Man hatte wahrscheinlich keine adäquate Idee, erneut scheint es ein Kreativitätsdefizit, ausgelöst durch die Enge des weltanschaulich verklemmten Theaters. Dennoch muß man Linders danken: in den letzten Jahren kam zu viel Unausgegorenes und Oberflächliches auf die Karlsruher Bühne und daß man nun den Mut zeigt, etwas lieber nicht zu präsentieren, anstatt dem Publikum zum Abschluß eine Pleite mit Ansage vorzuführen, war eine gute Entscheidung. Die verpatzte Dernière ist dennoch typisch für die letzten fünf Jahre. Immerhin hatte man seit der Veröffentlichung des Spielplans 2015/2016 im Frühjahr 2015 mindestens 14 Monate Zeit, um Schillers Stück zu realisieren, in gewissem Sinn hatte man eine maximale Vorbereitungsphase bis zur letzten Premiere der Saison - und doch konnte man sie nicht auf die Bühne bringen. Die versemmelte und abgesagte Dernière steht repräsentativ für die qualitativen Probleme, mit denen man am Karlsruher Schauspiel in den letzten fünf Jahren zu kämpfen hatte und die die Postenaufgabe Linders ins richtige Licht rückt.
Jan Linders fällt dennoch weich, Intendant Spuhler hat für ihn einen Posten geschaffen, den es zuletzt gar nicht und in den letzten Jahrzehnten kaum gab und der auch nicht erforderlich erscheint: Linders wird vom Schauspieldirektor zum "Chefdramaturg". Diese Postenbeschaffungsmaßnahme in Zeiten von Sparzwängen wird manchen Zuschauer an ein Zuschustern von Posten in politischen Seilschaften erinnern - ein Beigeschmack, den diese Entscheidung zukünftig kaum verlieren dürfte.
Die letzte Premiere ist vorbei, besser gesagt, sie findet gar nicht statt: Wilhelm Tell wurde abgesagt. Man hatte wahrscheinlich keine adäquate Idee, erneut scheint es ein Kreativitätsdefizit, ausgelöst durch die Enge des weltanschaulich verklemmten Theaters. Dennoch muß man Linders danken: in den letzten Jahren kam zu viel Unausgegorenes und Oberflächliches auf die Karlsruher Bühne und daß man nun den Mut zeigt, etwas lieber nicht zu präsentieren, anstatt dem Publikum zum Abschluß eine Pleite mit Ansage vorzuführen, war eine gute Entscheidung. Die verpatzte Dernière ist dennoch typisch für die letzten fünf Jahre. Immerhin hatte man seit der Veröffentlichung des Spielplans 2015/2016 im Frühjahr 2015 mindestens 14 Monate Zeit, um Schillers Stück zu realisieren, in gewissem Sinn hatte man eine maximale Vorbereitungsphase bis zur letzten Premiere der Saison - und doch konnte man sie nicht auf die Bühne bringen. Die versemmelte und abgesagte Dernière steht repräsentativ für die qualitativen Probleme, mit denen man am Karlsruher Schauspiel in den letzten fünf Jahren zu kämpfen hatte und die die Postenaufgabe Linders ins richtige Licht rückt.
Jan Linders fällt dennoch weich, Intendant Spuhler hat für ihn einen Posten geschaffen, den es zuletzt gar nicht und in den letzten Jahrzehnten kaum gab und der auch nicht erforderlich erscheint: Linders wird vom Schauspieldirektor zum "Chefdramaturg". Diese Postenbeschaffungsmaßnahme in Zeiten von Sparzwängen wird manchen Zuschauer an ein Zuschustern von Posten in politischen Seilschaften erinnern - ein Beigeschmack, den diese Entscheidung zukünftig kaum verlieren dürfte.
Mittwoch, 3. Februar 2016
Das Karlsruher Schauspiel beim Berliner Theatertreffen 2016
Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn
Was ist denn da schief gelaufen? Eine Produktion des Karlsruher Schauspiels ist nach Berlin zum Theatertreffen 2016 eingeladen worden, dem Treffen, das für sich bisher in Anspruch nahm, die zehn bemerkenswertesten Theaterinszenierungen im deutschsprachigen Raum einer Saison zeigen zu wollen? Das klingt erst mal wie eine Farce und kaum gerechtfertigt. Die Überraschung beim scheidenden Schauspieldirektor Jan Linders ist folglich groß, sein offizieller Kommentar: „Wahnsinn!“ ist zutreffend, denn Sinn ergab in den letzten Jahren wenig im Karlsruher Schauspiel, Wahn gab es hingegen viel.
Was ist denn da schief gelaufen? Eine Produktion des Karlsruher Schauspiels ist nach Berlin zum Theatertreffen 2016 eingeladen worden, dem Treffen, das für sich bisher in Anspruch nahm, die zehn bemerkenswertesten Theaterinszenierungen im deutschsprachigen Raum einer Saison zeigen zu wollen? Das klingt erst mal wie eine Farce und kaum gerechtfertigt. Die Überraschung beim scheidenden Schauspieldirektor Jan Linders ist folglich groß, sein offizieller Kommentar: „Wahnsinn!“ ist zutreffend, denn Sinn ergab in den letzten Jahren wenig im Karlsruher Schauspiel, Wahn gab es hingegen viel.
Sonntag, 6. Dezember 2015
Vorschau: Die Spielzeit 2016/2017
Positionswechsel! Richtungswechsel?
Es wird spannend in der kommenden Spielzeit! Die zweite Hälfte der bisher so vielfältig problematischen Intendanz Peter Spuhlers beginnt. Mit dem fast noch neuen Operndirektor Michael Fichtenholz (der bisher überwiegend verwaltet haben wird, was sein Vorgänger konzipierte) und dem neuen Schauspieldirektor Axel Preuß (der wahrscheinlich schon wesentlich mitkonzipiert haben sollte, was und wer nächste Spielzeit zu sehen sein wird) wird es für die verbleibenden Jahre auch gestalterische Unterschiede geben, wenn ..... ja wenn die beiden denn eigene Richtungskompetenz haben und nicht nur als Erfüllungsgehilfen des Generalintendanten gelten sollen und wollen.
Es wird spannend in der kommenden Spielzeit! Die zweite Hälfte der bisher so vielfältig problematischen Intendanz Peter Spuhlers beginnt. Mit dem fast noch neuen Operndirektor Michael Fichtenholz (der bisher überwiegend verwaltet haben wird, was sein Vorgänger konzipierte) und dem neuen Schauspieldirektor Axel Preuß (der wahrscheinlich schon wesentlich mitkonzipiert haben sollte, was und wer nächste Spielzeit zu sehen sein wird) wird es für die verbleibenden Jahre auch gestalterische Unterschiede geben, wenn ..... ja wenn die beiden denn eigene Richtungskompetenz haben und nicht nur als Erfüllungsgehilfen des Generalintendanten gelten sollen und wollen.
Montag, 16. November 2015
Neuer Schauspiel-Direktor ab 2016/2017
Seit dem Wochenende brodelte es in der Gerüchteküche, heute wurde die Überraschung bereits bestätigt: Jan Linders gibt seinen Posten als Schauspieldirektor zum Ende der Spielzeit auf, bleibt allerdings am Haus:
Freitag, 10. April 2015
Zweiter Nachtrag zu Krise zwischen Peter Spuhler und dem Badischen Staatstheater
Aufgrund eines aufmerksamen Kommentators aus Heidelberg (der sehr lesenwerte Beitrag befindet sich hier, und zwar der Kommentar vom 09. April 2015 um 16:03) will ich noch kurz auf ein Vorkommnis verweisen, das sich während der Heidelberger Intendanz von Peter Spuhler ereignete.
Christine Dössel ist Theaterredakteurin bei der Süddeutschen Zeitung und war 2010 Jurorin beim Heidelberger Stückmarkt. Sie schrieb einen umfangreichen Erfahrungsbericht dazu. Frau Dössel erkannte während weniger Tage qualitative Defizite, die man als regelmäßiger Zuschauer auch in Karlsruhe bemerken kann:
Christine Dössel ist Theaterredakteurin bei der Süddeutschen Zeitung und war 2010 Jurorin beim Heidelberger Stückmarkt. Sie schrieb einen umfangreichen Erfahrungsbericht dazu. Frau Dössel erkannte während weniger Tage qualitative Defizite, die man als regelmäßiger Zuschauer auch in Karlsruhe bemerken kann:
Freitag, 25. Juli 2014
Rückblick (3) - Die Spielzeit 2013/14 des Badischen Staatstheaters
Die Kunst ist, das Gesamtpaket zu schnüren
Das Badische Staatstheater ist auch drei Jahre nach dem Intendanzwechsel noch nicht auf dem angemessenen Leistungsniveau angekommen und vor allem künstlerisch hat die Intendanz Spuhler weiterhin ihre Defizite. Doch am Ende einer langen Spielzeit soll etwas anderes zu Beginn stehen:
Viel Lob für Ballett, Orchester, Chor und Einzelkünstler
Wieder einmal glänzte das Karlsruher Ballett und der Höhepunkt war Reginald Oliveiras spannende Choreographie in der Mythos-Trilogie. Viele Opernsänger und einige Schauspieler konnten Ausrufezeichen setzen, die Händel Festspiele waren im besten und schönsten Sinne Festspiele. Viele leisten Abend für Abend Besonderes und folgende möchte ich hervorheben:
And the Oscar goes to......
Publikumsliebling Ballett
Der tänzerischen und körperlichen Leistungsfähigkeit des Karlsruher Staatsballetts kann man nur höchsten Respekt zollen. Und tatsächlich hat man die Besucherzahlen um sensationelle 9% gesteigert. Das Ballett Birgit Keils ist die Vorzeigesparte bei der das Gesamtpaket aus Qualität, Anspruch und Umsetzung stimmt.
Oper im Abseits
Die Besucherzahlen der Oper stagnieren (trotz oder wegen der Programmgestaltung, je nach Standpunkt) in den letzten drei Jahren auf niedrigem Niveau. Zum Glück hat man immer noch ein sehr treues Publikum in Karlsruhe. Wenn es nur nach Zahlen gehen würde, müsste man zwar nicht den (jetzt kommenden) Abgang der Opernleitung fordern, aber ein Überdenken der bisherigen Planungsweise erscheint notwendig. Für Opern-Liebhaber war es in den letzten drei Jahren ein Programm, das viel Neues und Ungehörtes nach Karlsruhe brachte, aber zu selten restlos begeisterte: programmatisch oft zu ernst und zu sperrig, mit teilweise wenig variablen Monatsprogrammen und zu wenig Fokus auf die Sänger. Man kann gespannt sein, welche Änderungen der neue Operndirektor vornehmen wird und welche Sänger er austauscht bzw. holt.
In der Oper gab es in der abgelaufenen Spielzeit die ganze Bandbreite an Erlebnissen. Das Jahr bot einen stabil inszenierten Maskenball, die Fledermaus war hingegen nur ein Hörerlebnis, das visuell keine mehrfachen Besuche lohnte. Dr. Atomic lag zwischen Hochspannung / Begeisterung (1.Akt) und Langeweile (2.Akt). Die Händel Festspiele waren das Highlight der Spielzeit mit einer fast perfekten Zusammenstellung und einem Riccardo Primo, der überregional viel für das Badische Staatstheater erreichte. Wagners Meistersinger erwiesen sich als grandios und sehr speziell: umstritten, spannend und selbstbezüglich. Der Doppelabend Ravel/Strawinsky zeigte Ordentliches. Gerade erst erfolgte mit Boris Godunow die letzte, wieder nur musikalisch überzeugende Premiere.
Die kommende Spielzeit liegt noch überwiegend in der Verantwortung von Schaback/Feuchtner. Folgende Programmlinien lassen sich über die vergangen drei Jahre und die kommende Spielzeit identifizieren:
Konzertprogramm mit Handschrift
Auch bei den Konzerten hat sich in den letzten Jahren einiges getan und vor allem wurde hier bisher der Mut belohnt, weniger Bekanntes und Neues zu spielen. Die Zuschauerzahlen sind auf hohem Niveau fast konstant. Vorbildlich und spannend auch in der kommenden Konzertsaison, auf die man sich freuen kann. Bravo!
Weniger Lob
Zur vermeintlichen Halbzeit der damals noch nicht verlängerten Intendanz hatte ich einige Kritikpunkte (die sich hier befinden). Vielleicht lege ich heutzutage einfach den falschen Maßstab an, wenn ich vom Badischen Staatstheater erwarte, mich zum Nachdenken zu bringen, mich zu inspirieren, zu begeistern oder zu verblüffen, um mich Jahre später noch an besondere Momente, Aufführungen und Inszenierungen lebhaft erinnern zu können. Intendanz (mehr hier im ersten Teil des Rückblicks) und Schauspiel (mehr auch hier in Teil 2) bewegen sich bisher nicht auf der Höhe meiner Erwartungen, dem Gesamtpaket mangelt es (noch) an Substanz.
Besucherzahlen steigen um 3%!
Bei den Gesamtbesucherzahlen (ca 310.000) kann man sich glücklicherweise dennoch weiter stabilisieren. Das Ballett ist weiterhin mit 90% Auslastung Spitzenreiter (ca 52.500 Zuschauer) und hat den größten Zuwachs. Quasi stagnierende Besucherzahlen haben 2013/14 Oper (ca 104.500 Besucher ), Konzert (ca 36.000) und das Kindertheater (ca 33.000). Auch im Schauspiel (ca 85.000) legte man trotz weiterhin bestehender Defizite zu, doch hier hat man am stärksten aus seinen Fehlern gelernt. Das Karlsruher Schauspiel ist allerdings auch das beste Beispiel, daß gute Zahlen kein Beleg für gute Qualität sind.
Es heißt zu Recht, man solle nur der Statistik glauben, die man selber erstellt hat. Leider agiert man am Badischen Staatstheater immer noch nicht transparent: komplette und belastbare Statistiken werden (noch) nicht veröffentlicht. Anscheinend konnte sich das Schauspiel durch die konsequenten Besuche von Schulklassen in den letzten beiden Jahren deutlich nach oben bewegen. Auch die Anzahl der Aufführungen hat man wahrscheinlich gesteigert und die bisherigen Mißerfolge wurden schneller aus dem Spielplan genommen. Interessant wäre in allen Sparten eine Aufgliederung der Besucherzahlen nach Vollpreis/Ermäßigungen/Stehplätzen, Abo/freier Verkauf, Anzahl der Aufführungen und Auslastung.
FAZIT: Das Ballett ist weiterhin die Lieblingssparte der Karlsruher, der Oper fehlen die Zuschauer, die es aufgrund seiner Bedeutung und Leistungsfähigkeit benötigt, während das Schauspiel vordergründig gut dasteht, obwohl es sich immer wieder hilf- und ratlos präsentierte und es an guten Hauptrollenschauspielern mangelt. Die Bemühungen und Anstrengungen um Normalisierung sind vorhanden, aber es mangelt der Intendanz bisher (noch) an künstlerischem Format.
Im Hinblick auf die notwendigen Veränderungen am Badischen Staatstheater kann man nur hoffen, daß Öffentlichkeit und Presse sich nicht mit oberflächlichen Analysen und vordergründigen Wertigkeiten abspeisen lassen. Erfolg ist Nachhaltigkeit ist Qualität. An einigen Stellen hat man in den letzten drei Jahren Strohfeuer entzündet, an deren Nachhaltigkeit man Zweifel haben muß.
In eigener Sache:
HERZLICHEN DANK für Ihr Interesse und Ihre Kommentare. Über 85.000 Seitenaufrufe in der abgelaufenen Spielzeit und überregionale Leser, die das Badische Staatstheater mit seinen Stärken und Schwächen, seinen Künstlern und treuem Publikum verstärkt wahrnehmen, sind weiterhin eine Verpflichtung dieses Tagebuch öffentlich zu halten.
ÜBERSICHT:
Oper:
Adams - Dr. Atomic
Britten - Peter Grimes
Händel - Riccardo Primo
Händel - Rinaldo
Mussorgsky - Boris Godunow
Ravel - Das Kind und die Zauberdinge
Strauß - Die Fledermaus
Strawinsky - Die Nachtigall
Verdi - Ein Maskenball
Wagner - Der fliegende Holländer
Wagner - Die Meistersinger von Nürnberg
Weinberg - Die Passagierin
Ballett:
Ballett-Gala
Mythos
Sissi (Gastspiel des Balletts Hannover)
Tschaikowsky - Dornröschen
Tschaikowsky - Nußknacker
Schauspiel:
Hübner/Nemitz - Richtfest
Kaiser - Gas I/II
Lausund - Benefiz
Schiller - Kabale und Liebe
Schnitzler - Der einsame Weg
Shakespeare - Ein Sommernachtstraum
Williams - Endstation Sehnsucht
Konzerte:
8 Symphoniekonzerte
Franco Fagioli - Arien für Caffarelli
Diverses:
Händel Festspiele 2014
Theaterfest 2013
PS: Nur zum privaten Gebrauch / persönliche Statistik für die Spielzeit 2013/2014:
19 Opernbesuche / 11 Produktionen
9 Konzertbesuche / 9 Konzerte
8 Schauspielbesuche / 7 Produktionen
5 Ballettbesuche / 5 Produktionen
Theaterfest
Fazit: 42 Abende im Badischen Staatstheater. Es gab halt schon schönere Jahre: spannender, inspirierender, künstlerisch erfüllter ....
Das Badische Staatstheater ist auch drei Jahre nach dem Intendanzwechsel noch nicht auf dem angemessenen Leistungsniveau angekommen und vor allem künstlerisch hat die Intendanz Spuhler weiterhin ihre Defizite. Doch am Ende einer langen Spielzeit soll etwas anderes zu Beginn stehen:
Viel Lob für Ballett, Orchester, Chor und Einzelkünstler
Wieder einmal glänzte das Karlsruher Ballett und der Höhepunkt war Reginald Oliveiras spannende Choreographie in der Mythos-Trilogie. Viele Opernsänger und einige Schauspieler konnten Ausrufezeichen setzen, die Händel Festspiele waren im besten und schönsten Sinne Festspiele. Viele leisten Abend für Abend Besonderes und folgende möchte ich hervorheben:
And the Oscar goes to......
- Bruna Andrade und Flavio Salamanka in Reginaldo Oliveriras Der Fall M. des Mythos Ballettabends!
- Armin Kolarczyk als Oppenheimer in Dr. Atomic und Beckmesser in den Meistersingern - für mich der Sänger der Spielzeit!
- großartige Sänger im Maskenball: Ewa Wolak und Barbara Dobrzanska sowie Andrea Shin und Seung-Gi Jung boten hochspannende Aufführungen!
- Franco Fagioli für sein Solo-Konzert und seinen Auftritt im unvergesslichen Riccardo Primo!
- Lisa Schlegel als unersetzbare und unvergleichliche Darstellerin in Richtfest und Benefiz!
- Gunnar Schmidt schuf für mich mit seiner großartigen Interpretation des Soziologieprofessors Ludger in Richtfest die Figur der Saison - komisch mit jeder Faser. Bravo!
- Chor und Orchester, die konstant ihr Potential abrufen!
- den Kartenvorverkauf, der mir seit Jahr und Tag kompetent hilft, meine vielen Eintrittskarten zu bekommen!
Publikumsliebling Ballett
Der tänzerischen und körperlichen Leistungsfähigkeit des Karlsruher Staatsballetts kann man nur höchsten Respekt zollen. Und tatsächlich hat man die Besucherzahlen um sensationelle 9% gesteigert. Das Ballett Birgit Keils ist die Vorzeigesparte bei der das Gesamtpaket aus Qualität, Anspruch und Umsetzung stimmt.
Oper im Abseits
Die Besucherzahlen der Oper stagnieren (trotz oder wegen der Programmgestaltung, je nach Standpunkt) in den letzten drei Jahren auf niedrigem Niveau. Zum Glück hat man immer noch ein sehr treues Publikum in Karlsruhe. Wenn es nur nach Zahlen gehen würde, müsste man zwar nicht den (jetzt kommenden) Abgang der Opernleitung fordern, aber ein Überdenken der bisherigen Planungsweise erscheint notwendig. Für Opern-Liebhaber war es in den letzten drei Jahren ein Programm, das viel Neues und Ungehörtes nach Karlsruhe brachte, aber zu selten restlos begeisterte: programmatisch oft zu ernst und zu sperrig, mit teilweise wenig variablen Monatsprogrammen und zu wenig Fokus auf die Sänger. Man kann gespannt sein, welche Änderungen der neue Operndirektor vornehmen wird und welche Sänger er austauscht bzw. holt.
In der Oper gab es in der abgelaufenen Spielzeit die ganze Bandbreite an Erlebnissen. Das Jahr bot einen stabil inszenierten Maskenball, die Fledermaus war hingegen nur ein Hörerlebnis, das visuell keine mehrfachen Besuche lohnte. Dr. Atomic lag zwischen Hochspannung / Begeisterung (1.Akt) und Langeweile (2.Akt). Die Händel Festspiele waren das Highlight der Spielzeit mit einer fast perfekten Zusammenstellung und einem Riccardo Primo, der überregional viel für das Badische Staatstheater erreichte. Wagners Meistersinger erwiesen sich als grandios und sehr speziell: umstritten, spannend und selbstbezüglich. Der Doppelabend Ravel/Strawinsky zeigte Ordentliches. Gerade erst erfolgte mit Boris Godunow die letzte, wieder nur musikalisch überzeugende Premiere.
Die kommende Spielzeit liegt noch überwiegend in der Verantwortung von Schaback/Feuchtner. Folgende Programmlinien lassen sich über die vergangen drei Jahre und die kommende Spielzeit identifizieren:
- Wagner: Lohengrin - Tannhäuser - Meistersinger -> Parsifal
- Französische Oper: Berlioz - Spontini - Ravel/Strawinsky -> Gluck
- Oper des 20. Jahrhunderts: Delius - Britten - Ravel/Strawinsky -> Krása
- Politische Oper: Wallenberg - Die Passagierin - Dr. Atomic -> Fantasio
- Operette: Offenbach - Künneke - Strauss -> Offenbach
- Verdi: Rigoletto - / - Maskenball -> Falstaff
- Händel Festspiele: Alessandro - Triumph of ... - Riccardo I. ->Teseo
Konzertprogramm mit Handschrift
Auch bei den Konzerten hat sich in den letzten Jahren einiges getan und vor allem wurde hier bisher der Mut belohnt, weniger Bekanntes und Neues zu spielen. Die Zuschauerzahlen sind auf hohem Niveau fast konstant. Vorbildlich und spannend auch in der kommenden Konzertsaison, auf die man sich freuen kann. Bravo!
Weniger Lob
Zur vermeintlichen Halbzeit der damals noch nicht verlängerten Intendanz hatte ich einige Kritikpunkte (die sich hier befinden). Vielleicht lege ich heutzutage einfach den falschen Maßstab an, wenn ich vom Badischen Staatstheater erwarte, mich zum Nachdenken zu bringen, mich zu inspirieren, zu begeistern oder zu verblüffen, um mich Jahre später noch an besondere Momente, Aufführungen und Inszenierungen lebhaft erinnern zu können. Intendanz (mehr hier im ersten Teil des Rückblicks) und Schauspiel (mehr auch hier in Teil 2) bewegen sich bisher nicht auf der Höhe meiner Erwartungen, dem Gesamtpaket mangelt es (noch) an Substanz.
Besucherzahlen steigen um 3%!
Bei den Gesamtbesucherzahlen (ca 310.000) kann man sich glücklicherweise dennoch weiter stabilisieren. Das Ballett ist weiterhin mit 90% Auslastung Spitzenreiter (ca 52.500 Zuschauer) und hat den größten Zuwachs. Quasi stagnierende Besucherzahlen haben 2013/14 Oper (ca 104.500 Besucher ), Konzert (ca 36.000) und das Kindertheater (ca 33.000). Auch im Schauspiel (ca 85.000) legte man trotz weiterhin bestehender Defizite zu, doch hier hat man am stärksten aus seinen Fehlern gelernt. Das Karlsruher Schauspiel ist allerdings auch das beste Beispiel, daß gute Zahlen kein Beleg für gute Qualität sind.
Es heißt zu Recht, man solle nur der Statistik glauben, die man selber erstellt hat. Leider agiert man am Badischen Staatstheater immer noch nicht transparent: komplette und belastbare Statistiken werden (noch) nicht veröffentlicht. Anscheinend konnte sich das Schauspiel durch die konsequenten Besuche von Schulklassen in den letzten beiden Jahren deutlich nach oben bewegen. Auch die Anzahl der Aufführungen hat man wahrscheinlich gesteigert und die bisherigen Mißerfolge wurden schneller aus dem Spielplan genommen. Interessant wäre in allen Sparten eine Aufgliederung der Besucherzahlen nach Vollpreis/Ermäßigungen/Stehplätzen, Abo/freier Verkauf, Anzahl der Aufführungen und Auslastung.
FAZIT: Das Ballett ist weiterhin die Lieblingssparte der Karlsruher, der Oper fehlen die Zuschauer, die es aufgrund seiner Bedeutung und Leistungsfähigkeit benötigt, während das Schauspiel vordergründig gut dasteht, obwohl es sich immer wieder hilf- und ratlos präsentierte und es an guten Hauptrollenschauspielern mangelt. Die Bemühungen und Anstrengungen um Normalisierung sind vorhanden, aber es mangelt der Intendanz bisher (noch) an künstlerischem Format.
Im Hinblick auf die notwendigen Veränderungen am Badischen Staatstheater kann man nur hoffen, daß Öffentlichkeit und Presse sich nicht mit oberflächlichen Analysen und vordergründigen Wertigkeiten abspeisen lassen. Erfolg ist Nachhaltigkeit ist Qualität. An einigen Stellen hat man in den letzten drei Jahren Strohfeuer entzündet, an deren Nachhaltigkeit man Zweifel haben muß.
In eigener Sache:
HERZLICHEN DANK für Ihr Interesse und Ihre Kommentare. Über 85.000 Seitenaufrufe in der abgelaufenen Spielzeit und überregionale Leser, die das Badische Staatstheater mit seinen Stärken und Schwächen, seinen Künstlern und treuem Publikum verstärkt wahrnehmen, sind weiterhin eine Verpflichtung dieses Tagebuch öffentlich zu halten.
ÜBERSICHT:
Oper:
Adams - Dr. Atomic
Britten - Peter Grimes
Händel - Riccardo Primo
Händel - Rinaldo
Mussorgsky - Boris Godunow
Ravel - Das Kind und die Zauberdinge
Strauß - Die Fledermaus
Strawinsky - Die Nachtigall
Verdi - Ein Maskenball
Wagner - Der fliegende Holländer
Wagner - Die Meistersinger von Nürnberg
Weinberg - Die Passagierin
Ballett:
Ballett-Gala
Mythos
Sissi (Gastspiel des Balletts Hannover)
Tschaikowsky - Dornröschen
Tschaikowsky - Nußknacker
Schauspiel:
Hübner/Nemitz - Richtfest
Kaiser - Gas I/II
Lausund - Benefiz
Schiller - Kabale und Liebe
Schnitzler - Der einsame Weg
Shakespeare - Ein Sommernachtstraum
Williams - Endstation Sehnsucht
Konzerte:
8 Symphoniekonzerte
Franco Fagioli - Arien für Caffarelli
Diverses:
Händel Festspiele 2014
Theaterfest 2013
PS: Nur zum privaten Gebrauch / persönliche Statistik für die Spielzeit 2013/2014:
19 Opernbesuche / 11 Produktionen
9 Konzertbesuche / 9 Konzerte
8 Schauspielbesuche / 7 Produktionen
5 Ballettbesuche / 5 Produktionen
Theaterfest
Fazit: 42 Abende im Badischen Staatstheater. Es gab halt schon schönere Jahre: spannender, inspirierender, künstlerisch erfüllter ....
Sonntag, 6. Juli 2014
Rückblick (2): Auf Langzeit-Diät. Das Karlsruher Schauspiel in der Spielzeit 2013/14
Was ist bloß mit dem Karlsruher Schauspiel los?
Gerade mal noch 11 Premieren im Schauspiel (einschließlich Projekt-Theaters, aber abzüglich Doku- und Volkstheaters) wird man in der kommenden Saison auf die Beine stellen, vor zwei Jahren waren es noch 15, Knut Weber brachte 2004/2005 sogar 18 einschließlich vier Downtown-Projekte. Dazu kommen nun nach drei Jahren viele Abgänge und Wechsel im Ensemble - von einem eingespielten Team ist man weit entfernt und es fehlen Hauptrollendarsteller.
Gerade mal noch 11 Premieren im Schauspiel (einschließlich Projekt-Theaters, aber abzüglich Doku- und Volkstheaters) wird man in der kommenden Saison auf die Beine stellen, vor zwei Jahren waren es noch 15, Knut Weber brachte 2004/2005 sogar 18 einschließlich vier Downtown-Projekte. Dazu kommen nun nach drei Jahren viele Abgänge und Wechsel im Ensemble - von einem eingespielten Team ist man weit entfernt und es fehlen Hauptrollendarsteller.
Montag, 16. Juni 2014
Rückblick (1): Standortbestimmung. Eine Kritik der Intendanz Spuhler
2011
mit Beginn dieses Besucher-Tagebuchs hätte ich nicht gedacht, daß ich
mal eine Intendanz erlebe, die mir gerade zu Beginn so wenig Freude,
Spaß, Spannung und Inspiration gibt. Wie fasst man Unbehagen in Worte? In der
Übertreibung liegt die Anschauung! Das Folgende ist oft subjektiv
zugespitzt und verarbeitet und beschreibt persönliche Eindrücke und Erfahrungen.
Montag, 6. Januar 2014
Kurze Zwischenbilanz der Intendanz Spuhler
Halbzeit der Intendanz Spuhler
Was hat der Intendanzwechsel bisher den regelmäßigen Zuschauern gebracht? Meines Erachtens nicht viel, wenn man genauer hinschaut. Drei neue Köpfe kamen mit Teams nach Karlsruhe: Intendant Spuhler, Operndirektor Schaback und Schauspielleiter Linders - ihre Halbzeit-Bilanz ist durchwachsen mit Höhen und noch mehr Tiefen.
Errungenschaften hat die neue Intendanz bisher überwiegend außerhalb der Bühne aufzuweisen. Eine Kindersparte wurde gegründet sowie die Zusammenarbeit mit den Schulen ausgebaut und es scheint, als ob diese Maßnahmen schnell erfolgreich waren und man dadurch deutlichen Publikumszuwachs generiert hat. Klar loben muß man das Badische Staatstheater auch dafür, daß es versucht die Akzeptanz bei den Bürgern zu stärken und Knut Webers Linie in dieser Hinsicht fortführt - ob nun mit dem KSC-Projekt oder Singspielen wie Dylan und Rio Reiser - man ist in den letzten Jahren massenkompatibler geworden. Man stellt sich breiter auf als es früher üblich war, spricht andere Publikumszielgruppen an, will Erst- und Neubesucher anziehen. Die Programm-Balance hat sich dennoch in den letzten 2,5 Jahren verschoben - problematisch ist das nur dadurch, daß man beim Kernrepertoire nicht das gewohnte Niveau halten konnte und an künstlerischem Gewicht verloren hat.
Problemzone Schauspiel
Besonders auffällig ist der Leistungsabfall im Schauspiel. Dort ist man substanzärmer und durchschnittlicher geworden und setzt stärker als früher auf musikalische Beschallung, äußerliche Effekte und Populäres. Leider hat man Probleme beim tradierten Sprechtheater, bei dem man immer wieder hilflos und überfordert wirkt. Doch Langeweile macht sich schon bei der Programmzusammenstellung breit. Man plant kommerziell, nicht künstlerisch, man hat primär die Zielgruppe im Blick, nicht die künstlerische Vision und dessen Ausdruck. Man plant seine Programmpunkte im Hinblick auf Senioren und Schüler, für unerfahrene Theaterbesucher und um zu zeigen, daß man einer plakativen gesellschaftlichen Aktualität hinterherläuft. Die Inszenierung sehen dann auch meistens danach aus: geplante Routine, brave Biederkeit, einfallslose Erwartbarkeit. Wie im Eiskunstlauf gibt es Pflicht und Kür - das Zielgruppenkonzept erfüllt vielleicht die Pflicht, doch gemessen wird man entscheidend bei der Kür, und dort hat man als Staatstheater auch eine Leuchtturmfunktion und muß das zeigen, was andere Theater künstlerisch nicht ohne weiteres auf die Bühne bringen können. Diese qualitative Funktion ist im Schauspiel zu oft verloren gegangen. Bestes Beispiel war Ende November die Übernahme von Endstation Sehnsucht, die zeigte, daß das Badische Staatstheater dann heftig ins Straucheln kommt, wenn man sich an die Stücke des Kernrepertoires wagt. (Andere Beispiele: die schnell abgesetzte Shakespeare Komödie Wie es euch gefällt, die zum Pubertätsdrama reduzierte Tschechow'sche Möwe, das Experimentalfiasko Auf Kolonos und viele andere nichtssagende Langeweiler-Produktionen). Der Vergleich mit dem Schauspiel in Frankfurt und Stuttgart belegen den Dimensionsverlust, wenn man auf dem Niveau zu spielen versucht, das man im Badischen Staatstheater erwarten sollte.
Bedeutungsverlust: Kommerz schlägt Anspruch?
Ich muß zugeben, daß ich nicht überrascht war, als man mir letzten Herbst (wie sich schnell herausstellte fälschlicherweise) versicherte, daß André Rieu im Februar 2014 ein Konzert im Badischen Staatstheater geben würde. Dieser beliebte Künstler konzertiert tatsächlich in Karlsruhe - allerdings in einem anderen Saal. Der Kern der Botschaft ist dabei, daß ich es der Intendanz des Badischen Staatstheaters zugetraut hätte. Immerhin eine Chance, sich breiter und populärer aufzustellen. Aufmerksamkeit und Zuschauerzahlen schlagen also künstlerische Vorbehalte? In diesem Punkt muß man Äußerungen des Badischen Staatstheaters widersprechen und falsche Wertigkeiten aufdecken: als eine von Steuergeld finanzierte Institution muß man allen Bürgern offen stehen und Ihnen auch das bieten, was sich kommerzieller ausgerichtete Bühnen nicht zutrauen oder nicht wagen. Das soll keine Abwertung von Gruppenschunkeln, rhythmischen Klatschen und Mitsummen/-singen sein. Doch dafür gibt es auch andere Bühnen. Der Standpunkt und die Qualität des Badischen Staatstheaters beweisen sich bei anderen Gelegenheiten: ob nun bei Shakespeare, Schiller, Tschechow oder neuen Autoren, die etwas zu sagen haben - und bei denen sind während dieser Intendanz meistens noch deutlich inszenatorische und darstellerische Steigerungen möglich. Diesbezüglich unzufriedene Besucher sind nicht "elitär", sondern haben einen anderen Bedeutungs- und Qualitätsanspruch an das Haus an der Baumeisterstraße - sie gehen primär dorthin, um das Besondere zu sehen und nicht nur das Gefällige, Beliebige und Belanglose.
Verpasste Chancen - Oper auf dem Nebengleis
Die Operndirektion verlässt zur allgemeinen Überraschung nach drei Jahren am Ende dieser Spielzeit bereits wieder Karlsruhe. So richtig bekannt wurde Operndirektor Joscha Schaback nie. Er agierte aus dem Hintergrund und meistens war nach außen Intendant Spuhler im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und Chefdramaturg Bernd Feuchtner bei inhaltlichen Themen. Der Fortgang hinterlässt gemischte Gefühle. Musikalisch-sängerisch gab es einige Höhepunkte. Das Programm war in dieser Sparte anspruchsvoll und präsentierte viel Neues, man setzte mutig auf die Liebhaber und Experten und ist wahrscheinlich nicht wenigen Zuschauer zu schwer, zu spröde und speziell geworden. Die Inszenierungen zeigten Licht und Schatten, neue und interessante Regisseure stellten sich vor, nicht immer wurde der Mut belohnt, nicht immer hatte man eine glückliche Hand. Die Oper hinterließ dennoch künstlerisch einen deutlich besseren Eindruck als das Schauspiel. Nur bei Vielfalt und Abwechslungsreichtum des Opernspielplans verlor man klar an Qualität. Die Zuschauerzahlen stagnierten oder gingen zurück. Welche Sänger das Haus verlassen, wer neu kommt und wie sich Programm und Sparte ändern werden, um mehr Zuschauer anzuziehen, wird noch Stoff für einige Diskussionen geben. Man kann nur wünschen, daß die Karlsruher Kernsparte schnell wieder den Anschluß an frühere Selbstverständlichkeiten findet.
Im Ballett-, Chor- und Konzertbereich reicht die personelle und qualitative Kontinuität über die aktuelle Intendanz hinaus und ist hier deshalb kein Thema. Der Intendanzwechsel hat hier keine Verschlechterung gebracht und sowohl das Ballettensemble und Birgit Keil bzw. Vladimir Klos, der Chor mit Direktor Ulrich Wagner sowie Justin Brown und die Badische Staatskapelle sind unumstritten und beliebt.
Es gibt weitere positive Aspekte
Das Serviceangebot im Internet hat sich positiv erweitert, Programmhefte und gelegentlich ein Opernlibretto finden sich dort. Der Vorverkauf beginnt früher und umfasst einen größeren Spielzeitraum, Abos können über das Internet gebucht werden, Gutscheine können dort ebenfalls eingetauscht werden.
Ärgerlich bleibt, daß es für gewisse Abos immer noch unmöglich ist, Karten umzutauschen. Für Abonnenten einfach eine Zumutung, die nun schon Jahre andauert. Beispielhaft soll hier ein mir bekannter Fall erzählt werden: Als die Termine für das Operngala-Abo bekannt waren, bemerkten Bekannte, daß drei von vier Terminen der Spielzeit 2013/14 mit anderen Anlässen kollidieren. Da man bei so vielen Terminen keine ständigen Ersatzbesucher fand, wurde das Abo-Büro des Badischen Staatstheater um Hilfe gebeten, um eine Lösung zu finden. Doch dort hatte man keinen Spielraum und keinen Lösungsvorschlag. Pech gehabt und das bei einem Abo-Preis von fast 300 Euro pro Abonnement für vier Vorstellungen. Das Abo wurde daraufhin aus Verärgerung zum Ende der Spielzeit gekündigt. Die knapp 600 Euro werden zukünftig in Baden-Baden investiert. Also bitte, irgendeine Lösung -selbst mit einem angemessenen höheren finanziellen Verlust für den Verwaltungsaufwand- sollte sich doch endlich finden lassen, um Abo-Karten umtauschen zu können.
Fazit: Man hat erfolgreiche Bereiche: Ballett, Chor, Orchester sowie die langjährigen Publikumslieblinge in den Ensembles sowie starke neue Opernsänger.
Schauspiel und Oper sind auf ganz unterschiedliche Weise Baustellen, die dringend neue Impulse benötigen. Die Leistungsschwankungen zu Beginn einer Intendanz überraschen und erwecken den Eindruck, daß die Herausforderung in Karlsruhe unterschätzt wurden. Man braucht länger als erwartet, um qualitative Kontinuität zu zeigen oder im Hinblick auf das Schauspiel, um an das frühere Niveau anzuknüpfen. Man kann Peter Spuhler und vor allem dem Karlsruher Publikum nur wünschen, daß die Oper einen starken und selbstständigen Direktor bekommt, der um die vorhandenen sängerischen Qualitäten das passende Programm aufbaut und das Schauspiel .... ja, wie soll das die Kurve bekommen? Es gilt Schauspieler auszutauschen, in jeder Hinsicht mehr Sorgfalt und Begeisterung zu zeigen und die Qualität im Sprechtheater deutlich zu verbessern.
Zum Abschluß ein persönliches Fazit: Für mich hat sich die Gesamtleistungsfähigkeit nicht verbessert, sondern verschlechtert. Qualitativ sind die Schwankungen im Schauspiel zu groß, der Spielplan der Oper nicht abwechslungsreich genug. Bei beiden ist die Programm-Balance nicht gelungen. Die Spuhler-Zeit erscheint mir aktuell als eine Zeit, in der ich immer wieder feststelle, daß ich Aufführungen nicht weiterempfehlen und eigene freie Abende nicht im Staatstheater verbringen kann und die Möglichkeiten zum Asyl in Frankfurt, Stuttgart und Baden-Baden oder einem Kino prüfe. Das Angebot in Karlsruhe war schon deutlich spannender, substantieller und abwechslungsreicher.
Was hat der Intendanzwechsel bisher den regelmäßigen Zuschauern gebracht? Meines Erachtens nicht viel, wenn man genauer hinschaut. Drei neue Köpfe kamen mit Teams nach Karlsruhe: Intendant Spuhler, Operndirektor Schaback und Schauspielleiter Linders - ihre Halbzeit-Bilanz ist durchwachsen mit Höhen und noch mehr Tiefen.
Errungenschaften hat die neue Intendanz bisher überwiegend außerhalb der Bühne aufzuweisen. Eine Kindersparte wurde gegründet sowie die Zusammenarbeit mit den Schulen ausgebaut und es scheint, als ob diese Maßnahmen schnell erfolgreich waren und man dadurch deutlichen Publikumszuwachs generiert hat. Klar loben muß man das Badische Staatstheater auch dafür, daß es versucht die Akzeptanz bei den Bürgern zu stärken und Knut Webers Linie in dieser Hinsicht fortführt - ob nun mit dem KSC-Projekt oder Singspielen wie Dylan und Rio Reiser - man ist in den letzten Jahren massenkompatibler geworden. Man stellt sich breiter auf als es früher üblich war, spricht andere Publikumszielgruppen an, will Erst- und Neubesucher anziehen. Die Programm-Balance hat sich dennoch in den letzten 2,5 Jahren verschoben - problematisch ist das nur dadurch, daß man beim Kernrepertoire nicht das gewohnte Niveau halten konnte und an künstlerischem Gewicht verloren hat.
Problemzone Schauspiel
Besonders auffällig ist der Leistungsabfall im Schauspiel. Dort ist man substanzärmer und durchschnittlicher geworden und setzt stärker als früher auf musikalische Beschallung, äußerliche Effekte und Populäres. Leider hat man Probleme beim tradierten Sprechtheater, bei dem man immer wieder hilflos und überfordert wirkt. Doch Langeweile macht sich schon bei der Programmzusammenstellung breit. Man plant kommerziell, nicht künstlerisch, man hat primär die Zielgruppe im Blick, nicht die künstlerische Vision und dessen Ausdruck. Man plant seine Programmpunkte im Hinblick auf Senioren und Schüler, für unerfahrene Theaterbesucher und um zu zeigen, daß man einer plakativen gesellschaftlichen Aktualität hinterherläuft. Die Inszenierung sehen dann auch meistens danach aus: geplante Routine, brave Biederkeit, einfallslose Erwartbarkeit. Wie im Eiskunstlauf gibt es Pflicht und Kür - das Zielgruppenkonzept erfüllt vielleicht die Pflicht, doch gemessen wird man entscheidend bei der Kür, und dort hat man als Staatstheater auch eine Leuchtturmfunktion und muß das zeigen, was andere Theater künstlerisch nicht ohne weiteres auf die Bühne bringen können. Diese qualitative Funktion ist im Schauspiel zu oft verloren gegangen. Bestes Beispiel war Ende November die Übernahme von Endstation Sehnsucht, die zeigte, daß das Badische Staatstheater dann heftig ins Straucheln kommt, wenn man sich an die Stücke des Kernrepertoires wagt. (Andere Beispiele: die schnell abgesetzte Shakespeare Komödie Wie es euch gefällt, die zum Pubertätsdrama reduzierte Tschechow'sche Möwe, das Experimentalfiasko Auf Kolonos und viele andere nichtssagende Langeweiler-Produktionen). Der Vergleich mit dem Schauspiel in Frankfurt und Stuttgart belegen den Dimensionsverlust, wenn man auf dem Niveau zu spielen versucht, das man im Badischen Staatstheater erwarten sollte.
Bedeutungsverlust: Kommerz schlägt Anspruch?
Ich muß zugeben, daß ich nicht überrascht war, als man mir letzten Herbst (wie sich schnell herausstellte fälschlicherweise) versicherte, daß André Rieu im Februar 2014 ein Konzert im Badischen Staatstheater geben würde. Dieser beliebte Künstler konzertiert tatsächlich in Karlsruhe - allerdings in einem anderen Saal. Der Kern der Botschaft ist dabei, daß ich es der Intendanz des Badischen Staatstheaters zugetraut hätte. Immerhin eine Chance, sich breiter und populärer aufzustellen. Aufmerksamkeit und Zuschauerzahlen schlagen also künstlerische Vorbehalte? In diesem Punkt muß man Äußerungen des Badischen Staatstheaters widersprechen und falsche Wertigkeiten aufdecken: als eine von Steuergeld finanzierte Institution muß man allen Bürgern offen stehen und Ihnen auch das bieten, was sich kommerzieller ausgerichtete Bühnen nicht zutrauen oder nicht wagen. Das soll keine Abwertung von Gruppenschunkeln, rhythmischen Klatschen und Mitsummen/-singen sein. Doch dafür gibt es auch andere Bühnen. Der Standpunkt und die Qualität des Badischen Staatstheaters beweisen sich bei anderen Gelegenheiten: ob nun bei Shakespeare, Schiller, Tschechow oder neuen Autoren, die etwas zu sagen haben - und bei denen sind während dieser Intendanz meistens noch deutlich inszenatorische und darstellerische Steigerungen möglich. Diesbezüglich unzufriedene Besucher sind nicht "elitär", sondern haben einen anderen Bedeutungs- und Qualitätsanspruch an das Haus an der Baumeisterstraße - sie gehen primär dorthin, um das Besondere zu sehen und nicht nur das Gefällige, Beliebige und Belanglose.
Verpasste Chancen - Oper auf dem Nebengleis
Die Operndirektion verlässt zur allgemeinen Überraschung nach drei Jahren am Ende dieser Spielzeit bereits wieder Karlsruhe. So richtig bekannt wurde Operndirektor Joscha Schaback nie. Er agierte aus dem Hintergrund und meistens war nach außen Intendant Spuhler im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und Chefdramaturg Bernd Feuchtner bei inhaltlichen Themen. Der Fortgang hinterlässt gemischte Gefühle. Musikalisch-sängerisch gab es einige Höhepunkte. Das Programm war in dieser Sparte anspruchsvoll und präsentierte viel Neues, man setzte mutig auf die Liebhaber und Experten und ist wahrscheinlich nicht wenigen Zuschauer zu schwer, zu spröde und speziell geworden. Die Inszenierungen zeigten Licht und Schatten, neue und interessante Regisseure stellten sich vor, nicht immer wurde der Mut belohnt, nicht immer hatte man eine glückliche Hand. Die Oper hinterließ dennoch künstlerisch einen deutlich besseren Eindruck als das Schauspiel. Nur bei Vielfalt und Abwechslungsreichtum des Opernspielplans verlor man klar an Qualität. Die Zuschauerzahlen stagnierten oder gingen zurück. Welche Sänger das Haus verlassen, wer neu kommt und wie sich Programm und Sparte ändern werden, um mehr Zuschauer anzuziehen, wird noch Stoff für einige Diskussionen geben. Man kann nur wünschen, daß die Karlsruher Kernsparte schnell wieder den Anschluß an frühere Selbstverständlichkeiten findet.
Im Ballett-, Chor- und Konzertbereich reicht die personelle und qualitative Kontinuität über die aktuelle Intendanz hinaus und ist hier deshalb kein Thema. Der Intendanzwechsel hat hier keine Verschlechterung gebracht und sowohl das Ballettensemble und Birgit Keil bzw. Vladimir Klos, der Chor mit Direktor Ulrich Wagner sowie Justin Brown und die Badische Staatskapelle sind unumstritten und beliebt.
Es gibt weitere positive Aspekte
Das Serviceangebot im Internet hat sich positiv erweitert, Programmhefte und gelegentlich ein Opernlibretto finden sich dort. Der Vorverkauf beginnt früher und umfasst einen größeren Spielzeitraum, Abos können über das Internet gebucht werden, Gutscheine können dort ebenfalls eingetauscht werden.
Ärgerlich bleibt, daß es für gewisse Abos immer noch unmöglich ist, Karten umzutauschen. Für Abonnenten einfach eine Zumutung, die nun schon Jahre andauert. Beispielhaft soll hier ein mir bekannter Fall erzählt werden: Als die Termine für das Operngala-Abo bekannt waren, bemerkten Bekannte, daß drei von vier Terminen der Spielzeit 2013/14 mit anderen Anlässen kollidieren. Da man bei so vielen Terminen keine ständigen Ersatzbesucher fand, wurde das Abo-Büro des Badischen Staatstheater um Hilfe gebeten, um eine Lösung zu finden. Doch dort hatte man keinen Spielraum und keinen Lösungsvorschlag. Pech gehabt und das bei einem Abo-Preis von fast 300 Euro pro Abonnement für vier Vorstellungen. Das Abo wurde daraufhin aus Verärgerung zum Ende der Spielzeit gekündigt. Die knapp 600 Euro werden zukünftig in Baden-Baden investiert. Also bitte, irgendeine Lösung -selbst mit einem angemessenen höheren finanziellen Verlust für den Verwaltungsaufwand- sollte sich doch endlich finden lassen, um Abo-Karten umtauschen zu können.
Fazit: Man hat erfolgreiche Bereiche: Ballett, Chor, Orchester sowie die langjährigen Publikumslieblinge in den Ensembles sowie starke neue Opernsänger.
Schauspiel und Oper sind auf ganz unterschiedliche Weise Baustellen, die dringend neue Impulse benötigen. Die Leistungsschwankungen zu Beginn einer Intendanz überraschen und erwecken den Eindruck, daß die Herausforderung in Karlsruhe unterschätzt wurden. Man braucht länger als erwartet, um qualitative Kontinuität zu zeigen oder im Hinblick auf das Schauspiel, um an das frühere Niveau anzuknüpfen. Man kann Peter Spuhler und vor allem dem Karlsruher Publikum nur wünschen, daß die Oper einen starken und selbstständigen Direktor bekommt, der um die vorhandenen sängerischen Qualitäten das passende Programm aufbaut und das Schauspiel .... ja, wie soll das die Kurve bekommen? Es gilt Schauspieler auszutauschen, in jeder Hinsicht mehr Sorgfalt und Begeisterung zu zeigen und die Qualität im Sprechtheater deutlich zu verbessern.
Zum Abschluß ein persönliches Fazit: Für mich hat sich die Gesamtleistungsfähigkeit nicht verbessert, sondern verschlechtert. Qualitativ sind die Schwankungen im Schauspiel zu groß, der Spielplan der Oper nicht abwechslungsreich genug. Bei beiden ist die Programm-Balance nicht gelungen. Die Spuhler-Zeit erscheint mir aktuell als eine Zeit, in der ich immer wieder feststelle, daß ich Aufführungen nicht weiterempfehlen und eigene freie Abende nicht im Staatstheater verbringen kann und die Möglichkeiten zum Asyl in Frankfurt, Stuttgart und Baden-Baden oder einem Kino prüfe. Das Angebot in Karlsruhe war schon deutlich spannender, substantieller und abwechslungsreicher.
Dienstag, 9. Juli 2013
Rückblick (2): Problemzone - Das Karlsruher Schauspiel in der Spielzeit 2012/13
Gefällt Ihnen zur Zeit das Schauspiel des Badischen Staatstheaters?
Ja? Sie Glückliche/r! Dann müssen Sie hier nicht weiterlesen.
Nein? Dann könnten Sie sich in meinen zahlreichen Mangel- und Leidenswahrnehmungen vielleicht wiedererkennen.
Ja? Sie Glückliche/r! Dann müssen Sie hier nicht weiterlesen.
Nein? Dann könnten Sie sich in meinen zahlreichen Mangel- und Leidenswahrnehmungen vielleicht wiedererkennen.
Freitag, 3. Mai 2013
Rückblick (1): Die große Enttäuschung. Das Karlsruher Schauspiel in der Spielzeit 2012/13
Wenn Leidenschaft Leiden schafft
Ich würde so gerne etwas Gutes über das Karlsruher Schauspiel berichten. Seit fast 25 Jahren pflege ich diese Leidenschaft und fühle mich besonders dann motiviert, etwas für mich aus einer Inszenierung zu ziehen, wenn ich sie als sperrige und schwierige Herausforderung sehe. Seit zwei Jahren wird diese Zuneigung auf die bisher härteste Probe gestellt, denn dem Schauspiel kann ich nur noch sehr wenig abgewinnen. Bei fast allen Vorstellungen erlebe ich einen Dimensionsverlust, wie ich ihn sonst nur bei Besuchen von schlechteren Bühnen (als das Badische Staatstheater war und sein sollte) kenne. Die qualitativen Unterschiede zu kleineren Bühnen sind nicht mehr deutlich. Die Leuchtturmqualitäten, die ich von einem Staatstheater erwarte, nehme ich nicht mehr wahr. Das Schauspiel hat für mich ein durchschnittliches und langweiliges Mittelmaß erreicht. Welche Gründe gibt es dafür?
Ich würde so gerne etwas Gutes über das Karlsruher Schauspiel berichten. Seit fast 25 Jahren pflege ich diese Leidenschaft und fühle mich besonders dann motiviert, etwas für mich aus einer Inszenierung zu ziehen, wenn ich sie als sperrige und schwierige Herausforderung sehe. Seit zwei Jahren wird diese Zuneigung auf die bisher härteste Probe gestellt, denn dem Schauspiel kann ich nur noch sehr wenig abgewinnen. Bei fast allen Vorstellungen erlebe ich einen Dimensionsverlust, wie ich ihn sonst nur bei Besuchen von schlechteren Bühnen (als das Badische Staatstheater war und sein sollte) kenne. Die qualitativen Unterschiede zu kleineren Bühnen sind nicht mehr deutlich. Die Leuchtturmqualitäten, die ich von einem Staatstheater erwarte, nehme ich nicht mehr wahr. Das Schauspiel hat für mich ein durchschnittliches und langweiliges Mittelmaß erreicht. Welche Gründe gibt es dafür?
Freitag, 22. März 2013
Shakespeare - Wie es euch gefällt, 21.03.2012
Oh je! .... Vergleiche können schmerzen, vor allem wenn sie stets einseitig zu Ungunsten ausfallen. Aber dennoch sind Vergleiche ein zuverlässiger Indikator, um das Gute vom Besseren zu unterscheiden. Bei der gestrigen Premiere waren Vergleiche unvermeidbar: die Messlatte lag hoch ... leider zum wiederholten Male zu hoch für das Karlsruher Schauspiel. In den letzten 15 Jahren wurde man als Zuschauer von Shakespeare-Komödien im Badischen Staatstheater verwöhnt: Wie es euch gefällt war zuletzt 1998 in der turbulenten und witzigen Regie des damaligen Schauspielleiters Peter Schroth ein phantasievolles Theaterfest, 2006 gab es einen Sommernachtstraum, der reich an Höhepunkten war und den Lachmuskeln alles abforderte und 2008 folgte eine sehr schöne und geglückte Inszenierung von Was ihr wollt. Alle drei setzten Maßstäbe, die leider gestern eine unüberwindbare Hürde darstellten. Die gestrige Premiere konnte dem Vergleich leider nicht standhalten. Shakespeare 2013 in Karlsruhe: kein Witz, kein Tempo, kein Rhythmus, sehr wenig Einfälle und nur teilweise Spielfreude.
Montag, 4. März 2013
Partizipatives Schauspiel
Die Franfurter Rundschau berichtet über neue Strategien zur Publikumsgewinnung.
Auch der Karlsruher Schauspielleiter Jan Linders wird zitiert: «Unser Ziel ist es, das Theater stärker in die Stadt hineinzutragen».
Es wird berichtet wie man locker mit allerlei Überraschungen Hemmschwellen und Kontaktscheu abbaut und man beim Graffiti-Wettbewerb, Spielszenen in der Straßenbahn und Flashmobs über Mitwirkungsangebote Interessenten gewinnen will.
Mehr dazu hier: http://www.fr-online.de/panorama/twitter--kochen--disco---ungewoehnliches-im-theater,1472782,21998098.html
Interessanterweise wird nicht über nachhaltige Erfolge berichtet, sondern nur über Techniken zur Aufmerksamkeitsgewinnung.
Und ein wenig könnte man den Verdacht haben, daß man damit kein neues Publikum gewinnt, sondern nur ein anderes und dafür andere Besucher verliert .....
Auch der Karlsruher Schauspielleiter Jan Linders wird zitiert: «Unser Ziel ist es, das Theater stärker in die Stadt hineinzutragen».
Es wird berichtet wie man locker mit allerlei Überraschungen Hemmschwellen und Kontaktscheu abbaut und man beim Graffiti-Wettbewerb, Spielszenen in der Straßenbahn und Flashmobs über Mitwirkungsangebote Interessenten gewinnen will.
Mehr dazu hier: http://www.fr-online.de/panorama/twitter--kochen--disco---ungewoehnliches-im-theater,1472782,21998098.html
Interessanterweise wird nicht über nachhaltige Erfolge berichtet, sondern nur über Techniken zur Aufmerksamkeitsgewinnung.
Und ein wenig könnte man den Verdacht haben, daß man damit kein neues Publikum gewinnt, sondern nur ein anderes und dafür andere Besucher verliert .....
Freitag, 20. Juli 2012
Rückblick: Die Spielzeit 2011/2012 des Badischen Staatsheaters
Eine Spielzeit bei der die Intendanz wechselt bedeutet einen Einschnitt und einen Aufbruch. Was bleibt in Karlsruhe vom ersten Jahr unter Peter Spuhler übrig? Begann 2011 ein Intermezzo oder eine Ära? Und wer wird Spuren hinterlassen in der Erinnerung und den Herzen des Publikums?
Donnerstag, 14. Juni 2012
Rückblick (1): Das Unbehagen im Theater. Das Karlsruher Schauspiel in der Spielzeit 2011/2012
Es war für mich eine Spielzeit ohne positiven Erinnerungswert.
Es muß zuletzt in den 1990ern
gewesen sein, daß mich das Theater so kalt ließ. 2011/12 war ich deutlich weniger im Schauspiel als in den Spielzeiten zuvor; nichts sah
ich bisher ein zweites Mal, nur sehr wenige Inszenierungen konnte ich
guten Gewissens empfehlen; einen Theaterabend mit Freunden oder Kollegen
konnte ich guten Herzens nicht organisieren. Vieles fand ich einfach zu
langweilig oder holprig buchstabiert. Fast keine Schauspiel-Aufführung hat mich überzeugt, geschweige denn
begeistert. Im
Gegenteil! Um auf eine frühere Diagnose zurückzugreifen: es bestand bei
mir in dieser Spielzeit oft eine spürbare Distanz des innerlich Erlebten
zum
Geschehen auf der Bühne. Einiges, vor allem viele Studio-Produktionen, habe ich erst gar
nicht gesehen. Deren Themen waren für mich zu unattraktiv oder –für mich ungewöhnlich– die Meinungen und Aussagen zu gewissen
Stücken waren so desillusionierend, daß ich mich negativ beeindruckt
zeigte und es lieber bleiben ließ. Wo ich fast ein Jahrzehnt nichts verpassen wollte, fühlte ich mich in dieser Spielzeit nicht mehr betroffen.
Montag, 9. Januar 2012
Auf der Suche nach dem Publikum von morgen: Meinungsumfragen, Zuschauerresonanz und persönliche Erfahrungen
Wer hätte das gedacht, daß das Karlsruher Ballett zur Vorzeigesparte
des Hauses werden könnte!?! Birgit Keil hat es geschafft: sie hat zwar
nicht Spitzentänzer wie in Hamburg oder Stuttgart zur Verfügung, aber
das richtige Gespür für Stoffwahl und Umsetzung. Die
Ballettvorstellungen sind nicht nur ausverkauft, das enthusiastische
Publikum ist bereit auf den Sitzplatz zu verzichten: es werden in fast
nie gesehenem Ausmaß zusätzliche Stehplätze für die ausgebuchten
Vorstellungen von Schwanensee, Nußknacker und Siegfried verkauft.
Allerdings ist die Stärke des Balletts auch symptomatisch für die
Schwäche der anderen beiden Sparten. Wer heute ins Staatstheater gehen
will, Inszenierungen weiterempfehlen oder Karten verschenken mag, der
ist mit Ballett auf der sicheren Seite.
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