Gerade auch nach anderen Barock-Aufführungen (z.B. vorgestern Händels The Triumph of Time and Truth oder noch deutlicher nach Porporas Polifemo in Schwetzingen) wird deutlich, was man am Badischen Staatstheater mit den Händel-Solisten für ein großartiges und unersetzliches Orchester hat. Händels Alessandro hat wunderbare Musik, die man wohl nur sehr selten so facettenreich und klanglich überwältigend-schön live hören kann. Für Freunde der Barock-Musik sind die Auftritte des Orchesters eine Klangoffenbarung und die Händel-Solisten sind seit ihrer Gründung 1985 einer der Garanten für barocke Musizierpraxis auf höchstem Niveau. Dirigent Michael Form formt einen wunderschönen und ideal temperierten Barockklang. An alle Musiker im Orchestergraben: BRAVO!
Zu den letztjährigen Eindrücken (mehr hier und hier) lässt sich nichts Neues sagen. Die vier Gastsänger (Lawrence Zazzo als Alessandro, Yetzabel Arias Fernadet als Rossane, Raffaella Milanesi Lisaura und Martin Oro als Tassile) und drei Ensemblemitglieder sind sehr gut gewählt. Am Ende des ersten Aktes befindet sich die heiterste Szene, wenn Rebecca Raffell (Cleone), Andrew Finden (Clito) und Eleazar Rodriguez (Leonato - die Rolle wurde diese Spielzeit mit ihm neu besetzt, da Sebastian Kohlhepp im Händel Oratorium sang) singen und tanzen - oder wie Eleazar Rodriguez twitterte: "We are too hot to Händel!"
Vorgestern hatte der Händel/Barry Abend für Händel Festspiele ungewohnt wenig Zuschauer, Alessandro hingegen war ausverkauft und man verkaufte auch Stehplätze. Die neun Aufführungen in den Jahren 2012 und 2013 waren außergewöhnlich gut besucht und Alessandro ist wahrscheinlich angesichts der Zuschauergunst eine der erfolgreichsten Produktionen in der Geschichte der Karlsruher Händel Festspiele. Wieso? Nicht wegen der Oper (Alessandro gehört nicht zu Händels besten Barockopern), nicht wegen der Sänger (die aber alle dem Anspruch eines Barock Festivals in jeder Hinsicht entsprechen), sondern wegen dem Boom der Barockopern und der von den Händel-Solisten wunderschön vorgetragenen Musik. Besser kann man Barockopern nicht musizieren. Hoffentlich sind die Produktionen im nächsten Jahr auch wieder den entscheidenden Tick interessanter, um das Zuschauer-Interesse zu bewahren und mit den Spitzenproduktionen zu Zeiten der Thorwald/Brux-Ära mithalten zu können.
Seit 1988 bin ich steter Besucher des Badischen Staatstheaters. Bei vielen Opern-, Theater-, Konzert- und Ballettvorstellungen im Jahr und Besuchen in anderen Städten verliert man schon mal den Überblick. Dieser Tagebuch-Blog dient mir seit der Spielzeit 2011/12 als elektronische Erinnerung. Bitte beachten Sie meine Intention: ich bin kein Journalist oder Kritiker, sondern schreibe hier lediglich persönliche Eindrücke, private Ansichten und Vermutungen für mich und Angehörige nieder.
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Samstag, 23. Februar 2013
Dienstag, 11. September 2012
Händels Alessandro auf CD
Händels Oper Alessandro wurde während der Händel Festspiele 2012 aufgenommen und liegt nun als CD vor.
Hier z.B. der Link zum Erwerb bei amazon, allerdings wird die CD bestimmt vom Badischen Staatstheater auch bald vertrieben - und hoffentlich günstiger ...:
http://www.amazon.de/Alessandro-Dramma-musica-drei-Akten/dp/B008IEDWHI/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1347370328&sr=8-3
PS: Zur Alessandro Diskographie
Bisher gab es nur die wenig elektrisierende Aufnahme von Sigiswald Kuijken mit René Jacobs als Alessandro. Fast parallel zum Karlsruher Alessandro erscheint nun auch eine dritte Aufnahme, bei der Max E. Cencic in der Titelrolle zu hören sein wird (auch dazu der Link zu amazon: http://www.amazon.de/Alessandro-Lezhneva-Julia/dp/B008QCBFHG/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1347370750&sr=1-1)
Hier z.B. der Link zum Erwerb bei amazon, allerdings wird die CD bestimmt vom Badischen Staatstheater auch bald vertrieben - und hoffentlich günstiger ...:
http://www.amazon.de/Alessandro-Dramma-musica-drei-Akten/dp/B008IEDWHI/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1347370328&sr=8-3
PS: Zur Alessandro Diskographie
Bisher gab es nur die wenig elektrisierende Aufnahme von Sigiswald Kuijken mit René Jacobs als Alessandro. Fast parallel zum Karlsruher Alessandro erscheint nun auch eine dritte Aufnahme, bei der Max E. Cencic in der Titelrolle zu hören sein wird (auch dazu der Link zu amazon: http://www.amazon.de/Alessandro-Lezhneva-Julia/dp/B008QCBFHG/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1347370750&sr=1-1)
Samstag, 18. Februar 2012
Händel - Alessandro (Premiere), 17.02.2012
Nach der Generalprobe standen bei der Premiere vor allem die Sänger im Mittelpunkt. Betrachtet man die Struktur von Händels Alessandro fällt ein Ungleichgewicht auf. Die Oper benötigt sieben Sänger und enthält 25 Arien und drei Duette. Drei der sieben Sänger singen 20 Arien und alle Duette, die übrigen fünf Arien verteilen sich auf die restlichen vier Sänger.
Doch dafür gibt es einen guten Grund: Händel schrieb für ein berühmtes Sängertriumvirat. Bei der 1725 uraufgeführten und von Händel selber dirigierten Oper sangen zum ersten Mal drei der damals größten Gesangstars zusammen: der Kastrat Senesino, der als Alessandro acht Arien zu singen hat, sowie die beiden Sängerinnen Faustina Bordoni und Francesca Cuzzoni mit jeweils sechs Arien. Händel achtete auf eine gerechte Rollenverteilung zwischen den beiden Primadonnen, die auch dadurch berühmt wurden, daß sie sich bald als Konkurrentinnen sahen und sich später, während einer Aufführung von Giovanni Bononcinis Oper Astianatte, auf der Bühne prügelten.
Die Hauptrollen Alessandro, Rossane und Lisaura werden bei den Händel Festspielen gesungen von Lawrence Zazzo, Yetzabel Arias Fernandez und Raffaella Milanesi.
Lawrence Zazzo war bereits 1998 und 1999 bei den Karlsruher Händel Festspielen als Unulfo in Händels Oper Rodelinda zu hören (damals großartig dirigiert von Trevor Pinnock und gespielt vom Freiburger Barockorchester). Inzwischen gehört er zu den großen Namen der Countertenor-Szene, doch war sein gestriger Auftritt etwas zu glanzlos und unspektakulär. Stimmlich konnte er z.B. Franco Fagioli nicht vergessen machen. Seine Figur leidet allerdings unter der Karlsruher Regie: diese weiß mit ihm weniger anzufangen als mit den beiden Darstellerinnen. Seine Auftritte bleiben eher unbestimmt. Er stand dadurch letztendlich im Schatten der beiden Sängerinnen. Alessandro ist in dieser Inszenierung weniger die zentrale Rolle, als man
erwarten konnte.
Wie schon im Jahr 1725 lieferten sich auch gestern die Sängerinnen ein Kopf an Kopf Rennen um die Gunst des Publikums und lagen gleichauf. Beide erhielten sehr viel Applaus, Bravas und Zustimmung und es ist eine Frage persönlicher Vorlieben, welche der beiden der Vorzug zu geben ist. Im Verlauf des Abends hörte man von beiden sehr gut gesungene und auch gespielte Arien. Milanesis Lisaura macht im Verlauf des Abends mehr Veränderungen durch, Fernandez' Rossane hat das wärmere Timbre und die konstantere, sympathischere Rolle. Milanesi kann man deshalb hervorheben, weil sie erst vor wenigen Wochen engagierte wurde und aufgrund einer Erkrankung im Ensemble spät in die Produktion einstieg. Davon ist allerdings absolut nichts zu merken.
In den Nebenrollen gibt es ebenfalls Gutes zu berichten: Der argentinische Countertenor Martin Oro als Tassile (er sang bereits 2000 in Karlsruhe in Händels Messias), Andrew Finden (Clito), Sebastian Kohlhepp (Leonato) und nicht zuletzt die auch schauspielerisch wunderbare Rebecca Raffell (Cleone) sangen, agierten und tanzten(!) überzeugend. Schade, daß Sie aus oben genannten Gründen nur so wenige Arien haben.
Händels Sängerin Faustina Bordoni überlieferte, daß das typische Händel Orchester ca. 45
Instrumentalisten umfasste. In Karlsruhe waren es weniger. Die 36 Händel-Solisten spielten wie gewohnt großartig und klangschön. Der neue Dirigent Michael Form hinterließ einen sehr guten Eindruck. Man kann in Alessandro viel wunderschöne und abwechslungsreiche Musik entdecken!
Die Inszenierung ist nach Karlsruher Maßstäben Händel-gerecht und unterstützt die Sänger. Regisseur Alexander Fahima hat seine Ideen sehr gut umgesetzt: jeder Akt hat eine andere Atmosphäre, die Sänger agieren unterschiedlich und passend zum musikalischen Ausdruck der Arien. Allerdings ist die handlungsarme Oper bei ihm auch handlungsfrei erzählt. Es passiert wenig und ein bißchen mehr Erzählfreude und Ironie hätte der Inszenierung gut getan. Die Schlußszene ist ebenfalls diskutabel: das typische Verzeih- und Glücksfinale gönnt Fahima seinen Figuren weder musikalisch (die beiden schönen Duette am Ende des 3. Akts wurden gestrichen und dem Publikum vorenthalten) noch szenisch: Alessandro bleibt alleine zurück.
Claudia Doderer hat passende Kostüme geschaffen. Ihr Bühnenbild ist allerdings zu steril: die geometrisch abgestimmte, zweiteilige Seiten- und Rückbegrenzung wirkt unattraktiv. Im 1. Akt passiert nach starkem Beginn lange wenig auf der Bühne. Erst gegen Ende des 1. Akts wird dem Publikum dann wieder etwas zum Hinschauen geboten. Der 2. Akt lebt von der emotionalen Atmosphäre, die in einigen Arien durch 4 (sehr gute und sehr synchrone) Tänzer sowie über Projektionen bildlich verstärkt wird. Nicht immer hat man dabei den Eindruck, daß man die optimale Lösung sieht, manche Bildeffekte wirken austauschbar. Im 3. Akt hat man das Bühnenbild etwas erweitert, ohne daß damit etwas gewonnen ist. Etwas zu karg, etwas zu einfach, etwas fehlt, um in Erinnerung zu bleiben ...
Fazit: ein gelungener und schöner Festspieleinstieg, der musikalisch viel zu bieten hat. Ganz klar muß man auch feststellen, daß die neue Festspielleitung bemüht ist das künstlerische Niveau der letzten Jahre zu halten, doch mit dieser Produktion ist man noch nicht auf Augenhöhe der Vorjahre angekommen!
Die Premiere war restlos ausverkauft mit
ca 1100 Zuschauern auf allen Sitz- und Stehplätzen und wurde vom Publikum stark applaudiert uns sehr wenig ausgebuht. Wer sich im Publikum genau umschaute, konnte dort zwei weitere Adressaten des Jubels entdecken. Gemäß dem Karlsruher Spielzeitmotto könnte man die beiden als Helden bezeichnen, denn es war der frühere Intendant Günther Könemann, der vor 34 Jahren Karlsruhe zur Händel-Stadt machte und der ehemalige Opernleiter Thomas Brux (und der nicht gesichtete Achim Thorwald), die für die Beliebtheit und Akzeptanz Karlsruhes als Händel-Stadt in den letzten 10 Jahren -und damit auch für den Zuschauerandrang in diesem Jahr- einen wesentlichen Beitrag geleistet haben!
Donnerstag, 16. Februar 2012
Händel - Alessandro (Generalprobe), 15.02.12
Es ist schon noch zum Staunen: Die aufgrund der immensen Publikumsnachfrage öffentliche Generalprobe war ebenfalls ausverkauft! Es wurden sogar Stehplätze verkauft. Die Neugierde ist also riesig.
Nach 3 Akten, 2 Pausen und ca. 4 Stunden und 20 Minuten Aufführungsdauer der Generalprobe kann man prognostizieren, daß Alessandro erfolgreich die diesjährigen Händel Festspiele eröffnen wird. Obwohl es gestern "nur" eine Probe war und die Sänger nicht immer vollen Stimmeinsatz zeigten, kann man jetzt schon sagen, daß sich der Besuch auf jeden Fall musikalisch lohnt. Die Probe war besser als andernorts die Premieren. Dazu dann mehr nach der Vorstellung am Freitag.
Ursprünglich war Peter Lund als Regisseur für Alessandro angekündigt. Lund hatte das Karlsruher Erfolgsstück Big Money inszeniert und hatte sich auch als Händel Regisseur bereits einen Namen gemacht, als er 2008 in Saarbrücken Agrippina sehr erfolgreich auf die Bühne brachte. Sein Name wurde allerdings im Herbst letzten Jahres ausgetauscht durch den jungen und praktisch unbekannten Regisseur Alexander Fahima, der in Heidelberg Verdis Otello betreute und der nun in Karlsruhe eine sehr gute Personenregie abliefert.
Händels Alessandro hat man oft Dramaturgielosigkeit vorgeworfen. Sie hat keinen starken Handlungsfaden, sondern ist eher eine an der Verteilung von Arien orientierte Nummernoper. Im Beiheft erläutert der Regisseur seine Idee "den 3 Akten ein unterschiedliches Licht und dem Singen eine differenzierte Dringlichkeit zu geben." Das ist auch gelungen! Unterstützt von Claudia Doderer, die für Bühne und Kostüme verantwortlich ist, konzentriert sich der Regisseur darauf, die Konstellation der Personen zu verdeutlichen und Musik und Text dabei einfließen zu lassen.
Die drei Hauptfiguren tragen in jedem Akt andere Kostüme, die Anleihe bei verschiedenen Stilen und Zeiten nehmen und gelungen die Charakterisierung der Personen unterstützt. Die Bühne wirkt etwas karg und einfallslos und gewinnt während der Aufführung nicht viel hinzu; es passiert im 1. Akt lange wenig, erst später und in den folgenden Akten werden Licht und Bühnenelemente stärker eingebunden.
Beim Probenpublikum scheint Alessandro sehr gut angekommen zu sein. Morgen ist die Premiere, danach folgen 4 Aufführungen. Wer Karten hat, kann sich freuen!
Nach 3 Akten, 2 Pausen und ca. 4 Stunden und 20 Minuten Aufführungsdauer der Generalprobe kann man prognostizieren, daß Alessandro erfolgreich die diesjährigen Händel Festspiele eröffnen wird. Obwohl es gestern "nur" eine Probe war und die Sänger nicht immer vollen Stimmeinsatz zeigten, kann man jetzt schon sagen, daß sich der Besuch auf jeden Fall musikalisch lohnt. Die Probe war besser als andernorts die Premieren. Dazu dann mehr nach der Vorstellung am Freitag.
Ursprünglich war Peter Lund als Regisseur für Alessandro angekündigt. Lund hatte das Karlsruher Erfolgsstück Big Money inszeniert und hatte sich auch als Händel Regisseur bereits einen Namen gemacht, als er 2008 in Saarbrücken Agrippina sehr erfolgreich auf die Bühne brachte. Sein Name wurde allerdings im Herbst letzten Jahres ausgetauscht durch den jungen und praktisch unbekannten Regisseur Alexander Fahima, der in Heidelberg Verdis Otello betreute und der nun in Karlsruhe eine sehr gute Personenregie abliefert.
Händels Alessandro hat man oft Dramaturgielosigkeit vorgeworfen. Sie hat keinen starken Handlungsfaden, sondern ist eher eine an der Verteilung von Arien orientierte Nummernoper. Im Beiheft erläutert der Regisseur seine Idee "den 3 Akten ein unterschiedliches Licht und dem Singen eine differenzierte Dringlichkeit zu geben." Das ist auch gelungen! Unterstützt von Claudia Doderer, die für Bühne und Kostüme verantwortlich ist, konzentriert sich der Regisseur darauf, die Konstellation der Personen zu verdeutlichen und Musik und Text dabei einfließen zu lassen.
Die drei Hauptfiguren tragen in jedem Akt andere Kostüme, die Anleihe bei verschiedenen Stilen und Zeiten nehmen und gelungen die Charakterisierung der Personen unterstützt. Die Bühne wirkt etwas karg und einfallslos und gewinnt während der Aufführung nicht viel hinzu; es passiert im 1. Akt lange wenig, erst später und in den folgenden Akten werden Licht und Bühnenelemente stärker eingebunden.
Beim Probenpublikum scheint Alessandro sehr gut angekommen zu sein. Morgen ist die Premiere, danach folgen 4 Aufführungen. Wer Karten hat, kann sich freuen!
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