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Sonntag, 5. Februar 2023

Bizet - Carmen, 04.02.2023

Multiple Funkenlosigkeit
Die neue Karlsruher Carmen ist keine Inszenierung für Einsteiger oder Neulinge. Das im spanischen Andalusien spielende Eifersuchtsdrama zwischen der Zigeunerin Carmen und dem Basken Don José wird einigen Perspektivwechseln und Eingriffen unterzogen: es gibt kein spanisches Flair, weder Sonne noch Hitze, sondern nur Nacht. Die Handlung wurde umgedeutet, die Regie stellt Don José so sehr in den Mittelpunkt, daß die beiden weiblichen Rollen nicht nur Nebenfiguren werden, sondern in gewisser Weise verschmelzen, denn dramaturgisch orientiert man sich weniger am Libretto und dafür an der literarischen Vorlage, die nur Carmen kennt, aber nicht Micaëla, was zu mancher Ungereimtheit führt. Dazu hat man die Rezitative gestrichen und bringt von einem Schauspieler gelesene Erläuterungen zu Josés Gedanken als Tonkonserve zwischen einzelnen Szenen und teilweise während der Musik zu Gehör. Vieles ist diskutabel und wirkt ziemlich weit hergeholt, aber man kann der Inszenierung zugute halten, daß sie konsequent und intelligent erdacht ist. Manche Stimmungsbilder lassen erahnen, daß diese Carmen einiges an Potenzial hätte haben können. Doch knapp vorbei ist auch daneben. Die neue Carmen ist zu sehr Kopfgeburt, die die Musik nicht fühlt, die die Leidenschaft nicht kennt, die kein Feuer spürt, und nicht nur die Inszenierung leidet, auch aus dem Orchestergraben tönt es seltsam farblos und wäre da nicht die bemerkenswert schöne Tenorstimme von Jenish Ysmanov als Don José, würde gar nichts in dieser Produktion Funken schlagen. Selten erlebt man eine so sterile Carmen, bei der das Publikum lange fremdelt.

Samstag, 21. Januar 2023

Wie war denn die Carmen-Premiere?

Um mal aus dem Nähkästchen zu plaudern: umso mißratener eine Premiere, desto mehr Leser hat dieser Blog. Am Folgetag schnellt die Leserzahl stets nach oben, wenn es bis Mittag bereits eintausend Besucher gab, dann waren das nicht nur Neugierige, sondern viele Enttäuschte des Vorabends, die auch in den Tagen danach verstärkt schauen, ob und welche Kommentare es gab. Der fliegende Holländer erlebte innerhalb von 72 Stunden ca. 4000 Seitenaufrufe - die Statistik verrät die Pleite, Erfolge kommen im gleichen Zeitraum auf ca. 2500 Aufrufe. Der urlaubsbedingt abwesende Autor dieses Blogs kann also aus statistischer Betrachtung erahnen, wie die Premiere von Bizets Carmen am 21.01.23 beim Publikum ankam, dennoch freue ich mich über jeden Kommentar, da ich erst die dritte oder vierte Aufführung besuchen kann. Wie war denn die Carmen-Premiere? Erfolg, Unentschieden oder Pleite? Zum Hinhören, zum Wiedersehen oder erneut zum Wegsehen? 

Mittwoch, 15. Juni 2016

Bizet - Carmen, 14.06.2016

Das Ende der Vielfalt
Die Marginalisierung des Opernbetriebs erreicht in der kommenden Spielzeit bekanntlich einen neuen Tiefpunkt: die Karlsruher Oper wird nur noch 15 Opern über die Spielzeit verteilt dem Publikum präsentieren können, vor 10 Jahren war man ungleich leistungsstärker: 23 Opern standen auf dem Jahresprogramm - eine Vielfalt, die Generalintendant Spuhler dem Karlsruher Publikum nicht zumuten will. Den Anschluß an Mannheim hat man verloren: in der kommenden Saison wird man dort für sein Publikum acht Premieren und 15 WIederaufnahmen auf die Beine stellen, Karlsruhe hat unter GI Spuhler freiwillig und ohne finanzielle Not auf sieben Premieren und acht Wiederaufnahmen gekürzt. Auch im Monatsspielplan macht sich das bemerkbar: im Juni 2016 kann man fünf verschiedene Opern hören, vor zehn Jahren waren es noch acht. Die Karlsruher Oper erreicht in der kommenden Spielzeit einen programmatischen Tiefpunkt, wenig Abwechslung, viel Monotonie - ob sich bis zum neuen Intendanten noch etwas positiv entwickeln kann, scheint mehr als fraglich.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Bizet - Carmen, 09.01.2013

Man kann die Thorwald-Inszenierung bemängeln, aber man muß auch eines eingestehen: diese Carmen ist die ideale Einstiegsoper für Neu- und Gelegenheitsbesucher. Das Publikum wird nicht durch überraschende Regieeinfälle abgelenkt, sondern schaut und hört unbelastet zu und hat Spaß an einer bekömmlichen Präsentation, die musikalisch sehr gut besetzt ist. Man könnte fast behaupten, daß es heutzutage eine mutige Regie ist, die sich selber bescheiden im Hintergrund hält und auf besondere Originalitätsbeweise verzichtet, um ein möglichst großes Publikum zufriedenzustellen. Ständig ausverkaufte Vorstellungen im zehnten Jahr nach der Premiere und persönliche Erfahrungen mit Besuchern scheinen dies zu bestätigen.

Sonntag, 4. November 2012

Bizet - Carmen, 03.11.2012

Diese Carmen war vor 10 Jahren im November 2002 die erste Opernpremiere des damaligen neuen Intendanten Achim Thorwald bei der er in Karlsruhe auch selber Regie führte. Die Produktion zeigte bereits alles, was den Regisseur Thorwald in den folgenden Jahren kennzeichnen sollte: verlässliche Inszenierungen, die sich nie in den Vordergrund drängen. Nun wurde die beliebte und oft gezeigte Carmen  wieder auf den Spielplan genommen: in fast durchgängig neuer Besetzung - und auch bei der 40. Aufführung wurde sie vor ausverkauftem Haus zum Erfolg und vom Publikum dankbar beklatscht. Der anwesende Achim Thorwald kam beim Schlußapplaus ebenfalls auf die Bühne.