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Dienstag, 12. September 2023

Vorschau auf die Spielzeit 2023/24 (2)

Franco Fagioli in Polifemo, Michael Spyres als Lohengrin und Karine Deshayes als Norma! Spannend, was die Oper in Straßburg für die bevorstehende Saison ankündigt. Dem Badischen Staatstheater fehlt es dagegen weiterhin an Glanz und Charisma. Die Freude am Theaterbesuch ist nicht nur dem Verfasser dieser Zeilen über ein Jahrzehnt merklich ausgetrieben worden. Manch einer bleibt lieber weg und ob diese Wegbleibenden 2024 einfach wieder ins Theater zurückkommen, steht auf einem anderen Blatt. Doch einiges kann nun endlich in absehbarer Zeit zum Orkus hinab gespült und hoffentlich vergessen werden. Manche werden 2023/24 (mehr auch hier) lieber abwarten, was der kommende Intendant ab 2024/25 anbietet und den Eindruck haben, daß es sich nicht mehr lohnt, die Aporien von Schauspiel- und Operndirektorin zu ertragen. Über ein Jahrzehnt war es intendantengewollte Mode bei den Karlsruher Theaterverantwortlichen_innen, ein verklemmtes Verhältnis zur Erotik zu pflegen. Zu oft wurden Theater und Bühne zum Zwecke der Selbstbefriedigung instrumentalisiert, statt das Publikum zu beglücken. Eine unfreiwillige Komik liegt in Verhalten und Selbstdarstellung eines Theater mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung und einem onanistischen Sendungsbewußtseins, bei der man als Zuschauer nicht über Komödien auf der Bühne lachen durfte, sondern über das künstliche "Empowerment" des Führungspersonal, das sich ungewollt selber dekonstruierte. Als Höhepunkte in der langen Reihe unfreiwilliger Komik darf einerseits der Moment gelten, als der Intendant, der Die Würde des Menschen ist unantastbar kanzelhaft an die Brüstung pinseln ließ, wegen würdelosen Verhaltens gegenüber den Angestellten aus dem Theater geworfen wurde. Und daß die 100% Regie-Frauenquote im Schauspiel so in die Hose ging und lediglich zeigte, daß weibliche Regisseure genauso langweiliges ideologisches Theater machen können wie zuvor die ausgesuchten Männer, wird noch lange als Quelle von Komik dienen können. Doch abgesehen von den Konflikten und Ärgernissen, von Hybris und Heuchelei, wird 2011-2024 als eine Zeit in Erinnerung bleiben, die in Schauspiel und Oper nur sehr wenig erinnerungswürdige Produktionen und Publikumsdauerbrenner auf die Bühne und stattdessen Personen ins Amt brachte, denen es vorrangig darum zu gehen schien, sich selber und ihre Allüren in den Mittelpunkt ihres Klienteltheaters zu stellen, statt Theater für das Publikum zu machen. 

Montag, 8. Mai 2023

Zur Abschiedssaison in der Oper

Das Ende von Vielfalt und Leistungsfähigkeit
Die Karlsruher Oper hat seit 2011 skandalös gelitten. Das Abschiedsjahr ist immer auch noch mal ein Beweis der eigenen Leistungsfähigkeit, und wer wissen will, was die Intendanz der Jahre 2011-2021 der Karlsruher Oper angetan hat, der muß nur einen Blick auf die einstige Programmvielfalt werfen. Hier eine Übersicht von drei letzten Spielzeiten und ihres Programmangebots:


Man muß sich in der Direktion des Badischen Staatstheaters fragen lassen, wie man dort die zig Millionen Euro verwendet hat, die man für die Programmgestaltung vom Steuerzahler bekommt?!? Wie konnte die größte, teuerste und publikumswirksamste Sparte so schrumpfen? Wo ist das Geld hin verschwunden, daß der Oper nicht mehr zur Verfügung stand? Welche Personen tragen Verantwortung für diese Mißwirtschaft?

Und auch das Fazit der 2024 scheidenden Operndirektorin Nicole Braunger kann bitterer wohl kaum werden: 

Freitag, 5. Mai 2023

Vorschau auf die Spielzeit 2023/2024

Das Jahr der lahmen Enten
Ein wenig scheint es ja, als ob man am Badischen Staatstheater Angst vor seinem Publikum hat. Abonnenten müssen bis Ende Mai für die kommende Spielzeit kündigen, eine Monat Bedenkzeit oder mehr hatte man früher. Nun zögert man es heraus, die kommende Spielzeit bekannt zu geben, als ob weniger Frist die Enttäuschten und Unentschlossenen eher vom Abwägen abhalten. Eine sehr langweilige Spielzeit nähert sich dem Ende, das letzte Jahr der Übergangsintendanz steht bevor, 2024 wird mit dem neuen Intendanten ein echter Neustart erhofft, der das Badische Staatstheater aus dem grauen Tal des Mittelmaßes führen soll. Die Luft ist raus, und viele werden für die kommende Spielzeit erhofft haben, daß nichts mehr unter Wert auf die Bühne kommt, an was man lieber Ansprüche stellen will und Oper und Schauspiel keine Lieblingsstücke verbrennen, auf die man dann wieder Jahre warten muß. Jahrzehntelang freute sich der Autor dieses Tagebuchs auf die Ankündigung der kommenden Saison und verband damit die Vorfreude auf spannende Produktionen. Dieser Anspruch wurde stetig gesenkt, inzwischen meiden viele frühere regelmäßige Besucher das Badische Staatstheater und warten lieber ab, welche Produktion nicht enttäuschen könnten. Die wahren Enthusiasten unter den Zuschauern sind auch in der gefühlten 2. Liga treu geblieben, aber die Erwartungshaltung, es werde schon nicht noch trüber werden, hat den Blick in die falsche Richtung gewendet. Die Anspruchshaltung ist bei vielen im Keller, und da gehört sie nicht hin. Nun denn, in einem Jahr freut man sich auf 2024/25, bis dahin wird man sich mit folgenden Produktionen begnügen müssen: