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Montag, 3. Februar 2020

Wagner - Tristan und Isolde, 02.02.2020

Grandiose Vorstellung zum Schwärmen
Der Abschied von Justin Brown als Generalmusikdirektor rückt näher, gestern gab es Browns letztes Wagnerdirigat bei einem seiner Paradestücke. Die letzte von fünf Aufführungen von Tristan und Isolde (mehr zur Premiere hier) war noch mal ein Beweis der Kompetenz des Briten und eine außergewöhnlich gelungene Aufführung aller Beteiligten.

Sonntag, 30. Juni 2019

Debussy - Pelléas et Mélisande, 29.06.2019

Ein theoretisches Meisterwerk der praktischen Langeweile
Pelléas et Mélisande (UA 1902) ist eine ambitionierte und ungewöhnliche Oper, die dafür berüchtigt ist, außergewöhnlich langweilig zu sein. Bei der letzten Aufführung im Badischen Staatstheater -einem Gastspiel der Straßburger Oper im März 1991- leerten sich nach der Pause die Plätze merklich, zäh wie ausgekauter Kaugummi zog sich die Vorstellung, und das ist eine Erfahrung, die man bei Inszenierungen der einzigen Oper Debussys mehrheitlich machen kann. Die rätselhafte Handlung beinhaltet kaum Höhepunkte und Zuspitzungen, es geht emotional und psychologisch leise und subtil zu, auch akustisch findet man nur sehr wenige Fortissimos. Das Klangbild ist in einem Maße vergeistigt und kann beim Zuhören so entmaterialisiert wirken, daß es quasi substanzlos klingt - manch einer mag das lyrisch, meditativ oder sogar spirituell nennen, andere werden es als undramatisch und blutleer beschreiben,  "eine Art von dünnem poetischen Aufguß .... bei dem man nicht recht weiß, warum die Konflikte eintreten, unglaubwürdig, wie sie werden, wenn sie sich zwischen Personen entwickeln, die nie ein Wort lauter als das andere aussprechen dürfen", so benannte der Komponist und Dirigent Pierre Boulez diese Vorbehalte gegen die ca. 150-minütige Oper. Ein hellhöriger deutscher Musikkritiker bezeichnete zu Beginn des letzten Jahrhunderts und wenige Jahre nach der Uraufführung Debussys Oper als "ein Werk von prinzipieller Bedeutung". Die Karlsruher Oper nähert sich diesem prinzipiell bedeutsamen Werk auf engagierte Weise, musikalisch und sängerisch ist man sehr gut aufgestellt, gegen die praktische Langeweile dieser Oper kommt man dennoch kaum an.  

Sonntag, 9. Juli 2017

Mozart - La Clemenza di Tito, 08.07.2017

Inspirierter Mozart in stinklangweiliger Inszenierung
Die letzte Opernpremiere der Spielzeit widmet sich Mozarts letzter Oper (deren Uraufführung 90 Tage vor seinem Tod stattfand), die nach der Französischen Revolution von 1789 im Aufführungsjahr 1791 anläßlich einer böhmischen Königskrönung als feudales Auftragswerk innerhalb kurzer Zeit entstand und die längste Zeit wenig geschätzt wurde - Intrigen, die immer zu früh kommen und Arien, die immer zu spät kommen, lautet ein verbreitetes Bonmot über diese Oper. La clemenza di Tito ist Mozarts Werk über einen Terroranschlag, es ist aber auch vor allem eine Oper über triefende Gnade und handelt vom Vergeben, Verschonen, Verzeihen und Verzichten. Die neue Karlsruher Produktion entscheidet sich gegen Aktualisierungen und sogar gegen eine Inszenierung, was man sieht, ist ein ideenloses, biederes Arrangement ohne jeden aufregenden Moment und die schwächste Leistung der Saison. Gerettet wird dieses Fiasko eines szenischen Nichts durch großartige Sänger und eine hochinspiriert musizierende Badische Staatskapelle.

Montag, 12. Dezember 2016

Wagner - Die Walküre, 11.12.2016

Seit der wackligen Übernahme der Intendanz durch Peter Spuhler manövriert sich das Badische Staatstheater immer wieder orientierungslos wirkend in den Krisen- und Zweifelmodus. Die Intendanz benötigt Erfolge, um zumindest den Anschein qualitativer Normalisierung zu beweisen. Einem prestigereichen Premierenabend wie bei der Walküre kommt dann entscheidende Bedeutung für die Außendarstellung zu - doch auch gestern galt: Mehr Schein als Sein!
Richard Wagners Walküre gehört im Hochgebirge der Opernwelt zu den höchsten Gipfeln des Himalaya. Nichts sollte für einen Regisseur einfacher sein, als diese Oper zu inszenieren, deren Dramatik so offenkundig ist, deren Fallhöhe ihrer Figuren nur alles oder nichts, Sieg oder Niederlage, Macht oder Ohnmacht, Tod oder Leben kennt. Alles ist existentiell, nichts beliebig - Hochspannung zwischen tragischen Wechselfällen. Die Walküre ist groß, größer, überlebensgroß. Regisseur Yuval Sharon erklärte folglich "Man hat selten die Möglichkeit, so ein tolles Stück auf die Bühne zu bringen!“ und lieferte doch nur eine bestenfalls durchschnittliche Arbeit ab, deren Personenregie die Spannung oft nicht trägt oder sie nicht steigern kann. Sängerisch bleibt man dazu klar hinter der letzten Walküre aus dem Jahr 2005 zurück. Die Gewinner der gestrigen Premiere waren Justin Brown und die Badische Staatskapelle sowie Ewa Wolak und auch Katherine Broderick, die neu im Ensemble ist.

Sonntag, 10. Juli 2016

Wagner - Das Rheingold, 09.07.2016

Nicht alles, was glänzt, ist Gold
Ein neuer Nibelungen-Ring beginnt in Karlsruhe und beginnt auch wieder nicht, denn innere Zusammenhänge und Folgerichtigkeit kann man bei vier Regisseuren nicht erwarten und schon gar nicht voraussetzen und sogar bei den vier Szenen des gestrigen Rheingolds kann man sie bereits vermissen. Jede Oper wird für sich produziert, man ahmt das Stuttgarter Konzept des damaligen Intendanten Klaus Zehelein von 1999 nach. Die vier Regisseure in Karlsruhe nehmen keinen inhaltlichen Einfluß aufeinander, es soll aber einige wenige szenische Bezüge geben, die vier Inszenierungen scheinen sich nicht ganz hermetisch gegeneinander abzugrenzen.
Das neue Karlsruher Rheingold muß mit zweierlei Maß gemessen werden: die musikalisch ansprechende Premiere hatte doch eine zentrale Schwäche. Die Inszenierung ist kurzweilig und unterhaltsam, teilweise visuell augenfällig attraktiv mit vielen guten kleinen Einfällen und ist doch nur gutes Handwerk, dem etwas Entscheidendes fehlt - es ist ein Rheingold ohne Sinn und Tiefe und ohne Personenentwicklung. Zum Ansehen und Anhören, aber nicht zum Mitdenken. Der gestrige Auftakt geriet szenisch seltsam bedeutungslos, eine Illustration ohne Folgen, Ideen ohne Aussage, ein unwesentliches Rheingold, nett anzuschauen, doch ohne Triftigkeit und in gewisser Weise eine verpaßte Chance für den Regisseur und die Karlsruher Oper.

Montag, 28. März 2016

Wagner - Tristan und Isolde, 27.03.2016

Der Mount Everest der Operngeschichte 
Regisseur Christopher Alden legte vorab lobenswerterweise die Meßlatte auf die richtige Höhe: "Der Tristan ist schlicht und ergreifend der Mount Everest der Operngeschichte und den muß man erst einmal erklimmen. Und damit meine ich nicht nur die musikalische Herausforderung, vor der die Sänger stehen, sondern auch den inhaltlichen Reichtum, der allen Beteiligten einiges zu denken gibt." Alden löste die zu erklimmende Höhe zwar nur bedingt ein, gute und sterile Regie-Momente lösen sich ab, Sänger, Dirigent und Orchester zielten gestern deutlich höher. Und so gab es viel Applaus für alle und Bravo-Rufe für die Sänger, Musiker und den Dirigenten.

Montag, 28. April 2014

Wagner - Die Meistersinger von Nürnberg, 27.04.2014

Glanz und Elend des Regietheaters
Als gestern nach fast 6 Stunden gegen 23 Uhr der letzte Vorhang fiel, war der Zuschauerraum schon deutlich geleert. Der scheidende Operndirektor Joscha Schaback hatte mit dieser Inszenierung das Publikum polarisiert: wütende Buh-Rufe und begeisterte Bravos hielten sich die Waage. Es war die bisher umstrittenste Premiere der letzten drei Jahre, die neue Perspektiven eröffnete, aber dafür den Preis der teilweisen Beziehungslosigkeit zwischen Inhalt und Form zahlte. Eine reichhaltige Inszenierung mit eklatanten Defiziten. Ein durchaus sehr spannender Abend, bei dem sich aber nicht wenige nach der Lohengrin-Pleite fragten, wie erneut ein so diskutables Konzept für eine Wagner-Oper durch die internen Qualitätskontrollen der künstlerisch Verantwortlichen im Badischen Staatstheater kommen konnte. Es handelt sich um eine Inszenierung, die nicht für sich alleine sprechen kann und zu deren Vorbereitung es sich unbedingt lohnt, im Programmheft die Absichten des Regisseures (Seite 28 ff) zu lesen.

Montag, 2. April 2012

Wagner - Lohengrin, 01.04.2012

Manche Opernpremieren sind Prestige-trächtiger als andere. Die erste Inszenierung der neuen Opernleitung war beispielsweise in dieser Hinsicht wichtig: Berlioz' Trojaner waren grandios und ein großartiger Start in die neue Spielzeit. In einer Wagner-Stadt wie Karlsruhe, die zu den ersten und  traditionsreichsten Orten der musikalischen Wagner-Pflege gehört, wird jede Wagner-Premiere zu einem Prüfstein für das Opernhaus und seine Verantwortlichen. Bei der gestrigen Lohengrin-Premiere lag also viel Vorfreude und Spannung in der Luft. Doch leider folgte einer der misslungensten Abende der - ja man kann es sagen - der letzten Jahrzehnte. Ich kann mich nicht erinnern, wann es zuletzt so viele Buh-Rufe für ein Inszenierungsteam gab. Sogar der stark kritisierte (und inzwischen fast schon etablierte) Rigoletto verblasst dagegen.