Mittwoch, 29. Mai 2019

Auf der Suche nach Kompetenz

Von Zierfischchen und Alphatierchen
Uiuiuiuiuiuiui! Das Personalkarussell am Badischen Staatstheater dreht sich wieder, Verschleiß fordert Tribut und aufmerksame Beobachter wissen kaum, worüber sie als erstes lachen sollen. Kann man diese wiederkehrenden Beschwerden als akute Spuhleritis bezeichnen?
   
Geht also nix in der "Frauenherde" der Spartendirektorinnen ohne den männlichen Chef?!? Mannheim und Stuttgart haben Intendanzteams mit künstlerisch unabhängigen Spartenintendanten, nur das zurückgebliebene Karlsruhe pflegt das überkommene "Führerprinzip" mit höherer Gage für den Chef (oder gibt es etwa keinen Gender Pay Gap zwischen dem Generalintendant und seinen Direktorinnen? Anna Bergmann verdient weniger als Peter Spuhler, obwohl sie eine Sparte leitet, oder?). An einem Theater dreht sich alles um Kunst, die künstlerische Leitung ist das Aushängeschild des Theaters. In Karlsruhe ist das immer noch der Generalintendant, er hat stets das letzte Wort und ist gesamtkünstlerisch verantwortlich. Nun brauchen weder Birgit Keil oder Bridget Breiner noch Anna Bergmann oder Justin Brown eine künstlerische Aufsicht, aber Peter Spuhler betont seine Funktion als Alphamännchen und benötigte nach Linders Abgang jemand, damit "meine Künstlerische Stellvertretung in den besten Händen" sei. Die Betonung "meine Künstlerische Stellvertretung" wird einige zum Grinsen bringen, Intendant Spuhler inszeniert selber nicht, zumindest nicht in Karlsruhe - und er wird wissen, warum er sich nicht regelmäßig künstlerisch zu Wort meldet. Zu melden hat der Intendant also anscheinend nichts, seine Aufsicht scheint im Verhindern zu bestehen, man hört gelegentlich Gerüchte, daß er sich schon mal bei Proben einmischt und belehrt. Ob das respektiert wird? Na ja, schreiben wir es mal so - er wird wahrscheinlich keine Umfrage starten, um seine Kompetenz von seinen Kollegen beurteilen zu lassen. Die künstlerische Betriebsdirektorin Uta-Christine Deppermann übernimmt von Jan Linders die Funktion der Stellvertreteterin des Generalintendantin in künstlerischen Angelegenheiten.
 
Ach ja, Jan Linders, der als glückloser Schauspieldirektor ein Einsehen hatte und nach fünf Jahren einen Irrtum beendete und aufgab, um sich direkt dem nächsten Irrtum zu widmen: Linders fiel finanziell weich, der Intendant hatte ihm den Posten des "Chefdramaturgen" gebastelt, den es zuvor lange nicht gab. Wer nun als Zuschauer nach Leistungsbeweisen des "Chefdramaturgen" sucht, wird nicht wirklich fündig - Linders betreute kaum Abo-Vorstellungen, also die Stücke, die besonders viel Publikum haben. Und wer nun nach intellektuell anspruchsvollen Texten sucht oder nach einem Beleg für die Mittlerrolle des Dramaturgen zwischen Autor bzw. Stück, Inszenierung und Publikum, der wird keinen Erfolg haben. Linders hat praktisch nichts geschrieben, nichts Wesentliches betreut, die Qualität des geschriebenen Worts stieg nicht, er versteckte sich hinter eher belanglosen und überflüssigen Projekten, die kaum Publikum anzogen, aber für die Intendanz reputationsfreundlich und karrierefördernd wirken sollten (könnte man sie als Bewerbungsprojekte auf Kosten des Steuerzahlers nennen?). "Von Karlsruhe aus macht man Karriere" - bitter genug für Intendant Spuhler, Linders konnte einen attraktiven Job in Berlin bekommen. Ein Schelm, wer nun lachen will ....
   
Ab Juni 2019 wird Laura Åkerlund in Nachfolge von Jan Linders Chefdramaturg und dazu Beauftragte für Internationales, Interkulturelles, Vernetzung und Human Resources, sie soll "ihre Erfahrungen in skandinavischen Methoden der Personalentwicklung einbringen". Na, da hat die Finnin einiges vor, denn ihre Tätigkeit war bisher an einem winzigen finnischen Opernhaus, das Badische Staatstheater gleiche dagegen einem "Kreuzfahrtschiff", so Åkerlund. Eine bittere Ohrfeige für Operndirektorin Nicole Braunger ist die offizielle Aussage zu Åkerlund: "Die Oper wird von ihrer Erfahrung im Musiktheater profitieren." Tja, da scheint es also Lücken und Bedarf zu geben. Dennoch gilt: ob sie in die Aufgabe wachsen kann, muß sich erst noch erweisen.

So viele Personalwechsel in so wenigen Jahren, viele finden schnell was Besseres oder wollen einfach nur weg, nur wenige haben eine Lücke hinterlassen. Das Ergebnis wirkte oft wie ein Learning-on-the-job. Experimentiert wurde zu Lasten des Publikums und auf Kosten des Steuerzahlers. Der künstlerische Ertrag war so gering, daß man der Intendanz eine Revision schicken müßte, nur gibt es leider kein künstlerisches Kompetenzamt. Scheint es nur so oder könnte man sagen, der Intendant engagiert am liebsten Mitarbeiter, die ihm nicht gefährlich werden können. Loyalität aus Dankbarkeit für einen Posten, der nicht selbstverständlich ist. Wurde Frank Beermann als GMD deshalb verhindert? Es darf keinen Star geben, der den Intendanten überstrahlen könnte? Manchmal scheint es, daß Duckmäusertum eine Voraussetzung ist, um eine Karriere vortäuschen zu können.

Fazit: Im Zierfisch-Aquarium finden sich keine großen Fische, Flachwasserplanscher trauen sich nicht ins tiefe Wasser und auch sonst: wer lachen will, muß in Karlsruhe nicht ins Theater, die Komödie wird nicht auf der Bühne gespielt.

1 Kommentar:

  1. @anonym: Vielen Dank für den Hinweis zum SWR und das abstruse Gespräch aus dem Elfenbeinturm.

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