Dienstag, 1. Januar 2019

Mumpitztheater (9): Desinteresse statt Jubiläum

Die überforderte Intendanz
Am Sonntag, den 13. Januar 2019 feiert das Badische Staatstheater seinen 300. Geburtstag. Was hätte wohl eine andere Theaterleitung aus diesem Anlaß gemacht!?! Eine andere Intendanz hätte gezeigt, wie kreativ, einfallsreich und wertvoll das Theater ist, man hätte ein entsprechendes Programm auf die Beine gestellt, eine besondere Spielzeit, ein Festival oder ein Festmonat mit besonderen Aufführungen, früheren Ensemblemitgliedern, Gästen, Gastspielen und aktuellen Stars, ein Anlaß zum Feiern mit klarem künstlerischen Mittelpunkt - Bühne und Aufführungen und die geballte Kreativkraft des Badischen Staatstheaters. Doch die aufmerksamen Besucher des Badischen Staatstheaters wissen, daß genau hier die (Kreativ-)Schwäche der Karlsruher Theaterleitung liegt und es kaum überraschend ist, wie uninspiriert, spießig, freudlos, desinteressiert bzw. überfordert es wirkt, was Intendant Peter Spuhler zum Jubiläum zu bieten hat. Und auch zur weiteren Herabwirtschaftung der Oper gibt es gleich zu Jahresbeginn unschöne Gerüchte.

Ein Jubiläum von oben  
Um eine Religion zu verstehen, müsse man sich auf ihre Rituale konzentrieren, nicht auf ihre Theologie, sagte der französische Soziologe Émile Durkheim. Das kann man auch auf (Kultur-)Politik und ihre Rituale übertragen. Man muß sich in Karlsruhe mit einem armseligen Jubiläumstag am 13.01. zufriedengeben, an dem Politiker Sonntagsreden halten und die Bühne zur Selbstdarstellung instrumentalisieren. Das Publikum wurde aufgefordert, selbstgebackenen Kuchen mitzubringen, um sich bei Kaffee und Tee friedlich zu stimmen, später gibt es Ansprachen und ein bißchen symphonische Musik und Gesang. Die vorgetäuschte Feier der Hochkultur als Kaffeekränzchen mit bürgerlicher Akklamation gegenüber seinen politischen Anführern und wahrscheinlich einigen Alibiphrasen - zu mehr wird es kaum reichen. Im Rahmen eines Jubiläums wäre das als einer von mehreren Bestandteilen angebracht und als politisches Bekenntnis eine Ergänzung, als alleiniger Festakt ist dieses Jubiläum peinlich ideenlos heruntergespuhl(er)t. Doch rituelle Biederkeit und Spießigkeit sind wieder hoffähig, die Intendanz des kunstlosen Brotes scheint ambitionslos auf der niederen Höhe der Zeit.
  
Wird die  Herabwirtschaftung der Oper 2019/2010 weiter vorangetrieben?
Aus der Baumeisterstraße hört man aktuell ein unschönes Gerücht. In der Spielzeit 2019/2020 könnte die Anzahl der Opernpremieren weiter reduziert werden, anscheinend nur noch fünf (5) neue Operninszenierungen könnte es dann geben. Sollte sich das als zutreffend erweisen, hätte man in Karlsruhe genau so viele Opernpremieren wie in Pforzheim und Heidelberg vorzuweisen. Eine beispiellose Herabwirtschaftung und Provinzialisierung des Staatstheaters zum Stadttheater würde damit dann wahrscheinlich ihr Ziel erreichen. Ob das den Tatsachen entspricht, erfährt man erst im Frühling. Man kann nur hoffen, daß die seit dieser Spielzeit tätige Karlsruher Operndirektorin Nicole Braunger im Gegenteil mit Stärke reagiert und die üblichen 7 oder 8 Premieren auf die Beine stellt, um zu beweisen, daß es mit ihr keinen weiteren Raubbau an der verbliebenen Substanz gibt.

Theater als Gebrauchswert und Phrasendrescherei
Intendant Spuhler tritt anläßlich des vergeigten Jubiläums die Flucht nach vorn an, wenn schon die durch ihn reduzierte Theatergegenwart viel zu wenig zu bieten hat, dann vertröstet man mit Zukunftsvisionen. Das zukünftige Badische Staatstheater: "rund um die Uhr geöffnet, das Wohnzimmer für die Stadt". Helmut Schmidts imaginärer Rat an den Intendanten würde lauten: "Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen". Wieso sollte ein Theater rund um die Uhr geöffnet sein? Damit es als zentrale Toilettenlandschaft nachts das Zentrum der Stadt ist? Notdurft für alle? Und wieso ein Wohnzimmer? Statt der Banalität eines Gebrauchsraums kann man sich auch leicht das Gegenteil vorstellen: das Theater als Festsaal zur Feier des Besonderen, wo außergewöhnlich begabte und kreative Menschen ihre durch jahrelanges Üben gewonnenen Fähigkeiten unter Beweis stellen. In Anlehnung an Hemingway: das Theater - ein Fest fürs Leben. Das Besondere, nicht das Banale! - das macht Theater aus, das mit Millionen Euro subventioniert wird! Das Spuhlersche Theater als alltäglicher Gebrauchsgegenstand zur banalen Selbstdarstellung und ideologischer Phrasendrescherei hat eine stark lächerliche Komponente und fordert wegbereitend zu weiteren Einsparungen auf.

Zeitgeschehen als Realsatire, eine Intendanz als Karikatur
Wo Kunst nur noch Betrieb ist, wo eine Intendanz ohne Berufung und Begeisterung glaubt, ihre Karriere und ihre Selbstdarstellung stehen im Mittelpunkt, ergeben sich Bruchstellen, die man durch Humor freilegen muß. Es ist gute bürgerliche Tradition, mit Gelächter auf das Verhalten öffentlicher Personen und Institutionen zu reagieren. Welche Motive taugen als aussagekräftige Karikatur auf die Intendanz und als Satire auf das anstehende Jubiläum? Da die lokale Presse nicht kritisch hinterfragt, was Kulturpolitik und Intendanz aktuell am Badischen Staatstheater anrichten, werden hier demnächst Vorschläge folgen......

Kommentare:

  1. Sie haben sich gut auf den Intendanten eingeschossen - es hilft nur nicht weiter. Spuhler war und ist eine Fehlbesetzung, wie sie in der deutschen Theaterlandschaft gelegentlich vorkommt. In der Regel wird eine solche Fehlentscheidung nach meistens der ersten Vertragslaufzeit, auf jeden Fall aber bei der zweiten Gelegenheit korrigiert. Den Ausschlag gibt dabei der Druck der Öffentlichkeit auf den Verwaltungsrat, dessen Mitglieder wiedergewählt werden wollen. Für mich unfassbar: Dieser Druck ist kaum wahrnehmbar und wenn, dann als passiver Widerstand, d.h. Durch rückläufige Besucherzahlen z.B. In der Oper. Das reicht offensichtlich nicht, um den Verwaltungsrat aus seiner Lethargie zu reißen. (Als es darum ging, einen Pavel Fieber abzusägen, war das ganz anders. Bei Fieber könnte man allerdings nicht über Besucherrückgang klagen. Ergo: es gibt Dinge, die auch unseren Verwaltungsrat motivieren können).
    Sie, ich und alle Unzufriedenen sollten Spuhler ignorieren und dafür die Damen und Herren des Verwaltungsrates bei jeder Gelegenheit aufs Korn nehmen. Die können dieses Trauerspiel bzw. Mumpitztheater beenden - wir nicht. Zumindest nicht direkt.

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  2. Vielen Dank Herr Kiefer. Der Verwaltungsrat reagiert meines Erachtens nur auf Druckschmerz durch schlechte Zahlen - als Publikum sollte man also wegbleiben, um etwas zu verbessern. Und das ist die unglücklichste Variante, um Veränderungen zu erreichen.
    Pavel Fieber war wohl kein guter Diplomat in eigener Sache, Spuhler scheint eloquent und geht nicht auf Konfrontation - er wirke wie "ein netter älterer Herr" sagte jemand zu mir. Die grauen Haare wirken anscheinend seriös betagt. Ministerin Bauer scheint ihre schützende Hand auszubreiten und in Karlsruhe traut sich niemand Kritik zu äußern oder zu widersprechen.
    Steter Tropfen höhlt den Stein - wenn mir Intendant Spuhler schon die Freude am Theater nehmen will, dann kann ich hier zumindest dagegen anschreiben. Doch sonst scheint zu gelten, daß es zu wenige Theaterenthusiasten gibt, die sich engagieren können/wollen. Der Intendant scheint aus Gleichgültigkeit verlängert zu werden.

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  3. @TH: vielen Dank für die Infos zu den Händel Festspiele. Das sind positive Nachrichten: keine Stagnation, sondern man setzt wieder die Reihe der fehlenden Opern fort. Der Countertenor in der Hauptrolle war m.W. 2017 zu einem der kleineren Kirchenkonzerte bereits in Karlsruhe.

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  4. @anonym: Danke, es sind bisher nur Gerüchte, zu denen ich mich nichts weiteres gehört habe und ich mich deshalb nicht weiter äußern kann

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  5. @Puck: Vielen Dank! Bezüglich ihres Satzes:

    "Auch wir haben die „Einladung zum Kuchenbacken“ erhalten und werden sie ignorieren. Sowas macht der Kleintierzüchterverein und der Cäcilienchor auf dem Dorf – und dort es auch gut so, weil man sich kennt, wieder trifft und weiß, wer was gebacken hat."

    Wie wahr! Über die Bitte an die Abonnenten, selbstgebackene Kuchen beizusteuern musste ich laut lachen - man will wohl offiziell als Seniorentreff gelten und Senioren ansprechen. Anscheinend soll dieses Publikum nicht so kritisch sein und macht weder Witze noch Zwischenrufe, wenn die Politiker ihre Reden halten. Allerdings glaube ich nicht, daß Kretschmann offiziell Autogramme gibt und seine Bücher signiert. Das "Jubiläum" als Butterfahrt für Senioren - das klingt irgendwie wie eine Inspiration für die Intendanz.

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  6. Oper war noch nie das Ding von Hr Spuhler,warum sollte das jetzt anders sein?Party für 16 jährige (jeder bringt was mit) im Jugendtheater,das ist seins....P.S. was ne coole Sparidee,kannste so machen,is trotzdem Kacke

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  7. 100 Abonnenten bringen Kuchen mit

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    1. Ich hab auch beim Backen mitgeholfen, immerhin gab es für jeden Kuchen zwei Karten für den Festakt ;-)

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