Sonntag, 13. Januar 2019

Donizetti - Anna Bolena, 12.01.2019

Glanzvolles Gala-Glück
Am Vorabend des jubellosen Jubiläums zum 300. Geburtstag des Karlsruher Theaters durfte doch gejubelt werden: Anna Bolena war erneut berückend schön gesungen und musiziert.
 
Als Anna Bolena hatte man mit Elena Moşuc eine der bestmöglichen Besetzungen weltweit engagiert, die rumänische Sopranistin ist eine der führenden Belcanto- und Koloratursängerinnen und eine Sängerin, die sich den Ruf erarbeitet hat, gesangstechnischen Schwierigkeiten nicht auszuweichen. Spätestens seitdem sie 2013 bei Sony eine CD mit Arien von Donizetti vorlegte, gilt sie als Idealbesetzung - und dieser Reputation wurde sie gestern souverän gerecht. Eine schwerelose Stimme, die Koloraturen und Kantilenen mit starkem Ausdruck modelliert. Im Finale gelang ihr die Kombination von lyrischen und elegischen Momenten und dramatischer Steigerung. Ihre Anna war großartig gesungen, ein wunderbar freies Timbre, beseelter Ausdruck und starke Darstellungskraft. BRAVA!
Nicholas Brownlee
ist ein Glücksfall für das Badische Staatstheater, eine charismatische Bühnenpräsenz, eine intensive und kraftvolle Stimme, er hat sich innerhalb einer Spielzeit als Star des Hauses etabliert.
Als Lord Richard Percy sang Giulio Pelligra, der kurzfristig den erkrankten Ismael Jordi ersetzte. Pelligra sang die Rolle 2015 in Catania und 2017 in Parma, im kommenden Monat wird er sie in Rom interpretieren.  Pelligras Stimmfarbe mag es an Verführungskraft fehlen, Substanz und Kraft und schöne metallische Höhen sind aber ausreichend vorhanden, Percy klang bei ihm nie wehleidig und lamentierend.
Mit Ewa Plonka als Giovanna Seymour hat man ebenfalls einen Glücksgriff getan und man kann nur hoffen, daß man sie auch zukünftig in Karlsruhe hören kann.Wenn es eine Rolle für sie gibt, sollte man sie unbedingt wieder engagieren.

Fazit: Weiterhin zu wenige Besucher, aber wer gestern nicht dabei war, hat etwas verpaßt. Sehr viel besser kann eine Anna Bolena kaum auf die Bühne kommen - ein herzliches BRAVOOO an alle Beteiligten!

Kommentare:

  1. Volle Zustimmung !
    Ob Pelligra nun "besser" als Rodriguez war, darüber ließe sich trefflich streiten, mir hat "unsere" Hausbesetzung da wegen der vollen, weicheren Mittellage eher zugesagt. (Nebenbei: auch Pelligra verzichtet am Schluss auf das hohe d)
    Mosuc hingegen war unfassbar klasse. Gerade in ihrer großen Schlussszene zeigte sich der "Mehrwert" einer Gala-Aufführung: die Rumänin beherrscht eine zum Niederknien schöne mezza voce, baut zahlreiche, höchst individuelle Fiorituren ein und variiert in der zweiten Strophe regelmäßig - beim "coppia iniqua"verhedderte sie sich dabei sogar fast - bekam aber noch die Kurve mit einem grundsoliden hohen es. Hoffentlich gibt es ein Wiedersehen ! (Das dann beim Schlussapplaus etwas weniger divenhaft ausfallen darf.)
    (Florian Kaspar)

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  2. Vielen Dank Herr Kaspar für Ihre Weiterführung. Ja, Moşuc war eine Klasse für sich, sie machte nicht nur aus jeder Szene etwas, sondern überraschte, indem sie immer noch mehr herausholte.
    Rodriguez' reiche Mittellage verlieh Percy etwas Beredtes, fast Wehleidiges. Pelligra war der passende Kontrast, sein Percy war einfacher gestrickt, maskuliner. Für mich sind beide Alternativen akzeptabel, eine Entscheidung zwischen beiden fällt mit schwer.

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