Dienstag, 27. Oktober 2020

Patriarchendämmerung (28)

"Karlsruher Zustände kein Einzelfall: Intendant Peter Spuhlers Zeit in Heidelberg"
oder
Ein "neodfeudaler Machthaber" als Wiederholungstäter?
Der SWR berichtete letzte Woche (mehr hier), was bereits bekannt war (mehr hier): Intendant Spuhler scheint Wiederholungstäter, "Wutanfälle" und Schikane gab es bereits in Heidelberg.

2. Symphoniekonzert, 26.10.2020

Das 2. Symphoniekonzert der Pandemie-Spielzeit begann unruhig und erregt, wurde dann gelassen erhaben und klang zärtlich aus.

Sonntag, 18. Oktober 2020

Lehár - Die lustige Witwe, 17.10.2020

Krisen brauchen Komödien
Die erste Premiere im Musiktheater seit Februar konnte gestern stattfinden. In Baden-Württenberg wird ab Montag die Corona-Alarmstufe erhöht, das Robert-Koch-Institut meldete den dritten Tag in Folge ein neues Allzeithoch an Corona-Neuinfektionen und deutlich steigende Reproduktionszahlen. Wie im März, als die Politik das öffentliche Leben bei geringeren Zahlen zum Erliegen brachte, drohen neue harte Maßnahmen. Was bietet sich quasi am Vorabend einer stark aufflammenden Pandemie besser an, als sich zu amüsieren? Wer weiß, ob die Theater nicht bald wieder schließen müssen? Wer gestern Die Lustige Witwe in Karlsruhe erlebte, wird wohl besser temperiert und gelassener in die nächsten Tage gehen, die Freude, endlich mal wieder zu singen, zu spielen und zu musizieren war deutlich bemerkbar und übertrug sich aufs Publikum, das dann auch deshalb lange applaudierte, um Künstlern, Musikern und sich selber Zuversicht zuzuklatschen.

Patriarchendämmerung (27)

Führungskrise durch Politikversagen
Langsam aber deutlich rücken die künstlerisch Verantwortlichen von einem Verbleib des Intendanten ab. Die Karlsruher Ballettdirektorin Bridget Breiner hat  sich im Interview mit den BNN (und zwar hier) auch zur Krise um Intendant Peter Spuhler geäußert und relativiert dabei auch die Aussage von OB Mentrup, daß sich die Spartenleiter angeblich nicht gegen eine Zusammenarbeit mit dem Intendanten ausgesprochen hätten: "Daß man nicht gegen etwas ist, bedeutet nicht automatisch, daß man dafür ist. ... Aber was von den Theaterträgern bei der Vollversammlung der Belegschaft über die Aussagen der Spartenleiter verkündet wurde, hat mich schon überrascht. Denn es war – zumindest was mein Gespräch betrifft – großzügig interpretiert. Die Frage, ob ich persönlich mit Peter Spuhler arbeiten kann, könnte ich zwar bejahen. Aber das ist gar nicht die Frage, um die es hier geht. Sicher: Wir sind die nächste Ebene, und wenn wir Dinge übernehmen sollen, müssen wir dazu bereit sein. Letztlich aber geht es um das Haus mit allen seinen Mitarbeitern. Und da ist mein persönliches Gefühl, daß wir mit der Situation etwas allein gelassen werden."

Sonntag, 11. Oktober 2020

Virusbedingte Programmänderungen

Das Badische Staatstheater muß nun einräumen, was seit dem Sommer erwartet wurde: manche Programmpunkte der Spielzeit können nicht wie geplant auf die Bühne kommen. Zu großes Orchester, zu viel Chor, zu viel Nähe - es wird eine Spielzeit der kleinen Ansätze. Folgende erste Änderungen sind nun bekannt:

Donnerstag, 8. Oktober 2020

Der späte Strauss, 08.10.2020

Die Stimmung zur Intendanz
Die Karlsruher Oper hat als Sparte am stärksten gelitten unter der Herunterspuhlerung durch den Intendanten. Daß die Händel Festspiele ihren Status halten konnten, erklären manche mit deren internationalen Reputation, in deren Licht der Intendant sich sonnen konnte. Doch ansonsten dominiert eine ambitionslose und magere Hausmannskost. Insbesondere Richard Strauss kommt seit Jahren zu kurz, die Pflege seines Werkes findet in Mannheim statt (mehr hier), wo es zuletzt im Januar die zehntägigen Richard Strauss Tage gab. Karlsruhe hingegen scheint bis auf die Händel Festspiele inzwischen abgehängt. Doch auch hier ist mit dem neuen GMD Georg Fritzsch ein Hoffnungsschimmer am Horizont, auch wenn das Covid-19 Virus im 1. Symphoniekonzert Strauss' Alpensymphonie verhinderte und die geplante Opernpremiere der schweigsamen Strauss sinnvollerweise auf einen Zeitpunkt verschoben werden könnte, an dem das ganze Orchester Strauss zelebrieren kann. Man muß Fritzsch dankbar sein, daß er als kleines Lebenszeichen der Strauss-Pflege in Karlsruhe ein kurzes 75minütiges Programm unter dem Titel Der späte Strauss ins Programm genommen hat. Ein Konzert einerseits als Hoffnungsschimmer für eine Wiederbelebung der Karlsruher Oper nach dem Abgang des Intendanten. Ein Konzert andererseits, das in Betracht der Vorfälle um Intendant Spuhler zur Stimmung paßt.

Mittwoch, 7. Oktober 2020

Neuer Operndirektor gesucht

Bei den Stellenanzeigen des Deutschen Bühnenvereins finden sich auch Offerten des Badischen Staatstheaters (und zwar aktuell hier). Dort wird ab der Spielzeit 2021/22 ("früherer Einstieg erwünscht") ein neuer Operndirektor gesucht. Nicole Braunger wird also das Badische Staatstheater verlassen. Intendant Spuhler benötigt den vierten Operndirektor innerhalb eines Jahrzehnts, die Ursache kann man nach dem Abgang aller Operndramaturgen unschwer identifizieren. Braunger scheint kein Vertrauen in die eingeleiteten Maßnahmen zur Eindämmung von Intendant Spuhler zu haben.
Man sucht auch eine Assistenz des Generalintendanten in Elternzeitvertretung, eine kuriose Anforderungen scheint in Hinblick auf den Intendanten formuliert: "Besondere Sensibilität im Umgang mit dem künstlerischen Personal und deren Belangen."

Sonntag, 4. Oktober 2020

Die neuen Todsünden, 03.10.2020

Moralunterweisungen für den Kindergarten
Vieles paßt nicht zusammen und will nicht funktionieren bei der ersten großen Produktion der Spielzeit. Die sieben "Kurzdramen" zum altertümlich und sogar reaktionär anmutendem Thema Todsünde, die gestern im Karlsruher Schauspiel Premiere hatten, sind heterogen und leiden unter fehlender Qualität und Haltungsschäden vieler Texte, die teilweise peinlich plakative Geschichten erzählen. Die Geschichten rangieren zwischen Etikettenschwindel (es geht gar nicht um Sünde) und moralischem Pfaffentum (denn erneut sieht man vorgekautes und vorgegaukeltee Relotius-Theater: man konstruiert sich eine plumpe schwarz-weiße Handlung, um künstlich den Zeigefinger heben zu können und sich als selbsternannte Moralwächter aufzuspielen). Das fast vierstündige spartenübergreifende Potpourri mit Schauspielern, Sängern und Tänzern erwies sich als Pseudo-Spektakel, das fast eine Totalpleite geworden wäre, wenn nicht nach der Pause Timo Tank durch große Schauspielkunst aufgetrumpft hätte.

Donnerstag, 1. Oktober 2020

Despentes - Apokalypse Baby, 30.09.2020

Affektierte Leere
Romane sind keine Theaterstücke. Um erzählte Geschichten auf die Bühne zu bringen, braucht man einen Autor, der Epik in Dramatik überführen kann - und das scheitert regelmäßig. Im März, kurz bevor die Corona-Maßnahmen zur Schließung der Theater führten, versuchte sich das Karlsruher Schauspiel mit mäßigem Erfolg am Susan-Effekt (mehr hier). Neun Monate später scheint man weder weiter noch überzeugender. Die Inszenierung von Apokalypse Baby wirkt unbeholfen und überfordert.

Mittwoch, 30. September 2020

Patriarchendämmerung (26)

Vorgerstern hat die BNN ein Interview mit Georg Fritzsch gebracht (online nach Registrierung aktuell hier), indem der neue GMD den schlechten Ruf von Intendant Peter Spuhler bestätigt. Angesprochen auf die durch dessen Führungsstil ausgelöste Krise berichtet Fritzsch: "Die Diskussion an sich überrascht mich nicht, denn unter Theaterleuten ist die Situation in Karlsruhe schon länger bekannt." Tja, nur der Verwaltungsrat zeigte sich überrascht von der Eskalation und will von nichts gewußt haben.
 
Zweifel an einer Zukunft mit Peter Spuhler, der irgendwie an seinem Posten kleben will, äußert der GMD indirekt: "Daher kann ich nur hoffen, daß die nun in Gang gesetzten Entwicklungen wirklich zukunftsorientiert ablaufen und es ermöglichen, daß wir uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren können, nämlich Kunst zu machen." "Wirklich zukunftsorientiert" ist weder das Generalintendantenmodell noch eine Leugnung der Realität: nur noch wenige Politiker halten an Spuhler fest, doch mehrheitlich ist ihm das Vertrauen entzogen.

Fritzsch selber konnte übrigens für seinen Verantwortungsbereich offenkundig eine Einflußnahme durch den Intendanten verhindern: "In den Vertragsverhandlungen habe ich immer offen und ehrlich klargemacht, daß Handlungsfreiheit für mich eine Grundvoraussetzung ist. Insofern habe ich selbst kein Problem. Aber die Situation im gesamten Haus macht mir Sorgen."

Dienstag, 29. September 2020

1. Symphoniekonzert, 28.09.2020

Kultur ist Glücksversprechen
Nach 204 Tagen ohne Theaterbesuch endete für den Verfasser dieses Blogs gestern die längste staatstheaterfreie Periode seit über drei Jahrzehnten und die Vorfreude auf das Orchester, den neuen GMD und Beethoven hatte sich gebirgig aufgetürmt. Das Glücksversprechen wurde eingelöst. Georg Fritzsch ist aktuell der Hoffnungsträger am Badischen Staatstheater, er steht für das, was Intendant Spuhler dem Publikum und den Mitarbeitern des Badischen Staatstheaters verweigert: einen unbelasteten Neuanfang. Fritzsch ist nicht wie andere Spartenleiter in den letzten Jahren gezwungen, wegzuschauen, zu ignorieren oder zu relativieren oder lieber zu gehen, als den Windmühlenkampf gegen ahnungslose Politiker und selbstherrliches Führungspersonal aufzunehmen. Fritzsch kann sagen, was ist, er muß sich nicht in die Schweigespirale einfügen. Er wird auch daran gemessen werden.

Dienstag, 22. September 2020

Patriarchendämmerung (25)

Saisonstart im Stimmungstief (3)
Der SWR bleibt dran an der Intendantenkrise, das Auftreten von Intendant Peter Spuhler zum Saisonauftakt beim Theatertag wird deshalb auch deutlich kritisiert: "Wenn jemand im Saal gewesen wäre, der nichts wüßte von der heftigen Kritik seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an seinem Führungsstil, von dem Vertrauensverlust und der tiefen Krise, in die Peter Spuhler das Theater gestürzt hat, man hätte nach dieser kurzen Ansprache den Eindruck haben können, diese Krise hätte nichts mit ihm zu tun. Persönliche Betroffenheit und Verantwortungsübernahme sieht anders aus."

Der ganze Beitrag findet sich hier: https://www.swr.de/swr2/buehne/auftakt-der-spielzeit-am-badischen-staatstheater-corona-und-andere-krisen-100.html

Samstag, 19. September 2020

Patriarchendämmerung (24)

 Saisonstart im Stimmungstief (2)
"Deckel drauf und weiter so?" fragt der SWR (und zwar hier). "Der Personalrat hat mir von großer Skepsis unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern berichtet“, sagt Marie-Dominique Wetzel. Man habe die Befürchtung, daß man von Seiten der Theaterleitung, aber auch von Seiten der Politik auf Zeit spiele."

Montag, 14. September 2020

Vorschau auf die Spielzeit 2020/21 des Badischen Staatstheaters

Saisonstart im Stimmungstief
Nach den Skandalen um Intendant Spuhler ist der Kollateralschaden groß und aus Überdruß am Intendanten wird manchem die Freude auf die kommende Saison fehlen. Peter Spuhler ist als Intendant untragbar und eine Belastung für das Badische Staatstheater geworden. Die Sommerpause brachte ihm hoffentlich etwas Frischluft und Einsicht in seine Situation, die es angesichts der Proteste von allen Seiten gegen seine Intendanz aus demokratischem Anstand gebietet, den Weg frei zu machen für einen Neustart.
Was kann man von der bevorstehenden Spielzeit erwarten? Andere Theater haben frühzeitig erkannt, daß das Covid19-Virus nicht einfach verschwinden wird und ein Impfstoff frühestens 2021 zur Verfügung steht und einen entsprechenden Spielplan entwickelt. Die Pandemie wird voraussichtlich auch den Großteil der kommenden Spielzeit beeinträchtigen, wie sehen also die Pläne des Badischen Staatstheaters aus? Wenige Tage vor Saisonbeginn tappt man auch als Abonnent teilweise noch im Dunkeln, doch es zeichnen sich Konturen ab. Der Intendant hat es anscheinend auch hier verpaßt, rechtzeitig die Realität anzuerkennen.

Freitag, 4. September 2020

Patriarchendämmerung (23)

Opfer und Betroffene als Nestbeschmutzer
Der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup hat bei den Enthüllungen über die Intendanz von Peter Spuhler eine schlechte Figur gemacht und auch weiterhin scheint er Probleme damit zu haben, Ursachen und Symptome auseinander zu halten. Im Sommerinterview des SWR (mehr hier) bezeichnet Mentrup die Krise zwar als "eine der zwei schwierigsten Herausforderungen" in seiner zurückliegenden Amtszeit, allerdings sieht er weiterhin die Vorfälle als minderschwer und nicht ausreichend, um den Intendanten freizustellen oder zu beurlauben. Das dürfte viele überraschen, bedeutet es doch im auf die Allgemeinheit übertragenen Sinne, daß seines Erachtens jahrelange, wiederholte und schwere Fälle der Schikane und damit deren Abkömmlinge wie Drangsalierung und Diskriminierungen, Mobbing, Rassismus und Repressalien, auch dann vorkommen dürfen, wenn sie nicht auf Augenhöhe begangen werden und aus der Position eines Vorgesetzten keine besondere Schwere haben. Weiterhin geht Mentrup auf Konfrontation mit Mitarbeitern und Kritikern, die er anscheinend als Nestbeschmutzer sieht.

Mittwoch, 2. September 2020

Patriarchendämmerung (22)

Wie die BNN hier berichtet, soll Ministerin Theresia Bauer der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag gesagt haben, daß man nun vor intensiven Gesprächen wegen der Vorfälle und Skandale um Intendant Spuhler stehe. Laut BNN nannte Bauer die Situation am Badischen Staatstheater "hochproblematisch und angespannt". "Um zu bewerten, ob es weitere Maßnahmen braucht, ist es jetzt wirklich noch zu früh. Zumal gerade noch Theaterferien sind. Das beschlossene Maßnahmenpaket kann noch gar keine Wirkung entfaltet haben", räumt die Ministerin ein. Die BNN schreibt: "Mitte Juli war vom Verwaltungsrat, darunter Bauer als Vorsitzende, ein Maßnahmenpaket beschlossen worden, um die Lage zu befrieden. Dazu zählt nach Worten der Ministerin unter anderem ein bedeutend intensiverer Austausch mit dem Personalrat. Zudem soll es neben dem bereits bestehenden Vertrauensanwalt für Korruptionsbekämpfung auch einen Vertrauensanwalt für Fragen im Zusammenhang mit sexualisierter Diskriminierung, sexueller Belästigung und Gewalt geben".  Wie man aus dem Haus hört, scheint es im Falle sexualisierter Diskriminierung Vorwürfe der Ungleichbehandlung von Männern und Frauen gegen Intendant Spuhler zu geben. Sängerinnen sollen mit Hinweis auf ihr Alter weniger verdienen, Männer hingegen nicht. Weiterhin stellt sich die Frage, wie mit weiterem Fehlverhalten des Intendanten umgegangen wird. Gibt es auch noch einen Vertrauensanwalt für Mobbing und Schikane? Die Karlsruher Gemeinderatsfraktion der Freien Wähler und der Wählergruppe FÜR Karlsruhe hatte vor wenigen Tagen (mehr hier) die Beurlaubung von Intendant Spuhler gefordert. Stadträtin Petra Lorenz will im Dezember als Oberbürgermeister kandidieren und kann durch Engagement für das Badische Staatstheater einige Stimmen gewinnen.

Dienstag, 1. September 2020

Bayreuth Baroque

"Willkommen im Barockhimmel"
In Bayreuth gibt es nicht nur Wagners Festspielhaus. Das wunderschöne Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth ist prädestiniert für ein Barockfestival. Vom 3. bis zum 13. September findet nun zum ersten Mal Bayreuth Baroque (mehr hier: https://www.bayreuthbaroque.de/) statt. In den kommenden Jahren soll es jährlich stattfinden, künstlerischer Leiter ist Max E. Cencic. Der frühere Karlsruher Dramaturg Dr. Boris Kehrmann (mehr hier) ist auch dabei und betreut die Operninszenierung von Porporas Carlo Il Calvo, bei der unter anderem auch Franco Fagioli, Max E. Cencic, Julia Lezhneva, Dirigent George Petrou mit seinem Armonia Atenea mitwirken. Die aktuelle Viruskrise hat auch hier ihre Auswirkungen, doch es gibt Videostreams und Radio-Übertragungen.

Mittwoch, 26. August 2020

Patriarchendämmerung (21)

Der Fisch stinkt vom Kopf
Wie man es auch wendet, die Ursache für die toxische Arbeitsatmosphäre und die Schieflage des Badischen Staatstheaters liegt in der Person des Generalintendanten. Wenn die Politik konstruktiv die Mißstände aufarbeiten wollte, sollte man das Verhalten des Intendanten und seine Methode des Mikromanagements (arbeits-)psychologisch durchleuchten und die Ursachen dafür analysieren. Die Symptome seiner Methode sind verheerend. Mikromanagement ist einerseits bekanntermaßen ein Motivationszerstörer und Arbeitsmoralvernichter, ein Ausbremser von Talent und Potential und Ursache von innerer oder tatsächlicher Kündigung, Depressionen und eines erhöhten Krankenstand, anderseits hat es Spuhlers Methode des Mißtrauens, des an allem beteiligt zu sein, alles zu überwachen und alles zu entscheiden, nicht verhindert, daß es offensichtlich übergriffiges Verhalten seines direkten Untergebenem im Kinder-/Jugendtheater gab, das durch ein Instagram-Konto (https://www.instagram.com/bustedupstaatstheater/) aufgedeckt wurde.

Dienstag, 25. August 2020

Patriarchendämmerung (20)

Langsam verfestigt sich das politische Bild über die Vorgänge am Badischen Staatstheater. Die Karlsruher Gemeinderatsfraktion der Freien Wähler und der Wählergruppe FÜR Karlsruhe bespricht in ihrer digitalen Gemeinderatsinfo vom 24.08. (als Video hier) u.a. auch das toxische Klima am Badischen Staatstheater. Stadträtin Petra Lorenz bringt die kurze Diskussion schnell auf den Punkt: "Es gibt nur einen gangbaren Weg und der wäre gewesen den Intendanten zu beurlauben", um "Druck aus dem Kessel zu nehmen, für beide Seiten, für ihn übrigens auch". Die Fraktion will "dranbleiben", das Generalintendantensystem wird in Frage gestellt. Immerhin wieder ein kleiner Schritt der politischen Unterstützung. Auch hier gilt:  Wer meint, daß man Politiker beim Wort zu nehmen habe, der sollte die Aussagen zur Kenntnis nehmen.

Montag, 10. August 2020

Patriarchendämmerung (19)

Auf dem Rückzug?
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Intendant Peter Spuhler wegen des Verdachts auf Untreue, unschöne Enthüllungen und Skandale in diverser Hinsicht stellen seine Intendanz lautstark in Frage, doch nicht nur in Karlsruhe ist der Intendant inzwischen eine Belastung, auch in Gremien und Verbänden kann man die Skandale um die Karlsruher Intendanz nicht ignorieren. Der Landesverband Baden-Württenberg beim Deutschen Bühnenverein hat anstelle von Peter Spuhler den Intendanten des Theaters Ulm Kay Metzger als Stellvertreter der Intendanten in den Vorstand des Landesverbands gewählt.

Donnerstag, 30. Juli 2020

Patriarchendämmerung (18)

Enthüllungsskandale noch und nöcher (4)
oder

"So foul a sky clears not without a storm"   
Wer Theaterkrisen mit Theaterweisheiten analysieren wollte, kann sich stets bei Shakespeare umsehen. Es ist etwas faul am Badischen Staatstheater und ein Sturm hat die Sicht aufgeklärt. Doch nun? War der Sturm ausreichend oder ziehen sich die trüb-fauligen Verhältnisse erneut zu? Die Sommerpause im August verschleppt die Krise nach den Enthüllung über Intendant Spuhler und den Mißständen am Badischen Staatstheater in den Herbst. Nun legt das Berliner VAN Magazin nach (und zwar ausführlich und lesenswert hier) und deckt neue Einzelheiten auf: "Gegen ein Mitglied des Ensembles wurde wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung, die im Januar 2019 am Rande einer Premierenfeier begangen worden sein soll, von der Staatsanwaltschaft Karlsruhe Anklage erhoben. Nach einer Anzeige des ehemaligen Verwaltungsdirektors Michael Obermeier läuft gegen Generalintendant Peter Spuhler ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue."

Montag, 27. Juli 2020

Patriarchendämmerung (17)

Nun haben sich auch ehemalige Mitarbeiter von Peter Spuhler aus seiner Zeit als Heidelberger Intendant (2005-2011) zu Wort gemeldet und fordern Spuhlers Rücktritt in Karlsruhe, weil ihm die für die Leitung eines Theaters erforderlichen Führungsqualitäten fehlen, wie die Rhein-Neckar Zeitung (hier) berichtet.

Freitag, 24. Juli 2020

Patriarchendämmerung (16)

Kosmetikwunder im Bunker?
Es ist einsam geworden um Intendant Peter Spuhler und gerade nun würde man ihm Freunde wünschen, die ihn unterstützen und ihm raten, loszulassen und Abstand zu gewinnen. Nur noch wenige Politiker halten an ihm fest und bereuen inzwischen wohl, daß sie nicht rechtzeitig den Absprung gewagt haben. Hätte Spuhler persönliche Konsequenzen gezogen, wäre vieles in dieser Deutlichkeit gar nicht erst geschrieben und gesagt worden. Doch nun ist die Liste der Vorwürfe, Stellungnahmen und Erklärungen gegen ihn lang. Aktuelle und frühere Mitarbeiter (hier), der Personalrat des Badischen Staatstheater (hier) sowie sie Orchestervorstände der Badischen Staatskapelle und die Chorvorstände des Badischen Staatsopernchors (hier), die Zuschauervereinigung Freunde des Badischen Staatstheater (hier), der scheidende Generalmusikdirektor Justin Brown (hier) oder die Kulturschaffenden Karlsruhes, der freien Szene und der Kunstinstitutionen, die mit Peter Weibel vom ZKM an der Spitze prominent vertreten sind (hier) - sie alle verneinen oder bezweifeln stark, daß der Intendant noch tragbar ist. "Wie soll aber die Zukunft eines Theaters ausschauen, wenn die meisten Kolleginnen und Kollegen mit dem Intendanten nicht mehr arbeiten wollen?"

Donnerstag, 23. Juli 2020

Patriarchendämmerung (15)

Solidaritätsdemonstration am Freitag, den 24. Juli 2020 um 10 Uhr am Badischen Staatstheater, Personaleingang
Die Kulturschaffenden Karlsruhes, der freien Szene und der Kunstinstitutionen unterstützen die Mitarbeiter des Badischen Staatstheater in einem Offenen Brief und schließen sich der Kritik Justin Browns in den BNN (mehr hier) an. Die Erklärung hat es in sich, u.a heißt es: "Der Intendant und die Politik verhindern eine bessere Zukunft für das Staatstheater. Wie soll aber die Zukunft eines Theaters ausschauen, wenn die meisten Kolleginnen und Kollegen mit dem Intendanten nicht mehr arbeiten wollen? Offensichtlich will nur die Politik, die ja selbst nicht im Theater arbeitet, mit dem Intendanten weiterarbeiten. Der Beschluß des Verwaltungsrates will ja, daß alles beim Alten bleibt, beim schlechten Alten."

Mittwoch, 22. Juli 2020

Patriarchendämmerung (14)

"Intendant Spuhler hat Bewährung"
Karlsruhes Oberbürgermeister Mentrup (SPD) wird nach seinem Auftritt vor den Mitarbeitern des Badischen Staatstheater am vergangenen Freitag (mehr hier) im Theaterumfeld so schnell keine Freunde mehr finden, sein Krisenmanagement wird parteiübergreifend und auch von der eigenen Partei heftig kritisiert. Justin Brown fand deutliche Worte (hier).  Dennoch sollte man darauf achten, was Mentrup zu sagen hat. Der OB hat Spuhler eine Frist bis November gesetzt. Auch Politiker der Stadt nahmen Stellung: