Dienstag, 21. September 2021

1. Symphoniekonzert, 20.09.2021

325 Tage nach dem letzten Konzert (dem grandiosen Beethoven-Marathon im Konzerthaus - mehr hier) gab es endlich wieder ein Konzert der Badischen Staatskapelle. Der im sächsischen Meißen geborene GMD Georg Fritzsch dirigierte zwei populäre, in Leipzig uraufgeführte romantische Standardwerke zum Beginn der Saison.

Sonntag, 19. September 2021

Theatertag, 18.09.2021

Ein wenig Aufbruch, ein wenig Neustart und ganz viel Provisorium
Ein neuer Intendant für die nächsten drei Jahre und der Beginn des Umbaus - nicht nur wegen des Corona-Virus befindet man sich in der Baumeisterstraße in einer Übergangsphase, über ein Jahrzehnt der Provisorien steht bevor. Baustellen und Übergänge sind spannend, aber nach außen nicht stetig attraktiv. Es wird eine zentrale Aufgabe werden, nicht den Kontakt zu Abonnenten und Zuschauern zu verlieren und vor allem nach einem sehr ideologisch und intendanzzentriert geprägten, problematischen Jahrzehnt eines wieder strikt in den Mittelpunkt zu stellen: Qualität und Freude. Es braucht Publikumslieblinge und zuverlässige Konstanten, die Besucher gerne zurückkehren lassen, Orchester und Ballett scheinen sehr gut aufgestellt, die Oper muß sich noch ein wenig sortieren und zurück zu alter Stärke finden. Nur das Schauspiel dümpelt uninspiriert und bieder vor sich hin, ob mit Schauspieldirektorin Anna Bergmann die Wende zu Freude, Vielfalt und Abwechslung möglich ist, darf man inzwischen stark bezweifeln. Gestern waren auf und vor der Bühne Erleichterung und Freude angesichts der Wiederaufnahme des Spielbetriebs kaum zu übersehen, Intendant Peters wird dennoch für frischen Wind sorgen müssen.

Freitag, 17. September 2021

Was macht eigentlich Dr. Kehrmann?

Und noch ein kurzer Blick hin zum beliebten und kompetenten Boris Kehrmann, der eine perspektivöffnende Badische Rebellion am Staatstheater auslöste und der noch viele Freunde und Fans in Karlsruhe hat: Seit dieser Spielzeit ist er Chefdramaturg der Oper in Halle, wo es offensichtlich einen  interessanten und abwechslungsreichen Spielplan gibt. Kehrmann betreut Opern von Verdi, Britten, Aribert Reimann und Jan Paderewski sowie eine szenische Umsetzung von Händels Brockes Passion. Mehr dazu hier: https://buehnen-halle.de/boris_kehrmann.

Donnerstag, 16. September 2021

Intendant Peters im Interview

"Das Staatstheater war nie ein Haus für Anfänger"
Mit diesem Satz wird der neue Intendant des Badischen Staatstheaters nach dem vergangenen Jahrzehnt viele Sympathien beim Publikum gewinnen und er widerspricht auch der Sicht, Karlsruhe sei ein Karrieresprungbrett: "Das ist es aus meiner Sicht weder für Sänger noch für Regisseure." Und auch dem Quotengehabe tritt Ulrich Peters mit gesundem Menschenverstand entgegen: "Ich versuche immer, die Besten zu engagieren, ob sie nun weiblich oder männlich sind."
Das interessante, wenn auch für Theaterfans zu kurze Interview (u.a. über Vorfreude, Erstaunen und Kritik, u.a. am Opernspielplan) findet sich für Abonnenten auf den Seiten der BNN, und zwar hier: https://bnn.de/karlsruhe/badisches-staatstheater-karlsruhe-intendant-ulrich-peters-interview-berufung-zukunft 

Sonntag, 12. September 2021

Barockes auf ARTE

Max E. Cencics neues Barockfestival im wunderschönen Markgräflichen Opernhaus ins Bayreuth (https://www.bayreuthbaroque.de/) hatte bei seiner letztjährigen Premiere Pech, und auch dieses Jahr erzwingt die Virusepidemie Einschränkungen. Wer unter Barockmusikentzug leidet, kann auf ARTE für kurze Zeit Aufzeichnungen des Festivals abrufen, u.a. eine Konzert mit Franco Fagioli (hier) und eine komplette Aufzeichnung von Cencics Inszenierung von Porporas Carlo il Calvo (und zwar hier) mit Cencic und Fagioli als Sänger. Weiterhin zeigt ARTE Händels Rodelinda von den diesjährigen Göttinger Händel-Festspielen (hier).
Neues berichtete die BNN diese Woche (hier) zu den Karlsruher Händel Festspielen: Michael Fichtenholz verzichtet auf seinen Posten als Leiter der Festspiele und hat um Auflösung seines Vertrags gebeten (zu den Vorkommnissen um seine Person mehr hier und hier).

Freitag, 3. September 2021

Das instrumentalisierte und ideologisierte Theater (3)

Die DDR-Diktatur als Kinderidyll für Anna Bergmann?
Die Selbstdarstellung des Schauspiels unter seiner Direktorin Anna Bergmann ist eine Mischung aus unfreiwilliger Komik und Ideologisierung, doch vor allem der Diktatur-Verharmlosung auf der Internetseite des Staatstheaters (und zwar hier) muß vehement widersprochen werden. Und auch sonst darf Widerspruch nicht fehlen, denn schweigen wird gerne als Zustimmung bewertet. Keine Karlsruher Sparte ist im vergangenen Jahrzehnt stärker abgestürzt als das Schauspiel: kaum Freude, selten  Stimmung, es mangelt an guten Stücken, statt Handlungen gibt es zu oft Belehrungen, statt Konflikten gibt es Moral, statt Menschen findet man Klischees. Es geht zu wenig um inhaltsreiche Qualität und dafür zu oft um aufdringliche Symbolik. Diese Schwächen sollen kompensiert werden durch eine Positionierung als Moralapostel. Wer künstlerisch nichts zu sagen hat, der kann immerhin noch den Zeigefinger heben. Viele deutsche Theatermacher scheinen zu denken, Aufmerksamkeit verdient zu haben, weil sie das Theater als Ort der ideologischen Belehrung instrumentalisieren: die Inszenierung mag noch so unterirdisch sein, man soll aber gefälligst der "politisch korrekten" Haltung applaudieren. Wer als Zuschauer nicht zum Mitläufer werden will, muß widersprechen oder den Vorstellungen fern bleiben.

Donnerstag, 2. September 2021

Das instrumentalisierte und ideologisierte Theater (2)

Gender-Clown*innen, Genderpfaffen*innen und Gender-Taliban*innen sind als Mensch*innen oft ideologische Betonköpf*innen, die Sündenböck*innen suchen
Eine Abschweifung am Anfang: Humor ist eine Tür zur Gedankenfreiheit, Gendern (im Folgenden: Dschendern) kann viel Spaß machen, wenn man die Lächerlichkeit daran auskostet. Es gibt viele Identitätsschubladen, die nicht zur gedschenderten Sprache kommen; nur zwei Kategorien sollen immer genannt werden, die Genitalien werden zur wichtigsten Unterscheidungskategorie, männlich und weiblich sollen gesondert ausgewiesen werden - das birgt Komik. Das wäre doch ein amüsanter Karikaturwettbewerb, bei dem Gewinner wird, dessen gedschenderte Geschichte am bescheuertsten klingt.
Doch zurück: viele staatliche Institutionen dschendern, obwohl es orthographisch nicht korrekt ist, eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger das Dschendern ablehnt und sprachliche Rücksichtnahme auch ohne Sternchenverhunzung möglich ist. Wie konnte es so weit kommen, daß man -auch am Theater- undemokratisch, von oben herab versucht, Sprache zu manipulieren?

Mittwoch, 1. September 2021

Das instrumentalisierte und ideologisierte Theater (1)

Die unfreiwillige Komik im Egoelfenbeinturm
Wird nun alles besser? Oder bleibt das Badische Staatstheater ein Klienteltheater? Schauspieldirektorin Anna Bergmann scheint das Machtvakuum nach Abgang des alten und vor Amtsbeginn des neuen Intendanten ausgenutzt zu haben: "Für die kommenden Monate kündigt sie eine Radikalisierung des Programms an, weg vom 'Gemischtwarenladen' hin zu Fokussierung auf Themen, die ihr wichtig sind", verkündet etwas versteckt die Internetseite des Staatstheaters. Doch wie programmatisch öde, kleinkariert und monoton wirkt es, wenn alles, was Frau Bergmann als Schauspieldirektor verantwortet, sich innerhalb ihres engen persönlichen Horizonts abspielen sollte? Sie mag es ja toll finden, nicht über ihren Suppenteller hinausschauen zu müssen und in ihrer eigenen Filterblase zu verbleiben, aber es scheint doch eine narzißtische Selbstüberschätzung zu sein, damit gutes "Theater für alle" machen zu wollen. Statt Vielfalt und Abwechslung (oder wie sie es nennt: "Gemischtwarenladen") kündet sie Eintönigkeit und Themenenge durch radikale Einschränkung an. Der neue Intendant sollte ihr bei der Selbsterkenntnis helfen, daß Theater, Bühne und Künstler nicht Mittel zum Zweck ihrer Ego-Show sind. Die Millionen Euro Steuergelder, die die Schauspieldirektorin  zur Verfügung gestellt bekommt, sind für gutes Theater gedacht, nicht um ihre persönlichen Befindlichkeiten und Gesinnungen auszuleben. Es geht darum, daß endlich wieder lebendiges, spannendes Schauspiel gezeigt wird, Applaus gibt es für Qualität, nicht für eine Instrumentalisierung der Bühne zu persönlichen Zwecken. An einem Staatstheater geht es also nicht darum, daß Verantwortliche sich aufspielen und ausleben. Die angekündigte "Radikalisierung des Programms" bedeutet Theater, das dem Publikum den Rücken zudreht.

Freitag, 23. Juli 2021

Intendant Peters im Interview

Dr. Ulrich Peters hat einer Mitarbeiterin des Kindertheaters Fragen beantwortet, u.a. zu seinem Werdegang, der Anfrage zur Übernahme des Badischen Staatstheaters, seinem Wunsch, wieder öfters Regie zu führen (Ulrichs interessiert sich z.Z. für die Opern des jungen Verdi und nennt als Beispiel I Masnadieri (basierend auf Schillers Räuber) und vergessene entartete Opern, die nach 1933 verschwanden und eine Wiederentdeckung verdienen), seine musikalische Vorliebe für Heavy Metal-Musik und die Idee einer Heavy Metal-Oper in Karlsruhe u.ä. Für das bestehende Repertoire scheint ihm in Karlsruhe eine Carmen zu fehlen. Ein sympathisches, ca. zwanzigminütiges Interview, das aktuell aber bisher nur über das Instagram-Konto des Kindertheaters anzusehen ist und eine Anmeldung erfordert, aktuell hier: https://www.instagram.com/tv/CRmJx1_o6Op/

Dienstag, 13. Juli 2021

Der falsche Intendant

Es wurde hier genug geschrieben über das vergangene Intendanz-Jahrzehnt am Badischen Staatstheater, doch es ist vorbei, der Blick geht längst nach vorne. Aus der Zuschauer- und Beobachterperspektive wurden auf diesen Seiten frühzeitig Rückschlüsse gezogen und Kritik formuliert, untenstehend finden sich Texte, die seit 2015 auf einer besonderen Blog-Seite Einsprüche sammelten und nun hier außerhalb der Aktualität verbleiben. Gerade Theatergänger wissen: Qualität setzt sich durch, das Wahre, Schöne, Gute übersteht, Shakespeare wird auch nach vierhundert Jahren gespielt, dreihundert Jahre alte Barockopern machen heute ein weltweites Publikum glücklich, eine mißratene Intendanz ist ein Rückschlag, den man nun zu den Akten legen kann.

Montag, 12. Juli 2021

Lieber ein Ende mit Schrecken ... (2)

Bei der FAZ kommentiert ein politischer Korrespondent die Intendanten-Kündigung aus dem Kulturbereich und übt Kritik an Ministerin Teresia Bauer.

Donnerstag, 8. Juli 2021

Lieber ein Ende mit Schrecken ...

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's ziemlich ungeniert (?)
Als im letzten November eine Vertragsauflösung mit dem Generalintendanten des Badischen Staatstheaters (der, dessen Name hier nicht mehr genannt werden sollte) für den Sommer 2021 angekündigt wurde, wirkte das wie eine überfreundliche Überbrückungsgeste, manche dachten dabei an Grünen Filz, immerhin kennen sich die Ministerin und der Intendant gut, neun Monate weitere Gehaltszahlungen fürs Fernbleiben (also spekuliert ca. 200.000 €, ggf. weniger, falls Leistungsanteil vorhanden) plus eine Ablöse sind großzügig. Das wäre auch anders gegangen: anhand der Vorfälle und dem Reputationsverlust des Theaters hätte man den Intendanten im November auch aus wichtigem Grund außerordentlich kündigen können. Es gibt Arbeitnehmer, denen so etwas für weit weniger widerfährt. Der Intendant hätte vor ein Arbeitsgericht ziehen können, um eine Abfindung zu erstreiten. Das wollte man im November aber gerade nicht, denn dabei könnte auch schmutzige Wäsche gewaschen werden. Doch sieben Monate später scheinen sich beide Parteien immer noch nicht auf die finanziellen Details des Abgangs geeinigt zu haben, der Intendant spekuliert wahrscheinlich gerichtlich auf mehr als geboten. Die Situation ist so verfahren, daß Stadt und Land die Reißleine ziehen: Peter Spuhler wurde heute mit sofortiger Wirkung gekündigt.

Sonntag, 4. Juli 2021

Symphoniekonzert als Livestream, 04.07.2021

Wer weiß, vielleicht war das heute Morgen das letzte live gestreamte Konzert, ab Herbst sollte alles -toitoitoi- wieder vor Publikum stattfinden können. Schon  heute um 11 Uhr waren auch wieder einige Zuschauer im Haus erlaubt, das Konzert wird zusätzlich um 18 Uhr vor Publikum musiziert. Mit Schubert, Hummel und Mendelssohn hat man dazu ein zu schönes Programm. Schade, daß es mehr Konzertbesucher verpassen als teilnehmen können.

Henze - Das Wundertheater (als Livestream), 03.07.2021

Der Künstler als Sensibelchen und Weichei
Die Viruspandemie macht's möglich, denn sonst hätte man wohl kaum die Chance, Hans Werner Henzes Kurzsingspiel Das Wundertheater kennenzulernen. Nachdem es letzte Woche den Prolog aus Strauss' Ariadne auf Naxos zu hören gab, folgte nun der zweite Teil in solider Umsetzung, bei dem ein Schwachpunkt im Versuch liegt, die Anknüpfung an die Ariadne aus der wehleidigen Perspektive bedauernswert überempfindlicher Künstlerseelen zu konstruieren.

Sonntag, 27. Juni 2021

Strauss - Vorspiel zu Ariadne auf Naxos (als Livestream), 26.06.2021

Richard Strauss' Vorspiel zu Ariadne auf Naxos in Kombination mit Hans Werner Henzes Singspiel Das Wundertheater, die aber an zwei Wochenenden einzeln gestreamt werden? Erste Zuschauer konnten gestern in Karlsruhe zurückkehren und bereits die ganze Produktion live sehen, vorausgesetzt sie erbrachten den Nachweis, geimpft, getestet oder genesen zu sein. Was das Badische Staatstheater bieten will, erschließt sich für das digitale Publikum erst am nächsten Samstag, wenn das Wundertheater übertragen wird. Als kurze, orchestral kleindimensionierte Werke, die vielen Sängern die Chance für Auftritte verschaffen, ergibt diese Zusammenstellung des genialen Klangmagiers Strauss mit dem spröden, wenig populären Henze einen der Pandemie geschuldeten Sinn. Ob die Kombination gelungen ist, bleibt noch offen. Das gestrige Ariadne-Vorspiel machte schon mal Appetit auf mehr.

Sonntag, 6. Juni 2021

Symphoniekonzert als Livestream, 06.06.2021

Erneut streamt die Badische Staatskapelle ein bemerkenswert schönes Konzert. Werke des Rokoko und des Neobarock standen im Mittelpunkt und Dirigent Johannes Willig führte in den Pausen kenntnisreich durch die Entstehungsgeschichte.

Freitag, 4. Juni 2021

Zukunft Choreographie (Ballett als Livestream), 03.06.2021

Gelungener Positionswechsel
Bridget Breiner setzt Birgit Keils Nachwuchsförderung fort. 16 Tänzer des Badischen Staatsballett präsentierten gestern eigene Choreographien - von Solos über Duette bis zum achtköpfigem Ensembletanz war alles dabei und ein sympathisches, unterhaltsames und abwechslungsreiches Kaleidoskop künstlerischer Kreativität.

Dienstag, 18. Mai 2021

Vorschau auf die Spielzeit 2021/2022

Im Jahr Eins nach so manchem
Durchgeimpft und ohne verheerend neue Virusmutation sollte doch der Spielzeit 2021/22 nichts mehr im Wege stehen. Oper, Ballett und Schauspiel haben nun ihre Planungen öffentlich gemacht, die allerdings noch skeptisch mit Beschränkungen rechnen - ob und wie Abstandsregeln ab Herbst zu beachten sind, ist unklar. Hervorzuheben ist Bridget Breiners Ballett, das besonders ambitioniert und verdienstvoll agiert. Die Oper hat sieben reizvolle Premieren, aber nur wenige Wiederaufnahmen. Nur die Moralapostel des Schauspiels wollen anscheinend, daß dem Publikum das Lachen vergeht - nach einer rasanten Komödie sucht man erneut vergebens, den erhobenen Zeigefinger wird man hingegen zweifellos oft vorfinden.

Donnerstag, 13. Mai 2021

Wer wird neuer Intendant am Badischen Staatstheater?

Stimmt das Gerücht, daß evtl. ein am Badischen Staatstheater Bekannter den Posten des Interimsintendanten ab diesen Sommer übernehmen könnte? Und zwar handelt man aktuell ...

Puccini - Gianni Schicchi (als Livestream), 12.05.2021

Wie die Zeit vergeht! Wer erinnert sich nicht gerne an den letzten Karlsruher Trittico?  In der Spielzeit 2002/2003 inszenierte Robert Tannenbaum die drei knapp einstündigen Opern über Eifersuchtsmord, Himmelfahrt und Erbschaftsbetrug und insbesondere Barbara Dobrzanska als Schwester Angelica rührte dabei zu Tränen. Die dritte Oper des Trittico ist als Komödie ein idealer Kandidat für die Streaming-Premiere des Musiktheaters, Gianni Schicchi (UA 1918 an der New Yorker MET)  bereitete gestern am Bildschirm viel Freude!

Montag, 10. Mai 2021

Berg - In den Gärten oder Lysistrata Teil 2 (Schauspiel als Livestream), 09.05.2021

Feminismus als Frigidität und Freudlosigkeit
Nun streamt auch das Karlsruher Schauspiel gegen die Virusepidemie an und versucht sich sogar an der bundesdeutschen Erstaufführung einer "science-fiction-artigen Komödie", die eher eine mit faschistoiden Vorbildern kokettierende Dystopie ist. Leider bleibt man sich dabei qualitativ enttäuschend treu und inszeniert unoriginell, ohne Witz und Humor und ohne jeden Tiefgang. Seit einem Jahrzehnt versucht man sich angestrengt an Komödien-Inszenierungen, bei denen das Publikum dann kaum lacht, und es ist stark zu bezweifeln, daß In den Gärten, sollte es vor Publikum live gezeigt werden, zu Lachanfällen führen wird. Statt einer Komödie zum Lachen gibt es stattdessen eine lächerliche Komödie. Autorin Sibylle Berg wurde als "Haßpredigerin der Singlegesellschaft" bezeichnet, sie analysierte kürzlich: "Gemeinschaft erleben wir nur noch, wenn wir uns im Haß geeint fühlen" und dieses Motto scheint eine treffende Beschreibung ihres Weltbilds. In ihrer Dystopie über das verkorkste Liebesleben freudlos frigider Frauen durch primitiv plumpe Männer steckt weit mehr Potential als Autorin und Inszenierungsteam ausschöpfen. Stattdessen gibt es einen unfreiwilligen Humor in diesem Stück, das den Feminismus in gewisser Weise als Kompensation für verzweifelte Lieblosigkeit beschreibt und sich an Weisheiten aus der Ratgeberspalte und Horoskopen von Frauenzeitschriften zu bedienen scheint.

Freitag, 30. April 2021

Ballettfilm „Seid umschlungen - Momentaufnahme“, 29.04.2021

Nun gibt es ein weiteres ambitioniertes Angebot des Badischen Staatstheaters: der Ballettfilm Seid umschlungen - Momentaufnahme hatte gestern Online-Premiere und erwies sich als gelungen und sehenswert. Als Erstlingsfilm überzeugte dieses Projekt ästhetisch, Kameraführung und Schnitt fingen die Tänzer und Choreographien wirksam ein, überwiegend neue Choreographien in einer Mischung aus klassischen und modernen Elementen sorgten für Aufmerksamkeit. Ein 80minütiger Appetithappen zur Überbrückung der hoffentlich letzten Epidemiemonate.

Sonntag, 25. April 2021

Symphoniekonzert als Livestream, 25.04.2021

Ein schönes Lebenszeichen mit Mehrwert
Nach dem Ballett meldete sich nun auch die Badische Staatskapelle mit einem live gestreamten Symphoniekonzert zurück und was sich beim Feuervogel bereits abzeichnete, wurde heute morgen deutlich: die Karlsruher Toningenieure haben den Klang optimal eingefangen, das Anhören machte Freude und war ein passabler Ersatz für das fehlende Live-Erlebnis. Und das in der Pause gezeigte Gespräch zwischen GMD Georg Fritzsch und Cellist Isang Enders war hochinteressant und ein weiterer Gewinn.

Sonntag, 18. April 2021

Der Feuervogel (Ballett als Livestream), 17.04.2021

Weiterhin bleiben die Theater geschlossen, aber seit dem 17.04. wird nun in Karlsruhe zurückgestreamt. Das Badische Staatsballett hat eine Ballettpremiere im Livestream kostenlos gezeigt, die Produktion soll nun 14 Tage kostenpflichtig zum Anschauen zur Verfügung stehen. Und auch wenn man am Bildschirm geringdimensionaler und beengter wahrnimmt, so lag der Reiz der gestrigen Live-Übertragung zumindest im Flair einer Aufführung ohne Netz und doppelten Konservenboden. Vieles gelang, tänzerisch, szenisch und musikalisch ist dieser Feuervogel reizvoll mit guten Momenten und man konnte glücklich feststellen, daß das Badische Staatstheater das Live-Erlebnis nicht verlernt hat.

Freitag, 9. April 2021

Wer wird zukünftig die Karlsruher Händel-Festspiele leiten?

Weder Mißverständnis noch Kavaliersdelikt
Im Zweifel immer für den Verdächtigten, doch der frühere Karlsruher Operndirektor und Noch-Leiter der Karlsruher Händel-Festspiele Michael Fichtenholz scheint auch in Karlsruhe nun nicht mehr tragbar. Das Schweizer Fernsehen SRF recherchierte (und zwar aktuell hier), daß hinter Fichtenholz' Abgang in Zürich (mehr auch hier) "Vorwürfe der sexuellen Belästigung stehen. Betroffen sind, so beteiligte Personen, junge Sänger, die Fichtenholz direkt unterstellt waren".