In Zeiten des reduzierten Theaters
Wie könnte ein Corona-gerechter Spielbetrieb aussehen? Die Politik hat Wichtigeres zu tun, als sich um die Theater zu kümmern, die Theater wiederum scheinen sich selber nur langsam zuzutrauen, einen Plan auszutüfteln. In München geht jetzt der Intendant des Volkstheaters Christian Stückl voran (mehr dazu aktuell hier auf der Seiten der Süddeutschen) und stellt ein Konzept vor. Er will im Sommer mit fünf Stücken die Saison eröffnen, alle sollen "Corona-tauglich" sein. Jede zweite Sitzreihe bleibt leer, in den übrigen Reihen wird jeder 4. Platz besetzt (also eine Auslastung von 12,5%). Die Bühne des Schauspiels wird ebenfalls bestuhlt, die Schauspieler agieren zwischen zwei Zuschauertribünen.
Bei Symphoniekonzerten und Opernaufführungen gibt es weitere Faktoren bei eng sitzenden Musikern zu bedenken, aber auch da gibt es erste Ergebnisse.
Seit 1988 bin ich steter Besucher des Badischen Staatstheaters. Bei vielen Opern-, Theater-, Konzert- und Ballettvorstellungen im Jahr und Besuchen in anderen Städten verliert man schon mal den Überblick. Dieser Tagebuch-Blog dient mir seit der Spielzeit 2011/12 als elektronische Erinnerung. Bitte beachten Sie meine Intention: ich bin kein Journalist oder Kritiker, sondern schreibe hier lediglich persönliche Eindrücke, private Ansichten und Vermutungen für mich und Angehörige nieder.
Freitag, 15. Mai 2020
Donnerstag, 14. Mai 2020
Warten auf Verbindlichkeit
Was bringt die kommende Spielzeit? Als Abonnent hat man noch knapp zwei
Wochen (bis 31.Mai), um sein(e) Abo(s) schriftlich zu kündigen. Was
nächstes Jahr idealerweise gezeigt wird, wie man als Abonnent vor finanziellen
Verlusten bei virusbedingten Vorstellungsausfällen geschützt ist (die bereits
vorgeschlagene Abbezahlung der Abo-Raten unter Verwendung von
Gutscheinen ist ein fairer Schritt des Kartenbüros), ob Abonnenten, die
das
Risiko einer Virusinfektion meiden wollen gestattet wird, Abos quasi
ruhen zu lassen, also trotz angesetzter Vorstellungen dennoch zu verzichten ohne
kündigen zu müssen - bisher gibt es dazu keine offiziellen Mitteilungen.
Freitag, 8. Mai 2020
Nicholas Brownlee verläßt die Karlsruher Oper
Dienstag, 5. Mai 2020
Das Badische Staatstheater beendet die Spielzeit
Krise als Chance
Das zuständige Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württenberg hat Klarheit geschaffen: Der reguläre Vorstellungsbetrieb für diese Spielzeit ist wie erwartet abgesagt. Nun ist die Intendanz gefordert, um unter den gegebenen Umständen Proben und Saisonvorbereitung zu ermöglichen und Formate zu entwickeln, die mit den Anforderungen des Infektionsschutzes in Einklang stehen und vom Publikum akzeptiert werden. Es bleibt abzuwarten, wie die Spielzeit 2020/21 ab September ablaufen kann.
Das zuständige Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württenberg hat Klarheit geschaffen: Der reguläre Vorstellungsbetrieb für diese Spielzeit ist wie erwartet abgesagt. Nun ist die Intendanz gefordert, um unter den gegebenen Umständen Proben und Saisonvorbereitung zu ermöglichen und Formate zu entwickeln, die mit den Anforderungen des Infektionsschutzes in Einklang stehen und vom Publikum akzeptiert werden. Es bleibt abzuwarten, wie die Spielzeit 2020/21 ab September ablaufen kann.
Freitag, 1. Mai 2020
Infektionsschutz hat Priorität
Wo dem Infektionsschutz Priorität eingeräumt wird, beenden die Theater nun die reguläre Spielzeit 2019/2020, u.a. Freiburg und das Nationaltheater Mannheim. In den nächsten Wochen gibt es Wichtigeres als Spielbetrieb, jetzt ist Zeit für pragmatische Kreativität. In Chemnitz (mehr hier) arbeitet man bspw. an einem Sommerspielplan 2020. Regensburg verweist (mehr hier) auf digitale Formate, der dortige Intendant erklärt das Saisonende: "Je konsequenter wir jetzt sind, umso schneller können wir zum Saisonstart im Herbst hoffentlich zu einer gewissen Normalität zurückkehren.“ Niemand weiß, wie und wann es weitergehen kann, doch um planen zu können, braucht es definierte Ziele. Die Generalmusikdirektoren- und Chefdirigentenkonferenz e.V. fordert von der Politik "klare Vorgaben für eine schrittweise Wiederaufnahme des Opern- und Konzertbetriebes in Übereinstimmung mit den derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen und den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts. Nicht nur Baumärkte, Möbelhäuser und die Fussball-Bundesliga haben eine klare Perspektive und klare Regeln für einen Neuanfang verdient" (der offene Brief befindet sich aktuell hier). Doch statt auf die Politik zu warten, sollten die Theater endlich gemeinsam ein Konzept vorlegen, wie der Spielbetrieb gestaltet werden kann, solange ein Impfstoff fehlt und neue Infektionswellen vermieden werden müssen.
Dienstag, 28. April 2020
Wöchentliches Lavieren
Der Spielbetrieb wird in Karlsruhe nun noch eine Woche länger bis zum 11. Mai ausgesetzt. In wenigen Tagen könnte ja alles vorbei sein!?! Und Politiker, die erst kürzlich davon sprachen, daß man sich am Anfang der Epidemie befindet, soll man wohl nicht zu ernst nehmen? Winfried Kretschmanns Aussage, man müsse unbedingt verhindern, dass die Fallzahlen wieder massiv ansteigen, ist auch nur eine etwas übertriebene Momentaufnahme? Es scheint, als ob in der Landespolitik die eine Hand nicht weiß, was die andere tut oder Corona doch nicht so gefährlich ist oder die Theater bald einen Plan vorlegen, wie man vor wenigen Zuschauern mit ausreichend Abstand spielt.
Donnerstag, 23. April 2020
Saisonende Unter den Linden
Die Berliner Staatsoper Unter den Linden hat auf Grundlage der Verordnung über das Verbot von Großveranstaltungen alle Vorstellungen bis Ende Juli abgesagt (hier die Mitteilung). Andere Theater werden kaum argumentieren können, daß Corona bei ihnen weniger gefährlich ist. Es ist zu erwarten, daß sie dieser Risikobewertung folgen und nun überall die Spielzeiten frühzeitig enden. Solange kein Konzept zur Ausdünnung und Distanzierung des Publikums vorliegt, scheint auf absehbare Zeit keine Vorstellung möglich, für den Herbst sollten sich die Theater auf Vorstellungen mit max. 20% Auslastung vorbereiten, bei denen das Publikum auf Abstand sitzen muß. In diesem Fall könnte es zumindest vorübergehend eine Spielzeit geben, bei der man nur als Abonnent Vorstellungen besuchen kann und der freie Verkauf nur noch wenige Restplätze anbietet.
Die BBC berichtet über Tolomeo und J.J. Orliński
Trotz Corona sollte man die schönen Dinge nicht aus dem Blick verlieren. Die aufgrund ihres über Jahrzehnte erarbeiteten Renommés unter nationaler und internationaler Beobachtung stehenden Karlsruher Händel-Festspiele haben der Verspuhlerung bisher trotzen können und sind ein Aushängeschild des Badischen Staatstheaters geblieben. Die englische BBC hat aktuell einen 26-minütigen englischen Audiobericht auf ihrer Internetpräsenz:
Jakub Józef Orliński: Countertenor in Karlsruhe - Countertenor Jakub Józef Orliński is one of the most acclaimed young singers in the world today. We follow him as he prepares to take on the title role in Handel’s opera Tolomeo
Der Beitrag findet sich hier: https://www.bbc.co.uk/programmes/w3cszvb1
Jakub Józef Orliński: Countertenor in Karlsruhe - Countertenor Jakub Józef Orliński is one of the most acclaimed young singers in the world today. We follow him as he prepares to take on the title role in Handel’s opera Tolomeo
Der Beitrag findet sich hier: https://www.bbc.co.uk/programmes/w3cszvb1
Freitag, 17. April 2020
Realitätsverlust im Elfenbeinturm
Das Badische Staatstheater erwartet anscheinend ein Wunder. Generalintendant Spuhler verlängert die Unterbrechung des Vorstellungsbetriebs sage und schreibe um zwei Wochen bis zum 3. Mai. Der Bund hat zwar angekündigt, daß Großveranstaltungen bis Ende August nicht stattfinden dürfen, aber anscheinend scheinen die Theaterverantwortlichen bzgl. des Corona-Virus an Hysterie oder Fake-News zu glauben.
Donnerstag, 16. April 2020
Frühzeitiges Spielzeitende
Keine Rückkehr zur Normalität in Sicht
Manch aufmerksamer Theaterbesucher sieht ja die Intendanz von Peter Spuhler als quälend langsame Theaterabwirtschaftung. Dem heruntergespuhlerten Theater kommt das Covid-19 Virus nun zuvor, die Politik untersagt Großveranstaltungen bis Ende August, das Badische Staatstheater sollte nun schnell die Spielzeit offiziell beenden und so bitter das insbesondere für die vielen Angestellten und Mitarbeiter auch ist, die Aussichten für den Beginn der Spielzeit 2020/2021 sind nicht besser. Es gibt noch skeptischere Stimmen, ein Professor der Leopoldina sieht die Öffnung der Theater erst 2022!
Manch aufmerksamer Theaterbesucher sieht ja die Intendanz von Peter Spuhler als quälend langsame Theaterabwirtschaftung. Dem heruntergespuhlerten Theater kommt das Covid-19 Virus nun zuvor, die Politik untersagt Großveranstaltungen bis Ende August, das Badische Staatstheater sollte nun schnell die Spielzeit offiziell beenden und so bitter das insbesondere für die vielen Angestellten und Mitarbeiter auch ist, die Aussichten für den Beginn der Spielzeit 2020/2021 sind nicht besser. Es gibt noch skeptischere Stimmen, ein Professor der Leopoldina sieht die Öffnung der Theater erst 2022!
Samstag, 4. April 2020
Das Theater in Zeiten des Virus
Von der Corona-Pause zum Spielzeitende?
Zur Zeit hört man, daß in manchen Ländern täglich hunderte Corona-Tote zu beklagen sind. Manch einer mag die eigene Ansteckung mit Corona nicht fürchten und das Einfrieren des alltäglichen Leben kann nur zeitlich begrenzt geschehen. Doch auch wenn das gewohnte Leben mit Einschränkungen wieder beginnt, sind südeuropäische Todesraten keine akzeptable Kollateralschäden, die hinzunehmen sind, bis die Herden-Immunisierung erfolgt ist. Solange das Virus nicht unter Kontrolle ist und bleibt, solange kein Impfstoff verfügbar ist, wird man folglich Infektionsketten vermeiden müssen. Großveranstaltungen sind damit noch nicht möglich, Kinos, Konzerte und Kulturveranstaltungen -selbst wenn nur niedrige Altersgruppen erwartet werden- haben zu hohe Ansteckungsgefahren und fördern die weitere bzw. erneute Verbreitung und damit das Risiko hoher Infektionszahlen sowie den damit verbundenen Kollaps des Gesundheitssystems. Wer glaubt, daß man die Theater bald wieder guten Gewissens öffnen kann und demnächst alles überstanden ist? Selbst wenn nach Ostern die Kontaktsperren gelockert werden, sollten die Theater geschlossen bleiben, alles andere wäre leichtfertig und letztendlich unverantwortlich.
Zur Zeit hört man, daß in manchen Ländern täglich hunderte Corona-Tote zu beklagen sind. Manch einer mag die eigene Ansteckung mit Corona nicht fürchten und das Einfrieren des alltäglichen Leben kann nur zeitlich begrenzt geschehen. Doch auch wenn das gewohnte Leben mit Einschränkungen wieder beginnt, sind südeuropäische Todesraten keine akzeptable Kollateralschäden, die hinzunehmen sind, bis die Herden-Immunisierung erfolgt ist. Solange das Virus nicht unter Kontrolle ist und bleibt, solange kein Impfstoff verfügbar ist, wird man folglich Infektionsketten vermeiden müssen. Großveranstaltungen sind damit noch nicht möglich, Kinos, Konzerte und Kulturveranstaltungen -selbst wenn nur niedrige Altersgruppen erwartet werden- haben zu hohe Ansteckungsgefahren und fördern die weitere bzw. erneute Verbreitung und damit das Risiko hoher Infektionszahlen sowie den damit verbundenen Kollaps des Gesundheitssystems. Wer glaubt, daß man die Theater bald wieder guten Gewissens öffnen kann und demnächst alles überstanden ist? Selbst wenn nach Ostern die Kontaktsperren gelockert werden, sollten die Theater geschlossen bleiben, alles andere wäre leichtfertig und letztendlich unverantwortlich.
Montag, 23. März 2020
Digitale Spielpläne in der Virenpause
Es muß nicht immer Frisches sein, manchmal kann man sich gezwungenermaßen mit Konserven begnügen. Wem es bei Oper nicht primär um das akustische Live-Erlebnis geht, der kann sich eventuell mit Internet-Übertragungen anfreunden. Mit vielen (vorübergehend) kostenlosen Streaming-Angeboten trotzen manche Kultureinrichtungen dem Corona-Virus. Anbei eine kleine Liste zum Stöbern und gegen das Absacken des Kulturkapitals:
Mittwoch, 11. März 2020
Corona-Pause am Badischen Staatstheater
Das Badische Staatstheaters stellt vom 11.03. bis 18.04.20 den Spielbetrieb an allen Spielstätten und Veranstaltungsorten des Theaters ein. Die Damen und Herren des Kartenservice sind weiterhin fleißig und werden alle Eintritts- und Abokarten für abgesagte Vorstellungen automatisch stornieren und in Gutscheine umwandeln.
Manche Vorstellungen könnten ersatzlos entfallen, bspw. das 6. Symphoniekonzert am 05./06.04., für Premieren müssen neue Termine angesetzt werden. Hoffentlich wird sich dann der Vorhang am 19.04. zu Bridget Breiners Maria Stuart wieder heben und mit einer ausverkauften Ballettpremiere die Corona-Pause beendet.
Manche Vorstellungen könnten ersatzlos entfallen, bspw. das 6. Symphoniekonzert am 05./06.04., für Premieren müssen neue Termine angesetzt werden. Hoffentlich wird sich dann der Vorhang am 19.04. zu Bridget Breiners Maria Stuart wieder heben und mit einer ausverkauften Ballettpremiere die Corona-Pause beendet.
Sonntag, 8. März 2020
Høeg - Der Susan-Effekt, 07.03.2020
Auf der Suche nach Drama
Der Susan-Effekt ist als Roman ein Action-Thriller und Polit-Krimi. Korrupte Politiker und gierige Eliten verraten ihre Mitbürger und die Demokratie angesichts von Fehlentwicklungen und Konflikten und die dadurch drohenden nicht mehr kontrollierbaren Zustände, doch sie haben die Rechnung ohne Susan Svendsen gemacht, die für sich definiert: "Persönliche Freiheit kann gar nicht teuer genug erkauft werden". Wer Verschwörungstheorien mag und dem Politiker-Establishment kritisch gegenübersteht, der findet in Peter Høegs Roman eine spannend geschriebene, aber auch etwas zu banal aufgelöste Geschichte für den mißtrauischen Bürger und gerade in heutigen Zeiten, in denen die Meinungsfreiheit unter Druck gerät (mehr dazu hier) und die Bundesrepublik autoritärer wird (das Magazin Foreign Policy wies erst kürzlich darauf hin (und zwar hier), daß Heiko Mass' Netzwerkdurchsetzungsgesetz gerne von autoritären und diktatorischen Regimen kopiert wird), wird kritisches Bewußtsein benötigt gegen eine bevormundende, predigende und heuchelnde Politikerkaste, die ihre Machtansprüche hinter der moralischen Bewertung politischer, ökonomischer und ökologischer Belange versteckt. Das Karlsruher Schauspiel hat diesen 2014 erschienen Roman des dänischen Bestseller-Autors nun zu einem Theaterstück umgearbeitet, das erzählerisch, dramaturgisch und schauspielerisch dem Roman kaum etwas abgewinnen kann.
Der Susan-Effekt ist als Roman ein Action-Thriller und Polit-Krimi. Korrupte Politiker und gierige Eliten verraten ihre Mitbürger und die Demokratie angesichts von Fehlentwicklungen und Konflikten und die dadurch drohenden nicht mehr kontrollierbaren Zustände, doch sie haben die Rechnung ohne Susan Svendsen gemacht, die für sich definiert: "Persönliche Freiheit kann gar nicht teuer genug erkauft werden". Wer Verschwörungstheorien mag und dem Politiker-Establishment kritisch gegenübersteht, der findet in Peter Høegs Roman eine spannend geschriebene, aber auch etwas zu banal aufgelöste Geschichte für den mißtrauischen Bürger und gerade in heutigen Zeiten, in denen die Meinungsfreiheit unter Druck gerät (mehr dazu hier) und die Bundesrepublik autoritärer wird (das Magazin Foreign Policy wies erst kürzlich darauf hin (und zwar hier), daß Heiko Mass' Netzwerkdurchsetzungsgesetz gerne von autoritären und diktatorischen Regimen kopiert wird), wird kritisches Bewußtsein benötigt gegen eine bevormundende, predigende und heuchelnde Politikerkaste, die ihre Machtansprüche hinter der moralischen Bewertung politischer, ökonomischer und ökologischer Belange versteckt. Das Karlsruher Schauspiel hat diesen 2014 erschienen Roman des dänischen Bestseller-Autors nun zu einem Theaterstück umgearbeitet, das erzählerisch, dramaturgisch und schauspielerisch dem Roman kaum etwas abgewinnen kann.
Dienstag, 3. März 2020
5. Symphoniekonzert, 02.03.2020
Ein lineare Komposition zwischen zwei zirkulären Werken - das 5. Symphoniekonzert hatte einen geometrischen roten Faden und eine lineare Entwicklung von strahlendem Sonnenschein über emotionalen Ernst zu wolkenverhangener Depression.
Montag, 17. Februar 2020
Händel - Tolomeo, 16.02.2020
Die zweite Vorstellung von Tolomeo gelang noch runder als die Premiere und brachte Sängern und Musikern viel Applaus und Bravos vom Publikum.
Samstag, 15. Februar 2020
Händel - Tolomeo, 14.02.2020
Zwischen gepflegter Langsamkeit, zelebrierter Schönheit und szenischer Ereignislosigkeit
Die 43. Händel-Festspiele eröffneten gestern mit der Premiere von Händels 25. Oper Tolomeo, einer Oper mit vielen eindrucksvollen Arien und wenig Handlung, der Regisseur Benjamin Lazar dadurch zu entsprechen versucht, indem er Einsamkeit, Verlassenheit und Erschöpfung als Grunderlebnisse dieses Werks identifiziert und inszeniert. Die beiden Hauptfiguren "gleichen zwei Geistern, die sich im Tod treffen und die Welt gemeinsam verlassen wollen", erläutert das Programmheft. Auf der Bühne passiert fast nichts, das kann ermüden, das gibt aber auch Musik und Gesang Platz, um sich zu entfalten und die fünf Sänger nutzten die Chance und zelebrierten Händels Tolomeo als Stimmungsoper.
Die 43. Händel-Festspiele eröffneten gestern mit der Premiere von Händels 25. Oper Tolomeo, einer Oper mit vielen eindrucksvollen Arien und wenig Handlung, der Regisseur Benjamin Lazar dadurch zu entsprechen versucht, indem er Einsamkeit, Verlassenheit und Erschöpfung als Grunderlebnisse dieses Werks identifiziert und inszeniert. Die beiden Hauptfiguren "gleichen zwei Geistern, die sich im Tod treffen und die Welt gemeinsam verlassen wollen", erläutert das Programmheft. Auf der Bühne passiert fast nichts, das kann ermüden, das gibt aber auch Musik und Gesang Platz, um sich zu entfalten und die fünf Sänger nutzten die Chance und zelebrierten Händels Tolomeo als Stimmungsoper.
Dienstag, 11. Februar 2020
4. Symphoniekonzert, 10.02.2020
Das 4. Symphoniekonzert versprach bereits im Vorfeld ein Höhepunkt der Konzertsaison zu werden, denn die drei gespielten Werke erfordern eine schwereloses Musizieren. Und das gelang gestern bemerkenswert schön und gelöst.
Sonntag, 9. Februar 2020
Kleist - Penthesilea, 09.02.2020
Inspirationslose Kleist-Bearbeitung
Penthesilea ist kein Stück für Pazifisten. Es geht um den trojanischen Krieg, Kleist wählte den Mythos, um die Fallhöhe zu maximieren. Mythologische Krieger und Helden werden in ein neues Spannungsverhältnis zueinander gesetzt, die beiden Hauptfiguren kommen zu Fall, und zwar durch ihre Begierde füreinander. Das Ungeheuerliche eines mörderischen Gewaltexzesses im rauschhaften Affekt macht Penthesilea zu einem der außerordentlichsten Theaterstücke deutscher Sprache. Schade nur, daß das Karlsruher Schauspiel nichts damit anzufangen weiß. Das Ungeheuerliche ist der Regie nicht geheuer, wo Tragik sein sollte, bleibt harmloser Beziehungsstreß, statt einem eskalierenden Ende, gibt es lauwarmen Weichspühlgang. Von Heinrich von Kleist bleibt nicht viel übrig, die Regisseurin streicht sieben von neun Figuren und läßt ihre Inszenierung ins Leere laufen. Aber es gibt auch zwei positive Aspekte: die stark gekürzte Penthesilea benötigt nur 65 Minuten und mit Claudia Hübschmann und Jannek Petri hat man die richtige Besetzung gewählt.
Penthesilea ist kein Stück für Pazifisten. Es geht um den trojanischen Krieg, Kleist wählte den Mythos, um die Fallhöhe zu maximieren. Mythologische Krieger und Helden werden in ein neues Spannungsverhältnis zueinander gesetzt, die beiden Hauptfiguren kommen zu Fall, und zwar durch ihre Begierde füreinander. Das Ungeheuerliche eines mörderischen Gewaltexzesses im rauschhaften Affekt macht Penthesilea zu einem der außerordentlichsten Theaterstücke deutscher Sprache. Schade nur, daß das Karlsruher Schauspiel nichts damit anzufangen weiß. Das Ungeheuerliche ist der Regie nicht geheuer, wo Tragik sein sollte, bleibt harmloser Beziehungsstreß, statt einem eskalierenden Ende, gibt es lauwarmen Weichspühlgang. Von Heinrich von Kleist bleibt nicht viel übrig, die Regisseurin streicht sieben von neun Figuren und läßt ihre Inszenierung ins Leere laufen. Aber es gibt auch zwei positive Aspekte: die stark gekürzte Penthesilea benötigt nur 65 Minuten und mit Claudia Hübschmann und Jannek Petri hat man die richtige Besetzung gewählt.
Dienstag, 4. Februar 2020
Vorschau: Händel-Festspiele 2021
2021 ist mal wieder ein englisch gesungenes Oratorium dran: Hercules, und zwar am 19.02./21.02/24.02/27.02 und 03.03.2021. Regie soll Floris Visser führen, der bereits eine sehr schöne Semele gezeigt hat und auch Hoffmanns Erzählungen und Don Giovanni inszenierte. Bühne und Kostüme steuert Gideon Davey bei, dirigieren wird Lars Ulrik Mortensen. Singen sollen u.a. Ann Hallenberg, Brandon Cedel, Sophie Junker, Moritz Kallenberg und Cameron Shahbazi.
Als Wiederaufnahme gibt es Tolomeo am 26.02./28.02. und 02.03.2021. in gleicher Besetzung wie 2020.
Als Wiederaufnahme gibt es Tolomeo am 26.02./28.02. und 02.03.2021. in gleicher Besetzung wie 2020.
Montag, 3. Februar 2020
Wagner - Tristan und Isolde, 02.02.2020
Grandiose Vorstellung zum Schwärmen
Der Abschied von Justin Brown als Generalmusikdirektor rückt näher, gestern gab es Browns letztes Wagnerdirigat bei einem seiner Paradestücke. Die letzte von fünf Aufführungen von Tristan und Isolde (mehr zur Premiere hier) war noch mal ein Beweis der Kompetenz des Briten und eine außergewöhnlich gelungene Aufführung aller Beteiligten.
Der Abschied von Justin Brown als Generalmusikdirektor rückt näher, gestern gab es Browns letztes Wagnerdirigat bei einem seiner Paradestücke. Die letzte von fünf Aufführungen von Tristan und Isolde (mehr zur Premiere hier) war noch mal ein Beweis der Kompetenz des Briten und eine außergewöhnlich gelungene Aufführung aller Beteiligten.
Sonntag, 26. Januar 2020
Puccini - Turandot, 25.01.2020
Turandot als medial designter Science Fiction-Kitsch
Wie kann man eine imposante Oper wie Turandot so lustlos und uninspiriert szenisch verhunzen? Ein Erfolgsgeheimnis der Kunstform Oper besteht darin, alle anderen Künste integrieren zu können. Dies gelang beispielhaft gut vor sechs Jahren im 1. Akt von Dr. Atomic; es mißlingt nun bei Turandot. Anläßlich des an diesem Wochenende zusammen mit dem ZKM ausgerichteten Symposiums zu Opern- und Medienkunst, suchte die Karlsruher Oper nach einer Inszenierung, die exemplarisch Medienkunst integriert. Doch ach!, es fand sich nichts Gutes, in Italien kaufte man dann letztendlich eine defizitäre Produktion ein, die zuvor in Palermo und Bologna zu sehen war (auf youtube kann man sich hier einen komplettem Mitschnitt der nun in Karlsruhe zu sehenden Inszenierung ansehen), und deren Unzulänglichkeiten unfreiwillig komisch wirken: man sieht im Hintergrund einen kitschig-bunten Film voller Belanglosigkeiten vor dem Sänger und Chor mittels reduzierter und amateurhaft simpel wirkender Personenführung quasi semikonzertant-statisch Alibi-Bewegungen durchführen. Die Regie heuchelt Bedeutsamkeit, um Bedeutung vorzutäuschen, zeigt aber nur aufgeblähte Belanglosigkeiten - die Form bleibt leer! Nichts gelingt überzeugend, weder Liebesgeschichte noch Groteske, weder Märchen noch Drama, statt Exotik sieht man medialen Kitsch. Gerettet wurde die gestrige Premiere durch die auftrumpfenden Chorsänger und Orchestermusiker sowie durch gute Sängerleistungen.
Wie kann man eine imposante Oper wie Turandot so lustlos und uninspiriert szenisch verhunzen? Ein Erfolgsgeheimnis der Kunstform Oper besteht darin, alle anderen Künste integrieren zu können. Dies gelang beispielhaft gut vor sechs Jahren im 1. Akt von Dr. Atomic; es mißlingt nun bei Turandot. Anläßlich des an diesem Wochenende zusammen mit dem ZKM ausgerichteten Symposiums zu Opern- und Medienkunst, suchte die Karlsruher Oper nach einer Inszenierung, die exemplarisch Medienkunst integriert. Doch ach!, es fand sich nichts Gutes, in Italien kaufte man dann letztendlich eine defizitäre Produktion ein, die zuvor in Palermo und Bologna zu sehen war (auf youtube kann man sich hier einen komplettem Mitschnitt der nun in Karlsruhe zu sehenden Inszenierung ansehen), und deren Unzulänglichkeiten unfreiwillig komisch wirken: man sieht im Hintergrund einen kitschig-bunten Film voller Belanglosigkeiten vor dem Sänger und Chor mittels reduzierter und amateurhaft simpel wirkender Personenführung quasi semikonzertant-statisch Alibi-Bewegungen durchführen. Die Regie heuchelt Bedeutsamkeit, um Bedeutung vorzutäuschen, zeigt aber nur aufgeblähte Belanglosigkeiten - die Form bleibt leer! Nichts gelingt überzeugend, weder Liebesgeschichte noch Groteske, weder Märchen noch Drama, statt Exotik sieht man medialen Kitsch. Gerettet wurde die gestrige Premiere durch die auftrumpfenden Chorsänger und Orchestermusiker sowie durch gute Sängerleistungen.
Montag, 13. Januar 2020
Wilde/Jelinek - Bunbury, 12.01.2020
Lustig sein wäre alles
oder
Travestie-Show statt Komödie
Seit über einem Jahrzehnt gab es im Badischen Staatstheater keine rasante Komödie mehr, seit der Intendanzübernahme 2011 gab es kaum noch etwas zu lachen. Und das Warten geht leider weiter. Oscar Wildes geistreiche Dandy-Komödie The Importance of being Earnest (im Deutschen oft Ernst sein ist alles oder Bunbury betitelt) legt die Latte (noch) zu hoch für das in den letzten Jahren so verkrampft und verklemmt wirkende Karlsruher Schauspiel. Immerhin, Schauspieldirektorin Anna Bergmann traut sich endlich und ist bemüht, sie setzte jedoch auf das falsche Inszenierungsteam. Subtiler britischer Humor wird in dieser Regie zu grobmotorischem deutschen Klamauk, der kaum Wortwitz kennt, nichts von Dialogen und Timing versteht und sich nur durch Übertreibung, Verkleidung und Hampelei zu helfen weiß. Die Regisseurin übersetzt den nichtsnutzigen und ostentativ oberflächlichen Dandy ins Travestie-Milieu und setzt auf affektiertes Getue und künstlich übergroße Posen. Der Komödienwert ist gering, gut vorbereitete Pointen gibt es wenig (tatsächlich gab es kaum kollektives Gelächter im Premierenpublikum, Feuerwerk und Rasanz suchte man vergebens, es wurde überwiegend wohlwollend geschmunzelt), doch ein Schauwert ist vorhanden, vor allem dann, wenn man keine zu großen Ansprüche stellt und sich am etwas biederen deutschen Symbolik-Humor nicht stört. Und so waren es dann auch die Tanz- und Gesangsszenen und die hochmotivierten Schauspieler -vor allem ein grandios komisch agierender Leander Senghas-, die die letztendlich mittelmäßig komische Inszenierung retteten.
oder
Travestie-Show statt Komödie
Seit über einem Jahrzehnt gab es im Badischen Staatstheater keine rasante Komödie mehr, seit der Intendanzübernahme 2011 gab es kaum noch etwas zu lachen. Und das Warten geht leider weiter. Oscar Wildes geistreiche Dandy-Komödie The Importance of being Earnest (im Deutschen oft Ernst sein ist alles oder Bunbury betitelt) legt die Latte (noch) zu hoch für das in den letzten Jahren so verkrampft und verklemmt wirkende Karlsruher Schauspiel. Immerhin, Schauspieldirektorin Anna Bergmann traut sich endlich und ist bemüht, sie setzte jedoch auf das falsche Inszenierungsteam. Subtiler britischer Humor wird in dieser Regie zu grobmotorischem deutschen Klamauk, der kaum Wortwitz kennt, nichts von Dialogen und Timing versteht und sich nur durch Übertreibung, Verkleidung und Hampelei zu helfen weiß. Die Regisseurin übersetzt den nichtsnutzigen und ostentativ oberflächlichen Dandy ins Travestie-Milieu und setzt auf affektiertes Getue und künstlich übergroße Posen. Der Komödienwert ist gering, gut vorbereitete Pointen gibt es wenig (tatsächlich gab es kaum kollektives Gelächter im Premierenpublikum, Feuerwerk und Rasanz suchte man vergebens, es wurde überwiegend wohlwollend geschmunzelt), doch ein Schauwert ist vorhanden, vor allem dann, wenn man keine zu großen Ansprüche stellt und sich am etwas biederen deutschen Symbolik-Humor nicht stört. Und so waren es dann auch die Tanz- und Gesangsszenen und die hochmotivierten Schauspieler -vor allem ein grandios komisch agierender Leander Senghas-, die die letztendlich mittelmäßig komische Inszenierung retteten.
Sonntag, 12. Januar 2020
Rokokotheater Schwetzingen: Schürmann - Die getreue Alceste, 11.01.2020
Barockzauber auf Deutsch
Der Winter in Schwetzingen -das Barock-Festival der Heidelberger Oper im Rokokotheater des benachbarten Schwetzingen- widmet sich nach vielen Ausgrabungen italienischer Opern nun der stiefmütterlich behandelten deutsch gesungenen Barockoper. Der Komponist Georg Caspar Schürmann (*1672/73 †1751) war Nachfolger von Reinhard Keiser an der Hamburger Gänsemarktoper (dem ersten öffentlichen Opernhaus Deutschlands) und Vorgänger von Carl Heinrich Graun in Braunschweig, wo diese Alceste 1719 uraufgeführt wurde. 2016 gab es eine halbszenische Aufführung inkl. CD-Aufnahme (CPO) in Hamburg, in Schwetzingen hat man sich dieses Werks nun bravourös im Rokokotheater angenommen. Die getreue Alceste verzaubert musikalisch und sängerisch und ist eine der schönsten Produktionen, die der Winter in Schwetzingen bisher zu bieten hatte.
Der Winter in Schwetzingen -das Barock-Festival der Heidelberger Oper im Rokokotheater des benachbarten Schwetzingen- widmet sich nach vielen Ausgrabungen italienischer Opern nun der stiefmütterlich behandelten deutsch gesungenen Barockoper. Der Komponist Georg Caspar Schürmann (*1672/73 †1751) war Nachfolger von Reinhard Keiser an der Hamburger Gänsemarktoper (dem ersten öffentlichen Opernhaus Deutschlands) und Vorgänger von Carl Heinrich Graun in Braunschweig, wo diese Alceste 1719 uraufgeführt wurde. 2016 gab es eine halbszenische Aufführung inkl. CD-Aufnahme (CPO) in Hamburg, in Schwetzingen hat man sich dieses Werks nun bravourös im Rokokotheater angenommen. Die getreue Alceste verzaubert musikalisch und sängerisch und ist eine der schönsten Produktionen, die der Winter in Schwetzingen bisher zu bieten hatte.
Sonntag, 5. Januar 2020
Breiner - Ruß (Ballett), 04.01.2020
Aschenputtel im Zechen- und Bergarbeitermilieu
2013 gewann Bridget Breiner für ihre Choreographie zu Ruß. Eine Geschichte von Aschenputtel am Ballett im Revier Gelsenkirchen zum ersten mal den Theaterpreis "Faust", 2015 wiederholte sie diesen Erfolg mit Charlotte Salomon: Der Tod und die Malerin. Nun kann man Ruß auch in Karlsruhe sehen, die gestrige Adaptionspremiere fand im Kleinen Haus statt und erwies sich als Glücksfall, denn man ist nahe dran an dieser intimen und ironischen Märchenerzählung, die die Geschichte hinter der Geschichte ohne märchenhafte Elemente erzählt, und zwar aus der Sicht von Aschenputtels Stiefschwester. Bereits vor der Premiere waren fast alle Tickets für die Vorstellungen bis zum Ende der Spielzeit verkauft, wer dabei sein will, sollte sich bald Karten sichern oder muß auf die Wiederaufnahme 2020/21 warten.
2013 gewann Bridget Breiner für ihre Choreographie zu Ruß. Eine Geschichte von Aschenputtel am Ballett im Revier Gelsenkirchen zum ersten mal den Theaterpreis "Faust", 2015 wiederholte sie diesen Erfolg mit Charlotte Salomon: Der Tod und die Malerin. Nun kann man Ruß auch in Karlsruhe sehen, die gestrige Adaptionspremiere fand im Kleinen Haus statt und erwies sich als Glücksfall, denn man ist nahe dran an dieser intimen und ironischen Märchenerzählung, die die Geschichte hinter der Geschichte ohne märchenhafte Elemente erzählt, und zwar aus der Sicht von Aschenputtels Stiefschwester. Bereits vor der Premiere waren fast alle Tickets für die Vorstellungen bis zum Ende der Spielzeit verkauft, wer dabei sein will, sollte sich bald Karten sichern oder muß auf die Wiederaufnahme 2020/21 warten.
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