Montag, 30. September 2019

The Tiger Lillies - Shockheaded Peter, 29.09.2019

Dauerhampeliade
Die gestrige Musical-Premiere von Shockheaded Peter - eine 1998 uraufgeführte "Junk-Oper nach Motiven aus Der Struwwelpeter von Heinrich Hoffmann" - bringt über weite Strecken außer Gehopse und Gehampel nichts zuwege. Es gibt fahlen Klamauk, der schnell in ermüdendem Leerlauf stecken bleibt, kontrastiert durch einen Pseudo-Ernst, der nicht makaber ist, etwas zu klebrige Sentimentalität und eine hysterische Überzeichnung, die schnell nervt. Manche schauspielerischen Einzelleistungen retteten den Abend vor der Pleite.

Mittwoch, 25. September 2019

Turandot als Pleite mit Ansage?

Wann gab es in Karlsruhe schon mal so viel Mumpitztheater? Über der Intendanz schwebt das Damoklesschwert einer unfreiwilligen Komik. Und es scheint sich die nächste inszenatorische Totalpleite anzukündigen.

Dienstag, 24. September 2019

Operngalas 2019/2020

Heimlich, still und leise hat die Karlsruher Oper nun doch noch die voraussichtliche Besetzung der Operngalas veröffentlicht. Wer in den vier Vorstellungen ab November Tristan und Isolde singen wird, ist hingegen immer noch unbekannt.

Sonntag, 15. September 2019

Maier - Mein Jahr ohne Udo Jürgens, 14.09.2019

Wer schwärmt, bleibt jung im Herzen
Dieser Abend war überfällig. Nicht wegen Udo Jürgens, sondern wegen Gunnar Schmidt, der endlich die große Solo-Rolle gefunden und bekommen hat. Der Udo Jürgens-Abend ist ihm auf den Leib geschneidert, doch leider läßt ihn der Regisseur mit einer manchmal fast bieder wirkenden Inszenierung im Stich, bei der der ganz große Spannungsbogen nicht entstehen will und der am Ende die Luft ausgeht.

Sonntag, 1. September 2019

Vorschau auf die Spielzeit 2019/20 des Badischen Staatstheaters

Eine neue Saison beginnt, doch wer traut der Intendanz zu, das Ruder noch mal herumzureißen? Man hat in Karlsruhe die Chance zu frischem Wind und Neuanfang verpaßt, als die Kulturpolitiker Intendant Spuhler Gnadenbrot gewährten und ihm als Sanierungs- und Baustellenintendant den Job für die mageren Jahre gaben. Als Kapitän des Badischen  Staatstheaters wird ihm nur der bescheidene Ruf bleiben, das Schiff in flache Wasser manövriert und die Werft angesteuert zu haben. Um auf große Fahrt zu gehen, benötigt man ein anderes Format. Die Flaute im Flachwasser scheint noch einige Zeit anzuhalten, es ist nun die Pflicht der Direktoren, ins Offene rauszuschwimmen statt im Plantschbecken zu dümpeln. Die individuellen Perspektiven sind dabei für die bevorstehende Saison unterschiedlich.

Mittwoch, 14. August 2019

Interview mit Bridget Breiner zum Ende einer Ära

Nicht nur in Karlsruhe hat man nach 16 Jahren das Gefühl, eine Ära geht mit dem Abschied von Birgit Keil zu Ende. Auch der Weggang der neuen Karlsruher Ballettdirektorin Bridget Breiner vom Theater im Revier wird von den Medien als Ende einer Ära gesehen, wie im Interview der Funke Mediengruppe mit Breiner nachzulesen ist. Der Artikel ist in verschiedenen Zeitungen erschienen, die den Zugang gelegentlich von einer Anmeldung abhängig machen, bspw. hier, hier oder hier.
Anläßlich der Geschehnisse der letzten Jahre und der Verlängerung des Karlsruher Intendanten konnte man am Sachverstand der Kulturpolitik schon mal (ver)zweifeln, die Findungskommission für Birgit Keils Nachfolge hat offensichtlich fundiert entschieden.

Mittwoch, 7. August 2019

Uraufführung(en) in der Karlsruher Oper

Es könnte in den kommenden Jahren zu diversen Uraufführungen in der Karlsruher Oper kommen, in der Saison 2020/21 soll es die tragikomische Oper Reise der Hoffnung geben, weiterhin munkelt man über Die Negerin des Marquis de Sade und Adipositas. Das Sommmerloch der Spielzeitpause bietet sich für eine erste Analyse an.

Sonntag, 21. Juli 2019

Verabschiedung von Birgit Keil, 20.07.2019

Glückliche Dankbarkeit
16 Spielzeiten lang sorgten Ballettdirektorin Birgit Keil, Vladimir Klos und die Tänzerinnen und Tänzer des Badischen Staatsballetts für Freude und Begeisterung beim Karlsruher Publikum. Und auch zum Abschied gab es kaum Wehmut, sondern selbstbewußte gute Laune. So viele Erfolgsproduktionen gab es, so viele schöne, besondere und wunderbare Erinnerungen hat man gemeinsam gehabt! Der Abschied hatte Premierenstimmung: glanzvoll, sehr herzlich und mit stehenden Ovationen.

Freitag, 19. Juli 2019

Rückblick (2): Zuschauerzahlen der Spielzeit 2018/2019

Schauspiel im Sinkflug. Oper leicht erholt, aber noch zu schwach
Gewinner der Spielzeit ist mal wieder das Ballett! Anna Bergmann ist im Schauspiel die große Verliererin.

Freitag, 12. Juli 2019

Rückblick (1): Die Spielzeit 2018/19 des Badischen Staatstheaters

Der Erfolg des Balletts und das Scheitern einer Intendanz
In wenigen Tagen endet eine Ära, 16 Jahre stetiger, erfolgreicher Arbeit sind vorbei -  Ballettdirektorin Birgit Keil und Vladimir Klos sowie viele beliebte Tänzerinnen und Tänzer verabschieden sich. Aufmerksamen Stammbesuchern des Badischen Staatstheaters wird es kaum entgehen: seit acht Jahren ist Peter Spuhler Intendant des Badischen Staatstheaters, im achten Jahr hat man bereits zahlreiche Direktorenwechsel in den anderen Sparten erlebt, aber auf eine erfolgreiche Personalie und erfolgsversprechende Perspektive wartet man dort vergebens; Niemand aus dem Umfeld der Intendanz steht vergleichbar stark für Qualität, Vision und Anspruch. Nun ja, vielleicht klebt einfach nur das Pech an den Fingern von Intendant Spuhler, vielleicht mangelt es ihm an Format und Weitsicht, so oder so, als Intendant ist Peter Spuhler keine optimale Besetzung, und auch das Gnadenbrot, das ihm eine ambitionslose Kulturpolitik mit der Verlängerung seiner Intendanz bis 2026 gewährt, wird nicht darüber hinwegtäuschen, daß es holprig und improvisiert zugeht und keine belastbare Vision erkennbar ist. Birgit Keil steht hingegen für kontinuierlich hohen Qualitätsanspruch und hat das Publikum stets im Blick gehabt. Hätte sich doch der Intendant nur ein wenig davon abgeschaut, stattdessen verwandelte er das Staatstheater ist ein stagnierendes Provinztheater, dessen verantwortliche Akteure beim künstlerischen und qualitativen Anspruch dem Vergleich mit Birgit Keil nicht standhalten.

Sonntag, 30. Juni 2019

Debussy - Pelléas et Mélisande, 29.06.2019

Ein theoretisches Meisterwerk der praktischen Langeweile
Pelléas et Mélisande (UA 1902) ist eine ambitionierte und ungewöhnliche Oper, die dafür berüchtigt ist, außergewöhnlich langweilig zu sein. Bei der letzten Aufführung im Badischen Staatstheater -einem Gastspiel der Straßburger Oper im März 1991- leerten sich nach der Pause die Plätze merklich, zäh wie ausgekauter Kaugummi zog sich die Vorstellung, und das ist eine Erfahrung, die man bei Inszenierungen der einzigen Oper Debussys mehrheitlich machen kann. Die rätselhafte Handlung beinhaltet kaum Höhepunkte und Zuspitzungen, es geht emotional und psychologisch leise und subtil zu, auch akustisch findet man nur sehr wenige Fortissimos. Das Klangbild ist in einem Maße vergeistigt und kann beim Zuhören so entmaterialisiert wirken, daß es quasi substanzlos klingt - manch einer mag das lyrisch, meditativ oder sogar spirituell nennen, andere werden es als undramatisch und blutleer beschreiben,  "eine Art von dünnem poetischen Aufguß .... bei dem man nicht recht weiß, warum die Konflikte eintreten, unglaubwürdig, wie sie werden, wenn sie sich zwischen Personen entwickeln, die nie ein Wort lauter als das andere aussprechen dürfen", so benannte der Komponist und Dirigent Pierre Boulez diese Vorbehalte gegen die ca. 150-minütige Oper. Ein hellhöriger deutscher Musikkritiker bezeichnete zu Beginn des letzten Jahrhunderts und wenige Jahre nach der Uraufführung Debussys Oper als "ein Werk von prinzipieller Bedeutung". Die Karlsruher Oper nähert sich diesem prinzipiell bedeutsamen Werk auf engagierte Weise, musikalisch und sängerisch ist man sehr gut aufgestellt, gegen die praktische Langeweile dieser Oper kommt man dennoch kaum an.  

Montag, 24. Juni 2019

Janáček - Das schlaue Füchslein, 23.06.2019

Ein Tongemälde als Bildersymphonie
Mit Leoš Janáčeks Tierfabel und Pastorale-Oper Das schlaue Füchslein ist das so eine Sache, die Fabel ist bescheiden, die Handlung wenig reizvoll, die Sänger haben kaum Gelegenheit sich in Szene zu setzen, nur das Orchester kann auftrumpfen, die orchestralen Zwischenspiele sind die Höhepunkte. Die Inszenierung am Badischen Staatstheater rückt deshalb das Orchester in den Mittelpunkt, es sitzt zentral erhöht auf dem Orchestergraben und der Bühne, die Handlung spielt im Hintergrund und ist als 85 minütige Bildersymphonie in Form eines Zeichentrickfilm konzipiert. Die Tiere der Oper werden überwiegend filmisch dargestellt, die Sänger werden in die Projektion eingefügt. Das Ergebnis ist visuell attraktiv und durchaus authentisch, denn es war ein Comicstrip in einer Zeitung, der den Komponisten zu dieser Oper inspirierte. Die comic-cineastische Umsetzung hat nur einen Haken - der Eindruck einer harmlosen Kinderoper wird dadurch verstärkt.

Montag, 17. Juni 2019

Mumpitztheater (13): Zwischen Repression und Relotius

Manche ahnen es bereits inzwischen, so richtig im Griff hat die Intendanz ihren Verantwortungsbereich anscheinend nicht. Wer in das neue Spielzeitheft für die Saison 2019/2020 blickt (aktuell befindet sich das ohne Aufsehen ins Netz gestellte pdf hier), kann wieder über Absurditäten wie bspw. ein DDR-Jubiläum den Kopf schütteln.

Sonntag, 9. Juni 2019

Offenbach - Hoffmanns Erzählungen, 08.06.2019

Eine Woge begeisterter Bravo-Rufe gab es gestern für Tenor Rodrigo Porras Garulo in der Titelrolle von Les contes d'Hoffmann und auch sonst herrschte nach der Premiere durchgängig gute Laune: musikalisch und sängerisch gab es begeisternde Momente und die Inszenierung gelang grundsolide.

Samstag, 1. Juni 2019

Vorschau 2019/2020 (5): Künstlerkarussell

Die Ballett-Compagnie scheint verkleinert worden zu sein, 30 Tänzer werden es in der kommenden Saison sein, diese Spielzeit waren es noch 34.

Neu im Opernensemble: Mezzosopranistin Luise von Garnier, Koloratursopran Sophia Theodorides und der thailändische Tenor Nutthaporn Thammathi.
James Edgar Knight und Tiny Peters sind nicht mehr im Ensemble

Jetzt schon als Operngäste geplant: Annette Dasch (Donna Anna), Nino Machaidze, Stefano La Colla (als Calaf), Ramon Vargas (als Offenbachs Hoffmann) und Michael Volle (Don Giovanni), Annemarie Kremer könnte als Isolde zu hören sein, Stefan Vinke als Tristan.

Freitag, 31. Mai 2019

Vorschau 2019/2020 (4): Symphoniekonzerte

Justin Brown dirigiert Beethovens 9. Symphonie zu seinem Abschied im Sommer 2020. Die Sonderkonzerte kommen ohne Gastorchester aus, das SWR Symphonieorchester mit Teodor Currentzis kommt auch in der kommenden Saison nicht nach Karlsruhe. Die Kammerkonzerte sind noch nicht veröffentlicht, das Symphoniekonzert- & Sonderkonzertprogramm liegt nun vor:

Mittwoch, 29. Mai 2019

Auf der Suche nach Kompetenz

Von Zierfischchen und Alphatierchen
Uiuiuiuiuiuiui! Das Personalkarussell am Badischen Staatstheater dreht sich wieder, Verschleiß fordert Tribut und aufmerksame Beobachter wissen kaum, worüber sie als erstes lachen sollen. Kann man diese wiederkehrenden Beschwerden als akute Spuhleritis bezeichnen?

Montag, 27. Mai 2019

Euripides / Goethe - Iphigenie, 23./26.05.2019

Vertrocknet und versandet
In dunklen Vorzeiten sollten es (Menschen-)Opfer richten, bei jeder neuen Krise mußte wieder getötet werden. Die kanalisierte Gewalt sollte die gesellschaftliche Selbstzerfleischung verhindern, grausame Rituale dienten dem Zusammenhalt. Das Ausmaß ist heute kaum noch bekannt, man strangulierte, ertränkte oder schlachtete Opfer, Fremde, Außenseiter, Schwache, man versenkte die Sündenböcke in Mooren (wo man sie heute noch gelegentlich findet), man zerriß oder verbrannte sie, man machte Schrumpfköpfe aus ihnen oder ließ sich andere Grausamkeiten einfallen. Gewalt befreit und ist einerseits die Zuflucht der Verzweifelten, Gedemütigten, Beleidigten und Unglücklichen, aber andererseits auch das Mittel der Mächtigen, um Unzufriedenheit nach außen zu lenken. Mediale Scheiterhaufen werden heute immer noch überall im politischen Spektrum kollektiv befeuert. Es sind immer vorgeblich die Vielen, die sich von den Wenigen bedroht fühlen und in deren Namen gegen die vermeintlichen Feinde gehetzt wird, die "Guten" gegen die "Bösen", noch immer brauchen Gesellschaften böse Außenseiter auf die man die Zeigefinger richten kann und über die man richten will. Alle Geschichte ist die Geschichte von Ausgrenzungen, souverän ist, wer die Feindbilder festlegt.
Iphigenie ist beides: Opfer und Täter, sie wurde geopfert und sie opfert. Sie ist Spielball höherer Mächte, verraten und gerettet von einer Göttin. Artemis fordert Iphigenies Tod und entführt sie nach Tauris, wo sie für die Göttin selber Menschenopfer darbringt - eine große und spannende Geschichte,  doch am Karlsruher Schauspiel findet man weder Zugang zum Mythos noch zur Tragödie, auf dem Weg vertrocknet und versandet die Inszenierung in einer Wüste der Einfallslosigkeit.

Dienstag, 21. Mai 2019

Vorschau 2019/2020 (3): Die heruntergespuhlerte Oper

Die Schrumpfung der Oper
In Karlsruhe zeigt man in der kommenden Opernsaison fünf Opernpremieren und eine Operette - also sechs Neuproduktionen, dazu zehn Wiederaufnahmen. Die Mannheimer Oper bietet 9 Premieren und 15 Wiederaufnahmen. Wieso ist Karlsruhe innerhalb eines heruntergespuhlerten Jahrzehntes weniger leistungsfähig als Mannheim geworden? Was machen Intendant und Operndirektor dort besser? Besonders komisch und peinlich: Das Opernpremieren-Abo umfaßt in Karlsruhe traditionell sechs Premieren. Doch da die teurer verkaufte Oper der Händel-Festspiele nicht im Abo ist, hat man nicht genug Produktionen, um das Abo zu befüllen. Das Badische Staatstheater fand eine kreative Mogelpackung: wer ein Opernpremieren-Abo hat, darf im Rahmen seines Abos in eine Ballettpremiere. Man darf gespannt sein, wer die Hauptrollen singen wird.

Montag, 20. Mai 2019

Mumpitztheater (12): Der falsche Intendant

Vom Blog zum Kummerkasten
Seit fast acht Jahren schreibe ich diesen eigentlich ganz intim auf eine kleinstmögliche familiäre  Zielgruppe setzenden Blog. Dennoch haben viele mir unbekannte Leute geschrieben - darunter regionale und überregionale Zuschauer mit Meinungen und Kommentaren zu Inszenierungen und Vorstellungen. Aber auch Theater-Mitarbeiter, Angehörige von Mitarbeitern sowie frühere Mitarbeiter meldeten sich; Einige schickten mir Informationen und Neuigkeiten, doch viele wollten  ihr Leid klagen und die Ursache ihrer Unzufriedenheit hatte stets einen Namen: Generalintendant Peter Spuhler und seine Amtsführung. Ich konnte und kann kaum nachvollziehen, ob all die Vorwürfe gerechtfertigt sind, viele Kommentare habe ich deswegen nie veröffentlicht. Aber doch gab es in manchen Schilderungen Übereinstimmungen, die Tendenzen waren eindeutig und nicht zugunsten der Intendanz. Auffällig war auch, daß in den vergangenen Jahren niemand etwas Gutes über die Intendanz zu sagen hatte, die Verschlechterungen und Qualitätseinbußen der letzten Jahre sind zu offenkundig - den Schönrednern fehlen offensichtlich die Argumente. Dieser Blog wurde zum Kummerkasten für zu viele Leser - denn das Badische Staatstheater hat den falschen Intendanten.

Samstag, 18. Mai 2019

Mumpitztheater (11): Kulturpolitik als Realsatire

Von Stagnation und Farce
Gibt es Intendant Peter Spuhler eigentlich wirklich? Oder sind er und sein scheidender Assistent Jan Linders vielleicht nur Kunstfiguren, erfunden und positioniert von Hape Kerkeling, der irgendwann am Badischen Staatstheater auftaucht und Hurz! ruft (wie hier im Video aus den 1980ern, das so wunderbar entlarvend ist)? Eine Scheinfrage ohne Realitätsbezug. Was wirklich ist, muß nicht wahr sein. Was wahr ist, wird nicht automatisch wirklich. Wer mit einem Sinn für Wahrheit und Wirklichkeit die Welt beobachtet und beide kombiniert, hat einen kritischen Zugang zur Welt und kann erkennen, daß es etwas gibt, was man an dieser Intendanz zu schätzen wissen sollte - zwischen Wahrheit und Wirklichkeit entwickelt sich unfreiwillig Humor, den man u.a. durch Karikatur und Satire darstellen kann. Um es mit einem adaptierten Bonmot von Oscar Wilde zu sagen: Der einzige Reiz der Vergangenheit liegt darin, daß sie vergangen ist. Wie brüllend komisch erscheint doch ein Theatermacher, der nicht weiß, wann der Vorhang zu fallen hat, der einen sechsten Akt verlangt und weitermachen möchte, wenn das Interesse vorüber ist. Wenn man ihn gewähren läßt, bekommt jede Komödie einen tragischen Schluß und jede Tragödie endet als Farce.
Intendant Peter Spuhler wollte schon längst wieder weg sein, doch kein anderes Theater wollte ihn haben - eine gescheiterte Karriere? Für den Karriereknick gibt es gute Gründe (mehr dazu demnächst). Man könnte sagen, daß er aus Erfolglosigkeit als Generalintendant des Badischen Staatstheaters verlängert wird, die kurzsichtige Kulturpolitik lehnt sich bequem und erleichtert zurück und hat es mal wieder vermieden, zukunftsorientiert zu handeln. Über diese Geschehnisse sollte man auch dann lachen, wenn man sich nicht freut.

Freitag, 17. Mai 2019

Mumpitztheater (10): Gnadenbrot für Generalintendant Spuhler

Nicht jeder macht von Karlsruhe aus Karriere
Die Geschichte ist inzwischen hinlänglich bekannt: Peter Spuhler kam als Intendant nach Karlsruhe, um vier Jahre später wieder weg zu sein: er hoffte auf den Intendantenjob in Basel. Sein Vorgänger Achim Thorwald soll sich im Vorfeld bereit erklärt haben, als Interimsintendant einzuspringen, Stadt und Land wollten Spuhler ziehen lassen. Doch es kam anders, Basel sagte ab, die Karriere des Intendanten kam ins Stocken. Mutigerweise lehnte man sich am Badischen Staatstheater aus dem Fenster: "Karlsruhe ist keine Endstation", "Von Karlsruhe aus macht man Karriere". Doch vergeblich: kein anderes Theater wollte den Intendanten haben. In Karlsruhe gewährt man GI Spuhler nun Gnadenbrot und hat ihn quasi aus Erfolglosigkeit um 5 weitere Jahre bis 2026 verlängert.

Georg Fritzsch wird neuer GMD in Karlsruhe

Nachfolger von Justin Brown als Generalmusikdirektor der Badischen Staatskapelle wird ab der Spielzeit 2020/21 Georg Fritzsch, vorerst für 4 Jahre bis 2024. Der 1963 im sächsischen Meißen geborene Fritsch war erst Cellist bevor er in Leipzig und Dresden sich zum Dirigenten ausbilden ließ. Einen sehr guten Ruf erarbeitete er sich als Generalmusikdirektor des Theaters Kiel, wo er seit 2003 im Amt ist, nach 16 Jahren beendet er dort seine Tätigkeit im Sommer. Fritzsch gilt als Experte für deutsche Klassik und Romantik, Opern von Richard Strauss und Richard Wagner dirigierte er auch in Stuttgart, wo er wiederholt als Gast auftrat. Die verjüngte Badische Staatskapelle entschied sich also nicht für einen Dirigenten auf dem Sprung nach oben, sondern für einen erfahrenen Orchesterleiter in der reifen Phase seiner Karriere. Zweifellos eine sehr gute Wahl, man darf gespannt sein, welche Akzente er ab 2020 setzen wird.

Konzert im Gewandhaus Leipzig, 16.05.2019

Mit dem Gewandhausorchester hat Leipzig ein kulturelles Pfund zum Wuchern.