Wenn Leidenschaft Leiden schafft
Ich würde
so gerne etwas Gutes über das Karlsruher Schauspiel berichten. Seit fast
25 Jahren pflege ich diese Leidenschaft und fühle mich besonders dann motiviert, etwas für mich aus einer Inszenierung zu ziehen, wenn ich sie als sperrige
und schwierige Herausforderung sehe. Seit zwei Jahren wird diese
Zuneigung auf die bisher härteste Probe gestellt, denn dem Schauspiel
kann ich nur noch sehr wenig abgewinnen. Bei fast allen Vorstellungen erlebe ich einen Dimensionsverlust,
wie ich ihn sonst nur bei Besuchen von schlechteren Bühnen (als das
Badische Staatstheater war und sein sollte) kenne. Die
qualitativen Unterschiede zu kleineren Bühnen sind nicht mehr deutlich. Die Leuchtturmqualitäten, die ich von einem Staatstheater erwarte, nehme ich
nicht mehr wahr. Das Schauspiel hat für mich ein durchschnittliches und langweiliges Mittelmaß erreicht. Welche Gründe gibt es dafür?
Seit 1988 bin ich steter Besucher des Badischen Staatstheaters. Bei vielen Opern-, Theater-, Konzert- und Ballettvorstellungen im Jahr und Besuchen in anderen Städten verliert man schon mal den Überblick. Dieser Tagebuch-Blog dient mir seit der Spielzeit 2011/12 als elektronische Erinnerung. Bitte beachten Sie meine Intention: ich bin kein Journalist oder Kritiker, sondern schreibe hier lediglich persönliche Eindrücke, private Ansichten und Vermutungen für mich und Angehörige nieder.
Freitag, 3. Mai 2013
HfM: Turnage - Greek, 02.05.2013
Endlich hat es die Karlsruher Hochschule für Musik geschafft: mit dem fertiggestellten Neubauten -dem neuen Unterrichtsgebäude (Fany-Solter-Haus) und dem Multimedia- und Bühnenkomplex MUT (für Musik, Medien und Theater)- neben dem Gottesauer Schloß können nach Jahrzehnten endlich alle Lehreinrichtungen an einem Ort vereint werden und bieten Platz für die 900 Studenten, Dozenten und Angestellte. Am 25. April 2013 war die feierliche Eröffnung und zu Beginn gibt es bis Mitte Mai ein attraktives Fest-Programm. Der neue Konzert- und Theatersaal (das Wolfgang-Rihm-Forum) ist ein kleiner Bühnensaal auf dem neusten
Stand der Technik mit ca. 400 Plätzen.
Der britische Komponist Mark-Anthony Turnage (*1960) komponierte 1988 die Oper Greek als Auftragswerk von Hans-Werner Henze für die Münchener Biennale. Es handelt sich dabei um eine modernisierte Version des antiken Ödipus-Themas und spielt im Londoner Unterschichts- und Arbeitermilieu der 1980er Thatcher-Zeit. Ödipus heisst hier Eddy und wurde von einer einfachen Arbeiterfamilie aufgezogen. Eines Tages flüchtet er aus der heimischen Enge, kommt zwischen die Fronten der sozialen Unruhen der Thatcher-Zeit und wird bei einem Krawall von Polizisten zusammengeschlagen. Später erschlägt er selber im Streit wegen eines Kaffees und Käsekuchen einen Cafébesitzer und beginnt eine Beziehung mit dessen Frau -seine Mutter, die ihn als Kleinkind bei einem Unglück auf der Themse verloren hatte und für tot hielt- mit der er glücklich zusammenlebt bis seine Eltern ihm eines Tages erzählen, daß er ein Findelkind ist und die Umstände die Wahrheit ans Licht bringen. Das Ende bleibt seltsam offen und zweideutig: Eddy blendet sich und wird vom Chor in einem Marsch davongetragen, kommt dann aber wieder sehend zurück, um doch bei seiner Mutter bleiben zu wollen.
Das Libretto ist teilweise drastisch ordinär, Turnages Musik ist es nicht. Rhythmisch vorwärtsdrängende Momente stehen neben Sprechgesang und brutalen Orchesterschlägen, schrille und harsche Momente neben ruhigen Glücksmomenten. Viel Schlagzeug und Blechbläser für harten Realismus, Streicher für die Liebesbeziehung. Es ist ein Wechsel von guten und schwachen Momenten: beeindruckend die Aufruhr mit dem Polizeiaufmarsch, etwas wie ein Fremdkörper der Auftritt der Sphinx. Ein kleines Orchester von ca. 17 Musikern wird dafür benötigt.
Die vier Hauptssänger sind sehr gut besetzt und tragen die Oper, allen voran Lucian Eller als charismatischer Eddy und die mit der intensivsten Stimme des Abends auffallende Dilara Baştar als seine wahre Mutter, sowie Florian Kontschak als Dad und Simone Hirsch als Mum. Baştar und Kontschak sind bekannter- und verdientermaßen beide Mitglied des Opernstudios des Badischen Staatstheaters.
Fazit: Kein Meisterwerk, aber interessante 80 pausenlose Minuten mit spannenden Momenten und wenigen Durchhängern.
Weitere Vorstellungstermine: 15. und 17. Mai 2013, jeweils 19.30 Uhr
Hier der Link zur HfM Karlsruhe (http://www.hfm-karlsruhe.de/)
Besetzung:
Eddy: Lucian Eller
Frau: Dilara Baştar
Dad: Florian Kontschak
Mum: Simone Hirsch
und weitere Solisten des Instituts für Musiktheater (IMT)
Orchester der Hochschule für Musik Karlsruhe
Musikalische Leitung: Alicja Mounk
Inszenierung: Andrea Raabe
Bühne: Tobias Dinslage
Kostüme: Julia Schnittger
Der britische Komponist Mark-Anthony Turnage (*1960) komponierte 1988 die Oper Greek als Auftragswerk von Hans-Werner Henze für die Münchener Biennale. Es handelt sich dabei um eine modernisierte Version des antiken Ödipus-Themas und spielt im Londoner Unterschichts- und Arbeitermilieu der 1980er Thatcher-Zeit. Ödipus heisst hier Eddy und wurde von einer einfachen Arbeiterfamilie aufgezogen. Eines Tages flüchtet er aus der heimischen Enge, kommt zwischen die Fronten der sozialen Unruhen der Thatcher-Zeit und wird bei einem Krawall von Polizisten zusammengeschlagen. Später erschlägt er selber im Streit wegen eines Kaffees und Käsekuchen einen Cafébesitzer und beginnt eine Beziehung mit dessen Frau -seine Mutter, die ihn als Kleinkind bei einem Unglück auf der Themse verloren hatte und für tot hielt- mit der er glücklich zusammenlebt bis seine Eltern ihm eines Tages erzählen, daß er ein Findelkind ist und die Umstände die Wahrheit ans Licht bringen. Das Ende bleibt seltsam offen und zweideutig: Eddy blendet sich und wird vom Chor in einem Marsch davongetragen, kommt dann aber wieder sehend zurück, um doch bei seiner Mutter bleiben zu wollen.
Das Libretto ist teilweise drastisch ordinär, Turnages Musik ist es nicht. Rhythmisch vorwärtsdrängende Momente stehen neben Sprechgesang und brutalen Orchesterschlägen, schrille und harsche Momente neben ruhigen Glücksmomenten. Viel Schlagzeug und Blechbläser für harten Realismus, Streicher für die Liebesbeziehung. Es ist ein Wechsel von guten und schwachen Momenten: beeindruckend die Aufruhr mit dem Polizeiaufmarsch, etwas wie ein Fremdkörper der Auftritt der Sphinx. Ein kleines Orchester von ca. 17 Musikern wird dafür benötigt.
Die vier Hauptssänger sind sehr gut besetzt und tragen die Oper, allen voran Lucian Eller als charismatischer Eddy und die mit der intensivsten Stimme des Abends auffallende Dilara Baştar als seine wahre Mutter, sowie Florian Kontschak als Dad und Simone Hirsch als Mum. Baştar und Kontschak sind bekannter- und verdientermaßen beide Mitglied des Opernstudios des Badischen Staatstheaters.
Fazit: Kein Meisterwerk, aber interessante 80 pausenlose Minuten mit spannenden Momenten und wenigen Durchhängern.
Weitere Vorstellungstermine: 15. und 17. Mai 2013, jeweils 19.30 Uhr
Hier der Link zur HfM Karlsruhe (http://www.hfm-karlsruhe.de/)
Besetzung:
Eddy: Lucian Eller
Frau: Dilara Baştar
Dad: Florian Kontschak
Mum: Simone Hirsch
und weitere Solisten des Instituts für Musiktheater (IMT)
Orchester der Hochschule für Musik Karlsruhe
Musikalische Leitung: Alicja Mounk
Inszenierung: Andrea Raabe
Bühne: Tobias Dinslage
Kostüme: Julia Schnittger
Dienstag, 30. April 2013
5. Symphoniekonzert, 29.04.2013
Um eine Response, also eine Erwiderung bzw. Antwort zu verstehen, ist es nützlich, die Ursprungsaussage zu kennen. Jonny Greenwoods (*1971) Orchesterstück 48 Responses to Polymorphia aus dem Jahr 2005 ist eine Erwiderung auf Polymorphia für 48 Streichinstrumente des polnischen Komponisten Krzysztof Penderecki aus dem Jahr 1961. Pendereckis Polymorphia klingt wie die Hintergrund-Musik eines nervenzerreissenden Horror-Films - und tatsächlich wurden Ausschnitte daraus 1980 für den Film Shining des Regisseurs Stanley Kubrick verwendet (Hauptdarsteller Jack Nicholson versucht darin in einem eingeschneiten leeren Hotel seine Familie mit einer Axt zu erschlagen). Penderecki lässt das ca. zehnminütige Polymorhia mit einer Pointe enden: mit einem C-Dur-Akkord. Diesen verwendet Greenwood, um seine neun (nicht 48) Variationen jeweils damit zu beginnen und ihn dann zu verfremden. Nach einer persönlichen Einleitung durch GMD Justin Brown und 15 mäßig unterhaltenden Minuten mit Klangeffekten anstelle von Musik, versöhnte der rhythmische Schlußteil das Publikum zu etwas zu starkem Applaus und bewies, daß es der letzte Eindruck ist, der entscheidet.
Mit Maximilian Hornung hat man einen sehr jungen und bereits sehr renommierten Cellisten engagieren können, der gestern tadellos musizierte und sich mit einem schwierigen Konzert vorstellte, nämlich das des Polen Witold Lutoslawski (*1913 †1994). Dieses 1969/70 entstandene Cellokonzert hat einen programmatischen Hintergrund: Eine einzelne Stimme gegen die Machthaber und die Gleichgültigen, so beschreibt es das Programmheft. Und tatsächlich hört man die Qual und buchstäblich das Wimmern und Winseln des geschundenen und unterdrückten Künstlers im osteuropäischen Sozialismus des Kalten Krieges. Doch auch wer Zahnschmerzen gerne sinnlich-musikalisch erleben will, der kann dieses Konzert als narkosefreie Behandlungserinnerung zur Vorbereitung und Abhärtung hören. Das 30minütige Konzert-Martyrium endet nach zwischenzeitlich akutem, bohrendem, ja panischem Schmerz ungelindert. Ein nervenaufreibendes Konzert, das man nicht regelmäßig ertragen möchte, vor allem nicht, wenn es so intensiv wie von Maximilian Hornung gespielt wird.
Die Zugabe war dann klug zur Erholung kombiniert: Bachs Prélude aus seiner ersten Cello-Suite erklang wie ein helles Aquarell mit leichtem Pinselstrich gemalt.
Nach der Pause dann ein Hauptwerk deutscher Orchestermusik: Johannes Brahms' vierte Symphonie, deren Partitur als eine der schwierigsten und kompliziertesten des Komponisten gilt: ein Meisterwerk der Variationenentwicklung, aber auch ein Werk, dessen Charaker schwer zu bestimmen ist. War es Clara Schumann, die als erstes diesem Werk einen sehr männlichen und herben Charakter attestierte? Bei Justin Brown konnte man diese Aussage nachempfinden: herb mit geheimmisvoll unklaren tragischen Verstrickungen. Der erste Satz steigerte sich verschlungen zu dunkler Leidenschaft. Dem feierlichen und am Ende fast schon sakral endenden zweiten Satz folgte ein fröhliches und teilweise überbordendes Allegro giocoso. Das abschließende Allegro energico e passionato führte zu keiner Stimmungsaufhellung. Justin Brown ließ die Badische Staatskapelle immer wieder energisch aufspielen und steigerte Brahms in den Höhepunkten zu etwas Unerbittlichem.
Ein sehr schönes Konzert des Orchesters (trotz einiger Unkonzentriertheiten bei Brahms), des groß aufspielenden Solisten und des souveränen Dirigenten Justin Brown, das mit viel Applaus belohnt wurde.
PS: Und einen Dank muß man in diesem Jahr bereits jetzt aussprechen, nämlich für die Gast-Solisten. Mit Maximilian Hornung, Benjamin Moser und Boris Berezovsky hatte man bisher herausragend gute Musiker engagiert. Gideon Kremer folgt zum Abschluß der Saison
Mit Maximilian Hornung hat man einen sehr jungen und bereits sehr renommierten Cellisten engagieren können, der gestern tadellos musizierte und sich mit einem schwierigen Konzert vorstellte, nämlich das des Polen Witold Lutoslawski (*1913 †1994). Dieses 1969/70 entstandene Cellokonzert hat einen programmatischen Hintergrund: Eine einzelne Stimme gegen die Machthaber und die Gleichgültigen, so beschreibt es das Programmheft. Und tatsächlich hört man die Qual und buchstäblich das Wimmern und Winseln des geschundenen und unterdrückten Künstlers im osteuropäischen Sozialismus des Kalten Krieges. Doch auch wer Zahnschmerzen gerne sinnlich-musikalisch erleben will, der kann dieses Konzert als narkosefreie Behandlungserinnerung zur Vorbereitung und Abhärtung hören. Das 30minütige Konzert-Martyrium endet nach zwischenzeitlich akutem, bohrendem, ja panischem Schmerz ungelindert. Ein nervenaufreibendes Konzert, das man nicht regelmäßig ertragen möchte, vor allem nicht, wenn es so intensiv wie von Maximilian Hornung gespielt wird.
Die Zugabe war dann klug zur Erholung kombiniert: Bachs Prélude aus seiner ersten Cello-Suite erklang wie ein helles Aquarell mit leichtem Pinselstrich gemalt.
Nach der Pause dann ein Hauptwerk deutscher Orchestermusik: Johannes Brahms' vierte Symphonie, deren Partitur als eine der schwierigsten und kompliziertesten des Komponisten gilt: ein Meisterwerk der Variationenentwicklung, aber auch ein Werk, dessen Charaker schwer zu bestimmen ist. War es Clara Schumann, die als erstes diesem Werk einen sehr männlichen und herben Charakter attestierte? Bei Justin Brown konnte man diese Aussage nachempfinden: herb mit geheimmisvoll unklaren tragischen Verstrickungen. Der erste Satz steigerte sich verschlungen zu dunkler Leidenschaft. Dem feierlichen und am Ende fast schon sakral endenden zweiten Satz folgte ein fröhliches und teilweise überbordendes Allegro giocoso. Das abschließende Allegro energico e passionato führte zu keiner Stimmungsaufhellung. Justin Brown ließ die Badische Staatskapelle immer wieder energisch aufspielen und steigerte Brahms in den Höhepunkten zu etwas Unerbittlichem.
Ein sehr schönes Konzert des Orchesters (trotz einiger Unkonzentriertheiten bei Brahms), des groß aufspielenden Solisten und des souveränen Dirigenten Justin Brown, das mit viel Applaus belohnt wurde.
PS: Und einen Dank muß man in diesem Jahr bereits jetzt aussprechen, nämlich für die Gast-Solisten. Mit Maximilian Hornung, Benjamin Moser und Boris Berezovsky hatte man bisher herausragend gute Musiker engagiert. Gideon Kremer folgt zum Abschluß der Saison
Sonntag, 28. April 2013
Künneke - Der Vetter aus Dingsda, 27.04.2013
Wer nach der gestrigen Vorstellung nicht zufrieden und in guter Laune nach Hause ging, dem war an diesem Samstagabend auch nicht mehr zu helfen. Nach der Premiere (mehr dazu hier) war die Überraschung groß: musikalisch ist Der Vetter aus Dingsda eine außergewöhnliche und hervorragende Operette, die szenisch sehr gut umgesetzt ist. Und auch die gestrige Aufführung zeigte, daß es sich um einen der seltenen Fälle handelt, bei der eine Operette nicht betulich oder gezwungen um Komik bemüht ist, sondern das Publikum auf beste Art amüsiert und lachen lässt. Beispielhaft sei die Batavia-Erzählung vor der Pause genannt, bei der so gelungen gesungen und getanzt wird, daß das Publikum aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.
Hervorheben muß man die homogene Leistung der Sänger, denen man den Spaß und die Freude an dieser Produktion anmerkt und die sich auf das Publikum überträgt.
Sebastian Kohlhepp ist großartig als Sänger und Darsteller und wenn man ihm zuhört, bedauert man, daß es keinen CD-Mitschnitt dieser Operette gibt. BRAVO!
Rebecca Raffell ist ein Ereignis für sich: Allein für ihre Bühnenpräsenz lohnt sich der Besuch! Bei ihr ist keine Sekunde langweilig und man könnte den ganzen Abend ihren Rollenauftritt beobachten und würde dabei mehr erleben, als bei so manchen anderen Komplettproduktionen. BRAVO!
Veronika Pfaffenzeller gehört für mich in dieser Spielzeit zu den positiven Überraschungen. Die junge Sängerin ist angekommen im Ensemble. An sie und alle anderen Beteiligten: BRAVO!
Auch der musikalische Aspekt rechtfertigt einen wiederholten Besuch: was für eine zündende und abwechslungsreiche Musik! Die von Dirigent Florian Ziemen einstudierte Operette wurde gestern vom jungen Nachwuchsdirigenten Justus Thorau ohne Übergabeverlust präsentiert.
Fazit: Operette als Volltreffer - hier ist's geschehen.
Besetzung:
Julia de Weert: Veronika Pfaffenzeller
Hannchen, ihre Freundin: Lydia Leitner
August Kuhbrot, der erste Fremde: Sebastian Kohlhepp
Roderich de Weert, der zweite Fremde: Andrew Finden
Joseph Kuhbrot: Kammersänger Hans-Jörg Weinschenk
Wilhelmine Kuhbrot: Rebecca Raffell
Egon von Wildenhagen: Max Friedrich Schäffer
Diener Hans: Frank Wöhrmann
Diener Karl: Eric Rentmeister
Hervorheben muß man die homogene Leistung der Sänger, denen man den Spaß und die Freude an dieser Produktion anmerkt und die sich auf das Publikum überträgt.
Sebastian Kohlhepp ist großartig als Sänger und Darsteller und wenn man ihm zuhört, bedauert man, daß es keinen CD-Mitschnitt dieser Operette gibt. BRAVO!
Rebecca Raffell ist ein Ereignis für sich: Allein für ihre Bühnenpräsenz lohnt sich der Besuch! Bei ihr ist keine Sekunde langweilig und man könnte den ganzen Abend ihren Rollenauftritt beobachten und würde dabei mehr erleben, als bei so manchen anderen Komplettproduktionen. BRAVO!
Veronika Pfaffenzeller gehört für mich in dieser Spielzeit zu den positiven Überraschungen. Die junge Sängerin ist angekommen im Ensemble. An sie und alle anderen Beteiligten: BRAVO!
Auch der musikalische Aspekt rechtfertigt einen wiederholten Besuch: was für eine zündende und abwechslungsreiche Musik! Die von Dirigent Florian Ziemen einstudierte Operette wurde gestern vom jungen Nachwuchsdirigenten Justus Thorau ohne Übergabeverlust präsentiert.
Fazit: Operette als Volltreffer - hier ist's geschehen.
Besetzung:
Julia de Weert: Veronika Pfaffenzeller
Hannchen, ihre Freundin: Lydia Leitner
August Kuhbrot, der erste Fremde: Sebastian Kohlhepp
Roderich de Weert, der zweite Fremde: Andrew Finden
Joseph Kuhbrot: Kammersänger Hans-Jörg Weinschenk
Wilhelmine Kuhbrot: Rebecca Raffell
Egon von Wildenhagen: Max Friedrich Schäffer
Diener Hans: Frank Wöhrmann
Diener Karl: Eric Rentmeister
Dienstag, 23. April 2013
Vorschau auf die Spielzeit 2013/14 in Karlsruhe
Hier eine erste Zusammenfassung der Pläne für 2013/14 ohne Berücksichtigung des Volks-, Kinder- und Projekttheaters.
Das Programm der Symphoniekonzerte wird am 6. Juni veröffentlicht.
OPER
EIN MASKENBALL
Oper von Giuseppe Verdi
REGIE Aron Stiehl
12.10.13
DIE FLEDERMAUS
Operette von Johann Strauß
REGIE Lorenzo Fioroni
14.12.13
DOCTOR ATOMIC
Oper von Johns Adams
REGIE Yuval Sharon
26.01.14
RICCARDO PRIMO
Oper von Georg Friedrich Händel
HÄNDEL-FESTSPIELE 2014, Mehr dazu auch hier
REGIE Benjamin Lazar
23.02.14
RINALDO
Oper von Georg Friedrich Händel
HÄNDEL-FESTSPIELE 2014
02.03.14
(mehr zu der Marionetten-Inszenierung findet sich in diesem Video: http://vimeo.com/26574249)
DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG
Oper von Richard Wagner
REGIE Tobias Kratzer
Mit: Renatus Meszar als Hans Sachs, Daniel Kirch als Stolzing
26.04.14
DAS KIND UND DIE ZAUBERDINGE / DIE NACHTIGALL
Kurzopern von Maurice Ravel und Igor Strawinsky
14.06.14
BORIS GODUNOW
von Modest Mussorgsky, Urfassung
REGIE David Hermann
19.07.14
Wiederaufnahmen:
DER FLIEGENDE HOLLÄNDER, 27.10.13
PETER GRIMES, 15.09.13
DIE HOCHZEIT DES FIGARO, 21.09.13
DIE REGIMENTSTOCHTER; 03.10.13
RIGOLETTO, 03.11.13
HÄNSEL UND GRETEL, 08.12.13
DIE ZAUBERFLÖTE, 12.01.14
TANNHÄUSER, 09.02.14
DIE PASSAGIERIN, 21.03.14
Anmerkung: Was ist denn aus der Reihe Große Französische Oper geworden? Und was aus den Meisterwerken des 20. Jahrhunderts? Ravel/Strawinsky ist in der Hinsicht eine bescheidene Auswahl. Geht dem Badischen Staatstheater schon nach zwei Spielzeiten die Planungs-Luft aus?
Und wieso schon wieder die unattraktive Rigoletto-Inszenierung? Ist das Repertoire-Lager wirklich so leer?
BALLETT
DORNRÖSCHEN – DIE LETZTE ZARENTOCHTER
Ballett von Youri Vámos
16.11.13
MYTHOS
Kreationen von Jörg Mannes, Reginaldo Oliveira & Tim Plegge
22.03.14
CHOREOGRAFEN STELLEN SICH VOR
Ein Ballettabend zur Entdeckung neuer Talente
URAUFFÜHRUNGEN
Juli 2014
Dazu fünf Wiederaufnahmen: Momo, Giselle, In den Winden im Nichts, Nußknacker und Schwanensee
SCHAUSPIEL
Eine Bemerkung vorab: Entweder Jan Linders ist erbarmungslos oder er kennt wirklich nur sehr wenige Regisseure - man trifft schon wieder auf die Namen, die bisher bereits nur für wenig interessantes Schauspiel standen ....
Und schon wieder Shakespeares Sommernachtstraum? Wie ideenlos ist das denn?? Der stand doch erst vor wenigen Jahren im Programm!?! Es gibt so viele andere Komödien von Shakespeare und anderen Autoren .....
KLEINES HAUS:
KABALE UND LIEBE
Ein bürgerliches Trauerspiel von Friedrich Schiller
REGIE Simone Blattner
03.10.13
ENDSTATION SEHNSUCHT
von Tennessee Williams
REGIE Sebastian Schug
21.11.13
EIN SOMMERNACHTSTRAUM
Komödie von William Shakespeare
REGIE Daniel Pfluger
30.01.14
MAIENSCHLAGER
Schauspiel von Katharina Gericke
REGIE Stefan Otteni
17.04.14
GAS I & II
aus der Sozialen Trilogie von Georg Kaiser
REGIE Hansgünther Heyme
08.05.14
DAS GLASPERLENSPIEL
nach dem Roman von Hermann Hesse
REGIE Martin Nimz
Juni 2014
STUDIO Bühne:
RICHTFEST
Komödie von Lutz Hübner
29.11.13
BENEFIZ – JEDER RETTET EINEN AFRIKANER
von Ingrid Lausund
23.01.14
HOHE AUFLÖSUNG
von Dmytro Ternovyi
Juni 2014
SINGSPIEL
RIO REISER – KÖNIG VON DEUTSCHLAND
Eine musikalische Biografie von Heiner Kondschak
28.09.13
LIEDER AUS DEM ALL
Ein Liederabend von & mit Natanaël Lienhard & Jakob Bussmann
Oktober 2013
Ein kurzes persönliches Fazit:
Das Programm der Symphoniekonzerte wird am 6. Juni veröffentlicht.
OPER
EIN MASKENBALL
Oper von Giuseppe Verdi
REGIE Aron Stiehl
12.10.13
DIE FLEDERMAUS
Operette von Johann Strauß
REGIE Lorenzo Fioroni
14.12.13
DOCTOR ATOMIC
Oper von Johns Adams
REGIE Yuval Sharon
26.01.14
RICCARDO PRIMO
Oper von Georg Friedrich Händel
HÄNDEL-FESTSPIELE 2014, Mehr dazu auch hier
REGIE Benjamin Lazar
23.02.14
RINALDO
Oper von Georg Friedrich Händel
HÄNDEL-FESTSPIELE 2014
02.03.14
(mehr zu der Marionetten-Inszenierung findet sich in diesem Video: http://vimeo.com/26574249)
DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG
Oper von Richard Wagner
REGIE Tobias Kratzer
Mit: Renatus Meszar als Hans Sachs, Daniel Kirch als Stolzing
26.04.14
DAS KIND UND DIE ZAUBERDINGE / DIE NACHTIGALL
Kurzopern von Maurice Ravel und Igor Strawinsky
14.06.14
BORIS GODUNOW
von Modest Mussorgsky, Urfassung
REGIE David Hermann
19.07.14
Wiederaufnahmen:
DER FLIEGENDE HOLLÄNDER, 27.10.13
PETER GRIMES, 15.09.13
DIE HOCHZEIT DES FIGARO, 21.09.13
DIE REGIMENTSTOCHTER; 03.10.13
RIGOLETTO, 03.11.13
HÄNSEL UND GRETEL, 08.12.13
DIE ZAUBERFLÖTE, 12.01.14
TANNHÄUSER, 09.02.14
DIE PASSAGIERIN, 21.03.14
Anmerkung: Was ist denn aus der Reihe Große Französische Oper geworden? Und was aus den Meisterwerken des 20. Jahrhunderts? Ravel/Strawinsky ist in der Hinsicht eine bescheidene Auswahl. Geht dem Badischen Staatstheater schon nach zwei Spielzeiten die Planungs-Luft aus?
Und wieso schon wieder die unattraktive Rigoletto-Inszenierung? Ist das Repertoire-Lager wirklich so leer?
BALLETT
DORNRÖSCHEN – DIE LETZTE ZARENTOCHTER
Ballett von Youri Vámos
16.11.13
MYTHOS
Kreationen von Jörg Mannes, Reginaldo Oliveira & Tim Plegge
22.03.14
CHOREOGRAFEN STELLEN SICH VOR
Ein Ballettabend zur Entdeckung neuer Talente
URAUFFÜHRUNGEN
Juli 2014
Dazu fünf Wiederaufnahmen: Momo, Giselle, In den Winden im Nichts, Nußknacker und Schwanensee
SCHAUSPIEL
Eine Bemerkung vorab: Entweder Jan Linders ist erbarmungslos oder er kennt wirklich nur sehr wenige Regisseure - man trifft schon wieder auf die Namen, die bisher bereits nur für wenig interessantes Schauspiel standen ....
Und schon wieder Shakespeares Sommernachtstraum? Wie ideenlos ist das denn?? Der stand doch erst vor wenigen Jahren im Programm!?! Es gibt so viele andere Komödien von Shakespeare und anderen Autoren .....
KLEINES HAUS:
KABALE UND LIEBE
Ein bürgerliches Trauerspiel von Friedrich Schiller
REGIE Simone Blattner
03.10.13
ENDSTATION SEHNSUCHT
von Tennessee Williams
REGIE Sebastian Schug
21.11.13
EIN SOMMERNACHTSTRAUM
Komödie von William Shakespeare
REGIE Daniel Pfluger
30.01.14
MAIENSCHLAGER
Schauspiel von Katharina Gericke
REGIE Stefan Otteni
17.04.14
GAS I & II
aus der Sozialen Trilogie von Georg Kaiser
REGIE Hansgünther Heyme
08.05.14
DAS GLASPERLENSPIEL
nach dem Roman von Hermann Hesse
REGIE Martin Nimz
Juni 2014
STUDIO Bühne:
RICHTFEST
Komödie von Lutz Hübner
29.11.13
BENEFIZ – JEDER RETTET EINEN AFRIKANER
von Ingrid Lausund
23.01.14
HOHE AUFLÖSUNG
von Dmytro Ternovyi
Juni 2014
SINGSPIEL
RIO REISER – KÖNIG VON DEUTSCHLAND
Eine musikalische Biografie von Heiner Kondschak
28.09.13
LIEDER AUS DEM ALL
Ein Liederabend von & mit Natanaël Lienhard & Jakob Bussmann
Oktober 2013
Ein kurzes persönliches Fazit:
- Ein interessantes Neuprogramm mit Opern, die es lange nicht mehr oder noch nie in Karlsruhe zu hören gab. Doch es fehlen spannende Wiederaufnahmen. Nur Der fliegende Holländer ergänzt sinnvoll das Programm. Es freut mich, daß (schon wieder) Die Fledermaus kommt. Die letzte Inszenierung ist ja erst knapp 10 Jahre her und war ein großer Erfolg und ich habe sie noch vor Augen und sogar im Ohr, aber ein bißchen langweilig in Hinsicht auf Repertoire-Vielfalt ist das schon ....
- Im Ballett konnte man Dornröschen ja fast schon erwarten. Handlungsballette sind beim Karlsruher Publikum so beliebt, daß man jetzt schon von ständig ausverkauften Vorstellungen ausgehen kann.
- Das Schauspiel-Programm ist so uninteressant wie .... ja wie bisher noch nie. Karlsruhe zeigt Theater für Gruppierungen und grenzt eine Gruppe leider aus: die, die einfach gerne gutes Theater sieht. Bei der Auswahl der Regisseure kann man sich gruseln - so öde und freudlos war Theater in Karlsruhe zuletzt phasenweise in den 1990ern.
Liebes Badisches Staatstheater, alles ist zyklisch und irgendwann gilt es, einen neuen Schauspielchef & Team zu wählen. Bitte nehmt keine Theoretiker und Verwalter, sondern einen Praktiker - jemand, der sich selber mit seinen Inszenierungen vor sein Publikum traut, jemand, dem es um die Umsetzung geht, dessen Theater sinnlich und prall ist und nicht aufgrund von inhaltlichen Erwägungen berechenbar, trocken und langweilig.
Sonntag, 21. April 2013
Donizetti - Die Regimentstochter, 20.04.2013
Endlich mal wieder etwas aus dem Belcanto-Repertoire! Und das war vielleicht
das Schönste an der gestrigen Premiere: der einhellige und herzliche
Jubel für Ina Schlingensiepen und Eleazar Rodriguez, die ihre anspruchsvollen Hauptrollen so schön und
sicher sangen. Es heißt, daß Felix Mendelssohn Die Regimentstochter bewunderte
und gerne selber komponiert hätte. Donizettis komisches Meisterwerk
bietet große Szenen und berühmte Arien für die Sänger, eingängige Musik
und viel Leichtigkeit und Witz - in Karlsruhe gelingt dies in hohem Maße in einer guten Inszenierung.
Worum geht es?
Die Oper spielt zu Zeiten Napoleons. Die französischen Revolutionstruppen kämpfen 1805 gegen Österreich und sind in Tirol. Die Handlung von Donizettis fröhlichster Oper ist harmlos und eingänglich. Kurz gesagt: das von Soldaten großgezogene Sopran-Findelkind Marie findet ihre Mutter (die Marquise von Berkenfield) wieder und darf am Ende den Tenor Tonio heiraten.
Marie, Tochter einer illegitimen Beziehung zwischen einem bürgerlichem Soldaten und einer adligen Mutter, die sie nie kennenlernte, wurde nach dem frühen Tod ihres Vaters von dessen Regimentskameraden und dem Sergeanten Sulpice großgezogen. Marie kennt nur das Soldatenleben und hat viele "Väter" im Regiment. In Tirol verliebt sie sich "in den Feind" - in den Tiroler Tonio. Um Marie heiraten zu können, tritt dieser in die französische Armee ein - er will so die Zustimmung von Maries "Väter" erhalten. Doch kaum ist dies geschehen, wendet sich das Blatt. Sulpice findet in Tirol durch Zufall Maries Tante, die sich später als deren Mutter erweist: die Marquise von Berkenfield nimmt die burschikose Marie mir auf ihr Landgut, um aus ihr eine Dame der besseren Gesellschaft zu machen und sie standesgemäß zu verheiraten. Eine schwierige und für das Publikum amüsante und unterhaltsame Aufgabe. Doch letztendlich gibt die Marquise nach: Marie kriegt Tonio.
Was ist zu sehen?
Regisseurin Aurelia Eggers stand vor einer einfachen Aufgabe: Die Regimentstochter muß Spaß machen. Diese Aufgabe hat sie gut gelöst, im ersten Akt gab es zwei mal Szenenapplaus für die Inszenierung. Das Bühnengeschehen ist abwechslungsreich mit überwiegend guten Einfällen.
Eggers bemüht sich vor allem um politische Korrektheit. Um die 200 Jahre alte Militärseligkeit dieser Oper zu entwaffnen und verniedlichen, setzt sie auf Satire und lässt bspw. die Soldaten im ersten Akt zum Lange-Unterhosen-Appell antreten, bei der Marie die Regimentsväter mit der passenden Alpen-Unterwäsche ausstattet. Die Bühne ist in einen Rahmen gefasst, das Bühnenbild ist pittoresk im Stil eines kolorierten Stichs. Der historische Kriegshintergrund wird zur allegorischen Auseinandersetzung zwischen den von Schauspielerinnen gespielten Ländern Frankreich und Österreich, die während der Ouvertüre in Streit geraten und sich mit Kanonen beschießen.
Auf Kostümebene sind die französischen Soldaten in typischen Uniformen der napoleonischen Zeit; Eleazar Rodriquez ist als Tonio anfänglich fesch in Trachtenbekleidung, Marie ist dagegen zu Beginn in einem aktuell zeitgemäßerem Outfit. Der Landadel hingegen besteht aus Gruftis und erinnert an Figuren aus alten amerikanischen Schwarz-weiß-Gruselfilmen. Bei ihrem Auftritt zeigt die Regisseurin buchstäblich uralten Adel. Nachdem sich kurz zuvor Donzetti im Trio Tous les trois réunis als musikalisches Vorbild für Jacques Offenbach zeigte, inszeniert Eggers im Schlußbild eine kurze Offenbachiade mit entsprechenden musikalischen Anleihen - dieser Abschnitt ist der diskutabelste dieser Regimentstochter, da sein Witz nur auf Klamauk beruht und den Schluß eher zu verzögern scheint, statt zum Ende nochmal Tempo zu gewinnen.
Was ist zu hören?
Donizettis 67 erhaltene Opern haben ein wechselvolles Bühnenleben. Vor allem die drei komischen Opern Der Liebestrank, Die Regimentstochter und Don Pasquale sowie die tragische Lucia di Lammermoor sind immer auf den Opernbühnen präsent gewessen. Andere werden mehr oder weniger regelmäßig wieder neu entdeckt oder vergessen. Donizettis für Paris in französisch komponierte komische Oper La fille du régiment ist eine der schönsten und witzigsten ihres Genres mit sehr anspruchsvollen und schwierigen Rollen für die Sänger. Maries Abschiedsarien Il faut partir am Ende des 1. Akts und Par le rang et par l'opulence im 2. Akt sind große Arien, die auch in Donizettis tragischen Opern ihren Platz gefunden hätten und wurden gestern von Ina Schlingensiepen zum Dahinschmelzen schön gesungen. Sie bleibt ihrer Rolle als Marie nichts schuldig: anfänglich lebhaft burschikos und doch feinfühlend und entwaffnend beherrscht sie in jeder Hinsicht die Szenerie und wird von Eleazar Rodriguez ideal ergänzt. Besonders die erste Arie des Tonio am Ende des 1. Akts gilt wegen der extrem hohen Lage (neun hohe C!) als schwierige Paraderolle und wurde von dem jungen Mexikaner bravourös gesungen. Für den Tenor eine geglückte und glückliche Premiere. Das Ganze wird verfeinert durch Edward Gauntt als Sulpice, Sarah A. Hudarew als Marquise und einem sehr guten Chor. Es lohnt sich auch immer wieder, der Badischen Staatskapelle unter Johannes Willig zuzuhören und sich bewußt zu machen, was dort Schönes und Großes von Donizettis erklingt.
Fazit: Ein Triumph für Ina Schlingensiepen, viel Jubel für Eleazar Rodriguez, Edward Gauntt und Sarah A. Hudarew, die zusammen mit allen andern Sängern und dem Chor sowie dem Orchester die Garanten dafür sind, daß diese Regimentstochter immer wieder fröhlich und ausgelassen wirkt und ihr Publikum fast durchgängig sehr gut unterhält.
PS(1): Ina Schlingensiepens großes Rollendebut wurde noch veredelt: Intendant Peter Spuhler und sein Vorgänger Achim Thorwald kamen beim Schlußapplaus auf die Bühne und verliehen ihr den Titel Kammersängerin. Herzlichen Glückwunsch!
PS(2): Die Idee, Marie als Regimentswäscherin zu zeigen, wobei im Hintergrund lange Unterhosen zum Trocknen aufgehängt sind, erinnert allerdings sehr stark an die DVD Produktion des Royal Opera House 2007 mit Natalie Dessay und Juan Diego Flórez ...
PS(3): Im Publikum waren neben Achim Thorwald bspw. auch Thomas Brux, Justin Brown, Katharine Tier und Stefan Viering
Team und Besetzung
Marie: Kammersängerin Ina Schlingensiepen
Tonio: Eleazar Rodriguez
Sulpice: Kammersänger Edward Gauntt
La Marquise de Berkenfield: Sarah Alexandra Hudarew
Hortensius: Lucas Harbour
La Duchesse de Crakentorp: Tiny Peters
Ein Offizier: Thomas Rebilas
Ein Bauer: Jan Heinrich Kuschel
Ein Notar: Martin Beddig
Dirigent: Johannes Willig
Regie: Aurelia Eggers
Bühne & Kostüme: Rainer Sellmaier
Worum geht es?
Die Oper spielt zu Zeiten Napoleons. Die französischen Revolutionstruppen kämpfen 1805 gegen Österreich und sind in Tirol. Die Handlung von Donizettis fröhlichster Oper ist harmlos und eingänglich. Kurz gesagt: das von Soldaten großgezogene Sopran-Findelkind Marie findet ihre Mutter (die Marquise von Berkenfield) wieder und darf am Ende den Tenor Tonio heiraten.
Marie, Tochter einer illegitimen Beziehung zwischen einem bürgerlichem Soldaten und einer adligen Mutter, die sie nie kennenlernte, wurde nach dem frühen Tod ihres Vaters von dessen Regimentskameraden und dem Sergeanten Sulpice großgezogen. Marie kennt nur das Soldatenleben und hat viele "Väter" im Regiment. In Tirol verliebt sie sich "in den Feind" - in den Tiroler Tonio. Um Marie heiraten zu können, tritt dieser in die französische Armee ein - er will so die Zustimmung von Maries "Väter" erhalten. Doch kaum ist dies geschehen, wendet sich das Blatt. Sulpice findet in Tirol durch Zufall Maries Tante, die sich später als deren Mutter erweist: die Marquise von Berkenfield nimmt die burschikose Marie mir auf ihr Landgut, um aus ihr eine Dame der besseren Gesellschaft zu machen und sie standesgemäß zu verheiraten. Eine schwierige und für das Publikum amüsante und unterhaltsame Aufgabe. Doch letztendlich gibt die Marquise nach: Marie kriegt Tonio.
Was ist zu sehen?
Regisseurin Aurelia Eggers stand vor einer einfachen Aufgabe: Die Regimentstochter muß Spaß machen. Diese Aufgabe hat sie gut gelöst, im ersten Akt gab es zwei mal Szenenapplaus für die Inszenierung. Das Bühnengeschehen ist abwechslungsreich mit überwiegend guten Einfällen.
Eggers bemüht sich vor allem um politische Korrektheit. Um die 200 Jahre alte Militärseligkeit dieser Oper zu entwaffnen und verniedlichen, setzt sie auf Satire und lässt bspw. die Soldaten im ersten Akt zum Lange-Unterhosen-Appell antreten, bei der Marie die Regimentsväter mit der passenden Alpen-Unterwäsche ausstattet. Die Bühne ist in einen Rahmen gefasst, das Bühnenbild ist pittoresk im Stil eines kolorierten Stichs. Der historische Kriegshintergrund wird zur allegorischen Auseinandersetzung zwischen den von Schauspielerinnen gespielten Ländern Frankreich und Österreich, die während der Ouvertüre in Streit geraten und sich mit Kanonen beschießen.
Auf Kostümebene sind die französischen Soldaten in typischen Uniformen der napoleonischen Zeit; Eleazar Rodriquez ist als Tonio anfänglich fesch in Trachtenbekleidung, Marie ist dagegen zu Beginn in einem aktuell zeitgemäßerem Outfit. Der Landadel hingegen besteht aus Gruftis und erinnert an Figuren aus alten amerikanischen Schwarz-weiß-Gruselfilmen. Bei ihrem Auftritt zeigt die Regisseurin buchstäblich uralten Adel. Nachdem sich kurz zuvor Donzetti im Trio Tous les trois réunis als musikalisches Vorbild für Jacques Offenbach zeigte, inszeniert Eggers im Schlußbild eine kurze Offenbachiade mit entsprechenden musikalischen Anleihen - dieser Abschnitt ist der diskutabelste dieser Regimentstochter, da sein Witz nur auf Klamauk beruht und den Schluß eher zu verzögern scheint, statt zum Ende nochmal Tempo zu gewinnen.
Was ist zu hören?
Donizettis 67 erhaltene Opern haben ein wechselvolles Bühnenleben. Vor allem die drei komischen Opern Der Liebestrank, Die Regimentstochter und Don Pasquale sowie die tragische Lucia di Lammermoor sind immer auf den Opernbühnen präsent gewessen. Andere werden mehr oder weniger regelmäßig wieder neu entdeckt oder vergessen. Donizettis für Paris in französisch komponierte komische Oper La fille du régiment ist eine der schönsten und witzigsten ihres Genres mit sehr anspruchsvollen und schwierigen Rollen für die Sänger. Maries Abschiedsarien Il faut partir am Ende des 1. Akts und Par le rang et par l'opulence im 2. Akt sind große Arien, die auch in Donizettis tragischen Opern ihren Platz gefunden hätten und wurden gestern von Ina Schlingensiepen zum Dahinschmelzen schön gesungen. Sie bleibt ihrer Rolle als Marie nichts schuldig: anfänglich lebhaft burschikos und doch feinfühlend und entwaffnend beherrscht sie in jeder Hinsicht die Szenerie und wird von Eleazar Rodriguez ideal ergänzt. Besonders die erste Arie des Tonio am Ende des 1. Akts gilt wegen der extrem hohen Lage (neun hohe C!) als schwierige Paraderolle und wurde von dem jungen Mexikaner bravourös gesungen. Für den Tenor eine geglückte und glückliche Premiere. Das Ganze wird verfeinert durch Edward Gauntt als Sulpice, Sarah A. Hudarew als Marquise und einem sehr guten Chor. Es lohnt sich auch immer wieder, der Badischen Staatskapelle unter Johannes Willig zuzuhören und sich bewußt zu machen, was dort Schönes und Großes von Donizettis erklingt.
Fazit: Ein Triumph für Ina Schlingensiepen, viel Jubel für Eleazar Rodriguez, Edward Gauntt und Sarah A. Hudarew, die zusammen mit allen andern Sängern und dem Chor sowie dem Orchester die Garanten dafür sind, daß diese Regimentstochter immer wieder fröhlich und ausgelassen wirkt und ihr Publikum fast durchgängig sehr gut unterhält.
PS(1): Ina Schlingensiepens großes Rollendebut wurde noch veredelt: Intendant Peter Spuhler und sein Vorgänger Achim Thorwald kamen beim Schlußapplaus auf die Bühne und verliehen ihr den Titel Kammersängerin. Herzlichen Glückwunsch!
PS(2): Die Idee, Marie als Regimentswäscherin zu zeigen, wobei im Hintergrund lange Unterhosen zum Trocknen aufgehängt sind, erinnert allerdings sehr stark an die DVD Produktion des Royal Opera House 2007 mit Natalie Dessay und Juan Diego Flórez ...
PS(3): Im Publikum waren neben Achim Thorwald bspw. auch Thomas Brux, Justin Brown, Katharine Tier und Stefan Viering
Team und Besetzung
Marie: Kammersängerin Ina Schlingensiepen
Tonio: Eleazar Rodriguez
Sulpice: Kammersänger Edward Gauntt
La Marquise de Berkenfield: Sarah Alexandra Hudarew
Hortensius: Lucas Harbour
La Duchesse de Crakentorp: Tiny Peters
Ein Offizier: Thomas Rebilas
Ein Bauer: Jan Heinrich Kuschel
Ein Notar: Martin Beddig
Dirigent: Johannes Willig
Regie: Aurelia Eggers
Bühne & Kostüme: Rainer Sellmaier
Donnerstag, 11. April 2013
Konstantin Gorny und Anna Netrebko im Radio
Ö1 überträgt am Samstag, 27. April 2013 ab 19:30h Tschaikowskys Eugen Onegin in einer Aufzeichnung aus der Wiener Staatsoper. Neben Anna Netrebko (Tatjana) und Dmitri Hvorostovsky (Eugen Onegin) singt der Karlsruher Baß Konstantin Gorny den Fürsten Gremin.
Mehr dazu hier: http://oe1.orf.at/programm/335632
Am Samstag, 20. April -aber aufgepasst, da darf niemand rund um Karlsruhe Ina Schlingensiepen und Eleazar Rodriguez in der Premiere von Donizettis Regimentstochter verpassen- überträgt Deutschlandradio Kultur eine Aufzeichnung vom 15.03.2013 einer konzertanten Aufführung von Richard Wagners Götterdämmerung aus der Philharmonie Berlin mit den früheren Karlsruher Ensemblemitgliedern Lance Ryan als Siegfried und Edith Haller als Gutrune
Mehr dazu hier: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/konzert/2026236/
Mehr dazu hier: http://oe1.orf.at/programm/335632
Am Samstag, 20. April -aber aufgepasst, da darf niemand rund um Karlsruhe Ina Schlingensiepen und Eleazar Rodriguez in der Premiere von Donizettis Regimentstochter verpassen- überträgt Deutschlandradio Kultur eine Aufzeichnung vom 15.03.2013 einer konzertanten Aufführung von Richard Wagners Götterdämmerung aus der Philharmonie Berlin mit den früheren Karlsruher Ensemblemitgliedern Lance Ryan als Siegfried und Edith Haller als Gutrune
Mehr dazu hier: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/konzert/2026236/
Dienstag, 2. April 2013
Festspielhaus Baden-Baden: Mozart - Die Zauberflöte, 01.04.2013
Da ist dem Festspielhaus Baden-Baden wirklich ein Coup gelungen, als man 2011 melden konnte, daß die Berliner Philharmoniker ab 2013 als Orchester die Osterfestspiele in der Kurstadt und nicht mehr in Salzburg bestreiten. Und wie in Baden-Baden üblich -immerhin kommt man in Deutschlands größter Bühne mit 2.500 Sitzplätzen ohne öffentliche Zuschüsse aus und der ganze Bau wurde nur von Sponsoren privat finanziert- wird den finanzkräftigen Besuchern in der Regel Bekömmliches, Bekanntes und Beliebtes (manche werden sagen Langweiliges) serviert. Entdeckungen und Ausgrabungen darf man nicht erwarten - Risiken kann sich ein selbstfinanziertes Festspielhaus nicht leisten und gibt damit das beste Beispiel, wieso die steuerfinanzierten Häuser unersetzlich sind.
Freitag, 29. März 2013
Wagner - Die Walküre, 28.03.2013
Es ist vielleicht die undankbarste Aufgabe für einen Künstler, wenn er vor ein Publikum tritt, das emotionale Erinnerungen an Werke, Inszenierungen und/oder Interpreten hat. In Karlsruhe werden das evtl. einige Zuschauer aus Interpretationssicht bei folgenden Beispielen nachvollziehen können: Kathleen Cassello war unvergleichlich als Lucia di Lammermoor, Günter von Kannen ein unvergessen charismatischer Hans Sachs, Konstantin Gorny war grandios als Méphistopheles (Gounod) (u.v.a.m.!), Barabara Dobrzanska ist die Idealbesetzung für viele Puccini Rollen (u.v.a.m!), Bernhard Berchtold war erschütternd gut als Gustav von Aschenbach, Lance Ryan ist Siegfried (in Karlsruhe sang er diese Rolle zum ersten Mal und über Jahre immer wieder: die Erinnerung daran ist lebendig und wach), .....
Viele regelmäßige Opernbesucher werden solche Vorstellungen -emotionale Erinnerungen- kennen und bei der Walküre sind Edith Haller und Klaus Florian Vogt als Sieglinde/Siegmund (die Karlsruher Erstbesetzung dieser Inszenierung in der Spielzeit 2005/2006) unvergessen und zugegeben ein sehr hoher Maßstab. Als Zuschauer muß man sich davor hüten, solche Erinnerungen zu verklären und damit zu sentimentalisieren, denn dann ist man an einem Punkt des inneren Stillstands, der nur noch in Reminiszenzen schwelgt. Ein emotionales Erinnerungsvermögen kann gelegentlich ein Hindernis sein, aber es ist auch ein Kompass der eigenen Begeisterungsfähigkeit.
Nach dieser längeren Einführung ist es vielleicht verständlich, daß man gestern eventuell überrascht sein konnte: Was für eine schöne Walküren-Vorstellung! Bereits die Premiere im Herbst 2005 war umjubelt und sie stellt immer noch den schönsten und gelungensten Teil der Denis Krief Inszenierung dar. Als gestern nach über fünf Stunden um 23.15 der letzte Vorhang fiel, hatte es viel Jubel und viele positive Eindrücke: gegeben
Linda Watson hat schon oft in Bayreuth gesungen und man konnte gestern staunen, mit welcher Souveränität und Stärke sie als Brünhilde auf der Bühne steht. Und wo hört man sonst eine so die Szene beherrschende, unerbittliche und hochdramatische Fricka wie die der großartigen Ewa Wolak? Heidi Melton hat sich in kürzester Zeit einen Platz im Herzen des Karlsruher Publikums ersungen und spielt ihre großen Rollen -gestern Sieglinde- mit bewundernswerter Selbstverständlichkeit. Renatus Meszar ist spätestens mit seinem gestrigen Auftritt als Wotan in Karlsruhe angekommen - viele warten jetzt auf seinen Hans Sachs in den angekündigten Meistersängern. Avtandil Kaspeli gab mit dunkler Stimme einen düsteren und authentischen Hunding. Und die größte Herausforderung bestand wahrscheinlich für John Treleaven - immerhin hatte er mit Klaus Florian Vogt und Lance Ryan aktuelle Bayreuth-Sänger als Vorgänger in der Rolle des Karlsruher Siegmunds. Treleaven zeigte eine beachtliche Leistung und auch er ist in Karlsruhe angekommen - im Sommer wird er als Peter Grimes in Brittens gleichnamiger großer Oper zu hören sein und man kann ihm nur wünschen, daß er so viel Applaus und Zustimmung wie gestern für diese Rolle bekommen wird. Justin Brown und die Badische Staatskapelle musizierten wieder sängerfreundlich und transparent und bekamen eine extra Portion Applaus vom glücklichen Publikum.
Was für eine schöne und interessante Walküren-Vorstellung! Der Ring in diesem Jahr scheint unter einem sehr guten Stern zu stehen.
PS: Aus familiären Gründen verpasse ich Siegfried am Ostersamstag und für Ostermontag habe ich bereits Karten für Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker in Baden-Baden und werde auch die Götterdämmerung nicht besuchen. Ich würde mich über Stimmungsbilder und Kommentare zu den beiden Vorstellungen sehr freuen, insbesondere über die Sänger - vor allem Christian Franz als Siegfried, Christian Hübner als Hagen und Linda Watson als Brünnhilde.
Besetzung & Team
Siegmund: John Treleaven
Hunding: Avtandil Kaspeli
Wotan: Renatus Meszar
Sieglinde: Heidi Melton
Brünnhilde: Linda Watson
Fricka: Kammersängerin Ewa Wolak
Helmwige: Christina Niessen
Gerhilde: Veronika Pfaffenzeller
Ortlinde:Ekaterina Isachenko
Waltraute: Katharine Tier
Siegrune: Stefanie Schaefer
Roßweiße: Sarah Alexandra Hudarew
Grimgerde: Hatice Zeliha Kökcek
Schwertleite: Rebecca Raffell
Dirigent: Justin Brown
Regie, Bühne und Kostüme: Denis Krief
Viele regelmäßige Opernbesucher werden solche Vorstellungen -emotionale Erinnerungen- kennen und bei der Walküre sind Edith Haller und Klaus Florian Vogt als Sieglinde/Siegmund (die Karlsruher Erstbesetzung dieser Inszenierung in der Spielzeit 2005/2006) unvergessen und zugegeben ein sehr hoher Maßstab. Als Zuschauer muß man sich davor hüten, solche Erinnerungen zu verklären und damit zu sentimentalisieren, denn dann ist man an einem Punkt des inneren Stillstands, der nur noch in Reminiszenzen schwelgt. Ein emotionales Erinnerungsvermögen kann gelegentlich ein Hindernis sein, aber es ist auch ein Kompass der eigenen Begeisterungsfähigkeit.
Nach dieser längeren Einführung ist es vielleicht verständlich, daß man gestern eventuell überrascht sein konnte: Was für eine schöne Walküren-Vorstellung! Bereits die Premiere im Herbst 2005 war umjubelt und sie stellt immer noch den schönsten und gelungensten Teil der Denis Krief Inszenierung dar. Als gestern nach über fünf Stunden um 23.15 der letzte Vorhang fiel, hatte es viel Jubel und viele positive Eindrücke: gegeben
Linda Watson hat schon oft in Bayreuth gesungen und man konnte gestern staunen, mit welcher Souveränität und Stärke sie als Brünhilde auf der Bühne steht. Und wo hört man sonst eine so die Szene beherrschende, unerbittliche und hochdramatische Fricka wie die der großartigen Ewa Wolak? Heidi Melton hat sich in kürzester Zeit einen Platz im Herzen des Karlsruher Publikums ersungen und spielt ihre großen Rollen -gestern Sieglinde- mit bewundernswerter Selbstverständlichkeit. Renatus Meszar ist spätestens mit seinem gestrigen Auftritt als Wotan in Karlsruhe angekommen - viele warten jetzt auf seinen Hans Sachs in den angekündigten Meistersängern. Avtandil Kaspeli gab mit dunkler Stimme einen düsteren und authentischen Hunding. Und die größte Herausforderung bestand wahrscheinlich für John Treleaven - immerhin hatte er mit Klaus Florian Vogt und Lance Ryan aktuelle Bayreuth-Sänger als Vorgänger in der Rolle des Karlsruher Siegmunds. Treleaven zeigte eine beachtliche Leistung und auch er ist in Karlsruhe angekommen - im Sommer wird er als Peter Grimes in Brittens gleichnamiger großer Oper zu hören sein und man kann ihm nur wünschen, daß er so viel Applaus und Zustimmung wie gestern für diese Rolle bekommen wird. Justin Brown und die Badische Staatskapelle musizierten wieder sängerfreundlich und transparent und bekamen eine extra Portion Applaus vom glücklichen Publikum.
Was für eine schöne und interessante Walküren-Vorstellung! Der Ring in diesem Jahr scheint unter einem sehr guten Stern zu stehen.
PS: Aus familiären Gründen verpasse ich Siegfried am Ostersamstag und für Ostermontag habe ich bereits Karten für Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker in Baden-Baden und werde auch die Götterdämmerung nicht besuchen. Ich würde mich über Stimmungsbilder und Kommentare zu den beiden Vorstellungen sehr freuen, insbesondere über die Sänger - vor allem Christian Franz als Siegfried, Christian Hübner als Hagen und Linda Watson als Brünnhilde.
Besetzung & Team
Siegmund: John Treleaven
Hunding: Avtandil Kaspeli
Wotan: Renatus Meszar
Sieglinde: Heidi Melton
Brünnhilde: Linda Watson
Fricka: Kammersängerin Ewa Wolak
Helmwige: Christina Niessen
Gerhilde: Veronika Pfaffenzeller
Ortlinde:Ekaterina Isachenko
Waltraute: Katharine Tier
Siegrune: Stefanie Schaefer
Roßweiße: Sarah Alexandra Hudarew
Grimgerde: Hatice Zeliha Kökcek
Schwertleite: Rebecca Raffell
Dirigent: Justin Brown
Regie, Bühne und Kostüme: Denis Krief
Donnerstag, 28. März 2013
Wagner - Das Rheingold, 27.03.2013
Vor zwei Jahren zu Ostern 2011 gab es den letzten Ring-Zyklus in Karlsruhe - damals mit Höhen und Tiefen und vor allem einem herausragenden Orchester und Dirigenten Justin Brown. Es gab zwar gestern gelegentlich verwackelte Stellen, aber es war erneut beeindruckend, wie ökonomisch Brown am Anfang das Orchester führt, um später immer stärker die Zügel zu lockern und die Musiker aufspielen zu lassen und so den Vorabend-Charakter des Rheingolds betont und die Vorfreude für die heutige Walküre weckt.
Dieses Jahr ist der größte Teil der Gesangsrollen neu besetzt.
Oleg Bryjak gehörte zum Ensemble des Badischen Staatstheaters von 1991 bis 1996 und sang die Rolle des Alberich in der Karlsruher Ring-Inszenierung von Jean-Louis Martinoty und später noch als Gast bei der Wiederaufnahme während der Intendanz Pavel Fiebers. Ihm war gestern die jahrelange Erfahrung als Alberich anzumerken: ein starker Auftritt, der ganz auf Ausdruck ausgerichtet war. Für Bryjak eine Paraderolle.
Nicht neu besetzt war Matthias Wohlbrecht als Loge, der gestern bewies, wieso er seit Jahren erfolgreich diese Rolle singt. Auch für ihn eine Paraderolle.
Beim neu besetzten Renatus Meszar konnte man gelegentlich den Eindruck haben, daß er sich stimmlich nicht ganz wohl fühlte als Rheingold-Wotan. Man kann gespannt sein, wie er sich heute Abend in der Walküre präsentiert.
Als Fricka debütierte Ewa Wolak (sie war sonst als Erda zu hören) und sie nahm die Rolle sofort in Besitz und drückte ihr ihren unverkennbaren stimmlichen Stempel auf. Eine sehr schöne Repertoire-Erweiterung. Auf das Duell Wotan-Fricka im zweiten Akt der Walküre kann man sich heute ebenfalls freuen.
Aufhorchen ließen auch Seung-Gi Jung als Donner und Lucas Harbour als Fasolt, die in ihren Rollen stimmlich durchgehend präsent waren.
Eine homogene und starke Ensemble-Leistung. Lauter Applaus vor ausverkauftem Haus - ein spannender Start in den neuen Zyklus.
Besetzung
Wotan: Renatus Meszar
Donner: Seung-Gi Jung
Froh: Steven Ebel
Loge: Matthias Wohlbrecht
Alberich: Oleg Bryjak
Mime: John Pickering
Fasolt: Lucas Harbour
Fafner: Avtandil Kaspeli
Fricka: Ewa Wolak
Freia: Christina Niessen
Erda: Rebecca Raffell
Woglinde: Ina Schlingensiepen
Wellgunde: Stefanie Schaefer
Flosshilde: Katharine Tier
Dirigent: Justin Brown
Regie, Bühne und Kostüme: Denis Krief
Dieses Jahr ist der größte Teil der Gesangsrollen neu besetzt.
Oleg Bryjak gehörte zum Ensemble des Badischen Staatstheaters von 1991 bis 1996 und sang die Rolle des Alberich in der Karlsruher Ring-Inszenierung von Jean-Louis Martinoty und später noch als Gast bei der Wiederaufnahme während der Intendanz Pavel Fiebers. Ihm war gestern die jahrelange Erfahrung als Alberich anzumerken: ein starker Auftritt, der ganz auf Ausdruck ausgerichtet war. Für Bryjak eine Paraderolle.
Nicht neu besetzt war Matthias Wohlbrecht als Loge, der gestern bewies, wieso er seit Jahren erfolgreich diese Rolle singt. Auch für ihn eine Paraderolle.
Beim neu besetzten Renatus Meszar konnte man gelegentlich den Eindruck haben, daß er sich stimmlich nicht ganz wohl fühlte als Rheingold-Wotan. Man kann gespannt sein, wie er sich heute Abend in der Walküre präsentiert.
Als Fricka debütierte Ewa Wolak (sie war sonst als Erda zu hören) und sie nahm die Rolle sofort in Besitz und drückte ihr ihren unverkennbaren stimmlichen Stempel auf. Eine sehr schöne Repertoire-Erweiterung. Auf das Duell Wotan-Fricka im zweiten Akt der Walküre kann man sich heute ebenfalls freuen.
Aufhorchen ließen auch Seung-Gi Jung als Donner und Lucas Harbour als Fasolt, die in ihren Rollen stimmlich durchgehend präsent waren.
Eine homogene und starke Ensemble-Leistung. Lauter Applaus vor ausverkauftem Haus - ein spannender Start in den neuen Zyklus.
Besetzung
Wotan: Renatus Meszar
Donner: Seung-Gi Jung
Froh: Steven Ebel
Loge: Matthias Wohlbrecht
Alberich: Oleg Bryjak
Mime: John Pickering
Fasolt: Lucas Harbour
Fafner: Avtandil Kaspeli
Fricka: Ewa Wolak
Freia: Christina Niessen
Erda: Rebecca Raffell
Woglinde: Ina Schlingensiepen
Wellgunde: Stefanie Schaefer
Flosshilde: Katharine Tier
Dirigent: Justin Brown
Regie, Bühne und Kostüme: Denis Krief
Freitag, 22. März 2013
Shakespeare - Wie es euch gefällt, 21.03.2012
Oh je! .... Vergleiche können schmerzen, vor allem wenn sie stets einseitig zu Ungunsten ausfallen. Aber dennoch sind Vergleiche ein zuverlässiger Indikator, um das Gute vom Besseren zu unterscheiden. Bei der gestrigen Premiere waren Vergleiche unvermeidbar: die Messlatte lag hoch ... leider zum wiederholten Male zu hoch für das Karlsruher Schauspiel. In den letzten 15 Jahren wurde man als Zuschauer von Shakespeare-Komödien im Badischen Staatstheater verwöhnt: Wie es euch gefällt war zuletzt 1998 in der turbulenten und witzigen Regie des damaligen Schauspielleiters Peter Schroth ein phantasievolles Theaterfest, 2006 gab es einen Sommernachtstraum, der reich an Höhepunkten war und den Lachmuskeln alles abforderte und 2008 folgte eine sehr schöne und geglückte Inszenierung von Was ihr wollt. Alle drei setzten Maßstäbe, die leider gestern eine unüberwindbare Hürde darstellten. Die gestrige Premiere konnte dem Vergleich leider nicht standhalten. Shakespeare 2013 in Karlsruhe: kein Witz, kein Tempo, kein Rhythmus, sehr wenig Einfälle und nur teilweise Spielfreude.
Sonntag, 17. März 2013
Spörli - In den Winden im Nichts, 16.03.2013
Nach vielen Handlungsballetten gibt es am Badischen Staatstheater nun auch wieder eine handlungsfreie Choreographie zu sehen: «In den Winden im Nichts» ist ein kurzes, kurzweiliges und sublimes Ballett, musikalisch nur begleitet von einem Cello.
Heinz Spoerli: Tänzer, Choreograph, Ballettleiter
Der 1940 in Basel geborene Spoerli war nach seiner Karriere als Tänzer ein viel gerühmter und gelobter Ballettleiter, der große Erfolge mit den Kompagnien in Basel, Düsseldorf, Berlin und zuletzt 16 Jahre in Zürich erzielte. Er choreographierte klassische Ballette (z.B. Nußknacker, Schwanensee, Giselle, Coppelia, La fille mal gardée, ...) und abstrakte Ballette, bspw. zur Musik Johann Sebastian Bachs, aber auch Webern, Schönberg und Mahler.
Birgit Keil tanzte in mehreren seiner Ballette, zum ersten Mal schuf Spoerli 1978 ein Choreographie für Keil: die Mozart-Quintette bei den Ludwigsburger Festspielen. Später tanze Keil in Spoerli-Balletten zur Musik von Wagner (1979), Nono (1980), Brahms und Berg (1985)
Vier mal choreographierte Spoerli Bachs Musik: die Goldberg Variationen (1993), «Wäre heute morgen und gestern jetzt« (2009) zu Musik aus Konzerten, Kantaten und Messen für Orchester und Sänger und die sechs Suiten für Cello: 1999 die Suiten Nr. 1,4, 5 unter dem Titel «… und mied den Wind», 2003 folgten die Suiten 2, 3 und 6 als «In den Winden im Nichts». Bachs Partitur zu seinen sechs Cello Suiten besteht aus jeweils sechs einheitlich aufgebauten Sätzen: einem Prélude und 5 Tanzsätzen: 1. Prélude, 2. Allemande, 3. Courante, 4. Sarabande, 5. Menuett (Suiten 1 und 2), Bourrée (Suiten 3 und 4) oder Gavotte (Suite 5 und 6), 6. Gigue. Der Cellist Alexandre Vay betont mit vollem, warmen Klang das tänzerische Element der Suiten und bekam für sein tadelloses Spiel gestern viel Premierenapplaus.
In den Winden im Nichts
Es sind 3 Cello-Suiten zu 6 Sätzen, also 18 unterschiedliche Musiksätze zu hören, bei denen durch ständig sich wechselnde Besetzungen und Konstellationen und eine rasche Abfolge (die einzelnen Sätze dauern zwischen 2 und 7 Minuten) ein abwechslungsreicher und kurzweiliger Abend entsteht. Spoerlis Choreographie vereint Soli, Duette, Trios und Ensembles zu einer großen Vielfalt und zeigt unterschiedlichste Ausdruckswelten, bei denen es kaum möglich ist alle passenden Adjektive aufzuzählen, die bei diesem Abend das Bühnengeschehen zutreffend beschreiben: Momente von hoher ästhetischer Kraft und Wirkung, ein Auf-und-Ab voller Harmonie und Ausgewogenheit bei der die Musik durch einen choreographischen Mehrwert noch hinzugewinnt.
Die leere Bühne wird im Hintergrund dominiert von einem schwebenden Ring, der in wechselnden Farben leuchtet. Dazu wird die Bühne farbig ausgeleuchtet: in rot, grün und blau und ergänzt von farbigen Kostümen in rot, grün, blau und schwarz.
Spoerlis durchgestaltete fließende Bewegungen erfordern immer wieder Athletik, manche Bewegungen erinnern an Bodenturnen, andere in Gruppenszenen an Synchronschwimmen. «In den Winden im Nichts» ist eine konzentrierte Choreographien ohne Leerlauf (und ohne Pause: ca 65 Minuten) und ohne einfache Bewegungen, sondern durchgehend fordernd und anspruchsvoll. Die benötigten 28 Tänzer der Karlsruher Ballet Kompagnie lösten ihre Aufgabe mit großer Bravour und vielen bemerkenswerten Momenten: Bruna Andrade mit großer Ausdruckskraft, ebenso Rafaelle Queiroz, Pablo dos Santos sowie Zhi Le Xu mit beeindruckenden Sprüngen. Doch besonders ein Tänzer war gestern verdient im Mittelpunkt:
Hommage an Flavio Salamanka
Das Karlsruher Ballett hat einige Tänzer, die nun schon im zehnten Jahr in Karlsruhe aktiv sind: z.B. die bildhübsche Jussara Fonseca, Sabrina Velloso oder die Solistinnen Barbara Blanche und Patricia Namba. Und Flavio Salamanka, der mit hoher Konstanz und Zuverlässigkeit seine Leistung bringt und das letzte Jahrzehnt wie kein anderer Tänzer geprägt hat: mit tadelloser Technik, mühelos eleganten und geschmeidigen Bewegungen, fließenden Linien und hoher Sprungsicherheit ist er zu Recht der dominierende Solist der Karlsruher Kompagnie und ein verlässlicher Partner für die Solistinnen. Gestern wurde er nach der Aufführung auf der Bühne von Intendant Peter Spuhler zum Kammertänzer ernannt - ein Titel, der in Karlsruhe zum ersten Mal vergeben wurde. Nach der eindrucksvollen Premiere war Salamankas Ernennung der emotionale Höhepunkt des Abends und all jene, die Birgit Keils nun fast zehnjährige Arbeit in Karlsruhe verfolgt haben, werden Salamanka die Ehrung von Herzen gegönnt haben: Glückwunsch und BRAVO!
PS: Eine schöne Überraschung im Zuschauersaal - der beliebte frühere erste Solist Diego de Paula war anwesend.
Heinz Spoerli: Tänzer, Choreograph, Ballettleiter
Der 1940 in Basel geborene Spoerli war nach seiner Karriere als Tänzer ein viel gerühmter und gelobter Ballettleiter, der große Erfolge mit den Kompagnien in Basel, Düsseldorf, Berlin und zuletzt 16 Jahre in Zürich erzielte. Er choreographierte klassische Ballette (z.B. Nußknacker, Schwanensee, Giselle, Coppelia, La fille mal gardée, ...) und abstrakte Ballette, bspw. zur Musik Johann Sebastian Bachs, aber auch Webern, Schönberg und Mahler.
Birgit Keil tanzte in mehreren seiner Ballette, zum ersten Mal schuf Spoerli 1978 ein Choreographie für Keil: die Mozart-Quintette bei den Ludwigsburger Festspielen. Später tanze Keil in Spoerli-Balletten zur Musik von Wagner (1979), Nono (1980), Brahms und Berg (1985)
Vier mal choreographierte Spoerli Bachs Musik: die Goldberg Variationen (1993), «Wäre heute morgen und gestern jetzt« (2009) zu Musik aus Konzerten, Kantaten und Messen für Orchester und Sänger und die sechs Suiten für Cello: 1999 die Suiten Nr. 1,4, 5 unter dem Titel «… und mied den Wind», 2003 folgten die Suiten 2, 3 und 6 als «In den Winden im Nichts». Bachs Partitur zu seinen sechs Cello Suiten besteht aus jeweils sechs einheitlich aufgebauten Sätzen: einem Prélude und 5 Tanzsätzen: 1. Prélude, 2. Allemande, 3. Courante, 4. Sarabande, 5. Menuett (Suiten 1 und 2), Bourrée (Suiten 3 und 4) oder Gavotte (Suite 5 und 6), 6. Gigue. Der Cellist Alexandre Vay betont mit vollem, warmen Klang das tänzerische Element der Suiten und bekam für sein tadelloses Spiel gestern viel Premierenapplaus.
In den Winden im Nichts
Es sind 3 Cello-Suiten zu 6 Sätzen, also 18 unterschiedliche Musiksätze zu hören, bei denen durch ständig sich wechselnde Besetzungen und Konstellationen und eine rasche Abfolge (die einzelnen Sätze dauern zwischen 2 und 7 Minuten) ein abwechslungsreicher und kurzweiliger Abend entsteht. Spoerlis Choreographie vereint Soli, Duette, Trios und Ensembles zu einer großen Vielfalt und zeigt unterschiedlichste Ausdruckswelten, bei denen es kaum möglich ist alle passenden Adjektive aufzuzählen, die bei diesem Abend das Bühnengeschehen zutreffend beschreiben: Momente von hoher ästhetischer Kraft und Wirkung, ein Auf-und-Ab voller Harmonie und Ausgewogenheit bei der die Musik durch einen choreographischen Mehrwert noch hinzugewinnt.
Die leere Bühne wird im Hintergrund dominiert von einem schwebenden Ring, der in wechselnden Farben leuchtet. Dazu wird die Bühne farbig ausgeleuchtet: in rot, grün und blau und ergänzt von farbigen Kostümen in rot, grün, blau und schwarz.
Spoerlis durchgestaltete fließende Bewegungen erfordern immer wieder Athletik, manche Bewegungen erinnern an Bodenturnen, andere in Gruppenszenen an Synchronschwimmen. «In den Winden im Nichts» ist eine konzentrierte Choreographien ohne Leerlauf (und ohne Pause: ca 65 Minuten) und ohne einfache Bewegungen, sondern durchgehend fordernd und anspruchsvoll. Die benötigten 28 Tänzer der Karlsruher Ballet Kompagnie lösten ihre Aufgabe mit großer Bravour und vielen bemerkenswerten Momenten: Bruna Andrade mit großer Ausdruckskraft, ebenso Rafaelle Queiroz, Pablo dos Santos sowie Zhi Le Xu mit beeindruckenden Sprüngen. Doch besonders ein Tänzer war gestern verdient im Mittelpunkt:
Hommage an Flavio Salamanka
Das Karlsruher Ballett hat einige Tänzer, die nun schon im zehnten Jahr in Karlsruhe aktiv sind: z.B. die bildhübsche Jussara Fonseca, Sabrina Velloso oder die Solistinnen Barbara Blanche und Patricia Namba. Und Flavio Salamanka, der mit hoher Konstanz und Zuverlässigkeit seine Leistung bringt und das letzte Jahrzehnt wie kein anderer Tänzer geprägt hat: mit tadelloser Technik, mühelos eleganten und geschmeidigen Bewegungen, fließenden Linien und hoher Sprungsicherheit ist er zu Recht der dominierende Solist der Karlsruher Kompagnie und ein verlässlicher Partner für die Solistinnen. Gestern wurde er nach der Aufführung auf der Bühne von Intendant Peter Spuhler zum Kammertänzer ernannt - ein Titel, der in Karlsruhe zum ersten Mal vergeben wurde. Nach der eindrucksvollen Premiere war Salamankas Ernennung der emotionale Höhepunkt des Abends und all jene, die Birgit Keils nun fast zehnjährige Arbeit in Karlsruhe verfolgt haben, werden Salamanka die Ehrung von Herzen gegönnt haben: Glückwunsch und BRAVO!
PS: Eine schöne Überraschung im Zuschauersaal - der beliebte frühere erste Solist Diego de Paula war anwesend.
Freitag, 8. März 2013
Karlsruher Theaterglück
Fernab von allen Krise-der-Theater-Diskussionen muß man beispielhaft dieses Wochenende im Badischen Staatstheater beobachten:
Im Großen Haus kommen Der Vetter aus Dingsda (Freitag), Tosca (Samstag) und die Zauberflöte (Sonntag) - und alle drei sind ausverkauft - oder so gut wie. Wenn man bedenkt, daß die Inszenierungen von Tosca und Zauberflöte bereits über 10 Jahre im Programm sind, dann sieht man, daß Karlsruhe ein Theater-freundliches, ja Theater-begeistertes Publikum hat.
Aber nicht nur in der Oper, auch im Schauspiel steht ein gutes Wochenende bevor: Im Studio sind Agnes (Freitag) und Der Vorname (Sonntag) ebenfalls ausverkauft, im Kleinen Haus sind Alice (Freitag), Die Möwe (Samstag) und Der Einsame Weg (Sonntag) gut besucht.
Über 4000 Zuschauer in 3 Tagen - liebes Badisches Staatstheater, einige wenige denken nun vielleicht, das wäre das Ergebnis langwieriger theoretischer Überlegungen zur Programmzusammenstellung, aber tatsächlich ist eine Verbeugung vor euren Künstler, Technikern und Mitarbeitern fällig UND vor allem eine Verbeugung vor dem Karlsruher Publikum, das mit soviel Geduld, Interesse und Enthusiasmus für ihr Staatstheater in das Haus an der Baumeisterstraße strömt - und das nicht nur seitdem die "Helden" der neuen Intendanz versuchen, ihre Duftmarken zu setzen, sondern schon seit Jahrzehnten. Solche ausverkauften Wochenenden sind nichts Neues in der Fächerstadt und man könnte den Eindruck gewinnen, daß den Karlsruher Bürgern der hohe Stellenwert ihres Staatstheaters gerade wieder stärker bewußt wird. Karlsruher Theaterglück ....
Im Großen Haus kommen Der Vetter aus Dingsda (Freitag), Tosca (Samstag) und die Zauberflöte (Sonntag) - und alle drei sind ausverkauft - oder so gut wie. Wenn man bedenkt, daß die Inszenierungen von Tosca und Zauberflöte bereits über 10 Jahre im Programm sind, dann sieht man, daß Karlsruhe ein Theater-freundliches, ja Theater-begeistertes Publikum hat.
Aber nicht nur in der Oper, auch im Schauspiel steht ein gutes Wochenende bevor: Im Studio sind Agnes (Freitag) und Der Vorname (Sonntag) ebenfalls ausverkauft, im Kleinen Haus sind Alice (Freitag), Die Möwe (Samstag) und Der Einsame Weg (Sonntag) gut besucht.
Über 4000 Zuschauer in 3 Tagen - liebes Badisches Staatstheater, einige wenige denken nun vielleicht, das wäre das Ergebnis langwieriger theoretischer Überlegungen zur Programmzusammenstellung, aber tatsächlich ist eine Verbeugung vor euren Künstler, Technikern und Mitarbeitern fällig UND vor allem eine Verbeugung vor dem Karlsruher Publikum, das mit soviel Geduld, Interesse und Enthusiasmus für ihr Staatstheater in das Haus an der Baumeisterstraße strömt - und das nicht nur seitdem die "Helden" der neuen Intendanz versuchen, ihre Duftmarken zu setzen, sondern schon seit Jahrzehnten. Solche ausverkauften Wochenenden sind nichts Neues in der Fächerstadt und man könnte den Eindruck gewinnen, daß den Karlsruher Bürgern der hohe Stellenwert ihres Staatstheaters gerade wieder stärker bewußt wird. Karlsruher Theaterglück ....
Montag, 4. März 2013
Partizipatives Schauspiel
Die Franfurter Rundschau berichtet über neue Strategien zur Publikumsgewinnung.
Auch der Karlsruher Schauspielleiter Jan Linders wird zitiert: «Unser Ziel ist es, das Theater stärker in die Stadt hineinzutragen».
Es wird berichtet wie man locker mit allerlei Überraschungen Hemmschwellen und Kontaktscheu abbaut und man beim Graffiti-Wettbewerb, Spielszenen in der Straßenbahn und Flashmobs über Mitwirkungsangebote Interessenten gewinnen will.
Mehr dazu hier: http://www.fr-online.de/panorama/twitter--kochen--disco---ungewoehnliches-im-theater,1472782,21998098.html
Interessanterweise wird nicht über nachhaltige Erfolge berichtet, sondern nur über Techniken zur Aufmerksamkeitsgewinnung.
Und ein wenig könnte man den Verdacht haben, daß man damit kein neues Publikum gewinnt, sondern nur ein anderes und dafür andere Besucher verliert .....
Auch der Karlsruher Schauspielleiter Jan Linders wird zitiert: «Unser Ziel ist es, das Theater stärker in die Stadt hineinzutragen».
Es wird berichtet wie man locker mit allerlei Überraschungen Hemmschwellen und Kontaktscheu abbaut und man beim Graffiti-Wettbewerb, Spielszenen in der Straßenbahn und Flashmobs über Mitwirkungsangebote Interessenten gewinnen will.
Mehr dazu hier: http://www.fr-online.de/panorama/twitter--kochen--disco---ungewoehnliches-im-theater,1472782,21998098.html
Interessanterweise wird nicht über nachhaltige Erfolge berichtet, sondern nur über Techniken zur Aufmerksamkeitsgewinnung.
Und ein wenig könnte man den Verdacht haben, daß man damit kein neues Publikum gewinnt, sondern nur ein anderes und dafür andere Besucher verliert .....
Dienstag, 26. Februar 2013
4. Symphoniekonzert, 25.02.2013
Passend zu den Händel-Festspielen gab es im vierten Symphoniekonzert Musik des 18. Jahrhunderts und ein zeitgenössisches Derivat.
Zu Beginn erklang Händels Concerto grosso a-Moll op.6 Nr.4. Händels Konzerte stehen heute in ihrer Popularität hinter diversen Bach Konzerten zurück. Opus 6 Nr.4 gehört zu den bekanntesten Konzertwerken Händels und hat reizvolle, aber kurzdauernde Momente: bspw. der ernste Beginn oder die Sarabande des dritten Satzes. Ein zwar etwas schwerfälliger, aber schöner ca zehnminütiger Einstieg in den Abend.
Es folgte das kurze, weniger als 15 Minuten dauernde Concerto grosso des israelischen Komponisten Avner Dorman, das Händels Konzert zitiert und modernisiert. Dorman war bereits im Juli 2012 als Gast anwesend und bei einem Karlsruher Konzert zu hören. Sein Concerto grosso kombiniert Stilelemente von Händel und Vivaldi mit osteuropäischen Einschlägen (evtl. etwas Minimalismus von Avro Pärt. Das Programmheft verweist auf Alfred Schnittke). Zwischen zwei wenig interessanten Adagios befindet sich ein rascher Mittelsatz - mehr ist darüber eigentlich nicht zu sagen. Mit dem Applaus war Dormans Stück schon wieder vergessen.
Die Telemann Ouverture-Suite „La Bourse” ist ein Stück mit Zeitbezug: ein musikalischer Kommentar zum Absturz der Pariser Börse im Jahr 1720, aber keine Tondichtung, die mit Wiedererkennungswert irgendetwas beschreibt, was nicht auch ganz anders gehört werden kann. Ein sehr schönes Stück barocker Musik, das knapp 20 Minuten dauerte. Kai Bantelmann und Ilona Steinheimer (Oboe) sowie Oscar Bohorquez (Fagott) bekamen einen Extra-Applaus für ihren virtuosen solistischen Einsatz.
Kann sich noch jemand an die exzentrische letzte Aufführung von Haydns 104. Symphonie erinnern? Uwe Sandner dirigierte sie 2005. Sandner war u.a. auch mal in einer Meisterklasse beim großen rumänischen Dirigenten Sergiu Celibidache und wagte damals ein Experiment: er celibidachisierte Haydn - eine Strategie, die bisher nur bei Bruckner funktionierte. Sandners gedehnte Strukturierung des Klangs ließ einige Zuschauer ratlos ins Programmheft schauen, was denn gerade gespielt wird. Diese Gefahr bestand in diesem Konzert nicht - der Dirigent Bruno Weil ist Experte für die Musik Joseph Haydns, dessen Werk er für viele CD-Produktionen aufgenommen hat. Entsprechend war auch das Ergebnis: Haydn "pur".
In 36 Jahren (zwischen 1759 und 1795) komponierte Haydn (*1732 †1809) 104 Symphonien. Gestern war also wieder seine letzte zu hören: ein 63-jähriger -zu damaligen Zeiten ein uralter Mann- schreibt eine Symphonie in D-Dur, also nach der Affektenlehre des Barock in der jubelnden und sieghaften Tonart, doch nach dem kurzen pomphaften Beginn wechselt das Werk schnell in etwas Hoffnungsloses und Erschöpftes, das dann doch durch Optimismus überwunden und niedergerungen wird. Bruno Weils Interpretationsansatz zeigte sich bereits in den ersten Takten: er glättete die Kontraste und vermied Abgründe. Bei Weil wirkte Haydns Symphonie, die nach Mozarts Tod entstand, als ob Haydn Mozart noch nicht oder kaum kennen würde. Haydn "pur" - eine zupackende, musizierfreudige und schnelle Interpretation, die gerade den Wechsel zwischen Licht und Schatten und besonders im dritten Satz den Kontrast der musiklischen Landschaften nicht betonte. Die Badische Staatskapelle erwies sich als guter Partner für diese Musik und Bruno Weils Dirigiersicht.
Obwohl es sogar ein sehr kurzer Konzertabend war, der mit gerade mal 75 Minuten Musik zu sparsam ausfiel und vor 22 Uhr beendet war, hatte man den Eindruck, daß die Programmauswahl an diesem Abend zu fade und gleichförmig war.
Zu Beginn erklang Händels Concerto grosso a-Moll op.6 Nr.4. Händels Konzerte stehen heute in ihrer Popularität hinter diversen Bach Konzerten zurück. Opus 6 Nr.4 gehört zu den bekanntesten Konzertwerken Händels und hat reizvolle, aber kurzdauernde Momente: bspw. der ernste Beginn oder die Sarabande des dritten Satzes. Ein zwar etwas schwerfälliger, aber schöner ca zehnminütiger Einstieg in den Abend.
Es folgte das kurze, weniger als 15 Minuten dauernde Concerto grosso des israelischen Komponisten Avner Dorman, das Händels Konzert zitiert und modernisiert. Dorman war bereits im Juli 2012 als Gast anwesend und bei einem Karlsruher Konzert zu hören. Sein Concerto grosso kombiniert Stilelemente von Händel und Vivaldi mit osteuropäischen Einschlägen (evtl. etwas Minimalismus von Avro Pärt. Das Programmheft verweist auf Alfred Schnittke). Zwischen zwei wenig interessanten Adagios befindet sich ein rascher Mittelsatz - mehr ist darüber eigentlich nicht zu sagen. Mit dem Applaus war Dormans Stück schon wieder vergessen.
Die Telemann Ouverture-Suite „La Bourse” ist ein Stück mit Zeitbezug: ein musikalischer Kommentar zum Absturz der Pariser Börse im Jahr 1720, aber keine Tondichtung, die mit Wiedererkennungswert irgendetwas beschreibt, was nicht auch ganz anders gehört werden kann. Ein sehr schönes Stück barocker Musik, das knapp 20 Minuten dauerte. Kai Bantelmann und Ilona Steinheimer (Oboe) sowie Oscar Bohorquez (Fagott) bekamen einen Extra-Applaus für ihren virtuosen solistischen Einsatz.
Kann sich noch jemand an die exzentrische letzte Aufführung von Haydns 104. Symphonie erinnern? Uwe Sandner dirigierte sie 2005. Sandner war u.a. auch mal in einer Meisterklasse beim großen rumänischen Dirigenten Sergiu Celibidache und wagte damals ein Experiment: er celibidachisierte Haydn - eine Strategie, die bisher nur bei Bruckner funktionierte. Sandners gedehnte Strukturierung des Klangs ließ einige Zuschauer ratlos ins Programmheft schauen, was denn gerade gespielt wird. Diese Gefahr bestand in diesem Konzert nicht - der Dirigent Bruno Weil ist Experte für die Musik Joseph Haydns, dessen Werk er für viele CD-Produktionen aufgenommen hat. Entsprechend war auch das Ergebnis: Haydn "pur".
In 36 Jahren (zwischen 1759 und 1795) komponierte Haydn (*1732 †1809) 104 Symphonien. Gestern war also wieder seine letzte zu hören: ein 63-jähriger -zu damaligen Zeiten ein uralter Mann- schreibt eine Symphonie in D-Dur, also nach der Affektenlehre des Barock in der jubelnden und sieghaften Tonart, doch nach dem kurzen pomphaften Beginn wechselt das Werk schnell in etwas Hoffnungsloses und Erschöpftes, das dann doch durch Optimismus überwunden und niedergerungen wird. Bruno Weils Interpretationsansatz zeigte sich bereits in den ersten Takten: er glättete die Kontraste und vermied Abgründe. Bei Weil wirkte Haydns Symphonie, die nach Mozarts Tod entstand, als ob Haydn Mozart noch nicht oder kaum kennen würde. Haydn "pur" - eine zupackende, musizierfreudige und schnelle Interpretation, die gerade den Wechsel zwischen Licht und Schatten und besonders im dritten Satz den Kontrast der musiklischen Landschaften nicht betonte. Die Badische Staatskapelle erwies sich als guter Partner für diese Musik und Bruno Weils Dirigiersicht.
Obwohl es sogar ein sehr kurzer Konzertabend war, der mit gerade mal 75 Minuten Musik zu sparsam ausfiel und vor 22 Uhr beendet war, hatte man den Eindruck, daß die Programmauswahl an diesem Abend zu fade und gleichförmig war.
Samstag, 23. Februar 2013
Händel - Alessandro, 22.02.2013
Gerade auch nach anderen Barock-Aufführungen (z.B. vorgestern Händels The Triumph of Time and Truth oder noch deutlicher nach Porporas Polifemo in Schwetzingen) wird deutlich, was man am Badischen Staatstheater mit den Händel-Solisten für ein großartiges und unersetzliches Orchester hat. Händels Alessandro hat wunderbare Musik, die man wohl nur sehr selten so facettenreich und klanglich überwältigend-schön live hören kann. Für Freunde der Barock-Musik sind die Auftritte des Orchesters eine Klangoffenbarung und die Händel-Solisten sind seit ihrer Gründung 1985 einer der Garanten für barocke Musizierpraxis auf höchstem Niveau. Dirigent Michael Form formt einen wunderschönen und ideal temperierten Barockklang. An alle Musiker im Orchestergraben: BRAVO!
Zu den letztjährigen Eindrücken (mehr hier und hier) lässt sich nichts Neues sagen. Die vier Gastsänger (Lawrence Zazzo als Alessandro, Yetzabel Arias Fernadet als Rossane, Raffaella Milanesi Lisaura und Martin Oro als Tassile) und drei Ensemblemitglieder sind sehr gut gewählt. Am Ende des ersten Aktes befindet sich die heiterste Szene, wenn Rebecca Raffell (Cleone), Andrew Finden (Clito) und Eleazar Rodriguez (Leonato - die Rolle wurde diese Spielzeit mit ihm neu besetzt, da Sebastian Kohlhepp im Händel Oratorium sang) singen und tanzen - oder wie Eleazar Rodriguez twitterte: "We are too hot to Händel!"
Vorgestern hatte der Händel/Barry Abend für Händel Festspiele ungewohnt wenig Zuschauer, Alessandro hingegen war ausverkauft und man verkaufte auch Stehplätze. Die neun Aufführungen in den Jahren 2012 und 2013 waren außergewöhnlich gut besucht und Alessandro ist wahrscheinlich angesichts der Zuschauergunst eine der erfolgreichsten Produktionen in der Geschichte der Karlsruher Händel Festspiele. Wieso? Nicht wegen der Oper (Alessandro gehört nicht zu Händels besten Barockopern), nicht wegen der Sänger (die aber alle dem Anspruch eines Barock Festivals in jeder Hinsicht entsprechen), sondern wegen dem Boom der Barockopern und der von den Händel-Solisten wunderschön vorgetragenen Musik. Besser kann man Barockopern nicht musizieren. Hoffentlich sind die Produktionen im nächsten Jahr auch wieder den entscheidenden Tick interessanter, um das Zuschauer-Interesse zu bewahren und mit den Spitzenproduktionen zu Zeiten der Thorwald/Brux-Ära mithalten zu können.
Zu den letztjährigen Eindrücken (mehr hier und hier) lässt sich nichts Neues sagen. Die vier Gastsänger (Lawrence Zazzo als Alessandro, Yetzabel Arias Fernadet als Rossane, Raffaella Milanesi Lisaura und Martin Oro als Tassile) und drei Ensemblemitglieder sind sehr gut gewählt. Am Ende des ersten Aktes befindet sich die heiterste Szene, wenn Rebecca Raffell (Cleone), Andrew Finden (Clito) und Eleazar Rodriguez (Leonato - die Rolle wurde diese Spielzeit mit ihm neu besetzt, da Sebastian Kohlhepp im Händel Oratorium sang) singen und tanzen - oder wie Eleazar Rodriguez twitterte: "We are too hot to Händel!"
Vorgestern hatte der Händel/Barry Abend für Händel Festspiele ungewohnt wenig Zuschauer, Alessandro hingegen war ausverkauft und man verkaufte auch Stehplätze. Die neun Aufführungen in den Jahren 2012 und 2013 waren außergewöhnlich gut besucht und Alessandro ist wahrscheinlich angesichts der Zuschauergunst eine der erfolgreichsten Produktionen in der Geschichte der Karlsruher Händel Festspiele. Wieso? Nicht wegen der Oper (Alessandro gehört nicht zu Händels besten Barockopern), nicht wegen der Sänger (die aber alle dem Anspruch eines Barock Festivals in jeder Hinsicht entsprechen), sondern wegen dem Boom der Barockopern und der von den Händel-Solisten wunderschön vorgetragenen Musik. Besser kann man Barockopern nicht musizieren. Hoffentlich sind die Produktionen im nächsten Jahr auch wieder den entscheidenden Tick interessanter, um das Zuschauer-Interesse zu bewahren und mit den Spitzenproduktionen zu Zeiten der Thorwald/Brux-Ära mithalten zu können.
Freitag, 22. Februar 2013
Händel - The Triumph of Time and Truth / Barry - The Triumph of Beauty and Deceit, 21.02.2013
Die wegen Gewerkschaftsstreik reduzierten Premiere musste noch ohne Bühnenbild und Inszenierung auskommen. Nach der gestrigen Bühnenfassung konnte man den Eindruck gewinnen, daß der ver.di Streik fast ein Glücksfall war - bekam man doch für die Premiere solidarischen Applaus, wo man sonst wahrscheinlich einige Buhs bekommen hätte.
Der Abend ist zweigeteilt: das Händel Oratorium ist von Regisseur Sam Brown in ein Großraumbüro verlegt, in dem die Schönheit als Sekretärin arbeitet und mit dem Vergnügen flirtet, doch Firmenchef (Zeit) und Assistent (Wahrheit) zwingen sie als fleißge Arbeitskraft zurück ins Büro. Einem handlungsfernen Oratorium muß eine Geschichte in der Regel mühsam angepasst werden und auch hier wollen der Text des gekürzten Oratoriums und die erfundene Handlung nicht so richtig harmonieren. Daß man darüber hinweg sehen kann, liegt am Einfallsreichtum der Bühne (Bühnenbild von Annemarie Woods), die einen schnellen Wandel von Großraumbüro, Kantine und Waschraum ermöglicht, und an einer unterhaltsamen Personenführung der fünf Sänger und 26 Statisten. Es sind etwas zu viele kleinformatige Einfälle des Regisseurs, die man nur durch genaue Beobachtung oder ein Opernglas wahrnimmt. Dennoch ist der inszenatorische Mehrwert gegenüber der Premiere deutlich zu bemerken. Kein großer Wurf, aber eine solide und nette Umsetzung.
Nach der Pause verliert die Barry Oper durch die Bühnenversion gegenüber der Premiere. Die Zeit ist nun ein schwerfälliges, sich windendes, häßliches Etwas, das von der Wahrheit als Pfleger und Arzt begleitet wird. Das selbstsichere Vergnügen weiß um seine Dominanz. So richtig kommt die Inszenierung nie in Fahrt und der Konflikt der Schönheit erschließt sich nicht. Die ganze Inszenierung ergibt wohl irgendeinen Sinn, der mir allerdings hermetisch verschlossen blieb. Musik und Handlung verschmelzen zu einen hektischen Aktionismus, dessen Antrieb und Ursache genauso im Zwielicht bleiben wie die obskuren Geschehnisse auf der Bühne. Die Musik erleichtert den Genuß der Oper nicht, ganz im Gegenteil. Die Idee zur Fortsetzung und das gut geschriebene Libretto zu The Triumph of Beauty and Deceit hätten einen einfallsreicheren Komponisten verdient. Nach wenigen Minuten scheint sich Barrys Vokabular erschöpft zu haben: schnell stellt sich eine gewisse überraschungsfreie Monotonie ein. Für einige ist die knappe Stunde nur mit Unbehagen zu ertragen. Immer wieder verließen -wie auch schon bei der Premiere- Zuschauer gestern den Innenraum des Großen Hauses und wie mir ein Flüchtender erzählt hat, hat man das beim Badischen Staatstheater antizipiert: an den Türen warten im Innenraum teilweise Mitarbeiter, um ein geräuschloses Schließen der Türen zu gewährleisten.
Enttäuschend ist die musikalische Leitung des Oratoriums: uninspiriert, ohne Feuer und viel zu glatt und eintönig dirigiert Richard Baker Händels Musik. Bei Barrys Oper ist er deutlich mehr in seinem Element. Die Sänger hingegen kann man pauschal loben: alle singen und spielen absolut überzeugend.
Fazit: Was bleibt von den Händel Festspielen 2013? Alessandro wurde wieder aufgenommen .... man hatte sehr gute Sänger engagiert ... und die meisten warten auf 2014. 2013 scheint ein Übergangsjahr ohne richtigen Höhepunkt zu sein.
Der Abend ist zweigeteilt: das Händel Oratorium ist von Regisseur Sam Brown in ein Großraumbüro verlegt, in dem die Schönheit als Sekretärin arbeitet und mit dem Vergnügen flirtet, doch Firmenchef (Zeit) und Assistent (Wahrheit) zwingen sie als fleißge Arbeitskraft zurück ins Büro. Einem handlungsfernen Oratorium muß eine Geschichte in der Regel mühsam angepasst werden und auch hier wollen der Text des gekürzten Oratoriums und die erfundene Handlung nicht so richtig harmonieren. Daß man darüber hinweg sehen kann, liegt am Einfallsreichtum der Bühne (Bühnenbild von Annemarie Woods), die einen schnellen Wandel von Großraumbüro, Kantine und Waschraum ermöglicht, und an einer unterhaltsamen Personenführung der fünf Sänger und 26 Statisten. Es sind etwas zu viele kleinformatige Einfälle des Regisseurs, die man nur durch genaue Beobachtung oder ein Opernglas wahrnimmt. Dennoch ist der inszenatorische Mehrwert gegenüber der Premiere deutlich zu bemerken. Kein großer Wurf, aber eine solide und nette Umsetzung.
Nach der Pause verliert die Barry Oper durch die Bühnenversion gegenüber der Premiere. Die Zeit ist nun ein schwerfälliges, sich windendes, häßliches Etwas, das von der Wahrheit als Pfleger und Arzt begleitet wird. Das selbstsichere Vergnügen weiß um seine Dominanz. So richtig kommt die Inszenierung nie in Fahrt und der Konflikt der Schönheit erschließt sich nicht. Die ganze Inszenierung ergibt wohl irgendeinen Sinn, der mir allerdings hermetisch verschlossen blieb. Musik und Handlung verschmelzen zu einen hektischen Aktionismus, dessen Antrieb und Ursache genauso im Zwielicht bleiben wie die obskuren Geschehnisse auf der Bühne. Die Musik erleichtert den Genuß der Oper nicht, ganz im Gegenteil. Die Idee zur Fortsetzung und das gut geschriebene Libretto zu The Triumph of Beauty and Deceit hätten einen einfallsreicheren Komponisten verdient. Nach wenigen Minuten scheint sich Barrys Vokabular erschöpft zu haben: schnell stellt sich eine gewisse überraschungsfreie Monotonie ein. Für einige ist die knappe Stunde nur mit Unbehagen zu ertragen. Immer wieder verließen -wie auch schon bei der Premiere- Zuschauer gestern den Innenraum des Großen Hauses und wie mir ein Flüchtender erzählt hat, hat man das beim Badischen Staatstheater antizipiert: an den Türen warten im Innenraum teilweise Mitarbeiter, um ein geräuschloses Schließen der Türen zu gewährleisten.
Enttäuschend ist die musikalische Leitung des Oratoriums: uninspiriert, ohne Feuer und viel zu glatt und eintönig dirigiert Richard Baker Händels Musik. Bei Barrys Oper ist er deutlich mehr in seinem Element. Die Sänger hingegen kann man pauschal loben: alle singen und spielen absolut überzeugend.
Fazit: Was bleibt von den Händel Festspielen 2013? Alessandro wurde wieder aufgenommen .... man hatte sehr gute Sänger engagiert ... und die meisten warten auf 2014. 2013 scheint ein Übergangsjahr ohne richtigen Höhepunkt zu sein.
Mittwoch, 20. Februar 2013
Händel Festspiele 2014: noch 366 Tage ….
Noch laufen die Händel Festspiele 2013, aber morgen in einem Jahr am 21. Februar 2014 ist Premiere: Händels Oper Riccardo Primo, inszeniert vom französischen Barock-Experten Benjamin Lazar und mit Franco Fagioli in der Titelrolle. Auch wenn die anderen Sänger noch nicht bekannt sind, reichten diese Informationen aus, um in den letzten 5 Tagen bereits ca. 500 Karten(!) für die Premiere im nächsten Jahr abzusetzen. Das ist ein außergewöhnlicher und bemerkenswerter Vorgang und spricht für die Vorfreude, die Festspielleiter Bernd Feuchtner mit dieser Ankündigung ausgelöst hat und für das Vertrauen, das zahlreiche Barockmusik-Freunde dem Karlsruher Festival entgegenbringen.
Die Kombination, zusätzlich Rinaldo -eine von Händels schönsten Opern- mit einem Marionettentheater aufzuführen, veredelt die Händel Festspiele 2014 bereits ein Jahr im Voraus zu einem besonderen Ereignis. Man kann gespannt sein, welche weiteren Sänger man für die beiden Produktionen engagieren wird.
Am Badischen Staatstheater möchte man sich für seine Programmauswahl gerne rühmen und loben lassen, aber übersieht dabei leider, wo die wirklichen Verdienste aus Publikumssicht liegen: Publikumszufriedenheit erreicht man weniger mit der Zusammenstellung der "Speisekarte", sondern durch Qualität und Präsentation des Produkts, in diesem Fall zweifellos dadurch, Barockopern für die Sinne zu spielen. Die Händel Festspiele 2014 könnten einen Zuschauerrekord aufstellen – alle, die bereits Karten gekauft haben glauben daran und wünschen, daß dem Badischen Staatstheater und Festspielleiter Bernd Feuchtner dieser Erfolg zuteil wird.
Und wer noch keine Karten hat und bei der Premiere eines besonderen Opern-Erlebnisses dabei sein will – hier noch mal der Link zum Vorverkauf:
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/programm/haendel-festspiele-2014/
Der Vorverkauf für weitere Vorstellungen von Riccardo Primo (vier weitere Aufführungen) und Rinaldo (zwei weitere Aufführungen) beginnt im Herbst 2013 zu Beginn der kommenden Spielzeit.
Die Kombination, zusätzlich Rinaldo -eine von Händels schönsten Opern- mit einem Marionettentheater aufzuführen, veredelt die Händel Festspiele 2014 bereits ein Jahr im Voraus zu einem besonderen Ereignis. Man kann gespannt sein, welche weiteren Sänger man für die beiden Produktionen engagieren wird.
Am Badischen Staatstheater möchte man sich für seine Programmauswahl gerne rühmen und loben lassen, aber übersieht dabei leider, wo die wirklichen Verdienste aus Publikumssicht liegen: Publikumszufriedenheit erreicht man weniger mit der Zusammenstellung der "Speisekarte", sondern durch Qualität und Präsentation des Produkts, in diesem Fall zweifellos dadurch, Barockopern für die Sinne zu spielen. Die Händel Festspiele 2014 könnten einen Zuschauerrekord aufstellen – alle, die bereits Karten gekauft haben glauben daran und wünschen, daß dem Badischen Staatstheater und Festspielleiter Bernd Feuchtner dieser Erfolg zuteil wird.
Und wer noch keine Karten hat und bei der Premiere eines besonderen Opern-Erlebnisses dabei sein will – hier noch mal der Link zum Vorverkauf:
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/programm/haendel-festspiele-2014/
Der Vorverkauf für weitere Vorstellungen von Riccardo Primo (vier weitere Aufführungen) und Rinaldo (zwei weitere Aufführungen) beginnt im Herbst 2013 zu Beginn der kommenden Spielzeit.
Sonntag, 17. Februar 2013
Händel - The Triumph of Time and Truth / Barry - The Triumph of Beauty and Deceit, 16.02.2013
Endlich wieder Händel Festspiele! Für das Badische Staatstheater ist die Premiere der wahrscheinlich Prestige- und Presse-reichste Tag des Jahres. Zu keinem anderen Termin hat mal für gewöhnlich so starke überregionale Aufmerksamkeit und nationale und internationale Gäste. In über 35 Jahren Kontinuität hat sich Karlsruhe als bedeutende Festivalstadt für Barockmusik etabliert. Dieses Jahr hat man viele englischsprachige Besucher und der irische Komponist Gerald Barry, dessen Oper gestern aufgeführt wurde, war zu Gast. Deshalb kann man nur mit Unverständnis darauf reagieren, daß die Gewerkschaft ver.di den Samstag bestreiken ließ. Die Bühnenarbeiter legten für die gestrigen Premieren im Kinder- und Musiktheater die Arbeit nieder. Die Premiere der Händelfestspiele musste also konzertant, in Kostümen und ansatzweise gespielt, aber ohne Bühne und Beleuchtung stattfinden. Streiks sind zweifellos wichtige und angemessene Instrumente im Arbeitskampf, aber wieso sabotiert man ausgerechnet einen für die künstlerische Bedeutung und Ausstrahlung des Staatstheater so wichtigen Tag mit so vielen anreisenden Besuchern? Mit Carmen, Zauberflöte, Schwanensee, ... gibt es andere, ständig ausverkaufte Vorstellungen, die für einen Warnstreik ideal geeignet sind. Die möglichen Motive sind wenig schmeichelhaft für ver.di. Man kann alte Klischees bedienen und vermuten, daß diese Entscheidung aus allzu leichtfertiger Ignoranz fiel oder am Samstagabend alkoholisierte Provinzgewerkschaftler den wirkungsstärksten Coup ihrer Funktionärsgeschichte gefeiert haben. Es könnte aber auch sein, daß man von Gewerkschaftsseite rücksichtslos seine Macht benutzte, um persönliche Rechnungen zu begleichen und um es irgendjemand heimzuzahlen. Die Theaterbetriebsgruppe von ver.di entschied sich mit dem gestrigen Warnstreik für ein destruktives und feindseliges Signal, das größtmöglichen Kollateralschaden anrichten sollte.
Händelfestspiele 2013
Nun aber: Endlich wieder Händel Festspiele! Die Besucher schüttelten über ver.di den Kopf, ließen sich aber durch die gewerkschaftliche Negativität nicht die Freude nehmen. Die diesjährige Neuproduktion ist englisch: ein in englisch gesungenes Händel-Oratorium, ergänzt durch eine zeitgenössische englische Oper, von englischsprachigen Gastsängern und einem englischen Dirigenten aufgeführt und inszeniert von einem englischen Team.
Was wird aufgeführt?
Keine der italienischen Opern Händels (*1686 †1759), sondern mal wieder ein Oratorium aus seiner Spätzeit, sogar aus einer sehr späten Zeit, denn The Triumph of Time and Truth ist Händels letztes Oratorium und wurde 1757 erstmals gespielt. Doch das Oratorium ist kein neues Werk, sondern eine Verarbeitung eines früheren Händel Werks. 1707 komponierte Händel in Rom das Oratorium Il trionfo del Tempo e del Disinganno (war 2007 in Karlsruhe zu hören), das er 1737 nach einer Umbearbeitung in London als Il trionfo del Tempo e della Verità (war 1999 in Karlsruhe zu hören) und noch mal 20 Jahre später nach einer englischen Übersetzung und weiteren Umarbeitung als The Triumph of Time and Truth restverwertete und nun die Karlsruher Reihe komplettiert. Um es für die Bühne inszenieren zu können, wurde das Oratorium gekürzt und dauert ca 90 Minuten.
Die Oper The Triumph of Beauty and Deceit des irischen Komponisten Gerald Barry (*1952) wurde 1991 uraufgeführt. Barry war vor der gestrigen Premiere der große Unbekannte - fast niemand dürfte bisher von ihm gehört oder etwas gehört haben. Aus gutem Grund - man kann seine Musik in jedem Fall als sehr gewöhnungsbedürftig bezeichnen: sie wirkt sehr gehetzt und gedrängt, dabei aber in ihrem Ausdruck überwiegend eintönig und schrill-hysterisch: ein akustischer Migräneanfall. Auffällig ist bei ihm auch die Behandlung der Singstimme. Im Programmheft warnt das Badische Staatstheater bereits vorab: "Außerdem schert sich Barry nur wenig um die verkrusteten Konventionen, innerhalb derer Menschen auf der Opernbühne ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen pflegen. Denn würden diese Konventionen gelten, müssten Barrys Figuren als ernstlich wahnsinnig erscheinen, da sie sich in Gesangslinien entäußern, die durch alle Register rasen, an den falschen Stellen abbrechen (will heißen: der jeweiligen Textphrasierung widersprechen) und sich überdies häufig wiederholen, wie gefangen in manischer Konfusion. …. Seine Charaktere benehmen sich nicht angemessen, indem sie ihre Emotionen ausdrücken; sie gehen weiter, bis hin zu grotesker Übertreibung. Oder sie bleiben zurück und verharren in Stille."
Es gibt immer wieder Phasen, wo man Barrys Musik durchaus einen gewissen Reiz abgewinnen kann, aber in der Summe wirkt sie wie ein Klischee über moderne Musik. Immer wieder verließen Besucher in den knapp 50 Minuten Aufführungsdauer den Saal, weil sie es nicht mehr ertragen konnten. Gerade auch nach der melodiösen und ruhigen Barockmusik, wirkt die Kombination mit der unruhigen Musik Barrys umso harscher und gewöhnungsbedürftiger für die Zuschauer.
Worum geht es?
In Händels allegorischem Oratorium und Barrys Oper gibt es das gleiche Personal. Die Zeit, die Wahrheit, das Vergnügen und die Täuschung versuchen die Schönheit auf den richtigen Weg zu bringen, und zwar bei Händel auf den Pfad der religiösen Tugend, bei Barrys Fortsetzung hin zum Vergnügen. Es ist also eine moralische Handlung, die hier inszeniert wird, bei der die Schönheit manipuliert werden soll. Der Paradigmenwechsel ist unverkennbar: im spätbarocken Oratorium ist die Vergänglichkeit der Schönheit Anlaß zur Konzentration auf göttliche Belohnung im Jenseits; in moderner Sicht ist die Vergänglichkeit der Schönheit Anlaß zu diesseitigen Vergnügen und hedonistischen Genuß. Wo Vergnügen und Schönheit einst in offizieller Moral (inoffiziell huldigten ihr die Kirchenfürsten hemmungsfrei) nur frivol denkbar waren und ihnen der Spaß ausgetrieben wurde, sind sie heute selbstverständliche Chance zur geglückten Selbstverwirklichung.
Aus oben genannten Gründen war die Premiere konzertant und über Bühnenbild und Absichten des Regie-Teams lässt sich noch nichts sagen.
Was ist zu hören?
Wie fast immer in den letzten Jahren hat man sehr gute Sänger versammelt und es fällt schwer, jemand aus dem homogenen Ensemble hervorzuheben. In Händels Oratorium hat man mit Sebastian Kohlhepp und Stefanie Schaefer erprobte und beliebte Ensemblemitglieder und mit Anna Patalong eine schöne Sopranstimme. Zwei Sänger singen in beiden Stücken: Countertenor William Purefoy und der Bassist Joshua Bloom, den wahrscheinlich einige gerne öfters hören würden: eine tragende und markante Stimme, die auffällt. Ebenfalls eine sehr schöne Stimme hat der Tenor Peter Tantsits, der die Schönheit in Barrys Oper singt. Das Publikum spendete demonstrativ langen und starken Applaus für alle Sänger.
Die Premiere findet nun am Dienstag, 19.02. statt. Das Badische Staatstheater bietet allen Inhabern von Premierenkarten 50% Ermässigung an, falls sie sich für einen zweiten Termin mit Inszenierung noch mal eine Karte besorgen wollen.
PS: Diesmal hat man die Preisverleihung (mehr dazu hier bei den Gurreliedern) für den "Preis der deutschen Theaterverlage - Bestes Opernprogramm 2012/13" im Anschluß an die Premiere vorgenommen. Vielen Dank, daß man all jenen, für die das Was weniger wichtig ist als das Wie, die üblichen Blabla-Ansprachen dieses so beliebig und überflüssig anmutenden Preises vor der Premiere nicht zugemutet hat. Dennoch zur Orientierung eine kurze Wertung und Einordnung des Preises.
Das Badische Staatstheater hat also scheinbar ein besseres Opernprogramm als alle anderen Städte. Zur Erinnerung hier das sensationelle Karlsruher Programm, das der Jury keine andere Wahl ließ, als den Preis ins Badische zu vergeben: Wagner - Tannhäuser, Künneke - Der Vetter aus Dingsda, Händel - The Triumph of Time and Truth, Barry - The Triumph of Beauty and Deceit, Donizetti - Die Regimentstochter, Weinberg - Die Passagierin, Britten - Peter Grimes. Der Konkurrenz hat es wahrscheinlich Verzweiflungstränen in die Augen getrieben angesichts dieses außergewöhnlichen Hammerprogramms, um das uns viele in der Republik beneiden müssen.
Gewürdigt wurden also nicht Künstler oder künstlerische Qualität -was manche für die einzige maßgebliche Kategorie halten- sondern theoretische Absichten bei der Zusammenstellung der Programmpunkte. Bereits im zweiten Jahr unter Joscha Schaback kann die Jury überraschenderweise feststellen: "Beeindruckend ist ... die Stringenz, mit der thematische Linien verfolgt werden." Unglaublich, aber wahr: das Badische Staatstheater begeistert damit, daß es eine stringente Planung über zwei Jahre zustande gebracht hat. Als Zuschauer reibt man sich allerdings verwundert die Augen und fragt sich, wieso Absichten und Pläne überhaupt preiswürdig sind und so wichtig, daß man das Publikum seit Monaten auf den Preis aufmerksam macht. Vielleicht muß man in einem mit Steuergeld subventionierten Umfeld arbeiten, um Leistung und Errungenschaft so einfach zu definieren.
Wieso macht das Badische Staatstheater so ein großes Trara um Preise? Eigenlob stinkt! heißt es umgangssprachlich und frühere Intendanzen veröffentlichten ihre Auszeichnungen nur auf einer mittleren Seite in der Theaterzeitung. Bescheidenheit und Gelassenheit kann zeigen, wer Vertrauen in seine Arbeit hat. Es spricht nicht für die Selbstsicherheit und das Stilgefühl eines Theaters, das nach außen die eigenen Verdienste ins Rampenlicht stellt. Wer Zweifel an seiner eigenen Qualität hat oder denkt, daß das Publikum Qualität nicht erkennt, wenn es sie sieht, zeigt, daß etwas nicht zusammenpasst und Mißtrauen gegenüber den Zuschauern herrscht.
Übrigens: "Der Bariton Seung-Gi Jung, seit 2011/12 Ensemblemitglied, hat den 1. Preis beim Internationalen Gesangswettbewerb in Bilbao in der Kategorie Männerstimmen gewonnen". Dem Badischen Staatstheater war dieser großartige Erfolg nur diese kurze Notiz auf Seite 35 des aktuellen Theatermagazins wert. Hätte man mal lieber ihm auf der Bühne gratuliert und den "Preis" für das "beste" Opernprogramm einmalig auf Seite 35 verkündet - dann hätten die Verhältnisse gestimmt und jeder wäre an dem Platz, an den er gehört.
Team und Besetzung:
HÄNDEL - DER SIEG VON ZEIT UND WAHRHEIT:
Beauty: Anna Patalong
Deceit: Stefanie Schaefer
Counsel (or Truth): William Purefoy
Pleasure: Sebastian Kohlhepp
Time: Joshua Bloom
BARRY - DER SIEG VON SCHÖNHEIT UND TÄUSCHUNG:
Beauty: Peter Tantsits
Pleasure: Iestyn Morris
Truth: William Purefoy
Deceit: Gabriel Urrutia Benet
Time: Joshua Bloom
Musikalische Leitung: Richard Baker
Regie: Sam Brown
Bühne & Kostüme: Annemarie Woods
Choreographie: Lorena Randi
Händelfestspiele 2013
Nun aber: Endlich wieder Händel Festspiele! Die Besucher schüttelten über ver.di den Kopf, ließen sich aber durch die gewerkschaftliche Negativität nicht die Freude nehmen. Die diesjährige Neuproduktion ist englisch: ein in englisch gesungenes Händel-Oratorium, ergänzt durch eine zeitgenössische englische Oper, von englischsprachigen Gastsängern und einem englischen Dirigenten aufgeführt und inszeniert von einem englischen Team.
Was wird aufgeführt?
Keine der italienischen Opern Händels (*1686 †1759), sondern mal wieder ein Oratorium aus seiner Spätzeit, sogar aus einer sehr späten Zeit, denn The Triumph of Time and Truth ist Händels letztes Oratorium und wurde 1757 erstmals gespielt. Doch das Oratorium ist kein neues Werk, sondern eine Verarbeitung eines früheren Händel Werks. 1707 komponierte Händel in Rom das Oratorium Il trionfo del Tempo e del Disinganno (war 2007 in Karlsruhe zu hören), das er 1737 nach einer Umbearbeitung in London als Il trionfo del Tempo e della Verità (war 1999 in Karlsruhe zu hören) und noch mal 20 Jahre später nach einer englischen Übersetzung und weiteren Umarbeitung als The Triumph of Time and Truth restverwertete und nun die Karlsruher Reihe komplettiert. Um es für die Bühne inszenieren zu können, wurde das Oratorium gekürzt und dauert ca 90 Minuten.
Die Oper The Triumph of Beauty and Deceit des irischen Komponisten Gerald Barry (*1952) wurde 1991 uraufgeführt. Barry war vor der gestrigen Premiere der große Unbekannte - fast niemand dürfte bisher von ihm gehört oder etwas gehört haben. Aus gutem Grund - man kann seine Musik in jedem Fall als sehr gewöhnungsbedürftig bezeichnen: sie wirkt sehr gehetzt und gedrängt, dabei aber in ihrem Ausdruck überwiegend eintönig und schrill-hysterisch: ein akustischer Migräneanfall. Auffällig ist bei ihm auch die Behandlung der Singstimme. Im Programmheft warnt das Badische Staatstheater bereits vorab: "Außerdem schert sich Barry nur wenig um die verkrusteten Konventionen, innerhalb derer Menschen auf der Opernbühne ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen pflegen. Denn würden diese Konventionen gelten, müssten Barrys Figuren als ernstlich wahnsinnig erscheinen, da sie sich in Gesangslinien entäußern, die durch alle Register rasen, an den falschen Stellen abbrechen (will heißen: der jeweiligen Textphrasierung widersprechen) und sich überdies häufig wiederholen, wie gefangen in manischer Konfusion. …. Seine Charaktere benehmen sich nicht angemessen, indem sie ihre Emotionen ausdrücken; sie gehen weiter, bis hin zu grotesker Übertreibung. Oder sie bleiben zurück und verharren in Stille."
Es gibt immer wieder Phasen, wo man Barrys Musik durchaus einen gewissen Reiz abgewinnen kann, aber in der Summe wirkt sie wie ein Klischee über moderne Musik. Immer wieder verließen Besucher in den knapp 50 Minuten Aufführungsdauer den Saal, weil sie es nicht mehr ertragen konnten. Gerade auch nach der melodiösen und ruhigen Barockmusik, wirkt die Kombination mit der unruhigen Musik Barrys umso harscher und gewöhnungsbedürftiger für die Zuschauer.
Worum geht es?
In Händels allegorischem Oratorium und Barrys Oper gibt es das gleiche Personal. Die Zeit, die Wahrheit, das Vergnügen und die Täuschung versuchen die Schönheit auf den richtigen Weg zu bringen, und zwar bei Händel auf den Pfad der religiösen Tugend, bei Barrys Fortsetzung hin zum Vergnügen. Es ist also eine moralische Handlung, die hier inszeniert wird, bei der die Schönheit manipuliert werden soll. Der Paradigmenwechsel ist unverkennbar: im spätbarocken Oratorium ist die Vergänglichkeit der Schönheit Anlaß zur Konzentration auf göttliche Belohnung im Jenseits; in moderner Sicht ist die Vergänglichkeit der Schönheit Anlaß zu diesseitigen Vergnügen und hedonistischen Genuß. Wo Vergnügen und Schönheit einst in offizieller Moral (inoffiziell huldigten ihr die Kirchenfürsten hemmungsfrei) nur frivol denkbar waren und ihnen der Spaß ausgetrieben wurde, sind sie heute selbstverständliche Chance zur geglückten Selbstverwirklichung.
Aus oben genannten Gründen war die Premiere konzertant und über Bühnenbild und Absichten des Regie-Teams lässt sich noch nichts sagen.
Was ist zu hören?
Wie fast immer in den letzten Jahren hat man sehr gute Sänger versammelt und es fällt schwer, jemand aus dem homogenen Ensemble hervorzuheben. In Händels Oratorium hat man mit Sebastian Kohlhepp und Stefanie Schaefer erprobte und beliebte Ensemblemitglieder und mit Anna Patalong eine schöne Sopranstimme. Zwei Sänger singen in beiden Stücken: Countertenor William Purefoy und der Bassist Joshua Bloom, den wahrscheinlich einige gerne öfters hören würden: eine tragende und markante Stimme, die auffällt. Ebenfalls eine sehr schöne Stimme hat der Tenor Peter Tantsits, der die Schönheit in Barrys Oper singt. Das Publikum spendete demonstrativ langen und starken Applaus für alle Sänger.
Die Premiere findet nun am Dienstag, 19.02. statt. Das Badische Staatstheater bietet allen Inhabern von Premierenkarten 50% Ermässigung an, falls sie sich für einen zweiten Termin mit Inszenierung noch mal eine Karte besorgen wollen.
PS: Diesmal hat man die Preisverleihung (mehr dazu hier bei den Gurreliedern) für den "Preis der deutschen Theaterverlage - Bestes Opernprogramm 2012/13" im Anschluß an die Premiere vorgenommen. Vielen Dank, daß man all jenen, für die das Was weniger wichtig ist als das Wie, die üblichen Blabla-Ansprachen dieses so beliebig und überflüssig anmutenden Preises vor der Premiere nicht zugemutet hat. Dennoch zur Orientierung eine kurze Wertung und Einordnung des Preises.
Das Badische Staatstheater hat also scheinbar ein besseres Opernprogramm als alle anderen Städte. Zur Erinnerung hier das sensationelle Karlsruher Programm, das der Jury keine andere Wahl ließ, als den Preis ins Badische zu vergeben: Wagner - Tannhäuser, Künneke - Der Vetter aus Dingsda, Händel - The Triumph of Time and Truth, Barry - The Triumph of Beauty and Deceit, Donizetti - Die Regimentstochter, Weinberg - Die Passagierin, Britten - Peter Grimes. Der Konkurrenz hat es wahrscheinlich Verzweiflungstränen in die Augen getrieben angesichts dieses außergewöhnlichen Hammerprogramms, um das uns viele in der Republik beneiden müssen.
Gewürdigt wurden also nicht Künstler oder künstlerische Qualität -was manche für die einzige maßgebliche Kategorie halten- sondern theoretische Absichten bei der Zusammenstellung der Programmpunkte. Bereits im zweiten Jahr unter Joscha Schaback kann die Jury überraschenderweise feststellen: "Beeindruckend ist ... die Stringenz, mit der thematische Linien verfolgt werden." Unglaublich, aber wahr: das Badische Staatstheater begeistert damit, daß es eine stringente Planung über zwei Jahre zustande gebracht hat. Als Zuschauer reibt man sich allerdings verwundert die Augen und fragt sich, wieso Absichten und Pläne überhaupt preiswürdig sind und so wichtig, daß man das Publikum seit Monaten auf den Preis aufmerksam macht. Vielleicht muß man in einem mit Steuergeld subventionierten Umfeld arbeiten, um Leistung und Errungenschaft so einfach zu definieren.
Wieso macht das Badische Staatstheater so ein großes Trara um Preise? Eigenlob stinkt! heißt es umgangssprachlich und frühere Intendanzen veröffentlichten ihre Auszeichnungen nur auf einer mittleren Seite in der Theaterzeitung. Bescheidenheit und Gelassenheit kann zeigen, wer Vertrauen in seine Arbeit hat. Es spricht nicht für die Selbstsicherheit und das Stilgefühl eines Theaters, das nach außen die eigenen Verdienste ins Rampenlicht stellt. Wer Zweifel an seiner eigenen Qualität hat oder denkt, daß das Publikum Qualität nicht erkennt, wenn es sie sieht, zeigt, daß etwas nicht zusammenpasst und Mißtrauen gegenüber den Zuschauern herrscht.
Übrigens: "Der Bariton Seung-Gi Jung, seit 2011/12 Ensemblemitglied, hat den 1. Preis beim Internationalen Gesangswettbewerb in Bilbao in der Kategorie Männerstimmen gewonnen". Dem Badischen Staatstheater war dieser großartige Erfolg nur diese kurze Notiz auf Seite 35 des aktuellen Theatermagazins wert. Hätte man mal lieber ihm auf der Bühne gratuliert und den "Preis" für das "beste" Opernprogramm einmalig auf Seite 35 verkündet - dann hätten die Verhältnisse gestimmt und jeder wäre an dem Platz, an den er gehört.
Team und Besetzung:
HÄNDEL - DER SIEG VON ZEIT UND WAHRHEIT:
Beauty: Anna Patalong
Deceit: Stefanie Schaefer
Counsel (or Truth): William Purefoy
Pleasure: Sebastian Kohlhepp
Time: Joshua Bloom
BARRY - DER SIEG VON SCHÖNHEIT UND TÄUSCHUNG:
Beauty: Peter Tantsits
Pleasure: Iestyn Morris
Truth: William Purefoy
Deceit: Gabriel Urrutia Benet
Time: Joshua Bloom
Musikalische Leitung: Richard Baker
Regie: Sam Brown
Bühne & Kostüme: Annemarie Woods
Choreographie: Lorena Randi
Freitag, 15. Februar 2013
Teilweiser Vorverkauf für die Händel Festspiele 2014 gestartet
2014 könnte ein herausragendes Jahr in der Geschichte der Händel Festspiele werden!
Es wird wieder eine historisierende Aufführung mit Kerzenlicht geben (Radamisto ist vielen ein unvergessenes Erlebnis) und in der Hauptrolle von Händels Riccardo Primo (Richard Löwenherz) wird der Karlsruher Publikumsliebling und großartige Countertenor Franco Fagioli zu hören sein. Für die Premiere am 21.02.14 (noch nicht für die vier anderen Termine) kann man ab heute Karten buchen.
Dazu scheint es mit Händels Rinaldo eine Übernahme der Händel Festspiele in Halle aus dem Jahr 2011 zu geben. Die Sänger geben dabei ihre Stimmen an Marionettenfiguren des Marionettentheaters Carlo Colla e Figli. Wie schon in Halle, musiziert die Lautten Compagney Berlin unter Wolfgang Katschner. Einen Eindruck dazu gewinnt man bei dieser Filmreportage: http://vimeo.com/26574249. Für eine von zwei Aufführungen kann man ebenfalls bereits Karten kaufen.
Das Badische Staatstheater hat beide Premieren in einer höheren Preiskategorie als sonst üblich angesetzt: für beide Vorstellungen sind die Karten teurer als bei Opernpremieren, aber günstiger als bei Gala-Abenden. Angesichts der geringen Aufführungsanzahl und des großen Aufwands, den man dafür betreibt, eine dennoch gerechtfertigte Preispolitik.
Hier der Link zum Internet-Vorverkauf:
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/programm/haendel-festspiele-2014/
PS: Liebes Badisches Staatstheater,
Radamisto sollte damals als DVD in einer SWR Produktion auf den Markt kommen. Leider geschah das nicht, aber bei Riccardo Primo könnte man das doch eventuell nachholen!?!
Es wird wieder eine historisierende Aufführung mit Kerzenlicht geben (Radamisto ist vielen ein unvergessenes Erlebnis) und in der Hauptrolle von Händels Riccardo Primo (Richard Löwenherz) wird der Karlsruher Publikumsliebling und großartige Countertenor Franco Fagioli zu hören sein. Für die Premiere am 21.02.14 (noch nicht für die vier anderen Termine) kann man ab heute Karten buchen.
Dazu scheint es mit Händels Rinaldo eine Übernahme der Händel Festspiele in Halle aus dem Jahr 2011 zu geben. Die Sänger geben dabei ihre Stimmen an Marionettenfiguren des Marionettentheaters Carlo Colla e Figli. Wie schon in Halle, musiziert die Lautten Compagney Berlin unter Wolfgang Katschner. Einen Eindruck dazu gewinnt man bei dieser Filmreportage: http://vimeo.com/26574249. Für eine von zwei Aufführungen kann man ebenfalls bereits Karten kaufen.
Das Badische Staatstheater hat beide Premieren in einer höheren Preiskategorie als sonst üblich angesetzt: für beide Vorstellungen sind die Karten teurer als bei Opernpremieren, aber günstiger als bei Gala-Abenden. Angesichts der geringen Aufführungsanzahl und des großen Aufwands, den man dafür betreibt, eine dennoch gerechtfertigte Preispolitik.
Hier der Link zum Internet-Vorverkauf:
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/programm/haendel-festspiele-2014/
PS: Liebes Badisches Staatstheater,
Radamisto sollte damals als DVD in einer SWR Produktion auf den Markt kommen. Leider geschah das nicht, aber bei Riccardo Primo könnte man das doch eventuell nachholen!?!
Montag, 11. Februar 2013
Händel Festspiele 2014
Das Badische Staatstheater kündigte heute an, aufgrund des großen Interesses den Vorverkauf für gewisse Veranstaltungen der Festspiele 2014 bereits im Verlauf der diesjährigen Festspiele zu beginnen.
Liebes Badisches Staatstheater,
wäre es nicht eine gute Idee, den Vorverkauf grundsätzlich erst mal nur für Abonnenten freizugeben und danach/später den freien Verkauf zu starten? Das wäre doch ein Mehrwert für treue Besucher und ein Anreiz, sich zukünftig ein Abo zu besorgen!
Nachtrag (13.02.13): Hier mehr zum Vorverkauf 2014 http://www.staatstheater.karlsruhe.de/aktuell/news_id/262/
Liebes Badisches Staatstheater,
wäre es nicht eine gute Idee, den Vorverkauf grundsätzlich erst mal nur für Abonnenten freizugeben und danach/später den freien Verkauf zu starten? Das wäre doch ein Mehrwert für treue Besucher und ein Anreiz, sich zukünftig ein Abo zu besorgen!
Nachtrag (13.02.13): Hier mehr zum Vorverkauf 2014 http://www.staatstheater.karlsruhe.de/aktuell/news_id/262/
Wagner - Tannhäuser, 10.02.2013
Seit der Premiere (mehr dazu hier) ist Tannhäuser ein sehr schöner und ständig mehr als ausverkaufter Erfolg für das Badische Staatstheater und auch die Presse hat sehr viel Positives darüber geschrieben. Den Satz, über den man sich in Karlsruhe vielleicht am meisten gefreut hat, lieferte die Frankfurter Rundschau: "Was würde ein derart interessanter, überragender Tannhäuser in Bayreuth erst für Furore machen!"
Gestern nun eine weitere Bestätigung, daß die Inszenierung kurzweilig und spannend ist, erst recht wenn man wie gestern hervorragende Sänger hat. Für Peter Seiffert ist Tannhäuser eine Paraderolle. Mit seinem klaren und beweglichen Tenor hinterließ er jederzeit den Eindruck, eine mustergültige Interpretation zu singen und der ideale Tannhäuser zu sein. Beeindruckend, wie er sich sogar noch im letzten Akt steigern konnte und eine großartige, intensive Rom-Erzählung sang. Die zahllosen begeisterten Bravo-Rufe für ihn waren verdient: Seifferts differenziertes und überlegtes Porträt setzte einen Maßstab, der nur schwer zu überbieten sein wird. Seifferts Ehefrau Petra Maria Schnitzer sang eine lyrische Elisabeth und in dieser Kombination kann man die beiden als Traumpaar für Tannhäuser bezeichnen. Schnitzer hatte in der Vergangenheit bereits beide Rollen als Venus und Elisabeth gesungen. Die bisherige Doppelbesetzung wurde gestern allerdings aufgegeben: Heidi Melton präsentierte sich als Venus so, wie man sie in Karlsruhe kennt: klangsinnlich und souverän. Erneut war es auch Armin Kolarczyk, der als Wolfram von Eschenbach seine Abendstern-Arie sensationell schön sang und auch beim Schlußapplaus entsprechend triumphierte.
Viel Applaus auch für den Knabensopran von Tom Volz, der mit seinem kleinen Auftritt alle aufhorchen ließ und sich nahtlos einpasste.
Musikalisch in jeder Hinsicht ein hochklassiger Abend
Regisseur Aron Stiehl inszeniert Tannhäuser als Künstlerdrama und rosalies ästehtisch-abstrakte Farbbühne unterstreicht diese Interpretation. Wagner baut die Spannung in seinen Opern durch entgegengesetzte Pole, die durch ihre widersprüchliche Charakteristik vielfältig deutbar sind. In der Karlsruher Produktion sind neben dem Gegensatz Gesellschaft / Künstler andere Gegensätze erkennbar, die aber nur angedeutet werden und keine Prägnanz gewinnen, bspw. Venusberg / Wartburg, Wartburgchor/ Pilgerchor, Venus / Elisabeth bzw. sinnliche Liebe / geistige Liebe, Erlösung / Verdammung. Der zottelige Pilgerchor kommt aus Rom genau so niedergeschlagen zurück, wie er bereits im ersten Akt aufbrach.
Daß das Publikum dieser Inszenierung so enthusiastisch zujubelt, scheint in der Kombination der Hör- und Seherlebnisse zu liegen. Die reduzierte inszenatorische Ausleuchtung der Konflikte scheint aber ebenfalls dazu beizutragen und hilft, den Tannhäuserstoff als etwas Interessantes zu sehen, fern von Sinnsünden, Reue, göttlicher Vergebung und Erlösungsdramatik. Tannhäuser wird nicht erlöst, er stirbt in Venus' Armen. Wolfram folgt darauf Venus und scheint der nächste zu sein, der sie sich als Muse wählt.
Gestern nun eine weitere Bestätigung, daß die Inszenierung kurzweilig und spannend ist, erst recht wenn man wie gestern hervorragende Sänger hat. Für Peter Seiffert ist Tannhäuser eine Paraderolle. Mit seinem klaren und beweglichen Tenor hinterließ er jederzeit den Eindruck, eine mustergültige Interpretation zu singen und der ideale Tannhäuser zu sein. Beeindruckend, wie er sich sogar noch im letzten Akt steigern konnte und eine großartige, intensive Rom-Erzählung sang. Die zahllosen begeisterten Bravo-Rufe für ihn waren verdient: Seifferts differenziertes und überlegtes Porträt setzte einen Maßstab, der nur schwer zu überbieten sein wird. Seifferts Ehefrau Petra Maria Schnitzer sang eine lyrische Elisabeth und in dieser Kombination kann man die beiden als Traumpaar für Tannhäuser bezeichnen. Schnitzer hatte in der Vergangenheit bereits beide Rollen als Venus und Elisabeth gesungen. Die bisherige Doppelbesetzung wurde gestern allerdings aufgegeben: Heidi Melton präsentierte sich als Venus so, wie man sie in Karlsruhe kennt: klangsinnlich und souverän. Erneut war es auch Armin Kolarczyk, der als Wolfram von Eschenbach seine Abendstern-Arie sensationell schön sang und auch beim Schlußapplaus entsprechend triumphierte.
Viel Applaus auch für den Knabensopran von Tom Volz, der mit seinem kleinen Auftritt alle aufhorchen ließ und sich nahtlos einpasste.
Musikalisch in jeder Hinsicht ein hochklassiger Abend
Regisseur Aron Stiehl inszeniert Tannhäuser als Künstlerdrama und rosalies ästehtisch-abstrakte Farbbühne unterstreicht diese Interpretation. Wagner baut die Spannung in seinen Opern durch entgegengesetzte Pole, die durch ihre widersprüchliche Charakteristik vielfältig deutbar sind. In der Karlsruher Produktion sind neben dem Gegensatz Gesellschaft / Künstler andere Gegensätze erkennbar, die aber nur angedeutet werden und keine Prägnanz gewinnen, bspw. Venusberg / Wartburg, Wartburgchor/ Pilgerchor, Venus / Elisabeth bzw. sinnliche Liebe / geistige Liebe, Erlösung / Verdammung. Der zottelige Pilgerchor kommt aus Rom genau so niedergeschlagen zurück, wie er bereits im ersten Akt aufbrach.
Daß das Publikum dieser Inszenierung so enthusiastisch zujubelt, scheint in der Kombination der Hör- und Seherlebnisse zu liegen. Die reduzierte inszenatorische Ausleuchtung der Konflikte scheint aber ebenfalls dazu beizutragen und hilft, den Tannhäuserstoff als etwas Interessantes zu sehen, fern von Sinnsünden, Reue, göttlicher Vergebung und Erlösungsdramatik. Tannhäuser wird nicht erlöst, er stirbt in Venus' Armen. Wolfram folgt darauf Venus und scheint der nächste zu sein, der sie sich als Muse wählt.
Mittwoch, 6. Februar 2013
Vorschau: Händel Festspiele 2014
Es gibt bereits eine Vorschau für 2014, die die Vorfreude jetzt schon schürt:
Riccardo Primo (Richard Löwenherz)
Oper von Georg Friedrich Händel HWV 23
In der Titelrolle Franco Fagioli
Dirigent Michael Hofstetter
Regie Benjamin Lazar
Inszenierung im Stil der Barockzeit mit Kerzenlicht
Premiere am 21.2.
Weitere Vorstellungen am 23., 24., 26. & 27.2.
Rinaldo
Oper von Georg Friedrich Händel HWV 7
Marionettentheater Carlo Colla & Figli Mailand
Lautten Compagney Berlin
Wolfgang Katschner Dirigent
Zauberoper mit prachtvollen Puppen und Dekorationen
Premiere am 1.3.
Weitere Vorstellungen am 2. & 3.3.
Athalia
Oratorium von Georg Friedrich Händel HWV 52
Konzertante Aufführung am 2.3.
Riccardo Primo (Richard Löwenherz)
Oper von Georg Friedrich Händel HWV 23
In der Titelrolle Franco Fagioli
Dirigent Michael Hofstetter
Regie Benjamin Lazar
Inszenierung im Stil der Barockzeit mit Kerzenlicht
Premiere am 21.2.
Weitere Vorstellungen am 23., 24., 26. & 27.2.
Rinaldo
Oper von Georg Friedrich Händel HWV 7
Marionettentheater Carlo Colla & Figli Mailand
Lautten Compagney Berlin
Wolfgang Katschner Dirigent
Zauberoper mit prachtvollen Puppen und Dekorationen
Premiere am 1.3.
Weitere Vorstellungen am 2. & 3.3.
Athalia
Oratorium von Georg Friedrich Händel HWV 52
Konzertante Aufführung am 2.3.
Dienstag, 5. Februar 2013
Händel Festspiele 2013
Das übergroße Interesse des letzten Jahres (hier mehr dazu) war noch ein Echo der erfolgreichen letzten Intendanz. In der letzten Spielzeit waren bereits alle Karten für Alessandro knapp drei Monate vorher verkauft. Man entschloss sich damals auch die Generalprobe für das Publikum zu öffnen - auch sie war ausverkauft.
Wieso dieser erstaunliche Zulauf? Verantwortlich für den großen Erfolg war nicht die Wahl der Oper, noch die Sänger oder das Inszenierungsteam, sondern einzig und allein die außergewöhnlichen und vom Publikum begeistert aufgenommenen Produktionen der Thorwald/Brux-Arä, die bei vielen Zuschauern die hohe Nachfrage und fast schon eine Zugriffspanik auslöste: spätestens nach Ariodante und Radamisto konnte man es sich einfach nicht erlauben, keine Karten für die neue Händel-Oper rechtzeitig zu ergattern - auch wenn Partenope 2011 bereits abfiel.
Alessandro enttäuschte nicht -wirklich gute Sänger, ein großartig aufspielendes Orchester, eine etwas zu langatmige Inszenierung-, aber es war doch kein Vergleich zu den vorherigen Erfolgen.
Dieses Jahr ist die Konsequenz zu bemerken: knapp 10 Tage vor Beginn ist noch gar nichts ausverkauft, aber doch vieles sehr gut besucht. Der Schwund ist auf sehr hohem Niveau. Aber man merkt, wie groß der Verdienst und der Erfolgsbeitrag von Achim Thorwald und Thomas Brux noch zum Erfolg der Festspiele 2012 war. Ohne sie hätte es den letztjährigen Zuschauerrekord nicht geben können.
Das diesjährige Programm ist verglichen zum Vorjahr unspektakulärer, aber durchaus auf dem Niveau der Vorjahre. Besondere Beachtung gilt der Neuinszenierung, mit der Festspielleiter Bernd Feuchtner wieder etwas sehr Spannendes präsentiert: ein Händel Oratorium kombiniert mit einer zeitgenössischen Oper, die den Stoff des Oratoriums aufnimmt und weiter verarbeitet: Händels The Triumph of Time and Truth und The Triumph of Beauty and Deceit von Gerald Barry. Das Badische Staatstheater verspricht: "Humor ist garantiert bei diesem ungewöhnlichen Händel-Projekt!". Das britische Inszenierungsteam Sam Brown und Annemarie Woods gewann alle Preise des Ring Award 2011, des wichtigsten Wettbewerbs für den Opernnachwuchs. Man kann also eine interessante und wahrscheinlich vor allem amüsante Produktion erwarten. Neues ist dabei auch musikalisch angesagt, und zwar aus englischsprachigen Ländern: Man wird zwei neue Countertenöre kennenlernen: William Purefoy und Iestyn Morris sowie drei weitere junge Sänger. Geleitet wird der Abend vom britischen Komponisten und Dirigenten Richard Baker (*1972).
Wie immer ist der Terminplan sehr gedrängt und besonders am 24.02 nicht optimal - da gibt es drei Konzerte zeitgleich und man macht sich ungeschickt gegenseitig Konkurrenz: das vierte Symphoniekonzert im Großen Haus (Dirigent Bruno Weil), das Oratorium Esther in der evangelischen Stadtkirche (dirigiert von Michael Hofstetter und mit Kirsten Blaise) sowie ein Klavierabend mit Claude Diallo im Kleinen Haus.
Am 15.02. geht es im Konzerthaus los, u.a. mit Händels Feuerwerkmusik. Hier befindet sich die komplette Programmübersicht:
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/programm/haendel-festspiele/
Und hier ist der Link zum Programm (als pdf-Datei, Größe: 4 MB) der diesjährigen Händel Festspiele.
NACHTRAG (06.02.13): das Badische Staatstheater hat sich freundlicherweise zu einer ungenauen Bemerkung in diesem Blog gemeldet. Folgende Aussage:
"Dieses Jahr ist die Konsequenz zu bemerken: knapp 10 Tage vor Beginn ist noch gar nichts ausverkauft, aber doch vieles sehr gut besucht. Der Schwund ist auf sehr hohem Niveau."
ist wie folgt zu detailieren:
Es ist Fakt, dass zum jetzigen Zeitpunkt trotz ungewöhnlichem Programm (Oratorium/ moderne Oper) bereits mehr Karten verkauft/ reserviert wurden als im Vorjahr (2012: 11.063 Karten, 2013: 11.876 Karten). Dass es für viele Veranstaltungen noch Karten gibt, liegt schlicht und ergreifend daran, dass in diesem Jahr mit 17.751 angebotenen Plätzen aufgrund der hohen Nachfrage weitaus mehr Kapazität geschaffen wurde als 2012 mit 14.743 angebotenen Plätzen.
Vielen Dank für den Hinweis. Mit meiner Bemerkung wollte ich primär darauf hinaus, daß keine der vier Vorstellungen des Doppelabends (Oratorium/Oper) bisher ausverkauft ist, während Alessandro in der letzten Spielzeit ein sehr viel größeres Interesse entgegengebracht wurde.
Wieso dieser erstaunliche Zulauf? Verantwortlich für den großen Erfolg war nicht die Wahl der Oper, noch die Sänger oder das Inszenierungsteam, sondern einzig und allein die außergewöhnlichen und vom Publikum begeistert aufgenommenen Produktionen der Thorwald/Brux-Arä, die bei vielen Zuschauern die hohe Nachfrage und fast schon eine Zugriffspanik auslöste: spätestens nach Ariodante und Radamisto konnte man es sich einfach nicht erlauben, keine Karten für die neue Händel-Oper rechtzeitig zu ergattern - auch wenn Partenope 2011 bereits abfiel.
Alessandro enttäuschte nicht -wirklich gute Sänger, ein großartig aufspielendes Orchester, eine etwas zu langatmige Inszenierung-, aber es war doch kein Vergleich zu den vorherigen Erfolgen.
Dieses Jahr ist die Konsequenz zu bemerken: knapp 10 Tage vor Beginn ist noch gar nichts ausverkauft, aber doch vieles sehr gut besucht. Der Schwund ist auf sehr hohem Niveau. Aber man merkt, wie groß der Verdienst und der Erfolgsbeitrag von Achim Thorwald und Thomas Brux noch zum Erfolg der Festspiele 2012 war. Ohne sie hätte es den letztjährigen Zuschauerrekord nicht geben können.
Das diesjährige Programm ist verglichen zum Vorjahr unspektakulärer, aber durchaus auf dem Niveau der Vorjahre. Besondere Beachtung gilt der Neuinszenierung, mit der Festspielleiter Bernd Feuchtner wieder etwas sehr Spannendes präsentiert: ein Händel Oratorium kombiniert mit einer zeitgenössischen Oper, die den Stoff des Oratoriums aufnimmt und weiter verarbeitet: Händels The Triumph of Time and Truth und The Triumph of Beauty and Deceit von Gerald Barry. Das Badische Staatstheater verspricht: "Humor ist garantiert bei diesem ungewöhnlichen Händel-Projekt!". Das britische Inszenierungsteam Sam Brown und Annemarie Woods gewann alle Preise des Ring Award 2011, des wichtigsten Wettbewerbs für den Opernnachwuchs. Man kann also eine interessante und wahrscheinlich vor allem amüsante Produktion erwarten. Neues ist dabei auch musikalisch angesagt, und zwar aus englischsprachigen Ländern: Man wird zwei neue Countertenöre kennenlernen: William Purefoy und Iestyn Morris sowie drei weitere junge Sänger. Geleitet wird der Abend vom britischen Komponisten und Dirigenten Richard Baker (*1972).
Wie immer ist der Terminplan sehr gedrängt und besonders am 24.02 nicht optimal - da gibt es drei Konzerte zeitgleich und man macht sich ungeschickt gegenseitig Konkurrenz: das vierte Symphoniekonzert im Großen Haus (Dirigent Bruno Weil), das Oratorium Esther in der evangelischen Stadtkirche (dirigiert von Michael Hofstetter und mit Kirsten Blaise) sowie ein Klavierabend mit Claude Diallo im Kleinen Haus.
Am 15.02. geht es im Konzerthaus los, u.a. mit Händels Feuerwerkmusik. Hier befindet sich die komplette Programmübersicht:
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/programm/haendel-festspiele/
Und hier ist der Link zum Programm (als pdf-Datei, Größe: 4 MB) der diesjährigen Händel Festspiele.
NACHTRAG (06.02.13): das Badische Staatstheater hat sich freundlicherweise zu einer ungenauen Bemerkung in diesem Blog gemeldet. Folgende Aussage:
"Dieses Jahr ist die Konsequenz zu bemerken: knapp 10 Tage vor Beginn ist noch gar nichts ausverkauft, aber doch vieles sehr gut besucht. Der Schwund ist auf sehr hohem Niveau."
ist wie folgt zu detailieren:
Es ist Fakt, dass zum jetzigen Zeitpunkt trotz ungewöhnlichem Programm (Oratorium/ moderne Oper) bereits mehr Karten verkauft/ reserviert wurden als im Vorjahr (2012: 11.063 Karten, 2013: 11.876 Karten). Dass es für viele Veranstaltungen noch Karten gibt, liegt schlicht und ergreifend daran, dass in diesem Jahr mit 17.751 angebotenen Plätzen aufgrund der hohen Nachfrage weitaus mehr Kapazität geschaffen wurde als 2012 mit 14.743 angebotenen Plätzen.
Vielen Dank für den Hinweis. Mit meiner Bemerkung wollte ich primär darauf hinaus, daß keine der vier Vorstellungen des Doppelabends (Oratorium/Oper) bisher ausverkauft ist, während Alessandro in der letzten Spielzeit ein sehr viel größeres Interesse entgegengebracht wurde.
Freitag, 1. Februar 2013
Spontini - La Vestale, 31.01.2013
Auch fünf Tage nach der Premiere (mehr dazu hier) bestätigen sich die Eindrücke des Wochenendes: dem Badischen Staatstheater gelingt eine weitere spannende musikalische Wiederentdeckung.
Regisseur Aron Stiehl entkleidet La Vestale seines antiken Handlungsgewands und betont, was nach der französischen Revolution bei der Uraufführung 1807 in Paris zwar antiklerikal gedacht war, aber nicht so deutlich wie in der Karlsruher Produktion gezeigt wurde: Aberglaube, Täuschung und die zynische Allianz von Kirche und Herrschaft. Bemerkenswert bei La Vestale ist die Bedeutungsverschiebung der nachrevolutionären Zeit: wo vor der französischen Revolution die Schuldfrage klar entschieden ist -Julia wäre ohne wenn und aber schuldig und ein göttliches Zeichen schickt das himmlische Verzeihen- ist bei Spontini der Zwang betont, der auf Julia ausgeübt wird. Nicht mehr Kirche und Staat sind im Recht, sondern deren Gesetzte zwingen die Figuren gegen ihren freien Willen in ein Korsett, gegen das sie rebellieren müssen, um ihre Liebe zu bekennen. Der Blitzeinschlag am Ende ist die Rechtfertigung eines Mentalitätswandels. In der Karlsruher Regie kommt es anders: Aron Stiehl erkannte, daß ein heutiges Publikum einen Blitzeinschlag als Lösung und Happy-End-Auslöser nicht ernst nehmen und dem Regisseur nicht abnehmen kann.
Der nachrevolutionäre Zeitgeist war so stark, daß auch die restaurative Reaktion aus Adel und Fürsten La Vestale nicht als Bedrohung sah und die Oper europaweit ihren Siegeszug antreten konnte. Das Badische Staatstheater analysierte bspw.: "Auch in Karlsruhe war die Oper sehr beliebt, wurde am Hoftheater von 1813 bis 1840, also über Jahrzehnte, jährlich gespielt." Zuletzt wurde sie 1872 in Karlsruhe gespielt bevor sie 140 Jahre lang aus der Erinnerung verschwand.
In La Vestale kann man das Bemühen um Prunk und Größe immer noch erkennen und die Oper steht damit nach Les Troyens zu Recht in der Spielplanreihe als große historische Oper auf dem Spielplan in Karlsruhe. Spontini ging es um Repräsentation und Wirkung - und ein wenig erscheint seine Oper heute mehr klassizistisch erstarrt als romantisch bewegt. Als Zuhörer interessiert man sich musikalisch nur für die Figur der Julia, die die meisten und interessantesten Arien hat. Licinius hingegen ist nur unzureichend charakterisiert, ohne Paradearie oder tiefe Empfindung. Ihre Liebe bleibt steril. Der Regisseur verzichtet folgerichtig auf zu große Nähe zwischen den beiden; auch im Liebesduett erfolgt fast keine Berührung.
Regisseur Aron Stiehl hatte bereits in seiner oft gelobten Karlsruher Tannhäuser-Inszenierung einen reduzierten Charakterisierungsansatz gewählt. Bei La Vestale erscheint die Personenführung immer wieder zu vorhersehbar und unspontan. Man kann sich darüber streiten, ob das nun reduziert oder zu schlicht ist. In beiden Fällen erlaubt diese Form der Inszenierung zumindest die Konzentration auf Sänger, Musik und Stimmungsfarben.
Die Höhepunkte der Oper befinden sich im 2. Akt: Julias Szenen gehören zu den emotionsreichsten und dramatisch expressivsten Momenten des Abends. Die Sopranistin Daniela Köhler, die im Februar die B-Premiere singen sollte, sprang bereits gestern für die erkrankte Barbara Dobrzanska ein. Köhler studierte an der Musikhochschule in Karlsruhe und war Mitglied des Karlsruher Opernstudios. Man konnte gespannt sein, wie sich die junge Sängerin in ihrer ersten Hauptrolle präsentiert - und sie hatte einen guten und vielversprechenden Auftritt und wird sich bei den kommenden Aufführungen noch steigern können.
Die Rolle des Licinius ist bei Andrea Shin bestens aufgehoben und ein wenig bedauert man, daß er nicht die Gelegenheit hat mehr kantable Arien zu singen, um die Schönheit seiner Stimme effektvoller in Szene zu setzen.
Konstantin Gorny als Pontifex schafft es durch seine starke Bühnenpräsenz und Stimme, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und seiner Figur einen Charakter zu geben. Ich kann mich nur wiederholen: Bravo! Es wird Zeit, daß man ihm mal wieder eine Oper und Inszenierung auf seine Stärken hin maßschneidert (z.B. als Heinrich VIII. in Donizettis Anna Bolena? Wer denkt nicht gerne zurück an Verdis Attila oder seinen Auftritt als Don Giovanni oder Boitos Mefistofele oder Méphistophèles in Gounods Faust).
Kataharine Tier ist ebenfalls ein klarer Gewinn: stimmgewaltig und dominant nimmt man ihr die Oberpriesterin jederzeit ab. An diesem Abend sang Klaus Schneider die Rolle des Cinna und es bleibt mir rätselhaft, wieso er nicht schon die Premiere sang.
Wie immer kann man sich auf Johannes Willig und die Badische Staatskapelle sowie den Chor verlassen, der in La Vestale eine tragende Rolle und viel Text hat und von Ulrich Wagner wieder sehr gut einstudiert ist.
Eine musikalisch spannende und in ihrer inszenatorischen Haltung intelligente und begrüßenswerte Produktion mit einer etwas zu statischen Regie, die dennoch nicht stört und den Stimmen den Vorrang lässt.
Regisseur Aron Stiehl entkleidet La Vestale seines antiken Handlungsgewands und betont, was nach der französischen Revolution bei der Uraufführung 1807 in Paris zwar antiklerikal gedacht war, aber nicht so deutlich wie in der Karlsruher Produktion gezeigt wurde: Aberglaube, Täuschung und die zynische Allianz von Kirche und Herrschaft. Bemerkenswert bei La Vestale ist die Bedeutungsverschiebung der nachrevolutionären Zeit: wo vor der französischen Revolution die Schuldfrage klar entschieden ist -Julia wäre ohne wenn und aber schuldig und ein göttliches Zeichen schickt das himmlische Verzeihen- ist bei Spontini der Zwang betont, der auf Julia ausgeübt wird. Nicht mehr Kirche und Staat sind im Recht, sondern deren Gesetzte zwingen die Figuren gegen ihren freien Willen in ein Korsett, gegen das sie rebellieren müssen, um ihre Liebe zu bekennen. Der Blitzeinschlag am Ende ist die Rechtfertigung eines Mentalitätswandels. In der Karlsruher Regie kommt es anders: Aron Stiehl erkannte, daß ein heutiges Publikum einen Blitzeinschlag als Lösung und Happy-End-Auslöser nicht ernst nehmen und dem Regisseur nicht abnehmen kann.
Der nachrevolutionäre Zeitgeist war so stark, daß auch die restaurative Reaktion aus Adel und Fürsten La Vestale nicht als Bedrohung sah und die Oper europaweit ihren Siegeszug antreten konnte. Das Badische Staatstheater analysierte bspw.: "Auch in Karlsruhe war die Oper sehr beliebt, wurde am Hoftheater von 1813 bis 1840, also über Jahrzehnte, jährlich gespielt." Zuletzt wurde sie 1872 in Karlsruhe gespielt bevor sie 140 Jahre lang aus der Erinnerung verschwand.
In La Vestale kann man das Bemühen um Prunk und Größe immer noch erkennen und die Oper steht damit nach Les Troyens zu Recht in der Spielplanreihe als große historische Oper auf dem Spielplan in Karlsruhe. Spontini ging es um Repräsentation und Wirkung - und ein wenig erscheint seine Oper heute mehr klassizistisch erstarrt als romantisch bewegt. Als Zuhörer interessiert man sich musikalisch nur für die Figur der Julia, die die meisten und interessantesten Arien hat. Licinius hingegen ist nur unzureichend charakterisiert, ohne Paradearie oder tiefe Empfindung. Ihre Liebe bleibt steril. Der Regisseur verzichtet folgerichtig auf zu große Nähe zwischen den beiden; auch im Liebesduett erfolgt fast keine Berührung.
Regisseur Aron Stiehl hatte bereits in seiner oft gelobten Karlsruher Tannhäuser-Inszenierung einen reduzierten Charakterisierungsansatz gewählt. Bei La Vestale erscheint die Personenführung immer wieder zu vorhersehbar und unspontan. Man kann sich darüber streiten, ob das nun reduziert oder zu schlicht ist. In beiden Fällen erlaubt diese Form der Inszenierung zumindest die Konzentration auf Sänger, Musik und Stimmungsfarben.
Die Höhepunkte der Oper befinden sich im 2. Akt: Julias Szenen gehören zu den emotionsreichsten und dramatisch expressivsten Momenten des Abends. Die Sopranistin Daniela Köhler, die im Februar die B-Premiere singen sollte, sprang bereits gestern für die erkrankte Barbara Dobrzanska ein. Köhler studierte an der Musikhochschule in Karlsruhe und war Mitglied des Karlsruher Opernstudios. Man konnte gespannt sein, wie sich die junge Sängerin in ihrer ersten Hauptrolle präsentiert - und sie hatte einen guten und vielversprechenden Auftritt und wird sich bei den kommenden Aufführungen noch steigern können.
Die Rolle des Licinius ist bei Andrea Shin bestens aufgehoben und ein wenig bedauert man, daß er nicht die Gelegenheit hat mehr kantable Arien zu singen, um die Schönheit seiner Stimme effektvoller in Szene zu setzen.
Konstantin Gorny als Pontifex schafft es durch seine starke Bühnenpräsenz und Stimme, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und seiner Figur einen Charakter zu geben. Ich kann mich nur wiederholen: Bravo! Es wird Zeit, daß man ihm mal wieder eine Oper und Inszenierung auf seine Stärken hin maßschneidert (z.B. als Heinrich VIII. in Donizettis Anna Bolena? Wer denkt nicht gerne zurück an Verdis Attila oder seinen Auftritt als Don Giovanni oder Boitos Mefistofele oder Méphistophèles in Gounods Faust).
Kataharine Tier ist ebenfalls ein klarer Gewinn: stimmgewaltig und dominant nimmt man ihr die Oberpriesterin jederzeit ab. An diesem Abend sang Klaus Schneider die Rolle des Cinna und es bleibt mir rätselhaft, wieso er nicht schon die Premiere sang.
Wie immer kann man sich auf Johannes Willig und die Badische Staatskapelle sowie den Chor verlassen, der in La Vestale eine tragende Rolle und viel Text hat und von Ulrich Wagner wieder sehr gut einstudiert ist.
Eine musikalisch spannende und in ihrer inszenatorischen Haltung intelligente und begrüßenswerte Produktion mit einer etwas zu statischen Regie, die dennoch nicht stört und den Stimmen den Vorrang lässt.
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