Romeo und Julia auf dem Dorfe ist in der Karlsruher Inszenierung ein sehr schöner Erfolg für das Badische Staatstheater. Letzte Spielzeit hatte Delius' Oper nach verhaltenem Start eine gute Besucherauslastung - ein Zeichen dafür, daß die Mund-zu-Mund-Werbung in Karlsruhe sehr gut funktioniert. Nur noch drei Termine sind in dieser Spielzeit angesetzt (Freitag, 02.11.12 / Donnerstag, 08.11.12 / Sonntag, 30.12.12), die alle nutzen sollten, um das Werk kennenzulernen oder noch mal zu hören.
Das besondere an Delius' Musik ist eine anschauend-impressionistische Haltung, die nicht durch Licht-und-Schatten Beleuchtung ihre dramatische Tiefe erhält, sondern zurückhaltend den Hörer einlädt und ihn nur selten überwältigen will. Der Gesang ist nicht stilisiert, sondern diskret und deklamierend. Es ist das menschliche Maß der Oper, das nicht vorrangig auf Effekte setzt und das traurige Ende nicht musikdramatisch überhöht, das dem Werk seinen noblen Charakter gibt. Delius geht mit Romeo und Julia auf dem Dorfe seinen eigenen, originellen und besonderen Weg, denn man dann erkennt, wenn man sich vorstellt, was die musikalischen Großdramatiker des späten 19. Jahrhunderts oder die Komponisten des Verismo aus ähnlichen Szenen gemacht haben.
Die gestrige Vorstellung bestätigte die bisherigen positiven Eindrücke. Ekaterina Isachenko war schon zuvor in der Rolle sehr positiv aufgefallen und ergänzt sich sängerisch und auf der Bühne sehr gut mit Carsten Süss. Süss ließ zwar eine Beeinträchtigung durch eine Erkältung ansagen, aber auch leicht geschwächt klingt er noch gut. Der schwarze Geiger -die profilierteste Figur der Oper- ist eine Milieugestalt und wird von den beiden in dieser Rolle alternierenden Sänger diametral interpretiert. Armin Kolarzcyk ist der helle Verführer, der dem Liebespaar einen Ausweg bietet, Gabriel Urrutia Benet, der gestern sang, ist mehr der dunkle Realist, der ihnen illusionslos eine Alternative vorschlägt.
Ein Erfolg für alle Beteiligten und eine sehr schöne Produktion. Die für Opern-Fans spannende Reihe der unbekannten Meisterwerke wird diese Spielzeit mit Benjamin Brittens beliebtester (und gar nicht so unbekannter) Oper Peter Grimes fortgesetzt. Mal schauen, was in den folgenden Jahren kommen wird.
Seit 1988 bin ich steter Besucher des Badischen Staatstheaters. Bei vielen Opern-, Theater-, Konzert- und Ballettvorstellungen im Jahr und Besuchen in anderen Städten verliert man schon mal den Überblick. Dieser Tagebuch-Blog dient mir seit der Spielzeit 2011/12 als elektronische Erinnerung. Bitte beachten Sie meine Intention: ich bin kein Journalist oder Kritiker, sondern schreibe hier lediglich persönliche Eindrücke, private Ansichten und Vermutungen für mich und Angehörige nieder.
Donnerstag, 25. Oktober 2012
Sonntag, 21. Oktober 2012
2. Symphoniekonzert, 21.10.2012
Das zweite Symphoniekonzert war aus verschiedenen Gründen etwas Besonderes: Es war ein historisches Konzert, das ein Programm wiederholte, welches Richard Strauss (der zwischen 1900 und 1924 mehrfach als Gast die Badische Hofkapelle leitete) im Mai 1908 selber in Karlsruhe dirigiert hatte. Und man muß zugeben, daß es auch heute noch lauter gern gehörte, wirkungsvolle Kompositionen enthält. Man kann sogar sagen, daß es aufgrund der Stückauswahl ein Höhepunkt der Konzertsaison ist, denn es sind lauter Kompositionen die transzendent-überhöhend oder verklärend sind oder sogar in Triumph und Freude enden.
Als Gastdirigent hatte man dafür Christof Prick engagiert, der von 1977 bis 1986 Generalmusikdirektor am Badischen Staatstheater war und immer noch einen hervorragenden Ruf beim Publikum genießt und in Karlsruhe in seiner Zeit sehr viel Strauss und Wagner, Mahler und Bruckner dirigierte. Heute sind noch zwölf Orchestermitglieder übrig, die ihn als GMD erlebt haben.
Die Rahmenbedingungen waren also überaus attraktiv und die Wirkung blieb nicht aus. Prick zeigte, was ihn in Karlsruhe so populär machte: es war ein fesselndes und begeisterndes Konzert.
Carl Maria von Webers Ouvertüre zu seiner letzten Oper Oberon, uraufgeführt 1826 in London, ist instrumental -wie die ganze Oper- der Versuch, daß mißratene Libretto musikalisch zu retten und stellt eine idealtypische Opernouvertüre dar, die den Geist des Werks zusammenfaßt. Eine schöne Geste des Dirigenten: er gönnte dem neuen Solo-Hornist Dominik Zinsstag einen Einzelapplaus. Danach folgte Musikmagie - der Karfreitagszauber aus Richard Wagners Parsifal wurde klangsinnlich und ruhig dargeboten. Danach ein berühmtes Werk von Richard Strauss: Tod und Verklärung beginnt mit den letzten Herzschlägen eines Sterbenden und endet mit der Apotheose - eine Tondichtung, deren Thema vom Komponisten eingängig und sinnfällig dargestellt wird. Orchester und Dirigent wurden mit viel Applaus vom Publikum in die Pause geschickt.
Über Ludwig van Beethovens fünfte Symphonie ist alles gesagt: vom unvergeßlichen Auftakt des bangen Klopfens bis zum überbordenden Finale - eine in c-moll beginnende Reise, die in triumphalen C-Dur endet. Christof Prick dirigierte sie bereits im März 1979 in Karlsruhe und die Neuauflage nach 33 Jahren ließ keine Alterserscheinungen erkennen. Es war eine mustergültige Interpretation, bei der man bedauern kann, daß davon keine Aufnahme gemacht wurde. Man könnte viele andere Einspielungen im CD-Schrank dafür entsorgen.
Die Badische Staatskapelle war in ausgezeichneter Form und Christof Prick dirigierte souverän mit klaren Ansagen und aus dem Gedächtnis, ohne Partitur und Pult.
Das Karlsruher Konzertpublikum weiß, was es zu hören gilt. Die Eintrittskarten für beide Konzerte waren schnell vergriffen. Ein sehr schönes Konzert am Sonntagmorgen, das sein zufriedenes und glückliches Publikum in einen zum Konzert klimatisch passenden 21. Oktober mit Sonnenschein und über 20 Grad Celsius entließ.
PS: Die von Strauss 1908 festgelegte Reihenfolge wurde modifiziert. Ursprünglich sah das Programm folgendermaßen aus:
Carl Maria von Weber Oberon-Ouvertüre
Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 5 c-Moll
-Pause-
Richard Wagner Karfreitagszauber
Richard Strauss Tod und Verklärung
Als Gastdirigent hatte man dafür Christof Prick engagiert, der von 1977 bis 1986 Generalmusikdirektor am Badischen Staatstheater war und immer noch einen hervorragenden Ruf beim Publikum genießt und in Karlsruhe in seiner Zeit sehr viel Strauss und Wagner, Mahler und Bruckner dirigierte. Heute sind noch zwölf Orchestermitglieder übrig, die ihn als GMD erlebt haben.
Die Rahmenbedingungen waren also überaus attraktiv und die Wirkung blieb nicht aus. Prick zeigte, was ihn in Karlsruhe so populär machte: es war ein fesselndes und begeisterndes Konzert.
Carl Maria von Webers Ouvertüre zu seiner letzten Oper Oberon, uraufgeführt 1826 in London, ist instrumental -wie die ganze Oper- der Versuch, daß mißratene Libretto musikalisch zu retten und stellt eine idealtypische Opernouvertüre dar, die den Geist des Werks zusammenfaßt. Eine schöne Geste des Dirigenten: er gönnte dem neuen Solo-Hornist Dominik Zinsstag einen Einzelapplaus. Danach folgte Musikmagie - der Karfreitagszauber aus Richard Wagners Parsifal wurde klangsinnlich und ruhig dargeboten. Danach ein berühmtes Werk von Richard Strauss: Tod und Verklärung beginnt mit den letzten Herzschlägen eines Sterbenden und endet mit der Apotheose - eine Tondichtung, deren Thema vom Komponisten eingängig und sinnfällig dargestellt wird. Orchester und Dirigent wurden mit viel Applaus vom Publikum in die Pause geschickt.
Über Ludwig van Beethovens fünfte Symphonie ist alles gesagt: vom unvergeßlichen Auftakt des bangen Klopfens bis zum überbordenden Finale - eine in c-moll beginnende Reise, die in triumphalen C-Dur endet. Christof Prick dirigierte sie bereits im März 1979 in Karlsruhe und die Neuauflage nach 33 Jahren ließ keine Alterserscheinungen erkennen. Es war eine mustergültige Interpretation, bei der man bedauern kann, daß davon keine Aufnahme gemacht wurde. Man könnte viele andere Einspielungen im CD-Schrank dafür entsorgen.
Die Badische Staatskapelle war in ausgezeichneter Form und Christof Prick dirigierte souverän mit klaren Ansagen und aus dem Gedächtnis, ohne Partitur und Pult.
Das Karlsruher Konzertpublikum weiß, was es zu hören gilt. Die Eintrittskarten für beide Konzerte waren schnell vergriffen. Ein sehr schönes Konzert am Sonntagmorgen, das sein zufriedenes und glückliches Publikum in einen zum Konzert klimatisch passenden 21. Oktober mit Sonnenschein und über 20 Grad Celsius entließ.
PS: Die von Strauss 1908 festgelegte Reihenfolge wurde modifiziert. Ursprünglich sah das Programm folgendermaßen aus:
Carl Maria von Weber Oberon-Ouvertüre
Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 5 c-Moll
-Pause-
Richard Wagner Karfreitagszauber
Richard Strauss Tod und Verklärung
Tschechow - Die Möwe, 20.10.2012
Leider vorab eine Warnung: Die Möwe ist eine von jenen überflüssigen Inszenierungen, auf die man als Zuschauer rückblickend lieber verzichtet hätte. Theater zum Abgewöhnen. Als regelmäßiger Schauspiel-Besucher (und auch als Tschechow-Leser) blutet einem bei dieser Produktion das Herz. Es gibt so viele schwache und misslungene Momente, Szenen, die bis an die Grenze erträglicher Langeweile zerdehnt sind, sinnschwache Einfälle und altmodische Humor-Versuche, daß man bei den vielen Unzulänglichkeiten kaum weiß, wo man rekapitulierend beginnen soll.
Mittwoch, 17. Oktober 2012
Händel Festspiele 2013
Heute wurde das Programm der Händel Festpiele 2013 veröffentlicht und ein wenig enttäuscht darf man sein. Im Vergleich zu 2012 fehlen die großen Höhepunkte und man frägt sich, wieso Lawrence Zazzo sein Konzert nicht nächstes Jahr hätte geben können; Bei den Händel Festspielen 2012 konkurrierte er mit dem spektakulären Konzert mit 4 Countertenören und hatte dadurch deutlich weniger Zuschauer als diese. Nächstes Jahr steht nichts Vergleichbares auf dem Programm und der Zuschauerrekord wird damit nicht in Gefahr gebracht.
Dazu kommt, daß am 25.02.2013 zeitgleich das 4. Symphoniekonzert mit dem Dirigenten Bruno Weil und das Oratorium Esther mit der großartigen Kirsten Blaise und Dirigent Michael Hofstetter aufgeführt werden. Als Konzertabonnent hat man also die Qual der (Verzichts-)Wahl. Außerdem wird parallel auch noch der Jazzabend der Internationalen Händel-Akademie mit Claude Diallo am Klavier stattfinden. Eine sehr ungeschickte Termin-Festsetzung dreier Konzerte.
Ebenso vermisst man beispielsweise ein Gastspiel einer Barockoper, wie es in der Vergangenheit verschiedene Beispiele gab.
Hier der Link zum Programm als pdf-Datei auf der Internetseite des Badischen Staatstheaters.
Dazu kommt, daß am 25.02.2013 zeitgleich das 4. Symphoniekonzert mit dem Dirigenten Bruno Weil und das Oratorium Esther mit der großartigen Kirsten Blaise und Dirigent Michael Hofstetter aufgeführt werden. Als Konzertabonnent hat man also die Qual der (Verzichts-)Wahl. Außerdem wird parallel auch noch der Jazzabend der Internationalen Händel-Akademie mit Claude Diallo am Klavier stattfinden. Eine sehr ungeschickte Termin-Festsetzung dreier Konzerte.
Ebenso vermisst man beispielsweise ein Gastspiel einer Barockoper, wie es in der Vergangenheit verschiedene Beispiele gab.
Hier der Link zum Programm als pdf-Datei auf der Internetseite des Badischen Staatstheaters.
Samstag, 13. Oktober 2012
Stuttgarter Ballett: John Cranko - Onegin, 12.10.2012
Am 17.11.2012 erfolgt am Badischen Staatstheater die Wiederaufnahme des Balletts Giselle. Die Choreographie von Peter Wright erlebte ihre Uraufführung 1965 - einem großen Jahr für das Stuttgarter Ballett, denn auch Onegin, choreographiert und inszeniert von John Cranko, erlebte in diesem Jahr an gleicher Stelle seine Premiere. Giselle und Onegin sind beide inzwischen Klassiker des Handlungsballetts. Fünf Wochen vor der Wiederaufnahmenpremiere von Giselle am Badischen Staatstheater gab es gestern die Rückkehr von Onegin am Württenbergischen Staatstheater. Das Stuttgarter und Karlsruher Ballett ergänzen sich mit diesen Wiederaufnahmen also auf sinnvolle Weise - Grund genug für einen Blick über die badische Landesgrenze und einen Besuch bei unseren Nachbarn im Osten.
Die Karlsruher Ballettdirektorin Birgit Keil tanzte in Stuttgart in beiden Balletten die Hauptrollen: als Königin der Willis und Giselle im Jahr 1966; als Olga in Onegin 1970 und in der Hauptrolle als Tatjana 1974 (zuerst mit Jan Stripling in der Titelrolle als Onegin, später auch mit Vladimir Klos). Beiden -Onegin und Giselle- merkt man ihre enstehungsgeschichtliche Zeitgenossenschaft an: Ambiente, Ausdruck, Ausstattung, Kostüme, Stil - eine gewisse Verwandschaft lässt sich trotz unterschiedlicher Choreographen und Themen nicht verleugnen. Beide haben auch durchaus Schwächen, die man aber erst heute bemerkt: es gibt angestaubte und gelegentlich auch etwas altmodisch wirkende Momente bei den folkloristisch gehaltenen Gruppen- und Festszenen. Dennoch funktionieren beide Choreographien weiterhin, denn sie erzählen ihre Geschichte klar, deutlich und geradlinig, mit viel emotionaler Teilnahme und Spannung für das Publikum.
Das von John Cranko nach Alexander Puschkins Versroman in drei Akten konzipierte Ballett ist durch seine anspruchsvollen, leidenschaftlichen und dramatischen Pas de deux berühmt. Dazu kommen viele sehr gute Bühneneinfälle: z.B. die Briefszene Tatjanas, die hier als Traumszenenfolge gelöst ist, das durch Schattenspiel dargestellte Duell zwischen Lenski und Onegin oder der unter umgekehrten Vorzeichen stattfindende abschließende Pas de deux zwischen Onegin und Tatjana. Das Stuttgarter Ballett glänzte gestern durch seine großartigen Solisten und durch die dichte Homogenität der Tänzer.
Die Musik zu Onegin stammt nicht aus der gleichnamiger Oper, sondern aus eher unbekannten Werken und Klavierkompositionen Tschaikowskys, die von Kurt-Heinz Stolze für Orchester arrangiert wurden. Das Staatsorchester Stuttgart unter James Tuggle spielte mit sattem Wohlklang.
Fazit: Das Stuttgarter Ballett ist immer eine Reise wert und speziell Onegin weckt die Vorfreude auf Giselle am Badischen Staatstheater.
PS: Liebes Badisches Staatstheater, jahrzehntelang gab es in Karlsruhe eine monatliche Theaterzeitschrift, mit der man als Zuschauer und Interessent gut informiert war. Seit letztem Jahr wurde diese leider durch eine informationsarme und wenig interessante Publikation ersetzt, die sogar nur alle drei Monate erscheint. Ein trauriger Einschnitt. Vergleicht man aber die ebenfalls nur im Dreimonatsrhythmus erscheinende Stuttgarter Theaterzeitung, hat man guten Grund von der Publikation des Badischen Staatstheaters enttäuscht zu sein: ungleich mehr an gut verpackter Information und spannender Berichte ist dort zu finden. Nehmt euch doch mal daran ein Beispiel und erhöht wieder die Publikationsfrequenz.
Die Karlsruher Ballettdirektorin Birgit Keil tanzte in Stuttgart in beiden Balletten die Hauptrollen: als Königin der Willis und Giselle im Jahr 1966; als Olga in Onegin 1970 und in der Hauptrolle als Tatjana 1974 (zuerst mit Jan Stripling in der Titelrolle als Onegin, später auch mit Vladimir Klos). Beiden -Onegin und Giselle- merkt man ihre enstehungsgeschichtliche Zeitgenossenschaft an: Ambiente, Ausdruck, Ausstattung, Kostüme, Stil - eine gewisse Verwandschaft lässt sich trotz unterschiedlicher Choreographen und Themen nicht verleugnen. Beide haben auch durchaus Schwächen, die man aber erst heute bemerkt: es gibt angestaubte und gelegentlich auch etwas altmodisch wirkende Momente bei den folkloristisch gehaltenen Gruppen- und Festszenen. Dennoch funktionieren beide Choreographien weiterhin, denn sie erzählen ihre Geschichte klar, deutlich und geradlinig, mit viel emotionaler Teilnahme und Spannung für das Publikum.
Das von John Cranko nach Alexander Puschkins Versroman in drei Akten konzipierte Ballett ist durch seine anspruchsvollen, leidenschaftlichen und dramatischen Pas de deux berühmt. Dazu kommen viele sehr gute Bühneneinfälle: z.B. die Briefszene Tatjanas, die hier als Traumszenenfolge gelöst ist, das durch Schattenspiel dargestellte Duell zwischen Lenski und Onegin oder der unter umgekehrten Vorzeichen stattfindende abschließende Pas de deux zwischen Onegin und Tatjana. Das Stuttgarter Ballett glänzte gestern durch seine großartigen Solisten und durch die dichte Homogenität der Tänzer.
Die Musik zu Onegin stammt nicht aus der gleichnamiger Oper, sondern aus eher unbekannten Werken und Klavierkompositionen Tschaikowskys, die von Kurt-Heinz Stolze für Orchester arrangiert wurden. Das Staatsorchester Stuttgart unter James Tuggle spielte mit sattem Wohlklang.
Fazit: Das Stuttgarter Ballett ist immer eine Reise wert und speziell Onegin weckt die Vorfreude auf Giselle am Badischen Staatstheater.
PS: Liebes Badisches Staatstheater, jahrzehntelang gab es in Karlsruhe eine monatliche Theaterzeitschrift, mit der man als Zuschauer und Interessent gut informiert war. Seit letztem Jahr wurde diese leider durch eine informationsarme und wenig interessante Publikation ersetzt, die sogar nur alle drei Monate erscheint. Ein trauriger Einschnitt. Vergleicht man aber die ebenfalls nur im Dreimonatsrhythmus erscheinende Stuttgarter Theaterzeitung, hat man guten Grund von der Publikation des Badischen Staatstheaters enttäuscht zu sein: ungleich mehr an gut verpackter Information und spannender Berichte ist dort zu finden. Nehmt euch doch mal daran ein Beispiel und erhöht wieder die Publikationsfrequenz.
Montag, 8. Oktober 2012
Wagner - Tannhäuser, 07.10.2012
Nach dem inszenatorisch stark kritisierten Lohengrin war eine große (An-)Spannung vor dem neuen Tannhäuser bei Publikum und Theatermitarbeitern am Premierensonntag im ausverkauften Großen Haus spürbar. Tannhäuser wurde gestern ein großer Erfolg für das Badische Staatstheater: alle Beteiligten wurden vom Publikum einhellig bejubelt.
Donnerstag, 4. Oktober 2012
Richter - My Secret Garden, 03.10.2012
Das Erlebnis des gestrigen Abends war nicht My Secret Garden, sondern Timo Tank. Der Schauspieler gestaltete und dominierte auf großartige Weise einen Text, dem man nur ein beschränktes Haltbarkeitsdatum attestieren kann und der nur durch die faszinierende Schauspielkunst Tanks lebendig wurde.
Worum gehts es?
Nach dem Musical Alice startete gestern nun auch das Schauspiel auf der Studio-Bühne in die neue Saison. Ausgesucht hatte man sich eine deutschsprachige Erstaufführung: My Secret Garden des deutschen Bühnenautors Falk Richter (Jahrgang 1969) hatte seine Uraufführung in französischer Sprache beim Festival d’Avignon 2010. Laut Staatstheater ist der Text eine Reise in eine bundesrepublikanische Biografie: "Ein Mann um die vierzig, ein Schriftsteller, nachts in einem Hotelzimmer: Während sein Vater im Krankenhaus mit dem Sterben ringt, lässt der Autor sein eigenes Leben Revue passieren." Dieser Mann um die vierzig scheint der Autor selber zu sein; er spricht sich selber mit dem Vornamen Falk an. My Secret Garden besteht aus Reflexionen und Erinnerungen - den Innenansichten eines Autors.
Autofiktion?
Richter bezeichnet My Secret Garden als Autofiktion, eine Mischung aus Autobiographie mit erfundenen Bestandteilen oder eine Erfindung mit autobiographischem Anteil. Eine Mischung mit vorläufig unklarem Verhältnis. Die Autofiktion erscheint als eine Zweckform. Die autobiographische Selbstthematisierung ist immer auch eine Selbstuntersuchung: eine Therapieform, bei der man sich selber kennenlernt, sich eigene Unzulänglichkeiten von der Seele schreibt und gleichzeitig in die Zukunft blickt und den großen Bogen über ein Leben spannt. Verschleiert wird sie hier durch fiktive Elemente. Auf der Bühne wird für die erzählende Figur ein desaströses Lebengefühl diagnostiziert: ohne richtige soziale Kontakte, einsam, um Anerkennung als Autor ringend und voller Sinnlosigkeitsgefühle. Eine Entwicklungsgeschichte ohne geglückte Emanzipation. Die Schwäche des Textes besteht darin, daß er nicht konsequent zu Ende geschrieben ist. Etwas Unaufrichtiges, nicht Zuendeoffenbartes, Erfundenes lässt die schonungslose Offenheit vermissen, die nötig gewesen wäre, um My Secret Garden also große Innenanalyse gelten zu lassen. In Karlsruhe ist die Wirkung des Textes keine stoffliche, sondern wird durch die Form des Erzählens erzielt: die Geschichte interessiert aufgrund der schauspielerischen Darstellung.
Was wird gezeigt?
My Secret Garden ist zweigeteilt und beginnt als Monolog. In den ersten 50 Minuten blickt der von Timo Tank gespielte Erzähler zurück auf seine Kindheit und Jugend. Als Wunschbild stilisiert sich Tank in der ersten Szene: cool, selbstbewußt und lässig tanzt er auf der Bühne, doch die Fassade bröckelt schnell. Das beengende, spießige Milieu der Eltern in der norddeutschen Provinz, das von Lieblosigkeit und Enge gekennzeichnet war, ließ kein selbstbewußtes Ich entstehen, sondern eines, das von vitalen Unfähigkeiten und stumpfen Verstimmungen geprägt ist. Die Vergangenheitsinstrumenalisierung wird aber auch zur Relativierung eigener Defizite genutzt. Im zweiten Teil, der den Autor und Künstler in den Mittelpunkt stellt und durch Dauerzweifel am eigenen Handeln und Bitterkeit gekennzeichnet ist, ergänzen zwei weitere Schauspieler das Ich des Erzählers. Dieser Abschnitt kann die Dichte des Beginns nicht halten und ist etwas schwächer. Die drei Schauspieler -Simon Bauer, Benjamin Berger, Timo Tank- tragen eng anliegende silbern-glänzende Kostüme, die an Ballett-Tänzer erinnern. Kostüme, die nichts verbergen, aber auch das Inauthentische des Autofiktion-Konzepts zeigen.
Fazit: Als Schauspiel-Fan darf man Timo Tank nicht verpassen! In seinem Monolog gibt es keinen langweiligen Moment, jeder Satz lebt und atmet. Sein grandioser Auftritt bietet die kurzweiligsten und spannendsten 50 Minten seit langem. Insgesamt 90 schauspielerisch lohnenswerte Minuten.
Schauspieler: Timo Tank, Simon Bauer, Benjamin Berger
Regie: Pedro Martins Beja
Bühne und Kostüme: Christine von Bernstein
Musik: Jörg Follert
Worum gehts es?
Nach dem Musical Alice startete gestern nun auch das Schauspiel auf der Studio-Bühne in die neue Saison. Ausgesucht hatte man sich eine deutschsprachige Erstaufführung: My Secret Garden des deutschen Bühnenautors Falk Richter (Jahrgang 1969) hatte seine Uraufführung in französischer Sprache beim Festival d’Avignon 2010. Laut Staatstheater ist der Text eine Reise in eine bundesrepublikanische Biografie: "Ein Mann um die vierzig, ein Schriftsteller, nachts in einem Hotelzimmer: Während sein Vater im Krankenhaus mit dem Sterben ringt, lässt der Autor sein eigenes Leben Revue passieren." Dieser Mann um die vierzig scheint der Autor selber zu sein; er spricht sich selber mit dem Vornamen Falk an. My Secret Garden besteht aus Reflexionen und Erinnerungen - den Innenansichten eines Autors.
Autofiktion?
Richter bezeichnet My Secret Garden als Autofiktion, eine Mischung aus Autobiographie mit erfundenen Bestandteilen oder eine Erfindung mit autobiographischem Anteil. Eine Mischung mit vorläufig unklarem Verhältnis. Die Autofiktion erscheint als eine Zweckform. Die autobiographische Selbstthematisierung ist immer auch eine Selbstuntersuchung: eine Therapieform, bei der man sich selber kennenlernt, sich eigene Unzulänglichkeiten von der Seele schreibt und gleichzeitig in die Zukunft blickt und den großen Bogen über ein Leben spannt. Verschleiert wird sie hier durch fiktive Elemente. Auf der Bühne wird für die erzählende Figur ein desaströses Lebengefühl diagnostiziert: ohne richtige soziale Kontakte, einsam, um Anerkennung als Autor ringend und voller Sinnlosigkeitsgefühle. Eine Entwicklungsgeschichte ohne geglückte Emanzipation. Die Schwäche des Textes besteht darin, daß er nicht konsequent zu Ende geschrieben ist. Etwas Unaufrichtiges, nicht Zuendeoffenbartes, Erfundenes lässt die schonungslose Offenheit vermissen, die nötig gewesen wäre, um My Secret Garden also große Innenanalyse gelten zu lassen. In Karlsruhe ist die Wirkung des Textes keine stoffliche, sondern wird durch die Form des Erzählens erzielt: die Geschichte interessiert aufgrund der schauspielerischen Darstellung.
Was wird gezeigt?
My Secret Garden ist zweigeteilt und beginnt als Monolog. In den ersten 50 Minuten blickt der von Timo Tank gespielte Erzähler zurück auf seine Kindheit und Jugend. Als Wunschbild stilisiert sich Tank in der ersten Szene: cool, selbstbewußt und lässig tanzt er auf der Bühne, doch die Fassade bröckelt schnell. Das beengende, spießige Milieu der Eltern in der norddeutschen Provinz, das von Lieblosigkeit und Enge gekennzeichnet war, ließ kein selbstbewußtes Ich entstehen, sondern eines, das von vitalen Unfähigkeiten und stumpfen Verstimmungen geprägt ist. Die Vergangenheitsinstrumenalisierung wird aber auch zur Relativierung eigener Defizite genutzt. Im zweiten Teil, der den Autor und Künstler in den Mittelpunkt stellt und durch Dauerzweifel am eigenen Handeln und Bitterkeit gekennzeichnet ist, ergänzen zwei weitere Schauspieler das Ich des Erzählers. Dieser Abschnitt kann die Dichte des Beginns nicht halten und ist etwas schwächer. Die drei Schauspieler -Simon Bauer, Benjamin Berger, Timo Tank- tragen eng anliegende silbern-glänzende Kostüme, die an Ballett-Tänzer erinnern. Kostüme, die nichts verbergen, aber auch das Inauthentische des Autofiktion-Konzepts zeigen.
Fazit: Als Schauspiel-Fan darf man Timo Tank nicht verpassen! In seinem Monolog gibt es keinen langweiligen Moment, jeder Satz lebt und atmet. Sein grandioser Auftritt bietet die kurzweiligsten und spannendsten 50 Minten seit langem. Insgesamt 90 schauspielerisch lohnenswerte Minuten.
Schauspieler: Timo Tank, Simon Bauer, Benjamin Berger
Regie: Pedro Martins Beja
Bühne und Kostüme: Christine von Bernstein
Musik: Jörg Follert
Freitag, 28. September 2012
Tom Waits - Alice, 27.09.2012
Die erste Premiere der neuen Saison gehörte dem Schauspiel-Musical,
der inoffiziellen Sparte, die in den letzten Jahren mit Werken wie Dylan, Big Money und Cabaret sehr großen Zuschauerzuspruch erlebte und sich immer mehr ins Zentrum der Publikumsaufmerksamkeit bewegt. Nach The Black Rider (1996) und Woyzeck (2009) ist Alice die dritte Tom Waits / Robert Wilson Produktion des Badischen Staatstheaters und hinterließ gestern einen schwächeren Eindruck als seine beiden Vorgänger.
Worum geht es?
Um Lewis Carrolls (1832-1898) Kinderbuchklassiker Alice im Wunderland. Diese Buch hat eine Beigeschichte: Alice hatte eine reale Inspiration - Alice Liddell (1852-1934). Carroll erzählte dem Mädchen und ihren Schwestern oft phantastische Geschichten. Eines Tages bat die zehnjährige Alice, Carroll möge doch seine Erzählungen aufschreiben. Das Ur-Manuskript bekam Alice geschenkt, das daraus entstandene Kinderbuch wurde zum Klassiker. Doch es gibt auch eine scheinbar dunkle Seite: Carroll fotografierte Alice vielfach und in verschiedenen Kostümen. Daraus wurde in nach-Freud'schen Zeiten eine Besessenheit für das kleine Mädchen abgeleitet und über Carrolls Charakter und Absichten spekuliert. Carroll war einer der ersten Amateur-Fotografen. Seine Bilder von Alice entstanden um 1860 und seine Leidenschaft könnte eher dem neuen technischen Medium als unterdrückten Wünschen und Obsessionen geschuldet sein. Hier ist also ein weites Feld der groben Spekulation, in dem sich auch dieses Stück peripher bewegt. Alice präsentiert in freier, nicht chronologischer Reihenfolge Buch-Szenen und Ausschnitte und kombiniert sie mit der Welt des Autors und seiner Muse. Dabei entstand eine im Vergleich zu The Black Rider und Woyzeck sehr handlungsschwache Geschichte ohne große Spannungsbögen.
Was ist zu hören?
Waits hatte im zeitgleich entstandenen Woyzeck einen herben und grölenden Tonfall eingeschlagen, Alice besteht hingegen hauptsächlich aus Balladen unterschiedlichster Stimmung. „Kinderlieder für Erwachsene und umgekehrt“, so Waits über seine Songs. Eine eher traurige und ruhige Musik mit starken Kontrasten über Außenseiter und Seltsamkeiten. Clemens Rynkowski hat die Songs für Karlsruhe wunderbar neu arrangiert: eine sechsköpfige Band spielt insgesamt zweiundzwanzig Instrumente. Musikalisch ist Alice atmosphärisch passend umgesetzt. Wem Woyzeck und Black Rider gefiel, der sollte auch von Alice nicht enttäuscht sein.
Leider ist die Textwiedergabe der englischen Songs urheberrechtlich untersagt: sie sind weder im Beiheft zu finden noch als übersetzte Übertitel eingeblendet. Nicht jeder Schauspieler ist auch ein guter Sänger - in dieser Produktion wird das leider gelegentlich deutlich und auch die Verständlichkeit der englischen Song-Texte ist nicht für jeden gegeben. Dadurch entsteht im Verlauf des Abends schnell ein atmosphärischer Druckabfall und Dimensionsverlust, da die direkte Verbindung der Musiktexte zur Geschichte nicht sichergestellt wird. Man bewegt sich episodisch von Song zu Song, bei denen man oft nur spekulieren kann, wie sie zum Stück in Beziehung stehen.
Was ist zu sehen?
Alice ist eine sehr schöne und phantasievolle Produktion, bei der aber aus obigen Gründen die Verknüpfung von Text und Gesang nicht gelingt und aufgrund der zusammenhanglosen Szenen der Funken nur sehr selten aufs Publikum überspringt. Es ergibt sich keine klare Stimmung: Alice ist weder spannend oder dämonisch noch witzig oder traurig; die Szenen plätschern vor sich hin und verdichten sich nur selten. Schauspielerisch ergeben sich bei Regisseur Daniel Pfluger nur wenig Gelegenheiten zu glänzen. Es ist eine gute Ensembleleistung, bei der gestern Hannes Fischer und Robert Besta am stärksten in Erinnerung blieben.
Bühnenbildner Flurin Borg Madsen stand vor der Aufgabe, den Spagat zwischen Obsessionen und Spiel, Traurigkeit und Phantasie, Erinnerung und Gegenwart zu halten, also den doppelten Boden der surrealen Welt darzustellen und hat dies mit einer sich stetig, von Szene zu Szene ändernder Bühne sehr phantasievoll gelöst. Es macht immer wieder Spaß zuzuschauen. Janine Werthmann hat dazu sehr schöne und aufwändige Kostüme entworfen, die viktorianische Elemente mit anderen Stilrichtungen kombiniert und die Phantasiefiguren liebevoll in Szene setzt.
Fazit: Bedingt empfehlenswert - gepflegte Langeweile, der man aber gerne zuschaut. Alice zeigt, daß das Ganze weniger als die Summe seiner Teile sein kann. Man hat deutlich den Eindruck, daß vieles gut gemacht ist. Das Badische Staatstheater hat sich viel Mühe gegeben, um eine aufwändige, sehenswerte Umsetzung auf die Bühne zu bringen. Alice ist vor allem Unterhaltung und bietet keine tiefgehende Interpretationsmöglichkeit. Es ist ein Spiel der Phantasie, Skurrilität und Ambivalenz - eine inszenatorische Äquivalenz zum literarischen Fantasy-Genre - konzipiert als ein Theaterabenteuer. Doch durch die dünne Rahmenhandlung ergibt sich kein richtiger Spannungsbogen.
PS(1): Das von Dramaturgin Nina Steinhilber informationsreich, interessant und sehr gut zusammengestellte Programmheft lohnt sich, auch zur Orientierung vorab für die Besucher, die mit Lewis Carroll und seinem Kinderbuch Alice wenig Berührung hatten. Es ist als pdf-Datei im Internet hier abrufbar.
PS(2): Es waren viele Theatermitarbeiter und deren Angehörige bei der Premiere. Es wäre interessant zu wissen, wie das Verhältnis dieser zu normalen Zuschauern war. Neben einem Heer von Dramaturgen mit Namensschildern konnte man u.a. folgende Schauspieler und Opernsängern sehen: Ute Baggeröhr, Simon Bauer, Benjamin Berger, Cornelia Gröschel, Florian Hertweck, Sarah A. Hudarew, Sophia Löffler, Heidi Melton, Rebecca Raffell, Jonas Riemer, Lisa Schlegel, Timo Tank, Katharine Tier, G. Urrutia Benet, Stefan Viering, Frank Wiegard, ....
BESETZUNG und TEAM:
REGIE Daniel Pfluger
MUSIKALISCHE LEITUNG & ARRANGEMENTS Clemens Rynkowski
BÜHNE Flurin Borg Madsen
KOSTÜME Janine Werthmann
Klavier, Harmonium, Celesta, Theremin: Clemens Rynkowski
Percussion, Drumset, Schlagwerk: Jakob Dinkelacker
Waldhorn, Trompete, Marimba, Vibra-Phon, Bass, Gitarre, Klavier, Saz, Windmaschine: Florian Rynkowski
Posaune, Sousaphon, Tuba: Jochen Welsch
Bassklarinette, Saxophon, Piccolo, Querflöte: Sven Pudil
Bratsche: Agata Zieba
Worum geht es?
Um Lewis Carrolls (1832-1898) Kinderbuchklassiker Alice im Wunderland. Diese Buch hat eine Beigeschichte: Alice hatte eine reale Inspiration - Alice Liddell (1852-1934). Carroll erzählte dem Mädchen und ihren Schwestern oft phantastische Geschichten. Eines Tages bat die zehnjährige Alice, Carroll möge doch seine Erzählungen aufschreiben. Das Ur-Manuskript bekam Alice geschenkt, das daraus entstandene Kinderbuch wurde zum Klassiker. Doch es gibt auch eine scheinbar dunkle Seite: Carroll fotografierte Alice vielfach und in verschiedenen Kostümen. Daraus wurde in nach-Freud'schen Zeiten eine Besessenheit für das kleine Mädchen abgeleitet und über Carrolls Charakter und Absichten spekuliert. Carroll war einer der ersten Amateur-Fotografen. Seine Bilder von Alice entstanden um 1860 und seine Leidenschaft könnte eher dem neuen technischen Medium als unterdrückten Wünschen und Obsessionen geschuldet sein. Hier ist also ein weites Feld der groben Spekulation, in dem sich auch dieses Stück peripher bewegt. Alice präsentiert in freier, nicht chronologischer Reihenfolge Buch-Szenen und Ausschnitte und kombiniert sie mit der Welt des Autors und seiner Muse. Dabei entstand eine im Vergleich zu The Black Rider und Woyzeck sehr handlungsschwache Geschichte ohne große Spannungsbögen.
Was ist zu hören?
Waits hatte im zeitgleich entstandenen Woyzeck einen herben und grölenden Tonfall eingeschlagen, Alice besteht hingegen hauptsächlich aus Balladen unterschiedlichster Stimmung. „Kinderlieder für Erwachsene und umgekehrt“, so Waits über seine Songs. Eine eher traurige und ruhige Musik mit starken Kontrasten über Außenseiter und Seltsamkeiten. Clemens Rynkowski hat die Songs für Karlsruhe wunderbar neu arrangiert: eine sechsköpfige Band spielt insgesamt zweiundzwanzig Instrumente. Musikalisch ist Alice atmosphärisch passend umgesetzt. Wem Woyzeck und Black Rider gefiel, der sollte auch von Alice nicht enttäuscht sein.
Leider ist die Textwiedergabe der englischen Songs urheberrechtlich untersagt: sie sind weder im Beiheft zu finden noch als übersetzte Übertitel eingeblendet. Nicht jeder Schauspieler ist auch ein guter Sänger - in dieser Produktion wird das leider gelegentlich deutlich und auch die Verständlichkeit der englischen Song-Texte ist nicht für jeden gegeben. Dadurch entsteht im Verlauf des Abends schnell ein atmosphärischer Druckabfall und Dimensionsverlust, da die direkte Verbindung der Musiktexte zur Geschichte nicht sichergestellt wird. Man bewegt sich episodisch von Song zu Song, bei denen man oft nur spekulieren kann, wie sie zum Stück in Beziehung stehen.
Was ist zu sehen?
Alice ist eine sehr schöne und phantasievolle Produktion, bei der aber aus obigen Gründen die Verknüpfung von Text und Gesang nicht gelingt und aufgrund der zusammenhanglosen Szenen der Funken nur sehr selten aufs Publikum überspringt. Es ergibt sich keine klare Stimmung: Alice ist weder spannend oder dämonisch noch witzig oder traurig; die Szenen plätschern vor sich hin und verdichten sich nur selten. Schauspielerisch ergeben sich bei Regisseur Daniel Pfluger nur wenig Gelegenheiten zu glänzen. Es ist eine gute Ensembleleistung, bei der gestern Hannes Fischer und Robert Besta am stärksten in Erinnerung blieben.
Bühnenbildner Flurin Borg Madsen stand vor der Aufgabe, den Spagat zwischen Obsessionen und Spiel, Traurigkeit und Phantasie, Erinnerung und Gegenwart zu halten, also den doppelten Boden der surrealen Welt darzustellen und hat dies mit einer sich stetig, von Szene zu Szene ändernder Bühne sehr phantasievoll gelöst. Es macht immer wieder Spaß zuzuschauen. Janine Werthmann hat dazu sehr schöne und aufwändige Kostüme entworfen, die viktorianische Elemente mit anderen Stilrichtungen kombiniert und die Phantasiefiguren liebevoll in Szene setzt.
Fazit: Bedingt empfehlenswert - gepflegte Langeweile, der man aber gerne zuschaut. Alice zeigt, daß das Ganze weniger als die Summe seiner Teile sein kann. Man hat deutlich den Eindruck, daß vieles gut gemacht ist. Das Badische Staatstheater hat sich viel Mühe gegeben, um eine aufwändige, sehenswerte Umsetzung auf die Bühne zu bringen. Alice ist vor allem Unterhaltung und bietet keine tiefgehende Interpretationsmöglichkeit. Es ist ein Spiel der Phantasie, Skurrilität und Ambivalenz - eine inszenatorische Äquivalenz zum literarischen Fantasy-Genre - konzipiert als ein Theaterabenteuer. Doch durch die dünne Rahmenhandlung ergibt sich kein richtiger Spannungsbogen.
PS(1): Das von Dramaturgin Nina Steinhilber informationsreich, interessant und sehr gut zusammengestellte Programmheft lohnt sich, auch zur Orientierung vorab für die Besucher, die mit Lewis Carroll und seinem Kinderbuch Alice wenig Berührung hatten. Es ist als pdf-Datei im Internet hier abrufbar.
PS(2): Es waren viele Theatermitarbeiter und deren Angehörige bei der Premiere. Es wäre interessant zu wissen, wie das Verhältnis dieser zu normalen Zuschauern war. Neben einem Heer von Dramaturgen mit Namensschildern konnte man u.a. folgende Schauspieler und Opernsängern sehen: Ute Baggeröhr, Simon Bauer, Benjamin Berger, Cornelia Gröschel, Florian Hertweck, Sarah A. Hudarew, Sophia Löffler, Heidi Melton, Rebecca Raffell, Jonas Riemer, Lisa Schlegel, Timo Tank, Katharine Tier, G. Urrutia Benet, Stefan Viering, Frank Wiegard, ....
BESETZUNG und TEAM:
Alice: Ursula
Grossenbacher
Charles Dodgson/ Photograph/ Weißes Kaninchen/ Weißer Ritter: Robert Besta
Rose/
Cheshire Cat/ Humpty Dumpty: Hannes
Fischer
Raupe/ Schachkönigin: Eva
Derleder
Fisch/ Lakai/ Schachkönig/ Weißes Schaf: Gunnar Schmidt
Lilie/ Hutmacher/ Tweedle Dee: Joanna Kitzl
Gänseblümchen/ Köchin/ Märzhase/ Tweedle Dum: Jan Andreesen
Frosch/ Ein Lakai/ Rehkitz/ Schwarzer Ritter: Natanaël Lienhard
Gänseblümchen/ Herzogin/ Haselmaus: Anna-Magdalena Beetz
Altar Boy (Solo): Georg Krause
Altar Boys: László Branko Breiding, Lukas Fries, Leon Hellstern, Marvin HockREGIE Daniel Pfluger
MUSIKALISCHE LEITUNG & ARRANGEMENTS Clemens Rynkowski
BÜHNE Flurin Borg Madsen
KOSTÜME Janine Werthmann
Klavier, Harmonium, Celesta, Theremin: Clemens Rynkowski
Percussion, Drumset, Schlagwerk: Jakob Dinkelacker
Waldhorn, Trompete, Marimba, Vibra-Phon, Bass, Gitarre, Klavier, Saz, Windmaschine: Florian Rynkowski
Posaune, Sousaphon, Tuba: Jochen Welsch
Bassklarinette, Saxophon, Piccolo, Querflöte: Sven Pudil
Bratsche: Agata Zieba
Dienstag, 18. September 2012
1. Symphoniekonzert, 17.09.2012
Die neue Konzertsaison begann mit Frühwerken dreier Komponisten, die auf ganz unterschiedliche Weise Auskunft geben über das Werden eines Komponisten.
Benjamin Britten (1913-1976) schrieb keine Symphonien. Die Sinfonia da Requiem (op.20, im Jahr 1940 im Alter von 26 Jahren komponiert) ist allerdings ein orchestral-symphonisches Werk; es ist ca zwanzigminütig, dreiteilig und ohne liturgischen Text. Mit Trommelschlägen beginnt das Lacrymosa (Andante ben misurato), dessen Gestus klagend und protestierend ist. Das Dies Irae (Allegro con fuoco) ist bedrohlich, das abschließende Requiem Aeternam (Andante molto tranquillo) dann friedvoll und im Ansatz versöhnlich. Ein sehr interessantes Stück und eine sehr spannende Entdeckung, die Justin Brown ins Programm genommen hat und so engagiert präsentierte, daß man danach bedauerte, daß sich Britten nicht weiter als Symphoniker entwickelte.
Der Komponist Thomas Adès, der 1971 in London geboren ist, gilt als der wichtigste zeitgenössische britische Komponist seit Benjamin Britten. Schon früh wurden seine ersten Werke aufgeführt und bei EMI auf CD veröffentlicht. Dirigenten wie Simon Rattle und Kent Nagano förderten ihn. Seine Musikstil ist -z.B. im Vergleich mit Wolfgang Rihm- geradezu konventionell und eingänglich. Gestern nun wurde er auch zum ersten Mal in Karlsruhe gespielt. Das kurze, ca. zehnminütige Werk … but all shall be well (op.10 aus dem Jahr 1993) zeigt sein großes Gespür für Instrumentierung und klangliche Wirkung, ist aber nicht unverwechselbar und hinterließ keinen besonderen Eindruck. Es diente lediglich der Entspannung zwischen Britten und Brahms.
Nach der Pause dann der mit Ungeduld erwartete Höhepunkt des Abend - das 1. Klavierkonzert op.15 von Johannes Brahms (1833-1897). Die Uraufführung 1859 in Hannover war ein Fiasko und auch heute hat es gelegentlich aufgrund der anti-virtuosen Klavierbehandlung den Ruf, ein Konzert für Orchester mit obligatem Klavier zu sein, bei dem es keinen technisch herausfordernden Satz für den Solisten gibt. Das Konzert fordert dem Pianisten trotzdem immens viel ab: die Transparenz der polyphonischen Sätze ist die schwierigste Aufgabe. Als Pianist war ein großer Name zu hören: Boris Berezovsky. Er gewann 1990 den 1. Preis beim renommierten Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Im Juni 1992 war er zum ersten Mal in Karlsruhe: damals gab er eine beeindruckende, starke Interpretation von Tschaikowskys 1. Klavierkonzert. Inzwischen hat er eine umfangreiche CD-Diskographie eingespielt und weitere Preise gewonnen. Sein Auftritt wurde seinem großen Ruf gerecht.
Der erste Satz ist gekennzeichnet durch Themenfülle, zusammenprallende Themen, eine ungestüme Radikalität und soll unter dem schockierenden Eindruck eines Selbstmordversuchs von Robert Schumann entstanden sein. Justin Brown spielte den ruppigen und bedrohlichen Anfang mit finsterer Energie. Das Klavier begann mit einem freien und atmenden Gestus, der fast schon improvisiert wirkte, doch unmerklich leitete Berezovsky zur dramatischen Zuspitzung über, die dann wieder von einem freundlichen Seitenthema kontrastiert wird. Sehr schön, wie souverän Berezovsky immer wieder die exponierten Stellen spielte, an denen ihm Neues abgefordert wird.
Das war auch sein Erfolgsgeheimnis bei der gestrigen Aufführung: der Pianist fand den organischen Weg durch die kantige und von sprunghaften Wechseln geprägte Partitur und präsentiere Brahms mit voluminösem und leidenschaftlichem Klang. Das mittlere Adagio (fast ein Requiem-ähnlicher Anklang nach Schumanns Tod und damit auch die Verknüpfung zu Brittens Requiem am Beginn des Abends) nahm bei ihm einen versonnenen Charakter an, das abschließende Rondo endete leidenschaftlich klang- und schwungvoll. Eine herausragende Leistung, die lange bejubelt wurde und auch das Orchester beklatschte Berezovsky stark. Als Zugabe wurde das Ende des Konzerts wiederholt.
Justin Brown und die Badische Staatskapelle zeigten einen sehr guten Start in die Saison.
PS(1): Die Stimmung zwischen Orchester, Berezovsky und Brown wirkte so herzlich, daß es diesmal hoffentlich nicht so lange dauern sollte, bis Berezovsky erneut nach Karlsruhe kommt. Rachmaninows 2. oder 3 bzw. Prokofiews 2. oder 3. Klavierkonzert wären doch geeignete Kandidaten für eine Fortsetzung!?! Ein anderes großes Frühwerk Benjamin Brittens war auch lange nicht mehr in Karlsruhe zu hören: sein Klavierkonzert op.13.
PS(2): Etwas Geschichtliches - Brahms selber war der Pianist seines ersten Konzerts bei der ersten Aufführung der Badischen Hofkapelle unter Hermann Levi am 3. November 1865. Brahms' 1. Symphonie erlebte dann bekanntermaßen seine Uraufführung in Karlsruhe am 4. November 1876, dirigiert von Felix Otto Dessoff.
Benjamin Britten (1913-1976) schrieb keine Symphonien. Die Sinfonia da Requiem (op.20, im Jahr 1940 im Alter von 26 Jahren komponiert) ist allerdings ein orchestral-symphonisches Werk; es ist ca zwanzigminütig, dreiteilig und ohne liturgischen Text. Mit Trommelschlägen beginnt das Lacrymosa (Andante ben misurato), dessen Gestus klagend und protestierend ist. Das Dies Irae (Allegro con fuoco) ist bedrohlich, das abschließende Requiem Aeternam (Andante molto tranquillo) dann friedvoll und im Ansatz versöhnlich. Ein sehr interessantes Stück und eine sehr spannende Entdeckung, die Justin Brown ins Programm genommen hat und so engagiert präsentierte, daß man danach bedauerte, daß sich Britten nicht weiter als Symphoniker entwickelte.
Der Komponist Thomas Adès, der 1971 in London geboren ist, gilt als der wichtigste zeitgenössische britische Komponist seit Benjamin Britten. Schon früh wurden seine ersten Werke aufgeführt und bei EMI auf CD veröffentlicht. Dirigenten wie Simon Rattle und Kent Nagano förderten ihn. Seine Musikstil ist -z.B. im Vergleich mit Wolfgang Rihm- geradezu konventionell und eingänglich. Gestern nun wurde er auch zum ersten Mal in Karlsruhe gespielt. Das kurze, ca. zehnminütige Werk … but all shall be well (op.10 aus dem Jahr 1993) zeigt sein großes Gespür für Instrumentierung und klangliche Wirkung, ist aber nicht unverwechselbar und hinterließ keinen besonderen Eindruck. Es diente lediglich der Entspannung zwischen Britten und Brahms.
Nach der Pause dann der mit Ungeduld erwartete Höhepunkt des Abend - das 1. Klavierkonzert op.15 von Johannes Brahms (1833-1897). Die Uraufführung 1859 in Hannover war ein Fiasko und auch heute hat es gelegentlich aufgrund der anti-virtuosen Klavierbehandlung den Ruf, ein Konzert für Orchester mit obligatem Klavier zu sein, bei dem es keinen technisch herausfordernden Satz für den Solisten gibt. Das Konzert fordert dem Pianisten trotzdem immens viel ab: die Transparenz der polyphonischen Sätze ist die schwierigste Aufgabe. Als Pianist war ein großer Name zu hören: Boris Berezovsky. Er gewann 1990 den 1. Preis beim renommierten Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Im Juni 1992 war er zum ersten Mal in Karlsruhe: damals gab er eine beeindruckende, starke Interpretation von Tschaikowskys 1. Klavierkonzert. Inzwischen hat er eine umfangreiche CD-Diskographie eingespielt und weitere Preise gewonnen. Sein Auftritt wurde seinem großen Ruf gerecht.
Der erste Satz ist gekennzeichnet durch Themenfülle, zusammenprallende Themen, eine ungestüme Radikalität und soll unter dem schockierenden Eindruck eines Selbstmordversuchs von Robert Schumann entstanden sein. Justin Brown spielte den ruppigen und bedrohlichen Anfang mit finsterer Energie. Das Klavier begann mit einem freien und atmenden Gestus, der fast schon improvisiert wirkte, doch unmerklich leitete Berezovsky zur dramatischen Zuspitzung über, die dann wieder von einem freundlichen Seitenthema kontrastiert wird. Sehr schön, wie souverän Berezovsky immer wieder die exponierten Stellen spielte, an denen ihm Neues abgefordert wird.
Das war auch sein Erfolgsgeheimnis bei der gestrigen Aufführung: der Pianist fand den organischen Weg durch die kantige und von sprunghaften Wechseln geprägte Partitur und präsentiere Brahms mit voluminösem und leidenschaftlichem Klang. Das mittlere Adagio (fast ein Requiem-ähnlicher Anklang nach Schumanns Tod und damit auch die Verknüpfung zu Brittens Requiem am Beginn des Abends) nahm bei ihm einen versonnenen Charakter an, das abschließende Rondo endete leidenschaftlich klang- und schwungvoll. Eine herausragende Leistung, die lange bejubelt wurde und auch das Orchester beklatschte Berezovsky stark. Als Zugabe wurde das Ende des Konzerts wiederholt.
Justin Brown und die Badische Staatskapelle zeigten einen sehr guten Start in die Saison.
PS(1): Die Stimmung zwischen Orchester, Berezovsky und Brown wirkte so herzlich, daß es diesmal hoffentlich nicht so lange dauern sollte, bis Berezovsky erneut nach Karlsruhe kommt. Rachmaninows 2. oder 3 bzw. Prokofiews 2. oder 3. Klavierkonzert wären doch geeignete Kandidaten für eine Fortsetzung!?! Ein anderes großes Frühwerk Benjamin Brittens war auch lange nicht mehr in Karlsruhe zu hören: sein Klavierkonzert op.13.
PS(2): Etwas Geschichtliches - Brahms selber war der Pianist seines ersten Konzerts bei der ersten Aufführung der Badischen Hofkapelle unter Hermann Levi am 3. November 1865. Brahms' 1. Symphonie erlebte dann bekanntermaßen seine Uraufführung in Karlsruhe am 4. November 1876, dirigiert von Felix Otto Dessoff.
Sonntag, 16. September 2012
Theaterfest, 15.09.2012
Zum Saisonbeginn wurde das abwechslungsreiche Programm des Theaterfests wie gewohnt durch den Spielzeitcocktail beendet. Letztes Jahr gab es zum Intendanzstart Ansprachen und Reden, dieses Jahr konzentrierte sich die 215-minütige Veranstaltung ganz auf das Spartenprogramm.
Mittwoch, 12. September 2012
Karlsruher 'Samson et Dalila' auf DVD
José Curas Inszenierung von Camille Saint-Saens Oper Samson et Dalia am Badischen Staatstheater (aufgenommen am 22./24.10.2010 mit José Cura als Samson und Julia Gertseva als Dalila) ist auf DVD erhältlich.
Hier z.B. der Link zu amazon:
http://www.amazon.de/Saint-Saens-Samson-Dalila-Julia-Gertsewa/dp/B008P76XQU/ref=sr_1_4?s=dvd&ie=UTF8&qid=1347443446&sr=1-4
Hier z.B. der Link zu amazon:
http://www.amazon.de/Saint-Saens-Samson-Dalila-Julia-Gertsewa/dp/B008P76XQU/ref=sr_1_4?s=dvd&ie=UTF8&qid=1347443446&sr=1-4
Dienstag, 11. September 2012
Händels Alessandro auf CD
Händels Oper Alessandro wurde während der Händel Festspiele 2012 aufgenommen und liegt nun als CD vor.
Hier z.B. der Link zum Erwerb bei amazon, allerdings wird die CD bestimmt vom Badischen Staatstheater auch bald vertrieben - und hoffentlich günstiger ...:
http://www.amazon.de/Alessandro-Dramma-musica-drei-Akten/dp/B008IEDWHI/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1347370328&sr=8-3
PS: Zur Alessandro Diskographie
Bisher gab es nur die wenig elektrisierende Aufnahme von Sigiswald Kuijken mit René Jacobs als Alessandro. Fast parallel zum Karlsruher Alessandro erscheint nun auch eine dritte Aufnahme, bei der Max E. Cencic in der Titelrolle zu hören sein wird (auch dazu der Link zu amazon: http://www.amazon.de/Alessandro-Lezhneva-Julia/dp/B008QCBFHG/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1347370750&sr=1-1)
Hier z.B. der Link zum Erwerb bei amazon, allerdings wird die CD bestimmt vom Badischen Staatstheater auch bald vertrieben - und hoffentlich günstiger ...:
http://www.amazon.de/Alessandro-Dramma-musica-drei-Akten/dp/B008IEDWHI/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1347370328&sr=8-3
PS: Zur Alessandro Diskographie
Bisher gab es nur die wenig elektrisierende Aufnahme von Sigiswald Kuijken mit René Jacobs als Alessandro. Fast parallel zum Karlsruher Alessandro erscheint nun auch eine dritte Aufnahme, bei der Max E. Cencic in der Titelrolle zu hören sein wird (auch dazu der Link zu amazon: http://www.amazon.de/Alessandro-Lezhneva-Julia/dp/B008QCBFHG/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1347370750&sr=1-1)
Montag, 10. September 2012
Programm des Karlsruher Theaterfests, 15.09.2012
Eröffnung des Theaterfests und Begrüßung durch Kulturbürgermeister
Wolfram Jäger & Generalintendant Peter Spuhler
11.00 AUF DEM VORPLATZ
Samstag, 1. September 2012
Die kommende Spielzeit 2012/13 im Überblick
Am 15. September beginnt die neue Spielzeit des Badischen Staatstheaters mit dem traditionellen Theaterfest. Das Programm der neuen Saison ist vielversprechend. Hier eine Übersicht für 2012/13 in den Sparten Oper, Ballett, Schauspiel und Konzerte.
Die Premieren der neuen Spielzeit sind sehr gut gewählt: vieles, was man selten oder in Karlsruhe lange nicht mehr gehört hat, ergänzt von etablierten (und teilweise betagten) Wiederaufnahmen, in denen die jungen Sänger debütieren werden.
Höhepunkte gibt es einige: zu Beginn Wagners Tannhäuser, bei der ein Einfall der Bayreuther Festspiele von 1972 wiederholt wird. Der damalige Regisseur Götz Friedrich hatte die Rollen der Venus und Elisabeth mit der gleichen Sängerin besetzt. John Treleaven singt Tannhäuser, Heidi Melton und Christina Niessen wechseln sich in der Doppelrolle als Elisabeth/Venus ab.
Im Januar folgt die große französische Oper La Vestale des italienischen Komponisten Gaspare Spontini mit Barbara Dobrzanska in der Hauptrolle als Vestalin. La Vestale wurde einst mit großem Pomp vor Napoleon uraufgeführt und war ein großer Erfolg. Viele Komponisten -darunter auch Berlioz und Richard Wagner (der bei Spontini einige Inspirationen fand)- sahen sie als Meisterwerk. Eine Oper, deren Hauptrolle auch Maria Callas sang.
Die Händel Festspiele sind diesmal in Englisch: ein spätes Oratorium, ergänzt durch eine zeitgenössische Oper von Gerald Barry, inszeniert von einem englischen Team. Man darf gespannt sein.
Im April Donizettis Regimentstocher - eine komische Oper, die Sopran und Tenor sehr viel abverlangt und bei der sich Eleazar Rodriguez an die gefürchtete Arie mit neun zweigestrichenen C's traut. Nachdem in den letzten Jahren das Bel Canto Repertoire etwas vernachlässigt wurde, ist das hoffentlich der Einstieg in eine weitere Reihe.
Zum Abschluß Benjamin Brittens "englische Nationaloper" Peter Grimes, die für John Treleaven und Justin Brown zweifellos eine Herzensangelegenheit ist und die mit einigen englischen Muttersprachlern besetzt werden kann.
Bei der Wiederaufnahme der "alten" Carmen im November werden wohl Katharine Tier in der Titeltrolle und Andrea Shin als Don José singen.
Wagners Ring des Nibelungen wird als Gast Linda Watson als Brühnhilde bieten. Lance Ryan könnte in Siegfried zurückkehren. In der Götterdämmerung und als Siegmund wird wohl John Treleaven auftreten, Heidi Melton als Sieglinde und Gutrune, Renatus Meszar als Wotan.
TERMINE
07.10.12 TANNHÄUSER Oper von Richard Wagner
Regie: Aron Stiehl, Bühne und Kostüme: rosalie
08.12.12 DER VETTER AUS DINGSDA Operette von Eduard Künneke
R: Bernd Mottl B: Friedrich Eggert
26.01.13 DIE VESTALIN Oper von Gaspare Spontini
R: Aron Stiehl B: Frank Philipp Schlößmann K: Franziska Jacobsen
16.02.13 DER SIEG VON ZEIT UND WAHRHEIT Oratorium von Georg Friedrich Händel
und DER SIEG VON SCHÖNHEIT UND TÄUSCHUNG Oper von Gerald Barry
R: Sam Brown B & K: Annemarie Woods
20.04.13 DIE REGIMENTSTOCHTER Oper von Gaetano Donizetti
18.05.13 DIE PASSAGIERIN Oper von Mieczysław Weinberg (Deutsche Erstaufführung)
R: Holger Müller-Brandes B & K: Philipp Fürhofer
06.07.13 PETER GRIMES Oper von Benjamin Britten
R: Christopher Alden
Wiederaufnahmen
23.09.2012 Ritter Blaubart / Offenbach
10.10.2012 Rigoletto / Verdi
14.10.2012 Romeo und Julia auf dem Dorfe / Delius
26.10.2012 Wallenberg / Tüür
03.11.2012 Carmen / Bizet
24.11.2012 Hänsel und Gretel / Humperdinck
25.12.2012 Die Zauberflöte / Mozart
13.01.2013 Die Trojaner / Berlioz
20.02.2013 Alessandro / Händel
09.03.2013 Tosca / Puccini
27.03.2013 Das Rheingold / Wagner
28.03.2013 Die Walküre / Wagner
30.03.2013 Siegfried / Wagner
01.04.2013 Götterdämmerung / Wagner
22.06.2013 Die Hochzeit des Figaro / Mozart
Hier eine Übersicht der geplanten Operngalas als pdf und hier die Opern-Übersicht
Nach den beiden großartigen Uraufführungen des letzten Jahres erleben wir die Wiederaufnahme des Klassikers Giselle und eine deutsche Erstaufführung von Heinz Spörli.
Giselle, Nußknacker, Schwanensee, vor einigen Jahren z.B. die großartige Choreographie zu Prokofiews Romeo und Julia, zukünftig hoffentlich auch Siegfried und Momo - diese Ballette haben unter den Besuchern des Karlsruher Staatstheater den Status erreicht, den zuletzt die Operninszenierungen Giancarlo del Monacos in den 1980er inne hatten: man sieht sie gerne öfters, ja man kann sie über lange Zeit regelmäßig sehen und man wünscht sich eine lange Laufzeit. Noch heute sind del Monacos Inszenierungen von La Bohème, Madama Butterfly oder Lucia di Lammermoor unvergessene Meilensteine, die unter den Zuschauern fast schon einen Kultstatus erreicht haben. Birgit Keil scheint es auch zu schaffen: Klassiker zu präsentieren, die im schnelllebigen Inszenierungsgeschäft überleben.
TERMINE
GISELLE Ballett von Peter Wright nach Marius Petipa, Jean Coralli; Jules Perrot
NEUEINSTUDIERUNG
17.11.12 GROSSES HAUS
IN DEN WINDEN IM NICHTS Ballett von Heinz Spoerli (Deutsche Erstaufführung)
16.03.13 GROSSES HAUS
Wiederaufnahmen:
22.09.12 Momo
11.12.12 Nußknacker
01.02.13 Schwanensee
31.05.13 Siegfried
Hier der Link zum Ballettheft als pdf-Datei
Eine neue Strategie präsentiert das Schauspiel im Kleinen Haus: bekannte und attraktive Werke großer Autoren, auf die man sich als Theaterfreund freuen kann: Tschechows Möwe, Büchners Dantons Tod, Schnitzlers Einsamer Weg, Shakespeares Wie es Euch gefällt und Kleists Prinz Friedrich von Homburg. Hoffentlich und endlich die Chance für die Schauspieler, den Facettenreichtum ihres Könnens zeigen zu dürfen. Hoffentlich dazu Inszenierungen, die sich vom uninteressanten Durchschnitt der letzten Spielzeit absetzen. Im Studio viel Neues, Unbekanntes und Adaptionen - also weiterhin eher Experimentelles mit durchschnittlichem Attraktivitätsfaktor. Hier muß die Schauspielleitung beweisen, daß sie die Stücke mit Bedacht ausgewählt hat. Auch weiterhin scheint man sich mit Humor schwer zu tun - Shakespeare liefert anscheinend die einzige Komödie. Man kann hoffen, daß im zweiten Jahr endlich eine Erfolgsproduktion glückt, über die man spricht und die in Karlsruhe das Schauspiel auch wieder zum positiven Gesprächsthema außerhalb des geschrumpften Stamm-Publikums macht.
Als Musical dazu mal wieder Tom Waits, diesmal mit Alice.
TERMINE
ALICE Musical von Waits | Brennan | Wilson | Schmidt
27.09.12 KLEINES HAUS
R: Daniel Pfluger
MY SECRET GARDEN von Falk Richter (Deutsche Erstaufführung)
03.10.12 STUDIO
DIE MÖWE Komödie von Anton Tschechow
20.10.12 KLEINES HAUS
DANTONS TOD Drama von Georg Büchner
22.11.12 KLEINES HAUS
DER EINSAME WEG Schauspiel von Arthur Schnitzler
19.01.13 KLEINES HAUS
MEDEA Trauerspiel von Franz Grillparzer
24.01.13 STUDIO
MÜDIGKEITSGESELLSCHAFT von Byung-Chul Han
VERSUCH ÜBER DIE MÜDIGKEIT von Peter Handke
URAUFFÜHRUNG
FEBRUAR 13 STUDIO
DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER nach dem Roman von Johann Wolfgang Goethe
10.03.13 STUDIO
WIE ES EUCH GEFÄLLT Komödie von William Shakespeare
21.03.13 KLEINES HAUS
R: Sebastian Schug
MÄNNERPHANTASIEN von Patrick Wengenroth nach Klaus Theweleit
URAUFFÜHRUNG
24.4.13 STUDIO
R:
Patrick Wengenroth
AM FALSCHEN ORT von Alice Monica Marinescu und David Schwartz
URAUFFÜHRUNG / GEWINNER DES DRAMENWETTBEWERBS „ÜBER GRENZEN SPRECHEN“ 2012
FRÜHLING 13 STUDIO
PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG Ein Schauspiel von Heinrich von Kleist
16.05.13 KLEINES HAUS
Regie: Martin Nimz
VETERANEN DES RASENS Ein KSC-Projekt von Tobias Rausch
16.06.13 STUDIO
EINE (MIKRO)ÖKONOMISCHE WELTGESCHICHTE, GETANZT von Pascal Rambert und Éric Méchoulan
27.06.13 KLEINES HAUS
EXAMEN Dramatiker-Projekt / URAUFFÜHRUNGEN im STUDIO
Das Progranm als pdf-Datei des Staatstheater befindet sich hier.
Die Höhepunkte der Konzertsaison sind einerseits die mit namhaften Virtuosen besetzten Termine (der Pianist Boris Berezovsky im ersten und der Violinist Gideon Kremer im achten Konzert. Dazu der junge und bereits gefeierte Cellist Maximilian Hornung sowie der Pianist Benjamin Moser, der 2007 Preisträger des renommierten Tschaikowsky-Wettbewerbs in Moskau war). Dann vor allem das zweite Konzert mit einer sehr publikumswirksamen Stückauswahl (Beethoven, Strauss, Wagner, Weber), aber auch fast durchgängig bietet jedes Konzert ein attraktives "Lieblingsstück": Tschaikowskys 6. / Brahms. 4. / Haydns 104. / Bruckners 9. Symphonie, Mozarts Klarinettenkonzert. Dazu Schönbergs groß besetzte Gurrelieder im Dezember als Sonder- und Abschlußkonzert zu den Feierlichkeiten des 350. Orchestergeburtstags.
Bei der Auswahl fällt auf, daß es ein Wiederhören mit Stücken gibt, die es bereits in den letzten Jahren unter Anthony Bramall gab: Mozart (2003), Bruckner (2004), Haydn (2005), Beethoven (2005), Brahms (2007) und Tschaikowsky (2007). Nicht, daß man "schon wieder" sagen möchte. Allerdings hätte es andere Werke gegeben, die länger nicht mehr zu hören waren ....
TERMINE
1.Symphoniekonzert
BRITTEN Sinfonia da Requiem
ADÈS ...but all shall be well
BRAHMS 1. Klavierkonzert (Solist Boris Berezovsky)
16./17.9.12
2.Symphoniekonzert
VON WEBER Oberon Ouvertüre
BEETHOVEN 5. Symphonie
WAGNER Karfreitagszauber
R.STRAUSS Tod und Verklärung
21./22.10.12
3.Symphoniekonzert
BARTOK Rhapsodie für Klavier und Orchester (Solist Benjamin Moser)
TSCHAIKOWSKY 6. Symphonie
25./26.11.12
4.Symphoniekonzert
HÄNDEL Concerto Grosso op6 Nr4
DORMAN Concerto Grosso
TELEMANN Ouvertüre-Suite "La Bourse"
HAYDN 104. Symphonie
24./25.02.13
5.Symphoniekonzert
GREENWOOD 48 Respones to Polymorphia
LUTOSLAWSKI Cellokonzert (Solist Maximilian Hornung)
BRAHMS 4. Symphonie
28./29.04.13
6.Symphoniekonzert
STAUD Tondo
MOZART Klarinettenkonzert (Solist Frank Nebl)
MARTINU 4. Symphonie
26./27.05.13
7.Symphoniekonzert
BRIDGE The Sea
BRITTEN Les Illuminations
MASON Lighthouses
DEBUSSY La Mer
16./17.06.13
8.Symphoniekonzert
SCHNITTKE 4. Violinkonzert (Solist Gideon Kremer)
BRUCKNER 9. Symphonie
14./15.07.13
Sonderkonzert
SCHÖNBERG Gurrelieder
15./16.12.12
Bei den Kammerkonzerten gibt es ebenfalls Höhepunkte: so singt Bernhard Berchtold im fünften Konzert und es gibt Mozart, Beethoven, Brahms, Strauss und Janacek zu hören. Justin Brown musiziert diese Saison nicht selber.
1.Kammerkonzert, 30.09.12
Johann Melchior Molter Sinfonia in D für 2 Flöten, 2 Hörner und Fagott (Verz. Nr. 596)
Johann Melchior Molter Sinfonia in D für 2 Flöten, 2 Hörner und Fagott (Verz. Nr. 597)
Josef Mysliveček Oktett Nr. 3 B-Dur
Beethoven Oktett Es-Dur op. 103
Beethoven Rondino Es-Dur op. posth.
2.Kammerkonzert, 11.11.12
Franz Danzi Fagottquartett d-Moll op. 40 Nr. 2
Mozart Flötenquartett Nr. 1 D-Dur KV 285
Jean Françaix Quintett für Flöte, 2 Violinen, Violoncello und Cembalo
Henri Dutilleux Streichquartett „Ainsi la nuit”
3.Kammerkonzert, 03.03.13
Anton Webern Fünf Sätze für Streichquartett op. 5
Leoš Janáček Streichquartett Nr. 2 „Intime Briefe“
Franz Schubert Streichquartett a-Moll D 804 „Rosamunde“
4.Kammerkonzert, 07.04.13
Beethoven Sonate G-Dur für Violine und Klavier op. 96
Moritz Eggert Klaviertrio Nr. 2
Joseph Wölfl Grand Duo für Violine und Klavier op. 31
Claude Debussy Klaviertrio G-Dur
5.Kammerkonzert, 30.6.13
Beethoven 4 schottische Lieder aus op. 108
Margarete Schweikert 4 Lieder nach Gedichten von Goethe
Margarete Schweikert „Im bitteren Menschenland" op. 9
Benjamin Britten 6 Hölderlin-Fragmente op. 61 für Tenor und Klavier
Leonard Bernstein Trio für Violine, Violoncello und Klavier
Sänger: Bernhard Berchtold, Tenor
Kammerkonzert EXTRA, 27.1.13
Richard Strauss Sonatine Nr. 1 F-Dur für 16 Blasinstrumente
Richard Strauss Serenade Es-Dur für 13 Blasinstrumente
Johannes Brahms Serenade für kleines Orchester Nr. 2 A-Dur
Das Sonderheft zu den Konzerten findet sich hier.
Das komplette Programm und Infos zu den anderen Sparten und Programmpunkten des Badischen Staatstheater für 2012/2013 findet sich im Spielzeitheft, daß als pdf-Dokument auch im Internet abzurufen ist. Hier ist der Link.
OPER
Die Premieren der neuen Spielzeit sind sehr gut gewählt: vieles, was man selten oder in Karlsruhe lange nicht mehr gehört hat, ergänzt von etablierten (und teilweise betagten) Wiederaufnahmen, in denen die jungen Sänger debütieren werden.
Höhepunkte gibt es einige: zu Beginn Wagners Tannhäuser, bei der ein Einfall der Bayreuther Festspiele von 1972 wiederholt wird. Der damalige Regisseur Götz Friedrich hatte die Rollen der Venus und Elisabeth mit der gleichen Sängerin besetzt. John Treleaven singt Tannhäuser, Heidi Melton und Christina Niessen wechseln sich in der Doppelrolle als Elisabeth/Venus ab.
Im Januar folgt die große französische Oper La Vestale des italienischen Komponisten Gaspare Spontini mit Barbara Dobrzanska in der Hauptrolle als Vestalin. La Vestale wurde einst mit großem Pomp vor Napoleon uraufgeführt und war ein großer Erfolg. Viele Komponisten -darunter auch Berlioz und Richard Wagner (der bei Spontini einige Inspirationen fand)- sahen sie als Meisterwerk. Eine Oper, deren Hauptrolle auch Maria Callas sang.
Die Händel Festspiele sind diesmal in Englisch: ein spätes Oratorium, ergänzt durch eine zeitgenössische Oper von Gerald Barry, inszeniert von einem englischen Team. Man darf gespannt sein.
Im April Donizettis Regimentstocher - eine komische Oper, die Sopran und Tenor sehr viel abverlangt und bei der sich Eleazar Rodriguez an die gefürchtete Arie mit neun zweigestrichenen C's traut. Nachdem in den letzten Jahren das Bel Canto Repertoire etwas vernachlässigt wurde, ist das hoffentlich der Einstieg in eine weitere Reihe.
Zum Abschluß Benjamin Brittens "englische Nationaloper" Peter Grimes, die für John Treleaven und Justin Brown zweifellos eine Herzensangelegenheit ist und die mit einigen englischen Muttersprachlern besetzt werden kann.
Bei der Wiederaufnahme der "alten" Carmen im November werden wohl Katharine Tier in der Titeltrolle und Andrea Shin als Don José singen.
Wagners Ring des Nibelungen wird als Gast Linda Watson als Brühnhilde bieten. Lance Ryan könnte in Siegfried zurückkehren. In der Götterdämmerung und als Siegmund wird wohl John Treleaven auftreten, Heidi Melton als Sieglinde und Gutrune, Renatus Meszar als Wotan.
TERMINE
07.10.12 TANNHÄUSER Oper von Richard Wagner
Regie: Aron Stiehl, Bühne und Kostüme: rosalie
08.12.12 DER VETTER AUS DINGSDA Operette von Eduard Künneke
R: Bernd Mottl B: Friedrich Eggert
R: Aron Stiehl B: Frank Philipp Schlößmann K: Franziska Jacobsen
16.02.13 DER SIEG VON ZEIT UND WAHRHEIT Oratorium von Georg Friedrich Händel
und DER SIEG VON SCHÖNHEIT UND TÄUSCHUNG Oper von Gerald Barry
R: Sam Brown B & K: Annemarie Woods
20.04.13 DIE REGIMENTSTOCHTER Oper von Gaetano Donizetti
R: Aurelia Eggers
18.05.13 DIE PASSAGIERIN Oper von Mieczysław Weinberg (Deutsche Erstaufführung)
R: Holger Müller-Brandes B & K: Philipp Fürhofer
06.07.13 PETER GRIMES Oper von Benjamin Britten
R: Christopher Alden
Wiederaufnahmen
23.09.2012 Ritter Blaubart / Offenbach
10.10.2012 Rigoletto / Verdi
14.10.2012 Romeo und Julia auf dem Dorfe / Delius
26.10.2012 Wallenberg / Tüür
03.11.2012 Carmen / Bizet
24.11.2012 Hänsel und Gretel / Humperdinck
25.12.2012 Die Zauberflöte / Mozart
13.01.2013 Die Trojaner / Berlioz
20.02.2013 Alessandro / Händel
09.03.2013 Tosca / Puccini
27.03.2013 Das Rheingold / Wagner
28.03.2013 Die Walküre / Wagner
30.03.2013 Siegfried / Wagner
01.04.2013 Götterdämmerung / Wagner
22.06.2013 Die Hochzeit des Figaro / Mozart
Hier eine Übersicht der geplanten Operngalas als pdf und hier die Opern-Übersicht
BALLETT
Nach den beiden großartigen Uraufführungen des letzten Jahres erleben wir die Wiederaufnahme des Klassikers Giselle und eine deutsche Erstaufführung von Heinz Spörli.
Giselle, Nußknacker, Schwanensee, vor einigen Jahren z.B. die großartige Choreographie zu Prokofiews Romeo und Julia, zukünftig hoffentlich auch Siegfried und Momo - diese Ballette haben unter den Besuchern des Karlsruher Staatstheater den Status erreicht, den zuletzt die Operninszenierungen Giancarlo del Monacos in den 1980er inne hatten: man sieht sie gerne öfters, ja man kann sie über lange Zeit regelmäßig sehen und man wünscht sich eine lange Laufzeit. Noch heute sind del Monacos Inszenierungen von La Bohème, Madama Butterfly oder Lucia di Lammermoor unvergessene Meilensteine, die unter den Zuschauern fast schon einen Kultstatus erreicht haben. Birgit Keil scheint es auch zu schaffen: Klassiker zu präsentieren, die im schnelllebigen Inszenierungsgeschäft überleben.
TERMINE
GISELLE Ballett von Peter Wright nach Marius Petipa, Jean Coralli; Jules Perrot
NEUEINSTUDIERUNG
17.11.12 GROSSES HAUS
IN DEN WINDEN IM NICHTS Ballett von Heinz Spoerli (Deutsche Erstaufführung)
16.03.13 GROSSES HAUS
Wiederaufnahmen:
22.09.12 Momo
11.12.12 Nußknacker
01.02.13 Schwanensee
31.05.13 Siegfried
Hier der Link zum Ballettheft als pdf-Datei
SCHAUSPIEL
Eine neue Strategie präsentiert das Schauspiel im Kleinen Haus: bekannte und attraktive Werke großer Autoren, auf die man sich als Theaterfreund freuen kann: Tschechows Möwe, Büchners Dantons Tod, Schnitzlers Einsamer Weg, Shakespeares Wie es Euch gefällt und Kleists Prinz Friedrich von Homburg. Hoffentlich und endlich die Chance für die Schauspieler, den Facettenreichtum ihres Könnens zeigen zu dürfen. Hoffentlich dazu Inszenierungen, die sich vom uninteressanten Durchschnitt der letzten Spielzeit absetzen. Im Studio viel Neues, Unbekanntes und Adaptionen - also weiterhin eher Experimentelles mit durchschnittlichem Attraktivitätsfaktor. Hier muß die Schauspielleitung beweisen, daß sie die Stücke mit Bedacht ausgewählt hat. Auch weiterhin scheint man sich mit Humor schwer zu tun - Shakespeare liefert anscheinend die einzige Komödie. Man kann hoffen, daß im zweiten Jahr endlich eine Erfolgsproduktion glückt, über die man spricht und die in Karlsruhe das Schauspiel auch wieder zum positiven Gesprächsthema außerhalb des geschrumpften Stamm-Publikums macht.
Als Musical dazu mal wieder Tom Waits, diesmal mit Alice.
TERMINE
ALICE Musical von Waits | Brennan | Wilson | Schmidt
27.09.12 KLEINES HAUS
R: Daniel Pfluger
MY SECRET GARDEN von Falk Richter (Deutsche Erstaufführung)
03.10.12 STUDIO
R: Pedro Martins Beja B & K: Christine Beggel M:Jörg Foller
DIE MÖWE Komödie von Anton Tschechow
20.10.12 KLEINES HAUS
R: Jan-Christoph Gockel B: Julia Kurzweg K: Sophie Du Vinage M: Matthias Grübel
DANTONS TOD Drama von Georg Büchner
22.11.12 KLEINES HAUS
R: Simone
Blattner
AGNES nach dem Roman von Peter Stamm (Deutsche Erstaufführung)
24.11.12 STUDIO
AGNES nach dem Roman von Peter Stamm (Deutsche Erstaufführung)
24.11.12 STUDIO
R:
Christian Papke
DER EINSAME WEG Schauspiel von Arthur Schnitzler
19.01.13 KLEINES HAUS
R: Dominique Schnizer
MEDEA Trauerspiel von Franz Grillparzer
24.01.13 STUDIO
R: Mareike Mikat
MÜDIGKEITSGESELLSCHAFT von Byung-Chul Han
VERSUCH ÜBER DIE MÜDIGKEIT von Peter Handke
URAUFFÜHRUNG
FEBRUAR 13 STUDIO
R: Stefan Otteni
DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER nach dem Roman von Johann Wolfgang Goethe
10.03.13 STUDIO
R: Gernot Grünewald
WIE ES EUCH GEFÄLLT Komödie von William Shakespeare
21.03.13 KLEINES HAUS
R: Sebastian Schug
MÄNNERPHANTASIEN von Patrick Wengenroth nach Klaus Theweleit
URAUFFÜHRUNG
24.4.13 STUDIO
AM FALSCHEN ORT von Alice Monica Marinescu und David Schwartz
URAUFFÜHRUNG / GEWINNER DES DRAMENWETTBEWERBS „ÜBER GRENZEN SPRECHEN“ 2012
FRÜHLING 13 STUDIO
PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG Ein Schauspiel von Heinrich von Kleist
16.05.13 KLEINES HAUS
Regie: Martin Nimz
VETERANEN DES RASENS Ein KSC-Projekt von Tobias Rausch
16.06.13 STUDIO
EINE (MIKRO)ÖKONOMISCHE WELTGESCHICHTE, GETANZT von Pascal Rambert und Éric Méchoulan
27.06.13 KLEINES HAUS
EXAMEN Dramatiker-Projekt / URAUFFÜHRUNGEN im STUDIO
Das Progranm als pdf-Datei des Staatstheater befindet sich hier.
SYMPHONIEKONZERTE
Die Höhepunkte der Konzertsaison sind einerseits die mit namhaften Virtuosen besetzten Termine (der Pianist Boris Berezovsky im ersten und der Violinist Gideon Kremer im achten Konzert. Dazu der junge und bereits gefeierte Cellist Maximilian Hornung sowie der Pianist Benjamin Moser, der 2007 Preisträger des renommierten Tschaikowsky-Wettbewerbs in Moskau war). Dann vor allem das zweite Konzert mit einer sehr publikumswirksamen Stückauswahl (Beethoven, Strauss, Wagner, Weber), aber auch fast durchgängig bietet jedes Konzert ein attraktives "Lieblingsstück": Tschaikowskys 6. / Brahms. 4. / Haydns 104. / Bruckners 9. Symphonie, Mozarts Klarinettenkonzert. Dazu Schönbergs groß besetzte Gurrelieder im Dezember als Sonder- und Abschlußkonzert zu den Feierlichkeiten des 350. Orchestergeburtstags.
Bei der Auswahl fällt auf, daß es ein Wiederhören mit Stücken gibt, die es bereits in den letzten Jahren unter Anthony Bramall gab: Mozart (2003), Bruckner (2004), Haydn (2005), Beethoven (2005), Brahms (2007) und Tschaikowsky (2007). Nicht, daß man "schon wieder" sagen möchte. Allerdings hätte es andere Werke gegeben, die länger nicht mehr zu hören waren ....
TERMINE
1.Symphoniekonzert
BRITTEN Sinfonia da Requiem
ADÈS ...but all shall be well
BRAHMS 1. Klavierkonzert (Solist Boris Berezovsky)
16./17.9.12
2.Symphoniekonzert
VON WEBER Oberon Ouvertüre
BEETHOVEN 5. Symphonie
WAGNER Karfreitagszauber
R.STRAUSS Tod und Verklärung
21./22.10.12
3.Symphoniekonzert
BARTOK Rhapsodie für Klavier und Orchester (Solist Benjamin Moser)
TSCHAIKOWSKY 6. Symphonie
25./26.11.12
4.Symphoniekonzert
HÄNDEL Concerto Grosso op6 Nr4
DORMAN Concerto Grosso
TELEMANN Ouvertüre-Suite "La Bourse"
HAYDN 104. Symphonie
24./25.02.13
5.Symphoniekonzert
GREENWOOD 48 Respones to Polymorphia
LUTOSLAWSKI Cellokonzert (Solist Maximilian Hornung)
BRAHMS 4. Symphonie
28./29.04.13
6.Symphoniekonzert
STAUD Tondo
MOZART Klarinettenkonzert (Solist Frank Nebl)
MARTINU 4. Symphonie
26./27.05.13
7.Symphoniekonzert
BRIDGE The Sea
BRITTEN Les Illuminations
MASON Lighthouses
DEBUSSY La Mer
16./17.06.13
8.Symphoniekonzert
SCHNITTKE 4. Violinkonzert (Solist Gideon Kremer)
BRUCKNER 9. Symphonie
14./15.07.13
Sonderkonzert
SCHÖNBERG Gurrelieder
15./16.12.12
Bei den Kammerkonzerten gibt es ebenfalls Höhepunkte: so singt Bernhard Berchtold im fünften Konzert und es gibt Mozart, Beethoven, Brahms, Strauss und Janacek zu hören. Justin Brown musiziert diese Saison nicht selber.
1.Kammerkonzert, 30.09.12
Johann Melchior Molter Sinfonia in D für 2 Flöten, 2 Hörner und Fagott (Verz. Nr. 596)
Johann Melchior Molter Sinfonia in D für 2 Flöten, 2 Hörner und Fagott (Verz. Nr. 597)
Josef Mysliveček Oktett Nr. 3 B-Dur
Beethoven Oktett Es-Dur op. 103
Beethoven Rondino Es-Dur op. posth.
2.Kammerkonzert, 11.11.12
Franz Danzi Fagottquartett d-Moll op. 40 Nr. 2
Mozart Flötenquartett Nr. 1 D-Dur KV 285
Jean Françaix Quintett für Flöte, 2 Violinen, Violoncello und Cembalo
Henri Dutilleux Streichquartett „Ainsi la nuit”
3.Kammerkonzert, 03.03.13
Anton Webern Fünf Sätze für Streichquartett op. 5
Leoš Janáček Streichquartett Nr. 2 „Intime Briefe“
Franz Schubert Streichquartett a-Moll D 804 „Rosamunde“
4.Kammerkonzert, 07.04.13
Beethoven Sonate G-Dur für Violine und Klavier op. 96
Moritz Eggert Klaviertrio Nr. 2
Joseph Wölfl Grand Duo für Violine und Klavier op. 31
Claude Debussy Klaviertrio G-Dur
5.Kammerkonzert, 30.6.13
Beethoven 4 schottische Lieder aus op. 108
Margarete Schweikert 4 Lieder nach Gedichten von Goethe
Margarete Schweikert „Im bitteren Menschenland" op. 9
Benjamin Britten 6 Hölderlin-Fragmente op. 61 für Tenor und Klavier
Leonard Bernstein Trio für Violine, Violoncello und Klavier
Sänger: Bernhard Berchtold, Tenor
Kammerkonzert EXTRA, 27.1.13
Richard Strauss Sonatine Nr. 1 F-Dur für 16 Blasinstrumente
Richard Strauss Serenade Es-Dur für 13 Blasinstrumente
Johannes Brahms Serenade für kleines Orchester Nr. 2 A-Dur
Das Sonderheft zu den Konzerten findet sich hier.
Das komplette Programm und Infos zu den anderen Sparten und Programmpunkten des Badischen Staatstheater für 2012/2013 findet sich im Spielzeitheft, daß als pdf-Dokument auch im Internet abzurufen ist. Hier ist der Link.
Dienstag, 28. August 2012
Heidi Melton in Berlin
Heidi Melton wird außer in Karlsruhe auch wiederholt in der Deutschen Oper Berlin auftreten, wo ihr Förderer Donald Runnicles dirigiert, den sie von der San Francisco Opera kennt.
Melton wird am 20. Oktober im Festkonzert zum 100jährigen Bestehen der Deutschen Oper Berlin singen und folgende Opernrollen übernehmen
- Fata Morgana in "L’Amour des Trois Oranges" (Winter 2012/2013)
- Amelia in "Un ballo in Maschera" (Anfang 2013)
- Gutrune in "Götterdämmerung", Dir.: Simon Rattle (2013/2014)
- Sieglinde in "Die Walküre", Dir.: Simon Rattle (09.01.2014)
Hier der Link zu Frau Meltons Seite bei der Deutschen Oper:
http://www.deutscheoperberlin.de/de_DE/ensemble/heidi-melton.45800#
In der Spielzeit 2013/2014 wird Melton dann wohl auch die Amelia in Verdis Maskenball am Badischen Staatstheater singen.
Melton sang schon zuvor in Berlin. Hier findet sich bei den Kommentaren ein Bericht vom Mai 2012 von Pinkertonothello dazu:
http://badisches-staatstheater-karlsruhe.blogspot.de/2012/05/heidi-melton-in-berlin-2.html
Melton wird am 20. Oktober im Festkonzert zum 100jährigen Bestehen der Deutschen Oper Berlin singen und folgende Opernrollen übernehmen
- Fata Morgana in "L’Amour des Trois Oranges" (Winter 2012/2013)
- Amelia in "Un ballo in Maschera" (Anfang 2013)
- Gutrune in "Götterdämmerung", Dir.: Simon Rattle (2013/2014)
- Sieglinde in "Die Walküre", Dir.: Simon Rattle (09.01.2014)
Hier der Link zu Frau Meltons Seite bei der Deutschen Oper:
http://www.deutscheoperberlin.de/de_DE/ensemble/heidi-melton.45800#
In der Spielzeit 2013/2014 wird Melton dann wohl auch die Amelia in Verdis Maskenball am Badischen Staatstheater singen.
Melton sang schon zuvor in Berlin. Hier findet sich bei den Kommentaren ein Bericht vom Mai 2012 von Pinkertonothello dazu:
http://badisches-staatstheater-karlsruhe.blogspot.de/2012/05/heidi-melton-in-berlin-2.html
Donnerstag, 23. August 2012
Berenberg Kulturstädte-Rangliste
Karlsruhe belegt einen sehr guten Platz in der Gruppe der besten 10 bei der Kulturstädte-Studie der Berenberg Bank.
Hier die pdf-Datei der Berenberg Kulturstädte-Rangliste:
http://www.berenberg.de/fileadmin/assets/publikationen/Kulturstaedteranking/2012-08-02_Berenberg_HWWI_Kulturstaedteranking_2012.pdf
Hier ein Artikel bei Spiegel-Online zur Studie:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/stuttgart-gewinnt-platz-eins-im-ranking-der-kulturstaedte-in-deutschland-a-847936.html
Hier die pdf-Datei der Berenberg Kulturstädte-Rangliste:
http://www.berenberg.de/fileadmin/assets/publikationen/Kulturstaedteranking/2012-08-02_Berenberg_HWWI_Kulturstaedteranking_2012.pdf
Hier ein Artikel bei Spiegel-Online zur Studie:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/stuttgart-gewinnt-platz-eins-im-ranking-der-kulturstaedte-in-deutschland-a-847936.html
Mittwoch, 22. August 2012
Wolfgang Rihm beim Luzern Festival
"In Luzern ist «Nähe fern», eine sinfonische Reflexion Wolfgang Rihms über die vier Sinfonien von Johannes Brahms, uraufgeführt worden."
Die Neue Zürcher Zeitung berichtet darüber hier:
http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/buehne_konzert/rihm-und-brahms-im-abendlicht-1.17506261
und wartet mit einem interessanten Satz auf:
"Und eben ist ein Buch erschienen, das mit seinem Untertitel «Wolfgang Rihm und die Schweiz» fast den Eindruck erweckt, der Komponist aus Karlsruhe sei einer der unsrigen (was er als bekennender Badenser ja auch ist)."
Wir sind also Schweizer ...
PS: Hallo liebes Badisches Staatstheater, früher war mehr Europa - wäre es nicht angebracht die Kooperation mit der Opera du Rhin in Straßburg wiederaufzunehmen bzw. den kulturellen Austausch mit der Schweiz und dem Elsass wieder zu verstärken?
Die Neue Zürcher Zeitung berichtet darüber hier:
http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/buehne_konzert/rihm-und-brahms-im-abendlicht-1.17506261
und wartet mit einem interessanten Satz auf:
"Und eben ist ein Buch erschienen, das mit seinem Untertitel «Wolfgang Rihm und die Schweiz» fast den Eindruck erweckt, der Komponist aus Karlsruhe sei einer der unsrigen (was er als bekennender Badenser ja auch ist)."
Wir sind also Schweizer ...
PS: Hallo liebes Badisches Staatstheater, früher war mehr Europa - wäre es nicht angebracht die Kooperation mit der Opera du Rhin in Straßburg wiederaufzunehmen bzw. den kulturellen Austausch mit der Schweiz und dem Elsass wieder zu verstärken?
Freitag, 20. Juli 2012
Rückblick: Die Spielzeit 2011/2012 des Badischen Staatsheaters
Eine Spielzeit bei der die Intendanz wechselt bedeutet einen Einschnitt und einen Aufbruch. Was bleibt in Karlsruhe vom ersten Jahr unter Peter Spuhler übrig? Begann 2011 ein Intermezzo oder eine Ära? Und wer wird Spuren hinterlassen in der Erinnerung und den Herzen des Publikums?
Donnerstag, 19. Juli 2012
Interview mit Peter Spuhler
Zum Spielzeitende hat der Mannheimer Morgen den Karlsruher Generalintendanten Peter Spuhler interviewt:
http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/nach-der-premiere-ist-vor-der-premiere-1.652693
http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/nach-der-premiere-ist-vor-der-premiere-1.652693
Mittwoch, 18. Juli 2012
Orchesterfest der Badischen Staatskapelle, 21.07.2012
Wegen diverser Nachfragen anbei ein kurzer Überblick über das Programm anlässlich des Jubiläums 350 Jahre Badische Staatskapelle am Samstag, 21.07.2012
Der Eintritt ist den ganzen Tag frei! Bei schlechtem Wetter findet alles im Haus statt.
OPEN-AIR-BÜHNE
15 Uhr: Eröffnung -Begrüßung durch den Generalintendanten und dem Orchestervorstand. Anschließend: Nachmittagskonzert "Geteilte Pulte": BADISCHE STAATSKAPELLE gemeinsam mit allen drei Schulorchestern des Helmholtz-Gymnasiums
18 Uhr: Bigband-Sound mit dem hauseigenen Blechbläserensemble BaSta Brass
19 Uhr: Klassik und Jazz mit dem Opera Swing Quartet
21 Uhr: Grußworte Staatssekretär Mentrup und Oberbürgermeister Fenrich
Abschlusskonzert mit Beethovens 9. Sinfonie (Heidi Melton, Ewa Wolak, Lance Ryan, Renatus Meszar, Justin Brown)
KLEINES HAUS
15.30 Uhr: Kinderkammerkonzert Vier Orchestermusiker auf Abwegen (ab 10 Jahren)
17 Uhr: Jazz mit dem Jazz-Quartett Reichel
18 Uhr Salut d'amour - Romantische Musik zwischen Konzertsaal und Salon
19 Uhr: Kammerkonzert mit der Kammersinfonie von Ermanno Wolf-Ferrari
STUDIO
16 Uhr: Kammerkonzert mit dem Streichquartett des Hofkapellmeisters Otto Dessoff
17 Uhr: Barockmusik auf historischen Instrumenten
18 Uhr: Kammerkonzert mit dem Streichquartett des Hofkapellmeisters Otto Dessoff
19 Uhr: Tango-Konzert mit Werken von Astor Piazzolla und José Bragato
UNTERES FOYER
16 Uhr: Rotes Sofa – Gespräche rund um die BADISCHE STAATSKAPELLE,
17 Uhr: Opern-Paraphrasen für Flöte / Oboe und Klavier
18 Uhr: Rotes Sofa
19 Uhr: Geigenduette
AUSSTELLUNG ZUR ORCHESTERGESCHICHTE
16.30 Uhr: Ausstellungsführung mit Dr. Joachim Draheim, Leiter der Ausstellung
17.30 Uhr: Ausstellungsführung mit Dr. Joachim Draheim, Leiter der Ausstellung
18.30 Uhr: Ausstellungsführung mit Dr. Joachim Draheim, Leiter der Ausstellung
TERRASSE / MITTLERES FOYER
16-18 Uhr: Instrumentenzoo mit Musikinstrumenten zum Anfassen und Ausprobieren
16 Uhr: Instrumentenvorstellung Harfe
16.30 Uhr: Instrumentenvorstellung und Kleinkonzert Blechbläser
17 Uhr: Instrumentenvorstellung und Kleinkonzert Streicher
17.30 Uhr: Instrumentenvorstellung und Kleinkonzert Holzbläser
18 Uhr: Tangos für Bassklarinette und Klavier
TERRASSE / *ERGOTTI
15-18 Uhr: Spiel- und Mal-Ecke des JUNGEN STAATSTHEATERS
15.30 Uhr: *Musikalisches Taschentheater 1 – 1. Workshop zu den Kinderkonzerten mit Pädagogen des JUNGEN STAATSTHEATERS (ohne Voranmeldung, 4+)
16-18 Uhr: Wir basteln Musikinstrumente – gemeinsam mit Orchestermusikern (4+)
16.30 Uhr: *Musikalisches Taschentheater 2 – 2. Workshop zu den Kinderkonzerten mit Pädagogen des JUNGEN STAATSTHEATERS (ohne Voranmeldung, 4+)
BÜHNENPFORTE MEIDINGERSTRASSE
16-19 Uhr: Halbstündlich Führungen durch den Orchesterbereich
Jeweils max. 25 Personen, mit Zählkarten, Ausgabe Infostand
UND AUSSERDEM
15-24 Uhr: Essen und Getränke im Außenbereich und im MITTLEREN FOYER
15-24 Uhr: Informationsstand mit Publikationen, CDs, Losverkauf und Kartenausgabe Führungen
Der Eintritt ist den ganzen Tag frei! Bei schlechtem Wetter findet alles im Haus statt.
OPEN-AIR-BÜHNE
15 Uhr: Eröffnung -Begrüßung durch den Generalintendanten und dem Orchestervorstand. Anschließend: Nachmittagskonzert "Geteilte Pulte": BADISCHE STAATSKAPELLE gemeinsam mit allen drei Schulorchestern des Helmholtz-Gymnasiums
18 Uhr: Bigband-Sound mit dem hauseigenen Blechbläserensemble BaSta Brass
19 Uhr: Klassik und Jazz mit dem Opera Swing Quartet
21 Uhr: Grußworte Staatssekretär Mentrup und Oberbürgermeister Fenrich
Abschlusskonzert mit Beethovens 9. Sinfonie (Heidi Melton, Ewa Wolak, Lance Ryan, Renatus Meszar, Justin Brown)
KLEINES HAUS
15.30 Uhr: Kinderkammerkonzert Vier Orchestermusiker auf Abwegen (ab 10 Jahren)
17 Uhr: Jazz mit dem Jazz-Quartett Reichel
18 Uhr Salut d'amour - Romantische Musik zwischen Konzertsaal und Salon
19 Uhr: Kammerkonzert mit der Kammersinfonie von Ermanno Wolf-Ferrari
STUDIO
16 Uhr: Kammerkonzert mit dem Streichquartett des Hofkapellmeisters Otto Dessoff
17 Uhr: Barockmusik auf historischen Instrumenten
18 Uhr: Kammerkonzert mit dem Streichquartett des Hofkapellmeisters Otto Dessoff
19 Uhr: Tango-Konzert mit Werken von Astor Piazzolla und José Bragato
UNTERES FOYER
16 Uhr: Rotes Sofa – Gespräche rund um die BADISCHE STAATSKAPELLE,
17 Uhr: Opern-Paraphrasen für Flöte / Oboe und Klavier
18 Uhr: Rotes Sofa
19 Uhr: Geigenduette
AUSSTELLUNG ZUR ORCHESTERGESCHICHTE
16.30 Uhr: Ausstellungsführung mit Dr. Joachim Draheim, Leiter der Ausstellung
17.30 Uhr: Ausstellungsführung mit Dr. Joachim Draheim, Leiter der Ausstellung
18.30 Uhr: Ausstellungsführung mit Dr. Joachim Draheim, Leiter der Ausstellung
TERRASSE / MITTLERES FOYER
16-18 Uhr: Instrumentenzoo mit Musikinstrumenten zum Anfassen und Ausprobieren
16 Uhr: Instrumentenvorstellung Harfe
16.30 Uhr: Instrumentenvorstellung und Kleinkonzert Blechbläser
17 Uhr: Instrumentenvorstellung und Kleinkonzert Streicher
17.30 Uhr: Instrumentenvorstellung und Kleinkonzert Holzbläser
18 Uhr: Tangos für Bassklarinette und Klavier
TERRASSE / *ERGOTTI
15-18 Uhr: Spiel- und Mal-Ecke des JUNGEN STAATSTHEATERS
15.30 Uhr: *Musikalisches Taschentheater 1 – 1. Workshop zu den Kinderkonzerten mit Pädagogen des JUNGEN STAATSTHEATERS (ohne Voranmeldung, 4+)
16-18 Uhr: Wir basteln Musikinstrumente – gemeinsam mit Orchestermusikern (4+)
16.30 Uhr: *Musikalisches Taschentheater 2 – 2. Workshop zu den Kinderkonzerten mit Pädagogen des JUNGEN STAATSTHEATERS (ohne Voranmeldung, 4+)
BÜHNENPFORTE MEIDINGERSTRASSE
16-19 Uhr: Halbstündlich Führungen durch den Orchesterbereich
Jeweils max. 25 Personen, mit Zählkarten, Ausgabe Infostand
UND AUSSERDEM
15-24 Uhr: Essen und Getränke im Außenbereich und im MITTLEREN FOYER
15-24 Uhr: Informationsstand mit Publikationen, CDs, Losverkauf und Kartenausgabe Führungen
Dienstag, 17. Juli 2012
8. Symphoniekonzert, 16.07.2012
Symphonien von Avner Dorman und Ludwig van Beethoven - das letzte Konzert der Spielzeit stellte weitgehend Unbekanntes neben sehr Vertrautes und wurde kontrovers diskutiert.
Avner Dorman komponierte 25-jährig zum Jahrtausendwechsel seine Millenium Symphonie. Die drei ersten der vier ineinanderfließenden Sätze handeln von Krieg, Angst und Trauer und basieren auf drei Gedichten jüdischer Autoren über Kriegserlebnisse; der letzte Satz ist abgeklärt optimistisch: eine leere Leinwand, die es noch zu füllen gilt. Das Stück kam beim Publikum sehr gut an: es ist geprägt durch eine abwechslungsreiche Klangvielfalt, dabei melodiös und bekömmlich, mit gemäßigt-modernem Gestus und doch: etwas stimmte nicht damit. Der Musik fehlte der doppelte Boden. Sie wirkte wie eine Bewerbungskomposition für Hollywood und erinnerte an intelligente, originelle und gekonnt komponierte Filmmusik. Doch damit schienen die Erwartungen der Zuhörer erfüllt: der anwesende Komponist erhielt herzlichen Applaus. Im Februar 2013 steht eine weitere Komposition Dormans auf dem Programm der Symphoniekonzerte, bei der er hoffentlich mehr Tiefgang zeigen kann.
Beethovens 9. Symphonie ist ein symphonisches Schwerstgewicht und Justin Brown dirigierte diesen Blauwal der Konzertliteratur für viele überraschend schwerfällig und in eher mittleren bis teilweise langsamen Tempi.
Es heißt ja, daß der technikbesessene Herbert von Karajan, der sehr gute Beziehungen zu Sony und Philips hatte, die beiden Konzerne in der Einführungszeit der CD so lange bedrängte, bis die CD-Kapazität auf 74 Minuten festgelegt wurde, damit Beethovens Neunte auf eine Scheibe passte. Dabei dachte man an die langsamste bekannte Version von Furtwängler. Der Zeitgeschmack hat sich geändert - heute benötigen viele Dirigenten deutlich weniger Zeit. Es gibt CD Einspielungen, die unter 60 Minuten liegen. Justin Brown war gestern mit knapp über 66 Minuten Gesamtdauer schneller als das einige empfanden und doch langsamer als viele wünschten. Besonders im 3. Satz, bei dem die Gefahr bei zu schnellem Spiel darin besteht, daß der wehmütige Charakter trostvoll klingt, zelebrierte Brown Otto Klemperer'sche Dimensionen, allerdings ohne dessen Intensität zu erreichen.
Es gab einige Unkonzentriertheiten bei den Instrumenten - musikalisch war der Abend nicht CD-reif. Und auch das Gesangsquartett bot Stoff zur Kontroverse. Stimmfarben und Stimmkombinationen sind auch immer Geschmackssache: die vier Sänger (Heidi Melton, Ewa Wolak, John Treleaven und Tobias Schabel) passten sehr gut zueinander. Ausgerechnet Melton patzte - und zwar bei beiden Konzerten. Schon viele Soprane scheiterten an dem nahezu unmenschlich-hohen Schlußton. Doch es ist nur etwas weniger als sechs Jahre her, daß Beethovens Neunte zuletzt in Karlsruhe aufgeführt wurde, und damals meisterte Barbara Dobrzanska souverän und klangschön diese Hürde. Es ist unverständlich, wieso das Badische Staatstheater Melton nicht durch Dobrzanska ersetzte, als sich die Probleme abzeichneten. Der Chor hingegen war sehr gut vorbereitet.
Es war im Publikum ein in hohem Maß kontrovers empfundener Beethoven-Abend mit Höhen und Tiefen, bei dem noch lange diskutiert wurde und der zeigte, wie groß und unterschiedlich die Erwartungshaltungen bei dieser Symphonie sind. Jenseits aller Erwartungen gab es aber auch genug Zuschauer, die die Musik genießen konnten und sich an Beethovens bezwingender Komposition erfreuten.
Am Samstag ist das große Orchesterfest zum 350. Gründungsjubiläum der Badischen Staatskapelle mit freiem Eintritt zu allen Musikveranstaltungen und einer Open-Air Aufführung Beethovens. Dann singt Lance Ryan den Tenorpart!
PS: Hallo liebes Staatstheater, könnt ihr nicht eine gelegentliche Hörgeräte-Beratung als Service ins Staatstheater holen? Zum wiederholten Mal in dieser Saison konzentrierten sich einige wenige gut hörende Besucher darauf, den Inhaber eines pfeifenden Hörgeräts in ihrer Umgebung aufzuspüren. Das Gerät pfeifte zum Glück nur dann, wenn das Orchester lauter wurde oder die Holzbläser größere Einsätze hatten. Der kontrastierende Ton war dennoch keine geeignete Reminiszenz an den schwerhörigen Beethoven ...
Avner Dorman komponierte 25-jährig zum Jahrtausendwechsel seine Millenium Symphonie. Die drei ersten der vier ineinanderfließenden Sätze handeln von Krieg, Angst und Trauer und basieren auf drei Gedichten jüdischer Autoren über Kriegserlebnisse; der letzte Satz ist abgeklärt optimistisch: eine leere Leinwand, die es noch zu füllen gilt. Das Stück kam beim Publikum sehr gut an: es ist geprägt durch eine abwechslungsreiche Klangvielfalt, dabei melodiös und bekömmlich, mit gemäßigt-modernem Gestus und doch: etwas stimmte nicht damit. Der Musik fehlte der doppelte Boden. Sie wirkte wie eine Bewerbungskomposition für Hollywood und erinnerte an intelligente, originelle und gekonnt komponierte Filmmusik. Doch damit schienen die Erwartungen der Zuhörer erfüllt: der anwesende Komponist erhielt herzlichen Applaus. Im Februar 2013 steht eine weitere Komposition Dormans auf dem Programm der Symphoniekonzerte, bei der er hoffentlich mehr Tiefgang zeigen kann.
Beethovens 9. Symphonie ist ein symphonisches Schwerstgewicht und Justin Brown dirigierte diesen Blauwal der Konzertliteratur für viele überraschend schwerfällig und in eher mittleren bis teilweise langsamen Tempi.
Es heißt ja, daß der technikbesessene Herbert von Karajan, der sehr gute Beziehungen zu Sony und Philips hatte, die beiden Konzerne in der Einführungszeit der CD so lange bedrängte, bis die CD-Kapazität auf 74 Minuten festgelegt wurde, damit Beethovens Neunte auf eine Scheibe passte. Dabei dachte man an die langsamste bekannte Version von Furtwängler. Der Zeitgeschmack hat sich geändert - heute benötigen viele Dirigenten deutlich weniger Zeit. Es gibt CD Einspielungen, die unter 60 Minuten liegen. Justin Brown war gestern mit knapp über 66 Minuten Gesamtdauer schneller als das einige empfanden und doch langsamer als viele wünschten. Besonders im 3. Satz, bei dem die Gefahr bei zu schnellem Spiel darin besteht, daß der wehmütige Charakter trostvoll klingt, zelebrierte Brown Otto Klemperer'sche Dimensionen, allerdings ohne dessen Intensität zu erreichen.
Es gab einige Unkonzentriertheiten bei den Instrumenten - musikalisch war der Abend nicht CD-reif. Und auch das Gesangsquartett bot Stoff zur Kontroverse. Stimmfarben und Stimmkombinationen sind auch immer Geschmackssache: die vier Sänger (Heidi Melton, Ewa Wolak, John Treleaven und Tobias Schabel) passten sehr gut zueinander. Ausgerechnet Melton patzte - und zwar bei beiden Konzerten. Schon viele Soprane scheiterten an dem nahezu unmenschlich-hohen Schlußton. Doch es ist nur etwas weniger als sechs Jahre her, daß Beethovens Neunte zuletzt in Karlsruhe aufgeführt wurde, und damals meisterte Barbara Dobrzanska souverän und klangschön diese Hürde. Es ist unverständlich, wieso das Badische Staatstheater Melton nicht durch Dobrzanska ersetzte, als sich die Probleme abzeichneten. Der Chor hingegen war sehr gut vorbereitet.
Es war im Publikum ein in hohem Maß kontrovers empfundener Beethoven-Abend mit Höhen und Tiefen, bei dem noch lange diskutiert wurde und der zeigte, wie groß und unterschiedlich die Erwartungshaltungen bei dieser Symphonie sind. Jenseits aller Erwartungen gab es aber auch genug Zuschauer, die die Musik genießen konnten und sich an Beethovens bezwingender Komposition erfreuten.
Am Samstag ist das große Orchesterfest zum 350. Gründungsjubiläum der Badischen Staatskapelle mit freiem Eintritt zu allen Musikveranstaltungen und einer Open-Air Aufführung Beethovens. Dann singt Lance Ryan den Tenorpart!
PS: Hallo liebes Staatstheater, könnt ihr nicht eine gelegentliche Hörgeräte-Beratung als Service ins Staatstheater holen? Zum wiederholten Mal in dieser Saison konzentrierten sich einige wenige gut hörende Besucher darauf, den Inhaber eines pfeifenden Hörgeräts in ihrer Umgebung aufzuspüren. Das Gerät pfeifte zum Glück nur dann, wenn das Orchester lauter wurde oder die Holzbläser größere Einsätze hatten. Der kontrastierende Ton war dennoch keine geeignete Reminiszenz an den schwerhörigen Beethoven ...
Donnerstag, 12. Juli 2012
Tüür - Wallenberg, 11.07.2012
Es gibt kein Ende der
Geschichte und auch die knapp 400-jährige Operngeschichte geht weiter.
Es ist die Aufgabe eines guten Opernhauses, gerade auch die eines
Staatstheaters, sich mit allen Epochen auseinanderzusetzen und moderne
Opern gehören wie Barockopern zu den festen Bestandteilen eines guten
und ausgewogenen Spielplans. In den letzten Jahren gab es in Karlsruhe
übrigens Opern wie Gottfried von Einems Dantons Tod (Uraufführung 1947), Bohuslav Martinůs Die griechische Passion (UA 1961), Sandor Szokolays Blutzhochzeit (UA 1964) und Benjamin Brittens Tod in Venedig (UA 1973) mit durchweg beachtlichem und großem Erfolg zu hören. Und auch Tüürs Wallenberg (UA 2001) sollte man sich als Opernliebhaber nicht entgehen lassen.
Sonntag, 8. Juli 2012
Festspielhaus Baden-Baden: Hans van Manen Gala, 07.07.2012
Viele Karlsruher Ballettfreunde konnte man gestern in Baden-Baden sichten bei einem Gala Abend für Hans van Manen, der dieser Tage seinen 80. Geburtstag feiert (*11.07.1932). Der niederländische Choreograph ist weltweit einer der wichtigsten Meister des neoklassizistischen Tanzes in der Nachfolge George Balanchines und war auch schon mehrfach in Karlsruhe zu Gast. Bereits bei ihrer ersten Premiere als Ballettdirektorin am Badischen Staatstheater im Oktober 2003 setzte Birgit Keil auf zwei seiner Choreographien (damals Andante und Bits and Bytes; 2006 folgten Concertante, Trois Gnossiens sowie Solo und 2010 Adagio: Hammerklavier).
Sonntag, 1. Juli 2012
Vorverkauf Theaterfest / Spielzeitcocktail des Badischen Staatstheaters
Falls es jemandem entgangen sein sollte: die Karten für den beliebten Spielzeitcocktail am Abend des Theaterfests am Samstag, 15.09.2012 sind bereits im freien Verkauf oder im Internet erhältlich!
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/spielplan/september/
oder genauer hier:
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/programm/info/1388/
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/spielplan/september/
oder genauer hier:
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/programm/info/1388/
Montag, 25. Juni 2012
Kammerkonzert Extra, 24.06.2012
Den Termin konnte man sich eigentlich nicht entgehen lassen: wenn GMD Justin Brown als Pianist zusammen mit den Konzertmeistern der Badischen Staatskapelle Janos Ecseghy (Violine) und Thomas Gieron (Violoncello) ein Kammerkonzert mit Werken zweier Komponisten mit ausgesprochen starkem Idiom spielen, ist Virtuosität und Spannung garantiert. Dazu kam der unübliche Termin am Abend, der auch denen den Besuch des Konzerts erlaubte, die den traditionellen Karlsruher Kammerkonzert-Termin sonntags um 11 Uhr morgens aus familiären Gründen nicht wahrnehmen können oder denen sonntags um 11 Uhr morgens einfach zu früh ist.
Mit Janáček und Schostakowitsch stand an diesem Abend Musik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dem Programm, die einen unverwechselbaren, stark emotionalen und leidenschaftlich-expressiven Charakter besitzt. Und es wurde ein Kammermusik-Abend, bei dem sich die Spielfreude und der Spaß der Musiker auf das Publikum übertrug und bei dem man staunend die virtuose Musikalität und Leidenschaft der Künstler bewundern musste.
Zu Beginn hörte man Dimitri Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 1 C-Dur op. 8, das Jugendwerk eines 17jährigen und 1923 entstanden. Es schwankt zwischen verschiedenen emotionalen Polen, die der Komponist aber stets zu verbinden wusste. Schostakowitsch ist hier noch nicht unverwechselbar, aber zeigt bereits frühreife Souveränität. Danach Leoš Janáčeks Pohádka (Märchen) für Violoncello und Klavier und Janáčeks Sonate für Violine und Klavier. Letztere entstand 1921 hörbar zeitgleich zur Oper Katja Kabanova. Der Höhepunkt des starken und rundum überzeugenden Konzerts war zum Abschluß Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 2 e-Moll op. 67 und dort besonders der vierte Satz (dort taucht das Motiv auf, das später auch im 8. Streichquartett und der daraus abgeleiteten Kammersinfonie für Streichorchester op. 110a verwendet wurde und das man im Karlsruher Ballett Momo aktuell beeindruckend getanzt sieht): die drei Musiker spielten mit soviel Leidenschaft und Feuer, daß man sich nicht hätte wundern dürfen, wenn ein Mitarbeiter des Brandschutzes sinnverwirrt auf die Bühne gestürzt wäre, um das akustische Feuerwerk zu löschen.
Das Publikum dankte mit Bravos und langem Applaus für einen wunderschönen und mitreißenden Kammermusik Abend.
PS: Im Publikum waren u.a. Heidi Melton, Renatus Meszar und John Parr. Auch Intendant Peter Spuhler wurde nach der Pause gesichtet.
Mit Janáček und Schostakowitsch stand an diesem Abend Musik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dem Programm, die einen unverwechselbaren, stark emotionalen und leidenschaftlich-expressiven Charakter besitzt. Und es wurde ein Kammermusik-Abend, bei dem sich die Spielfreude und der Spaß der Musiker auf das Publikum übertrug und bei dem man staunend die virtuose Musikalität und Leidenschaft der Künstler bewundern musste.
Zu Beginn hörte man Dimitri Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 1 C-Dur op. 8, das Jugendwerk eines 17jährigen und 1923 entstanden. Es schwankt zwischen verschiedenen emotionalen Polen, die der Komponist aber stets zu verbinden wusste. Schostakowitsch ist hier noch nicht unverwechselbar, aber zeigt bereits frühreife Souveränität. Danach Leoš Janáčeks Pohádka (Märchen) für Violoncello und Klavier und Janáčeks Sonate für Violine und Klavier. Letztere entstand 1921 hörbar zeitgleich zur Oper Katja Kabanova. Der Höhepunkt des starken und rundum überzeugenden Konzerts war zum Abschluß Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 2 e-Moll op. 67 und dort besonders der vierte Satz (dort taucht das Motiv auf, das später auch im 8. Streichquartett und der daraus abgeleiteten Kammersinfonie für Streichorchester op. 110a verwendet wurde und das man im Karlsruher Ballett Momo aktuell beeindruckend getanzt sieht): die drei Musiker spielten mit soviel Leidenschaft und Feuer, daß man sich nicht hätte wundern dürfen, wenn ein Mitarbeiter des Brandschutzes sinnverwirrt auf die Bühne gestürzt wäre, um das akustische Feuerwerk zu löschen.
Das Publikum dankte mit Bravos und langem Applaus für einen wunderschönen und mitreißenden Kammermusik Abend.
PS: Im Publikum waren u.a. Heidi Melton, Renatus Meszar und John Parr. Auch Intendant Peter Spuhler wurde nach der Pause gesichtet.
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