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Freitag, 5. Mai 2023

Vorschau auf die Spielzeit 2023/2024

Das Jahr der lahmen Enten
Ein wenig scheint es ja, als ob man am Badischen Staatstheater Angst vor seinem Publikum hat. Abonnenten müssen bis Ende Mai für die kommende Spielzeit kündigen, eine Monat Bedenkzeit oder mehr hatte man früher. Nun zögert man es heraus, die kommende Spielzeit bekannt zu geben, als ob weniger Frist die Enttäuschten und Unentschlossenen eher vom Abwägen abhalten. Eine sehr langweilige Spielzeit nähert sich dem Ende, das letzte Jahr der Übergangsintendanz steht bevor, 2024 wird mit dem neuen Intendanten ein echter Neustart erhofft, der das Badische Staatstheater aus dem grauen Tal des Mittelmaßes führen soll. Die Luft ist raus, und viele werden für die kommende Spielzeit erhofft haben, daß nichts mehr unter Wert auf die Bühne kommt, an was man lieber Ansprüche stellen will und Oper und Schauspiel keine Lieblingsstücke verbrennen, auf die man dann wieder Jahre warten muß. Jahrzehntelang freute sich der Autor dieses Tagebuchs auf die Ankündigung der kommenden Saison und verband damit die Vorfreude auf spannende Produktionen. Dieser Anspruch wurde stetig gesenkt, inzwischen meiden viele frühere regelmäßige Besucher das Badische Staatstheater und warten lieber ab, welche Produktion nicht enttäuschen könnten. Die wahren Enthusiasten unter den Zuschauern sind auch in der gefühlten 2. Liga treu geblieben, aber die Erwartungshaltung, es werde schon nicht noch trüber werden, hat den Blick in die falsche Richtung gewendet. Die Anspruchshaltung ist bei vielen im Keller, und da gehört sie nicht hin. Nun denn, in einem Jahr freut man sich auf 2024/25, bis dahin wird man sich mit folgenden Produktionen begnügen müssen:

Dienstag, 20. September 2022

1. Symphoniekonzert, 19.09.2022

Pfade in die Natur und Wege ins Paradies
Gustav Mahler (*1860 †1911) und Jean Sibelius (*1865 †1957) waren Zeitgenossen, 1907 lernten sich beide anläßlich einer Konzertreise Mahlers nach Finnland kennen. Mahler starb zu früh, Sibelius verstummte zu früh und komponierte die letzten 25 Jahre seines Lebens kein weiteres Stück. Gestern erklangen zwei Werke, die im Abstand weniger Jahre entstanden, und ganz unterschiedliche Wege begehen: Sibelius' Violinkonzert (UA1904) und Mahlers 4. Symphonie (UA 1901).

Freitag, 6. Mai 2022

Vorschau auf die Spielzeit 2022/2023

Jetzt gilt's! Und doch auch wieder nicht ...
Epidemiebedingt verdämmerte zwar das Theater für viele Zuschauer, doch muß man am Badischen Staatstheater darauf achten, daß Corona und vom früheren Intendanten verursachte Hausprobleme nicht als Vorwand für weitere Stagnation und gepflegte Langeweile herhalten dürfen. Es ist Zeit für das Badische Staatstheater, Klartext zu reden, sich selbst in Frage zu stellen und sich von alten Zöpfen zu trennen. Das Haus braucht eine neue Ausrichtung, neues künstlerisches Personal, neue Ideen. Der Neustart steht erst 2024 bevor, im Herbst will der Verwaltungsrat bereits über den neuen künstlerischen Intendanten entscheiden, der dann genug Zeit für die Planungen hat. Niemand weiß, wie sich die Infektionslage auf den kommenden Herbst/Winter auswirkt, doch für Intendant Peters beginnt nun die erste von zwei Spielzeiten, in denen er auch seine Handschrift zeigen kann und in denen er mit den bestehenden Möglichkeiten das Publikum zurückholen und wieder ans Haus binden will. Mit der kommenden Spielzeit ist die Übergangsphase nach Abgang des letzten Intendanten beendet, man kann wieder Erwartungen haben und Ansprüche stellen, obwohl der richtige und erforderliche Neustart erst 2024 erfolgen wird. Was darf man als Zuschauer von den nächsten zwei Jahren überhaupt noch erhoffen? Die heutige Vorstellung der Saison 2022/23 ist teilweise ernüchternd.

Dienstag, 29. September 2020

1. Symphoniekonzert, 28.09.2020

Kultur ist Glücksversprechen
Nach 204 Tagen ohne Theaterbesuch endete für den Verfasser dieses Blogs gestern die längste staatstheaterfreie Periode seit über drei Jahrzehnten und die Vorfreude auf das Orchester, den neuen GMD und Beethoven hatte sich gebirgig aufgetürmt. Das Glücksversprechen wurde eingelöst. Georg Fritzsch ist aktuell der Hoffnungsträger am Badischen Staatstheater, er steht für das, was Intendant Spuhler dem Publikum und den Mitarbeitern des Badischen Staatstheaters verweigert: einen unbelasteten Neuanfang. Fritzsch ist nicht wie andere Spartenleiter in den letzten Jahren gezwungen, wegzuschauen, zu ignorieren oder zu relativieren oder lieber zu gehen, als den Windmühlenkampf gegen ahnungslose Politiker und selbstherrliches Führungspersonal aufzunehmen. Fritzsch kann sagen, was ist, er muß sich nicht in die Schweigespirale einfügen. Er wird auch daran gemessen werden.

Donnerstag, 28. Mai 2020

Vorschau (1): Symphoniekonzerte 2020/2021

Wunsch ohne Wirklichkeit (1)
16 Jahre war Georg Fritzsch als GMD in Kiel erfolgreich, die Badische Staatskapelle hat ihn mit überragend deutlicher Zustimmung gewählt und der Generalintendant konnte oder wollte anscheinend nicht erneut gegen das Orchester einen Kandidaten verhindern (Frank Beermann hätte sonst 2019 den Posten übernommen). Sympathiepunkte gewann Karlsruhes neuer GMD, als er in der Pressekonferenz zum Amtsantritt ausdrücklich auf Gegenkurs zu Generalintendant Peter Spuhler ging und ihm eine Absage an "DDR"-Romantik, ideologisches Gesinnungs- und Erziehungstheater und die damit verbundenen diskriminierenden Ab- und Ausgrenzungen erteilte: „Für mich persönlich, hinter der Mauer geborenen und aufgewachsen, ist die Annäherung an Karlsruhe zudem ein Ankommen in der Stadt, in der die Hüter unserer Verfassung, die Sachwalter von menschlicher Würde und persönlicher Freiheit, der Freiheit des Wortes wie von jedweder, auch künstlerischer, Äußerung ihren Sitz haben“, so Fritzsch.
Geplant sind für die Spielzeit 2020/21 die üblichen 8 Symphonie- und 5 aufgewertete Sonderkonzerte. Ob die Wirklichkeit das Wunschprogramm zuläßt, bleibt abzuwarten. Sollte sich die Virus-Epidemie in Wohlgefallen auflösen, gibt es einiges auf das man sich Freuen kann. Und auch Justin Browns Abschied wird nachgeholt: Im 5. Symphoniekonzert wird Brown mit Mozarts 24. Klavierkonzert als Pianist auftreten und Beethovens Eroica dirigieren.

Dienstag, 3. März 2020

5. Symphoniekonzert, 02.03.2020

Ein lineare Komposition zwischen zwei zirkulären Werken - das 5. Symphoniekonzert hatte einen geometrischen roten Faden und eine lineare Entwicklung von strahlendem Sonnenschein über emotionalen Ernst zu wolkenverhangener Depression.

Freitag, 31. Mai 2019

Vorschau 2019/2020 (4): Symphoniekonzerte

Justin Brown dirigiert Beethovens 9. Symphonie zu seinem Abschied im Sommer 2020. Die Sonderkonzerte kommen ohne Gastorchester aus, das SWR Symphonieorchester mit Teodor Currentzis kommt auch in der kommenden Saison nicht nach Karlsruhe. Die Kammerkonzerte sind noch nicht veröffentlicht, das Symphoniekonzert- & Sonderkonzertprogramm liegt nun vor:

Freitag, 17. Mai 2019

Dienstag, 14. Mai 2019

7. Symphoniekonzert, 13.05.2019

Zwischen Berg und Schuberts Gipfel mußte das Publikum gestern erst durch ein Tal mit fahlem Engel gehen, um sprichwörtlich gewordene "himmlische Längen" zu erleben.

Sonntag, 17. Dezember 2017

Konzert des SWR Symphonieorchester, 16.12.2017

Auf die mäßig besuchte Operettenpremiere der Lustigen Nibelungen folgte gestern ein ausverkauftes Konzert, das dem Karlsruher Publikum mit Schlagzeuger Martin Grubinger einen prominenten Rückkehrer bescherte. Nach der protestreichen Zerschlagung des renommierten SWR Symphonieorchesters Baden-Baden und Freiburg und der staatlichen Zwangsfusion mit den Stuttgarter Kollegen, nennt sich das Neugebilde SWR Symphonieorchester und gab gestern sein erstes Konzert am Badischen Staatstheater. Das Programm war nicht nur auf dem Papier publikumswirksam: es gab mal wieder ein nordisches Konzert mit finnisch-estnischer Musik.

Dienstag, 28. November 2017

3. Symphoniekonzert, 27.11.2017

Sowjetische Filmmusik, Konzertmusik eines amerikanischen Filmkomponisten und sowjetische Propagandamusik - die Musik im 3. Symphoniekonzert stammte exemplarisch aus dem 20. Jahrhundert. Die Badische Staatskapelle präsentierte sich in großartiger Form, nur der Dirigent war viel zu jung, um bereits so lahm zu sein.

Dienstag, 19. September 2017

Montag, 15. Mai 2017

Vorschau (2): Symphoniekonzerte 2017/2018

Justin Brown verabschiedet sich 2018 mit Mozart (als Pianist) und Bruckner. Und das zwangsfusionierte SWR Symphonieorchester besucht Karlsruhe. Im einzelnen:

Dienstag, 27. Oktober 2015

2. Symphoniekonzert, 26.10.2015

Geheimnisvoll und rätselhaft ist die Aura um die Unvollendete, die 1822 unterbrochene Symphonie in h-moll von Franz Schubert, wie der Soundtrack zu einer Erzählung der Romantik. Ein düsterer Beginn und dramatische Steigerungen, dazwischen singende Oboen und Klarinetten (es wird mal wieder Zeit für Schuberts große C-Dur Symphonie im Konzertprogramm!) - vom ersten Takt gelingt Justin Brown eine atmosphärisch dichte und spannende Interpretation.

Donnerstag, 24. September 2015

Symphoniekonzerte 2015/16

Ungewöhnlich spät hat man diesmal erst alle Programmpunkte zusammen, bis zuletzt hat man die Zusammenstellung geändert. Und das obwohl man sich einen "Orchesterdirektor" und einen "Stellvertretenden Orchesterdirektor" leistet. 2014/15 war ein Ruhmesblatt für Justin Brown und die Badische Staatskapelle, in der kommenden Spielzeit wird man wieder etwas traditioneller:

Dienstag, 1. September 2015

Die kommende Spielzeit 2015/16 im Überblick

Im fünften Jahr seiner Intendanz gibt Peter Spuhler dem Publikum folgendes Rätsel auf: "Für mich ist das vorliegende Programm mit zahlreichen Herzensprojekten das schönste der Jahre, die ich bisher in und für Karlsruhe verantworten durfte." Über diese Herzensprojekte kann man thematisch und programmatisch rätseln. Tatsächlich gibt es einige Umstellungen zu beobachten:               

Sonntag, 1. Juni 2014

Ballett Gala, 31.05.2014

Das war nun mal wirklich ein Höhepunkt und festlicher Abschluss der 8.Karlsruher Ballettwoche! Wer nicht dabei war, hat was verpasst! Hochkarätige Gäste und so viele besondere Momente, daß man kaum weiß, wie man alle Eindrücke überhaupt angemessen zusammenfassen soll! An einem starken Abend den beeindruckendsten Auftritt hatten Lucia Lacarra und Marlon Dino vom Bayerischen Staatsballett. Es kam Perfektion schon sehr nahe, wie die beiden die Gesetze der Schwerkraft und Physis ignorierten und zu Rachmaninows Préludes die Zeit stehen ließen. Erst staunend, dann begeistert: das Publikum feierte die beiden lang und ausgiebig. (Einen extra Applaus verdiente sich die Pianistin des Abends: Angela Yoffe).

Zwei sehr gut aufeinander abgestimmte Tanzpaare waren zu sehen: Catherine Franco und Denis Piza vom Ballett der Staatsoper Hannover harmonierten wie bereits in Sissi beeindruckend miteinander (auch hier wieder u.a. zu Gustav Mahler, und zwar dem Urlicht aus der 2.Symphonie, schön gesungen von Stefanie Schaefer); Krasina Pavlova und Arshak Ghalumyan vom Staatsballett Berlin zeigten zwei interessante Paarstudien: zuerst ein getanzter Dipolmoment, dann Leidenschaft in sich umkreisender Halbdistanz.

Interessant war der Vergleich der beiden Choreographen Kenneth MacMillan und John Cranko, die mit emotional vergleichbaren Szenen hintereinander gezeigt wurden. Beide haben ja einen sehr ähnlichen Zugang zu Prokofievs Ballett Romeo und Julia (mehr hier) und MacMillan gilt eher als britisch distanziert, aber sein Pas des deux aus Winter Dreams, den Marianela Núñez und Thiago Soares vom Royal Ballet in London tanzten, wirkte auf eine altmodische Weise überdramatisiert und teilweise auf eine unfreiwillig komische Weise pathetisch. Crankos Choreographie aus Onegin (mehr hier), aus dem die Schlußszene von den beiden langjährigen Stars Maria Eichwald und Filip Barankiewicz vom Stuttgarter Ballett präsentiert wurde, wirkte dagegen deutlich geschmackvoller und aktuell zeitloser.

Eric Gauthier ließ sich zur Musik von Kate Bush zu einer kleinteilig-bewegungsreichen und gehetzten Choreographie inspirieren, während Thiago Bordin vom Hamburg Ballett Lebensfreude zu Cello-Musik versprühte. Ein Extra-Bravo geht an den Cellisten der Badischen Staatskapelle Johann Ludwig, der auf der Bühne sitzend mit seinem souveränen Spiel dem Hamburger Tänzer fast ein wenig die Schau stahl.

Das Badische Staatsballett präsentierte zu Beginn den Walzer aus Dornröschen und dann drei weitere Choreographien, darunter zwei Uraufführungen. Eine erschuf Ensemblemitglied Reginaldo Oliveira, der unlängst mit Der Fall M. (mehr hier) im Rahmen des Ballettabends Mythos einen großen Publikumserfolg feierte und dabei ist, sich als "Hauschoreograph" zu etablieren. Sein neues Ballett Attacke ist ein klaustrophobisches Stück, bei dem vier Tänzer vor ungewissen Bedrohungen flüchten: angstvoll und unheilvoll und mit einem visuellen und akustischen Showdown. Oliveira bekam zweifach viel Applaus und Jubel, denn  auch ein bereits bekanntes Publikumslieblingsstück wurde getanzt: Arman Aslizadyan und Reginaldo Oliveira zeigten ihr inzwischen beliebtes und bekanntes Two 4 One mit Tänzer-vervielfachendem Live- Kameramitschnitt.
Zum Abschluß des Abends standen dann 32 Tänzer des Staatsballetts auf der Bühne. Thiago Bordin, der also nicht nur ein Solo tanzte, kreierte auf Musik aus Jean Sibelius' 2. Symphonie ein neues Stück mit viel Humor und großen Ensemble-Szenen.

Die Badische Staatskapelle unter der Leitung von Steven Moore und Justus Thorau trug mit packend gespieltem Max Richter, Tschaikowsky, Glasunow, Mahler, Sibelius und Schostakowitsch viel zum großartigen Eindruck des Abends bei und manch einer wird sich nun das eine oder andere Stück im Symphoniekonzert wünschen.

Fazit: Viel Jubel im Publikum. Birgit Keil schafft es ein ums andere mal, ihr Publikum zu begeistern und mit der sensationellen Freigabe von John Crankos Choreographie zu Der Widerspenstigen Zähmung in der kommenden Saison ist man endgültig im Balletthimmel angekommen. Glückwunsch an Birgit Keil für Ihre großartige Aufbauarbeit und alle Tänzer und Beteiligten des Badischen Staatsballett!

Zusammenfassung der Programmpunkte

Lucia Lacarra und Marlon Dino vom Bayerischen Staatsballett
THREE PRELUDES
Musik Sergej Rachmaninow
Choreografie Ben Stevenson
Klavier Angela Yoffe

Maria Eichwald und Filip Barankiewicz vom Stuttgarter Ballett
HOMMAGE À BOLSCHOI
Musik Alexander Glasunow
Choreografie John Cranko

PAS DE DEUX
aus Onegin (III. Akt)
Musik Peter I. Tschaikowski (eingerichtet von Kurt-Heinz Stolze)
Choreografie John Cranko

Krasina Pavlova und Arshak Ghalumyan vom Staatsballett Berlin
HEUTE IST DAS GESTERN VON MORGEN
Musik Max Richter
Choreografie Raimondo Rebeck

TRANSPARENTE
Musik Arshak Ghalumyan feat. Mariza
Choreografie Roland Savkovic

Catherine Franco und Denis Piza vom Ballett der Staatsoper Hannover
INFERNO
Musik Lisa Gerrard & Andrew Claxton
Choreografie Jörg Mannes

URLICHT
Musik Gustav Mahler
Choreografie Jörg Mannes
Mezzosopran Stefanie Schaefer

Marianela Núñez und Thiago Soares vom Royal Ballet in London
WINTER DREAMS PAS DE DEUX
Musik Peter I. Tschaikowski
Choreografie Kenneth MacMillan
Klavier Angela Yoffe

Thiago Bordin vom Hamburg Ballett
,
PRAMIM
Musik Alexander Tscherepnin, Johann Sebastian Bach
Choreografie Jörg Mannes
Thiago Bordin, Hamburg Ballett
Violoncello Johann Ludwig

Eric Gauthier, Leiter der am Theaterhaus Stuttgart beheimateten Compagnie GauthierDance
I FOUND A FOX
Musik Kate Bush
Choreografie Marco Goecke

Badisches Staatsballett
ATTACKE
URAUFFÜHRUNG
Musik Dmitri Schostakowitsch
Choreografie Reginaldo Oliveira
Bruna Andrade, Larissa Mota, Kt. Flavio Salamanka, Ed Louzardo, STAATSBALLETT KARLSRUHE

TWO 4 ONE
Musik Starkey
Choreografie Arman Aslizadyan & Reginaldo Oliveira
Arman Aslizadyan & Reginaldo Oliveira, STAATSBALLETT KARLSRUHE

SIBELIUS FÜR B.
URAUFFÜHRUNG
Musik Jean Sibelius
Choreografie: Thiago Bordin

Sowie dem WALZER aus dem 1.Akt von Dornröschen

Freitag, 16. Mai 2014

Vorschau: Symphoniekonzerte 2014/15


Eine schöne Zusammenstellung: Beliebtes und Unbekanntes, mehrere deutsche Erstaufführungen und Ungehörtes (Stücke von Weinberg und Vivian Fung).

1. SYMPHONIEKONZERT

Carl Nielsen - Ouvertüre zur Oper „Maskerade”
Jesper Koch - Dreamscapes / Konzert für Violoncello und Orchester (DT. ERSTAUFFÜHRUNG)
Gustav Mahler - Symphonie Nr. 1 D-Dur

Michaela Fukačová - Violoncello
Justin Brown - Dirigent
28.9.14  & 29.9.14 


2. SYMPHONIEKONZERT
Vivian Fung - Dust Devils
Mieczysław Weinberg - Violinkonzert g-Moll op. 67 (DT. ERSTAUFFÜHRUNG)
Modest Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Orchestrierung Maurice Ravel)

Linus Roth - Violine
Mei-Ann Chen - Dirigentin
2.11.14  & 3.11.14 


3. SYMPHONIEKONZERT
Viktor Ullmann - Don Quixote tanzt Fandango
Thomas Larcher - Konzert für Violine, Violoncello und Orchester (DT. ERSTAUFFÜHRUNG)
Richard Strauss - Ein Heldenleben op. 40

Viktoria Mullova - Violine
Matthew Barley - Violoncello
Justin Brown - Dirigent
23.11.14  & 24.11.14 


4. SYMPHONIEKONZERT
Anton Bruckner - Symphonie Nr. 8 c-Moll
Justin Brown - Dirigent
1.2.15  & 2.2.15 


5. SYMPHONIEKONZERT
Stadtjubiläum 300 Jahre Karlsruhe
Joseph Haydn - Symphonie Nr. 94 G-Dur „Mit dem Paukenschlag“
Wolfgang Amadeus Mozart - Klavierkonzert Nr. 14 Es-Dur KV 449
Wolfgang Rihm - Capriccio für Klavier und Orchester (URAUFFÜHRUNG, AUFTRAGSWERK DER STADT KARLSRUHE)
Wolfgang Rihm - Über die Linie VIII (URAUFFÜHRUNG, AUFTRAGSWERK DER STADT KARLSRUHE)

Justin Brown - Klavier & Dirigent
8.3.15  & 9.3.15 


6. SYMPHONIEKONZERT
Edward Elgar - Enigma Variationen op. 36
Thomas Adès - Konzert für Violine und Orchester „Concentric Paths“
Ralph Vaughan Williams - Symphonie Nr. 5 D-Dur

Augustin Hadelich - Violine
Justin Brown - Dirigent
12.4.15  & 13.4.15 


7. SYMPHONIEKONZERT
Robert Schumann - Konzertstück für vier Hörner und Orchester op. 86
Felix Mendelssohn Bartholdy - Symphonie Nr. 2 B-Dur „Lobgesang“ op. 52

Dominik Zinsstag, Frank Bechtel, Jörg Dusemund & Peter Bühl - Horn
Ks. Ina Schlingensiepen - Sopran
Stefanie Schaefer-  Mezzosopran
Ks. Klaus Schneider - Tenor
Chor & Extrachor
Ulrich Wagner - Choreinstudierung
Johannes Willig - Dirigent
3.5.15  & 4.5.15 


8. SYMPHONIEKONZERT
Bedřich Smetana - Ouvertüre zu „Die verkaufte Braut”
Miroslav Srnka - Konzert für Klavier und Orchester (DT. ERSTAUFFÜHRUNG)
Hector Berlioz - Symphonie fantastique

Nicolas Hodges - Klavier
Cornelius Meister - Dirigent
19.7.15  & 20.7.15 


Besondere Aufmerksamkeit verdienen auch:

2. SONDERKONZERT

Ludwig van Beethoven - Violinkonzert D-Dur op. 61
Jean Sibelius - Symphony Nr. 2 D-Dur op. 43

Patricia Kopatchinskaja - Violine
Sir Roger Norrington - Dirigent
RSO STUTTGART DES SWR
18.1.15

KONZERT DES BUNDESPRÄSIDENTEN
Orchester des Helmholtz-Gymnasiums Karlsruhe (Hans-Jochen Stiefel - Leitung)
Badische Staatskapelle
Justin Brown - Dirigent
23.6.15 20.00


PS: Hallo liebes Badisches Staatstheater
,
Bruckners 8. Symphonie ist wirklich ein gigantisches Werk ("Die Krone der Symphonik", wie ein großer Dirigent sie einst bezeichnete). Nun hat Sergiu Celibidache tatsächlich knapp 100 Minuten dafür benötigt, aber bei Justin Brown könnte man vermuten, daß er eher eine Lesart wie bei Carl Schuricht bevorzugt und unter 80 Minuten bleibt. Sollte man dann nicht eine Pause und ein kleines Vorstück einbauen?

Dienstag, 22. Oktober 2013

2. Symphoniekonzert, 21.10.2013

Ein nordischer Abend mit Musik aus Russland, Finnland und dem Baltikum. Und gerade das Baltikum und Finnland haben in den letzten Jahrzehnten ungewöhnlich viele interessante Komponisten (die mehr Beachtung im Konzertbetrieb finden sollten) und Dirigenten hervorgebracht. Der Este Arvo Pärt (*1935) ist wahrscheinlich der bekannteste und erfolgreichste unter ihnen, aber auch Lepo Sumera (*1950 †2000) und Peteris Vasks (*1946), Eduard Tubin (*1905 †1982) und Eino Tamberg (*1930 †2010), die Finnen Einojuhani Rautavaara (*1928) und Aulis Sallinen (*1935) sowie namhafte und auf zahlreichen CDs erhältliche Dirigenten wie Maris Jansons, Neeme Järvi, Paavo Järvi, Osmo Vänskä, Jukka-Pekka Saraste und Esa-Pekka Salonen sprechen für den baltisch-finnischen Musikerruhm. Arvo Pärts einleitende zwei Kurzstücke Arbos für je vier Trompeten und Posaunen, Pauke und Schlagzeug sowie Cantus in Memoriam Benjamin Britten für Streicher und Glocken sind kurzweilige, effektvolle und interessante Kompositionen, die auch gestern unmittelbar auf das Publikum wirkten und zu Beginn starken Applaus bekamen.

Es folgte Sergej Prokofievs 1931 komponiertes 4. Klavierkonzert für die linke Hand, das -wie einige andere Werke namhafter Komponisten- für den einarmigen, im 1. Weltkrieg versehrten Pianisten Paul Wittgenstein komponiert wurde. Dem allerdings gefiel dieses Werk nicht und so erlebte es erst nach Prokofievs Tod seine Uraufführung im Jahr 1956.
Gestern hatte man als Pianisten einen großen Namen gewonnen: Leon Fleisher (*1928), dessen Einspielungen bspw. der Konzerte von Brahms und Beethoven vor 50 Jahren noch heute als mustergültige Interpretationen zu erhalten sind. Fleisher erkrankte kurz darauf und konnte seine rechte Hand über Jahrzehnte nicht mehr benutzen. Er eignete sich das Repertoire der Konzerte für die linke Hand an und gab Unterricht. Aufgrund neuer Behandlungsmöglichkeiten in den späten 1990ern kann er inzwischen wieder beidhändig spielen, doch wählte er gestern im Konzert mit seinem Schüler Justin Brown das selten zu hörende Konzert von Prokofiev, das im Schatten der großen Klavierkonzerte Nr. 2 und 3 steht. Mit Fleisher spielte also gestern ein 85jähriger Pianist - und auch an ihm sind die Spuren der Zeit nicht vorbeigegangen und hinterließen hörbare Spuren. Das virtuose Prokfiev-Konzert meisterte er für sein Alter bewunderungswürdig, doch im Ausdruck ging etwas Entscheidendes verloren; es mangelte seinem etwas zu nuancenarmen Spiel an Deutlichkeit und Dynamik. Nach einem in fast schon typisch Prokofiev'scher Manier humorvoll und beredt vorwärtsdrängendem ersten Satz, den Fleisher zu wenig eloquent spielte, folgte der mit Abstand längste Satz des Konzerts. In diesem Andante und dem folgenden Moderato zeigte vor allem das Orchester atmosphärische Dichte, Fleishers Klavierklang blieb etwas zu eintönig und zurückhaltend . Mit einem sehr kurzen Vivace endet das Konzert lebhaft wie es begann. Obwohl es hörbar keine große Interpretation war, belohnte das warmherzige Publikum den Pianisten verdientermaßen mit besonders viel Applaus.

Bemerkenswert wurde es nach der Pause! Ist Sibelius' Musik spröde? Vielleicht, doch Justin Brown dirigierte ein Plädoyer für den finnischen Komponisten, und zwar nicht mit den beliebten heroischen Symphonien Nr. 2 und 5, sondern mit den beiden selten gespielten letzten Symphonien. Die viersätzige 6. Symphonie hat einen eher undramatischen und lyrischen Charakter: eine reine Idylle, wie das schon nach der Premiere 1923 festgestellt wurde. Die kurze einsätzige 7. Symphonie erlebte 1924 ihre Premiere und ergänzt die 6. mit konzentrierter Ökonomie und Tiefsinn. Jenseits aller Klassifizierung erklangen die beiden Werke bei Brown spannend, abwechslungs- und farbenreich und eröffneten wahrscheinlich nicht nur für mich neue Perspektiven auf diese selten zu hörenden Werke.

Fazit: Ein geglücktes und schönes Konzert, in dem Orchester und Dirigent großes Format zeigten und das Publikum mit Pärt und Sibelius eine unerwartete Entdeckung machen konnte.

PS: Justin Brown bewies sich gestern als sehr Sibelius-affiner Dirigent. Hoffentlich leitet er zukünftig in Karlsruhe Aufführungen der 2. und 5. Symphonie.