Mittwoch, 4. November 2020

Patriarchendämmerung (29)

"Hängepartie muß beendet werden"
Oberbürgermeister Mentrup hat in der Angelegenheit um das Fehlverhalten von Intendant Peter Spuhler nicht nur eine schlechte Figur gemacht, sein Verhalten wurden von vielen als arrogant, von oben herab und unverschämt wahrgenommen - eher ein Anti-Sozialdemokrat, nicht wirklich wie ein SPD-Vertreter. Im Vorfeld der bevorstehenden Oberbürgermeisterwahl im Dezember 2020 hat er dadurch Boden verloren, denn niemand, dem das Badische Staatstheater und seine Mitarbeiter am Herzen liegen, kann guten Gewissens seine Stimme für ihn abgeben. Man kann eine Wahl zweifellos auch ohne Theatermitarbeiter, Theaterfreunde, deren Angehörige und Freunde gewinnen, allerdings scheint es um Mentrups Leumund schlechter zu stehen, als vor der letzten Wahl. Eine offene Flanke, in die auch andere OB-Kandidaten stoßen und sich gegen Mentrup und die weitere Herunterspuhlerung des Badischen Staatstheaters positionieren. "Nach den vielen Gesprächen, die ich geführt habe, bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß eine Lösung mit einer oder einem neuen Generalintendanten her muß", erklärt OB-Kandidatin  Petra Lorenz, "die jetzige Situation auch nach der Sommerpause ist untragbar". OB-Kandidat Sven Weigt positioniert sich ebenfalls für einen Neustart: "Nach den intensiven Gesprächen, die ich geführt habe und die mich eine große Verbundenheit aller Beteiligten mit dem Badischen Staatstheater spüren ließen, kann ich mir nicht vorstellen, wie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der jetzigen Generalintendanz in der Zukunft möglich sein soll." Wenn das Triumvirat aus Ministerin Bauer, OB Mentrup und Intendant Spuhler als rückständige Hoheiten eine Entscheidung gegen einen Neustart dem Theater aufzwingen wollen und damit das Wohl einzelner über das vieler stellt, wäre das eine demokratische Farce, die spalten statt versöhnen will.

Ein Aussitzen wird nicht funktionieren
Nichts bewegt sich erkennbar, allerdings deutet auch nichts an, daß Intendant Spuhler bleiben kann. Am heutigen Mittwoch 4.11. hätte der Verwaltungsrat tagen solle, um über die Situation am Badischen Staatstheater zu diskutieren und die Nachfolge von Intendant Peter Spuhler zu entscheiden. Aufgrund einer Landtagssitzung wurde der Termin auf den 30.11. verschoben. Das Badische Staatstheater erlebt eine Hängepartie, über die Ursachen kann man spekulieren. Eine weitere Zusammenarbeit mit Peter Spuhler ist der Öffentlichkeit nicht mehr zu vermitteln, die Gräben zwischen Theater und Intendant scheinen unüberbrückbar. Ministerin und OB können entweder Ignoranz und Arroganz zeigen oder müssen ein Konzept für einen Neustart ohne Peter Spuhler vorweisen. Die BNN berichten heute (und zwar hier), daß man teilweise versucht ohne Personalfrage strukturelle Vorstöße zu konzeptionieren, doch wieso soll ein Generalintendant, der kein Generalintendant mehr ist, im Amt bleiben oder den Titel Generalintendant tragen? Jede Lösung mit Spuhler ist Flickwerk, das nur kurz halten wird. Die BNN dazu: "Die zentrale Frage sei nicht, ob Peter Spuhler noch tatsächlich sechs Jahre lang Generalintendant bleibe, sondern wie sich eine Theaterstruktur finden lasse, in der die Belegschaft nicht davon abhängig sei, 'ob wir einen gnädigen Sonnengott haben oder einen ungnädigen'."

Politisch ist Spuhler nicht mehr vermittelbar. Sven Weigt erklärt (und zwar hier): "Die Verschiebung der angekündigten Verwaltungsratssitzung vom 4. auf den 30. November sorgt jetzt für weiteren großen Unmut. Sven Weigt fordert den Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters insgesamt, insbesondere aber den Oberbürgermeister als stellvertretenden Vorsitzenden, auf, in der Frage um den Verbleib von Intendant Spuhler am Badischen Staatstheater, schnell Klarheit zu schaffen. Die Verlegung der bereits terminierten Verwaltungsratssitzung ....haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht verdient."

OB-Kandidatin Petra Lorenz "setzt sich weiter für einen Wechsel an der Theaterspitze ein. Die Hängepartie müsse beendet werden und dürfe sich nicht noch Wochen hinziehen, dies sei kontraproduktiv und schadet den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowie dem Theater nachhaltig" (mehr hier). Es gab "Gespräche, u.a. mit dem Chorvorstand, dem Orchestervorstand und mit den Freunden des Staatstheaters Ende Oktober. Schon in einem Antwortschreiben des Ministeriums auf den offenen Brief der Fraktion im Sommer wurden deutliche Veränderungen im Badischen Staatstheater nach der Sommerpause versprochen, diese scheinen aber keine Auswirkung gezeigt zu haben. .... Schon seit den ersten Vorwürfen gegen den Generalintendanten und ersten Gesprächen setzte sich die Fraktion der Freien Wähler und der Wählergruppe FÜR Karlsruhe für eine Beurlaubung des Generalintendanten ein. Darüber hinaus darf laut der Fraktion die Sanierung des Staatstheaters nicht ideell an die Personalie Spuhler gebunden werden."

Zumindest bei der OB-Wahl können die Karlsruher ihren Frust über die Situation am Badischen Staatstheater konstruktiv durch eine Nichtwahl von Frank Mentrup bzw. eine Wahl anderer Kandidaten ausdrücken.

3 Kommentare:

  1. Verschiebung des Termins der Verwaltungsratssitzung auf den 30.11.2020. Eine Woche vor der OB-Wahl. Ein Schelm wer Böses dabei denkt. Aber Sitzung kommt vermutlich von aussitzen. Der Kandidat Mentrup verdient definitiv keine Wiederwahl.

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  2. Die Belegschaft hat das Vertrauen in die Theaterleitung und die Politiker verloren,die Verlängerung der Hängepartie ist eine Katastrophe. Auch das nicht versucht wird, Frau Braunger so zu stärken, daß sie bleiben würde, verschlimmert die angespannte Stimmung.

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  3. @Outis: Im Verwaltungsrat hat man Ministerin und OB agieren lassen, alle Parteien haben dort keine gute Figur gemacht. Allerdings hat man jetzt OB-Kandidaten von CDU, FDP und Freien Wählern, die sich gegen einen Verbleib Spuhlers positioniert haben. Wenn die Politiker im Verwaltungsrat ihren Parteifreunden, die als OB kandidieren, in den Rücken fallen und für den Status Quo optieren, weiß man, daß diese Politiker ihre Parteien nicht hinter sich haben, ihre OB-Kandidatur wäre dann kaum ernst zu nehmen. CDU, FDP und freie Wähler können also im Verwaltungsrat Spuhler nicht den Rücken stärken, und damit wird es ein Szenario geben müssen, indem etwas passieren muß, alles andere wäre Stagnation und eine politische Kapitulation

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