Sonntag, 22. Mai 2016

Verdi - Macbeth, 21.05.2016

Der gestrige Macbeth lohnte sich vor allem wegen des starken Auftritts von Bariton Seung-Gi Jung in der Titelrolle. Die viel kritisierte und viel geschmähte Karlsruher Inszenierung von Verdis Macbeth (mehr dazu auch hier und hier) bleibt eine Qual, sie ist in einem Maß szenisch mißlungen, daß man von einer Totalverhunzung sprechen kann, ein Verzicht auf Theatralik aus dem Geiste der Überforderung, manche Szenen wirken so hilflos, ja, man muß es leider auch offen aussprechen, so dilettantisch, daß man peinlich berührt wegschauen möchte. Wenn die Repertoire-Lage nicht so verzweifelt wäre, könnte man die Inszenierung einfach absetzen, aber das ist noch mal eine ganz andere, eklatante Problemzone, bei der die Intendanz der Karlsruher Oper ohne Not eine Abmagerungsdiät verschrieben hat, die an die Substanz gegangen ist.

Sängerisch stark, nunancenreich und ausdrucksvoll - Seung-Gi Jung bewies als Macbeth, wieso man sich in Karlsruhe glücklich schätzen kann, ihn im Ensemble zu haben - BRAVO! Was würde man am Badischen Staatstheater ohne Barbara Dobrzanska machen. Vorgestern sang sie die Micaëla in Bizets Carmen, 16 Stunden später mußte sie bereits wieder als Lady Macbeth auftreten. Gestern fehlte ihr ein wenig die (allerdings auch inszenatorisch nicht vorgesehene) rollentypische Verkrallung, doch mit ihrer Arie im letzten Akt lief sie dann wieder zu großer Form aus. Überzeugend auch Jesus Garcia als Macduff, dessen Arie er mit viel Herzblut sang. Wieso Renatus Meszar anstelle von Konstantin Gorny und Avtandil Kaspelli den Banquo singt, erschloß sich gestern nicht. Ein wenig klang die gestrige Vorstellung zu Beginn als hätten nicht alle genug Zeit zum Einsingen gehabt. Und auch Johannes Willigs Dirigat wirkte ein wenig saft- und kraftlos, Macbeth kann elektrisierender klingen. Dennoch viel Applaus und auch Bravo-Rufe und eine sehr gut besuchte Vorstellung trotz schönen Frühsommerwetters.

Kommentare:

  1. Lieber Honigsammler,
    der Regisseur hinterliess bereits bei Weinbergs Passagierin keinen guten Eindruck am Haus, der Erfolg der Oper hatte andere Gründe. Bei Macbeth wusste er nicht, was er wollte. Er wirkte in der Tat überfordert, die Proben waren für die Kollegen tlws. eine ärgerliche Zeit. Es bleibt zu hoffen, das er nicht mehr so schnell in Karlsruhe engagiert wird.

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  2. guten Morgen

    nur zur Info

    http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/kulturpolitik/820053_Drakonischer-Sanierungsplan-zur-Rettung-der-Arena-von-Verona.html?em_view

    Klaus

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