Dienstag, 26. April 2016

Zuschußkürzungen am Badischen Staatstheater

Tja, das Datum 26.04.2016 darf in dieser Chronologie nicht fehlen: immerhin sind es einschneidende finanzielle Kürzungen am Etat des Badischen Staatstheaters, die der Karlsruher Gemeinderat heute beschlossen hat: 10,8 Millionen Euro weniger in den Jahren 2017 bis 2022. Wenn man dann noch den geplanten Neubau und die Sanierung des Haupthauses betrachtet, kann man wohl von einem bevorstehenden Jahrzehnt der eingeschränkten Handlungsfähigkeit sprechen. Wer Optimismus zeigen will, kann seine Hoffnungen auf das Jahr 2030 setzen. Dann hat man ein neues und saniertes Theater in der Baumeisterstraße und hoffentlich ein neu aufblühendes Repertoire und wieder ein umfänglich arbeitendes Dreispartenhaus.

Sonntag, 24. April 2016

Anne Frank (Ballett), 23.04.2016

Viel Applaus gab es gestern nach der Premiere von Anne Frank von einem sehr wohlwollenden Publikum, es gab beeindruckende Leistungen, vor allem und erneut von der grandiosen Bruna Andrade in der Titelrolle. Und doch ..... einiges ist an dieser Ballettproduktion problematisch, teilweise ungeschickt, teilweise oberflächlich durch eine hollywoodeske Dramaturgie ohne innere Wahrhaftigkeit, die es dem Publikum leicht machen will und doch nur zeigt, daß die historische Distanz inzwischen so groß geworden ist, daß es kaum noch jemanden negativ auffällt, daß Tod und Grauen des Holocaust routiniert ästhetisiert werden können und sich Tänzerinnen im KZ vor dramatischem Wolkenhimmel bewegen. Die Choreographie hat keine Höhepunkte, sie bemüht sich erfolglos darum, der Geschichte  jenseits der Chronistenpflicht bemerkenswerte Konturen zu geben. Unappetitlicher Tiefpunkt ist die von Moralschmalz triefende Schlußszene, die die Ermordung der Juden als Flüchtlingsdrama verharmlost und heutige Kriegsflüchtlinge mit den verfolgten Juden vergleicht und damit einen unsäglichen Kitsch fabriziert. So ergibt sich ein ambivalenter Eindruck: engagiert und gut getanzt, aber klar konzeptionell gescheitert. Anne Frank wird hier lediglich zum Ballett verwertet.

Mittwoch, 20. April 2016

Vorschau (2) auf die Spielzeit 2016/2017 des Badischen Staatstheaters

Das Ende der Vielfalt
Das heruntergewirtschaftete Programm der kommenden Spielzeit zeigt erneut, was Intendant Spuhler der Karlsruher Oper angetan hat: vor 10 Jahren gab es 23 Opern (8 Premieren und 15 Wiederaufnahmen), in der kommenden Spielzeit ist man deutlich weniger leistungsfähig: 15 Opern (7 Premieren und 8 Wiederaufnahmen), also acht Opern weniger als ein Jahrzehnt zuvor und sogar auch weniger Programmpunkte als in der mageren aktuellen Spielzeit 2015/16.

Dienstag, 19. April 2016

Vorschau (1) auf die Spielzeit 2016/2017 des Badischen Staatstheaters

Die Premieren der Spielzeit 2016/17 für Oper, Schauspiel und Ballett sind veröffentlicht worden. Das Spielzeitmotto Von Wahn und Wirklichkeit könnte man als Überschrift für eine Kritik der so unzufriedenstellenden und diskutablen ersten Intendanzjahre von Peter Spuhler und Jan Linders betrachten. Im Einzelnen gibt es die folgenden Premieren:

Wilhelm Tell entfällt

Gerade kam die offizielle Mitteilung, daß die Premiere der Neuinszenierung von Schillers Wilhelm Tell am 19.06.2016 aus nicht genannten Gründen nicht zustande kommt und auf eine spätere Spielzeit verschoben wird. Stattdessen wird die Komödie Das Abschiedsdinner vom Studio ins Kleine Haus ziehen. Doch die Absetzung hat wohl einen unkreativen Hintergrund: man hatte keine passende Idee für das Stück, peinlicherweise hat man es in über 12 Monaten Vorbereitungszeit nicht geschafft, ein Inszenierungskonzept auf die Beine zu stellen oder Ersatz vorzubereiten. Einbußen bei Qualität und Leistungsfähigkeit begleiteten den scheidenden Schauspieldirektor bis zum Schluß.

Montag, 18. April 2016

Rückblick: Ambrogio Maestri und Thomas Brux

Thomas Brux war am Badischen Staatstheater von 2002 bis 2011 der Mann für die Stimmen. Als stellvertretender Operndirektor holte er bspw. Barbara Dobrzanska, Ina Schlingensiepen, Kirsten Blaise, Edith Haller, Sabina Willeit, Anna-Maria Dur und Lance Ryan, Bernhard Berchtold, Walter Donati, Matthias Wohlbrecht, Thomas J. Mayer, Armin Kolarczyk und Gäste wie José Cura, Ramon Vargas, Anja Harteros, Klaus Florian Vogt, Franz Grundheber, Bo Skovhus, Violetta Urmana, Franco Fagioli und Ambrogio Maestri nach Karlsruhe. Mit den beiden letzteren gelang Brux ein besonderes Kunststück: Fagioli und Maestri standen erst am Beginn ihrer Karrierre.

Ambrogio Maestri hatte 2001 seinen Durchbruch: er sang seinen ersten Falstaff an der Mailänder Scala unter Riccardo Muti. Thomas Brux engagierte ihn als Falstaff für die Saison 2002/2003 nach Karlsruhe, später sang er hier auch noch in Lucia di Lammermoor. In den folgenden Jahren ist Maestri zu DEM Falstaff unserer Zeit geworden, er soll ihn bisher über 250 mal in mehr als 25 Opernhäusern gesungen habe. 15 Jahre nach seinem Mailänder Debüt wird Maestri dieser Tage erneut Falstaff singen, erneut wird Riccardo Muti dirigieren, und zwar konzertant in Chicago. Ein passender nostalgischer Anlaß, um daran zu erinnern, was für eine gute Hand Thomas Brux bei den Hauptrollensängern in der Regel hatte und was für ein Glück das Karlsruher Publikum im letzten Jahrzehnt dadurch vergönnt war.

Dienstag, 12. April 2016

6. Symphoniekonzert, 11.04.2016

Die Trompete stand im Mittelpunkt des 6. Symphoniekonzerts und damit der langjährige Solotrompeter der Badischen Staatskapelle: der in Offenburg geborene Wolfram Lauel konnte gestern erneut die Vorzüge seines Könnens und seines Instruments unter Beweis stellen.

Sonntag, 10. April 2016

Euripides - Troerinnen, 09.04.2016

Lustige Jammergestalten
oder
Wenn die Tragödie zur Farce wird
Es ist mutig und originell, was das Karlsruher Schauspiel zeigt: Krieg und Leid als Comédie humaine, wenig Mitgefühl und viel Spott, letztendlich Pessimismus statt Pazifismus, warum auch nicht, in einer Welt, in der der Krieg wieder allgegenwärtig ist, in der Bürgerkriegsflüchtlinge von allen Seiten instrumentalisiert werden, um aus ihnen politisches Kapital zu schlagen, in der sogar der Humanismus zynisch geworden ist und es noch keinen Monat her ist, daß sogenannte Flüchtlingsaktivisten versuchten, künstlich eine humanitäre Katastrophe im griechischen Idomeni herbeizuführen, einen Grenzdurchbruch inszenierten und mitschuldig wurden am Ertrinken von Flüchtlingen in einem Grenzfluß und das für Medienaufmerksamkeit und aus Rechthaberei. In Euripides Troerinnen gibt es deshalb kaum Mitgefühl, jeder muß alleine mit seinem Unglück fertig werden, andere schauen zu und wollen es noch zu ihrem Vorteil ausnutzen oder diskutieren und rechtfertigen ihre Haltung. Das Unsägliche wird immer wieder von Galgenhumor und die Tragödie von einer Farce überdeckt, am Ende bleiben Groll und Ohnmacht. Viel Applaus gab es zu recht für sehr gute Schauspieler und flotte und solide 85 Minuten, die einige Fragen aufwerfen und bei der manche "Thema verfehlt" denken werden.

Montag, 28. März 2016

Wagner - Tristan und Isolde, 27.03.2016

Der Mount Everest der Operngeschichte 
Regisseur Christopher Alden legte vorab lobenswerterweise die Meßlatte auf die richtige Höhe: "Der Tristan ist schlicht und ergreifend der Mount Everest der Operngeschichte und den muß man erst einmal erklimmen. Und damit meine ich nicht nur die musikalische Herausforderung, vor der die Sänger stehen, sondern auch den inhaltlichen Reichtum, der allen Beteiligten einiges zu denken gibt." Alden löste die zu erklimmende Höhe zwar nur bedingt ein, gute und sterile Regie-Momente lösen sich ab, Sänger, Dirigent und Orchester zielten gestern deutlich höher. Und so gab es viel Applaus für alle und Bravo-Rufe für die Sänger, Musiker und den Dirigenten.

Freitag, 18. März 2016

Ibsen - Gespenster, 17.03.2016

Bereits im 1. Akt konnte man gestern die ersten gähnenden Zuschauer beobachten, obwohl man viele Mitarbeiter des Staatstheaters im Publikum hatte, verebbte der Schlußapplaus nach weniger als vier Minuten. Die Karlsruher Neuinszenierung von Ibsens Enthüllungsthriller und Familientragödie Gespenster leidet darunter, daß die Enthüllungsdramatik in dieser Inszenierung keine Spannung erhält, daß die Figuren zu wenig Konturen bekommen. Lakonisch, leidenschaftslos und spannungsarm, weder die Dramatik noch die Komik auslotend, sprachlich unaufregend, szenisch und darstellerisch lauwarm mißlang die Premiere zu einer betulichen und läßlichen Angelegenheit bei der man sich mal wieder die Frage stellt, wieso man Stücke bringt, für die man weder inhaltlich noch szenisch Triftigkeit belegen kann.

Sonntag, 13. März 2016

Verdi - Macbeth, 12.03.2016

Zwei Gäste hatte man gestern in Macbeth, die einen sehr guten Eindruck in einer absolut hörenswerten Aufführung hinterließen. Die Inszenierung ist seit der Premiere (mehr hier) keinen Deut besser geworden, von Insidern hört man, daß sie als kritische Satire auf Gender-Theorien gedacht ist und Plausibilität nur aus dieser Sichtweise gewinnt.

Mittwoch, 2. März 2016

Bericht über den Pianisten Frank Dupree

Ich kann mich noch gut an den ersten Auftritt des 1991 in Rastatt geborenen Pianisten Frank Dupree am Badischen Staatstheater erinnern: der hochbegabte Junge mit dem absoluten Gehör spielte 2003 in einem Symphoniekonzert das Konzert-Rondo D-Dur KV 382 von Mozart, begleitet von der Badischen Staatskapelle unter Anthony Bramall. Inzwischen hat der 24jährige 60 Klavierwettbewerbe gewonnen und einen vollen Konzertkalender.
Für SWR2 hat Musikjournalist Georg Waßmuth einen Bericht über den sympathischen jungen Pianisten erstellt, den man hier anhören kann:
https://soundcloud.com/geowas/der-ausnahmepianist-frank-dupree-portrat-fur-swr2?utm_source=soundcloud&utm_campaign=share&utm_medium=email

Dienstag, 1. März 2016

5. Symphoniekonzert, 29.02.2016

Trotz vieler Barockmusik während der Händel Festspiele traf man die Entscheidung, auch das reguläre 5. Symphoniekonzert ausschließlich mit Musik des 18. Jahrhunderts zu präsentieren: Händel - Vivaldi - Mozart, dirigiert von Stefano Montanari, der auch das Händel-Eröffnungskonzert leitete. Es wurde ein ausverkauftes Minikonzert mit einer reinen Spielzeit von knapp über einer Stunde: ca. 10 Minuten Händel, 20 Minuten Vivaldi, 30 Minuten Mozart - ein etwas zu dürr geratenes Erlebnis, sogar das "Programmheft" wirkte irgendwie zu schnell und knapp geschrieben. Musikalisch war der offizielle Abschluß der Händel Festspiele hingegen teilweise hochinteressant.

Samstag, 27. Februar 2016

Konzert im Gewandhaus Leipzig, 26.02.2016

Da ist man schon zufällig in Leipzig und es gibt weder eine Opernvorstellung noch standen die früheren Karlsruher Dirigenten Christoph Gedschold oder GMD Anthony Bramall gestern im Leipziger Gewandhaus am Pult, obwohl Gedschold allerdings zwei Stunden zuvor im Opernhaus das Kinderballett Die Märchen der Gebrüder Grimm des Choreographen Mario Schröder leitete. Das Symphoniekonzert mit Werken von Dutilleux und Schumann lohnte sich wegen der beteiligten Künstler: Alan Gilbert ist  Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker, Leif Ove Andsnes einer der maßgeblichen Pianisten unserer Zeit.

Freitag, 26. Februar 2016

Konzert mit Ann Hallenberg, 25.02.2016

Und noch ein hochwertiger Abend bei den diesjährigen Karlsruher Händel Festspielen. Mezzosopran Ann Hallenberg gehört aktuell zu den profiliertesten Barocksängerinnen, ihre zuletzt veröffentlichte CD Arias for Marchesi zeigt die Schwedin in Bestform: präzise Koloraturen, melodische Geschmeidigkeit und eine beeindruckende Kombination von Virtuosität und Ausdruck - einen Eindruck, den sie gestern nachdrücklich bestätigte.

Dienstag, 23. Februar 2016

Konzert mit Franco Fagioli, 22.02.2016

Es gibt Konzerte zeitgenössisch populärer Musik, bei denen man kurz nach Ende den Konzertmitschnitt auf einem USB-Stick käuflich erwerben kann. Schade, daß dies gestern nicht möglich war, denn erneut präsentierte Franco Fagioli Barockarien in einer Kombination von Ausdruck und Virtuosität, die man in dieser Bandbreite selten zu hören bekommt. Eine herzöffnende Vorstellung in herzlicher Stimmung zwischen Publikum, Sänger und Musiker.

Sonntag, 21. Februar 2016

Schwerer Bühnenunfall bei Arminio

Wie unerbittlich brutal nah Glück und Unglück zusammenliegen, mußte man leider heute Nachmittag auf erschreckend grausame Weise erfahren.